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Neue Ortungs- u.
Rekonstruktionsergebnisse zur bedeutendsten Schlacht der Spätantike
Historischer Hintergrund und Bedeutung der Völkerschlacht:
Der Hunnenkönig Attila
sah sich im Frühjahr 451 aufgrund mehrerer politischer Brüskierungen zu
einer ungewöhnlichen Großoffensive gegen das weströmische Reich
herausgefordert, die in April mit der Rhein-Überschreitung begann. Bis es
dem römischen Oberbefehlshaber Flavius
Aetius gelang, eine dazu ausreichend starke
Gegenwehr verschiedener Völkerschaften vorwiegend aus
„Westgermanen“ zu mobilisieren, hinterließen die
hunnisch-germanischen Heerschlangen eine Reihe verwüsteter Städte –
darunter Straßburg, Worms, Mainz, Köln, Trier, Metz, Reims .... u. machten
dabei große Beute. Im Sommer während der hunnischen Belagerung von Orléans
näherte sich schließlich auch jenes weströmisch-germanische Großheer. Attila
brach daraufhin die Belagerung ab und zog sich wieder gen Osten zurück. In
dieser ersten Rückzugsphase kamen die beiden Lager zu einer offenen
Entscheidungsschlacht zusammen, die in der Geschichtsschreibung als die
Schlacht auf den „Katalaunischen Feldern“ einging. Über ein
Dutzend verschiedener Völker, etwa 100.000 Krieger trafen aufeinander
(hist. Mittelwert), Tausende fanden darin den Tod, wobei die Hauptquelle Jordanes
deutlich höhere Zahlenangaben machte.
Da die Schlacht einen ersten, kollektiven Höhepunkt in den
nachfolgenden, langwierigen Ost-West-Konflikten (sogar bis heute)*
darstellte, bildete sie dazu ein prägendes Muster, um die sich ein entsprechender Mythenkreis
entwickelte, aus dem auch die Nibelungensage hervorgegangen ist. Vielleicht
lag hierin sogar dessen hist. Hauptauslösepunkt (Nibelungenkonflikt=Hunnenkonflikt),
während der Burgunderuntergang am Rhein nur zur dazugehörigen Vorgeschichte
zu zählen wäre, der im mhd. Nibelungenlied bloß
aufgrund regional-deutscher Interessen stärker einbezogen wurde und das
Hunnenmotiv als sekundärer Anteil zurücktritt. Dennoch lassen sich darin
bei genauerer Analyse die Hauptmotive dieser hunnischen Großoffensive
erkennen, während jene des linksrheinischen Burgunderuntergangs nicht so
gewichtig gewesen sein dürften und bis heute unklar blieben. Die
Hauptmotive des großen Hunnenzugs finden sich im Nibelungenlied
folgendermaßen aufgelöst wieder:
·
Ausbleiben von Tributzahlungen (Attilas
Schatzforderungen bleiben am Ende des Nibelungenlieds unerfüllt);
·
im fränkischen Erbfolgestreit zweier Prinzen erhält
der jüngere Günstling Westroms – vermutlich Childerich
I. – gegen jenen Attilas den Vorrang (Siegfried tötet zwei um den
väterlichen Königsschatz streitende Prinzen und übernimmt deren
„Nibelungenschatz“ – in Wirklichkeit wurde nur Attilas
Günstling beseitigt, was ihn folglich zu einem großen Rache- und
Beutefeldzug Richtung damaligen Westfrankenreiches bewogen hatte);
·
des Kaisers Schwester Grata-Honoria
rächendes „Heiratsangebot“ mit Ringübergabe an Attila wird vom
Kaiser Valentinian III. abgelehnt (rachebelastete Kriemhild-Attila-Heirat);
·
ebenso dessen erhöhte Regressansprüche (Attilas-Kriemhilds Schatzforderung, um den sie betrogen
wurden).
http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_auf_den_Katalaunischen_Feldern
*Dementsprechend feierte der Nibelungenmythos nicht von
ungefähr am Vorabend beider Weltkriege wiederholt sein Auferstehungsfest.
