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2007 Copyright by Winfried Huf, Tyrol
Der Nibelungen-Schatz
Rekonstruktionsanalyse der Schatzlegende mit neuem
Ortungsergebnis
Erstveröffentlichung: 20.07.07
Letzte Aktualisierung: 08.12.08 (Ergänzung unter
Punkt 3.3)
Inhalt
1. Einführung
2. Fundmeldung
3. Anlagen: Historische
Begründung und Lokalisierung des „Nibelungenhorts“
1.
Primärer, historischer Hintergrund im I. Teil der Nibelungensage
2.
Sekundärer historischer Hintergrund im II. Teil des Nibelungenlieds
3.
Weitere entscheidende Aspekte zur Überlieferung
Exkurs:
Weitere Projektionen zu Siegfried-Hagen und dessen Nibelungen-Bedeutung
aus der Hunnenzeit
Weitere Ereignisse und entsprechende
Projektionen aus der Awarenzeit
Projektionen aus der Magyaren-Ungarnzeit
Politische Projektionen zur
Zeit der Kreuzzüge
4. Die
Suche nach dem „Loch“ oder dem „Loco“ (lat. locus Ort)
des Schatzes
5.
Tertiärer historischer Hintergrund im „Biterolf und Dietleib“ und
zum „König Laurin“
6.
Umfeld und Hintergrund der bekannten Nibelungenlied-Endfassung
7. Karte
mit Einzeichnung des näheren Such- und potentiellen Fundbereichs
4. Ergänzungen
4.a. Sagen, Orts-
und Flurnamen zum Fundbereich
4.b. Fotos
4.c. Die
Berücksichtigung interdisziplinärer Methoden
1. Einführung
Dieses Ortungsprojekt
bezieht sich auf die bekannteste Schatzsage, die der Nibelungen. Der
Nibelungen-Begriff wird hier primär auf die Burgunder übertragen, welcher
historisch mit deren Reichsuntergang am Mittelrhein im Jahre 436 n. Chr.
durch die „Hunnen“ und den darauffolgenden Abzug durch die heutige Schweiz,
dem myth. Nifelheim (Eis- und Nebelland ~> Nebelungen) im
Zusammenhang zu bringen ist. Nifelheim steht für das germanische und
ursprünglich wohl keltische Totenreich der bekannten La-Tène-Kultur.
Prägnant dafür ist der Kultort am Neuenburger See, wo u.a. Massen an
Schwertern und Pferden dem Wasser bzw. der Unterwelt geopfert wurden, die
bekanntlich die namentlichen Kultobjekte der Dietrichsagen schlechthin
sind. Ebenso trifft die älteste Beschreibung von Nifelheim auf dieses
Gebiet zwischen Aar, Oberrhein und Oberrhone zu. Keltisch-germanische
Verbindungen bestehen hier bereits seit Jahrhunderten. Island wurde
hingegen erst im Mittelalter entdeckt. Die dichterische Verbindung Island-Norwegen
mit Nifelheim kann daher als sekundär betrachtet werden. Entsprechend über-
bzw. unterirdisch begegnet uns Brunhild einleitend, da auch sie in
dieser Vorphase noch Hel, die Göttin Nifelheims verkörpert, bis sie
zu Gunthers Frau und zur Burgunderkönigin gemacht wird. Dementsprechend
lässt die Sage dann auch den burgundischen Reichsschatz vom zwielichtigen
und Brunhild-hörigen Hagen von Tronje in den Rhein versenken. Der Nibelungen-Begriff könnte also auf einen
germanischen Übernamen für das keltische Land der Helvetier u.a. in
Anspielung an die Göttin Hel zurückzuführen sein. Wichtig in diesem
Zusammenhang ist der ursprüngliche Verwahrungsort des Schatzes im Berg, wo
ihn der Zwergenkönig Alberich hütet. Die Zwerge sind hier Bergleute
keltischer Abstammung (vermutlich auch Helvetier). Der Name Alberich
setzt sich zusammen aus Albe/Alpe für Geist, weiß – und aus Rich
für Reich (germ. rikja, kelt. rig-). Das weist am ehesten auf
das weiße Alpenreich (lat.-germ.-kelt.) hin, das ursprünglich
keltisch-rätisch war. In römischer Zeit war der nördliche Bereich des
Alpenreichs unter den römischen Provinzen Alpes Graiae et Poeninae,
Germania Superior (zuvor Teil Gallia Belgica), Raetica
und ferner Noricum aufgeteilt – der Handlungsraum des
Nibelungenlieds auch in historischer Hinsicht. Die Burgunder werden
schließlich von den Römern am Westrand der Alpen angesiedelt, wo sie zur
Kontrolle der Gebirgspässe eingesetzt wurden. Es ist denkbar, dass in
dieser Phase und in diesem romanisch-keltisch-germanischen Umfeld die erste
Aufzeichnung der Nibelungensage beginnt (Teil I).
Zu berücksichtigen ist
weiters, dass in den Sagen ältere historische Fakten gerne mit neuen
Informationen ersetzt oder aufgefrischt werden. Aufgrund begrenzter
historischer Einblicksmöglichkeiten kommt es dann mit zunehmender
Überlieferungszeit insgesamt zu vielen (symbolischen) Projektionen, Vereinfachungen,
Verdichtungen, Verwechslungen, Überhöhungen, ..., so wie man es oft von
Träumen her gewohnt ist, bei denen zurückliegende Lebens- und
Tageserfahrungen entsprechend zusammengestaucht werden. Um Träume richtig
verstehen zu können, bedient man sich dann verschiedener
Übersetzungsmethoden der Traumanalyse und Deutung, die auch bei der
Interpretation von Sagenüberlieferungen greifen und hilfreich sein können.
Dabei kann zumindest der ursprüngliche Sinn der Geschichte rekonstruiert
werden. In dieser Hinsicht steht hier vor allem die Schatzfrage an. Denn
erst wenn die Frage nach welchem Burgunderschatz geklärt ist, kann die
Richtung bestimmt werden, in der der Nibelungenschatz gesucht werden kann.
Hierzu muss der burgundische Reichsschatz in zwei Hauptteile getrennt
werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass auch der Sagenheld
Siegfried ursprünglich vor dieser entscheidenden und existentiellen Aufgabe
gestellt wurde, den Schatz zu teilen... Letztendlich handelt es sich dabei
um jene logischen Schatzteile, die einerseits für die Burgunder gerettet
werden konnten und anderseits ihnen durch den Hunnenangriff verloren
gegangen sind. Höchstwahrscheinlich war der durch die hunnischen Räuber
verloren gegangene Schatzanteil der beträchtlichere, da er zur sagenhaften
Vernichtung der Burgunder-Nibelungen geführt hat und zu ihrem Zug gen
Osten. Dieser ist hier damit als der Nibelungenschatz zu betrachten. Nach
der Sage soll der gesamte Schatz verloren gegangen sein, was jedoch als
traumatische Übertreibung nach dieser Vernichtung anzusehen ist. Bestimmt
fanden gerettete Vermögensanteile den Weg ins neue Burgunderreich, was
nicht nur das Überleben, sondern auch die relativ schnelle Erholung des
Burgunderreichs erklärt. Nur geringere Anteile dürften dabei im Rheingebiet
selbst vergessen oder sonst wie verloren zurückgeblieben sein.
Nachdem nun erst mal geklärt
wurde, was hier mit dem Nibelungenschatz historisch gemeint ist, kann und
soll in den nachfolgenden Analysen über den möglichen Verbleib dieses
sagenhaften Schatzes weiter geforscht werden. Die Methodik und
Darstellungsweise dieses Projektes richtet sich übersichtshalber nach dem
Muster des vorangegangenen Alarich-Ortungsprojekts. Auch im Falle
des Nibelungenschatzes ist vorerst davon auszugehen, dass es entsprechende
Aussagen und Überlieferungen gab, die einerseits über einen verlustigen
Verbleib derartiger Vermögenswerte hinwiesen, anderseits aber auch Suchende
in die Irre führen konnten und sollten. Dabei verhält sich Hagens
Nibelungenhort-Versenkung in den Rhein ähnlich wie die Versenkung in den
Busento-Fluss bei Alarich. Während aber bei der Alarich-Bestattung noch von
einer gezielt definitiven Verbergung durch den Fluss auszugehen ist
(schließlich ging es um die Bestattung eines Königs und allein seines
persönlichen Vermögensanteils), wo mit hoher wahrscheinlich bloß die nähere
Ortsangabe irreführend angegeben worden sein konnte, kann es sich im Falle
des geraubten Nibelungenhortes nur um eine vorübergehende Verbergung
gehandelt haben und nicht um eine Opferung. Ob es dann zu einer
Weiterverwendung jenes Reichsschatzes gekommen ist, oder ob er aus unglücklichen
Umständen bis heute verschollen blieb, müsste ebenso noch durch
weitergehende Untersuchungen geklärt werden. Die „Rhein-Versenkung“ kann
aber in erster Linie mit der Vernichtung oder Auflösung des
Burgunderreiches am Mittelrhein symbolisch in Verbindung gebracht werden,
wobei die Alarich-Versenkung oder ähnlich kultische Opferungen (wie etwa in
La Tène) zumindest literarisch Pate gestanden haben durften. Dazu
ist zu bemerken, dass es bei der Rhein-Versenkung nur um die bekannteste
Nibelungenschatz-Überlieferung handelt (um 1200), der es bisher gelang die
anderen Versionen literarisch zu überlagern oder zu verdrängen.
Bereits nach dieser
einleitenden Basisanalyse kann also abschließend festgestellt werden: Der
zu suchende, geraubte Nibelungenhort muss von den hunnischen Räubern sofort
in ihre östliche Richtung verbracht und verborgen worden sein, was nicht
nur im zweiten Teil des Nibelungenliedes hintergründig angedeutet ist („Hagan“
ist Führer des Nibelungenzuges – der „Khagan“ ist Anführer der Hunnen),
sondern auch die einzige, historisch nachvollziehbare Entwicklung dieser Schatzgeschichte
darstellt und darüber hinaus auch auf das Ursprungsgebiet des
Nibelungenlied II hinweist. Diesem Spurenkomplex noch weiter nachzugehen
wird die Aufgabe dieses Ortungsprojektes sein (siehe hierzu Ergänzung unter
Punkt 3.3).
Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungensage
http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenlied
http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenhort
http://de.wikipedia.org/wiki/Helvetier
http://de.wikipedia.org/wiki/La-T%C3%A8ne-Zeit
2. Fundmeldung
Ort der Fundmeldung:
Gemeindeamt
Losenstein, 18.10.2007
Name und Adresse des Finders:
Winfried
Huf, ...
Fundgegenstand:
Spätantikes Gebiets- und
Kultzentrum im Traungau mit Hinweis zum „Nibelungenhort“
(hunnisch-germanisches Raubgut – hist. Hintergrund des Nibelungenliedes)
Fundbereich:
Losenstein –>
Pfennigstein – Schieferstein <– Laussa, südlich von Steyr,
Oberösterreich (siehe Einzeichnungen in beiliegenden Kartenausschnitten)
...
Anlagen:
Historische
Begründung und Lokalisierung des „Nibelungenhorts“
3. Anlagen
Historische Begründung
und Lokalisierung des „Nibelungenhorts“
Ausgehend
von der Vorgeschichte (Zusammenbruch des linksrheinischen Burgunderreiches
am Mittelrhein, Schlacht auf den Katalaunischen Feldern, Zusammenbruch des
Hunnenreichs) wird hier die hist. Quintessenz der ursprünglichen
Nibelungensage rekonstruiert, die schließlich mit späteren Geschichts- und
Sagenprojektionen bis hin zur Zeit der Nibelungenlied-Niederschrift
zusammengeführt werden. Dabei führen verdächtige Fehlerquellen in den
Übersetzungen der frühen u. späteren Überlieferungsphase zu neuen
Interpretationsmöglichkeiten u. Ergebnissen ...
1.
Primärer, historischer Hintergrund im I. Teil der Nibelungensage
Nachdem
die mittellinksrheinischen Burgunder 435 n.Chr. die römische Provinz
Belgica I angegriffen haben, wurden sie vom röm. Feldherr Aetius mit Hilfe
der Hunnen wieder in das ihnen zugewiesene Gebiet zurückgeschlagen. 436
erfolgte auf jenes Burgunderreich jedoch ein weiterer Hunnenangriff, der
für die Einsicht in die weitere Entwicklung entscheidend sein wird. Denn
die rechtsrheinischen Burgunder waren mit diesen Hunnen verbündet, die den
Verwandten auf der anderen Rheinseite mit weiteren germanisch-hunnischen
Kontingenten in den Rücken gefallen sein könnten – gleich Hagen gegen
Siegfried. Dementsprechend könnte dieser Angriff nicht offiziell von
höheren Stellen angeordnet worden sein. Er hätte sonst wieder bekanntere
Konsequenzen mit sich gebracht, wie die von 435 gegen die linksrheinischen
Burgunden. Vermutlich kamen germanische Hunnenteile hierbei an
Informationen großer und relativ leicht zu erobernder Schatzmengen heran,
der schließlich den Raubzug von 436 ausgelöst haben mag. Ein anderer Grund
als einfaches Beutemachen ist hier historisch nicht nachvollziehbar.
Diese
Situation erinnert an folgende literarisch verarbeiteten Ereignisse im I. Teil
der Nibelungensage: Hagen von Tronje erfährt über Kriemhild von der
verletzlichen Stelle Siegfrieds (hier historisch: Gundahar). Er nutzt diese
Information aus, tötet Siegfried und kommt so zum Schatz. Demnach müsste
dem düsteren Hagen von Tronje historisch eine „germanisch-hunnische
Position“ zugeordnet werden, welche die Burgunder-Katastrophe am
Mittelrhein auch tatsächlich ausgelöst hat und mit der Schatzversenkung (=
Reich-Versenkung) in den Rhein symbolisch besiegelt wurde. Die Position
Siegfried-Gundahar wurde erst durch spätere, merowingische Sagen-Eingriffe
mit einen ihrer Könige besetzt (z.B. Sigibert I., 575 ermordet) und
Gundahar auf eine weniger glanzvolle Rolle verdrängt.
Dieser beispielhaft frühe
Reichsuntergang wäre nicht so sehr in die Literaturgeschichte eingegangen,
wäre damit nicht von Anfang an eine außergewöhnliche Schatzmenge verbunden
gewesen, dessen Verlust durch Heimtücke für viele existenzbedrohlich
gewesen sein musste. In beiden Teilen der Nibelungensage stellt dieser
„nibelungische Reichsschatz“ den Maßstab aller Handlungen dar (Anfang und
Ende), der ursprünglich die historische Basis dargestellt haben muss.
Inhaltlich dürfte sie nicht viel mehr als eine Pergamentseite einer
Klageschrift oder einer Chronik ausgemacht haben. Erst nach Jahrhunderten
langen politischen, sprachlichen und literarischen Entwicklungen wurde dies
zu einem Monumentalwerk von ca. 2400 Strophen gestreckt, bei dessen
Interpretation immer der jeweils zu analysierende, historische Hintergrund
im Auge behalten werden muss. Hier ist es eindeutig die ursprüngliche
Burgunder-Untergangssage, die mit ihrem Schatz in einem reichsbestimmenden
Dreiecksverhältnis König – Schatz – Volk (Heer) verbunden wurde. In keiner
anderen vergleichbaren Reichs-Untergangsgeschichte wird dieses
historisch-politische Konzept so beispielhaft veranschaulicht. Die
Überlebenden werden schließlich ins Nebelland am Genfer See übersiedelt,
welches auch mit dem keltisch-germ. Totenreich Nifelheim/Nifelhel in
Verbindung gebracht werden kann (Nebel: lat. nebula, germ. nibila).
Es kann sich hierbei um einen alten, germ. Übernamen für das Land der
keltischen Helvetier u.a. in Anspielung an die Göttin Hel des
Schnee- und Nebellandes (Unterwelt, Hölle) handeln. Der Schatz wird im Berg
vom König Alberich (lat.-germ.-kelt. Synonym für das keltische Alpenreich, weißes Reich) bewacht.
http://de.wikipedia.org/wiki/Burgunden
http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungensage
http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenlied
http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenhort
http://www.poechlarn.at/nibelungenlied.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Helvetier
2.
