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© 2009 Copyright by Winfried Huf, South-Tyrol, Italy
Neue Ortungs- u.
Rekonstruktionsergebnisse zur bedeutendsten Schlacht der Spätantike
Historischer Hintergrund und Bedeutung der Völkerschlacht:
Der Hunnenkönig Attila
sah sich im Frühjahr 451 aufgrund mehrerer politischer Brüskierungen zu
einer ungewöhnlichen Großoffensive gegen das weströmische Reich
herausgefordert, die in April mit der Rhein-Überschreitung begann. Bis es
dem römischen Oberbefehlshaber Flavius
Aetius gelang, eine dazu ausreichend starke Gegenwehr verschiedener
Völkerschaften vorwiegend aus „Westgermanen“ zu mobilisieren,
hinterließen die hunnisch-germanischen Heerschlangen eine Reihe verwüsteter
Städte – darunter Straßburg, Worms, Mainz, Köln, Trier, Metz, Reims
.... u. machten dabei große Beute. Im Sommer während der hunnischen
Belagerung von Orléans näherte
sich schließlich auch jenes weströmisch-germanische Großheer. Attila brach
daraufhin die Belagerung ab und zog sich wieder gen Osten zurück. In dieser
ersten Rückzugsphase kamen die beiden Lager zu einer offenen
Entscheidungsschlacht zusammen, die in der Geschichtsschreibung als die
Schlacht auf den „Katalaunischen
Feldern“ einging. Über ein Dutzend verschiedener Völker, etwa
100.000 Krieger trafen aufeinander (hist. Mittelwert), Tausende fanden
darin den Tod, wobei die Hauptquelle Jordanes
deutlich höhere Zahlenangaben machte.
Da die Schlacht einen ersten, kollektiven Höhepunkt in den
nachfolgenden, langwierigen Ost-West-Konflikten (sogar bis heute)
darstellte, bildete sie dazu ein prägendes Muster, um die sich ein entsprechender Mythenkreis
entwickelte, aus dem auch die Nibelungensage hervorgegangen ist. Vielleicht
lag hierin sogar dessen hist. Hauptauslösepunkt (Nibelungenkonflikt=Hunnenkonflikt)*, während der
Burgunderuntergang am Rhein nur zur dazugehörigen Vorgeschichte zu zählen
wäre, der im mhd. Nibelungenlied bloß aufgrund damals regional-deutscher
Interessen stärker einbezogen wurde und das Hunnenmotiv als sekundärer
Anteil zurücktritt. Dennoch lassen sich darin bei genauerer Analyse die
Hauptmotive dieser hunnischen Großoffensive erkennen, während jene des
linksrheinischen Burgunderuntergangs nicht so gewichtig gewesen sein dürften
und bis heute unklar blieben. Die Hauptmotive des großen Hunnenzugs finden
sich im Nibelungenlied folgendermaßen aufgelöst wieder:
·
Ausbleiben von Tributzahlungen (Attilas
Schatzforderungen bleiben am Ende des Nibelungenlieds unerfüllt);
·
im fränkischen Erbfolgestreit zweier Prinzen erhält
der jüngere Günstling Westroms – vermutlich Childerich I. –
gegen jenen Attilas den Vorrang (Siegfried tötet zwei um den väterlichen
Königsschatz streitende Prinzen und übernimmt deren „Nibelungenschatz“
– in Wirklichkeit wurde nur Attilas Günstling beseitigt, was ihn
folglich zu einem großen Rache- und Beutefeldzug Richtung damaligen
Westfrankenreiches bewogen hatte);
·
des Kaisers Schwester Grata-Honoria rächendes
„Heiratsangebot“ mit Ringübergabe an Attila wird vom Kaiser
Valentinian III. abgelehnt (rachebelastete Kriemhild-Attila-Heirat);
·
ebenso dessen erhöhten Regressansprüche
(Attilas-Kriemhilds Schatzforderung, um den sie betrogen wurden).
