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© 2007  Copyright by Winfried Huf, Tyrol

 

Der „Nibelungenschatz“

Rekonstruktionsanalyse der Schatzlegende mit neuem Ortungsergebnis

 

Erstveröffentlichung: 20.07.07

Letzte Aktualisierung: 08.12.08 (Ergänzung unter Punkt 3.3)

 

 

Inhalt

1. Einführung

 

2. Fundmeldung

 

3. Anlagen: Historische Begründung und Lokalisierung des „Nibelungenhorts“

1. Primärer, historischer Hintergrund im I. Teil der Nibelungensage

2. Sekundärer historischer Hintergrund im II. Teil des Nibelungenlieds

3. Weitere entscheidende Aspekte zur Überlieferung

    Exkurs: Weitere Projektionen zu Siegfried-Hagen und dessen Nibelungen-Bedeutung aus der Hunnenzeit

                Weitere Ereignisse und entsprechende Projektionen aus der Awarenzeit

                Projektionen aus der Magyaren-Ungarnzeit

                Politische Projektionen zur Zeit der Kreuzzüge

4. Die Suche nach dem „Loch“ oder dem „Loco“ (lat. locus Ort) des Schatzes

5. Tertiärer historischer Hintergrund im „Biterolf und Dietleib“ und zum „König Laurin“

6. Umfeld und Hintergrund der bekannten Nibelungenlied-Endfassung

7. Karte mit Einzeichnung des näheren Such- und potentiellen Fundbereichs

4. Ergänzungen

4.a.   Sagen, Orts- und Flurnamen zum Fundbereich

4.b.   Fotos

4.c.   Die Berücksichtigung interdisziplinärer Methoden

 

 

 

 

1. Einführung

Dieses Ortungsprojekt bezieht sich auf die bekannteste Schatzsage, die der Nibelungen. Der Nibelungen-Begriff wird hier primär auf die Burgunder übertragen, welcher historisch mit deren Reichsuntergang am Mittelrhein im Jahre 436 n. Chr. durch die „Hunnen“ und den darauffolgenden Abzug durch die heutige Schweiz, dem myth. Nifelheim (Eis- und Nebelland ~> Nebelungen) im Zusammenhang zu bringen ist. Nifelheim steht für das germanische und ursprünglich wohl keltische Totenreich der bekannten La-Tène-Kultur. Prägnant dafür ist der Kultort am Neuenburger See, wo u.a. Massen an Schwertern und Pferden dem Wasser bzw. der Unterwelt geopfert wurden, die bekanntlich die namentlichen Kultobjekte der Dietrichsagen schlechthin sind. Ebenso trifft die älteste Beschreibung von Nifelheim auf dieses Gebiet zwischen Aar, Oberrhein und Oberrhone zu. Keltisch-germanische Verbindungen bestehen hier bereits seit Jahrhunderten. Island wurde hingegen erst im Mittelalter entdeckt. Die dichterische Verbindung Island-Norwegen mit Nifelheim kann daher als sekundär betrachtet werden. Entsprechend über- bzw. unterirdisch begegnet uns Brunhild einleitend, da auch sie in dieser Vorphase noch Hel, die Göttin Nifelheims verkörpert, bis sie zu Gunthers Frau und zur Burgunderkönigin gemacht wird. Dementsprechend lässt die Sage dann auch den burgundischen Reichsschatz vom zwielichtigen und Brunhild-hörigen Hagen von Tronje in den Rhein versenken. Der Nibelungen-Begriff könnte also auf einen germanischen Übernamen für das keltische Land der Helvetier u.a. in Anspielung an die Göttin Hel zurückzuführen sein. Wichtig in diesem Zusammenhang ist der ursprüngliche Verwahrungsort des Schatzes im Berg, wo ihn der Zwergenkönig Alberich hütet. Die Zwerge sind hier Bergleute keltischer Abstammung (vermutlich auch Helvetier). Der Name Alberich setzt sich zusammen aus Albe/Alpe für Geist, weiß – und aus Rich für Reich (germ. rikja, kelt. rig-). Das weist am ehesten auf das weiße Alpenreich (lat.-germ.-kelt.) hin, das ursprünglich keltisch-rätisch war. In römischer Zeit war der nördliche Bereich des Alpenreichs unter den römischen Provinzen Alpes Graiae et Poeninae, Germania Superior (zuvor Teil Gallia Belgica), Raetica und ferner Noricum aufgeteilt – der Handlungsraum des Nibelungenlieds auch in historischer Hinsicht. Die Burgunder werden schließlich von den Römern am Westrand der Alpen angesiedelt, wo sie zur Kontrolle der Gebirgspässe eingesetzt wurden. Es ist denkbar, dass in dieser Phase und in diesem romanisch-keltisch-germanischen Umfeld die erste Aufzeichnung der Nibelungensage beginnt (Teil I).

 

Zu berücksichtigen ist weiters, dass in den Sagen ältere historische Fakten gerne mit neuen Informationen ersetzt oder aufgefrischt werden. Aufgrund begrenzter historischer Einblicksmöglichkeiten kommt es dann mit zunehmender Überlieferungszeit insgesamt zu vielen (symbolischen) Projektionen, Vereinfachungen, Verdichtungen, Verwechslungen, Überhöhungen, ..., so wie man es oft von Träumen her gewohnt ist, bei denen zurückliegende Lebens- und Tageserfahrungen entsprechend zusammengestaucht werden. Um Träume richtig verstehen zu können, bedient man sich dann verschiedener Übersetzungsmethoden der Traumanalyse und Deutung, die auch bei der Interpretation von Sagenüberlieferungen greifen und hilfreich sein können. Dabei kann zumindest der ursprüngliche Sinn der Geschichte rekonstruiert werden. In dieser Hinsicht steht hier vor allem die Schatzfrage an. Denn erst wenn die Frage nach welchem Burgunderschatz geklärt ist, kann die Richtung bestimmt werden, in der der Nibelungenschatz gesucht werden kann. Hierzu muss der burgundische Reichsschatz in zwei Hauptteile getrennt werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass auch der Sagenheld Siegfried ursprünglich vor dieser entscheidenden und existentiellen Aufgabe gestellt wurde, den Schatz zu teilen... Letztendlich handelt es sich dabei um jene logischen Schatzteile, die einerseits für die Burgunder gerettet werden konnten und anderseits ihnen durch den Hunnenangriff verloren gegangen sind. Höchstwahrscheinlich war der durch die hunnischen Räuber verloren gegangene Schatzanteil der beträchtlichere, da er zur sagenhaften Vernichtung der Burgunder-Nibelungen geführt hat und zu ihrem Zug gen Osten. Dieser ist hier damit als der Nibelungenschatz zu betrachten. Nach der Sage soll der gesamte Schatz verloren gegangen sein, was jedoch als traumatische Übertreibung nach dieser Vernichtung anzusehen ist. Bestimmt fanden gerettete Vermögensanteile den Weg ins neue Burgunderreich, was nicht nur das Überleben, sondern auch die relativ schnelle Erholung des Burgunderreichs erklärt. Nur geringere Anteile dürften dabei im Rheingebiet selbst vergessen oder sonst wie verloren zurückgeblieben sein.

 

Nachdem nun erst mal geklärt wurde, was hier mit dem Nibelungenschatz historisch gemeint ist, kann und soll in den nachfolgenden Analysen über den möglichen Verbleib dieses sagenhaften Schatzes weiter geforscht werden. Die Methodik und Darstellungsweise dieses Projektes richtet sich übersichtshalber nach dem Muster des vorangegangenen Alarich-Ortungsprojekts. Auch im Falle des Nibelungenschatzes ist vorerst davon auszugehen, dass es entsprechende Aussagen und Überlieferungen gab, die einerseits über einen verlustigen Verbleib derartiger Vermögenswerte hinwiesen, anderseits aber auch Suchende in die Irre führen konnten und sollten. Dabei verhält sich Hagens Nibelungenhort-Versenkung in den Rhein ähnlich wie die Versenkung in den Busento-Fluss bei Alarich. Während aber bei der Alarich-Bestattung noch von einer gezielt definitiven Verbergung durch den Fluss auszugehen ist (schließlich ging es um die Bestattung eines Königs und allein seines persönlichen Vermögensanteils), wo mit hoher wahrscheinlich bloß die nähere Ortsangabe irreführend angegeben worden sein konnte, kann es sich im Falle des geraubten Nibelungenhortes nur um eine vorübergehende Verbergung gehandelt haben und nicht um eine Opferung. Ob es dann zu einer Weiterverwendung jenes Reichsschatzes gekommen ist, oder ob er aus unglücklichen Umständen bis heute verschollen blieb, müsste ebenso noch durch weitergehende Untersuchungen geklärt werden. Die „Rhein-Versenkung“ kann aber in erster Linie mit der Vernichtung oder Auflösung des Burgunderreiches am Mittelrhein symbolisch in Verbindung gebracht werden, wobei die Alarich-Versenkung oder ähnlich kultische Opferungen (wie etwa in La Tène) zumindest literarisch Pate gestanden haben durften. Dazu ist zu bemerken, dass es bei der Rhein-Versenkung nur um die bekannteste Nibelungenschatz-Überlieferung handelt (um 1200), der es bisher gelang die anderen Versionen literarisch zu überlagern oder zu verdrängen.

 

Bereits nach dieser einleitenden Basisanalyse kann also abschließend festgestellt werden: Der zu suchende, geraubte Nibelungenhort muss von den hunnischen Räubern sofort in ihre östliche Richtung verbracht und verborgen worden sein, was nicht nur im zweiten Teil des Nibelungenliedes hintergründig angedeutet ist („Hagan“ ist Führer des Nibelungenzuges – der „Khagan“ ist Anführer der Hunnen), sondern auch die einzige, historisch nachvollziehbare Entwicklung dieser Schatzgeschichte darstellt und darüber hinaus auch auf das Ursprungsgebiet des Nibelungenlied II hinweist. Diesem Spurenkomplex noch weiter nachzugehen wird die Aufgabe dieses Ortungsprojektes sein (siehe hierzu Ergänzung unter Punkt 3.3).

 

 

Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungensage

http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenlied

http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenhort

http://de.wikipedia.org/wiki/Helvetier

http://de.wikipedia.org/wiki/La-T%C3%A8ne-Zeit

 

 

 

 

2. Fundmeldung

Ort der Fundmeldung:

Gemeindeamt Losenstein, 18.10.2007

Name und Adresse des Finders:

Winfried Huf, ...

Fundgegenstand:

Spätantikes Gebiets- und Kultzentrum im Traungau mit Hinweis zum „Nibelungenhort“ (hunnisch-germanisches Raubgut – hist. Hintergrund des Nibelungenliedes)

Fundbereich:

Losenstein –> Pfennigstein – Schieferstein <– Laussa, südlich von Steyr, Oberösterreich (siehe Einzeichnungen in beiliegenden Kartenausschnitten)

...

 

Anlagen:

Historische Begründung und Lokalisierung des „Nibelungenhorts“

 

3. Anlagen

Historische Begründung und Lokalisierung des „Nibelungenhorts“

Ausgehend von der Vorgeschichte (Zusammenbruch des linksrheinischen Burgunderreiches am Mittelrhein, Schlacht auf den Katalaunischen Feldern, Zusammenbruch des Hunnenreichs) wird hier die hist. Quintessenz der ursprünglichen Nibelungensage rekonstruiert, die schließlich mit späteren Geschichts- und Sagenprojektionen bis hin zur Zeit der Nibelungenlied-Niederschrift zusammengeführt werden. Dabei führen verdächtige Fehlerquellen in den Übersetzungen der frühen u. späteren Überlieferungsphase zu neuen Interpretationsmöglichkeiten u. Ergebnissen ...

 

1. Primärer, historischer Hintergrund im I. Teil der Nibelungensage

Nachdem die mittellinksrheinischen Burgunder 435 n.Chr. die römische Provinz Belgica I angegriffen haben, wurden sie vom röm. Feldherr Aetius mit Hilfe der Hunnen wieder in das ihnen zugewiesene Gebiet zurückgeschlagen. 436 erfolgte auf jenes Burgunderreich jedoch ein weiterer Hunnenangriff, der für die Einsicht in die weitere Entwicklung entscheidend sein wird. Denn die rechtsrheinischen Burgunder waren mit diesen Hunnen verbündet, die den Verwandten auf der anderen Rheinseite mit weiteren germanisch-hunnischen Kontingenten in den Rücken gefallen sein könnten – gleich Hagen gegen Siegfried. Dementsprechend könnte dieser Angriff nicht offiziell von höheren Stellen angeordnet worden sein. Er hätte sonst wieder bekanntere Konsequenzen mit sich gebracht, wie die von 435 gegen die linksrheinischen Burgunden. Vermutlich kamen germanische Hunnenteile hierbei an Informationen großer und relativ leicht zu erobernder Schatzmengen heran, der schließlich den Raubzug von 436 ausgelöst haben mag. Ein anderer Grund als einfaches Beutemachen ist hier historisch nicht nachvollziehbar.

 

Diese Situation erinnert an folgende literarisch verarbeiteten Ereignisse im I. Teil der Nibelungensage: Hagen von Tronje erfährt über Kriemhild von der verletzlichen Stelle Siegfrieds (hier historisch: Gundahar). Er nutzt diese Information aus, tötet Siegfried und kommt so zum Schatz. Demnach müsste dem düsteren Hagen von Tronje historisch eine „germanisch-hunnische Position“ zugeordnet werden, welche die Burgunder-Katastrophe am Mittelrhein auch tatsächlich ausgelöst hat und mit der Schatzversenkung (= Reich-Versenkung) in den Rhein symbolisch besiegelt wurde. Die Position Siegfried-Gundahar wurde erst durch spätere, merowingische Sagen-Eingriffe mit einen ihrer Könige besetzt (z.B. Sigibert I., 575 ermordet) und Gundahar auf eine weniger glanzvolle Rolle verdrängt.

 

Dieser beispielhaft frühe Reichsuntergang wäre nicht so sehr in die Literaturgeschichte eingegangen, wäre damit nicht von Anfang an eine außergewöhnliche Schatzmenge verbunden gewesen, dessen Verlust durch Heimtücke für viele existenzbedrohlich gewesen sein musste. In beiden Teilen der Nibelungensage stellt dieser „nibelungische Reichsschatz“ den Maßstab aller Handlungen dar (Anfang und Ende), der ursprünglich die historische Basis dargestellt haben muss. Inhaltlich dürfte sie nicht viel mehr als eine Pergamentseite einer Klageschrift oder einer Chronik ausgemacht haben. Erst nach Jahrhunderten langen politischen, sprachlichen und literarischen Entwicklungen wurde dies zu einem Monumentalwerk von ca. 2400 Strophen gestreckt, bei dessen Interpretation immer der jeweils zu analysierende, historische Hintergrund im Auge behalten werden muss. Hier ist es eindeutig die ursprüngliche Burgunder-Untergangssage, die mit ihrem Schatz in einem reichsbestimmenden Dreiecksverhältnis König – Schatz – Volk (Heer) verbunden wurde. In keiner anderen vergleichbaren Reichs-Untergangsgeschichte wird dieses historisch-politische Konzept so beispielhaft veranschaulicht. Die Überlebenden werden schließlich ins Nebelland am Genfer See übersiedelt, welches auch mit dem keltisch-germ. Totenreich Nifelheim/Nifelhel in Verbindung gebracht werden kann (Nebel: lat. nebula, germ. nibila). Es kann sich hierbei um einen alten, germ. Übernamen für das Land der keltischen Helvetier u.a. in Anspielung an die Göttin Hel des Schnee- und Nebellandes (Unterwelt, Hölle) handeln. Der Schatz wird im Berg vom König Alberich (lat.-germ.-kelt. Synonym für das keltische Alpenreich, weißes Reich) bewacht.