Sekundärer historischer Hintergrund im II. Teil des Nibelungenlieds
Beim Burgunderzug nach Osten
dürfte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen historischen
Nebenschauplatz gehandelt haben, denn der abschließende Vernichtungskampf
ist – wie oben erwähnt – historisch noch dem I. Teil zuzuordnen. Der
Hintergrund der Burgunderreise gen Osten im II. Teil dürfte hingegen kein
reines Festgelage gewesen sein, sondern ein Thing oder ein Althing,
wo sämtliche Stämme u.a. zu Kriegsrats- und Gerichtsverhandlungen
zusammenkamen. Die Burgunder konnten inzwischen erholt und durch weitere
Verbündete gestärkt (Alamannen, Sueben, Franken, Westgoten) nach
Gerechtigkeit und Sühne für den hunnischen Überfall von 436 unter allen
föderierten Volksstämmen eingefordert haben. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass auf der hunnischen Seite bereits seit Jahren ein Überhang an
germanischen Stämmen zu zählen ist, wie Rugier, Bajuwaren, Quaden, Heruler,
Ostgoten, Langobarden, Gepiden ... was unter diesen Umständen ein größeres
Althing noch wahrscheinlicher werden lässt, und die ganze Situation sich
noch komplexer dargestellt hat, als sie uns später überliefert wurde. Denn
so stehen ebenso die rechtsrheinischen Burgunden unter Verdacht an diesem
fatalen Angriff teilgenommen zu haben, so wie es sich noch in der Schlacht
auf den Katalaunischen Feldern 451 wiederholt hat, wo diese beiden
Burgunder-Seiten, wie auch die West- und Ostgoten, oder die
linksrheinischen West- u. rechtsrheinischen Ostfranken verhängnisvoll
gegeneinander kämpften. Diese Völkerschlacht scheint ohnehin eine
Folge/Parallele des Überfalls von 436 gewesen zu sein und ist unter ähnlichen
Ursachen zustande gekommen, was auch im Nibelungenlied seinen Niederschlag
gefunden hat.*
Da es sich hier also um
keine rein pannonisch-hunnische Angelegenheit handelte (dementsprechend
spielt diese Seite im Nibelungenlied bloß eine Nebenrolle), konnte sich
dieser große Treffpunkt historisch nicht in Gran (Ungarn) zugetragen haben,
sondern in einem zentraleren Verhandlungsort. Da das größte Kontingent der
Angreifer aus Rugiern und Bajuwaren bestanden haben dürfte, welche auf der
nördlichen Seite von Rätien und Noricum siedelten, könnte sich diese
Althinga-Stätte im nördlichen Grenzraum von Rätien-Noricum befunden haben.
Ein dazu passender Ort wäre Passau (Castra
Batava-Boiotro) gewesen, ein weiterer: Altötting (Autingas), das nicht nur in einer besseren Ost-West-Verbindung
lag. Altötting erscheint urkundlich erstmals 748 als agilolfingischer
Herzogshof, dann als karolingische Königspfalz, was hier einer Fortsetzung
der zentralen Althing-Tradition entsprechen würde. Eine Althinga-Stätte
würde sich hier auch archäologisch auf dem großen Kapellplatz anbieten.
Östlich davon lag die antike Großstadt Wels mit Gerichtshof (röm. Ovilava, ahd. Weles). Könnte die Völsunga-Saga (auch: Welsunga) neben dem Wölflingsbezug vielleicht auch eine
ursprüngliche Beziehung zu Wels (germ. wel-
wollen, ahd. wel, welsunga lautstarke Forderung, germ.
sangwa Gesang, Lied) eingenommen
haben? Zumindest wäre Wels einst welfisches Gebiet gewesen. Die
Völsunga-Saga enthält ältere Bestandteile der Nibelungensage, welche in den
nordischen Kulturkreis übertragen wurden.
Diese lautstarke Forderung
zur Herausgabe des geraubten Burgunderschatzes dürfte die angeklagte
hunnisch-germanische Stammesführung (eine Minderheit unter den übrigen
Föderierten) verweigert haben, wie Hagen von Tronje im Nibelungenlied. Beim
daraufhin tödlichen Kampf muss auch das Wissen um den näheren Schatzort
verloren gegangen sein. Der Schatzort hätte sich jedoch aus dem damaligen
Tätigkeitsbereich jener hunnisch-germanischen Söldner erschließen lassen
können, was auf die eine oder andere Weise in den Überlieferungen Eingang
gefunden haben müsste. Wenn dem so wäre, scheinen diese Informationen
bislang als unzureichend übersetzt und verarbeitet worden zu sein, was in
den folgenden Punkten zu klären versucht wird.
http://de.wikipedia.org:80/wiki/Thing
http://de.wikipedia.org/wiki/Althing
http://de.wikipedia.org/wiki/Altötting
http://de.wikipedia.org/wiki/Passau
http://de.wikipedia.org/wiki/Wels_(Stadt)
http://de.wikipedia.org/wiki/Völsunga-Saga
http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_auf_den_Katalaunischen_Feldern
*
Die beiden entscheidendsten Ursachen zur Schlacht auf den Katalaunischen
Feldern (im Frankengebiet) und ihre Nibelungenlied-Parallelen:
- Der Erbfolgestreit zwischen zwei
fränkischen Königssöhnen, wobei der Ältere zu Attila hielt und der Jüngere zu Aetius. Der Jüngere soll entgegen der Tradition als
Nachfolger ausgewählt worden sein, womit Attila benachteiligt u. brüsk
übergangen wurde. Von Aetius soll der Nachfolger als „Kind“ (engl. Child) angenommen und vom
Kaiser reich beschenkt worden sein (Quelle: Priskos v. Panion in den Excerpta de legationibus).
Nibelungenbezug:
Siegfried soll zwischen den
beiden um das Erbe streitenden Königssöhnen Schildung und Nibelung
vermitteln. Er tötet sie und das Ungeheuer, das ihren Schatz bewacht und
wird somit selbst Besitzer des Nibelungenhortes. Hier scheint Siegfried der
Antriebskraft Attilas zuvorgekommen zu sein, was für spätere
Siegfried-Erklärungen von Bedeutung ist... -> Exkurs
Wahrscheinlichster
historischer Bezug: Es könnte sich um Merowechs
Königssöhne gehandelt haben, wobei der Nachfolger Childerich I. im Nibelungenlied als Schildung übertragen
wurde. Der abgesetzte Nibelung (*Nobiling lat.-germ. der für das Königsamt
Würdige) aber angeblich zu den Hunnen hielt (germ. Nibelungi abgeleitet von Nibelhel
für die germ. Nebel-Hölle - griech.-lat. Tartari - dt. Höllischen). Der Drache dürfte Bezug auf Merowech (= Meer-Vieh,
Meeresungeheuer) genommen haben, dessen Geburtssage mit einem
Meeresungeheuer in Zusammenhang gebracht wurde (Fredegar-Chronik).
Anmerkung:
Solche „Kämpfe um Meerungeheuer“ in den Gebirgen der Dietrichsagen führte bei neuzeitlichen Historikern etc. zur
Meinung es handle sich bloß um Märchen. Die korrekte Interpretation kann
diese „Märchen“ jedoch schnell wieder zu ihrer historischen Wirklichkeit
zurückführen: Denn richtig übersetzt bedeutet der „Kampf gegen
Meerungeheuer“ als der Kampf gegen Merowinger
(merowingische Heeresschlangen). Also Vorsicht mit historisch voreiligen
„Märchen“-Disqualifikationen, denn besonders in jener Zeit, wo die
Sprachentwicklung noch voll im Gange war, bediente man sich bei
Besonderheiten (fremden/feindlichen Kultureinflüssen) mit eigenen,
markanten Wortspielereien. Noch heute ist diese Kommunikationsform als
Jargon üblich. Auch wenn heute ein 1500jähriger Jargon nicht mehr voll
durchschaubar ist, sollten Historiker diese sprachl. Umgangsform ebenso den
Altvölkern zutrauen, ohne sie gleich ins Fabelreich zu bannen..
- Honoria, die römische Kaiserschwester wurde mit einem
alten Senator zwangsverheiratet, worauf sie Attila einen Ring und ein Schreiben mit dem Eheversprechen
sandte. Attila nutzte dieses Angebot und forderte das halbe Westreich
als Mitgift, was ihm untersagt wurde.
Nibelungenbezug:
Kriemhild von ihren Brüdern und
Hagen hintergangen (Ehemann Siegfried ermordet, Schatz gestohlen) rächt
sich bei ihnen über den Eheweg mit Attila.
http://de.wikipedia.org/wiki/Merowech
http://de.wikipedia.org/wiki/Childerich_I.
http://de.wikipedia.org/wiki/Justa_Grata_Honoria
3. Weitere
entscheidende Aspekte zur Überlieferung
Hier
genügt es nicht, wie bisher üblich, aus dem Mittelhochdeutschen in die
Gegenwart zu übersetzen. Es muss vorerst in die Situation der
ursprünglichsten Sagenüberlieferungsphase des 5. Jahrhunderts
zurückgeblendet werden. Für diese Zeit, in diesem Raum waren verschiedene
vulgärlateinische und germanische Sprachmischungen verbreitet. Bei ihrer
Verschriftlichung wurde nicht zwischen Groß- und Kleinbuchstaben unterschieden,
da die Runen- und römische Lateinschrift diese Unterscheidungsart nicht
kannten. So waren auch die Wortabstände nicht immer eindeutig. Dieselben
Probleme tauchten bei mündlichen Übertragungen auf. Erst nach drei
Jahrhunderten wurden mit der karolingischen Minuskel die Groß- und
Kleinbuchstaben eingeführt. Entscheidende Übersetzungsfehler in dieser
Vorphase waren unumgänglich, wenn man bedenkt, wie oberflächlich viele
Kopisten auch noch in der Folgezeit gearbeitet haben.
In
der hier entscheidenden mittelhochdeutschen Textstelle endet der
Nibelungenschatz schließlich durch Hagen von Tronje ... ze Lôche in den
Rîn (ô = langes o). Die meisten übertragen den mittelhochdeutschen
Wortlaut direkt, ins Neuhochdeutsche: Demnach versenkt ein Hagen von Tronje
den Schatz in einem Loch in den Rhein, oder in einem Ort der so ähnlich
geheißen haben muss. Solche Übertragungen wären nur schlüssig, wenn nicht
so viele Jahrhunderte Überlieferungszeit dazwischen gelegen hätten. Es
hätte ursprünglicher auch ganz einfach ze loche rin, also „ins Loch
hinein“, bedeuten können.
Vollständigkeitshalber
müssen jedoch auch Projektionen und Entwicklungsmöglichkeiten aus der
germanisch-althochdeutschen und lateinischen Perspektive überprüft und berücksichtigt
werden. Lateinische Assoziationen sind zu berücksichtigen, da in jener Zeit
wichtige Urkunden und Chroniken fast ausschließlich in dieser Sprache
verfasst wurden, die von späteren Überlieferern als Basis ihrer
Interpretationen herangezogen worden sein konnten. Lateinische Urkunden
waren zudem überlebensfähiger, da diese als die wichtigeren gehalten wurden
und so Vorrang bei den Rettungsmaßnahmen in zahlreichen Katastrophenfällen
(Brände, Kriege, ...), sowie bei Erneuerungen genossen. Germanisches
Kulturgut galt hingegen als heidnisch und landete ohnehin häufig auf den
„reinigenden“ Scheiterhaufen. Bevor es jedoch zur lateinischen
Verschriftlichung kam, dürften im nördlichen Raum interne Informationen in
germanischen Sprachen verbreitet worden sein. Missverständnisse und
Überlagerungen waren hier daher vorprogrammiert. Hierzu eine entsprechende
Aufstellung von Entwicklungsbeispielen:
hagan austronja (germ.: östliches umgrenztes Land, östlicher Wall,
...) –> Hagan us Tronja –> Hagen aus Tronje
lāh (ā = langes, helles o), loh (sprich: loch) ahd.: für Abgrund, Einzäunung,
Grenzzeichen (z.B. lāhbuohha für Grenzbuche), Höhle, Lache, Loch,
Öffnung, Schlund, Spalt, Schranke, Sperre, Verschluss, Wald.
... in rein (ahd.): an der Grenze, Schutzwehr, – ergänzend
zum Begriff hagan. Oder:
... enn (germ.) – rain,
rin (ahd.): hinein, – die folgende
Bedeutungsverschiebung zulässt:
Enns –> Rein –> Rin – also vom
Enns-Fluss zum Rhein versetzend.
Unter
den an einer Grenze besonders markierenden lāh- oder loh-Punkten
fallen: Grenzzeichen, Höhle, Schlund-Spalt oder eine besondere Grenzsperre
bzw. einen engeren Grenzdurchgang.
Lateinische
Assoziationen zu Loche und Rin (Rhein? kelt. Rheno,
lat. Rhenus, Rhenum, rätorom. Rein, ripuarisch Rhing):
in loco (lat.): im
Ort ... – zumeist um einen bestimmten Ort oder eine Grenze festzulegen (locare).
Passend dazu der Lochstein = Grenzstein (siehe unten, zur altdeutschen
Bergmannsprache)
regno, regnum (lat.) für (König-)Reich – z.B. mit der Assoziation:
loco regno – Herrschaftsort, ...
oriens (lat.) Osten, Gegend im Osten – z.B. mit der
Assoziation loco oriens – Das O stünde im
germ.-ahd. für: an, von. O-RIENS ließe sich so übertragen zu: am Rhein oder
am Flusse - Enns. Dazu wäre folgende Verknüpfung möglich: locoriens,
die beispielsweise unweit vom oben
erwähnten loche rin liegt.
Zur
altdeutschen Bergmannsprache: zi loche an de rinna oder zi
lochstaina an de rinna
Übersetzt:
Beim Fundgrubeneingang an der Rinne. Beim Lochstein (Fundgrubengrenze) an
der Rinne.
Der
Ursprung des „Loch“ könnte hier von lat. locus abgeleitet sein: Ort,
Bestimmungs- oder Begrenzungsort, Anfangs-/Endpunkt. In der deutschen
Bergmannssprache erhielt sich der alte Ausdruck Lochstein für Grenzstein,
weil die Gruben ebenso Löchern entsprachen. Weiteres dazu im nächsten Punkt
4.
Daraus
ergäben sich insgesamt spezifiziertere germ.-ahd. Ortsangaben mit
lateinischen Einflussmöglichkeiten, die nicht nur auf das Rheingebiet
zutreffen können, sondern vor allem auf eine östliche Grenzmark, weil eine größere,
germanisch-hunnische Raubschatzung den eigentlichen Hintergrund des
Nibelungenlieds darstellt. Eine rein burgundische Angelegenheit hätte
übrigens am Rhein selbst gelöst werden können. Die Lösung führte jedoch
weiter nach Osten. Darüber hinaus überwiegen hier die Assoziationen zu
Grenze, Land und Berge vermutlich mit Bergbauaktivitäten, - die mit Wasser
fallen sekundär aus.
Der sonderbare Personennamen
Hagen (aus hagan germ. Hecke, Umzäunung, umgrenzter Ort, ...) könnte
sich ursprünglich also auf ein Objekt, einen Ort bezogen haben und erst in
weiterer Folge auf die Funktion des: hagustalt, hagustalda (germ.
Haghaber, Einsiedler, Knecht, Krieger). Dazu verwandte Begriffe sind aigan
für haben und aigon für Besitzer: kein Hag, kein Besitz! Hago
= Habe, hagon = behagen, besitzen. Schließlich gilt Hagen als neuer
Besitzer des Nibelungenhorts. Es ist nicht verwunderlich, dass Hagan oder
Hagen in den früheren herrschaftlichen Stammtafeln nicht vertreten ist, so
wie es die anderen Personennamen der Sage sind, - weil in Adelskreisen der
Besitz zur Voraussetzung gehört. Hagen assoziiert jedoch auch gemäß
Nibelungenlied den (neuen) Guts-Besetzer, was ihn eher in die Nähe von
Räubern bringt. Und allein diese Figur macht die Burgunder-Nibelungen gegen
die Historie zu Räubern, waren sie 436 doch selbst die Beraubten.
Vermutlich ist sie also den Burgunder-Nibelungen hier nachträglich gleich
eines Kuckuckseis unterschoben worden. Das erkläre die maximalste
Fiktivität in welche der Dichter diese Sagenfigur handeln lässt. Bei
Siegfried-Brunhild ist diese nur einleitend mythisch bedingt, bei Hagen
durchwegs dichterisch-künstlich.
Die
einzig akzeptable Übertragungsmöglichkeit von hagan austronja ins
Lateinisch-Griechische ist: hageter austero. Interessanterweise ergibt sich daraus die genaue
Personenbeschreibung von Hagen aus Tronje, was sich schwer als Zufall
deuten lässt:
hageter (lat.-griech.):
Führer, Wegweiser (Hagen bestimmt prägend, wo es lang geht, vom Königsmord über
den Schatzraub bis zum Ostzug, und jedes Verbrechen lässt man ihm bis
zuletzt einfach gelingen.)
austero (lat.-griech.):
ernst, herb, trocken, mürrisch, streng, scharf, düster (Hagens
Charakterisierung in der Sage) [auch über: austra germ. Osten]
Die Stelle der
Nibelungenschatz-Verbergung durch „Hagen von Tronje ... zu Loche in den
Rhein“ hätte also ursprünglich im 5. Jh. auch einen Ortsbezug in
germanischer Sprache darstellen können [übersetzt etwa: „im Ostwall...
Ostland an einem Grenzzeichen (Lochstein?)... oder am (Haupt-)Ort dieser
Reichsgrenze (loco regno)“], der dann mit seinem
(unbekannten) oder anderen ähnlichen Herrennamen verknüpft worden sein
konnte (von hagan austronja zu Hagen-aus-Tronje).