*Exkurs: Dementsprechend feierte der Nibelungenmythos nicht
von ungefähr am Vorabend beider Weltkriege wiederholt sein
Auferstehungsfest. Dann tat sich eine doppelte Front auf: Den westlichen
Alliierten waren die Deutschen „hunnisch“, den Deutschen
hingegen ihre wieder östlichen Nachbarn (Bolschewiki). Der Westen bildete
mit dem äußersten Osten gegen das erstarkende
„Nibelungen“-Zentrum ein weiteres Wehrbündnis. Die Italiener
übernahmen dabei – wie früher die geschwächten Römer – ihre
bekannte Wechseltaktik. Nach dem II.WK, wo das ursprünglich historische
Konfliktzentrum (germanisch-rätischer Rhein-Donau-Limes) wieder befriedet
wurde, baute sich weiter im Osten ein eindeutigerer Ost-West-Konflikt mit
dem Eisernen-Vorhang als moderner Limes auf. Nach Auflösung dieses
west-östlichen Vorhangs, hat sich dieser – Dank europäischer
Friedens- u. Einigungspolitik – in den letzten Jahrzehnten noch
weiter in den Nahen u. Mittleren Osten verschoben, diesmal mit den islamistischen
Fundamentalisten (Taliban, Hamas, ...) als „Hunnen“, welche
wieder mit speziellen Überraschungsangriffen gegen den Westen unterwegs
sind, hauptsächlich von der extremen US-Expansionspolitik herausgefordert,
die seit ihren Atombombenangriffen gegen den „hunnischen“
Fernost, mit weiteren Angriffskriegen in Korea-, Kambodscha, Vietnam, Kuba
... nicht nur zunehmend die Rolle der modernen Römer übernahmen. Denn im
Hintergrund regiert dort jener Yankee-Kapitalismus, der im Wesen nicht nur
römisch-imperialistisch, sondern auch „hunnisch“ getrieben ist,
von modernen Hunnen in Form hinterhältiger Investmentbanker, gieriger Spekulanten
etc., die weltweit Schätze nun mit verfeinerten Methoden eintreiben. Das hunnische
Potential hat sich also aufgespaltet in den ausbeuterischen
Yankee-Kapitalismus und den sich daran auflehnenden, östlichen Terrorismus.
Die meisten mal mehr, mal weniger sichtbaren Schlachten der letzten
Jahrzehnte gehen auf diese beiden Parteien zurück, die im WTC-Fall und dem
Bankenkollaps auch den äußeren Westen erreichten. Wie die antiken Römer und
Hunnen werden aber auch diese Parteien untergehen. Bekanntlich übernahmen
die Germanen dann ein Europa, das sie seit Theoderich d. Großen (Dietrich
v. Bern) vergebens zu einen versuchten. Noch heute ist der Einigungsprozess
im Gange, der aber nun in eine außergewöhnlich friedliche Phase eingetreten
ist, die nur mehr von den Finanz-Yankees im Westen und den islamistischen
Terroristen im Osten gestört und angegriffen wird. Gelingt Europa die Abwehr
auch dieser Angriffe könnte es gestärkt als neues Friedensreich der Mitte und
als Vorbild für künftige Entwicklungen in West und Ost hervorgehen.
Diese Kurzanalyse zeigt von den sich immer wiederholenden
Mustern der Geschichte. Sie und ihre Fehlentwicklungen zu erkennen, heißt aus
der Geschichte für eine bessere Zukunft zu lernen.
Die Überlieferungssituation:
Die dokumentarische Urquelle sowohl der Schlacht auf den
Katalaunischen Feldern, als auch zum Nibelungenlied dürfte mit hoher
Wahrscheinlichkeit auf Priskos von
Panion zurückzuführen sein, die leider nur mehr fragmentarisch erhalten
ist. Trotzdem lassen sich aus den Resten auch noch die Hauptmotive des
Nibelungenlieds herauslesen. Die hierzu betreffende Schlachtschilderung
fehlt, könnte jedoch in Cassiodors
ebenso verlorengegangener Gotengeschichte Eingang gefunden haben, die dann
aber Jordanes in seiner
Gotengeschichte (Getica)
hinüberrettete, welche glücklicherweise vollständig erhalten ist. Zudem
konnte Jordanes auch noch auf Augenzeugenberichte zurückgreifen, da er
früher Notar des Gunthigis war, dessen
Vater Andagis nicht nur
Teilnehmer der Schlacht, sondern angeblich auch Todesschütze des
Westgotenkönigs Theoderich gewesen sein soll. Jordanes idealisierende Art
der Goten-Darstellung kann die landschaftliche Beschreibung des
Schlachtortes nur geringfügig beeinträchtigt haben. Von daher ist diese für
die nähere Bestimmung des Schlachtortes am nützlichsten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Priskos
http://de.wikipedia.org/wiki/Jordanes
http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_auf_den_Katalaunischen_Feldern
Die bisherigen Haupt-Lokalisierungen für die Schlacht:
Im weiten Umfeld von Châlons-en-Champagne
(röm. Catalauni) oder ca. 15 km
nördlich davon; um Troyes (röm. Augustobona Tricassium) - westlich
davon, oder eine Ebene zwischen den beiden Orten...