Dann tat sich eine doppelte Front auf: Den westlichen Alliierten waren die
Deutschen/Österreicher „hunnisch“, den Deutschen/Österreichern
hingegen ihre östlichen Nachbarn (Bolschewiki). Der Westen bildete mit dem
äußersten Osten gegen das erstarkende „Nibelungen“-Zentrum
ein weiteres Wehrbündnis. Die Italiener übernahmen dabei – wie früher
die geschwächten Römer – die bekannte Wechseltaktik. Nach dem II.WK,
wo das ursprünglich historische Konfliktzentrum (germanisch-rätischer
Rhein-Donau-Limes) wieder befriedet wurde, baute sich weiter im Osten ein
eindeutigerer Ost-West-Konflikt mit dem Eisernen-Vorhang als Grenzlinie auf.
Nach Auflösung dieses west-östlichen Vorhangs, hat sich dieser – Dank
europäischer Friedens- u. Einigungspolitik – in den letzten
Jahrzehnten noch weiter in den Nahen u. Mittleren Osten verschoben, diesmal
mit den islamischen Fundamentalisten (Taliban, Hamas,
...) als „Hunnen“, welche wieder mit speziellen
Überraschungsangriffen gegen den Westen unterwegs sind, hauptsächlich von
der extremen US-Expansionspolitik herausgefordert, die seit ihren
Atombombenangriffen gegen Fernost, den Korea- und Vietnamkrieg ... die
Rolle der modernen Römer spielen, während sie noch im II.WK. bis zum Fall
Hitlers, die Rolle der modernen Westgoten übernommen hatten.
Zwischenzeitlich sieht sich auch die USA gleich den spätantiken Römern
geschwächt. Dabei macht den gegenwärtigen, postmodernen US-Römern neben dem
islamistischen Ost-West-Konflikt nun auch das
erstarkende China zunehmend zu schaffen, welche ihre „hunnischen
Tribute“ über schlauere, wirtschaftliche Kanäle einfordern...
Lernt man aus (den Fehlern in) der Geschichte, gelingt es
solche Konflikte letztlich aber doch noch vor größeren Katastrophen
(„Katalaunischen (Schlacht-)Feldern“)
aufzulösen.
Die Überlieferungssituation:
Die dokumentarische Urquelle sowohl der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern, als auch zum Nibelungenlied
dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Priskos von Panion zurückzuführen sein, die
leider nur mehr fragmentarisch erhalten ist. Trotzdem lassen sich aus den
Resten auch noch die Hauptmotive des Nibelungenlieds herauslesen. Die
hierzu betreffende Schlachtschilderung fehlt, könnte jedoch in Cassiodors
ebenso verlorengegangener Gotengeschichte Eingang gefunden haben, die dann
aber Jordanes
in seiner Gotengeschichte (Getica) hinüberrettete, welche glücklicherweise
vollständig erhalten ist. Zudem konnte Jordanes
auch noch auf Augenzeugenberichte zurückgreifen, da er früher Notar des Gunthigis
war, dessen Vater Andagis
nicht nur Teilnehmer der Schlacht, sondern angeblich auch Todesschütze des
Westgotenkönigs Theoderich gewesen sein soll. Jordanes
idealisierende Art der Goten-Darstellung kann die landschaftliche
Beschreibung des Schlachtortes nur geringfügig beeinträchtigt haben. Von
daher ist diese für die nähere Bestimmung des Schlachtortes am
nützlichsten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Priskos
http://de.wikipedia.org/wiki/Jordanes
Die bisherigen Haupt-Lokalisierungen für die Schlacht:
Im weiten Umfeld von Châlons-en-Champagne (röm. Catalauni)
oder ca. 15 km nördlich davon; um Troyes (röm. Augustobona Tricassium)
- westlich davon, oder eine Ebene zwischen den beiden Orten...
Aus Historiker-Sicht ist jedoch eine genauere Lokalisierung
nicht mehr möglich. Spuren einer großen, antiken Schlacht konnten hier
bislang nicht ausfindig gemacht werden.
Neue Ortungsanalyse anhand der überlieferten Hinweise:
Großräumig
Östlich von Orléans (röm. Cenabum, spätröm. Aurelianum), vermutlich einen vollen Tagesfluchtweg
entfernt (was in einer ca. 24h-Flucht an Strecke zu schaffen ist), da beim
hunnischen Rückzug die Nachhut (aus Gepiden) mit
der weströmischen Vorhut (aus Westfranken) sich noch nächtliche Kämpfe
lieferten, worauf die folgende Schlachtaufstellung dann am späten Vormittag
begann und frühnachmittags die Schlachteröffnung.