Durch
freiere Interpretationsansichten hätte später dieser Orts-Personenbezug vom
ursprünglichen Ort losgelöst, auf jeweils aktuellere Burgundische oder
Fränkische übertragen werden können: So wie in den letzten Fassungen des
Nibelungenlieds geschehen, wo etwa eine elsässische Ortskombination westlich
von Straßburg hergehalten haben könnte, die zumindest bis in die
karolingische Zeit zurückzuführen ist und somit auf Kompositionen dieser
Zeit: Kirchheim (um 807 Trhonie, 728 pago Troningorum? auch Troninga),
der Ort Haegen 20km nordöstlich
davon und die Grafenreihe der Hugues
(Hugo, zu germ. hugu für
Verstand) erst ab dem 10. Jh., 10 km südlich davon in Dabo (Dagsburg)
lokalisierbar. Nicht zu verwechseln mit Hugues I. von Troyes (11.-12. Jh.),
ein Templer. In diesem Zusammenhang muss gleichsam die sagenhafte
Herleitung der Franken von Gregor von
Tours (fränk. Geschichtsschreiber 538-594, Historia Francorum) berücksichtigt werden, der die Franken von
Pannonien (also vom Hunnenland) kommend den Rhein überschreiten lässt, wo
ihr König zu „Duspargum (Dagsburg?)
in finibus Thuringorum“ (andere
Schreibweisen 787: Thurninga, Turninga) seinen Hof gehalten haben
soll.
Das passendste
Ursprungsgebiet von hagan austronja, das
Jahrhunderte später tatsächlich als Ostland bezeichnet wurde und sich bis auf
den heutigen Tag gehalten hat, wäre Österreich. Demnach könnte Hagen aus
Tronje das „Phantom“ der ursprünglichsten germanischen Bezeichnung von
Österreich sein, wo dieses noch ein relativ unscheinbares östliches
Grenzgebiet dargestellt hat, als germanisch-hunnische Stämme (Rugier,
Bajuwaren) das Gebiet kontrolliert haben und bis zum 10. Jh. auch noch als
Hunnenmark gegolten hat. Im Nibelungenlied beherrscht diesen Bereich
Markgraf Rüdiger von Bechelaren (heute: Pöchlarn), der hier im
Enns-Bereich seine westliche Markgrenze hielt. Der Name Rüdiger könnte
ursprünglich auf die Anwesenheit der ostgermanischen Rugier und
einer ihrer Könige hinweisen, die Ptolomaios Rutiklier (~> Rudiger)
nannte. Sie waren in der hier betreffenden Zeit mit den Hunnen verbündet.
Zu Rüdigers besonderer Beziehung mit der Hagen-Figur siehe noch in Punkt 5.
Hier die gesamte, mutmaßliche Namensentwicklung bis
heute:
1.
hagan austronja (germ.),
(ahd.: hag ostroni): östlicher gau- oder limesartiger Grenzbereich,
Distrikt (5.Jh.). Anmerkung: Im 5.-8. Jh. wird der östliche Teil des
merowingischen Königreichs Austrasien/Austrien genannt. Der Hagan-Zusatz
hätte dagegen auf eine kleinere östliche Grenzmark hinweisen können.
2.
Marka Awari, Marcha Avari (bekannt als Awaren- oder Hunnenmark): karolingische
Zeit, um 800. Zuvor: 788 fällt hier am Ybbsfeld eine entscheidende Schlacht
gegen die Awaren (Nachfolgestämme der Hunnen).
3.
Marchia orientalis (lat.): östliche Mark, Mark im Osten (Markgrafschaft
östlich der Enns, westlich davon lag das Hzm. Bayern), Vertrag von Verdun
843
4.
Ostarrichi (ahd.): Ostreich, Schenkungsurkunde Kaiser Otto III.
996. In dieser Ersterwähnung Österreichs schenkte der Kaiser dem Bischof
Gottschalk von Hagenau das Gebiet Neuhofen (siehe Karte). Die Herren von
Hagenau waren ein altes bairisch-österreichisches Adelsgeschlecht. Auch
hier stellt Hagen einen Ortsbezug dar.
5.
Österreich: um 1100, Mark Österreich 1156, umgangssprachlich
auch Osterland oder Osterlant genannt. Österreich bleibt bis heute die
gebräuchliche, deutsche Bezeichnung für das inzwischen angewachsene
Staatsgebiet.
6.
Austria (latinisiert, internationalisiert): latinisiert aus
dem Germanischen austra (Osten) und austronja (östlich), wo
wir wieder bei der obigen, vermutlich ursprünglichsten Bezeichnung dieses
Landstriches angekommen sind.
Der folgende historische
Karteneinblick zeigt die Grenzentwicklungen von der Grenzmark Ostarrichi
bis zum Hzm. Österreich (Zeitspanne: ca. 976-1300). Die rote, schematische
Einzeichnung im Wurzelbereich von Ostarrichi und Traungau (germ. truma
für Rand, Ende, „ad Trun“ 8. Jh., „de Trone“ 12. Jh.) würde ungefähr dem hier maßgeblichen
Grenzgebiet hagan austronja im 5. Jh.
entsprechen. Die östliche Mark dehnte sich von hier nach Osten hin aus, der
Traungau nach Westen. Hinsichtlich des Traungaus wäre in der karolingischen
Übergangszeit die Existenz eines „Hagan de Trone“ nachvollziehbar
und würde mit den NL-Überlieferungen des 12. Jh. ebenso übereinstimmen: In Fassung A „Trony“,
„Troni“, „Tronie“, in B und C „Tronege“.
Bis heute haben sich in diesem alten Grenzbereich die
Landesgrenzen zwischen Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark
erhalten.

Abb. 1, Grundlage aus: Historischer
Weltatlas, Österreichischer Bundesverlag, Wien 1972, S.57 (Ausschnitt)
http://de.wikipedia.org/wiki/Karolingische_Minuskel
http://de.wikipedia.org/wiki/Hagen_von_Tronje
http://de.wikipedia.org/wiki/Hag
http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCdiger_von_Bechelaren
http://de.wikipedia.org/wiki/Rugier
http://de.wikipedia.org/wiki/Awarenmark
http://de.wikipedia.org/wiki/Marcha_orientalis
http://de.wikipedia.org/wiki/Ostarrîchi
http://de.wikipedia.org/wiki/Herren_von_Hagenau
Exkurs:
Weitere Projektionen zu Siegfried-Hagen und dessen
Nibelungen-Bedeutung aus der Hunnenzeit (4.-5. Jh.)
Hinter dem Hagan austronja (östlicher Hagen)
könnte sich jedoch auch eine bedeutendere Persönlichkeit des Ostens
verbergen, welche dann von den germanischen (fränkischen) Überlieferern
allerdings bewusst verschleiert und mystifiziert worden sein konnte, um
ihre wahre Identität der Nachwelt nicht mehr wiedererkennbar zu machen.
Dann aber könnte die Nibelungen-Kernthematik sogar hunnischen Ursprungs
sein, wie sich nachfolgend zeigt:
Denken wir an den jungen
Siegfried, der das schwere Schmiedehandwerk erlernt, zwei zerstrittene
Königssöhne tötet, einen Drachen (Herrscher, Krieger, ....), dann den
Schatz raubt und damit König der Nibelungen wird. Dies wäre der typische
Aufstieg eines hunnischen Führers - eines Khagans - in der Geschichtsforschung als hunnisches Schmiedekönigtum bekannt. Die Titulatur Khagan wiederum erinnert an Hagan oder Hagen, der nicht nur viel besser in eine düstere Schmiedewerkstatt
passt, sondern auch zur damit verbundenen Hinterhältigkeit, - während
hinter dem blonden Jüngling eher fränkisch-merowingisches Jagdvergnügen
durchschimmert. Die Siegfried-Hagen-Beziehung endet auch dementsprechend:
Hagen tötet nun ebenso Siegfried hinterhältig bei der Jagd. Dieser zuvor
gerissene zuletzt aber naive Siegfried scheint erst später von den Franken
anstelle eines weiteren konkurrierenden Khagans-Anwärters ersetzt worden zu
sein. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass Hagen als einziger im
Burgunderhof über den unbekannten Siegfried zu berichten weiß – ein
weiterer Hinweis zu einem ursprünglich besonderen Nahverhältnis der beiden.
Das Attentat auf Siegfried macht hier nur Sinn, wenn es ursprünglich um
einen wichtigen Machtkampf zwischen Konkurrenten gegangen wäre und nicht
wie hier um die Eifersucht zwischen zwei Frauen.
Die Schmiedekunst spielte
früher bei den Germanen (etwa 3.-4. Jh.) keine so große Rolle, wie das bei
den Hunnen der Fall war, die sie bereits hochspezialisiert aus dem Osten
mitbrachten. Es ist also eher anzunehmen, dass die Germanen diese Tradition
- neben anderen Elementen - von den Hunnen übernahmen, insbesondere nach
dem Verschwinden der Hunnen aus der Geschichte (2. Hälfte 5.Jh.). Dadurch
hätte ebenso eine hunnische Schmiedekönigsage bzw. eine Khagan-Sage bei
ihren Überlieferungen Eingang finden können. Die zunehmend germanisierende
Umgestaltung hätte schließlich zum bekannten Ergebnis des Nibelungenlieds
geführt, wo die hunnische Komponente zwar noch teilweise vorhanden, aber
überwiegend sekundär nach hinten verdrängt wurde.
Ursprünglich hätte also die
westgerm. Siegfriedsage eine hunnische Khagan-Sage sein können, die mit
einem Siegertyp im Osten begann, der sich vom Schmiedehammer an - die
hunnische Hierarchie aufwärts arbeitete und dabei einige seiner
Konkurrenten hinterhältig ausschaltete. Als Khagan führte er dann seine
Horden brandschatzend und Schätze hortend gen Westen bis er vermutlich
selbst Opfer eines Hinterhaltes wurde. Die germanisierte Nibelungen-Version
tauschte vorerst den ersten hunnischen Khagan-Anwärter gegen Siegfried aus,
und lässt ihn dann vom nächstkonkurrierenden Khagen (Hagen) ausschalten.
Dieser führt dann im 2. Teil die Nibelungen zu den Hunnen, wo die
Geschichte wieder im hinterhältigen Kampf endet. Hagen selbst endet
aufgrund des „Nibelungenhorts“ durch die Hand eines germanischen Weibes,
was auch dem sagenhaften Ende des Khagan Attila sehr nahe kommen würde.
Ebenso hat Attila zuvor seinen konkurrierenden Bruder Bleda unter ähnlichen
Umständen wie bei Siegfried in einem Attentat ausschalten lassen, um selbst
Khagan (oberster Hunnenführer) zu werden. Selbst noch 800 Jahre später, zur
Zeit der Nibelungenlied-Niederschriften realisiert sich dasselbe hunnische
Karrieremuster beim Mongolenfürst Dschingis
Khan (um1162-1227), dessen eigentlicher Name sogar „Schmied“ Temüdschin bedeutet, und grausame
Eroberungen bis nach Europa führt („Geißel der Menschheit“), um dann wieder
unter ähnlich seltsamen Umständen wie Attila („Geißel Gottes“) umzukommen.
Weitere primär-prägende
hunnische Hinweise im Nibelungenlied:
- Die Oströmer/Byzantiner
nannten die Hunnen „Tartari“
abgeleitet von Tartaros (griech.
Unterwelt/Hölle) - also die Höllischen/Teuflischen - was angesichts ihrer
grausamen Eroberungsmethoden verständlich ist. Die entsprechende germ.
Übersetzung wäre die Niflungen/Nibelungen
abgeleitet von Nifelheim/Nifelhel
für Unterwelt/Hölle. Nibula/Nifol
stünde für Nebel, Dunkelheit, Finsternis. Bestimmte Germanen könnten die
dunkelhäutigen und tatsächlich finster aussehenden Hunnen ursprünglich
ebenso nach der verbreiteten oström. Bezeichnung aber in ihrer Sprache: die
Höllischen, also etwa die Niflungi/Niblungi
bezeichnet haben. Dass diese Übersetzung eines damals bedeutenden Begriffs
nicht geschah, ist eher unwahrscheinlich. In Konsequenz könnte diese
Benennung dann im germ. Jargon auf alle (germ.) Völker übertragen worden
sein, die zu den Hunnen hielten und mit ihnen verbündet waren – also auch
auf die östlich siedelnden Burgunder, Franken, .... Dass ein Volk sich
selber nach der (germ.) Hölle benennt dürfte hingegen sehr unwahrscheinlich
sein.
- Eine weitere Bestätigung
der Nibelungen-Hölle(Hel)-Theorie liegt in der Nibelungenlied-Komposition:
Sie beginnt einerseits aktiv in der Unterwelt der schmiedenden
Nibelungen-„Zwergen“ (die Hunnen waren gemessen an den Germanen eher
kleinwüchsig - Attila ca. 150cm) und endet in der mythischen Höllenfahrt
zur Hunnenhalle (Hölle und Halle sind ein germ. Synonym), wo im Endkampf
und Hallenbrand der hel-denhafte oder höllenhafte Untergang zelebriert
wird. Und erst mit dieser Fahrt-Verbindung zu den Hunnen erhalten die
Burgunder auch gleichnishaft das Prädikat Nibelungen. Hätte sich der
Begriff ursprünglich auf eine dazu historisch-politisch relativ
unbedeutende Ortschaft (z.B. Nivelles) oder einen hist.-polit.
unbedeutenden Bach (z.B. Neffelbach) bezogen, hätte er kaum einen so
nachhaltigen Bedeutungsgrad erzielt.
- Der Drache ist ein typisch
östliches Herrscher-Symbol. Denken wir an den chinesischen Drachen, der dort
weniger negativ betrachtet wird, sondern ähnlich wie in Europa der Stier.
Die Hunnen sollen vor dem Hunnenzug nach Westen von den Chinesen verdrängt
worden sein. Sie könnten dieses Symbol mitgebracht haben, das die Germanen
neben anderen Attributen übernommen haben dürften – mit dem Unterschied,
dass sie auf diesem fremdartigsten Symbol der asiatischen Hunnen - alles
Negativ-Hunnische (rohe Grausamkeit, Hölle, ...) projizierten. Der Anfangs
auf Merowech (~Meerungeheuer) projizierte drachenartige Lindwurm
widerspricht dieser Theorie keineswegs, sondern kann als germ. angepasste
Zutat aufgefasst werden.
- weitere kulturelle
Elemente der Hunnen/Skythen, welche die Germanen als positiv übernahmen:
wie anfangs erwähnt die besondere Schwertschmiedekunst und das damit
verbundene Königtum, den Reflexbogen, das Pferd, die Steigbügel, als
Stammesschutztier den Wolf (siehe Völsunga-Saga, Wölflinge) und den Adler
(bes. bei den Ostgoten)
....
Fazit: Unter diesem Aspekt würde
der hier erörterte Hagen-Begriff eine gewisse Aufwertung erfahren, da der
germ. Hag-Bezug im Verhältnis zum Stand eines hunnischen Fürsten (Khagan)
einen relativ untergeordneten darstellen würde. Hag- könnte damit als germ.
Zusatz-Erklärung betrachtet werden, welche die Khagan-Bedeutung zu
überlagern hatte. Dies würde die eigenartig verstellte und verschleierte
Sonderstellung Hagens einschließlich Siegfrieds erklären. Damit würde der
Nibelungenschatz nunmehr noch eindeutiger den Status eines eingangs erörterten
Hunnenschatzes einnehmen, welcher auch nur im Osten bzw. an der Ostgrenze
(östlicher Hagen) hätte verborgen worden sein können – das Ziel und Ende
des zweiten Teils des Nibelungenliedes.
Link zum hunnischen
Schmiedekönigtum:
http://books.google.de/books?id=mJG02-T4C4oC&printsec=frontcover&dq=schmiedek%C3%B6nigtum&source=gbs_summary_r&cad=0#PPA195,M1
http://de.wikipedia.org/wiki/Dschingis_Khan
Weitere Ereignisse und entsprechende Projektionen aus
der Awarenzeit (6.-8. Jh.)
Die fränkische Königin Brunichild von Austrasien (= Ostteil des Frankenreichs, - umfasste das Rhein-Main-Donau-Gebiet)
wehrte mittels Tributzahlung einen größeren Awarenkrieg 597 ab. Im selben Jahr starb ihre machtlüsterne Rivalin
Fredegunde, welche einige Könige
und Thronanwärter/innen ermorden ließ (mind. sechs), um an ihre Schätze und
Machtansprüche zu gelangen (Brunichild und Fredegunde dürfen zu den hist. Vorbildern
der Brünhild-Krimhild-Rivalität im Nibelungenlied zählen. Brunichild wurde der
negative Part zugewiesen, weil sie beim fränkischen Adel durch zentralistische
Bestrebungen ungut in Erinnerung blieb, was ihr auch das Leben kostete.).