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Burgunden

http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungensage

http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenlied

http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenhort

http://www.poechlarn.at/nibelungenlied.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Helvetier

 

2. Sekundärer historischer Hintergrund im II. Teil des Nibelungenlieds

Beim Burgunderzug nach Osten dürfte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen historischen Nebenschauplatz gehandelt haben, denn der abschließende Vernichtungskampf ist – wie oben erwähnt – historisch noch dem I. Teil zuzuordnen. Der Hintergrund der Burgunderreise gen Osten im II. Teil dürfte hingegen kein reines Festgelage gewesen sein, sondern ein Thing oder ein Althing, wo sämtliche Stämme u.a. zu Kriegsrats- und Gerichtsverhandlungen zusammenkamen. Die Burgunder konnten inzwischen erholt und durch weitere Verbündete gestärkt (Alamannen, Sueben, Franken, Westgoten) nach Gerechtigkeit und Sühne für den hunnischen Überfall von 436 unter allen föderierten Volksstämmen eingefordert haben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass auf der hunnischen Seite bereits seit Jahren ein Überhang an germanischen Stämmen zu zählen ist, wie Rugier, Bajuwaren, Quaden, Heruler, Ostgoten, Langobarden, Gepiden ... was unter diesen Umständen ein größeres Althing noch wahrscheinlicher werden lässt, und die ganze Situation sich noch komplexer dargestellt hat, als sie uns später überliefert wurde. Denn so stehen ebenso die rechtsrheinischen Burgunden unter Verdacht an diesem fatalen Angriff teilgenommen zu haben, so wie es sich noch in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern 451 wiederholt hat, wo diese beiden Burgunder-Seiten, wie auch die West- und Ostgoten, oder die linksrheinischen West- u. rechtsrheinischen Ostfranken verhängnisvoll gegeneinander kämpften. Diese Völkerschlacht scheint ohnehin eine Folge/Parallele des Überfalls von 436 gewesen zu sein und ist unter ähnlichen Ursachen zustande gekommen, was auch im Nibelungenlied seinen Niederschlag gefunden hat.* 

 

Da es sich hier also um keine rein pannonisch-hunnische Angelegenheit handelte (dementsprechend spielt diese Seite im Nibelungenlied bloß eine Nebenrolle), konnte sich dieser große Treffpunkt historisch nicht in Gran (Ungarn) zugetragen haben, sondern in einem zentraleren Verhandlungsort. Da das größte Kontingent der Angreifer aus Rugiern und Bajuwaren bestanden haben dürfte, welche auf der nördlichen Seite von Rätien und Noricum siedelten, könnte sich diese Althinga-Stätte im nördlichen Grenzraum von Rätien-Noricum befunden haben. Ein dazu passender Ort wäre Passau (Castra Batava-Boiotro) gewesen, ein weiterer: Altötting (Autingas), das nicht nur in einer besseren Ost-West-Verbindung lag. Altötting erscheint urkundlich erstmals 748 als agilolfingischer Herzogshof, dann als karolingische Königspfalz, was hier einer Fortsetzung der zentralen Althing-Tradition entsprechen würde. Eine Althinga-Stätte würde sich hier auch archäologisch auf dem großen Kapellplatz anbieten. Östlich davon lag die antike Großstadt Wels mit Gerichtshof (röm. Ovilava, ahd. Weles). Könnte die Völsunga-Saga (auch: Welsunga) neben dem Wölflingsbezug vielleicht auch eine ursprüngliche Beziehung zu Wels (germ. wel- wollen, ahd. wel, welsunga lautstarke Forderung, germ. sangwa Gesang, Lied) eingenommen haben? Zumindest wäre Wels einst welfisches Gebiet gewesen. Die Völsunga-Saga enthält ältere Bestandteile der Nibelungensage, welche in den nordischen Kulturkreis übertragen wurden.

 

Diese lautstarke Forderung zur Herausgabe des geraubten Burgunderschatzes dürfte die angeklagte hunnisch-germanische Stammesführung (eine Minderheit unter den übrigen Föderierten) verweigert haben, wie Hagen von Tronje im Nibelungenlied. Beim daraufhin tödlichen Kampf muss auch das Wissen um den näheren Schatzort verloren gegangen sein. Der Schatzort hätte sich jedoch aus dem damaligen Tätigkeitsbereich jener hunnisch-germanischen Söldner erschließen lassen können, was auf die eine oder andere Weise in den Überlieferungen Eingang gefunden haben müsste. Wenn dem so wäre, scheinen diese Informationen bislang als unzureichend übersetzt und verarbeitet worden zu sein, was in den folgenden Punkten zu klären versucht wird.

 

http://de.wikipedia.org:80/wiki/Thing

http://de.wikipedia.org/wiki/Althing

http://de.wikipedia.org/wiki/Altötting

http://de.wikipedia.org/wiki/Passau

http://de.wikipedia.org/wiki/Wels_(Stadt)

http://de.wikipedia.org/wiki/Völsunga-Saga

http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_auf_den_Katalaunischen_Feldern

 

 

* Die beiden entscheidendsten Ursachen zur Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (im Frankengebiet) und ihre Nibelungenlied-Parallelen:

 

  1. Der Erbfolgestreit zwischen zwei fränkischen Königssöhnen, wobei der Ältere zu Attila hielt und der Jüngere zu Aetius. Der Jüngere soll entgegen der Tradition als Nachfolger ausgewählt worden sein, womit Attila benachteiligt u. brüsk übergangen wurde. Von Aetius soll der Nachfolger als „Kind“ (engl. Child) angenommen und vom Kaiser reich beschenkt worden sein (Quelle: Priskos v. Panion in den Excerpta de legationibus).

Nibelungenbezug: Siegfried soll zwischen den beiden um das Erbe streitenden Königssöhnen Schildung und Nibelung vermitteln. Er tötet sie und das Ungeheuer, das ihren Schatz bewacht und wird somit selbst Besitzer des Nibelungenhortes. Hier scheint Siegfried der Antriebskraft Attilas zuvorgekommen zu sein, was für spätere Siegfried-Erklärungen von Bedeutung ist... -> Exkurs

Wahrscheinlichster historischer Bezug: Es könnte sich um Merowechs Königssöhne gehandelt haben, wobei der Nachfolger Childerich I. im Nibelungenlied als Schildung übertragen wurde. Der abgesetzte Nibelung (*Nobiling lat.-germ. der für das Königsamt Würdige) aber angeblich zu den Hunnen hielt (germ. Nibelungi abgeleitet von Nibelhel für die germ. Nebel-Hölle - griech.-lat. Tartari - dt. Höllischen). Der Drache dürfte Bezug auf Merowech (= Meer-Vieh, Meeresungeheuer) genommen haben, dessen Geburtssage mit einem Meeresungeheuer in Zusammenhang gebracht wurde (Fredegar-Chronik).

Anmerkung: Solche „Kämpfe um Meerungeheuer“ in den Gebirgen der Dietrichsagen führte bei neuzeitlichen Historikern etc. zur Meinung es handle sich bloß um Märchen. Die korrekte Interpretation kann diese „Märchen“ jedoch schnell wieder zu ihrer historischen Wirklichkeit zurückführen: Denn richtig übersetzt bedeutet der „Kampf gegen Meerungeheuer“ als der Kampf gegen Merowinger (merowingische Heeresschlangen). Also Vorsicht mit historisch voreiligen „Märchen“-Disqualifikationen, denn besonders in jener Zeit, wo die Sprachentwicklung noch voll im Gange war, bediente man sich bei Besonderheiten (fremden/feindlichen Kultureinflüssen) mit eigenen, markanten Wortspielereien. Noch heute ist diese Kommunikationsform als Jargon üblich. Auch wenn heute ein 1500jähriger Jargon nicht mehr voll durchschaubar ist, sollten Historiker diese sprachl. Umgangsform ebenso den Altvölkern zutrauen, ohne sie gleich ins Fabelreich zu bannen..

  1. Honoria, die römische Kaiserschwester wurde mit einem alten Senator zwangsverheiratet, worauf sie Attila einen Ring und ein Schreiben mit dem Eheversprechen sandte. Attila nutzte dieses Angebot und forderte das halbe Westreich als Mitgift, was ihm untersagt wurde.

Nibelungenbezug: Kriemhild von ihren Brüdern und Hagen hintergangen (Ehemann Siegfried ermordet, Schatz gestohlen) rächt sich bei ihnen über den Eheweg mit Attila.

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Merowech

http://de.wikipedia.org/wiki/Childerich_I.

http://de.wikipedia.org/wiki/Justa_Grata_Honoria

 

3. Weitere entscheidende Aspekte zur Überlieferung

Hier genügt es nicht, wie bisher üblich, aus dem Mittelhochdeutschen in die Gegenwart zu übersetzen. Es muss vorerst in die Situation der ursprünglichsten Sagenüberlieferungsphase des 5. Jahrhunderts zurückgeblendet werden. Für diese Zeit, in diesem Raum waren verschiedene vulgärlateinische und germanische Sprachmischungen verbreitet. Bei ihrer Verschriftlichung wurde nicht zwischen Groß- und Kleinbuchstaben unterschieden, da die Runen- und römische Lateinschrift diese Unterscheidungsart nicht kannten. So waren auch die Wortabstände nicht immer eindeutig. Dieselben Probleme tauchten bei mündlichen Übertragungen auf. Erst nach drei Jahrhunderten wurden mit der karolingischen Minuskel die Groß- und Kleinbuchstaben eingeführt. Entscheidende Übersetzungsfehler in dieser Vorphase waren unumgänglich, wenn man bedenkt, wie oberflächlich viele Kopisten auch noch in der Folgezeit gearbeitet haben.

 

In der hier entscheidenden mittelhochdeutschen Textstelle endet der Nibelungenschatz schließlich durch Hagen von Tronje ... ze Lôche in den Rîn (ô = langes o). Die meisten übertragen den mittelhochdeutschen Wortlaut direkt, ins Neuhochdeutsche: Demnach versenkt ein Hagen von Tronje den Schatz in einem Loch in den Rhein, oder in einem Ort der so ähnlich geheißen haben muss. Solche Übertragungen wären nur schlüssig, wenn nicht so viele Jahrhunderte Überlieferungszeit dazwischen gelegen hätten. Es hätte ursprünglicher auch ganz einfach ze loche rin, also „ins Loch hinein“, bedeuten können.

 

Vollständigkeitshalber müssen jedoch auch Projektionen und Entwicklungsmöglichkeiten aus der germanisch-althochdeutschen und lateinischen Perspektive überprüft und berücksichtigt werden. Lateinische Assoziationen sind zu berücksichtigen, da in jener Zeit wichtige Urkunden und Chroniken fast ausschließlich in dieser Sprache verfasst wurden, die von späteren Überlieferern als Basis ihrer Interpretationen herangezogen worden sein konnten. Lateinische Urkunden waren zudem überlebensfähiger, da diese als die wichtigeren gehalten wurden und so Vorrang bei den Rettungsmaßnahmen in zahlreichen Katastrophenfällen (Brände, Kriege, ...), sowie bei Erneuerungen genossen. Germanisches Kulturgut galt hingegen als heidnisch und landete ohnehin häufig auf den „reinigenden“ Scheiterhaufen. Bevor es jedoch zur lateinischen Verschriftlichung kam, dürften im nördlichen Raum interne Informationen in germanischen Sprachen verbreitet worden sein. Missverständnisse und Überlagerungen waren hier daher vorprogrammiert. Hierzu eine entsprechende Aufstellung von Entwicklungsbeispielen:

 

hagan austronja (germ.: östliches umgrenztes Land, östlicher Wall, ...) –> Hagan us Tronja –> Hagen aus Tronje

 

lāh (ā = langes, helles o), loh (sprich: loch) ahd.: für Abgrund, Einzäunung, Grenzzeichen (z.B. lāhbuohha für Grenzbuche), Höhle, Lache, Loch, Öffnung, Schlund, Spalt, Schranke, Sperre, Verschluss, Wald.

... in rein (ahd.): an der Grenze, Schutzwehr, ergänzend zum Begriff hagan. Oder:

... enn (germ.) – rain, rin (ahd.): hinein, die folgende Bedeutungsverschiebung zulässt:

Enns –> Rein –> Rin – also vom Enns-Fluss zum Rhein versetzend.

 

Unter den an einer Grenze besonders markierenden lāh- oder loh-Punkten fallen: Grenzzeichen, Höhle, Schlund-Spalt oder eine besondere Grenzsperre bzw. einen engeren Grenzdurchgang.

 

Lateinische Assoziationen zu Loche und Rin (Rhein? kelt. Rheno, lat. Rhenus, Rhenum, rätorom. Rein, ripuarisch Rhing):

in loco (lat.): im Ort ... – zumeist um einen bestimmten Ort oder eine Grenze festzulegen (locare). Passend dazu der Lochstein = Grenzstein (siehe unten, zur altdeutschen Bergmannsprache)

regno, regnum (lat.) für (König-)Reich – z.B. mit der Assoziation: loco regno – Herrschaftsort, ...

oriens (lat.) Osten, Gegend im Osten – z.B. mit der Assoziation loco oriensDas O stünde im germ.-ahd. für: an, von. O-RIENS ließe sich so übertragen zu: am Rhein oder am Flusse - Enns. Dazu wäre folgende Verknüpfung möglich: locoriens, die beispielsweise unweit vom oben erwähnten loche rin liegt.

 

Zur altdeutschen Bergmannsprache: zi loche an de rinna oder zi lochstaina an de rinna

Übersetzt: Beim Fundgrubeneingang an der Rinne. Beim Lochstein (Fundgrubengrenze) an der Rinne.

Der Ursprung des „Loch“ könnte hier von lat. locus abgeleitet sein: Ort, Bestimmungs- oder Begrenzungsort, Anfangs-/Endpunkt. In der deutschen Bergmannssprache erhielt sich der alte Ausdruck Lochstein für Grenzstein, weil die Gruben ebenso Löchern entsprachen. Weiteres dazu im nächsten Punkt 4.

 

Daraus ergäben sich insgesamt spezifiziertere germ.-ahd. Ortsangaben mit lateinischen Einflussmöglichkeiten, die nicht nur auf das Rheingebiet zutreffen können, sondern vor allem auf eine östliche Grenzmark, weil eine größere, germanisch-hunnische Raubschatzung den eigentlichen Hintergrund des Nibelungenlieds darstellt. Eine rein burgundische Angelegenheit hätte übrigens am Rhein selbst gelöst werden können. Die Lösung führte jedoch weiter nach Osten. Darüber hinaus überwiegen hier die Assoziationen zu Grenze, Land und Berge vermutlich mit Bergbauaktivitäten, - die mit Wasser fallen sekundär aus.

 

Der sonderbare Personennamen Hagen (aus hagan germ. Hecke, Umzäunung, umgrenzter Ort, ...) könnte sich ursprünglich also auf ein Objekt, einen Ort bezogen haben und erst in weiterer Folge auf die Funktion des: hagustalt, hagustalda (germ. Haghaber, Einsiedler, Knecht, Krieger). Dazu verwandte Begriffe sind aigan für haben und aigon für Besitzer: kein Hag, kein Besitz! Hago = Habe, hagon = behagen, besitzen. Schließlich gilt Hagen als neuer Besitzer des Nibelungenhorts. Es ist nicht verwunderlich, dass Hagan oder Hagen in den früheren herrschaftlichen Stammtafeln nicht vertreten ist, so wie es die anderen Personennamen der Sage sind, - weil in Adelskreisen der Besitz zur Voraussetzung gehört. Hagen assoziiert jedoch auch gemäß Nibelungenlied den (neuen) Guts-Besetzer, was ihn eher in die Nähe von Räubern bringt. Und allein diese Figur macht die Burgunder-Nibelungen gegen die Historie zu Räubern, waren sie 436 doch selbst die Beraubten. Vermutlich ist sie also den Burgunder-Nibelungen hier nachträglich gleich eines Kuckuckseis unterschoben worden. Das erkläre die maximalste Fiktivität in welche der Dichter diese Sagenfigur handeln lässt. Bei Siegfried-Brunhild ist diese nur einleitend mythisch bedingt, bei Hagen durchwegs dichterisch-künstlich.

 

Die einzig akzeptable Übertragungsmöglichkeit von hagan austronja ins Lateinisch-Griechische ist: hageter austero. Interessanterweise ergibt sich daraus die genaue Personenbeschreibung von Hagen aus Tronje, was sich schwer als Zufall deuten lässt:

hageter (lat.-griech.): Führer, Wegweiser (Hagen bestimmt prägend, wo es lang geht, vom Königsmord über den Schatzraub bis zum Ostzug, und jedes Verbrechen lässt man ihm bis zuletzt einfach gelingen.)

austero (lat.-griech.): ernst, herb, trocken, mürrisch, streng, scharf, düster (Hagens Charakterisierung in der Sage) [auch über: austra germ. Osten]

 

Die Stelle der Nibelungenschatz-Verbergung durch „Hagen von Tronje ... zu Loche in den Rhein“ hätte also ursprünglich im 5. Jh. auch einen Ortsbezug in germanischer Sprache darstellen können [übersetzt etwa: „im Ostwall... Ostland an einem Grenzzeichen (Lochstein?)... oder am (Haupt-)Ort dieser Reichsgrenze (loco regno)“], der dann mit seinem (unbekannten) oder anderen ähnlichen Herrennamen verknüpft worden sein konnte (von hagan austronja zu Hagen-aus-Tronje).

Durch freiere Interpretationsansichten hätte später dieser Orts-Personenbezug vom ursprünglichen Ort losgelöst, auf jeweils aktuellere Burgundische oder Fränkische übertragen werden können: So wie in den letzten Fassungen des Nibelungenlieds geschehen, wo etwa eine elsässische Ortskombination westlich von Straßburg hergehalten haben könnte, die zumindest bis in die karolingische Zeit zurückzuführen ist und somit auf Kompositionen dieser Zeit:  Kirchheim (um 807 Trhonie, 728 pago Troningorum? auch Troninga), der Ort Haegen 20km nordöstlich davon und die Grafenreihe der Hugues (Hugo, zu germ. hugu für Verstand) erst ab dem 10. Jh., 10 km südlich davon in Dabo (Dagsburg) lokalisierbar. Nicht zu verwechseln mit Hugues I. von Troyes (11.-12. Jh.), ein Templer. In diesem Zusammenhang muss gleichsam die sagenhafte Herleitung der Franken von Gregor von Tours (fränk. Geschichtsschreiber 538-594, Historia Francorum) berücksichtigt werden, der die Franken von Pannonien (also vom Hunnenland) kommend den Rhein überschreiten lässt, wo ihr König zu „Duspargum (Dagsburg?) in finibus Thuringorum“ (andere Schreibweisen 787: Thurninga, Turninga) seinen Hof gehalten haben soll.