Das hunnische Feldlager dürfte schon aus strategisch-logistischen
Überlegungen nicht allzu weit von der zuvor belagerten Stadt Orléans positioniert worden sein.
Der Ort und die Art des Zusammentreffens in entsprechend
offener Feldschacht scheint zwischen den beiden Seiten (Aetius und Attila, die seit Jugendjahren
Freunde waren) abgemacht bzw. bekannt gemacht worden zu sein, da in der
Schilderung weder Ort noch Zeitpunkt auf einen Überraschungseffekt
schließen lassen. Die überlieferte Doppelbezeichnung des Schlachtortes
könnte sogar auf ein dafür bekanntes
Schlachtfeld (Marsfeld) hinweisen.
Die
Ortsnamensbezeichnung: ... in campos Catalaunicos, qui et Mauriaci nominatur, ... (... im Katalaunischen
Feld, hier/dort Mauriaci genannt ... ) Jordanes, Getica XXXVII, 197
Das „Katalaunische Feld“ könnte ein weithin geläufiger
Überbegriff gewesen sein, wie heute für die Champagne (von altfranz. Feld), dessen Hauptort Châlons-en-Champagne
(röm. Catalauni) ist, - Mauriaci hingegen eine nähere
Ortsbezeichnung in diesem Bereich oder in dessen Umfeld. Daher müsste der
letzteren Bezeichnung ein höheres Augenmerk für die definitive
Lokalisierung des Schlachtfeldes geschenkt werden.
Im Übrigen ist die Nennung gleich zweier Ortsnamen für
denselben Ort ungewöhnlich:
Einerseits spräche dies bei ungenauer Ortskenntnis des
Verfassers für den Ausdruck einer entsprechend geografischen Unsicherheit.
Anderseits könnte die Doppelbezeichnung aber auch auf einen besonderen Ort
hinweisen. Das eine, schließt das andere nicht aus. Im letzteren Fall
könnte dies auf besondere Schlachtortschaften und/oder Schlachtvergleiche
zurückgeführt werden, wie das nachfolgend noch aufzuzeigen sein wird. Priskos wäre
jedenfalls für derartige Ausführlichkeiten bekannt. In der übriggebliebenen
Fassung des Jordanes,
die er angeblich nach dreitägiger Einsicht in die des Cassiodors aus dem Gedächtnis
niederschrieb, dürfte die detailliertere Version nur mehr vereinfacht
übertragen worden sein.
Tatsächlich existierten für diesen Raum
noch zwei bekannte Schlachtparallelen:
-
im Nordosten eine ähnlich verlustreiche wie auch
unentschiedene Schlacht bei Catalauni 366 n.Chr. zwischen Römer und Alamannen.
-
südwestlich bei der Schlacht am Armançon gelang es 52
v.Chr. der germanischen Reiterei Caesars
jener des Vercingetorix
in die Flucht zu schlagen. Die Entscheidung fiel anschließend bei der
Belagerung von Alesia.
Eine ähnliche Rolle/Funktion übernahm 451 die westgotische Reiterei für Aetius gegen die Hunnen. Aetius
beendete jedoch den Feldzug nicht mehr mit einer erfolgreichen Belagerung
des Hunnenlagers.
http://de.wikipedia.org/wiki/366
http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_am_Armançon
Der Überlieferungsschwerpunkt auf die „Katalaunischen
Felder“ könnte zudem durch die dazu passende Assoziation mit den
negativ besetzten Kata-Begriffen
wie Katalyse (Auflösung), Katastrophe (Umkehr, Wendung, Zusammenbruch),
Katapult (schwere Geschossmaschine d. Antike) verstärkt worden sein.
Entscheidender Feldeinsatz von Katapulten?
Bedeutungshinweise
zur Bezeichnung campos Mauriaci,
Mauriacus:
griech. mauro(s) für dunkel, verdunkeln, *schwarz
lat. mauri Mauretanier. Das
römische Heer verfügte auch über mauretanische (nordafrikanische) Reitereinheiten
Der Märtyrer Mauritius
wird Jahre vor der Schlacht von Bischof Eucherius aus dem nahen Lyon, als Heiliger eingeführt. Mauritius
war Legionär. Er und seine Einheit wurden um 303 Opfer der Christenverfolgung.