Der Transport der reichen Tributzahlung musste entlang der
Nibelungenzug-Route zum Awaren- bzw. zum Hunnenfürsten Khagan Baia gegangen
sein. Dass damit auch die Übergabe von fränkischen und eventuell westgotischen
Geiseln verbunden waren, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen
werden. Diese Ereignisse wurden dann im Walthariuslied
– einem der Vorlagen des Nibelungenliedes – entsprechend literarisch verarbeitet:
Von den drei Geiseln kam zuerst Hagan frei, dann flüchtete Walther und
Hildegunde mit einem Schatz aus der awarischen Gefangenschaft. Schließlich
wurde am Wasgenstein zwischen
Gebirge und Schlucht der Kampf um den Schatz ausgetragen. Es überlebten schwerverletzt
der Hauptheld Walther, Hagan und Gunther. Anschließend versöhnte man sich
wieder. Der Wasgenstein wird mit den Vogesen gleichgesetzt. Ursprünglich
dürfte seine Bedeutung jedoch nur nach dem Haupthelden Walther gemünzt
gewesen sein, der westgotischer Aquitanier war. Das lateinische Aquitanier
übersetzt sich ins Germanisch-Althochdeutsche als wasko, was heute noch in der Bezeichnung Baske (span. vasco) enthalten ist. Damit wird
klar, dass hier einst weniger die Vogesen als vielmehr ein Gebirge gemeint
war, aus dem ein westgotischer „Aquitanier“ bei einer Entscheidungsschlacht
ruhmreich hervorgegangen sein könnte (weitere Beziehungen zu Biterolf
und Dietleib siehe weiter
unten). Waskan bedeutet
aber auch waschen. In diesem Zusammenhang mit Berg könnte am ehesten Goldwaschen
gemeint sein. Ahd. Synonyme zu waskan
lauten lohon, luhhen, was an die Schatzort-Nennung
ze loche im NL erinnert, also eher
zum Reinwaschen des Goldes führen könnte, als zu Hagens Rhein-Versenkung.
Die direkteste Ost-West-Verbindung Richtung Burgund-Aquitanien führt auch
nicht über die Vogesen, sondern über das Jura-Gebirge, wo sich an der Grenze
der Mont d‘Or also der Goldberg erhebt (altes Bergbaugebiet wie südlich von
Steyr). Bei den relativ häufigen Hagen-Erscheinungen in diesen Sagen fällt
nebenbei auf, dass diese Figur für Grenzbereiche und ihre Konflikte
herangezogen wurde.
Um 625 – eine Dekade nach dem
Tod Brunichilds – gründete Samo (ein
fränkisch-keltischer „Kaufmann“) das erste Slawenreich östlich von Austrasien. Auch seine Karawane musste
dieselbe Route, wie die der Nibelungen, der römischen oder später
fränkischen Schutzgeld-Karawanen an die Hunnen-Awaren gezogen sein. In diesem
Falle kann es sich aber wohl weniger um eine gewöhnliche Waffenkarawane
gehandelt haben, als vielmehr um einen Heereszug gegen die Awaren. Samo
verhalf dabei den Westslawen erstmals zur Befreiung aus der awarischen
Unterdrückung und zu einem eigenständigen Slawenreich. Insofern kann Samo
die Funktion eines Hagens übertragen werden, der diese „Mission“ aber in
der Art eines keltischen Artus ausführte und dabei letztlich wiederum in
Konflikt mit den fränkisch-merovingischen Monarchen geriet (siehe hierzu weiter unten bei den
Ergänzungen). Die Slawen in den östlichen Grenzgebieten Austrasiens und
Baierns scheinen auch nach dem Tode Samos sich eine gewisse Unabhängigkeit
zum Awarenreich bewahrt haben. Ähnliche Unabhängigkeitsbestrebungen gönnten
sich die agilolfingischen Baiernherzögen zum Frankenreich, die durch eine
eigenwillige Kirchenpolitik (zahlreiche eigene Klostergründungen), Bündnispolitik
mit den Langobarden und Abkommen mit den grenznahen Slawen gekennzeichnet
war. Tassilo III. ließ so bei der Klostergründung zu Kremsmünster
777 in der Urkunde einen slawischen Herrscher Zupan Physso
samt Gefolge als Vertragspartner auftreten, vermutlich in der Eigenschaft
eines Markgrafen, womit er wiederholt in königliche Funktionen eingriff,
und damit den fränkischen König herausforderte. 787/8 ließ Karl d. Große
schließlich Tassilo III. samt Familie gefangen nehmen und ihn in der Ingelheimer
Königs- und späteren Kaiserpfalz am Rhein u.a. wegen eines angeblich hochverräterischen
Bündnisses mit den Awaren verurteilen und seine Anhänger landesweit
beseitigen. Er persönlich übernahm Tassilos Herrschaft und setzte an der
Enns (bei Lorch) einen Markgrafen der sogenannten Awarenmark ein,
das Zentrum der späteren Ostmark (Marchia orientalis). Sein erster
Angriff auf die Awaren schlug fehl. Erst nach sorgfältiger Kriegsplanung mit
Truppen aus dem ehemaligen Langobardenreich wurde das Awarenreich 795/6 aufgerieben.
Die davon ins Frankenreich heimgeholten Awarenschätze könnten laut Einhards
Überlieferungen, jene der Nibelungischen übertroffen haben. Dass es dabei
ebenso „nibelungisch“ bzw. nicht mit rechten Dingen zugegangen sein dürfte,
ist naheliegend, womit das Feld weiterer Ressentiments und Auseinandersetzungen
bestellt worden sein konnte. Wie das Nibelungenlied und Walthariuslied auch
richtig hinweisen, mußten solche Auseinandersetzungen zumeist an den Schatzorten
selbst oder an ihren Transportwegstrecken bei strategisch-taktisch
vorteilhaften Stellen stattgefunden haben, die auch ein „nebulöses“ Verschwinden
(„Tarnkappe“) erlaubten.
All
diese Ereignisse erinnern wieder an jene im Nibelungenlied (insbesondere Teil
II) literarisch geschilderten: Einladung zu einer festlichen Reichsversammlung.
Kämpfe. Gefangennahmen. Anklagen, Verurteilungen, Schatzeintreibung. Ähnliche
Vorwürfe also, die Karl d. Große an Tassilo III. richtete, wurden im
Nibelungenlied von den Burgunden an ihre inzwischen „hunnische“ Schwester Kriemhild
gerichtet. Kriemhild war eigentlich im Recht mit der Forderung nach
Schadensersatz für Ihren ermordeten Mann u. gestohlenen Schatz. Und der
angeblich „awarische“ Tassilo war ebenso im Recht: Denn die fadenscheinigen
Anklagen waren im Grunde nur ein Vorwand, um sich eines emanzipierenden Bündnispartners
einfachst zu entledigen und sich seines reichen Landes bzw. Schatzes
vollständig zu ermächtigen. Eine späte und verschärfte Wiedergutmachung wird
im Biterolf und Dietleib aufgezeigt, wo schließlich Dietleib durch
einen Rechtsverstoß Hagens das Grenzland bei Steyr als Entschädigung von
Attila persönlich erhält (weitere Hinweise
zu Biterolf und Dietleib siehe
weiter unten). In diesem Epos wird einmal mehr demonstrativ auf eine urbairische
Position verwiesen, die sich hier gegen eine wiedererwachende burgundisch-fränkische
Hegemonie stellte, die wieder unaufhaltsam mit den Babenbergern Einzug
hielt und später durch die Habsburger ihre Fortsetzung erfuhr.
http://de.wikipedia.org/wiki/Brunichild
http://de.wikipedia.org/wiki/Fredegunde
http://de.wikipedia.org/wiki/Merowingischer_Bruderkrieg
http://de.wikipedia.org/wiki/Waltharius
http://de.wikipedia.org/wiki/Awaren
http://de.wikipedia.org/wiki/Tassilo_III.
http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_Gro%C3%9Fe
Projektionen
aus der Magyaren-Ungarnzeit (10.-11. Jh.)
In der mhdt. Nibelungenlied-Übertragung der älteren
Nibelungensage tretet die Form Atli/Attlia auf Kosten der ungarischen
Herrscherlinie Geza-Stephan politisch-aktualisierend zurück.
Namentliche Ableitungen: frank.-franz. Estienne,
Etienne, span. Esteban, ungar. Istvan für Stephan – zu dieser Reihe steht
die mhdt. Verkleinerungsform Etzel näher als zu Attila. Hinzu kommt
Stephans Vorgänger Geza dessen mhdt. Verkleinerungsform *Gezel sein könnte
und assoziativ noch näher zu Etzel stünde. Dazu folgende, erweiterte
Begründung:
Im mhdt. Nibelungenlied dürfte Stephan I. von Ungarn
969-1038 (verheiratet mit Gisela von Bayern, Tochter von Gisela v. Burgund,
die nach Stephans Tod ebenso wie Kriemhild/Ildigo verfolgt/gefangen wurde)
Vorbild für den Hunnenkönig = Hungar-König Etzel gewesen sein. Sein Vater
Geza ca. 940-997 war Pilgrims (920-991) Zeitgenosse, welcher als Initiator
des mhdt. Nibelungenliedes gilt u. ebenso darin verewigt wurde. Sowohl
Stephan I., als auch Gisela wurden später heilig/selig gesprochen und
stehen maßgeblich für die Christianisierung der Ungarn (Hunnen).
Dementsprechend wurde das mhdt. Nibelungenlied auch als (relig.-polit.)
Missionswerk von den Passauern Bischöfen angelegt.
Noch bedeutender ist das für diesen Raum immer
wiederkehrende Nibel(h)ung(ar)ische Machtkampf-Muster: hier aktuell
zwischen Bayernherzog Heinrich II. d. Zänkers (951-995, Giselas Vater) mit
Kaiser Otto II., das ca. 200 Jahre zuvor zwischen Baiernherzog Tassilo III.
u. Karl d. Großen ebenso herrschte, welches für Heinrich II. letztlich
versöhnlicher u. damit besser ausging, als damals für Tassilo III.
Die Ursprünge dieses Nibel-Hunnischen
Machtkampfmusters zwischen den damaligen Ost-West-Konkurrenten
(Westgermanen - hunnische Ostgermanen) und Nord-Süd-Konkurrenten
(Germanen-Römer) reicht weit in die Römerzeit zurück, dessen Front sich entlang
des Limes-Bogen von Norden nach Osten hinzog, in dessen Zentrum Rätien lag.
Dementsprechend erbten die bairischen Herzöge das Konfliktpotential dieses
Raumes, welches weiterhin sowohl mit den Burgundern/Franken im Westen (...
später Habsburger), wie auch mit den Hunnen im Osten (... später Ungarn)
schicksalhaft verbunden war. In den Dietrichsagen wird die Komplexität
dieses kreuzförmigen Machtkampfmusters noch am umfassendsten dargestellt,
was auf ursprünglichere Überlieferungen u. Sagentraditionen hinweist. Im
Walthari- u. Nibelungenlied wird hingegen der Ost-West-Konflikt ins Zentrum
gerückt, was auf entsprechende (räumliche) Entkoppelungen hierzu in der
karolingisch-ottonischen Epoche zurückgehen dürfte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Géza_(Ungarn)
http://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_I._(Ungarn)
http://de.wikipedia.org/wiki/Gisela_von_Bayern
Politische
Projektionen zur Zeit der Kreuzzüge und der Nibelungenlied-Niederschriften (12.-13. Jh.)
In dieser Zeit dominierte
der Ghibellinen-Guelfen-Konflikt. Die
Ghibellinen (Staufer) könnten mit den Nibelungen und die Guelfi (Welfen)
mit den Wölflingen (Hunnen, Hunnenpartei) verglichen worden sein. Die
Welfen haben ohnehin ihren Ursprung bei den Hunnen gesehen. Die Konflikte
dieser beiden ersten politischen Parteien (Kaiserpartei-Papstpartei) waren
ebenso vergleichbar.
Vergleichende Hinweise:
Waibling, Ghibeling, erstmalige Erwähnung 1185: "Nato a loco qui
dicitur Guibelinga"
-> Gibichungen (die Burgunder-Franken des König Gibich im
Waltharius-Lied),
-> Giukungen (die Burgunder des König Giuki in der Völsungasaga –
dagegen die Völsungen: Wölfinge, Hunnen),
-> Niflungen (die Burgunder des König Gunnar in der Thidreksaga – die
Wölflinge hier auf der Seite Dietrich von Bern u. Hunnen)
-> Nibelungen (die Burgunder des König Gunther im Nibelungenlied – die
Wölflinge hier auf der Seite Dietrich von Bern u. Hunnen)
weniger mythische aber real-politische Begriffe aus der Zeit der meisten
dieser Sagenerzeugnisse:
-> Ghibelinge, aus ital. Ghibellini (Waiblinger, Staufer, Kaiserpartei)
und Guelfen, aus ital. Guelfi (Welfen, Papstpartei)
Ergänzende Links:
http://www.s-line.de/homepages/m-ebener/KarteIII-4%20(Staufer).html
http://www.staufer-spektakel.de/Historisches/Stauferstele,138.php
http://de.wikipedia.org/wiki/Ghibellinen_und_Guelfen
4. Die Suche nach dem „Loch“ oder
dem „Loco“ (lat. locus Ort) des Schatzes
Die Basis, der gesuchte
spätantike Hagan oder Grenzwall (lat. limes) im Osten ist näher eingegrenzt.
An dessen nördlicher Spitze befand sich nicht nur die antike Hauptstadt Lauriacum
der römischen Provinz Noricum, sondern 20 km südlich davon eine
römische Wehrstellung, aus der die heutige Stadt Haag hervorging
(urkundlich erstmals 1032 erwähnt) – übrigens nicht die einzige im
Traun-Bereich. Hag-Ortsnamen scheinen hier überdurchschnittlich vertreten
zu sein. Doch muss der zentrale Focus hier besonders markanten „Loch“- oder
loh-Orten zugesprochen werden. „Loch“ und „Loco“ (lat. für Ort) müssen und sollten sich dabei nicht
gegenseitig ausschließen. Gemäß altdeutscher Bergmannssprache entspräche
dies sogar noch einer Übersetzung, die sich zumindest bis ins
althochdeutsche Verständnis zurückverfolgen lässt (z.B. lāhbuohha für
Grenzbuche, sprich lochbucha).
Markante loh-Orte
wären wie oben bereits hingewiesen: Grenzzeichen (Lochsteine), Höhlen
(Löcher), Schlunde-Spalten oder besondere Grenzsperren bzw. engere
Grenzdurchgänge. Dazu kommt noch die Möglichkeit, dass derartige
Besonderheiten in Orts- und Flurnamen Eingang gefunden haben könnten
(Beispiel Rheinland: Lochheim) und vielleicht in älteren Orts- und
Flursagen. Unter solchen loh-Ortsnamen fallen hier Lauriacum-Lorch
(heute Enns) und vermutlich Losenstein. Hierzu sollen vorrangig die
Potentiale Losensteins geprüft werden, da die antike Hauptstadt Lauriacum
auf Dauer kaum ein sicheres Schatzversteck hätte bieten können, außer
wieder eine auszuschließende Versenkung in die Donau oder Enns:
Losenstein liegt im östlichsten
Teil des Alpenvorlands, etwa 15 km südlich von Steyr an der Enns, umgeben
von den ersten höheren Bergen zum Donautal hin. Die Namensherkunft könnte
u.a. aus germ. lusan für
verlieren entstanden sein, der Nachbarort Laussa von germ. lausa
für los, frei, - was auf einen engen Zusammenhang der beiden Orte deutet
und eine Ab- oder Einlöse des Gebietes anzeigen könnte (Lösegeld: ahd. losa, losunga für Bezahlung). Diese Hinweise erinnern an den 2. Punkt
oben und spielen im nächsten Punkt wieder eine Rolle. Losenstein könnte
ebenso eine kelt. Teilübersetzung von Losensteins Hausberg dem
Schieferstein sein: kelt. loxso für
schief. Loxso ähnelt übrigens ebenso
der Schatzort-Nennung Loche, was
dann auch den Schieferstein betreffen würde. Das Wappenschild von Laussa
beinhaltet eine eigenartige Zeichenkomposition (gestürzte Mondsichel, ein
Tatzenkreuz und zwei Andreaskreuze), dessen Alter und Bedeutung noch zu
klären sind. Die Burg Losenstein gehört zu den ältesten und größten
Burgruinen Oberösterreichs. Die sagenhafte Benennung „Los am Stein“ (siehe
entsprechende Ortssagen) könnte auf eine Lösung in Hinblick eines Verlustes
hinweisen und mit „Verlust am Stein“ (germ. lusan-staina –> Losenstein) oder „Bezahlung am Stein“ (germ.
losan-staina –>
Losenstein) übersetzt werden. Könnte
dieser Verlust oder jene Bezahlung mit dem gesuchten „Loch“ in Verbindung
stehen? Der nahe Dürnberg weist
zudem auf kelt.-germ. duron, germ. dura
für (Grenz-)Tor, einen alten schmalen Grenzdurchgang hin, der von den
Burgherren kontrolliert worden sein dürfte. Oder von kelt. duron für Burg(Berg), was noch
treffender dafür erscheint. Darüber die Felsformation Pfennig-Stein - vermutlich aus Fenes-Stein (Venus-Stein)
gebildet, einem sogenannten Mutter-Stein.
