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2008 Copyright by Winfried Huf, South-Tyrol, Italy
Noreia
Hauptstadt des keltischen Königreichs Noricum
und erster römisch-germanischer Schlachtort
Neue Ortungs- und Rekonstruktionsergebnisse
Erstveröffentlichung: Juni 2008
Letzte Aktualisierung:
Die beiden bekanntesten noch
ungelösten, historischen Rätsel des Ostalpenraumes sind mit dem Namen Noreia
verbunden und betreffen:
-
einmal die
Hauptstadt der keltischen Noriker-Taurisker und
-
ein andermal,
der damit in Verbindung gebrachte Schlachtort, wo 113 v. Chr. - im Zuge der
Kimbern- und Teutonen-Wanderung - sich Römer und Germanen ihre erste
Schlacht der Geschichte lieferten.
Dazu weiterführende Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Noreia_%28Noricum%29
http://de.wikipedia.org/wiki/Noreia_%28G%C3%B6ttin%29
http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Noreia
Den wichtigsten
geographischen Hinweis zu Noreia erhalten wir von Strabon (griech.
Geschichtsschreiber und Geograph - um 63 v.Chr-23 n.Chr.), der die Position
der untergegangenen keltischen Hauptstadt von der Wegstrecke des
Grenzflusses zwischen den Venetern und den Aquileiern (Tagliamento) aus
misst und dafür über 1200 Stadien (über 216 km) angibt (Strabon V 1, 8).
Wird diese Distanz von der einstigen Flussmündung des Tagliamento aus auf
die heutigen Landstraßenverhältnisse übertragen, erreicht man über Tarvis
(röm. Larix) und Villach (röm. Santicum) nach ca. 208 km das Klagenfurter
Becken. Zu berücksichtigen sind dabei noch die modernen, verkürzenden
Straßenbaumaßnahmen wie Brücken- und Tunnelbau, die damals weniger zum
Einsatz kamen, was diese antike Strecke noch um mehrere Kilometer
verlängert haben dürfte. Aus diesem Gesichtspunkt erscheint Noreia höchstwahrscheinlich
im westlichen Randbereich des Klagenfurter Beckens auf einer möglichst
günstigen etwas erhobenen Lage angesiedelt gewesen zu sein.

Das dazu erweiterte,
vorläufige Ortungs- und Rekonstruktionsergebnis kommt auf eine markante
Anhöhe in unmittelbar südlicher Nachbarschaft von Klagenfurt, der heutigen
Landeshauptstadt von Kärnten. Die strategisch günstige Lage im zentralen
Bereich des Sattnitz-Gebirgszuges (ca. 750 m ü.M.) erlaubt einen
Gesamtüberblick ins Klagenfurter Becken und befindet sich an einer seit
alters her wichtigen Nordsüd-Verbindung, die später die römischen Städte
Virunum und Emona verband.
Die schematische
Einzeichnung im Halb-12-Eckformat soll auch gleich die mögliche
Grundausdehnung von Noreia veranschaulichen, welche auf eine geomantische
Ausrichtung hinzuweisen scheint, auf die die Kelten bekanntlich besondern
Wert legten. Vorbauten und Innenstrukturen sind von dieser Darstellung
ausgeblendet. Die überlieferten Maße 3,5 km Durchmesser (ältester Teil) und
3,4 mal 7,5 km (max. Weiterentwicklung) würden sich bestens in dieses
Konzept und in das hier vorliegende Gelände einfügen.
Tipp: Mittels GoogleEarth
lassen sich die Geländeverhältnisse auch von zu Hause aus mit dem Computer
im 3-D-Format einigermaßen erkunden.
Besondere Bekanntheit
erlangte Noreia durch die Erwähnung im Zusammenhang mit einer der
Hauptschlachten während des Kimbernzuges. Es ist anzunehmen, dass das
entsprechende Römerlager südlich des Wörthersees lag, etwa 7 km westlich
von hier. Dort trafen sich vermutlich erstmals Römer und germanische Führer
zwecks friedensbildender Motivation. Die Begegnung endete jedoch in der
berüchtigten Schlacht bei Noreia - siehe dazu weiter unten...