Er gilt u.a. als Schutzheiliger des Heeres, des Schlachtfeldes, der Messer-
u. Waffenschmiede, Färber, Pferde, ... und von Burgund. Vermutlich soll er
im frühen Christentum den Mars-Gott
ersetzen. Demnach könnte campos Mauriaci auf ein altes Marsfeld (Schlachtfeld) hinweisen. Die burgundische Stadt Auxerre ist
einer der frühen Reliquienorte des Mauritius.
Mars, ältere Form: mavors, mavortius
steht für den röm. Kriegsgott, für Krieg,
Kriegsglück, Schlacht, Mut
Südlich der unten für den Schlachtbereich
angezeigten Ebene erhebt sich das Morvan-Gebirge (= Schwarzes Gebirge). Es wäre daher
naheliegend, wenn deren nördliche Ebene ebenso als Schwarze Ebene
bezeichnet worden wäre.
http://de.wikipedia.org/wiki/Mauritius_(Heiliger)
http://de.wikipedia.org/wiki/Saint-Germain_d’Auxerre
http://de.wikipedia.org/wiki/Morvan
Detaillierte Feldbeschreibung in
Nord-Süd-Richtung
·
Das Schlachtfeld begrenzt im Norden – vermutlich
in Ost-West-Richtung – einen größeren Fluss.
Bislang wird er zumeist mit der Marne oder der Seine identifiziert, – hier unten mit dem Armançon (lat. arma für Heer, Kriegsmacht, Waffen; germ.
Hermann, Herimann, Arimann, franz.
Armand für Krieger, Kriegsherr,
Kämpfer).
·
Südlich davon erhebt sich ein Hügel oder kleinerer
Berg wahrscheinlich ebenso entlang der Angriffslinie West-Ost-gerichtet.
Die Anhöhe müsste zwei Gipfelbereiche aufweisen, den östlichen wollte
Attila noch für sich einnehmen, was ihm aber misslang.
·
Am südlichen Fuß der Anhöhe fließt ein Bach (Hinweis
unten: Serein)
mit teils sumpfigen Arealen vorüber, bei dem sich infolge der Schlacht eine
beträchtliche Menge Blut sammelt und sich somit dunkelrot färbt.
·
Es folgt eine freie Ebene, die südlich von
vereinzelten Waldflächen begrenzt wird.
·
Attilas Feldlager muss im unmittelbar östlichen
Bereich des Schlachtfeldes aufgestellt gewesen sein, wobei ihm hier eine
relativ gute, natürliche Verteidigungsposition entgegengekommen sein
dürfte, da nach der Schlacht eine (kurze) Belagerung aber kein
Angriffsversuch mehr seitens Aetius unternommen
wurde, was auf eine Eroberung unter hohen eigenen Verlusten hinweisen
würde, die er sich in dieser Situation nicht mehr leisten konnte/wollte.
Das dazu
passendste Landschafts- und Ortsmuster befindet
sich wie unten angezeigt ca. 13 km nordöstlich von Auxerre
bei Pontigny in Burgund nahe der Grenze zur Champagne, und damit knapp außerhalb des bislang dazu
vermuteten Großraumes (Châlon - Troyes).
Zur besseren Vorstellung und etwaigen Vergleichsversuchen
mit anderen Landschaftsbildern ist das in diesem Zusammenhang gebrachte
Schlachtverlaufsmuster darin schematisch rekonstruiert. Dabei wurde hier
die in der überlieferten Truppenaufstellung angedeutete Taktik eines
möglichen Zangenangriffs stärker ausgearbeitet, entgegen der vereinfachten
Darstellung eines großen Frontalangriffs. Das zentrale Schlachtfeld würde
hier einen kreisförmigen Bereich von ca. 5 km Durchmesser ausmachen,
– die gesamte Operationszone ein Feld von etwa 13x13km.

Die wichtigsten
Stellungen und Truppenteile:
1 - Römer unter Aetius (Infanterie, Artillerie*) erreichen u.
verteidigen die Anhöhe mit den zwei Gipfelbereichen
2 - Westgoten unter Thorismund
(Kavallerie) umgeht die Anhöhe für einen nördlichen Zangenangriff
3 - Gepiden unter Ardarich
(Kavallerie) und
4 - Hunnen unter Attila
(Kavallerie) wollen noch den rechten Gipfel der Anhöhe (Mont César) für sich erobern.