Solche Steine oder Felsen sind für gewöhnlich mit einem Loch oder einem
Spalt ausgezeichnet, was hier zutrifft. Der gesuchte Begriff: Loch-Stein? Solchen kultischen
Lochsteinen könnten ebenso die Funktion von Mark- oder Grenzsteinen
übertragen worden sein. In der Nähe des Pfennigsteins befindet sich eine
Höhle, die sogenannte Eva-Kuchl (=
Eva- oder Venus-Höhle). Die Namen Eva und Venus können hier als
bedeutungsähnlich übernommen werden. Bei der Analyse von Eva-Kuchel nach
germ. Sprachbedeutungen, ergeben sich dazu wieder interessante Spuren: kuh- gewölbt (gewölbte Höhle) oder kuhska keusch (keusche „Schuster-Eva“-Sage)
und erwa Erde, Sand (erwa kuhska - keusche, reine Erde, ohne Erz). Keusches oder „taubes
Gestein“ würde in der Bergmannssprache ebenso einen „Verlust am Stein“
bedeuten. In diesem Bergbaugebiet boten solche „reine Löcher“ zudem gute
Verstecke. Die zahlreichen Schatzsagen belegen dies. Das Erz wurde früher
Enns-abwärts zur römischen Waffenfabrik nach Lauriacum verbracht. Die hier
vorliegende Verbindung von Bergbau und Kultberg (weitere Hinweise in Ergänzungen...)
wäre für die gesuchte Schatzverbergung geradezu prädestiniert, wenn die
zuvor erörterte Grundvoraussetzung (hagan
austronja –> Hagen-aus-Tronje) ebenso stimmen würde.
Zu alledem scheint sich im Bereich
des heute unscheinbaren Losenstein ursprünglich ein gewisses
Herrschaftszentrum des alten Traungaus bzw.
seines Vorgängers befunden haben, das später gänzlich auf Steyr überging.
Dazu folgende Herleitung (siehe auch nachfolgenden Karteneinblick und
nächsten Punkt 5):
1.
Ausgangspunkt ist die für diesen Ort
bereits erwähnte überdurchschnittliche Burganlage.
2.
Die Begriffsverwandtschaft von
Losenstein und Laussa, ihr einheitsbildender Grenzverlauf und die zentrale
Positionierung innerhalb des Grenzbezirks Steyr (alte Steiermark), sowie
des alten Traungaus.
3.
Schließlich wird dieses Zentrum von
entsprechenden „Rahmen“- oder Hag-Gemeinden umrahmt, was insgesamt an ihren
Grenzen (teils durch rechteckförmige Flächenbildung erkennbar) und den
Ortsnamen auszumachen ist. Bei drei dieser Gemeinden ist diese Bedeutung
noch in ihren Namen erhalten: Reich-, Groß- und Kleinraming (germ. ramo
für Rahmen). Die übrigen Gemeinden dürften sich später von den
„Raming“-Gemeinden abgespalten haben. Die ing-Endung zeichnet sie
als bajuwarische Siedlungen aus. Die allg. Herleitung aus dem slawischen Rubenica
für „Fischbach“ scheint hier weniger zuzutreffen.

Abb.
2: Landkarte (Quelle: http://doris.ooe.gv.at/) mit
hist. Grenzverlaufsanalyse, die um Losenstein-Laussa ein ehemaliges Zentrum
des alten Traungaus (5.-8. Jh.) verortet, das später eine derartige
Stellung wieder an Steyr verloren (germ. lusan) haben könnte.
Orange
Linien: heutige Grenzen von Stadt- und Landbezirk Steyr, sowie
Losenstein-Laussa
Dünne
rote Linien: aktuelle Gemeindegrenzen
Rosa
Linien: zu den aktuellen Bezirksgrenzen von Steyr abweichender Grenzverlauf
des historischen Traungaus um 900.
Violette
Rahmenlinien: Rahmen-Zentrum-Schema zu einem möglichen Zentrum in
Losenstein-Laussa im Zusammenhang seiner „Rahmengemeinden“: heute noch
durch Reich-, Groß- und Kleinraming gegeben.
Eine
vergleichbare Situation ergibt sich mit der bereits oben in Punkt 2 genannten
Stadt Wels zum gesamten oberösterreichischen Gebiet.
http://de.wikipedia.org/wiki/Steyr
http://de.wikipedia.org/wiki/Enns_(Stadt)
http://de.wikipedia.org/wiki/Lauriacum
http://de.wikipedia.org/wiki/Losenstein
http://de.wikipedia.org/wiki/Laussa
http://de.wikipedia.org/wiki/Reichraming
http://de.wikipedia.org/wiki/Wels_(Stadt)
http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/losenstein.html
http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/pfennigstein.html
http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/eva_kuchl.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Venusberg_%28Sage%29
Weitere
Hinweise in Ergänzungen...
5.
Tertiärer historischer Hintergrund in „Biterolf und Dietleib“ und zu
„König Laurin“
Das Dietrich-Epos Biterolf
und Dietleib stellt zum Nibelungenlied II eine dazu passende und
ergänzende Variante dar. Das Hauptmuster:
· Der Zug nach Osten an den Etzel-Hof verbunden mit
einem ungerechten Kampf und der Forderung nach seiner Vergeltung.
· Kriegerisch-festliche Zusammenkunft mit den Burgunden
und ihren Verbündeten, (Turnier-)Kämpfe und wiederholte Forderung nach
Vergeltung.
· Schließlich aber – im Gegensatz zum
Nibelungenlied-Ausgang – Versöhnung und großzügige Schenkung
(Entschädigung?)
Dieses Darstellungsmuster
könnte dem historischen Ausgang im Nibelungenlied II näher gekommen sein, der
oben im Punkt 2 angezeigt wurde: Die vom Westgoten Dietleib geforderte
Vergeltung des durch Hagen von Tronje erlittenen Unrechts fällt in einer
Althing-artigen Zusammenkunft mehrerer Herrscher und Ritter. Es finden
entscheidende Kampfspiele und Kämpfe statt. Am Ende gilt die Vergeltung als
vollzogen und der Hauptheld Dietleib
(germ. Volks-Nachfahre) erhält von Etzel
(von Attila germ. Väterchen) das Steierland zum Lehen, das
ursprünglich dem alten Traungau (Trone)
entsprochen haben konnte (siehe obige Karte Abb. 1).
Ein ähnliches Muster ist aus
dem noch älteren Waltharius (um
930) überliefert. Hier kommt der Westgote (Aquitanier) Walther, der Franke
Hagen und die Burgundin Hildgund zeitweise als Geisel zum Hunnenkönig
Attila. Gunther hier Frankenkönig hat es auf den Schatz abgesehen, den
Walther aus dem Hunnenlande mit sich führte. Wieder kommt es zum Streit mit
vielen Toten - diesmal im Wasgenwald (angeblich in den Vogesen), wobei
Hagen eindeutiger zwischen den Fronten gestellt wird. Walther, Hagen und
Gunther überleben schwerverletzt und teilen sich den Hunnenschatz auf.
Walther nimmt Hildgund mit sich nach Aquitanien.
Anmerkung:
Die Westgoten waren mit den linksrheinischen Burgunden gegen die Hunnen
verbündet. Teile dieser Westburgunden zogen Anfang des 5. Jh. mit den
Westgoten nach Gallien (Aquitanien) und Spanien weiter. Eine nachfolgende
Unterstützung der verbliebenen Westburgunden zu ihrem Fall von 436 gegen
die germanischen Hunnen, darunter gegen die hunnischen Ostburgunden ist
naheliegend. Da solche wichtigen Unterscheidungen in den Sagen nicht
gemacht wurden, sind historische Widersprüchlichkeiten die Folge.
Weitere
besondere Verdachtsmomente zu Biterolf und Dietleib:
1.
Konflikt-Ursprung: in Hagens Burg (Hagen
aus Tronje: hagan austronja oder Hagan de Tron?), wobei
Hag(an) auch Burg- oder Wehranlage bedeuten kann.
2.
Grund der ersten Konfliktlösung:
Dietleibs Speereisen war nicht im Lanzenschaft (griech. styrax), d.h.
nicht kampfbereit. Mögliche Umschreibung zu Styraburg
(Erwähnung von Steyr 980), aber auch zur Westburgunderklage
(Nibelungenklage zum hinterhältigen Überfall).
3.
Dietleibs Vergeltungsforderung dazu:
erscheint stark übertrieben. Möglicher Grund: Der wirklich historische
Konfliktursprung muß viel größer gewesen sein: bspw. der Burgunderfall 436.
4.
Dietleibs „Entschädigung“ - das Steierland - erscheint wieder stark
übertrieben, hingegen angemessen, angesichts des möglicherweise wirklich
historischen Konflikthintergrunds: Burgunderfall – Nibelungenschatz-Forderung?
5.
Schatzersatz: Der Nibelungenschatz-Bezug
entfällt, erscheint jedoch durch Steierland angemessen ersetzt worden zu
sein. Ein Hinweis auf den Schatzort? Dietleib aus dem ferneren Westen wird
das Land ausdrücklich rechtsmäßig übertragen. Also müssen die historischen
Vorgänger samt all ihren erblichen und sonst nahestehenden Nachfolgern
plötzlich im Kampf gefallen sein, womöglich über einen Gerichtsbeschluss.
Die schlussendliche Übertragung auf eine nach Vergeltung fordernde,
gebietsfremde Person lässt dies als wahrscheinlichste Variante zu.
6.
*Rüdiger
von Bechelaren führt den vergeltenden Kriegszug gegen die Burgunden an
– wie umgekehrt Hagen im Nibelungenlied diesen nach Osten anleitet – und
wird dort schließlich dafür auch noch mit Schätzen reich beschenkt – wie
sonderbar. Rüdiger erscheint hier als reziproke Position und Figur zu Hagen
im Nibelungenlied-Kontext. Historisch könnten sie jedoch derselben
östlichen Seite angehört haben, die in der literarischen Überlieferung
durch Verwechslung getrennt wurde. Interessant in diesem Zusammenhang daher
das kameradschaftliche Zusammentreffen zwischen diesen beiden literarischen
Gegenseiten im Nibelungenlied, indem von Rüdigers Seite aus Hagen zweimal
Schilder erhält. Hinter diesen Schild-Gesten ist ein historisches Detail
versteckt: In Rüdigers Herrschaftsbereich befand sich einst die römische
Schildfabrik in Lauriacum.
7.
Das Zusammentreffen bei den Burgundern
weist richtig darauf hin, dass der Streit-Fall bei den Burgunden seinen
Ursprung hatte. Ebenso richtig deutet die Lösung dieses Streitfalles in die
östliche, germanisch-hunnische Richtung mit der Übertragung Steierlands an
den Geschädigten bzw. ihren rechtsmäßigen Volks-Nachfolger oder Volks-Erben
(germ. deudo-laibo - Dietleib). In einer
älteren Lied-Version (Atlilied
der Lieder-Edda) wird der
Nibelungenschatz ebenso als „Erbe der
Nibelungen“ genannt.
8.
Im Namen von Dietleibs Vater Biterolf (germ. bita-wulfa -
beiße-Wolf, Wolfsbeißer = Wolfshund, ahd. wolfbizzo) setzt sich die tiefere Bedeutung fort (Wolfshund:
der Herdebeschützer vor beutegierigen Wölfen, Stammesverteidiger): Der Name
Biterolf weist dabei am ehesten auf die einerseits rein beutemachenden
Wölfe (Hunnen) hin und anderseits auf den Wolfshund, der es zu verhindert
weiß.
Ein
weiterer Aspekt der –olf- oder –ulf-Namen: Königsstämmige
Nachfolger, die aufgrund der oft hohen Kinderanzahl von Königen, oder aus
illegitimen Königsverbindungen hervorgegangen sind, erreichten vorerst
höchstens die Herzogenwürde und mussten eventuell um einen Königsstand
dafür zumeist außer Landes dafür kämpfen, entsprechend des Wolfsleben
(Beta-Wolf).
9.
„Biterolfs
und Dietleibs“ entsprechende historische Herrscher und nachfolgende
Herrschergeschlechter: Während Hagen von Tronje eher auf ein Gebiet
hinweisen könnte, sollten mit Biterolf und Dietleib die neuen
Stammesgründer samt Umfeld gefunden werden, die mit jenem Gebietsanspruch
in Verbindung zu bringen sind, die hier als das Gebiet Hagen aus Tronje – hagan
austronja ausgemacht wurde:
- Ausgehend von der bairischen
Herrscherdynastie der Agilolfinger
beginnend mit Stammvater Agilolf
(~Biterolf: germ. bitan beißen, stechen; agjo Schärfe,
Spitze, ...) 420-482 und Sohn Theodo
I. (~Dietleib = theudo-laibo) 455-530: Agilulf war Fürst der Sueben und Quaden. Sein Vater war
Fürst Hunimund (395-469) der
Donau-Sueben.
- Der römische „Kaisermacher“: Ricimer 405-472 aus einer
suebisch-westgotischen Verbindung aus dem spanischen
Biterolf-Dietleib-Herkunftsbereich. Sein Nachfolger, der römische
König Odoaker 433-493 aus
Noricum
(Oberösterreich-Niederösterreich-Steiermark-Kärnten-Salzburg-...).
Sein Vater Edekon (ostgerm. Skire) war General bei den Hunnen unter
Attila (Etzel).
- Die Otakare sahen sich vermutlich als Erben Odoakers und der
Agilolfinger nach der karolingischen Herrschaft ab dem 9. Jh. im
Chiemgau, dann Traungau, Karantanien (Kärnten-Steiermark) und der
Ostmark.
- Österreichische Babenberger mit
Stammvater Leopold I. um
940-994 (eigentlich Liutpold
oder Liupo von lupo
lat. Wolf) erster Markgraf von „Ostarrichi“ seit 976.
- Die Welfen (von germ. wulfa Wolf, - germ. hwelpa,
ahd. welpf für junger Wolf, Hund, Wolfshund) ein fränkisches
Grafengeschlecht aus dem 8. Jh. bekannt seit dem 9. Jh. durch
Verbindungen mit burgundisch-suebischen Adelshäusern. Ihre Herkunft
sahen sie ebenso in Edekon und Odoaker. Neben Burgund übernahmen sie
wie die Otakare ursprünglich agilolfingische Gebiete.
Diese
Entwicklung zeigt einen bestimmten Gebietsanspruch gemäß des
Biterolf-Dietleib-Epos übertragen auf eine längere Reihe von
Herrschergeschlechtern, die sich dabei jene alte, wölfingische Abstammungsgeschichte und Weltanschauung (mit
anderen verbündet, vor allem mit Römern und Hunnen) einzuverleiben suchte.
*Rüdiger:
Auch in diesem Namen steckt der Wolf/Hund (germ. rudjan, ahd. rudio großer
Hetzhund), neben dem damit allg. verbundenen Begriff Ruhm (germ. hroma, hrodi, ahd. ruom).
Rüde
heißt der männliche Wolf/Hund (germ. rudjan,
ahd. rudo großer Hund, rudio großer Hetzhund)
Rudel:
Gruppe von Wölfen
Rudelbildung:
fulken (ahd.) –> fulka (germ. Volk, Schar) –> fulgen
(germ. folgen) –> Volker -
Freund Hagens (= Folger)
rüde:
unfreundlich, grob, roh, rücksichtslos – eine Leitwolf-Beschreibung, in die
ebenso Hagen passt.
Passau
– die „Werkstatt“ des Nibelungenlieds – trägt den Wolf als Wappentier,
Wolfger v. Passau wird als dessen Hauptmäzen betrachtet.
Ein
weiteres Mal taucht Dietleib von
Steyr in der Sagengeschichte als eine der Zentralfiguren auf und wieder
als Ankläger diesmal gegen den Dolomiten-König Laurin, der ihm seine
Schwester Künhilde raubte. Dafür existieren wieder historische Parallelen:
1.
Die Sagenverbindung Dietleib-Laurin
dürfte aus der entsprechend politischen Verbindung vom Hzm. Kärnten (und
Steiermark) mit der Markgrafschaft Verona (Bern) hervorgegangen sein, die
976 begründet wurde. Im selben Zeitraum wurde die Ostmark zu Ostarrichi.
Bei solchen Gelegenheiten kommt es häufig zu Verschmelzungen der
Herkunftssagen jeweiliger Herrscherfamilien und ihrer Ländereien. Der Laurin-Namen könnte dabei vom
antiken Lauriacum übertragen
worden sein.
2.
Einige Jahrzehnte zuvor herrschte Arnulf von Kärnten (ein „Wölfling“,
karolingischer Herkunft) 850-899 über das Gebiet, der es bis zum
römisch-deutschen Kaiser brachte.
3.
Arnulfs Tochter Ellinart wurde
tatsächlich geraubt und zwar vom Markgrafen der Ostmark Engelschalk II. Die lächerliche
Sagenbeschreibung des König Laurin trifft zudem den eines „Engelschalks“
(ahd. engelhafter Spaßmacher).
4.