Eine interessante Parallele
dieser am Gelände angepassten Halb-Zwölfeckform in Noreia, habe ich auch an
einem frühgeschichtlichen Hauptort im Südtiroler Unterland zwischen Auer,
Montan und Neumarkt-Vill festgestellt: Endidae-Castelfeder...
(zum Vergleich dort letzte Abbildung). Dort eindeutig ersichtlich, eine
zentrierte Kreisquadrat-Formation, die an die sogenannten Kelten- oder
Viereckschanzen erinnert. Jener rätische (und keltische?) Hauptort wurde
dann um 15. v. Chr. von den Römern und später von den Germanen übernommen
und noch weiter ausgebaut.
Dieses Oppidum Noreia ist
hingegen zu Gunsten etwas nördlich gelegener antiker Hauptsiedlungsplätze
als solches bereits früh aufgegeben worden.

Hier das vorläufige Ortungs-
und Rekonstruktionsergebnis zum römisch-germanischen Schlachtort „bei
Noreia“, welches vom gleichnamigen Oppidum ca. 50 km (Luftlinie) in
östlicher Richtung entfernt ist - über dem Drautal bei Lavamünd. Die
schematische Einzeichnung zeigt das an das Gelände angepasste
dreieckförmige, germanische Lager der Kimbern und Teutonen, nebst möglichem
Eröffnungsschlachtfeld.
Dazu Appians
Schlüsselinformation zur Örtlichkeit: „... an den Alpen ... wo der
Durchgang am allerengsten ist.“ – Dies würde dem hier
vorliegenden engen Drau-Durchbruch entsprechen.
Zum Schlachtvorgang:
Der römische Konsul G.
Papirius Carbo soll nach den Friedensverhandlungen die germanische
Abordnung in täuschender Absicht eine langwierigere Route zu ihrem Lager
zurückgeleitet haben lassen. Dieser Rückweg könnte damals von Noreia aus
die Drau in einem nördlichen Bogen umgangen haben. Carbo plante nämlich das
germanische Lager zwischenzeitlich in einem Überraschungsangriff zu
vernichten. Der schnellere Weg zum östlich gelegenen Germanenlager
entspräche der antiken Hauptstraße südlich der Drau (über Iuenna-Colatio),
die das römische Heer im Eilschritt aufgenommen haben durfte, um das Lager
eher zu erreichen. Diese römische Hinterlist scheint diesmal jedoch
bekanntlich nicht aufgegangen zu sein. Das eingezeichnete, potentielle
Germanenlager über dem Drautal ist so gewählt, dass es einen derartigen
Überraschungsangriff kaum zuließ.
Zudem drängt sich hier noch
eine weitere Situation auf: Die unterschätzen Barbaren konnten den Römern
aber trotzdem den Gefallen gemacht haben und sich absichtlich dumm gestellt
haben, damit die Römer ihren erhofften Überraschungsangriff ausführen
konnten. Dementsprechend könnten sie sie von jener südlichen Angriffsseite in
die geschützte Siedlungsmulde hereinfallen lassen haben. Selbst dürften sie
diese jedoch zuvor durch die taktisch günstigeren, höheren Stellungen
eingetauscht haben. Die Römer fielen somit in ein leeres Loch, auf das die
zudem physisch stärkeren Kimbern und Teutonen dann nur mehr noch von oben
herab auf die Römer dreinschlagen brauchten.
Diese Art würde der
germanischen Lagertaktik am ehesten entsprechen, den Feind ins eigene
entleerte Lager laufen zu lassen, um in dann dort kontrolliert umzingeln
und niedermachen zu können. Die römische Lagertaktik hingegen funktionierte
genau verkehrt: die römisch übersichtlichere Lagerfläche war so sicher
umschlossen angelegt, dass sie den Feind kaum hat durchkommen lassen, -
dafür zeugen mancherorts noch ihre Mauerreste. Diese kontroverse
Angriffstaktik kostete den Römern noch so manche der künftigen Niederlagen
- zu diesen zählt die „Varusschlacht“ wohl zu den prägendsten.
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