 

Das passendste Ursprungsgebiet von hagan austronja, das Jahrhunderte später tatsächlich als Ostland bezeichnet wurde und sich bis auf den heutigen Tag gehalten hat, wäre Österreich. Demnach könnte Hagen aus Tronje das „Phantom“ der ursprünglichsten germanischen Bezeichnung von Österreich sein, wo dieses noch ein relativ unscheinbares östliches Grenzgebiet dargestellt hat, als germanisch-hunnische Stämme (Rugier, Bajuwaren) das Gebiet kontrolliert haben und bis zum 10. Jh. auch noch als Hunnenmark gegolten hat. Im Nibelungenlied beherrscht diesen Bereich Markgraf Rüdiger von Bechelaren (heute: Pöchlarn), der hier im Enns-Bereich seine westliche Markgrenze hielt. Der Name Rüdiger könnte ursprünglich auf die Anwesenheit der ostgermanischen Rugier und einer ihrer Könige hinweisen, die Ptolomaios Rutiklier (~> Rudiger) nannte. Sie waren in der hier betreffenden Zeit mit den Hunnen verbündet. Zu Rüdigers besonderer Beziehung mit der Hagen-Figur siehe noch in Punkt 5.

 

Hier die gesamte, mutmaßliche Namensentwicklung bis heute:

1.      hagan austronja (germ.), (ahd.: hag ostroni): östlicher gau- oder limesartiger Grenzbereich, Distrikt (5.Jh.). Anmerkung: Im 5.-8. Jh. wird der östliche Teil des merowingischen Königreichs Austrasien/Austrien genannt. Der Hagan-Zusatz hätte dagegen auf eine kleinere östliche Grenzmark hinweisen können.

2.      Marka Awari, Marcha Avari (bekannt als Awaren- oder Hunnenmark): karolingische Zeit, um 800. Zuvor: 788 fällt hier am Ybbsfeld eine entscheidende Schlacht gegen die Awaren (Nachfolgestämme der Hunnen).

3.      Marchia orientalis (lat.): östliche Mark, Mark im Osten (Markgrafschaft östlich der Enns, westlich davon lag das Hzm. Bayern), Vertrag von Verdun 843

4.      Ostarrichi (ahd.): Ostreich, Schenkungsurkunde Kaiser Otto III. 996. In dieser Ersterwähnung Österreichs schenkte der Kaiser dem Bischof Gottschalk von Hagenau das Gebiet Neuhofen (siehe Karte). Die Herren von Hagenau waren ein altes bairisch-österreichisches Adelsgeschlecht. Auch hier stellt Hagen einen Ortsbezug dar.

5.      Österreich: um 1100, Mark Österreich 1156, umgangssprachlich auch Osterland oder Osterlant genannt. Österreich bleibt bis heute die gebräuchliche, deutsche Bezeichnung für das inzwischen angewachsene Staatsgebiet.

6.      Austria (latinisiert, internationalisiert): latinisiert aus dem Germanischen austra (Osten) und austronja (östlich), wo wir wieder bei der obigen, vermutlich ursprünglichsten Bezeichnung dieses Landstriches angekommen sind.

 

Der folgende historische Karteneinblick zeigt die Grenzentwicklungen von der Grenzmark Ostarrichi bis zum Hzm. Österreich (Zeitspanne: ca. 976-1300). Die rote, schematische Einzeichnung im Wurzelbereich von Ostarrichi und Traungau (germ. truma für Rand, Ende, „ad Trun“ 8. Jh., „de Trone“ 12. Jh.) würde ungefähr dem hier maßgeblichen Grenzgebiet hagan austronja im 5. Jh. entsprechen. Die östliche Mark dehnte sich von hier nach Osten hin aus, der Traungau nach Westen. Hinsichtlich des Traungaus wäre in der karolingischen Übergangszeit die Existenz eines „Hagan de Trone“ nachvollziehbar und würde mit den NL-Überlieferungen des 12. Jh. ebenso übereinstimmen: In Fassung A „Trony“, „Troni“, „Tronie“, in B und C „Tronege“.

Bis heute haben sich in diesem alten Grenzbereich die Landesgrenzen zwischen Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark erhalten.

 

 

Ostarrichi

Abb. 1, Grundlage aus: Historischer Weltatlas, Österreichischer Bundesverlag, Wien 1972, S.57 (Ausschnitt)

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Karolingische_Minuskel

http://de.wikipedia.org/wiki/Hagen_von_Tronje

http://de.wikipedia.org/wiki/Hag

http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCdiger_von_Bechelaren

http://de.wikipedia.org/wiki/Rugier

http://de.wikipedia.org/wiki/Awarenmark

http://de.wikipedia.org/wiki/Marcha_orientalis

http://de.wikipedia.org/wiki/Ostarrîchi

http://de.wikipedia.org/wiki/Herren_von_Hagenau 

 

 

Exkurs:

 

Weitere Projektionen zu Siegfried-Hagen und dessen Nibelungen-Bedeutung aus der Hunnenzeit (4.-5. Jh.)

 

Hinter dem Hagan austronja (östlicher Hagen) könnte sich jedoch auch eine bedeutendere Persönlichkeit des Ostens verbergen, welche dann von den germanischen (fränkischen) Überlieferern allerdings bewusst verschleiert und mystifiziert worden sein konnte, um ihre wahre Identität der Nachwelt nicht mehr wiedererkennbar zu machen. Dann aber könnte die Nibelungen-Kernthematik sogar hunnischen Ursprungs sein, wie sich nachfolgend zeigt:

 

Denken wir an den jungen Siegfried, der das schwere Schmiedehandwerk erlernt, zwei zerstrittene Königssöhne tötet, einen Drachen (Herrscher, Krieger, ....), dann den Schatz raubt und damit König der Nibelungen wird. Dies wäre der typische Aufstieg eines hunnischen Führers - eines Khagans - in der Geschichtsforschung als hunnisches Schmiedekönigtum bekannt. Die Titulatur Khagan wiederum erinnert an Hagan oder Hagen, der nicht nur viel besser in eine düstere Schmiedewerkstatt passt, sondern auch zur damit verbundenen Hinterhältigkeit, - während hinter dem blonden Jüngling eher fränkisch-merowingisches Jagdvergnügen durchschimmert. Die Siegfried-Hagen-Beziehung endet auch dementsprechend: Hagen tötet nun ebenso Siegfried hinterhältig bei der Jagd. Dieser zuvor gerissene zuletzt aber naive Siegfried scheint erst später von den Franken anstelle eines weiteren konkurrierenden Khagans-Anwärters ersetzt worden zu sein. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass Hagen als einziger im Burgunderhof über den unbekannten Siegfried zu berichten weiß – ein weiterer Hinweis zu einem ursprünglich besonderen Nahverhältnis der beiden. Das Attentat auf Siegfried macht hier nur Sinn, wenn es ursprünglich um einen wichtigen Machtkampf zwischen Konkurrenten gegangen wäre und nicht wie hier um die Eifersucht zwischen zwei Frauen.

Die Schmiedekunst spielte früher bei den Germanen (etwa 3.-4. Jh.) keine so große Rolle, wie das bei den Hunnen der Fall war, die sie bereits hochspezialisiert aus dem Osten mitbrachten. Es ist also eher anzunehmen, dass die Germanen diese Tradition - neben anderen Elementen - von den Hunnen übernahmen, insbesondere nach dem Verschwinden der Hunnen aus der Geschichte (2. Hälfte 5.Jh.). Dadurch hätte ebenso eine hunnische Schmiedekönigsage bzw. eine Khagan-Sage bei ihren Überlieferungen Eingang finden können. Die zunehmend germanisierende Umgestaltung hätte schließlich zum bekannten Ergebnis des Nibelungenlieds geführt, wo die hunnische Komponente zwar noch teilweise vorhanden, aber überwiegend sekundär nach hinten verdrängt wurde.

Ursprünglich hätte also die westgerm. Siegfriedsage eine hunnische Khagan-Sage sein können, die mit einem Siegertyp im Osten begann, der sich vom Schmiedehammer an - die hunnische Hierarchie aufwärts arbeitete und dabei einige seiner Konkurrenten hinterhältig ausschaltete. Als Khagan führte er dann seine Horden brandschatzend und Schätze hortend gen Westen bis er vermutlich selbst Opfer eines Hinterhaltes wurde. Die germanisierte Nibelungen-Version tauschte vorerst den ersten hunnischen Khagan-Anwärter gegen Siegfried aus, und lässt ihn dann vom nächstkonkurrierenden Khagen (Hagen) ausschalten. Dieser führt dann im 2. Teil die Nibelungen zu den Hunnen, wo die Geschichte wieder im hinterhältigen Kampf endet. Hagen selbst endet aufgrund des „Nibelungenhorts“ durch die Hand eines germanischen Weibes, was auch dem sagenhaften Ende des Khagan Attila sehr nahe kommen würde. Ebenso hat Attila zuvor seinen konkurrierenden Bruder Bleda unter ähnlichen Umständen wie bei Siegfried in einem Attentat ausschalten lassen, um selbst Khagan (oberster Hunnenführer) zu werden. Selbst noch 800 Jahre später, zur Zeit der Nibelungenlied-Niederschriften realisiert sich dasselbe hunnische Karrieremuster beim Mongolenfürst Dschingis Khan (um1162-1227), dessen eigentlicher Name sogar „Schmied“ Temüdschin bedeutet, und grausame Eroberungen bis nach Europa führt („Geißel der Menschheit“), um dann wieder unter ähnlich seltsamen Umständen wie Attila („Geißel Gottes“) umzukommen.

 

Weitere primär-prägende hunnische Hinweise im Nibelungenlied:

- Die Oströmer/Byzantiner nannten die Hunnen „Tartari“ abgeleitet von Tartaros (griech. Unterwelt/Hölle) - also die Höllischen/Teuflischen - was angesichts ihrer grausamen Eroberungsmethoden verständlich ist. Die entsprechende germ. Übersetzung wäre die Niflungen/Nibelungen abgeleitet von Nifelheim/Nifelhel für Unterwelt/Hölle. Nibula/Nifol stünde für Nebel, Dunkelheit, Finsternis. Bestimmte Germanen könnten die dunkelhäutigen und tatsächlich finster aussehenden Hunnen ursprünglich ebenso nach der verbreiteten oström. Bezeichnung aber in ihrer Sprache: die Höllischen, also etwa die Niflungi/Niblungi bezeichnet haben. Dass diese Übersetzung eines damals bedeutenden Begriffs nicht geschah, ist eher unwahrscheinlich. In Konsequenz könnte diese Benennung dann im germ. Jargon auf alle (germ.) Völker übertragen worden sein, die zu den Hunnen hielten und mit ihnen verbündet waren – also auch auf die östlich siedelnden Burgunder, Franken, .... Dass ein Volk sich selber nach der (germ.) Hölle benennt dürfte hingegen sehr unwahrscheinlich sein.

- Eine weitere Bestätigung der Nibelungen-Hölle(Hel)-Theorie liegt in der Nibelungenlied-Komposition: Sie beginnt einerseits aktiv in der Unterwelt der schmiedenden Nibelungen-„Zwergen“ (die Hunnen waren gemessen an den Germanen eher kleinwüchsig - Attila ca. 150cm) und endet in der mythischen Höllenfahrt zur Hunnenhalle (Hölle und Halle sind ein germ. Synonym), wo im Endkampf und Hallenbrand der hel-denhafte oder höllenhafte Untergang zelebriert wird. Und erst mit dieser Fahrt-Verbindung zu den Hunnen erhalten die Burgunder auch gleichnishaft das Prädikat Nibelungen. Hätte sich der Begriff ursprünglich auf eine dazu historisch-politisch relativ unbedeutende Ortschaft (z.B. Nivelles) oder einen hist.-polit. unbedeutenden Bach (z.B. Neffelbach) bezogen, hätte er kaum einen so nachhaltigen Bedeutungsgrad erzielt.

- Der Drache ist ein typisch östliches Herrscher-Symbol. Denken wir an den chinesischen Drachen, der dort weniger negativ betrachtet wird, sondern ähnlich wie in Europa der Stier. Die Hunnen sollen vor dem Hunnenzug nach Westen von den Chinesen verdrängt worden sein. Sie könnten dieses Symbol mitgebracht haben, das die Germanen neben anderen Attributen übernommen haben dürften – mit dem Unterschied, dass sie auf diesem fremdartigsten Symbol der asiatischen Hunnen - alles Negativ-Hunnische (rohe Grausamkeit, Hölle, ...) projizierten. Der Anfangs auf Merowech (~Meerungeheuer) projizierte drachenartige Lindwurm widerspricht dieser Theorie keineswegs, sondern kann als germ. angepasste Zutat aufgefasst werden.

- weitere kulturelle Elemente der Hunnen/Skythen, welche die Germanen als positiv übernahmen: wie anfangs erwähnt die besondere Schwertschmiedekunst und das damit verbundene Königtum, den Reflexbogen, das Pferd, die Steigbügel, als Stammesschutztier den Wolf (siehe Völsunga-Saga, Wölflinge) und den Adler (bes. bei den Ostgoten)

....

 

Fazit: Unter diesem Aspekt würde der hier erörterte Hagen-Begriff eine gewisse Aufwertung erfahren, da der germ. Hag-Bezug im Verhältnis zum Stand eines hunnischen Fürsten (Khagan) einen relativ untergeordneten darstellen würde. Hag- könnte damit als germ. Zusatz-Erklärung betrachtet werden, welche die Khagan-Bedeutung zu überlagern hatte. Dies würde die eigenartig verstellte und verschleierte Sonderstellung Hagens einschließlich Siegfrieds erklären. Damit würde der Nibelungenschatz nunmehr noch eindeutiger den Status eines eingangs erörterten Hunnenschatzes einnehmen, welcher auch nur im Osten bzw. an der Ostgrenze (östlicher Hagen) hätte verborgen worden sein können – das Ziel und Ende des zweiten Teils des Nibelungenliedes.

 

Link zum hunnischen Schmiedekönigtum:

http://books.google.de/books?id=mJG02-T4C4oC&printsec=frontcover&dq=schmiedek%C3%B6nigtum&source=gbs_summary_r&cad=0#PPA195,M1

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Dschingis_Khan

 

 

Weitere Ereignisse und entsprechende Projektionen aus der Awarenzeit (6.-8. Jh.)

 

Die fränkische Königin Brunichild von Austrasien (= Ostteil des Frankenreichs, - umfasste das Rhein-Main-Donau-Gebiet) wehrte mittels Tributzahlung einen größeren Awarenkrieg 597 ab. Im selben Jahr starb ihre machtlüsterne Rivalin Fredegunde, welche einige Könige und Thronanwärter/innen ermorden ließ (mind. sechs), um an ihre Schätze und Machtansprüche zu gelangen (Brunichild und Fredegunde dürfen zu den hist. Vorbildern der Brünhild-Krimhild-Rivalität im Nibelungenlied zählen. Brunichild wurde der negative Part zugewiesen, weil sie beim fränkischen Adel durch zentralistische Bestrebungen ungut in Erinnerung blieb, was ihr auch das Leben kostete.). Der Transport der reichen Tributzahlung musste entlang der Nibelungenzug-Route zum Awaren- bzw. zum Hunnenfürsten Khagan Baia gegangen sein. Dass damit auch die Übergabe von fränkischen und eventuell westgotischen Geiseln verbunden waren, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden. Diese Ereignisse wurden dann im Walthariuslied – einem der Vorlagen des Nibelungenliedes – entsprechend literarisch verarbeitet: Von den drei Geiseln kam zuerst Hagan frei, dann flüchtete Walther und Hildegunde mit einem Schatz aus der awarischen Gefangenschaft. Schließlich wurde am Wasgenstein zwischen Gebirge und Schlucht der Kampf um den Schatz ausgetragen. Es überlebten schwerverletzt der Hauptheld Walther, Hagan und Gunther. Anschließend versöhnte man sich wieder. Der Wasgenstein wird mit den Vogesen gleichgesetzt. Ursprünglich dürfte seine Bedeutung jedoch nur nach dem Haupthelden Walther gemünzt gewesen sein, der westgotischer Aquitanier war. Das lateinische Aquitanier übersetzt sich ins Germanisch-Althochdeutsche als wasko, was heute noch in der Bezeichnung Baske (span. vasco) enthalten ist. Damit wird klar, dass hier einst weniger die Vogesen als vielmehr ein Gebirge gemeint war, aus dem ein westgotischer „Aquitanier“ bei einer Entscheidungsschlacht ruhmreich hervorgegangen sein könnte (weitere Beziehungen zu Biterolf und Dietleib siehe weiter unten). Waskan bedeutet aber auch waschen. In diesem Zusammenhang mit Berg könnte am ehesten Goldwaschen gemeint sein. Ahd. Synonyme zu waskan lauten lohon, luhhen, was an die Schatzort-Nennung ze loche im NL erinnert, also eher zum Reinwaschen des Goldes führen könnte, als zu Hagens Rhein-Versenkung. Die direkteste Ost-West-Verbindung Richtung Burgund-Aquitanien führt auch nicht über die Vogesen, sondern über das Jura-Gebirge, wo sich an der Grenze der Mont d‘Or also der Goldberg erhebt (altes Bergbaugebiet wie südlich von Steyr). Bei den relativ häufigen Hagen-Erscheinungen in diesen Sagen fällt nebenbei auf, dass diese Figur für Grenzbereiche und ihre Konflikte herangezogen wurde.