Engelschalk II. wird schließlich ähnlich
König Laurin gefangen und geblendet. Die versöhnliche Spaßmacher-Funktion
des gefangenen Laurin, der schließlich auch Dietrich von Bern rettet, setzte
sich jedoch als die zumeist überlieferte Sagen- und Spielversion durch.
5.
Nur zwei Jahrzehnte vor der
Landesübertragung (Mgft. Verona nach Kärnten) ereignete sich eine bekannte
Entführungsgeschichte auch in der Mgft. Verona: Adelaide von Burgund (König Lothars 19jährige Witwe) wurde von
Markgraf Berengar II. auf die
Burg Rocca di Garda
(~Rosengarten-Assoziation) entführt, wo sie vom deutschen König Otto I. befreit und geheiratet
wurde. 10 Jahre später wird er Kaiser.
6.
Eine namentliche Verbindung zur
entführten Künhilde ergibt sich mit der welfischen
Kunigunde, die im 11. Jh. in die Veronesische Adelsfamilie d’Este
einheiratete und damit den Stamm der jüngeren Welfen begründete.
7.
Andere Laurinsagen weisen auf ältere
Versionen hin, die noch ohne diese Entführungsgeschichten auskommen. Dort
geht es vor allem um den Schatzreichtum in „hohlen Bergen“. Dabei kann es
sich um eine Berghöhle (Karst oder Bergwerk) beziehen oder um eine
bestimmte Talformation im Gebirge. Was hier auf das Dolomitengebiet
zutrifft, passt ebenso auf das Dolomitgebiet des südlichen Grenzbereichs
von Steyr.
8.
Sogar jene „Wölflings“-Spur hat sich im
ladinischen Dolomitengebiet erhalten: Der fremde Sagenheld Cian Volpin
kommt ins Königreich Fanes und versucht Prinzessin Dolasilla zu
helfen/retten. Der Name Cian Volpin wird romanisch-ladinisch als
Fuchshund (ital. cane
volpe) oder fuchsfarbener Hund übersetzt. Wie bei Biterolf oben,
handelt es sich hier um ein vergleichbares Sagenmuster (fremder Held kommt,
hilft dem hiesigen Reich und steigt hier in der Hierarchie nach oben) und
dürfte somit ursprünglich ebenso Wolfshund bzw. germ. Bitawulf, ahd.
Wolfbizzo (Wolfbeißer) gelautet haben. Die früheren Romanen könnten
das direkt als Volpizzo (Fuchsbeißer) übertragen und verstanden
haben, woraus dann später Fuchshund entstanden ist, wie im deutschen
Sprachraum Wolfshund. Noch heute gilt der Pizzo als Schutz- oder Lösegeld bei der „feudalistischen“
Mafia, was hier im Laurin, Biterwolf-Dietleib und im Nibelungenlied II
ebenso den historischen Hintergrund bildet.
Fazit: Das zum
Nibelungenlied II passende und ergänzende Muster in „Biterolf und Dietleib“ weist in diesem Bereich auf eine
Entschädigung hin, wobei die Schatzübergabe durch eine entsprechende
Landesübertragung zu Steyr „gelöst“ wurde – vermutlich mit
Losenstein-Laussa als vorherigem Bezirks- oder Hagzentrum (siehe Punkt 4)
der germanisch-hunnischen Schatzräuber. Dabei bestätigt sich Dietleib im „König Laurin“ wiederholt als
Musterheld für die „Schatzanklage“, wobei Frauenraub mit Schatzraub
gleichgesetzt wird. Im selben Verständnis ist die „Nibelungenklage“
geschrieben. Spätantike Klageschriften könnten demnach eine Basis dieser
Verschriftlichungen gebildet haben. Und wie die vorangegangenen Analysen
zeigen, kann die eigenartige Verbindung Worms-Steyr nicht von ungefähr
entstanden sein. Passauer Bischöfe opferten hier vermutlich für ihre
eigenen Interessen wertvolle Dokumente, die dazu mehr Einblick hätten
eröffnen können, wie im nächsten Punkt verdeutlicht wird.
Zum größten
mittelalterlichen Schatzfund Österreichs bei Steyr siehe unter Punkt 4.
Ergänzungen...
http://de.wikipedia.org/wiki/Biterolf_und_Dietleib
http://de.wikipedia.org/wiki/Dietleib
http://de.wikipedia.org/wiki/Atlilied
http://de.wikipedia.org/wiki/Bajuwaren
http://de.wikipedia.org/wiki/Agilulf_(Sueben)
http://de.wikipedia.org/wiki/Agilolfinger
http://de.wikipedia.org/wiki/Ricimer
http://de.wikipedia.org/wiki/Odoaker
http://de.wikipedia.org/wiki/Otakare
http://de.wikipedia.org/wiki/Arnulf_von_Kärnten
http://de.wikipedia.org/wiki/Welfen
http://de.wikipedia.org/wiki/König_Laurin
http://de.wikipedia.org/wiki/Engelschalk_II.
http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenklage
http://de.wikipedia.org/wiki/Passau
http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/ursprung_burg.html
6. Umfeld und Hintergrund der bekannten
Nibelungenlied-Endfassungen
Abschließend
muss noch ergänzend ins machtpolitische Umfeld der letzthin überlieferten
Fassung des Nibelungenlieds eingegangen werden. Die damit zusammenhängenden
Manipulationen zeigen wiederholt die Notwendigkeit derartiger
Rekonstruktionsanalysen.
Eine
der bedeutendsten und zugleich skurrilsten Vorgeschichten dazu liegt bei
Bischof Pilgrim von Passau
(920-991), ein nur vorübergehend „Heiliger“, aber dafür im Nibelungenlied
verewigter. Er könnte in dieser Hinsicht ein Initiator jener
Nibelungenlied-Geschichte gewesen sein. Zumindest würde ihn die
„Nibelungenklage“ dafür ausweisen. Solche Werke ließen sich damals gleich
Reliquien zu prestigeträchtigen Machtmitteln einsetzen. Pilgrim war ebenso
federführend bei den sogenannten Lorcher
Fabeln mittels gefälschter Papsturkunden, welche belegen sollten, dass
das Bistum Passau der Rechtsnachfolger des antiken Erzbistums Lauriacum
(heute Enns-Lorch, nördlich von Steyr) wäre. Damit wollte er die
Unabhängigkeit vom Erzbistum Salzburg erreichen, einst das mächtigste
Kirchenamt nördlich der Alpen. Aus Altötting dürfte er dafür sicher nicht
nur die Reliquien des Heiligen Maximilian v. Celeia nach Passau verbracht
haben. Vermutlich befanden sich in Altötting, sowie in Lorch und Wels noch
richtige Urkunden, die Passaus höheres Rangstreben beeinträchtigt hätten
und daher verschwinden mussten bzw. zu „überarbeiten“ gehörten. Derartig
historisch bedeutsame Ereignisse des weiteren Umfeldes mussten möglichst
auf Passau umgelenkt werden, um das Ziel Erzbistum Passau zu verwirklichen.
Denn mit dem nur flächenmäßig größten Bistum des Heiligen Römischen Reiches
schien man sich noch nicht zufrieden zu geben.
Doch
erst einer seiner Nachfolger Wolfger
von Erla (1140-1218, ab 1191 Bischof) ist schließlich die Realisierung
dieser Nibelungengeschichte gelungen und zwar in Liedform. Damit entzog er
sich elegant weiteren Fälschungsvorwürfen. Denn inzwischen haben sich auch
die politischen Verhältnisse verändert und der zweifelhafte Wert der
„Lorcher Papsturkunden“ trug mehr zur Belastung, als zum Auftrieb Passaus
bei. Wolfgers Familie stammte selbst aus diesem Bereich (Spitze der
Einzeichnung in Abb. 1) und musste über die entsprechenden mythischen, historischen
und politischen Verhältnisse gut informiert gewesen sein. So konnte Passau
im Nibelungenlied am besten nur mehr als wichtige Zwischenstation der
Nibelungenreise durch das immer bedeutender werdende Österreich gehalten
werden und versetzte die Endstation der Reise ins Zentrum des Königreichs
Ungarn nach Gran (Esztergom) und Ofen (Buda-pest),
gemäß der aktuellen Kreuzzugsroute und aktueller politischer Verbindungen
der Babenberger. Das kam der ganzen Nibelungen-Historie an Glaubwürdigkeit
sehr entgegen, lagerten um jene Ecke doch einst wirklich die asiatischen
Hunnen. Bischof Wolfgers Dienstreisen führten ihn schließlich auch durch
die übrigen Städte des Nibelungenlieds - so etwa nach Mainz, Worms und
Speyer, wo er mit der erfolgreichen Vermittlung um die Freilassung König
Richard Löwenherz betraut wurde, der auf dem Rückweg seines Kreuzzugs in
Österreich gefangen gesetzt wurde. Dies verhalf seinem Passau zwar nicht
mehr zum erwünschten Aufstieg als Erzbistum, aber Wolfger zum Patriarchen
von Aquileia (1204), der rangmäßig hinter dem Papst stand und somit noch
über den Erzbischof von Salzburg. Der Aufstieg Passaus zum Fürstbistum
folgte dann bei Fuße (1218).
http://de.wikipedia.org/wiki/Passau
http://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_Passau
http://de.wikipedia.org/wiki/Pilgrim_von_Passau
http://de.wikipedia.org/wiki/Lorch_(Oberösterreich)
http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfger_von_Erla
http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenklage
Der Weg zum Nibelungenlied-Dichter – eine Annäherung
Für die richtige
Einschätzung des Nibelungenlieds sind zumindest die entscheidendsten
Kenntnisse über die näheren Umstände der Persönlichkeit notwendig, welche
maßgeblich das Nibelungenlied prägte. Hierzu ein entsprechender
Bestimmungsversuch:
A. Abstammung: Angehöriger
des Dienstadels (Ministeriale) oder zumindest aus einer nicht
standesgemäßen, vermutlich unehelichen Adelsverbindung, was ihn ins Kloster
führen sollte und seine Herkunft verschleierte, wie das beispielsweise auch
bei Walther von der Vogelweide geschah.
B. Kulturelles Umfeld:
Kenner der burgundisch-fränkischen Sagen-Tradition mit bayrischer Bindung,
vielleicht im Umfeld Nürnbergs (aufgrund umfangreicher Vorkenntnisse zur
Nibelungensage, insbesondere was dessen ersten Teil betrifft, - und seiner
späteren Umsiedlung in den östlichsten Bereich des alten Bayerns: heutiges
Oberösterreich, ferner Niederösterreich-Wien).
C. Ausbildung: im Kloster zum
Kleriker (Scholastiker), am ehesten in einem Zisterzienserkloster
(asketischer Benediktinerorden), wo es häufig den Dienstadel hingezogen
hat. Weitere Gründe, weshalb in diesem Umfeld der Nibelungenlieddichter zu
finden sein müsste, ist die burgundische Schlüsselverbindung
Zisterzienser-Troyes:
- Die Zisterzienser sind eine typisch
burgundisch-fränkische Gründung.
- Ihr bekanntester Hauptvertreter war der
Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux (1090-1153), Mystiker aus
burgundischem Adel, Prediger des Heiligen Krieges (Kreuzzüge) und
Unterstützer des Tempelritterordens (Konzil von Troyes 1128).
- Chrétien (Chrestien) de Troyes (ca. 1150-1190)
ging ebenso aus diesem Umfeld hervor: altfrz. Epiker und u.a.
Verfasser von „Lancelot“ um 1170, „Yvain“ um 1175, „Perceval“
(Gralssage) vor 1190.
- Westlich von Troyes befinden sich die
Katalaunischen Felder, wo die Hunnen in der bekannten Völkerschlacht
ihre entscheidendste Niederlage erlitten. Die bekannteste
Zisterzienserabtei Clairvaux befindet sich nur 50 km südöstlich von
Troyes.
Sollte
die Schlüsselfigur Hagen von Tronje auch nach diesem Ort Troyes benannt
worden sein, lässt sich hier das entsprechende symbolische Potential dieser
Benennung erkennen, ähnlich der Stadt Troja, die ebenso als Fanal eines
„archaischen Kreuzzugs“ in die Literaturgeschichte einging. Der
Nibelungenlieddichter hat zudem als einziger Hagen mit diesem
symbolträchtigen Attribut zisterziensischer Prägung ausgeschmückt. Der
weltliche Schatz nimmt die Stelle des mystischen Grals ein, was gleichzeitig
auf einen desillusionierten, ernüchterten Zisterzienser hinweisen könnte,
der nicht mehr an die Heiligkeit der Kreuzzüge glaubte und hiermit schon in
einer gewissen geläuterten Distanz zu den Zisterziensern zu sehen ist.
D. Übersiedlung: nach Österreich
vor 1200, wenn die Hauptarbeit der Nibelungenlied-Niederschrift im Zeitraum
zwischen 1200-1205 angenommen wird.
E. Vermutlicher Teilnehmer
am 3. Kreuzzug, dessen Route durch Passau, Wien und Budapest führte, - wie
der vermeintlich historische Zug der Burgunden bzw. Nibelungen im zweiten
Teil des Nibelungenlieds.
F. Verbindungen: zu Bischof
Wolfger von Erla in Passau und zum babenbergischen Herrscherhaus in Wien.
G. Potentielle
dokumentarische Querverbindungen:
- Wolfger von Erla lässt im Mühlviertel um 1202/3
ein Kloster Slage errichten
- nahe des heutigen Stifts Schlägl - zwecks Kultivierung des Gebietes.
Er beauftragt Chalhoch von Falkenstein und gewinnt dazu fränkische
Mönche aus dem Zisterzienserkloster Langheim bei Bamberg. Chalhoch
selbst kann sich damit von der zwingenden Kreuzzugsteilnahme
entziehen. In diesem Umfeld könnte die Urfassung der noch erhaltenen
Fassungen des Nibelungenliedes niedergeschrieben worden sein.
- Wolfger von Erla bezahlt dem Zellenmeister des
Zisterzienserklosters Slagge
1204 in Leoben ein Pfand von 30 Friesacher Denare (aus Wolfgers
Reiserechnungsbuch). Der Passauer Bischof befand sich auf der
italienischen Reise (Wiener Neustadt – Rom – Nürnberg – Passau) Dieser
Treffpunkt der beiden soweit entfernt von ihren Wohnsitzen und seine
namentliche Angabe scheint von besonderer Bedeutung und Dringlichkeit
gewesen zu sein. Sie könnte auch etwas mit der Nibelungenlied-Arbeit
zu tun gehabt haben.
H. Der verdächtigste
Dichter-Kandidat: Reinmar der Alte
(von Hagenau).
Was für ihn spricht:
- Zutreffende Lebenszeit zwischen 1140-1210
- Er gehörte zu den besten Lyrikern
(Minnesängern) der betreffenden Zeit (1190-1210), wobei seine Dichtung
gerade dem typisch lyrischen Charakter (sinnlich-romantisch)
widerspricht: Er sah die Dinge
insbes. den Minnedienst: nüchtern-desillusioniert, distanziert,
komplex (episch), kritisch, pessimistisch, dialektisch, psychologisch,
analytisch, intellektuell, scholastisch – im Gegensatz zu Walther von
der Vogelweide.
- Seine Preisung als bester oder beliebtester
Dichter und Hofsänger seiner Zeit kann sich nicht auf seine
überlieferten, allgemein eher schwerverständlichen Dichtungen bezogen
haben, weil sie sich dafür zu speziell auf das damalige Dichterdasein
bezogen haben und für Reinmar als Ventil seiner eigenen Situation
funktionierten. Seine Popularität am Hofe dürfte hingegen eher auf die
damals für Minnesänger selbstverständliche Rezitation alter und neuer
Sagen zurückzuführen gewesen sein, indem sich Reinmar als
unübertroffener Meister ausgezeichnet haben dürfte. Das Nibelungenlied
könnte daraus hervorgegangen sein, das altes mit damals aktuellem
Sagengut populär vermischte.
- Position und Thematiken: Seine Einstellung war höfisch und
ganz im Sinne der Konvention (der typische Hofdichter) – im Gegensatz
zu Walther von der Vogelweide. Neben der Liebesbeziehung, die unfrei
macht, sind ebenso Dienstverpflichtung, Treue, Schicksal, Not, Klage,
Recht die vorherrschenden Themen, die im Nibelungenlied in einem
breiten, epischen Kontext behandelt werden.
- Reinmar ist bereits lange vor 1200 nach
Österreich eingewandert - vermutlich um 1190, also schon während des
3. Kreuzzugs, wo sich Parallelen zum Nibelungenlied des zweiten Teils
zugetragen haben. Er soll/könnte sogar den österreichischen Herzog
Leopold V. an diesem Kreuzzug begleitet haben.
- Verbindungen zum österreichischen Herrscherhaus
und zu Bischof Wolfger von Erla sind nahezu sicher. Letzterer, der als
Mäzen des Nibelungenlieds angenommen wird, war in sämtlichen Städten
des Nibelungenlieds auf diplomatischen Dienstreisen unterwegs.