5 - Westfranken, Westburgunder,
Kelten, Sachsen, ... (Infanterie, nördliche Flanke)
6 - Ostfranken,
Ostburgunder, Heruler, Langobarden,
... (Infanterie, teilweise beritten nördliche Flanke)
7 - Alanen unter Sangiban (Kavallerie, schwaches Zentrum)
8 - Hunnen unter Attila
(Kavallerie, starkes Zentrum)
9 - Westgoten unter
Theoderich I. (Kavallerie, starke südliche Flanke mit Zangenbildung)
10 - Ostgoten unter Walamir (Infanterie u. Kavallerie, südliche Flanke)
11 - Attilas Feldlager
*Attilas verlustreiche Erstürmungsversuche gegen diese
Anhöhen könnte militärisch mit römischen Artilleriestellungen
(Wurfmaschinen) erklärt werden, da es ansonsten klüger gewesen wäre, sich
ihrer taktischen Vorteile einfach zu entziehen. In diesem Sinne hätte die
weströmische Allianz ihre Truppen auch näher zur Anhöhe in Stellung bringen
können, - davon hier wegen besserer Sichtbarkeit des Flusslaufes Abstand
genommen wurde. Unter diesen Umständen hätten Attilas Truppen sich besser
auf die südliche Westgoten-Flanke konzentrieren müssen, um die gegnerischen
Linien dann gegen den Fluss Serein zu drängen.
Diese hätten dann noch die Möglichkeit gehabt, sich unter römischer
Rückendeckung über den Fluss zu den taktisch günstigeren Anhöhen
zurückzuziehen. Die Folge wären dann geringere Verluste und eine Pattsituation
gewesen.
Gegen Ende des Tages muss sich jedoch die hunnische Seite
verlustreich geschlagen ins Feldlager zurückziehen, wo sie daraufhin
belagert werden. Die Belagerung wird jedoch von Aetius
bereits am zweiten Tag aufgegeben, sodass Attila an eine Falle glauben
muss, und erst nach mehreren Tagen abzieht. Damit hatte Attila trotz
massiver Fehler in der Schlachtführung Riesenglück nicht nur überlebt zu
haben, sondern auch noch samt seiner großen Beute davongekommen zu sein.
Das kann einerseits auf die strategischen Fehlentscheidungen Aetius zurückzuführen sein, der scheinbar ein besserer
Taktiker war, anderseits könnte Attilas Feldlager auch noch eine
hervorragende, natürliche Verteidigungsstellung zu Gute gekommen sein.
Weitere
Besonderheiten zu diesem Bereich und dessen Umfeld nach Bedeutungsgrad
geordnet:
·
Im zentralen Bereich des hier vermuteten
Schlachtfeldes steht am Fluss Serein das einst bedeutsame Zisterzienser-Kloster Pontigny. Die
Gründung der Abtei könnte auf einem älteren Kultort
basieren. Dessen Bereich war früher stärker versumpft, - ebenso münden
unweit kleine Bäche in den Serein.
·
2,5 km nördlich davon erhebt sich die Anhöhe Mont César - dazwischen befinden
sich die Fluren namens la Lame de Champagne (die Klinge der Champagne)
und les Lames (die Klingen). 4 km
östlich des Mont César liegt das Ancien Camp de Varennes (Antike/Alte
(Militär)Lager von Varennes) – Varennes könnte sich von alten
Verteidigungsstrukturen ableiten: germ. warja für
Wehr, Krieger und warjan
für wehren. Flurnamen um dem Lager: les
Bons Hommes (die Güter der Männer), les
Champs Dolents (die
Felder der Leiden/Schmerzen), les Courts Champs (die Gerichts-Felder), Champs des Messes (Felder der Massen), Chape guerre (Kriegs-Bedeckung(?). 2 km nordöstlich des
Lagers verläuft die Römerstraße Via Agrippa.
Einige Km südöstlich davon durchschneidet die Römerstraße den Hügel la Croix de
St. Maurice (das Kreuz des hl. Mauritius), daneben das Feld les Champs
Bataille (die Schlachtfelder). Bei so vielen Feldern, welche an
Kriegsereignisse erinnern, wird folgender Hinweis fällig, wonach sich das
franz. champ
zwar von lat. campus für Feld ableitet, für
germanische Überlieferer (wie Jordanes) dürfte in
solchen Zusammenhängen jedoch vorrangig das germ.
kampa
für Kampf assoziiert worden sein.