 

Um 625 – eine Dekade nach dem Tod Brunichilds – gründete Samo (ein fränkisch-keltischer „Kaufmann“) das erste Slawenreich östlich von Austrasien. Auch seine Karawane musste dieselbe Route, wie die der Nibelungen, der römischen oder später fränkischen Schutzgeld-Karawanen an die Hunnen-Awaren gezogen sein. In diesem Falle kann es sich aber wohl weniger um eine gewöhnliche Waffenkarawane gehandelt haben, als vielmehr um einen Heereszug gegen die Awaren. Samo verhalf dabei den Westslawen erstmals zur Befreiung aus der awarischen Unterdrückung und zu einem eigenständigen Slawenreich. Insofern kann Samo die Funktion eines Hagens übertragen werden, der diese „Mission“ aber in der Art eines keltischen Artus ausführte und dabei letztlich wiederum in Konflikt mit den fränkisch-merovingischen Monarchen geriet (siehe hierzu weiter unten bei den Ergänzungen). Die Slawen in den östlichen Grenzgebieten Austrasiens und Baierns scheinen auch nach dem Tode Samos sich eine gewisse Unabhängigkeit zum Awarenreich bewahrt haben. Ähnliche Unabhängigkeitsbestrebungen gönnten sich die agilolfingischen Baiernherzögen zum Frankenreich, die durch eine eigenwillige Kirchenpolitik (zahlreiche eigene Klostergründungen), Bündnispolitik mit den Langobarden und Abkommen mit den grenznahen Slawen gekennzeichnet war. Tassilo III. ließ so bei der Klostergründung zu Kremsmünster 777 in der Urkunde einen slawischen Herrscher Zupan Physso samt Gefolge als Vertragspartner auftreten, vermutlich in der Eigenschaft eines Markgrafen, womit er wiederholt in königliche Funktionen eingriff, und damit den fränkischen König herausforderte. 787/8 ließ Karl d. Große schließlich Tassilo III. samt Familie gefangen nehmen und ihn in der Ingelheimer Königs- und späteren Kaiserpfalz am Rhein u.a. wegen eines angeblich hochverräterischen Bündnisses mit den Awaren verurteilen und seine Anhänger landesweit beseitigen. Er persönlich übernahm Tassilos Herrschaft und setzte an der Enns (bei Lorch) einen Markgrafen der sogenannten Awarenmark ein, das Zentrum der späteren Ostmark (Marchia orientalis). Sein erster Angriff auf die Awaren schlug fehl. Erst nach sorgfältiger Kriegsplanung mit Truppen aus dem ehemaligen Langobardenreich wurde das Awarenreich 795/6 aufgerieben. Die davon ins Frankenreich heimgeholten Awarenschätze könnten laut Einhards Überlieferungen, jene der Nibelungischen übertroffen haben. Dass es dabei ebenso „nibelungisch“ bzw. nicht mit rechten Dingen zugegangen sein dürfte, ist naheliegend, womit das Feld weiterer Ressentiments und Auseinandersetzungen bestellt worden sein konnte. Wie das Nibelungenlied und Walthariuslied auch richtig hinweisen, mußten solche Auseinandersetzungen zumeist an den Schatzorten selbst oder an ihren Transportwegstrecken bei strategisch-taktisch vorteilhaften Stellen stattgefunden haben, die auch ein „nebulöses“ Verschwinden („Tarnkappe“) erlaubten.

 

All diese Ereignisse erinnern wieder an jene im Nibelungenlied (insbesondere Teil II) literarisch geschilderten: Einladung zu einer festlichen Reichsversammlung. Kämpfe. Gefangennahmen. Anklagen, Verurteilungen, Schatzeintreibung. Ähnliche Vorwürfe also, die Karl d. Große an Tassilo III. richtete, wurden im Nibelungenlied von den Burgunden an ihre inzwischen „hunnische“ Schwester Kriemhild gerichtet. Kriemhild war eigentlich im Recht mit der Forderung nach Schadensersatz für Ihren ermordeten Mann u. gestohlenen Schatz. Und der angeblich „awarische“ Tassilo war ebenso im Recht: Denn die fadenscheinigen Anklagen waren im Grunde nur ein Vorwand, um sich eines emanzipierenden Bündnispartners einfachst zu entledigen und sich seines reichen Landes bzw. Schatzes vollständig zu ermächtigen. Eine späte und verschärfte Wiedergutmachung wird im Biterolf und Dietleib aufgezeigt, wo schließlich Dietleib durch einen Rechtsverstoß Hagens das Grenzland bei Steyr als Entschädigung von Attila persönlich erhält (weitere Hinweise zu Biterolf und Dietleib siehe weiter unten). In diesem Epos wird einmal mehr demonstrativ auf eine urbairische Position verwiesen, die sich hier gegen eine wiedererwachende burgundisch-fränkische Hegemonie stellte, die wieder unaufhaltsam mit den Babenbergern Einzug hielt und später durch die Habsburger ihre Fortsetzung erfuhr.

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Brunichild

http://de.wikipedia.org/wiki/Fredegunde

http://de.wikipedia.org/wiki/Merowingischer_Bruderkrieg

http://de.wikipedia.org/wiki/Waltharius

http://de.wikipedia.org/wiki/Awaren

http://de.wikipedia.org/wiki/Tassilo_III.

http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_Gro%C3%9Fe

 

 

Projektionen aus der Magyaren-Ungarnzeit (10.-11. Jh.)

 

In der mhdt. Nibelungenlied-Übertragung der älteren Nibelungensage tretet die Form Atli/Attlia auf Kosten der ungarischen Herrscherlinie Geza-Stephan politisch-aktualisierend zurück.

 

Namentliche Ableitungen: frank.-franz. Estienne, Etienne, span. Esteban, ungar. Istvan für Stephan – zu dieser Reihe steht die mhdt. Verkleinerungsform Etzel näher als zu Attila. Hinzu kommt Stephans Vorgänger Geza dessen mhdt. Verkleinerungsform *Gezel sein könnte und assoziativ noch näher zu Etzel stünde. Dazu folgende, erweiterte Begründung:

 

Im mhdt. Nibelungenlied dürfte Stephan I. von Ungarn 969-1038 (verheiratet mit Gisela von Bayern, Tochter von Gisela v. Burgund, die nach Stephans Tod ebenso wie Kriemhild/Ildigo verfolgt/gefangen wurde) Vorbild für den Hunnenkönig = Hungar-König Etzel gewesen sein. Sein Vater Geza ca. 940-997 war Pilgrims (920-991) Zeitgenosse, welcher als Initiator des mhdt. Nibelungenliedes gilt u. ebenso darin verewigt wurde. Sowohl Stephan I., als auch Gisela wurden später heilig/selig gesprochen und stehen maßgeblich für die Christianisierung der Ungarn (Hunnen). Dementsprechend wurde das mhdt. Nibelungenlied auch als (relig.-polit.) Missionswerk von den Passauern Bischöfen angelegt.

Noch bedeutender ist das für diesen Raum immer wiederkehrende Nibel(h)ung(ar)ische Machtkampf-Muster: hier aktuell zwischen Bayernherzog Heinrich II. d. Zänkers (951-995, Giselas Vater) mit Kaiser Otto II., das ca. 200 Jahre zuvor zwischen Baiernherzog Tassilo III. u. Karl d. Großen ebenso herrschte, welches für Heinrich II. letztlich versöhnlicher u. damit besser ausging, als damals für Tassilo III.

Die Ursprünge dieses Nibel-Hunnischen Machtkampfmusters zwischen den damaligen Ost-West-Konkurrenten (Westgermanen - hunnische Ostgermanen) und Nord-Süd-Konkurrenten (Germanen-Römer) reicht weit in die Römerzeit zurück, dessen Front sich entlang des Limes-Bogen von Norden nach Osten hinzog, in dessen Zentrum Rätien lag. Dementsprechend erbten die bairischen Herzöge das Konfliktpotential dieses Raumes, welches weiterhin sowohl mit den Burgundern/Franken im Westen (... später Habsburger), wie auch mit den Hunnen im Osten (... später Ungarn) schicksalhaft verbunden war. In den Dietrichsagen wird die Komplexität dieses kreuzförmigen Machtkampfmusters noch am umfassendsten dargestellt, was auf ursprünglichere Überlieferungen u. Sagentraditionen hinweist. Im Walthari- u. Nibelungenlied wird hingegen der Ost-West-Konflikt ins Zentrum gerückt, was auf entsprechende (räumliche) Entkoppelungen hierzu in der karolingisch-ottonischen Epoche zurückgehen dürfte.

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Géza_(Ungarn)

http://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_I._(Ungarn)

http://de.wikipedia.org/wiki/Gisela_von_Bayern 

 

 

Politische Projektionen zur Zeit der Kreuzzüge und der Nibelungenlied-Niederschriften (12.-13. Jh.)

 

In dieser Zeit dominierte der Ghibellinen-Guelfen-Konflikt. Die Ghibellinen (Staufer) könnten mit den Nibelungen und die Guelfi (Welfen) mit den Wölflingen (Hunnen, Hunnenpartei) verglichen worden sein. Die Welfen haben ohnehin ihren Ursprung bei den Hunnen gesehen. Die Konflikte dieser beiden ersten politischen Parteien (Kaiserpartei-Papstpartei) waren ebenso vergleichbar.

Vergleichende Hinweise:
Waibling, Ghibeling, erstmalige Erwähnung 1185: "Nato a loco qui dicitur Guibelinga"
-> Gibichungen (die Burgunder-Franken des König Gibich im Waltharius-Lied),
-> Giukungen (die Burgunder des König Giuki in der Völsungasaga – dagegen die Völsungen: Wölfinge, Hunnen),
-> Niflungen (die Burgunder des König Gunnar in der Thidreksaga – die Wölflinge hier auf der Seite Dietrich von Bern u. Hunnen)
-> Nibelungen (die Burgunder des König Gunther im Nibelungenlied – die Wölflinge hier auf der Seite Dietrich von Bern u. Hunnen)
weniger mythische aber real-politische Begriffe aus der Zeit der meisten dieser Sagenerzeugnisse:
-> Ghibelinge, aus ital. Ghibellini (Waiblinger, Staufer, Kaiserpartei) und Guelfen, aus ital. Guelfi (Welfen, Papstpartei)

 

Ergänzende Links:

http://www.s-line.de/homepages/m-ebener/KarteIII-4%20(Staufer).html

http://www.staufer-spektakel.de/Historisches/Stauferstele,138.php

http://de.wikipedia.org/wiki/Ghibellinen_und_Guelfen

 

 

4. Die Suche nach dem „Loch“ oder dem „Loco“ (lat. locus Ort) des Schatzes

Die Basis, der gesuchte spätantike Hagan oder Grenzwall (lat. limes) im Osten ist näher eingegrenzt. An dessen nördlicher Spitze befand sich nicht nur die antike Hauptstadt Lauriacum der römischen Provinz Noricum, sondern 20 km südlich davon eine römische Wehrstellung, aus der die heutige Stadt Haag hervorging (urkundlich erstmals 1032 erwähnt) – übrigens nicht die einzige im Traun-Bereich. Hag-Ortsnamen scheinen hier überdurchschnittlich vertreten zu sein. Doch muss der zentrale Focus hier besonders markanten „Loch“- oder loh-Orten zugesprochen werden. „Loch“ und „Loco“ (lat. für Ort) müssen und sollten sich dabei nicht gegenseitig ausschließen. Gemäß altdeutscher Bergmannssprache entspräche dies sogar noch einer Übersetzung, die sich zumindest bis ins althochdeutsche Verständnis zurückverfolgen lässt (z.B. lāhbuohha für Grenzbuche, sprich lochbucha).

 

Markante loh-Orte wären wie oben bereits hingewiesen: Grenzzeichen (Lochsteine), Höhlen (Löcher), Schlunde-Spalten oder besondere Grenzsperren bzw. engere Grenzdurchgänge. Dazu kommt noch die Möglichkeit, dass derartige Besonderheiten in Orts- und Flurnamen Eingang gefunden haben könnten (Beispiel Rheinland: Lochheim) und vielleicht in älteren Orts- und Flursagen. Unter solchen loh-Ortsnamen fallen hier Lauriacum-Lorch (heute Enns) und vermutlich Losenstein. Hierzu sollen vorrangig die Potentiale Losensteins geprüft werden, da die antike Hauptstadt Lauriacum auf  Dauer kaum ein sicheres Schatzversteck hätte bieten können, außer wieder eine auszuschließende Versenkung in die Donau oder Enns:

 

Losenstein liegt im östlichsten Teil des Alpenvorlands, etwa 15 km südlich von Steyr an der Enns, umgeben von den ersten höheren Bergen zum Donautal hin. Die Namensherkunft könnte u.a. aus germ. lusan für verlieren entstanden sein, der Nachbarort Laussa von germ. lausa für los, frei, - was auf einen engen Zusammenhang der beiden Orte deutet und eine Ab- oder Einlöse des Gebietes anzeigen könnte (Lösegeld: ahd. losa, losunga für Bezahlung). Diese Hinweise erinnern an den 2. Punkt oben und spielen im nächsten Punkt wieder eine Rolle. Losenstein könnte ebenso eine kelt. Teilübersetzung von Losensteins Hausberg dem Schieferstein sein: kelt. loxso für schief. Loxso ähnelt übrigens ebenso der Schatzort-Nennung Loche, was dann auch den Schieferstein betreffen würde. Das Wappenschild von Laussa beinhaltet eine eigenartige Zeichenkomposition (gestürzte Mondsichel, ein Tatzenkreuz und zwei Andreaskreuze), dessen Alter und Bedeutung noch zu klären sind. Die Burg Losenstein gehört zu den ältesten und größten Burgruinen Oberösterreichs. Die sagenhafte Benennung „Los am Stein“ (siehe entsprechende Ortssagen) könnte auf eine Lösung in Hinblick eines Verlustes hinweisen und mit „Verlust am Stein“ (germ. lusan-staina –> Losenstein) oder „Bezahlung am Stein“ (germ. losan-staina –> Losenstein)  übersetzt werden. Könnte dieser Verlust oder jene Bezahlung mit dem gesuchten „Loch“ in Verbindung stehen? Der nahe Dürnberg weist zudem auf kelt.-germ. duron, germ. dura für (Grenz-)Tor, einen alten schmalen Grenzdurchgang hin, der von den Burgherren kontrolliert worden sein dürfte. Oder von kelt. duron für Burg(Berg), was noch treffender dafür erscheint. Darüber die Felsformation Pfennig-Stein - vermutlich aus Fenes-Stein (Venus-Stein) gebildet, einem sogenannten Mutter-Stein. Solche Steine oder Felsen sind für gewöhnlich mit einem Loch oder einem Spalt ausgezeichnet, was hier zutrifft. Der gesuchte Begriff: Loch-Stein? Solchen kultischen Lochsteinen könnten ebenso die Funktion von Mark- oder Grenzsteinen übertragen worden sein. In der Nähe des Pfennigsteins befindet sich eine Höhle, die sogenannte Eva-Kuchl (= Eva- oder Venus-Höhle). Die Namen Eva und Venus können hier als bedeutungsähnlich übernommen werden. Bei der Analyse von Eva-Kuchel nach germ. Sprachbedeutungen, ergeben sich dazu wieder interessante Spuren: kuh- gewölbt (gewölbte Höhle) oder kuhska keusch (keusche „Schuster-Eva“-Sage) und erwa Erde, Sand (erwa kuhska - keusche, reine Erde, ohne Erz). Keusches oder „taubes Gestein“ würde in der Bergmannssprache ebenso einen „Verlust am Stein“ bedeuten. In diesem Bergbaugebiet boten solche „reine Löcher“ zudem gute Verstecke. Die zahlreichen Schatzsagen belegen dies. Das Erz wurde früher Enns-abwärts zur römischen Waffenfabrik nach Lauriacum verbracht. Die hier vorliegende Verbindung von Bergbau und Kultberg (weitere Hinweise in Ergänzungen...) wäre für die gesuchte Schatzverbergung geradezu prädestiniert, wenn die zuvor erörterte Grundvoraussetzung (hagan austronja –> Hagen-aus-Tronje) ebenso stimmen würde.

 

Zu alledem scheint sich im Bereich des heute unscheinbaren Losenstein ursprünglich ein gewisses Herrschaftszentrum des alten Traungaus bzw. seines Vorgängers befunden haben, das später gänzlich auf Steyr überging. Dazu folgende Herleitung (siehe auch nachfolgenden Karteneinblick und nächsten Punkt 5):

 

1.      Ausgangspunkt ist die für diesen Ort bereits erwähnte überdurchschnittliche Burganlage.

2.      Die Begriffsverwandtschaft von Losenstein und Laussa, ihr einheitsbildender Grenzverlauf und die zentrale Positionierung innerhalb des Grenzbezirks Steyr (alte Steiermark), sowie des alten Traungaus.