- Herkunft so unsicher wie die Autorenschaft des
Nibelungenlieds: Gottfried von Straßburgs Hinweis ... aus Hagenau dürfte sich nicht
auf Reinmars Abstammung, sondern auf seinem (letzten) Hauptwohnort in
Österreich bezogen haben. Vielleicht überließ ihm der Bischof von
Passau eine Unterkunft im Schloß Hagenau bei Braunau, das damals
bereits von einer Ministerialenfamilie des Bistums Passau bewohnt war,
welche sich ebenso nach dem Schloss nannte.
- Reinmars Tod um ca. 1209 fällt mit der Aufgabe
des Zisterzienserklosters Slage
zusammen, und vermutlich auch mit der Fertigstellung der
Nibelungenlied-Arbeit. Die abgeschiedene Lage als Hauptgrund für die
Aufgabe eines Klosters asketisch-zisterziensischer Prägung erscheint
widersprüchlich und könnte vorgeschoben sein. Denn einige Jahre später
übernahmen die Prämonstratenser die Kultivierung dieses Bereichs, den
sie bis heute hielten. Gerade diese Abgeschiedenheit aber könnte
passend für diese geheime Nibelungenlied-Arbeit gewesen sein, da ihre
Durchführung bewusst nirgendwo Erwähnung fand, sollte sie ebenso von
Bischof Wolfger beauftragt worden sein.
Was teils für, teils gegen
ihn spricht:
- Als der Bischof Wolfger von Erla fränkische
Zisterzienser ins Mühlviertel kommen ließ, war Reinmar schon länger in
Österreich. Vielleicht spielte aber Reimar bei der Übersiedlung der
Zisterzienser eine verbindliche Rolle, womit er sich ebenso bei der Cisterce Slage
aufgehalten haben könnte.
- Man kennt Reinmar nur als Lyriker hoher/reiner
Minne, also von klerikalem Charakter (idealisierte Frauenverehrung
vergleichbar der Marienverehrung). Seine Autorenschaft zu einem
epischen Werk christianisierter heidnischer Tradition müsste er und
sein Umfeld demnach bewusst verborgen gehalten haben*. Bezüglich des
Werkes würde es sich dann um ein Auftragswerk geistiger Herrscher
gehandelt haben. Man wollte damit in erster Linie historische
Wahrheiten des bekannten Nibelungenstoffes mit den aktuellen
politischen Verhältnissen kritisch-hintergründig verbinden. Daher
zählt das Nibelungenlied bis heute auch zur historischen Dietrichepik,
im Gegensatz zu den sich bekennenden Epikern, wie Gottfried von
Straßburg (Tristan), Hartmann von Aue (Erec, Iwein) oder Wolfram von
Eschenbach (Parzival).
* Warum der
Nibelungenlied-Dichter sich nicht als solcher bekannt hatte, könnte auf die
politische Brisanz des Nibelungenliedes zur Entstehungszeit zurückzuführen
sein, die ihn an bestimmten Höfen in existenzielle Gefahren hätten bringen
können. Der sogenannte Sängerkrieg auf der Wartburg scheint eine offene
Parabel zu dieser Situation und ähnlicher gewesen zu sein, wo der Dichter
sich sogar in Todesgefahr begeben konnte, wenn er etwa feindliche Fürsten
in hohen Tönen sich zu loben erdreistete. Wartburgs Hofhalter Landgraf
Hermann I. von Thüringen wechselte beispielsweise (in der Zeit der
Nibelungenlied-Entstehung) sieben Mal die Seiten der beiden vorherrschenden
Machtblöcke (Staufer und Welfen) innerhalb zwölf Jahren, um sich
existentieller Gefahren zu entziehen. Um solcher Gefahrenlagen kann und könnte
das Nibelungenlied gleich mehrere Liedchen singen, - jedoch handelt es sich
bei den uns überlieferten Fassungen bestimmt bereits um politisch
weitgehend entschärfte Versionen.
Um das Unternehmen
Nibelungenlied derartiger Gefahren nicht unnötig auszusetzen dürfte es also
von einem erfahrenen und vermutlich vielbeachteten Berufsdichter unter
Geheimhaltung realisiert worden sein, von dem sich auch noch andere
überdurchschnittlich gute Dichtwerke erhalten haben dürften. Denn weniger
gute Werke wurden eher ausrangiert und gingen so mit der Zeit verloren. So
ist es u.a. auch der Qualität des Nibelungenliedes zu verdanken, dass
wenigstens einige Varianten davon doch überlebten.
Dabei muss er von einem neutralen
Mäzenatentum in diskreter Weise finanziell unterstützt worden sein, von dem
auch diese Initiative ausgegangen sein müsste, denn ein Dichter hätte sich
dieses Unternehmen im Alleingang nicht leisten können. Bischof Wolfger von
Erla entspräche einem solchen Mäzen u.a., welcher auch zwischen Staufer und
Welfen vermittelte und somit das Vertrauen und den Einfluss auf beiden
Parteien genoss. Er verfügte über die nötige Autorität dem NL-Dichter,
eventuellen Mitarbeitern und sich selbst die dafür nötige Immunität in der
Durchführung zu gewähren, die sogar bis heute nachwirkt. Versetzt man sich
in der Lage dieses Förderers wird man sich für dieses Unternehmen nicht
eines einfachen, kunstsinnigen Kanzleischreibers bedienen, sondern
versuchen den bestmöglichen Hofdichter seines Umfeldes habhaft zu werden
und dies am besten bei seiner altersbedingten Dienstfreistellung, um ihn
dann noch für ein letztes, interessantes Alterwerk gewinnen zu können. Die
Gegenleistung: sorgloser Lebensabend ohne Vortragsverpflichtungen. Welcher
geeignete Hofdichter hätte da ablehnen können, bedenke man, dass der
ausgediente mittelalterliche Dichter einem eher problematischen Altersstand
entgegensah. Walther v. Vogelweide musste darum bei Friedrich II. betteln.
http://de.wikipedia.org/wiki/Reinmar_von_Hagenau
http://www.burgen-austria.com/Archiv.asp?Artikel=Hagenau
http://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzzug
http://de.wikipedia.org/wiki/Zisterzienser
http://www.mom.findbuch.net/php/main.php?ar_id=3263&action=open&kind=b&id=175&source=linker
http://www.stift-schlaegl.at/prodon.asp?peco=&Seite=360&Lg=1&Cy=1&UID=
7. Karte mit Einzeichnung des näheren
Such- und potentiellen Fundbereichs

Abb. 3: Wanderkarte (Quelle:
http://doris.ooe.gv.at/)
Hauptsuchbereich im grünen
Rahmen:
Dürnberg-Pfennigstein-Schieferstein
in Losenstein-Laussa-Reichraming (Oberösterreich), ca. 4 km²
Erster potentieller
Fundbereich innerhalb der grünen Ellipse, dessen Untergrund näher zu
untersuchen ist.
Dünne rote Linien:
Gemeindegrenzen von
Losenstein-Laussa-Reichraming
4. Ergänzungen
4.a. Sagen, Orts- und
Flurnamen zum Fundbereich
Eine germanische Schatzsage mit
möglichen Nibelungenschatz-Bezug
Nachfolgend die älteste, detaillierte
Schatzüberlieferung der Germanen mit auffälligen Beziehungen zur
Nibelungenschatzsage. Sie schildert eine Begebenheit um 590 im
burgundisch-fränkischen Bereich in der einzigen, getreueren Version des
Langobarden Paulus Diaconus (in
seiner Historia Langobardorum III.34)
um 790 mit den Hauptmotiven: König Gunthram, Jagd, Schlange (anstelle:
Wurm, Drachen), Schwert, Bach (anstelle: Rin, Rhein), Loch im Berg
(anstelle: „Loche am Rhein“), großer Schatzfund alter Zeiten. Die
Schatzsage der Nibelungen wurde erst in späterer Zeit so fixiert, wie wir
sie heute kennen:
„Mittlerweile hatte König Authari eine Gesandtschaft mit
Friedensträger an den Frankenkönig Gunthram, den Oheim König Childeperts,
abgehen lassen. Dieser nahm sie freundlich auf, schickte sie dann aber zu
seines Bruders Sohn Childepert, damit durch dessen Beitritt der Friede mit
dem Volk der Langobarden fest abgeschlossen werde. Dieser Gunthram war aber
ein friedfertiger und in allen Dingen wohlgesinnter Mann. Ein sehr
merkwürdiger Vorfall aus seinem Leben mag hier in der Kürze in meiner
Geschichte erzählt werden, zumal da sie, wie ich weiß, in der Geschichte
der Franken (*von Gregor von Tours) gar nicht erwähnt ist. Gunthram war
einstmals in den Wald auf die Jagd gegangen; als nun, wie es zu geschehen
pflegt, sein Gefolge sich nach allen Seiten hin zerstreut und er nur noch
einen ihm vor allen treuen Mann um sich hatte, da überkam ihn große
Müdigkeit. Und so legte er sein Haupt in die Knie seines Begleiters und
schlief fest ein. Da kam aus seinem Mund ein kleines Tierchen wie eine
Schlange und suchte dann über das Bächlein, das vorbeifloss,
hinüberzukommen. Da zog der, in dessen Schoße der König ruhte, sein Schwert
aus der Scheide und legte es über den Bach, worauf nun das kleine Tierchen
nach der anderen Seite hinüberging. Hier kroch es in ein nicht weit
entferntes Loch des Berges, kam dann nach einiger Zeit wieder heraus, auf
dem Schwerte wieder über das Bächlein herüber und schlüpfte in den Mund
Gunthrams zurück, aus dem es herausgekommen war. Als Gunthram hierauf vom
Schlaf erwachte, sagte er, er habe einen wunderbaren Traum gehabt. Er
erzählte nun, wie er im Schlaf geglaubt habe, auf einer eisernen Brücke
über einen Fluß und in einen Berg hineinzugehen, wo er eine große Menge
Goldes gesehen habe. Der, in dessen Schoße des schlafenden Königs Haupt
geruht hatte, berichtete nun ganz der Ordnung gemäß, was er gesehen hatte.
Sofort wurde jene Stelle aufgegraben und es fanden sich unermessliche
Schätze, die hier seit alten Zeiten niedergelegt waren. Von diesem Gold
ließ Gunthram nachmals einen massiven Altardeckel von ungemeiner Größe und
schwerem Gewicht machen und mit vielen kostbaren Edelsteinen verzieren, und
er wollte ihn zu dem Grab des Herrn nach Jerusalem schicken; aber da ihm
dies nicht möglich war, so ließ er ihn bei dem Leichnam des heiligen
Märtyrers Marcellus niederlegen, der in der Stadt Caballonnum (Chalon an
der Saone) begraben ist, wo auch seine Residenz war, und dort befindet er
sich bis auf diesen Tag, und nirgends ist ein aus Gold gearbeitetes Werk,
das sich mit ihm vergleichen ließe. Nachdem ich aber diesen merkwürdigen
Vorfall in der Kürze berichtet habe, kehre ich jetzt zu meiner Erzählung
zurück.“
Der Nibelungenlied-Dichter
dürfte dieses bedeutende Werk eines der bekanntesten Historiker
karolingischer Zeit gekannt haben und sich daraus nebst anderen Chroniken
inspirierend bedient haben.
Größter mittelalterlicher Schatzfund Österreichs bei
Steyr:
In den Annalen des Stifts
St. Florian (OÖ) wird von einem großen Schatzfund („maximus thesaurus“) bei
Steyr im Jahre 1297 mit römischen Goldmünzen berichtet, bei dem sich auch
Albrecht I. (Herzog, ab 1298 röm.-deutscher König) mit Schatzforderungen
einschaltete. Die genaue Fundlage wurde nicht überliefert. (Für die
Information danke ich Herrn Mario Habichler. Kurze Erwähnung in:
http://aeiou.iicm.tugraz.at/aeiou.encyclop.a/a692307.htm)
Ein weiterer historischer
Nibelungen-Dietrichsagen-Bezug:
In
der fränkischen Nachbearbeitung der Nibelungensage könnte mit hoher
Wahrscheinlichkeit der erste Slawenkönig Samo (625-658) als weiteres Vorbild für Rüdiger von Bechelarn und seines Machtbereiches hergehalten
haben und eventuell auch für Hagen
als Rüdigers verstecktes alter Ego im Nibelungenlied. Hagen (hagan) bezeichnet germanisch einen
Randbereich, ebenso sauma;
während germ. samo derselbe,
ebenso bedeutet. Samo beherrschte schließlich den östlichen Randbereich des
merowingischen Frankenreichs:
Samo
war ein Franke mit vermutlich keltischen Wurzeln, der einst als Händler
oder Unterhändler (Waffen, Sklaven?) mit Karawanen zwischen dem
Frankenreich und den Slawengebieten unterwegs war (Hagen-Bezug). Beim
erfolgreichen Slawenaufstand gegen die Awaren hatte sich Samo so
verdienstreich eingesetzt, dass er zum ersten König der Slawen gewählt wurde
und somit das erste Slawenreich um 625 gründete, das hauptsächlich Böhmen,
Mähren und die spätere Mark Österreich umfasste, der auch Rüdiger von
Bechelarn im Nibelungenlied vorstand. Nun kam es zwischen den Franken und
Slawen zu Konflikten, oder besser gesagt: zwischen dem Merowingerkönig
Dagobert I. und dem nunmehrigen Slawenkönig Samo, dem fränkischen
Aufsteiger im fremden Ausland – eine Wölfling-Karriere. Der Ausgang der
diplomatischen Verhandlungen in Fredegars Chronik ist bezeichnet dafür. Der
fränkische Sicharius endete:
„Es ist nicht möglich, dass Christen und Diener Gottes Freundschaft mit
Hunden schließen.“ Samo erwiderte: „Wenn ihr die Diener Gottes seid und wir
die Hunde Gottes, während ihr ununterbrochen gegen Gott handelt, nehmen wir
uns die Erlaubnis, euch mit unseren Zähnen in Stücke zu reißen.“ (Zwischenbemerkung:
Klingt auch wie die Umschreibung der hier bedeutungsvollen Namen Biterolf
und Agilolf – siehe Punkt 5 oben...). Samo warf Sicharius
schließlich hinaus und es kam zum Krieg. Dabei konnte Dagobert die
friulanischen Langobarden und die Alamannen dazu bewegen die Slawen an den
Flanken anzugreifen, während er mit seinem Heer ins Zentrum des Reiches
vorstoßen wollte. Den Langobarden und Alamannen gelang der Durchbruch, die
daraus einen Beutezug machten und sich wieder zurückzogen. Die geplante
Vereinigung der Heere misslang jedoch, weil das fränkische Heer bereits bei
der Belagerung Wogastisburgs am westlichen Rand des Slawenreiches
scheiterte und aufgelöst wurde. Dieses merowingische Kriegsabenteuer konnte als Reminiszenz im
Nibelungen-Ende an der Donau Eingang gefunden haben. Nur einem kleinen Rest
von Dagoberts Kriegern gelang die Flucht.
Damit ist nicht nur aus burgundischer Sicht,
sondern auch aus fränkischer Sicht ein „Verrat/Verräter“, ein daraufhin
folgender Kriegszug gen Osten, einschließlich der vernichtenden Niederlage
an der Donau unter „Hunnen“ (oder „Hunden“) historisch ausgemacht, bei der
die Burgundersage für die Franken wieder an Aktualität gewann, was somit zu
neuen Interpretationen und Auflagen führen konnte.
Zur Lokalisierung Wogastisburg gibt es mehrere
Theorien. Es konnte aber bislang nicht wirklich ausfindig gemacht werden.
Die Tschechen vereinnahmen dieses und Samos Reichszentrum im weiten Umfeld
von Prag.
Ich vermute, dass es sich bei Wogastisburg eher
um das Bechelarn des
Rüdigers im Nibelungenlied handelt, das ich im nächsten Ortungsprojekt
genauer lokalisieren werde. Samos Herrschaftszentrum dürfte dann um Tulln
gelegen haben. Im frühen Mittelalter hatte dieser Bereich noch die
Vormachtsstellung vor Wien. Samo dürfte also die bereits vorhandenen
römischen Strukturen an der mittleren Donau vorteilhaft genutzt haben, und
sich in diesem wichtigsten Bereich seines Reiches niedergelassen haben. Zu
seinen Lebzeiten konnte er und sein Reich nicht mehr bezwungen werden.