·
Im Bereich des eingezeichneten
„Attila-Feldlagers“ liegt die Flur mit der eigenartigen
Bezeichnung Bois des Champs
Mercier (Wald der Felder Mercier). Wald der Felder ... oder nun
doch eher Wald der Kämpfe ...? Jedenfalls scheint mit Wald der Felder eine
überflüssige Doppelbezeichnung vorzuliegen, was hier tatsächlich auf die
potentielle germ. Beziehung von kampis zu champs für Kämpfe hinweisen
könnte. Zudem erinnert der Name Mercier
an den überlieferten Namenszusatz Maurici zu den Katalaunischen
Feldern. Mercier leitet sich
höchstwahrscheinlich ab von: Merkur, Mercurius, Mercorius. Mars-Merkur standen bei den Galliern/Kelten für ihren Stammes- und
Kriegsgott Teutates
(http://de.wikipedia.org/wiki/Teutates). Der hl. Mauritius dürfte bereits zur Zeit
der Schlacht die dazu christliche Ersatzfigur dargestellt haben (s.w.o.).
·
Nördlich über den Fluss Armançon lag die Römerstation
Eburobriga
(heute: Avrolles,
Mont Avrollot,
Camp de Barcena) an der die Via Agrippa von Lyon kommend zum Ärmelkanal führte und hier eine
Straßenkreuzung bildete. Der Bereich ist seit dem Neolithikum
besiedelt. Daran östlich anschließend liegt die Kleinstadt Saint-Florentin (hist.: Templum florae, Castrum florentinum), die
auch in späteren Zeiten immer wieder Schauplatz von Schlachten war –
etwa jener der beiden merowingischen Heere von Königin Brunichildis und Fredegunde
(587), die als Vorbild für den Brunhild-Kriemhild-Konflikt
in der Nibelungensage dienten. Königin Brunchildis
hatte hier ihre Sommerresidenz.
·
Umfeld mit weiteren Beziehungen zum Nibelungenlied und der Gralslegende: 50 km südlich des
vermuteten Schlachtfeldes liegt im Morvan-Gebirge westlich von Avallon der bekannte Magdalena-Wallfahrtsort Vézelay, wo im Jahre 1190 Richard Löwenherz mit König Philipp II. zum III. Kreuzzug über Marseille
(Wasserweg) aufbrach, – Kaiser
Barbarossa startete bereits das Jahr zuvor von Regensburg aus über Wien
(Landweg). Dieser Kreuzzug spielte im Nibelungenlied eine besondere Rolle.
Anschließend wurde Richard Löwenherz bei seiner Heimkehr über Wien aufgrund
mehrfacher Beleidigungen gefangengesetzt, und kam erst über eine hohe
Lösegeldsumme wieder frei. Bischof Wolfger
v. Passau, Mäzen des Nibelungenlieds, vermittelte in diesem heiklen Fall.