3.      Schließlich wird dieses Zentrum von entsprechenden „Rahmen“- oder Hag-Gemeinden umrahmt, was insgesamt an ihren Grenzen (teils durch rechteckförmige Flächenbildung erkennbar) und den Ortsnamen auszumachen ist. Bei drei dieser Gemeinden ist diese Bedeutung noch in ihren Namen erhalten: Reich-, Groß- und Kleinraming (germ. ramo für Rahmen). Die übrigen Gemeinden dürften sich später von den „Raming“-Gemeinden abgespalten haben. Die ing-Endung zeichnet sie als bajuwarische Siedlungen aus. Die allg. Herleitung aus dem slawischen Rubenica für „Fischbach“ scheint hier weniger zuzutreffen.

 

Steyr

 

Abb. 2: Landkarte (Quelle: http://doris.ooe.gv.at/) mit hist. Grenzverlaufsanalyse, die um Losenstein-Laussa ein ehemaliges Zentrum des alten Traungaus (5.-8. Jh.) verortet, das später eine derartige Stellung wieder an Steyr verloren (germ. lusan) haben könnte.

Orange Linien: heutige Grenzen von Stadt- und Landbezirk Steyr, sowie Losenstein-Laussa

Dünne rote Linien: aktuelle Gemeindegrenzen

Rosa Linien: zu den aktuellen Bezirksgrenzen von Steyr abweichender Grenzverlauf des historischen Traungaus um 900.

Violette Rahmenlinien: Rahmen-Zentrum-Schema zu einem möglichen Zentrum in Losenstein-Laussa im Zusammenhang seiner „Rahmengemeinden“: heute noch durch Reich-, Groß- und Kleinraming gegeben.

Eine vergleichbare Situation ergibt sich mit der bereits oben in Punkt 2 genannten Stadt Wels zum gesamten oberösterreichischen Gebiet.

 

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Steyr

http://de.wikipedia.org/wiki/Enns_(Stadt)

http://de.wikipedia.org/wiki/Lauriacum

http://de.wikipedia.org/wiki/Losenstein

http://de.wikipedia.org/wiki/Laussa

http://de.wikipedia.org/wiki/Reichraming

http://de.wikipedia.org/wiki/Wels_(Stadt)

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/losenstein.html

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/pfennigstein.html

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/eva_kuchl.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Venusberg_%28Sage%29

Weitere Hinweise in Ergänzungen...

 

5. Tertiärer historischer Hintergrund in „Biterolf und Dietleib“ und zu „König Laurin

Das Dietrich-Epos Biterolf und Dietleib stellt zum Nibelungenlied II eine dazu passende und ergänzende Variante dar. Das Hauptmuster:

·        Der Zug nach Osten an den Etzel-Hof verbunden mit einem ungerechten Kampf und der Forderung nach seiner Vergeltung.

·        Kriegerisch-festliche Zusammenkunft mit den Burgunden und ihren Verbündeten, (Turnier-)Kämpfe und wiederholte Forderung nach Vergeltung.

·        Schließlich aber – im Gegensatz zum Nibelungenlied-Ausgang – Versöhnung  und großzügige Schenkung (Entschädigung?)

Dieses Darstellungsmuster könnte dem historischen Ausgang im Nibelungenlied II näher gekommen sein, der oben im Punkt 2 angezeigt wurde: Die vom Westgoten Dietleib geforderte Vergeltung des durch Hagen von Tronje erlittenen Unrechts fällt in einer Althing-artigen Zusammenkunft mehrerer Herrscher und Ritter. Es finden entscheidende Kampfspiele und Kämpfe statt. Am Ende gilt die Vergeltung als vollzogen und der Hauptheld Dietleib (germ. Volks-Nachfahre) erhält von Etzel (von Attila germ. Väterchen) das Steierland zum Lehen, das ursprünglich dem alten Traungau (Trone) entsprochen haben konnte (siehe obige Karte Abb. 1).

Ein ähnliches Muster ist aus dem noch älteren Waltharius (um 930) überliefert. Hier kommt der Westgote (Aquitanier) Walther, der Franke Hagen und die Burgundin Hildgund zeitweise als Geisel zum Hunnenkönig Attila. Gunther hier Frankenkönig hat es auf den Schatz abgesehen, den Walther aus dem Hunnenlande mit sich führte. Wieder kommt es zum Streit mit vielen Toten - diesmal im Wasgenwald (angeblich in den Vogesen), wobei Hagen eindeutiger zwischen den Fronten gestellt wird. Walther, Hagen und Gunther überleben schwerverletzt und teilen sich den Hunnenschatz auf. Walther nimmt Hildgund mit sich nach Aquitanien.

Anmerkung: Die Westgoten waren mit den linksrheinischen Burgunden gegen die Hunnen verbündet. Teile dieser Westburgunden zogen Anfang des 5. Jh. mit den Westgoten nach Gallien (Aquitanien) und Spanien weiter. Eine nachfolgende Unterstützung der verbliebenen Westburgunden zu ihrem Fall von 436 gegen die germanischen Hunnen, darunter gegen die hunnischen Ostburgunden ist naheliegend. Da solche wichtigen Unterscheidungen in den Sagen nicht gemacht wurden, sind historische Widersprüchlichkeiten die Folge.

 

Weitere besondere Verdachtsmomente zu Biterolf und Dietleib:

1.      Konflikt-Ursprung: in Hagens Burg (Hagen aus Tronje: hagan austronja oder Hagan de Tron?), wobei Hag(an) auch Burg- oder Wehranlage bedeuten kann.

2.      Grund der ersten Konfliktlösung: Dietleibs Speereisen war nicht im Lanzenschaft (griech. styrax), d.h. nicht kampfbereit. Mögliche Umschreibung zu Styraburg (Erwähnung von Steyr 980), aber auch zur Westburgunderklage (Nibelungenklage zum hinterhältigen Überfall).

3.      Dietleibs Vergeltungsforderung dazu: erscheint stark übertrieben. Möglicher Grund: Der wirklich historische Konfliktursprung muß viel größer gewesen sein: bspw. der Burgunderfall 436.

4.      Dietleibs „Entschädigung“ - das Steierland - erscheint wieder stark übertrieben, hingegen angemessen, angesichts des möglicherweise wirklich historischen Konflikthintergrunds: Burgunderfall – Nibelungenschatz-Forderung?

5.      Schatzersatz: Der Nibelungenschatz-Bezug entfällt, erscheint jedoch durch Steierland angemessen ersetzt worden zu sein. Ein Hinweis auf den Schatzort? Dietleib aus dem ferneren Westen wird das Land ausdrücklich rechtsmäßig übertragen. Also müssen die historischen Vorgänger samt all ihren erblichen und sonst nahestehenden Nachfolgern plötzlich im Kampf gefallen sein, womöglich über einen Gerichtsbeschluss. Die schlussendliche Übertragung auf eine nach Vergeltung fordernde, gebietsfremde Person lässt dies als wahrscheinlichste Variante zu.

6.      *Rüdiger von Bechelaren führt den vergeltenden Kriegszug gegen die Burgunden an – wie umgekehrt Hagen im Nibelungenlied diesen nach Osten anleitet – und wird dort schließlich dafür auch noch mit Schätzen reich beschenkt – wie sonderbar. Rüdiger erscheint hier als reziproke Position und Figur zu Hagen im Nibelungenlied-Kontext. Historisch könnten sie jedoch derselben östlichen Seite angehört haben, die in der literarischen Überlieferung durch Verwechslung getrennt wurde. Interessant in diesem Zusammenhang daher das kameradschaftliche Zusammentreffen zwischen diesen beiden literarischen Gegenseiten im Nibelungenlied, indem von Rüdigers Seite aus Hagen zweimal Schilder erhält. Hinter diesen Schild-Gesten ist ein historisches Detail versteckt: In Rüdigers Herrschaftsbereich befand sich einst die römische Schildfabrik in Lauriacum.

7.      Das Zusammentreffen bei den Burgundern weist richtig darauf hin, dass der Streit-Fall bei den Burgunden seinen Ursprung hatte. Ebenso richtig deutet die Lösung dieses Streitfalles in die östliche, germanisch-hunnische Richtung mit der Übertragung Steierlands an den Geschädigten bzw. ihren rechtsmäßigen Volks-Nachfolger oder Volks-Erben (germ. deudo-laibo - Dietleib).  In einer älteren Lied-Version (Atlilied der Lieder-Edda) wird der Nibelungenschatz ebenso als „Erbe der Nibelungen“ genannt.

8.      Im Namen von Dietleibs Vater Biterolf (germ. bita-wulfa - beiße-Wolf, Wolfsbeißer = Wolfshund, ahd. wolfbizzo) setzt sich die tiefere Bedeutung fort (Wolfshund: der Herdebeschützer vor beutegierigen Wölfen, Stammesverteidiger): Der Name Biterolf weist dabei am ehesten auf die einerseits rein beutemachenden Wölfe (Hunnen) hin und anderseits auf den Wolfshund, der es zu verhindert weiß.

Ein weiterer Aspekt der –olf- oder –ulf-Namen: Königsstämmige Nachfolger, die aufgrund der oft hohen Kinderanzahl von Königen, oder aus illegitimen Königsverbindungen hervorgegangen sind, erreichten vorerst höchstens die Herzogenwürde und mussten eventuell um einen Königsstand dafür zumeist außer Landes dafür kämpfen, entsprechend des Wolfsleben (Beta-Wolf).

9.      Biterolfs und Dietleibs“ entsprechende historische Herrscher und nachfolgende Herrschergeschlechter: Während Hagen von Tronje eher auf ein Gebiet hinweisen könnte, sollten mit Biterolf und Dietleib die neuen Stammesgründer samt Umfeld gefunden werden, die mit jenem Gebietsanspruch in Verbindung zu bringen sind, die hier als das Gebiet Hagen aus Tronje – hagan austronja ausgemacht wurde:

  • Ausgehend von der bairischen Herrscherdynastie der Agilolfinger beginnend mit Stammvater Agilolf (~Biterolf: germ. bitan beißen, stechen; agjo Schärfe, Spitze, ...) 420-482 und Sohn Theodo I. (~Dietleib = theudo-laibo) 455-530: Agilulf war Fürst der Sueben und Quaden. Sein Vater war Fürst Hunimund (395-469) der Donau-Sueben. 
  • Der römische „Kaisermacher“: Ricimer 405-472 aus einer suebisch-westgotischen Verbindung aus dem spanischen Biterolf-Dietleib-Herkunftsbereich. Sein Nachfolger, der römische König Odoaker 433-493 aus Noricum (Oberösterreich-Niederösterreich-Steiermark-Kärnten-Salzburg-...). Sein Vater Edekon (ostgerm. Skire) war General bei den Hunnen unter Attila (Etzel).
  • Die Otakare sahen sich vermutlich als Erben Odoakers und der Agilolfinger nach der karolingischen Herrschaft ab dem 9. Jh. im Chiemgau, dann Traungau, Karantanien (Kärnten-Steiermark) und der Ostmark.
  • Österreichische Babenberger mit Stammvater Leopold I. um 940-994 (eigentlich Liutpold oder Liupo von lupo lat. Wolf) erster Markgraf von „Ostarrichi“ seit 976.
  • Die Welfen (von germ. wulfa Wolf, - germ. hwelpa, ahd. welpf für junger Wolf, Hund, Wolfshund) ein fränkisches Grafengeschlecht aus dem 8. Jh. bekannt seit dem 9. Jh. durch Verbindungen mit burgundisch-suebischen Adelshäusern. Ihre Herkunft sahen sie ebenso in Edekon und Odoaker. Neben Burgund übernahmen sie wie die Otakare ursprünglich agilolfingische Gebiete.

Diese Entwicklung zeigt einen bestimmten Gebietsanspruch gemäß des Biterolf-Dietleib-Epos übertragen auf eine längere Reihe von Herrschergeschlechtern, die sich dabei jene alte, wölfingische Abstammungsgeschichte und Weltanschauung (mit anderen verbündet, vor allem mit Römern und Hunnen) einzuverleiben suchte.

*Rüdiger: Auch in diesem Namen steckt der Wolf/Hund (germ. rudjan, ahd. rudio großer Hetzhund), neben dem damit allg. verbundenen Begriff Ruhm (germ. hroma, hrodi, ahd. ruom).

Rüde heißt der männliche Wolf/Hund (germ. rudjan, ahd. rudo großer Hund, rudio großer Hetzhund)

Rudel: Gruppe von Wölfen

Rudelbildung: fulken (ahd.) –> fulka (germ. Volk, Schar) –> fulgen (germ. folgen) –> Volker - Freund Hagens (= Folger)

rüde: unfreundlich, grob, roh, rücksichtslos – eine Leitwolf-Beschreibung, in die ebenso Hagen passt.

Passau – die „Werkstatt“ des Nibelungenlieds – trägt den Wolf als Wappentier, Wolfger v. Passau wird als dessen Hauptmäzen betrachtet.

 

Ein weiteres Mal taucht Dietleib von Steyr in der Sagengeschichte als eine der Zentralfiguren auf und wieder als Ankläger diesmal gegen den Dolomiten-König Laurin, der ihm seine Schwester Künhilde raubte. Dafür existieren wieder historische Parallelen:

1.      Die Sagenverbindung Dietleib-Laurin dürfte aus der entsprechend politischen Verbindung vom Hzm. Kärnten (und Steiermark) mit der Markgrafschaft Verona (Bern) hervorgegangen sein, die 976 begründet wurde. Im selben Zeitraum wurde die Ostmark zu Ostarrichi. Bei solchen Gelegenheiten kommt es häufig zu Verschmelzungen der Herkunftssagen jeweiliger Herrscherfamilien und ihrer Ländereien. Der Laurin-Namen könnte dabei vom antiken Lauriacum übertragen worden sein.

2.      Einige Jahrzehnte zuvor herrschte Arnulf von Kärnten (ein „Wölfling“, karolingischer Herkunft) 850-899 über das Gebiet, der es bis zum römisch-deutschen Kaiser brachte.

3.      Arnulfs Tochter Ellinart wurde tatsächlich geraubt und zwar vom Markgrafen der Ostmark Engelschalk II. Die lächerliche Sagenbeschreibung des König Laurin trifft zudem den eines „Engelschalks“ (ahd. engelhafter Spaßmacher).

4.      Engelschalk II. wird schließlich ähnlich König Laurin gefangen und geblendet. Die versöhnliche Spaßmacher-Funktion des gefangenen Laurin, der schließlich auch Dietrich von Bern rettet, setzte sich jedoch als die zumeist überlieferte Sagen- und Spielversion durch.

5.      Nur zwei Jahrzehnte vor der Landesübertragung (Mgft. Verona nach Kärnten) ereignete sich eine bekannte Entführungsgeschichte auch in der Mgft. Verona: Adelaide von Burgund (König Lothars 19jährige Witwe) wurde von Markgraf Berengar II. auf die Burg Rocca di Garda (~Rosengarten-Assoziation) entführt, wo sie vom deutschen König Otto I. befreit und geheiratet wurde. 10 Jahre später wird er Kaiser.  

6.      Eine namentliche Verbindung zur entführten Künhilde ergibt sich mit der welfischen Kunigunde, die im 11. Jh. in die Veronesische Adelsfamilie d’Este einheiratete und damit den Stamm der jüngeren Welfen begründete.

7.      Andere Laurinsagen weisen auf ältere Versionen hin, die noch ohne diese Entführungsgeschichten auskommen. Dort geht es vor allem um den Schatzreichtum in „hohlen Bergen“. Dabei kann es sich um eine Berghöhle (Karst oder Bergwerk) beziehen oder um eine bestimmte Talformation im Gebirge. Was hier auf das Dolomitengebiet zutrifft, passt ebenso auf das Dolomitgebiet des südlichen Grenzbereichs von Steyr.

8.      Sogar jene „Wölflings“-Spur hat sich im ladinischen Dolomitengebiet erhalten: Der fremde Sagenheld Cian Volpin kommt ins Königreich Fanes und versucht Prinzessin Dolasilla zu helfen/retten. Der Name Cian Volpin wird romanisch-ladinisch als Fuchshund (ital. cane volpe) oder fuchsfarbener Hund übersetzt. Wie bei Biterolf oben, handelt es sich hier um ein vergleichbares Sagenmuster (fremder Held kommt, hilft dem hiesigen Reich und steigt hier in der Hierarchie nach oben) und dürfte somit ursprünglich ebenso Wolfshund bzw. germ. Bitawulf, ahd. Wolfbizzo (Wolfbeißer) gelautet haben. Die früheren Romanen könnten das direkt als Volpizzo (Fuchsbeißer) übertragen und verstanden haben, woraus dann später Fuchshund entstanden ist, wie im deutschen Sprachraum Wolfshund. Noch heute gilt der Pizzo als Schutz- oder Lösegeld bei der „feudalistischen“ Mafia, was hier im Laurin, Biterwolf-Dietleib und im Nibelungenlied II ebenso den historischen Hintergrund bildet.

 

Fazit: Das zum Nibelungenlied II passende und ergänzende Muster in „Biterolf und Dietleib“ weist in diesem Bereich auf eine Entschädigung hin, wobei die Schatzübergabe durch eine entsprechende Landesübertragung zu Steyr „gelöst“ wurde – vermutlich mit Losenstein-Laussa als vorherigem Bezirks- oder Hagzentrum (siehe Punkt 4) der germanisch-hunnischen Schatzräuber. Dabei bestätigt sich Dietleib im „König Laurin“ wiederholt als Musterheld für die „Schatzanklage“, wobei Frauenraub mit Schatzraub gleichgesetzt wird. Im selben Verständnis ist die „Nibelungenklage“ geschrieben. Spätantike Klageschriften könnten demnach eine Basis dieser Verschriftlichungen gebildet haben. Und wie die vorangegangenen Analysen zeigen, kann die eigenartige Verbindung Worms-Steyr nicht von ungefähr entstanden sein. Passauer Bischöfe opferten hier vermutlich für ihre eigenen Interessen wertvolle Dokumente, die dazu mehr Einblick hätten eröffnen können, wie im nächsten Punkt verdeutlicht wird.