Erwähnenswert ist auch, dass wir ohne den
fränkischen Chronisten Fredegar keine Notiz von diesen Ereignissen hätten
überliefert bekommen. In der Thidrek-Saga werden – anders als im
Nibelungenlied und in der Dietrichepik – auch noch relativ ausführlich die
Auseinandersetzungen gegen die Slawen behandelt, die dort als Wilzen
benannt werden. Samo könnte dort an erster Stelle als Ritter Samson eingeführt
worden sein, auch wenn er hier von den Skandinaviern verständlicherweise
nach Süditalien hin versetzt wurde, wo sich ihre Normannen eine Zeitlang
aufhielten. Das würde die Thidreksage ursprünglich zur fränkischen
Aufarbeitung der Dietrichsagen mit neuen Quellen ab dem 7. Jh. machen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Samo
http://de.wikipedia.org/wiki/Fredegar-Chronik
http://de.wikipedia.org/wiki/Wogastisburg
http://de.wikipedia.org/wiki/Samson_(Heldensage)
Orts- und Flursagen:
http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/ursprung_burg.html
http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/losenstein.html
http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/pfennigstein.html
http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/eva_kuchl.html
http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/steinerne_jaeger.html
http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/jaegersprung.html
http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/windloch.html
http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/oberoesterreich/traunviertel/umgebung%20steyr/zerstoerte_burg.html
Auswahl an mythischen Parallelbezügen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Semele_(Mythologie)
http://de.wikipedia.org/wiki/Schenkelgeburt
http://de.wikipedia.org/wiki/Dionysos
http://de.wikipedia.org/wiki/Dionysoskult
http://de.wikipedia.org/wiki/Cernunnos
http://de.wikipedia.org/wiki/Artemis_%28Mythologie%29
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilde_Jagd
http://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_L%C3%BCttich
http://de.wikipedia.org/wiki/Venusberg_%28Sage%29
Der „Schieferstein-Pfennigstein“ als bedeutender Kultberg in Gestalt
eines göttlichen Bergriesen:
Der
Bergnamen „Schieferstein“ leitet
sich nicht aus der geologischen Gesteinsart Schieferstein ab. Er besteht
aus Dolomit. Auch hier könnte sich die germanische Sprache niedergeschlagen
haben. Mit der germ. Bedeutung skanka
für schief, gebogen und Schenkel lässt sich nicht nur die gesamte
Berggestalt charakterisieren, sondern auch der Mythos entschlüsseln, der
hinter dem sagenumwobenen Berg verborgen liegt. Losenstein könnte übrigens
auch eine kelt. Teilübersetzung von Schieferstein sein: kelt. loxso für schief.
Die
Bildansicht unten in Blickrichtung Osten zeigt oben den Schieferstein-Gipfel als Kopf des
„Götterbergs“ (–> Zeus-Jupiter),
darunter den Körper mit den gespreizten Schenkeln in liegender Stellung.
Wie oben bereits hingewiesen soll der Pfennigstein
(=Venusstein) den weiblichen Schambereich
symbolisieren, der hier auf dem linken Schenkel
des Bergriesen positioniert ist (Schenkelgeburt
am Berg –> Dionysos). Eine
weitere Herleitungsmöglichkeit für Pfennig-: germ. fenik für Fenchel – der Fenchelstab (Thyrsosstab) ist das Zeichen Dionysos neben dem Füllhorn. Am Pfennigstein-Gelände lässt sich
übrigens auch eine weibliche Gestalt (–> Semele) erkennen, ähnlich der Bildkomposition des Malers Moreau
in Abb. 5 unten. Aus geologischer Hinsicht mag dieser Zusammenhang Zufall
sein, jedoch nicht in der vergleichenden Sagenanalyse von Strukturen (=
vergleichende Sicht- und Interpretationsweise früherer Völker). Die dazu
entsprechende Orts- und Flursage „Jägersprung“
weist tatsächlich auf die ursprünglich, vorchristliche Zeus-Semele-Sage hin, die infolge der Christianisierung
geradezu spiegelbildlich umgedeutet wurde:
Die
eifersüchtige Hera intrigiert
gegen die Geliebte ihres Mannes Zeus. In der christianisierten Variante („Jägersprung“) stellt sie die
Sennerin dar.
Die
Geliebte Semele verwandelt sich
hier christianisiert zur braven Ehefrau des Mannes, eines Jägers.
Zeus-Jupiter wird christianisiert zum bösen Jägersmann, der sich
in den Abgrund stürzen muss.
Während
in der christianisierten Form die Sennerin die Frau rettet und den
Jägersmann in den Tod stürzen lässt, führt sie ursprünglich als
eifersüchtige Ehefrau Hera die Geliebte in den Tod durch ihren Ehemann –
den unsterblichen Gott Zeus-Jupiter.
Dasselbe
ursprüngliche Sagenmotiv und dieselbe Umdeutung trifft auf die Verbindung Brunhild-Siegfried-Krimhild zu:
Brunhild-Siegfried ist ursprünglich ähnlich wie Hera-Zeus vereint. Krimhild
entzweit diese Beziehung wie Semele.
Die eifersüchtige Brunhild veranlasst daraufhin die Tötung Siegfrieds, der
als Jagdunfall an einer Quelle überliefert wird. Dementsprechend dürfte Jägersprung ursprünglich nicht auf
einen hinabspringenden bösen Jäger zurückzuführen sein, sondern auf eine
Jägerquelle (germ. sprung für
Quelle). In Brunhild könnte
ebenso Ursprung/Quelle (germ. bruna)
des Kampfes/Streites (germ. hildja)
stecken, der mit der Tötung an der Quelle gleichgesetzt wurde.
Bei
der Jägersprung-Sage könnte es sich also nur um einen umgedeuteten,
verkümmerten Rest jener weitverbreiteten, mythischen Zeus-Semele-Geschichte
darstellen, welche im Nibelungenlied mit weiterem, historischen
Sagenpersonal stärker und komplexer ausgedehnt wurde.
Derartige
mythisch-kultische Vergleiche von den hier siedelnden Kelten und Germanen
zum griechischen Kulturraum lassen sich aus deren jahrhundertealten
Beziehungen herleiten. Der entsprechende Einfluss in ihren Sagen ist
erwiesen.
Aus
der Schenkelgeburt entstand Dionysos-Bacchus,
der auch großer Jäger genannt
wird. Seine Tierzeichen sind der Stier
– gleich seines Vaters Zeus – und
der Panther. Die germanische
Bezeichnung für Stier ist steura
– vermutlich der Ursprung von Styra
–> Steyr –> Steiermark. Aber auch der Panther führt nach Steyr und die Steiermark, die ihn beide als gehörntes Wappentier im grünen Feld (Vegetation) tragen. Dionysos ist ebenso gehörnt und Gott
der Vegetation. Das Wappen stammte von den Otakaren und wurde Jahrzehnte
vor der bekannten Nibelungenlied-Endfassung offiziell eingeführt.
Bei
der Dietleib-Sage (siehe Punkt
5), die ebenso nach Steyr führt, übernimmt der Hauptheld Dietleib sogar
eigenartige, dionysische Züge an. Selbst im Dietleib-Namen lassen sich noch
entsprechende Spuren erkennen:
Aus
der üblichen Übertragung germ. deud-laibo für „Volks-Nachfolger“ ist
auch folgende Assoziation möglich: deuh-laibo
„der aus dem Oberschenkel stammende“.
Hauptbezüge
zur Steinerer-Jäger-Sage sind die
jüngere, fränk. Hubertus-Legende,
die Elemente älterer Mythen christianisiert einbezieht: z.B. Cernunnos (kelt.), Artemis-Aktaion (griech.), ... Sie
könnte auf ein altes Tabu hinweisen, welches das Betreten des Berges nur
wenigen gestattete. Damit wäre dieser Kultberg für eine Schatzverbergung
geradezu prädestiniert gewesen.

Abb. 4:
Schieferstein, göttlicher Bergriese – ein Vergleich
Bildquellen:
GoogleEarth
„Jupiter und Semele“ von
Gustave Moreau.
Erklärung zum Vergleich im
Text oben....
Vergleichende Hinweise aus dem Werk
„Losenstein“ von Adolf Brunnthaler, Oberösterreichischer Landesverlag,
1995:
Der
im Vorfeld erkannte bedeutende Zusammenhang zwischen der Losensteiner und
der Steyrer Herrschaft hat sich bestätigt: Anfangs 10.-12. Jh. bestand noch
ein enger auch verwandtschaftlicher Kontakt, der später in ein
Unabhängigkeitsbestreben der Losensteiner von den immer stärker
konkurrierenden Steyrer Herrn abgelöst wurde. Die Beziehungen davor sind
nicht mehr festzustellen. Beide gehörten der Gefolgschaft der Otakare an.
Bestätigung
findet die Einzeichnung in der Abbildung 1, die der ältesten
Grenzaufzeichnung der Herrschaft Steyr ähnelt (S.61) – nur führt dort die
Spitze nicht mehr so weit nach Norden.
Ursprünglich
kennzeichnet das Wappen der Losensteiner Herrschaft ein drachenartiges Tier
(S.64), das dann im Hochmittelalter von einem gehörnten, feuerspeienden
Panther abgelöst wurde, vermutlich analog zum Wappen der Steyrer Herren.
Auffälliger
sagengeschichtlicher Namensgebrauch der Losensteiner Herrschaft seit
Aufzeichnung ihrer Stammtafeln im 12. Jh. bis ins 14. Jh.: Ortolf,
Gundekar, Dietmar, Siegfried, Dietrich, Perchthold, Rudolf, Ulrich,
Hartneid, Dietleib.
Anschließend
erfolgt der Abbruch dieser Namenstradition.
Wichtige Ortsnamenshinweise:
Ursprüngliche
Flussnamen der Enns: röm. Anisus,
von kelt.: Anisa, aus kelt. ana, ano für Sumpf, Au
Hierzu
wieder interessant die germ. Assoziation: ansja für Loch, mit folgender Assoziationsmöglichkeit:
ausgehend
von röm.: Aniso ripa (am
Rand/Ufer des Anisus) -> zu germ. ansja
ripo Loch des (Rhein-)Ufers (ahd. loh
de rino). Der alte Enns-Flussnamen, der germanisch noch wie Loch
klingt, kann also ebenso zum ahd. loh
und mhd. loch geführt haben. Die
Verlegung an dem bekannteren Rheinufer ist hinsichtlich des Burgunderbezugs
oder eines späteren Frankenbezugs naheliegend.
Der
Enns-Namen um 900: Enisi
Zum
Ortsnamen „Losenstein“ werden folgende Ableitungsmöglichkeiten angeführt
(S.53-54):
- „loser Stein“: ein von anderen
losgelöster Felsbrocken
- „losen am Stein“: horchen,
wahrsagen am Stein
- mhd. lōs für lose, frei, ledig, locker
- slw. laz für Wald, mhd. lō
für Wald, Gebüsch. Führt zur Bedeutung: „Stein im Wald“. Soll noch in
der alten Mundartform für Losenstein enthalten sein: lohschdoa (Lochstein).
Letzterer
Punkt wird favorisiert. Dies würde meine wichtigste Deutungsrichtung für
„Loch“ in Punkt 3 und 4 bestätigen, auch wenn ich dabei vom ahd. lāh-
oder loh ausgehe. Hätte ich jedoch darauf gleich auf
Losenstein-Lochstein geschlossen, hätte man mir wildes Spekulieren
vorwerfen können, um hier nur auf das für den Nibelungenbezug brauchbare
Loch- zu kommen. Nun wird mir dieser Schluss auch noch von anderer
sprachwissenschaftlicher und diesbezüglich unabhängiger Seite abgenommen.
Zur
Gesamtbildung des Namens Losenstein dürften jedoch alle vier Punkte und
noch einige meiner Erwägungen in Punkt 4 oben beigetragen haben.
Insbesondere die sagenhafte Überlieferung „Los am Stein“, welche hier zu
kurz kommt und für die damals mächtigsten Herren dieser Gegend und darüber
hinaus eine besondere Bedeutung haben musste. Sonst hätten sich diese
Steyrer Otakare auch nicht nach einem aus heutiger Sicht eher unscheinbaren
Ort und Ortsnamen (um)benannt. Diese sicherlich ursprünglich vorchristliche
Bedeutung muss daher im frühen Mittelalter noch weithin als ein
Herrschaftsbegriff bekannt gewesen sein. Demnach könnte hier früher der
Losenstein mit Machtsprechung verbunden gewesen sein, also ein Ort, indem
gerichtliche und politische Versammlungen und Entscheidungen der weiteren
Umgebung getroffen wurden.
Kajetan
Franz von Leitner nennt Losenstein in seiner „Vaterländischen Reise“ 1793
„Lo-Stein“ (S.171)
Erste
urkundliche Erwähnung von Losenstein um 1192 durch „Ortolf de Losinstein“
als Zeuge einer Schenkungsurkunde des Klosters Garsten (S.55).
Bedeutende, alte Losensteiner
Flurnamen:
Stiedelsbach:
1270 Sturelsbach, 1569 Stiedlpach, Stierlpach
Konrad Schiffman: von Personennamen Stuolrich, Sturilo
Ergänzung: germ. stura,
sturi, stira für steif, stark
dazu
germ. steura für Stier; steuria für steif, stark; steuro, stodo für Pfahl (Bezug zum „Pfennigstein“ einem Phallusfelsen).
Es hat den Anschein, dass hier ein Zentrum des ursprünglichen Styra- oder Stira-Namens vorliegt, das später auf Styraburg oder Stirapurc
übertragen wurde.
Neben
den „Pfennigstein“ befindet sich
auch die „Hackermauer“ (germ. hak- für hervorspringen, krumm sein;
haken für Haken; hakjan für stechen, - was an Hagen erinnert),
ein hervorspringender Felsen (siehe Fotos Abb. 5.2 unten) der über der Enns
wacht.
Hintstein:
1270 Huntstain, 1530 Hundtstein. Interessant ist, dass
dieser Bereich um 1250 auch Laussastein
(germ. lausa für los, frei)
benannt wird.
Wolftal:
1599 Wolffthall
Freyberg-Riegelbach:
um 1250 gegenüber des Laussastein-Bereiches, was laussa als Entsprechung für frei bestätigen könnte. Dort
gelegen das Schloß Hammerriß und
das Hammerschlössel (germ. hamma für Einhegung, Hag)
Hochgerichtsberg:
um 1250 im südwestlichen Bereich des Schiefersteins gelegen, um den
Habichler-Hof. Dort könnte früher auch ein Burgos (antike Wachstation)
gestanden haben.
Klausberg:
um 1250 gegenüber dem Dürnberg (dazu: kelt. duron für Burg, germ. dura
für Tor), was hier einen alten Klausen- u. Burgbereich bestätigt.
Arzberg
(im angrenzenden Reichraming): für Erzberg, um 1250 Aerzenperge; Erz: germ. aizjan, ahd. aruz.
Ein
weiteres bekanntes Loch an der Westgrenze Losensteins ist das „Nixloch“ –
u.a. ein nachgewiesenermaßen 18.000 Jahre alter Steinzeitplatz (vermutlich
von germ. nikwes, nikwis(i), niwus
für Nix, Wassergeist).
Abschließendes
zum „Pfennigstein“ oder „Venusstein“ (Mutterstein, Lochstein):
Die
Erkundung vor Ort zeigte, dass der „Pfennigstein“ eindeutig den männlichen
Phallus symbolisiert und daher nicht direkt auf den Begriff „Venusstein“
anzuwenden ist, sondern eher auf den dionysischen Fenchelstab (germ. fenik für Fenchel -> Pfennig,
s.o.). Möglich ist auch ein indirekter Hinweis auf die zahlreichen
„Venussteine“ im Umfeld: Diese Mutter- oder Lochsteine kommen hier an den
Felswänden auffällig häufig zum Vorschein, was hier insgesamt wiederum für
ein sehr altes Kultzentrum spricht (siehe Erklärung und Fotos Abb. 5
unten).
Benutzte Quellen für germanische
und althochdeutsche Übersetzungen:
Köbler, Gerhard
Germanisches Wörterbuch, 2.
A. 1982
Althochdeutsches Wörterbuch,
3. A. 1993
4.b. Fotos
Abb. 5:
1. Links der phallusartige
„Pfennigstein“, in der Mitte dahinter schaut aus der Kerbe der
Schieferstein hervor.
2. Die „Hackermauer“: eine
hohe, scharfblickende Felsgestalt. Daher nenne ich sie auch die „Wach an
der Enns“.
3.-5. Eine Auswahl an
Mutter- oder Lochsteinen an Felswänden, gekennzeichnet durch eine über dem
Erdboden zumeist dreieckartig geöffnete Wölbung, aus der eine ovale oder
rundliche Felsmasse hervorschaut, die ich nachfolgend als „Geburt“
bezeichne:
3.
Die ovale „Geburt“ steht hier etwas rechts in der Öffnung.
4.
Die kreisrunde „Geburt“ liegt hier in der Mitte der Öffnung.
5.
Die liegende, ovale „Geburt“ wurde hier herausgeschlagen.

Abb. 6: Abschließend eine
Übersicht des potentiellen Fundbereichs zur ursprünglichen Bedeutung von „ze
Lôche in den Rîn“: im Loche (der Schenkelöffnung des
Schiefersteins) der Rinne (zwischen
Pfennigstein und altem Hochgericht), die in die Enns fließt:

4.c. Die
Berücksichtigung interdisziplinärer Methoden
Die grundlegenden Ortungsergebnisse
wurden auch durch interdisziplinäre Methoden (hier: PSI-Fernortung)
erzielt. Diese gelten allgemein für: ungenau und zufällig. Diese Situation
lässt sich jedoch durch langjährige Erfahrungen und mit mehrfach
wiederholten, zielgerichteten Versuchsanordnungen verbessern.
http://de.wikipedia.org/wiki/Parapsychologie
http://de.wikipedia.org/wiki/Remote_Viewing
Home:

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