·
Das Gebiet gehört zum bekannten Weinbaugebiet Chablis.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Pontigny
http://de.wikipedia.org/wiki/Brunichildis
http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Löwenherz
Die vermutete Schlachtfeldposition
innerhalb einer direkten, hunnischen Fluchtwegsituation aus Sicht der
Tabula Peutingeriana (nach einer
Straßenkartographie aus der 2. Hälfte des 4.Jh. – etwa ein
Jahrhundert vor der Schlacht):
1 - Cenabum – Orléans
2
- Autessiodorum – Auxerre
3 >< Eburobriga – Avrolles-Saint-Florentin
4
- Augustobona Tricassium
– Troyes
5
- Catalauni – Châlons-en-Champagne

Der Ausgang und die Folgen der Schlacht:
Die westgotische Armee war trotz (oder gerade wegen) des Verlustes
ihres Königs Theoderich I. derart schlachtentscheidend, weshalb Aetius die weströmische Vorherrschaft gegenüber dieses
stärkeren Bündnispartners bedroht sah, und ihn bald nach Hause schickte,
anstatt ihn gebührend zu belohnen und seine Freundschaft zu festigen. So
musste Thorismund, der hier alles gegeben hatte, ungeziemt und damit
innenpolitisch geschwächt abziehen. Attila und seine unterlegene hunnische
Meute durfte hingegen nach kurzer Belagerung ihres Lagers ohne
Schlachtentscheidung und samt reicher Beute belohnt abziehen. Der
taktierende Aetius hätte wenigstens um
Beuteabgabe gegen freien Abzug verhandeln können. Doch Aetius
Furcht um das gegenseitige Gleichgewicht unter den Kontrahenten
potentieller und künftiger Rom-Eroberer ließ ihn anscheinend jegliche
Verhandlungsstärke vergessen. Dies erwies sich als entscheidender Fehler,
denn bereits im nächsten Jahr erfrechte sich Attila neu gestärkt eines
weiteren Großangriffs diesmal gegen das hilflose Imperium selbst, wo seine
Armee mehrere oberitalienische Städte verheerte und wieder mit reicher
Beute abziehen durfte. Damit nicht genug: Durch Attilas plötzlichen Tod
während eines seiner Hochzeitsfeierlichkeiten im Jahre 453 ernteten
schließlich auch die römischen Taktierer im Hunnenkonflikt ihre gegenseitige
Selbstzerfleischung, und der Weg zur endgültigen Rom-Eroberung durch die
hunnisch-verbündeten Germanenstämme (Vandalen, Ostgoten, Langobarden-Gepiden) war geebnet. Theoderich d. Große
versuchte später vergebens die beiden Lager zu versöhnen, - zu tief
schienen da jedoch noch die Ressentiments gelegen zu sein. Und Karl d.
Große erkämpfte fürs „westliche Lager“ schon wieder mit
brutaler Gewalt die Oberhand, was die Lagerkonflikte weiter schürte. Im
Nibelungenlied wird die komplexe Konfliktsituation der beiden Lager nebulös
verschlüsselt in und für die Kreuzfahrerzeit wiedergegeben. Zur besseren
psychotherapeutischen Verarbeitung dieser internen Lagerkonflikte
projizierte die geistige Elite dieser Zeit eine entsprechend ideologischere
Front weiter in den Osten, wo beide Lager (inzwischen auch Staufer und Welfen genannt) nun gemeinsam in Kreuzzügen
sich anscheinend hehreren Zielen ereifern konnten, um von den Fronten zu
Hause abzulenken. Nicht immer gelang dies, wie beispielsweise der oben
erwähnte Fall Richard Löwenherz zeigte...
Die definitiven Nachweismöglichkeiten des Schlachtfeldes:
Neben den hier angestellten Musteruntersuchungen zum
gesuchten Schlachtfeld bieten sich noch folgende eindeutigere Indizien:
·
Entdeckung des Grabes von Westgotenkönig Theoderich
I., falls es hier noch existiert.
·
Entdeckung von Massengräbern mit Kriegern jener
Epoche, insbesondere hunnischer Herkunft.
·
Streufunde hunnischer Herkunft im eher abgelegenen
Bereich des hierzu eingezeichneten Hunnenlagers.
·
Generell überdurchschnittlich hohe Dichte von
Streufunden, insbesondere hunnischen Ursprungs, die noch auf jene Schlacht
hinweisen könnten. Dies dürfte jedoch kaum mehr möglich sein, da
Schlachtfelder bei Siedlungsgebieten nach vielen Jahrhunderten weitgehend
bereinigt werden. Der Flussnamen Armançon könnte
zwar hierzu auf eine einst hohe Funddichte an Waffenresten hinweisen, was
jedoch keine nähere Aussage über die Schlachten selbst ermöglicht. Die
eindeutige Unterscheidung ist in diesem Falle jedoch notwendig, da wie oben
bereits erwähnt, in diesem Umfeld mehrere Schlachten geschlagen wurden.
Die Primärquellen:
Jordanes
Iordanis Getica, recensuit Theodorus Mommsen. MGH Auctores
antiquissimi V/1 (Berlin 1882)
Priskos von Panion
Byzantinische Diplomaten und östliche Barbaren: aus den Excerpta de legationibus des Konstantinos Porphyrogennetos
ausgewählte Abschnitte des Priskos und Menander Protektor
übers., eingel. und erklärt von
Ernst Doblhofer. - 1. Aufl.
Graz [u.a.]: Styria-Verlag, 1955.

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