Zum größten mittelalterlichen Schatzfund Österreichs bei Steyr siehe unter Punkt 4. Ergänzungen...

 

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Biterolf_und_Dietleib

http://de.wikipedia.org/wiki/Dietleib

http://de.wikipedia.org/wiki/Atlilied

http://de.wikipedia.org/wiki/Bajuwaren

http://de.wikipedia.org/wiki/Agilulf_(Sueben)

http://de.wikipedia.org/wiki/Agilolfinger

http://de.wikipedia.org/wiki/Ricimer

http://de.wikipedia.org/wiki/Odoaker

http://de.wikipedia.org/wiki/Otakare

http://de.wikipedia.org/wiki/Arnulf_von_Kärnten

http://de.wikipedia.org/wiki/Welfen

http://de.wikipedia.org/wiki/König_Laurin

http://de.wikipedia.org/wiki/Engelschalk_II.

http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenklage

http://de.wikipedia.org/wiki/Passau

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/ursprung_burg.html

 

6. Umfeld und Hintergrund der bekannten Nibelungenlied-Endfassungen

Abschließend muss noch ergänzend ins machtpolitische Umfeld der letzthin überlieferten Fassung des Nibelungenlieds eingegangen werden. Die damit zusammenhängenden Manipulationen zeigen wiederholt die Notwendigkeit derartiger Rekonstruktionsanalysen.

 

Eine der bedeutendsten und zugleich skurrilsten Vorgeschichten dazu liegt bei Bischof Pilgrim von Passau (920-991), ein nur vorübergehend „Heiliger“, aber dafür im Nibelungenlied verewigter. Er könnte in dieser Hinsicht ein Initiator jener Nibelungenlied-Geschichte gewesen sein. Zumindest würde ihn die „Nibelungenklage“ dafür ausweisen. Solche Werke ließen sich damals gleich Reliquien zu prestigeträchtigen Machtmitteln einsetzen. Pilgrim war ebenso federführend bei den sogenannten Lorcher Fabeln mittels gefälschter Papsturkunden, welche belegen sollten, dass das Bistum Passau der Rechtsnachfolger des antiken Erzbistums Lauriacum (heute Enns-Lorch, nördlich von Steyr) wäre. Damit wollte er die Unabhängigkeit vom Erzbistum Salzburg erreichen, einst das mächtigste Kirchenamt nördlich der Alpen. Aus Altötting dürfte er dafür sicher nicht nur die Reliquien des Heiligen Maximilian v. Celeia nach Passau verbracht haben. Vermutlich befanden sich in Altötting, sowie in Lorch und Wels noch richtige Urkunden, die Passaus höheres Rangstreben beeinträchtigt hätten und daher verschwinden mussten bzw. zu „überarbeiten“ gehörten. Derartig historisch bedeutsame Ereignisse des weiteren Umfeldes mussten möglichst auf Passau umgelenkt werden, um das Ziel Erzbistum Passau zu verwirklichen. Denn mit dem nur flächenmäßig größten Bistum des Heiligen Römischen Reiches schien man sich noch nicht zufrieden zu geben.

 

Doch erst einer seiner Nachfolger Wolfger von Erla (1140-1218, ab 1191 Bischof) ist schließlich die Realisierung dieser Nibelungengeschichte gelungen und zwar in Liedform. Damit entzog er sich elegant weiteren Fälschungsvorwürfen. Denn inzwischen haben sich auch die politischen Verhältnisse verändert und der zweifelhafte Wert der „Lorcher Papsturkunden“ trug mehr zur Belastung, als zum Auftrieb Passaus bei. Wolfgers Familie stammte selbst aus diesem Bereich (Spitze der Einzeichnung in Abb. 1) und musste über die entsprechenden mythischen, historischen und politischen Verhältnisse gut informiert gewesen sein. So konnte Passau im Nibelungenlied am besten nur mehr als wichtige Zwischenstation der Nibelungenreise durch das immer bedeutender werdende Österreich gehalten werden und versetzte die Endstation der Reise ins Zentrum des Königreichs Ungarn nach Gran (Esztergom) und Ofen (Buda-pest), gemäß der aktuellen Kreuzzugsroute und aktueller politischer Verbindungen der Babenberger. Das kam der ganzen Nibelungen-Historie an Glaubwürdigkeit sehr entgegen, lagerten um jene Ecke doch einst wirklich die asiatischen Hunnen. Bischof Wolfgers Dienstreisen führten ihn schließlich auch durch die übrigen Städte des Nibelungenlieds - so etwa nach Mainz, Worms und Speyer, wo er mit der erfolgreichen Vermittlung um die Freilassung König Richard Löwenherz betraut wurde, der auf dem Rückweg seines Kreuzzugs in Österreich gefangen gesetzt wurde. Dies verhalf seinem Passau zwar nicht mehr zum erwünschten Aufstieg als Erzbistum, aber Wolfger zum Patriarchen von Aquileia (1204), der rangmäßig hinter dem Papst stand und somit noch über den Erzbischof von Salzburg. Der Aufstieg Passaus zum Fürstbistum folgte dann bei Fuße (1218).

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Passau

http://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_Passau

http://de.wikipedia.org/wiki/Pilgrim_von_Passau

http://de.wikipedia.org/wiki/Lorch_(Oberösterreich)

http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfger_von_Erla

http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenklage

 

 

Der Weg zum Nibelungenlied-Dichter – eine Annäherung

 

Für die richtige Einschätzung des mhd.-österr. Nibelungenlieds sind zumindest das Herkunftsland ursprünglicher Nibelungenlied-Fassungen notwendig und die näheren Umstände der Persönlichkeit, welche maßgeblich das Nibelungenlied prägte. Hierzu ein entsprechender Bestimmungsversuch:

 

Der Herkunftsort von Nibelungenlied-Urfassungen müsste in Genf angesiedelt werden, der Reichsstadt der welfischen Burgunderkönige von Hochburgund zwischen 888-1032. Dort könnte diese Sage der hochburgundischen Reichssage entsprochen haben. Hochburgund verlor dann den Reichsstatus und wurde als Freigrafschaft ins deutsche Heilige Römische Reich eingegliedert. Die Grafen dieser entscheidenden Umbruchszeit des 11. und 12. Jh. waren Rainald I., II., III., und Wilhelm I., II., III. Ihre Abstammung leiteten sie von den hunnischen Germanenfürsten Edekon-Odoaker ab, die unter Attila dienten. Vielleicht fiel die Attila-Figur im Nibelungenlied deshalb so freundlich aus. Auch die Hagen-Figur dürfte ursprünglicher positiver gestanden haben. Im späteren (bayr.-österr.) Nibelungenlied hätte zudem jener Edekon durch Rüdiger v. Bechelaren ersetzt worden sein können.

Der burgundische NL-Dichter (eventuell ein Rainmar) dürfte nach der Ausbildung bei den Zisterziensern in Genf an den Oberrhein gezogen sein, zuerst nach Straßburg, später nach Hagenau, der Lieblingspfalz des Stauferkönigs Friedrich I. und späteren Kaisers Barbarossa. In dieser Zeit hielt hier Barbarossa zahlreiche prunkvolle Reichstage ab, zu dem auch die Jagden im „Heiligen Forst“ gehörten – Motive, die später ins Nibelungenlied aufgenommen wurden. Vermutlich erhielt der NL-Dichter hier in diesem Zusammenhang zum ersten Mal den Auftrag eines deutschen Burgunderliedes, bzw. mhd. Nibelungenliedes. In dieser Zeit fielen auch die ersten Kontakte mit gleichgesinnten Dichterkollegen aus dem süddeutschen Raum (Gottfried von Straßburg, Hartmann von Aue, ...). Später pilgerte der NL-Dichter den Rhein abwärts zu den Städten Speyer, Worms, Mainz, … bis hinauf zu den Niederlanden, um so die Orte seines deutschen oder mhd. Nibelungenliedes kennenzulernen. Anschließend kam er an den Kaiserhof nach Würzbug, wo Barbarossa 1156 Beatrix v. Burgund, die Tochter Rainald III. v. Burgund geheiratet hatte und wo 30 Jahre zuvor die mittelalterlichen Ritterturniere erfunden und eingeführt wurden. Beide Motive wurden ebenso ins Nibelungenlied mit aufgenommen, wobei hier dem Dichter die schöne Beatrix als Vorbild für die junge Kriemhild stand (Barbarossa hatte sich zuvor von Adela v. Vohburg geschieden, - im NL löst sich Siegfried von Brunhilde).

Ehe dann der gesuchte NL-Dichter an den Babenberger Herzogshof nach Wien kam, durfte so bereits eine Fassung des ersten Teils des mhd. Nibelungenliedes existiert haben. Hier im Osterland erhielt dieses Nibelungenlied dann den vom ersten Teil losgelösten erweiterten zweiten Teil, womit sich der Umfang des Liedes beinahe verdoppelt haben könnte. Nachdem Lepold VI. die Macht in Wien übernahm, zog es den NL-Dichter wieder westwärts, zuerst an Bischof Wolfgers Hof nach Passau. Es folgten Aufenthalte: in der Wartburg am Hofe des Landgrafen Hermann I., der am französischen Königshof erzogen wurde und hier eine entsprechend kulturelle Hofhaltung betrieb (Sängerkrieg). - In Bamberg, wo 1208 Barbarossas Sohn Philipp v. Schwaben in Bamberg durch einen bayr. Pfalzgrafen (Otto VIII. v. Wittelsbach) aufgrund eines aufgelösten Eheversprechens am Heiratsfest seiner Nichte Beatrix ermordet wurde. - In der ersten, noch vom Bistum Passau abhängigen Schlägler Klostergründung und schließlich in Schloss Hagenau, wo das Nibelungenlied die bekannte Endfassung erhielt. An den letzten Aufenthaltsorten dürfte die Katastrophe um die Ermordung des künftigen Kaisers Philipp v. Schwaben nochmals einen prägenden Einfluss auf Siegfrieds Rolle, Tod und Wirkung im Nibelungenlied insgesamt ausgeübt haben.

 

Der Dichter:

 

A. Abstammung: Angehöriger des Dienstadels (Ministeriale) oder zumindest aus einer nicht standesgemäßen, vermutlich unehelichen Adelsverbindung, was ihn ins Kloster führen sollte und seine Herkunft verschleierte, wie das beispielsweise auch bei Walther von der Vogelweide geschah.

B. Ausbildung: im Kloster zum Kleriker (Scholastiker), am ehesten in einem Zisterzienserkloster (asketischer Benediktinerorden), wo es häufig den Dienstadel hingezogen hat. Weitere Gründe, weshalb in diesem Umfeld der Nibelungenlieddichter zu finden sein müsste, ist die burgundische Schlüsselverbindung Zisterzienser-Troyes:

  1. Die Zisterzienser sind eine typisch burgundisch-fränkische Gründung.
  2. Ihr bekanntester Hauptvertreter war der Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux (1090-1153), Mystiker aus burgundischem Adel, Prediger des Heiligen Krieges (Kreuzzüge) und Unterstützer des Tempelritterordens (Konzil von Troyes 1128).
  3. Chrétien (Chrestien) de Troyes (ca. 1150-1190) ging ebenso aus diesem Umfeld hervor: altfrz. Epiker und u.a. Verfasser von „Lancelot“ um 1170, „Yvain“ um 1175, „Perceval“ (Gralssage) vor 1190.
  4. Westlich von Troyes befinden sich die Katalaunischen Felder, wo die Hunnen in der bekannten Völkerschlacht ihre entscheidendste Niederlage erlitten. Die bekannteste Zisterzienserabtei Clairvaux befindet sich nur 50 km südöstlich von Troyes.

Sollte die Schlüsselfigur Hagen von Tronje auch nach diesem Ort Troyes benannt worden sein, lässt sich hier das entsprechende symbolische Potential dieser Benennung erkennen, ähnlich der Stadt Troja, die ebenso als Fanal eines „archaischen Kreuzzugs“ in die Literaturgeschichte einging. Der Nibelungenlieddichter hat zudem als einziger Hagen mit diesem symbolträchtigen Attribut zisterziensischer Prägung ausgeschmückt. Der weltliche Schatz nimmt die Stelle des mystischen Grals ein, was gleichzeitig auf einen desillusionierten, ernüchterten Zisterzienser hinweisen könnte, der nicht mehr an die Heiligkeit der Kreuzzüge glaubte und hiermit schon in einer gewissen geläuterten Distanz zu den Zisterziensern zu sehen ist.

C. Kulturelles Umfeld in einer Schlüsselposition: Hervorragender Kenner der burgundisch-fränkischen Sagen-Tradition (Genf), später mit entscheidenden, süddeutschen Bindungen im Umfeld Barbarossas, „Heiliger Forst“ von Hagenau, Würzburg ...

D. Übersiedlung: nach Österreich vor 1200, wenn die Hauptarbeit der Nibelungenlied(II)-Niederschrift im Zeitraum zwischen 1200-1205 angenommen wird.

E. Vermutlicher Teilnehmer am 3. Kreuzzug, dessen Route durch Passau, Wien und Budapest führte, - wie der vermeintlich historische Zug der Burgunden bzw. Nibelungen im zweiten Teil des Nibelungenlieds.

F. Hauptverbindungen zu den Höfen: Barbarossas, zu den Babenbergern in Wien, zu Bischof Wolfger von Erla in Passau und dem Thüringer Landgraf Hermann I. auf der Wartburg.

G. Potentielle dokumentarische Querverbindungen:

  1. Wolfger von Erla lässt im Mühlviertel um 1202/3 ein Kloster Slage errichten - nahe des heutigen Stifts Schlägl - zwecks Kultivierung des Gebietes. Er beauftragt Chalhoch von Falkenstein und gewinnt dazu fränkische Mönche aus dem Zisterzienserkloster Langheim bei Bamberg. Chalhoch selbst kann sich damit von der zwingenden Kreuzzugsteilnahme entziehen. In diesem Umfeld könnte eine Rohfassung des erweiterten Nibelungenliedes niedergeschrieben worden sein.
  2. Wolfger von Erla bezahlt dem Zellenmeister des Zisterzienserklosters Slagge 1204 in Leoben ein Pfand von 30 Friesacher Denare (aus Wolfgers Reiserechnungsbuch). Der Passauer Bischof befand sich auf der italienischen Reise (Wiener Neustadt – Rom – Nürnberg – Passau) Dieser Treffpunkt der beiden soweit entfernt von ihren Wohnsitzen und seine namentliche Angabe scheint von besonderer Bedeutung und Dringlichkeit gewesen zu sein. Indirekt könnte sie auch etwas mit der Nibelungenlied-Arbeit zu tun gehabt haben.

H. Der verdächtigste Dichter-Kandidat: Reinmar der Alte (von Hagenau).

Was für ihn spricht:

  • Zutreffende Lebenszeit zwischen 1140-1210
  • Er gehörte zu den besten Lyrikern (Minnesängern) der betreffenden Zeit (1190-1210), wobei seine Dichtung gerade dem typisch lyrischen Charakter (sinnlich-romantisch) widerspricht:  Er sah die Dinge insbes. den Minnedienst: nüchtern-desillusioniert, distanziert, komplex (episch), kritisch, pessimistisch, dialektisch, psychologisch, analytisch, intellektuell, scholastisch – im Gegensatz zu Walther von der Vogelweide.
  • Seine Preisung als bester oder beliebtester Dichter und Hofsänger seiner Zeit kann sich nicht auf seine überlieferten, allgemein eher schwerverständlichen Dichtungen bezogen haben, weil sie sich dafür zu speziell auf das damalige Dichterdasein bezogen haben und für Reinmar als Ventil seiner eigenen Situation funktionierten. Seine Popularität am Hofe dürfte hingegen eher auf die damals für Minnesänger selbstverständliche Rezitation alter und neuer Sagen zurückzuführen gewesen sein, indem sich Reinmar als unübertroffener Meister ausgezeichnet haben dürfte. Das Nibelungenlied könnte daraus hervorgegangen sein, das altes mit damals aktuellem Sagengut populär vermischte.
  • Position und Thematiken:  Seine Einstellung war höfisch und ganz im Sinne der Konvention (der typische Hofdichter) – im Gegensatz zu Walther von der Vogelweide. Neben der Liebesbeziehung, die unfrei macht, sind ebenso Dienstverpflichtung, Treue, Schicksal, Not, Klage, Recht die vorherrschenden Themen, die im Nibelungenlied in einem breiten, epischen Kontext behandelt werden.
  • Reinmar ist bereits Jahre vor 1200 nach Österreich eingewandert - vermutlich um 1190, also schon während des 3. Kreuzzugs, wo sich Parallelen zum Nibelungenlied des zweiten Teils zugetragen haben. Er soll/könnte sogar den österreichischen Herzog Leopold V. an diesem Kreuzzug begleitet haben.
  • Verbindungen zum österreichischen Herrscherhaus und zu Bischof Wolfger von Erla sind nahezu sicher. Letzterer, der als Mäzen des Nibelungenlieds angenommen wird, war in sämtlichen Städten des Nibelungenlieds auf diplomatischen Dienstreisen unterwegs.
  • Herkunft so unsicher wie die Autorenschaft des Nibelungenlieds: Gottfried von Straßburgs Hinweis ... aus Hagenau dürfte sich nicht auf Reinmars Abstammung, sondern auf seinem ersten, bedeutenden Wirkungsort (Hagenau - „Heiliger Forst“ im Rheinland) oder dem (vermutlich letzten) Wirkungsort im damaligen Bayern bezogen haben. Vielleicht überließ ihm der Bischof von Passau eine Unterkunft im Schloß Hagenau bei Braunau, das damals bereits von einer Ministerialenfamilie des Bistums Passau bewohnt war, welche sich ebenso nach dem Schloss nannte.
  • Reinmars Tod um ca. 1211 fällt mit der Aufgabe des Zisterzienserklosters Slage zusammen, und vermutlich auch mit der Fertigstellung der Nibelungenlied-Arbeit. Die abgeschiedene Lage als Hauptgrund für die Aufgabe eines Klosters asketisch-zisterziensischer Prägung erscheint widersprüchlich und könnte vorgeschoben sein. Denn einige Jahre später übernahmen die Prämonstratenser die Kultivierung dieses Bereichs, den sie bis heute hielten. Gerade diese Abgeschiedenheit aber könnte passend für diese geheime Nibelungenlied-Arbeit gewesen sein, da ihre Durchführung bewusst nirgendwo Erwähnung fand, sollte sie ebenso von Bischof Wolfger beauftragt worden sein.

Was teils für, teils gegen ihn spricht:

  • Als der Bischof Wolfger von Erla fränkische Zisterzienser ins Mühlviertel kommen ließ, war Reinmar schon länger in Österreich. Vielleicht spielte aber Reimar bei der Übersiedlung der Zisterzienser eine verbindliche Rolle, womit er sich ebenso bei der Cisterce Slage aufgehalten haben könnte.
  • Man kennt Reinmar nur als Lyriker hoher/reiner Minne, also von klerikalem Charakter (idealisierte Frauenverehrung vergleichbar der Marienverehrung). Seine Autorenschaft zu einem epischen Werk christianisierter heidnischer Tradition müsste er und sein Umfeld demnach bewusst verborgen gehalten haben*. Bezüglich des Werkes würde es sich dann um ein Auftragswerk geistiger Herrscher gehandelt haben. Man wollte damit in erster Linie historische Wahrheiten des bekannten Nibelungenstoffes mit den aktuellen politischen Verhältnissen kritisch-hintergründig verbinden. Daher zählt das Nibelungenlied bis heute auch zur historischen Dietrichepik, im Gegensatz zu den sich bekennenden Epikern, wie Gottfried von Straßburg (Tristan), Hartmann von Aue (Erec, Iwein) oder Wolfram von Eschenbach (Parzival).

 

* Warum der Nibelungenlied-Dichter sich nicht als solcher bekannt hatte, könnte auf die politische Brisanz des Nibelungenliedes zur Entstehungszeit zurückzuführen sein, die ihn an bestimmten Höfen in existenzielle Gefahren hätten bringen können. Der sogenannte Sängerkrieg auf der Wartburg scheint eine offene Parabel zu dieser Situation und ähnlicher gewesen zu sein, wo der Dichter sich sogar in Todesgefahr begeben konnte, wenn er etwa feindliche Fürsten in hohen Tönen sich zu loben erdreistete. Wartburgs Hofhalter Landgraf Hermann I. von Thüringen wechselte beispielsweise (in der Zeit der Nibelungenlied-Entstehung) sieben Mal die Seiten der beiden vorherrschenden Machtblöcke (Staufer und Welfen) innerhalb zwölf Jahren, um sich existentieller Gefahren zu entziehen. Um solcher Gefahrenlagen kann und könnte das Nibelungenlied gleich mehrere Liedchen singen, - jedoch handelt es sich bei den uns überlieferten Fassungen bestimmt bereits um politisch weitgehend entschärfte Versionen.

 

Um das Unternehmen Nibelungenlied derartiger Gefahren nicht unnötig auszusetzen dürfte es also von einem erfahrenen und vermutlich vielbeachteten Berufsdichter unter Geheimhaltung realisiert worden sein, von dem sich auch noch andere überdurchschnittlich gute Dichtwerke erhalten haben dürften. Denn weniger gute Werke wurden eher ausrangiert und gingen so mit der Zeit verloren. So ist es u.a. auch der Qualität des Nibelungenliedes zu verdanken, dass wenigstens einige Varianten davon doch überlebten.

 

Dabei muss er von einem neutralen Mäzenatentum in diskreter Weise finanziell unterstützt worden sein, von dem auch diese Initiative ausgegangen sein müsste, denn ein Dichter hätte sich dieses Unternehmen im Alleingang nicht leisten können. Bischof Wolfger von Erla entspräche einem solchen Mäzen u.a., welcher auch zwischen Staufer und Welfen vermittelte und somit das Vertrauen und den Einfluss auf beiden Parteien genoss. Er verfügte über die nötige Autorität dem NL-Dichter, eventuellen Mitarbeitern und sich selbst die dafür nötige Immunität in der Durchführung zu gewähren, die sogar bis heute nachwirkt. Versetzt man sich in der Lage dieses Förderers wird man sich für dieses Unternehmen nicht eines einfachen, kunstsinnigen Kanzleischreibers bedienen, sondern versuchen den bestmöglichen Hofdichter seines Umfeldes habhaft zu werden und dies am besten bei seiner altersbedingten Dienstfreistellung, um ihn dann noch für ein letztes, interessantes Alterwerk gewinnen zu können. Die Gegenleistung: sorgloser Lebensabend ohne Vortragsverpflichtungen. Welcher geeignete Hofdichter hätte da ablehnen können, bedenke man, dass der ausgediente mittelalterliche Dichter einem eher problematischen Altersstand entgegensah. Walther v. Vogelweide musste darum bei Friedrich II. betteln.

 

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Reinmar_von_Hagenau

http://www.burgen-austria.com/Archiv.asp?Artikel=Hagenau

http://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzzug

http://de.wikipedia.org/wiki/Zisterzienser

http://www.mom.findbuch.net/php/main.php?ar_id=3263&action=open&kind=b&id=175&source=linker

http://www.stift-schlaegl.at/prodon.asp?peco=&Seite=360&Lg=1&Cy=1&UID=

 

 

7. Karte mit Einzeichnung des näheren Such- und potentiellen Fundbereichs

Losenstein

 

Abb. 3: Wanderkarte (Quelle: http://doris.ooe.gv.at/)

 

Hauptsuchbereich im grünen Rahmen:

Dürnberg-Pfennigstein-Schieferstein in Losenstein-Laussa-Reichraming (Oberösterreich), ca. 4 km²

 

Erster potentieller Fundbereich innerhalb der grünen Ellipse, dessen Untergrund näher zu untersuchen ist.

 

Dünne rote Linien:

Gemeindegrenzen von Losenstein-Laussa-Reichraming

 

 

4. Ergänzungen

 

4.a. Sagen, Orts- und Flurnamen zum Fundbereich

Eine germanische Schatzsage mit möglichen Nibelungenschatz-Bezug

 

Nachfolgend die älteste, detaillierte Schatzüberlieferung der Germanen mit auffälligen Beziehungen zur Nibelungenschatzsage. Sie schildert eine Begebenheit um 590 im burgundisch-fränkischen Bereich in der einzigen, getreueren Version des Langobarden Paulus Diaconus (in seiner Historia Langobardorum III.34) um 790 mit den Hauptmotiven: König Gunthram, Jagd, Schlange (anstelle: Wurm, Drachen), Schwert, Bach (anstelle: Rin, Rhein), Loch im Berg (anstelle: „Loche am Rhein“), großer Schatzfund alter Zeiten. Die Schatzsage der Nibelungen wurde erst in späterer Zeit so fixiert, wie wir sie heute kennen:

„Mittlerweile hatte König Authari eine Gesandtschaft mit Friedensträger an den Frankenkönig Gunthram, den Oheim König Childeperts, abgehen lassen. Dieser nahm sie freundlich auf, schickte sie dann aber zu seines Bruders Sohn Childepert, damit durch dessen Beitritt der Friede mit dem Volk der Langobarden fest abgeschlossen werde. Dieser Gunthram war aber ein friedfertiger und in allen Dingen wohlgesinnter Mann. Ein sehr merkwürdiger Vorfall aus seinem Leben mag hier in der Kürze in meiner Geschichte erzählt werden, zumal da sie, wie ich weiß, in der Geschichte der Franken (*von Gregor von Tours) gar nicht erwähnt ist. Gunthram war einstmals in den Wald auf die Jagd gegangen; als nun, wie es zu geschehen pflegt, sein Gefolge sich nach allen Seiten hin zerstreut und er nur noch einen ihm vor allen treuen Mann um sich hatte, da überkam ihn große Müdigkeit. Und so legte er sein Haupt in die Knie seines Begleiters und schlief fest ein. Da kam aus seinem Mund ein kleines Tierchen wie eine Schlange und suchte dann über das Bächlein, das vorbeifloss, hinüberzukommen. Da zog der, in dessen Schoße der König ruhte, sein Schwert aus der Scheide und legte es über den Bach, worauf nun das kleine Tierchen nach der anderen Seite hinüberging. Hier kroch es in ein nicht weit entferntes Loch des Berges, kam dann nach einiger Zeit wieder heraus, auf dem Schwerte wieder über das Bächlein herüber und schlüpfte in den Mund Gunthrams zurück, aus dem es herausgekommen war. Als Gunthram hierauf vom Schlaf erwachte, sagte er, er habe einen wunderbaren Traum gehabt. Er erzählte nun, wie er im Schlaf geglaubt habe, auf einer eisernen Brücke über einen Fluß und in einen Berg hineinzugehen, wo er eine große Menge Goldes gesehen habe. Der, in dessen Schoße des schlafenden Königs Haupt geruht hatte, berichtete nun ganz der Ordnung gemäß, was er gesehen hatte. Sofort wurde jene Stelle aufgegraben und es fanden sich unermessliche Schätze, die hier seit alten Zeiten niedergelegt waren. Von diesem Gold ließ Gunthram nachmals einen massiven Altardeckel von ungemeiner Größe und schwerem Gewicht machen und mit vielen kostbaren Edelsteinen verzieren, und er wollte ihn zu dem Grab des Herrn nach Jerusalem schicken; aber da ihm dies nicht möglich war, so ließ er ihn bei dem Leichnam des heiligen Märtyrers Marcellus niederlegen, der in der Stadt Caballonnum (Chalon an der Saone) begraben ist, wo auch seine Residenz war, und dort befindet er sich bis auf diesen Tag, und nirgends ist ein aus Gold gearbeitetes Werk, das sich mit ihm vergleichen ließe. Nachdem ich aber diesen merkwürdigen Vorfall in der Kürze berichtet habe, kehre ich jetzt zu meiner Erzählung zurück.“

Der Nibelungenlied-Dichter dürfte dieses bedeutende Werk eines der bekanntesten Historiker karolingischer Zeit gekannt haben und sich daraus nebst anderen Chroniken inspirierend bedient haben.

 

 

Größter mittelalterlicher Schatzfund Österreichs bei Steyr:

 

In den Annalen des Stifts St. Florian (OÖ) wird von einem großen Schatzfund („maximus thesaurus“) bei Steyr im Jahre 1297 mit römischen Goldmünzen berichtet, bei dem sich auch Albrecht I. (Herzog, ab 1298 röm.-deutscher König) mit Schatzforderungen einschaltete. Die genaue Fundlage wurde nicht überliefert. (Für die Information danke ich Herrn Mario Habichler. Kurze Erwähnung in: http://aeiou.iicm.tugraz.at/aeiou.encyclop.a/a692307.htm)

 

 

Ein weiterer historischer Nibelungen-Dietrichsagen-Bezug:

 

In der fränkischen Nachbearbeitung der Nibelungensage könnte mit hoher Wahrscheinlichkeit der erste Slawenkönig Samo (625-658) als weiteres Vorbild für Rüdiger von Bechelarn und seines Machtbereiches hergehalten haben und eventuell auch für Hagen als Rüdigers verstecktes alter Ego im Nibelungenlied. Hagen (hagan) bezeichnet germanisch einen Randbereich, ebenso sauma; während germ. samo derselbe, ebenso bedeutet. Samo beherrschte schließlich den östlichen Randbereich des merowingischen Frankenreichs:

 

Samo war ein Franke mit vermutlich keltischen Wurzeln, der einst als Händler oder Unterhändler (Waffen, Sklaven?) mit Karawanen zwischen dem Frankenreich und den Slawengebieten unterwegs war (Hagen-Bezug). Beim erfolgreichen Slawenaufstand gegen die Awaren hatte sich Samo so verdienstreich eingesetzt, dass er zum ersten König der Slawen gewählt wurde und somit das erste Slawenreich um 625 gründete, das hauptsächlich Böhmen, Mähren und die spätere Mark Österreich umfasste, der auch Rüdiger von Bechelarn im Nibelungenlied vorstand. Nun kam es zwischen den Franken und Slawen zu Konflikten, oder besser gesagt: zwischen dem Merowingerkönig Dagobert I. und dem nunmehrigen Slawenkönig Samo, dem fränkischen Aufsteiger im fremden Ausland – eine Wölfling-Karriere. Der Ausgang der diplomatischen Verhandlungen in Fredegars Chronik ist bezeichnet dafür. Der fränkische Sicharius endete: „Es ist nicht möglich, dass Christen und Diener Gottes Freundschaft mit Hunden schließen.“ Samo erwiderte: „Wenn ihr die Diener Gottes seid und wir die Hunde Gottes, während ihr ununterbrochen gegen Gott handelt, nehmen wir uns die Erlaubnis, euch mit unseren Zähnen in Stücke zu reißen.“ (Zwischenbemerkung: Klingt auch wie die Umschreibung der hier bedeutungsvollen Namen Biterolf und Agilolf – siehe Punkt 5 oben...). Samo warf Sicharius schließlich hinaus und es kam zum Krieg. Dabei konnte Dagobert die friulanischen Langobarden und die Alamannen dazu bewegen die Slawen an den Flanken anzugreifen, während er mit seinem Heer ins Zentrum des Reiches vorstoßen wollte. Den Langobarden und Alamannen gelang der Durchbruch, die daraus einen Beutezug machten und sich wieder zurückzogen. Die geplante Vereinigung der Heere misslang jedoch, weil das fränkische Heer bereits bei der Belagerung Wogastisburgs am westlichen Rand des Slawenreiches scheiterte und aufgelöst wurde. Dieses merowingische  Kriegsabenteuer konnte als Reminiszenz im Nibelungen-Ende an der Donau Eingang gefunden haben. Nur einem kleinen Rest von Dagoberts Kriegern gelang die Flucht.

 

Damit ist nicht nur aus burgundischer Sicht, sondern auch aus fränkischer Sicht ein „Verrat/Verräter“, ein daraufhin folgender Kriegszug gen Osten, einschließlich der vernichtenden Niederlage an der Donau unter „Hunnen“ (oder „Hunden“) historisch ausgemacht, bei der die Burgundersage für die Franken wieder an Aktualität gewann, was somit zu neuen Interpretationen und Auflagen führen konnte.

 

Zur Lokalisierung Wogastisburg gibt es mehrere Theorien. Es konnte aber bislang nicht wirklich ausfindig gemacht werden. Die Tschechen vereinnahmen dieses und Samos Reichszentrum im weiten Umfeld von Prag.

Ich vermute, dass es sich bei Wogastisburg eher um das Bechelarn des Rüdigers im Nibelungenlied handelt, das ich im nächsten Ortungsprojekt genauer lokalisieren werde. Samos Herrschaftszentrum dürfte dann um Tulln gelegen haben. Im frühen Mittelalter hatte dieser Bereich noch die Vormachtsstellung vor Wien. Samo dürfte also die bereits vorhandenen römischen Strukturen an der mittleren Donau vorteilhaft genutzt haben, und sich in diesem wichtigsten Bereich seines Reiches niedergelassen haben. Zu seinen Lebzeiten konnte er und sein Reich nicht mehr bezwungen werden.

Erwähnenswert ist auch, dass wir ohne den fränkischen Chronisten Fredegar keine Notiz von diesen Ereignissen hätten überliefert bekommen. In der Thidrek-Saga werden – anders als im Nibelungenlied und in der Dietrichepik – auch noch relativ ausführlich die Auseinandersetzungen gegen die Slawen behandelt, die dort als Wilzen benannt werden. Samo könnte dort an erster Stelle als Ritter Samson eingeführt worden sein, auch wenn er hier von den Skandinaviern verständlicherweise nach Süditalien hin versetzt wurde, wo sich ihre Normannen eine Zeitlang aufhielten. Das würde die Thidreksage ursprünglich zur fränkischen Aufarbeitung der Dietrichsagen mit neuen Quellen ab dem 7. Jh. machen.

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Samo

http://de.wikipedia.org/wiki/Fredegar-Chronik

http://de.wikipedia.org/wiki/Wogastisburg

http://de.wikipedia.org/wiki/Samson_(Heldensage)

 

Orts- und Flursagen:

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/ursprung_burg.html

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/losenstein.html

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/pfennigstein.html

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/eva_kuchl.html

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/steinerne_jaeger.html

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/jaegersprung.html

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/windloch.html

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/zerstoerte_burg.html

 

 

Auswahl an mythischen Parallelbezügen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Semele_(Mythologie)

http://de.wikipedia.org/wiki/Schenkelgeburt

http://de.wikipedia.org/wiki/Dionysos

http://de.wikipedia.org/wiki/Dionysoskult

http://de.wikipedia.org/wiki/Cernunnos

http://de.wikipedia.org/wiki/Artemis_%28Mythologie%29

http://de.wikipedia.org/wiki/Wilde_Jagd

http://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_L%C3%BCttich

http://de.wikipedia.org/wiki/Venusberg_%28Sage%29

 

 

Der „Schieferstein-Pfennigstein“ als bedeutender Kultberg in Gestalt eines göttlichen Bergriesen:

 

Der Bergnamen „Schieferstein“ leitet sich nicht aus der geologischen Gesteinsart Schieferstein ab. Er besteht aus Dolomit. Auch hier könnte sich die germanische Sprache niedergeschlagen haben. Mit der germ. Bedeutung skanka für schief, gebogen und Schenkel lässt sich nicht nur die gesamte Berggestalt charakterisieren, sondern auch der Mythos entschlüsseln, der hinter dem sagenumwobenen Berg verborgen liegt. Losenstein könnte übrigens auch eine kelt. Teilübersetzung von Schieferstein sein: kelt. loxso für schief.

 

Die Bildansicht unten in Blickrichtung Osten zeigt oben den Schieferstein-Gipfel als Kopf des „Götterbergs“ (–> Zeus-Jupiter), darunter den Körper mit den gespreizten Schenkeln in liegender Stellung. Wie oben bereits hingewiesen soll der Pfennigstein (=Venusstein) den weiblichen Schambereich symbolisieren, der hier auf dem linken Schenkel des Bergriesen positioniert ist (Schenkelgeburt am Berg –> Dionysos). Eine weitere Herleitungsmöglichkeit für Pfennig-: germ. fenik für Fenchel – der Fenchelstab (Thyrsosstab) ist das Zeichen Dionysos neben dem Füllhorn. Am Pfennigstein-Gelände lässt sich übrigens auch eine weibliche Gestalt (–> Semele) erkennen, ähnlich der Bildkomposition des Malers Moreau in Abb. 5 unten. Aus geologischer Hinsicht mag dieser Zusammenhang Zufall sein, jedoch nicht in der vergleichenden Sagenanalyse von Strukturen (= vergleichende Sicht- und Interpretationsweise früherer Völker). Die dazu entsprechende Orts- und Flursage „Jägersprung“ weist tatsächlich auf die ursprünglich, vorchristliche Zeus-Semele-Sage hin, die infolge der Christianisierung geradezu spiegelbildlich umgedeutet wurde:

Die eifersüchtige Hera intrigiert gegen die Geliebte ihres Mannes Zeus. In der christianisierten Variante („Jägersprung“) stellt sie die Sennerin dar.

Die Geliebte Semele verwandelt sich hier christianisiert zur braven Ehefrau des Mannes, eines Jägers.

Zeus-Jupiter wird christianisiert zum bösen Jägersmann, der sich in den Abgrund stürzen muss.

Während in der christianisierten Form die Sennerin die Frau rettet und den Jägersmann in den Tod stürzen lässt, führt sie ursprünglich als eifersüchtige Ehefrau Hera die Geliebte in den Tod durch ihren Ehemann – den unsterblichen Gott Zeus-Jupiter.

 

Dasselbe ursprüngliche Sagenmotiv und dieselbe Umdeutung trifft auf die Verbindung Brunhild-Siegfried-Krimhild zu:

Brunhild-Siegfried ist ursprünglich ähnlich wie Hera-Zeus vereint. Krimhild entzweit diese Beziehung wie Semele. Die eifersüchtige Brunhild veranlasst daraufhin die Tötung Siegfrieds, der als Jagdunfall an einer Quelle überliefert wird. Dementsprechend dürfte Jägersprung ursprünglich nicht auf einen hinabspringenden bösen Jäger zurückzuführen sein, sondern auf eine Jägerquelle (germ. sprung für Quelle). In Brunhild könnte ebenso Ursprung/Quelle (germ. bruna) des Kampfes/Streites (germ. hildja) stecken, der mit der Tötung an der Quelle gleichgesetzt wurde.

Bei der Jägersprung-Sage könnte es sich also nur um einen umgedeuteten, verkümmerten Rest jener weitverbreiteten, mythischen Zeus-Semele-Geschichte darstellen, welche im Nibelungenlied mit weiterem, historischen Sagenpersonal stärker und komplexer ausgedehnt wurde.

Derartige mythisch-kultische Vergleiche von den hier siedelnden Kelten und Germanen zum griechischen Kulturraum lassen sich aus deren jahrhundertealten Beziehungen herleiten. Der entsprechende Einfluss in ihren Sagen ist erwiesen.

 

Aus der Schenkelgeburt entstand Dionysos-Bacchus, der auch großer Jäger genannt wird. Seine Tierzeichen sind der Stier – gleich seines Vaters Zeus – und der Panther. Die germanische Bezeichnung für Stier ist steura – vermutlich der Ursprung von Styra –> Steyr –> Steiermark. Aber auch der Panther führt nach Steyr und die Steiermark, die ihn beide als gehörntes Wappentier im grünen Feld (Vegetation) tragen. Dionysos ist ebenso gehörnt und Gott der Vegetation. Das Wappen stammte von den Otakaren und wurde Jahrzehnte vor der bekannten Nibelungenlied-Endfassung offiziell eingeführt.

 

Bei der Dietleib-Sage (siehe Punkt 5), die ebenso nach Steyr führt, übernimmt der Hauptheld Dietleib sogar eigenartige, dionysische Züge an. Selbst im Dietleib-Namen lassen sich noch entsprechende Spuren erkennen:

Aus der üblichen Übertragung germ. deud-laibo für „Volks-Nachfolger“ ist auch folgende Assoziation möglich: deuh-laibo „der aus dem Oberschenkel stammende“.

 

Hauptbezüge zur Steinerer-Jäger-Sage sind die jüngere, fränk. Hubertus-Legende, die Elemente älterer Mythen christianisiert einbezieht: z.B. Cernunnos (kelt.), Artemis-Aktaion (griech.), ... Sie könnte auf ein altes Tabu hinweisen, welches das Betreten des Berges nur wenigen gestattete. Damit wäre dieser Kultberg für eine Schatzverbergung geradezu prädestiniert gewesen.

 

Schieferstein4

Abb. 4: Schieferstein, göttlicher Bergriese – ein Vergleich

             Bildquellen:                                                  GoogleEarth                                                      „Jupiter und Semele“ von  Gustave Moreau.

Erklärung zum Vergleich im Text oben....

 

 

 

Vergleichende Hinweise aus dem Werk „Losenstein“ von Adolf Brunnthaler, Oberösterreichischer Landesverlag, 1995:

 

Der im Vorfeld erkannte bedeutende Zusammenhang zwischen der Losensteiner und der Steyrer Herrschaft hat sich bestätigt: Anfangs 10.-12. Jh. bestand noch ein enger auch verwandtschaftlicher Kontakt, der später in ein Unabhängigkeitsbestreben der Losensteiner von den immer stärker konkurrierenden Steyrer Herrn abgelöst wurde. Die Beziehungen davor sind nicht mehr festzustellen. Beide gehörten der Gefolgschaft der Otakare an.

 

Bestätigung findet die Einzeichnung in der Abbildung 1, die der ältesten Grenzaufzeichnung der Herrschaft Steyr ähnelt (S.61) – nur führt dort die Spitze nicht mehr so weit nach Norden.

 

Ursprünglich kennzeichnet das Wappen der Losensteiner Herrschaft ein drachenartiges Tier (S.64), das dann im Hochmittelalter von einem gehörnten, feuerspeienden Panther abgelöst wurde, vermutlich analog zum Wappen der Steyrer Herren.

 

Auffälliger sagengeschichtlicher Namensgebrauch der Losensteiner Herrschaft seit Aufzeichnung ihrer Stammtafeln im 12. Jh. bis ins 14. Jh.: Ortolf, Gundekar, Dietmar, Siegfried, Dietrich, Perchthold, Rudolf, Ulrich, Hartneid, Dietleib.

Anschließend erfolgt der Abbruch dieser Namenstradition.

 

 

Wichtige Ortsnamenshinweise:

 

Ursprüngliche Flussnamen der Enns: röm. Anisus, von kelt.: Anisa, aus kelt. ana, ano für Sumpf, Au

Hierzu wieder interessant die germ. Assoziation: ansja für Loch, mit folgender Assoziationsmöglichkeit:

ausgehend von röm.: Aniso ripa (am Rand/Ufer des Anisus) -> zu germ. ansja ripo Loch des (Rhein-)Ufers (ahd. loh de rino). Der alte Enns-Flussnamen, der germanisch noch wie Loch klingt, kann also ebenso zum ahd. loh und mhd. loch geführt haben. Die Verlegung an dem bekannteren Rheinufer ist hinsichtlich des Burgunderbezugs oder eines späteren Frankenbezugs naheliegend.

Der Enns-Namen um 900: Enisi

 

Zum Ortsnamen „Losenstein“ werden folgende Ableitungsmöglichkeiten angeführt (S.53-54):

  1. „loser Stein“: ein von anderen losgelöster Felsbrocken
  2. „losen am Stein“: horchen, wahrsagen am Stein
  3. mhd. lōs für lose, frei, ledig, locker
  4. slw. laz für Wald, mhd. für Wald, Gebüsch. Führt zur Bedeutung: „Stein im Wald“. Soll noch in der alten Mundartform für Losenstein enthalten sein: lohschdoa (Lochstein).

 

Letzterer Punkt wird favorisiert. Dies würde meine wichtigste Deutungsrichtung für „Loch“ in Punkt 3 und 4 bestätigen, auch wenn ich dabei vom ahd. lāh- oder loh ausgehe. Hätte ich jedoch darauf gleich auf Losenstein-Lochstein geschlossen, hätte man mir wildes Spekulieren vorwerfen können, um hier nur auf das für den Nibelungenbezug brauchbare Loch- zu kommen. Nun wird mir dieser Schluss auch noch von anderer sprachwissenschaftlicher und diesbezüglich unabhängiger Seite abgenommen.

Zur Gesamtbildung des Namens Losenstein dürften jedoch alle vier Punkte und noch einige meiner Erwägungen in Punkt 4 oben beigetragen haben. Insbesondere die sagenhafte Überlieferung „Los am Stein“, welche hier zu kurz kommt und für die damals mächtigsten Herren dieser Gegend und darüber hinaus eine besondere Bedeutung haben musste. Sonst hätten sich diese Steyrer Otakare auch nicht nach einem aus heutiger Sicht eher unscheinbaren Ort und Ortsnamen (um)benannt. Diese sicherlich ursprünglich vorchristliche Bedeutung muss daher im frühen Mittelalter noch weithin als ein Herrschaftsbegriff bekannt gewesen sein. Demnach könnte hier früher der Losenstein mit Machtsprechung verbunden gewesen sein, also ein Ort, indem gerichtliche und politische Versammlungen und Entscheidungen der weiteren Umgebung getroffen wurden.

 

Kajetan Franz von Leitner nennt Losenstein in seiner „Vaterländischen Reise“ 1793 „Lo-Stein“ (S.171)

 

Erste urkundliche Erwähnung von Losenstein um 1192 durch „Ortolf de Losinstein“ als Zeuge einer Schenkungsurkunde des Klosters Garsten (S.55).

 

 

Bedeutende, alte Losensteiner Flurnamen:

 

Stiedelsbach: 1270 Sturelsbach, 1569 Stiedlpach, Stierlpach

Konrad Schiffman: von Personennamen Stuolrich, Sturilo

Ergänzung: germ. stura, sturi, stira für steif, stark

dazu germ. steura für Stier; steuria für steif, stark; steuro, stodo für Pfahl (Bezug zum „Pfennigstein“ einem Phallusfelsen). Es hat den Anschein, dass hier ein Zentrum des ursprünglichen Styra- oder Stira-Namens vorliegt, das später auf Styraburg oder Stirapurc übertragen wurde.

Neben den „Pfennigstein“ befindet sich auch die „Hackermauer“ (germ. hak- für hervorspringen, krumm sein; haken für Haken; hakjan für stechen, - was an Hagen erinnert), ein hervorspringender Felsen (siehe Fotos Abb. 5.2 unten) der über der Enns wacht.

Hintstein: 1270 Huntstain, 1530 Hundtstein. Interessant ist, dass dieser Bereich um 1250 auch Laussastein (germ. lausa für los, frei) benannt wird.

Wolftal: 1599 Wolffthall

Freyberg-Riegelbach: um 1250 gegenüber des Laussastein-Bereiches, was laussa als Entsprechung für frei bestätigen könnte. Dort gelegen das Schloß Hammerriß und das Hammerschlössel (germ. hamma für Einhegung, Hag)

Hochgerichtsberg: um 1250 im südwestlichen Bereich des Schiefersteins gelegen, um den Habichler-Hof. Dort könnte früher auch ein Burgos (antike Wachstation) gestanden haben.

Klausberg: um 1250 gegenüber dem Dürnberg (dazu: kelt. duron für Burg, germ. dura für Tor), was hier einen alten Klausen- u. Burgbereich bestätigt.

Arzberg (im angrenzenden Reichraming): für Erzberg, um 1250 Aerzenperge; Erz: germ. aizjan, ahd. aruz.

 

Ein weiteres bekanntes Loch an der Westgrenze Losensteins ist das „Nixloch“ – u.a. ein nachgewiesenermaßen 18.000 Jahre alter Steinzeitplatz (vermutlich von germ. nikwes, nikwis(i), niwus für Nix, Wassergeist).

 

Abschließendes zum „Pfennigstein“ oder „Venusstein“ (Mutterstein, Lochstein):

Die Erkundung vor Ort zeigte, dass der „Pfennigstein“ eindeutig den männlichen Phallus symbolisiert und daher nicht direkt auf den Begriff „Venusstein“ anzuwenden ist, sondern eher auf den dionysischen Fenchelstab (germ. fenik für Fenchel -> Pfennig, s.o.). Möglich ist auch ein indirekter Hinweis auf die zahlreichen „Venussteine“ im Umfeld: Diese Mutter- oder Lochsteine kommen hier an den Felswänden auffällig häufig zum Vorschein, was hier insgesamt wiederum für ein sehr altes Kultzentrum spricht (siehe Erklärung und Fotos Abb. 5 unten).

 

 

Benutzte Quellen für germanische und althochdeutsche Übersetzungen:

Köbler, Gerhard

Germanisches Wörterbuch, 2. A. 1982

Althochdeutsches Wörterbuch, 3. A. 1993

 

 

4.b. Fotos

Abb. 5:

1. Links der phallusartige „Pfennigstein“, in der Mitte dahinter schaut aus der Kerbe der Schieferstein hervor.

2. Die „Hackermauer“: eine hohe, scharfblickende Felsgestalt. Daher nenne ich sie auch die „Wach an der Enns“.

3.-5. Eine Auswahl an Mutter- oder Lochsteinen an Felswänden, gekennzeichnet durch eine über dem Erdboden zumeist dreieckartig geöffnete Wölbung, aus der eine ovale oder rundliche Felsmasse hervorschaut, die ich nachfolgend als „Geburt“ bezeichne:

3. Die ovale „Geburt“ steht hier etwas rechts in der Öffnung.

4. Die kreisrunde „Geburt“ liegt hier in der Mitte der Öffnung.

5. Die liegende, ovale „Geburt“ wurde hier herausgeschlagen.

Losenstein

 

Abb. 6: Abschließend eine Übersicht des potentiellen Fundbereichs zur ursprünglichen Bedeutung von „ze Lôche in den Rîn“:  im Loche (der Schenkelöffnung des Schiefersteins) der Rinne (zwischen Pfennigstein und altem Hochgericht), die in die Enns fließt:

Schieferstein

 

Herrn Dipl. Ing. Mario Habichler danke ich hiermit recht herzlich für die zahlreichen historischen Hintergrundinfos seines Heimatlandes und für seine zur Verfügung gestellten Fotos, von denen hier nur ein kleiner Teil berücksichtigt werden konnte (oben: Hackermauer, Mitte: bei der Eva-Kuchl-Höhle, Pfennigstein, unten: Schieferstein, aufgenommen vom Dirn):

 

 

4.c. Die Berücksichtigung interdisziplinärer Methoden

Die grundlegenden Ortungsergebnisse wurden auch durch interdisziplinäre Methoden (hier: PSI-Fernortung) erzielt. Diese gelten allgemein für: ungenau und zufällig. Diese Situation lässt sich jedoch durch langjährige Erfahrungen und mit mehrfach wiederholten, zielgerichteten Versuchsanordnungen verbessern.

http://de.wikipedia.org/wiki/Parapsychologie

http://de.wikipedia.org/wiki/Remote_Viewing

 

 

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