Aus Historiker-Sicht ist jedoch eine genauere Lokalisierung
nicht mehr möglich. Spuren einer großen, antiken Schlacht konnten hier
bislang nicht ausfindig gemacht werden.
Neue Ortungsanalyse anhand der überlieferten Hinweise:
Großräumig
Östlich von Orléans
(röm. Cenabum, spätröm. Aurelianum), vermutlich einen vollen
Tagesfluchtweg entfernt (was in einer ca. 24h-Flucht an Strecke zu schaffen
ist), da beim hunnischen Rückzug die Nachhut (aus Gepiden) mit der
weströmischen Vorhut (aus Westfranken) sich noch nächtliche Kämpfe
lieferten, worauf die folgende Schlachtaufstellung dann am späten Vormittag
begann und frühnachmittags die Schlachteröffnung. Das hunnische Feldlager
dürfte schon aus strategisch-logistischen Überlegungen nicht allzu weit von
der zuvor belagerten Stadt Orléans positioniert worden sein.
Der Ort und die Art des Zusammentreffens in entsprechend
offener Feldschacht scheint zwischen den beiden Seiten (Aetius und Attila, die seit Jugendjahren Freunde waren) abgemacht bzw.
bekannt gemacht worden zu sein, da in der Schilderung weder Ort noch
Zeitpunkt auf einen Überraschungseffekt schließen lassen. Die überlieferte
Doppelbezeichnung des Schlachtortes könnte sogar auf ein dafür bekanntes Schlachtfeld (Marsfeld)
hinweisen.
Die
Ortsnamensbezeichnung: ... in campos
Catalaunicos, qui et Mauriaci nominatur, ... (... im Katalaunischen
Feld, hier/dort Mauriaci genannt ... ) Jordanes, Getica XXXVII, 197
Das „Katalaunische Feld“
könnte ein weithin geläufiger Überbegriff gewesen sein, wie heute für die Champagne (von altfranz. Feld),
dessen Hauptort Châlons-en-Champagne (röm. Catalauni) ist, - Mauriaci
hingegen eine nähere Ortsbezeichnung in diesem Bereich oder in dessen
Umfeld. Daher müsste der letzteren Bezeichnung ein höheres Augenmerk für
die definitive Lokalisierung des Schlachtfeldes geschenkt werden.
Im Übrigen ist die Nennung gleich zweier Ortsnamen für
denselben Ort ungewöhnlich:
Einerseits spräche dies bei ungenauer Ortskenntnis des
Verfassers für den Ausdruck einer entsprechend geografischen Unsicherheit.
Anderseits könnte die Doppelbezeichnung aber auch auf einen besonderen Ort
hinweisen. Das eine, schließt das andere nicht aus. Im letzteren Fall
könnte dies auf besondere Schlachtortschaften und/oder Schlachtvergleiche
zurückgeführt werden, wie das nachfolgend noch aufzuzeigen sein wird. Priskos wäre jedenfalls für
derartige Ausführlichkeiten bekannt. In der übriggebliebenen Fassung des Jordanes, die er angeblich nach
dreitägiger Einsicht in die des Cassiodors
aus dem Gedächtnis niederschrieb, dürfte die detailliertere Version nur
mehr vereinfacht übertragen worden sein.
Tatsächlich existierten für diesen Raum
noch zwei bekannte Schlachtparallelen:
-
im Nordosten eine ähnlich verlustreiche wie auch
unentschiedene Schlacht bei Catalauni
366 n.Chr. zwischen Römer und Alamannen.
-
südwestlich bei der Schlacht am Armançon gelang es 52 v.Chr. der germanischen
Reiterei Caesars jener des Vercingetorix in die Flucht zu
schlagen. Die Entscheidung fiel anschließend bei der Belagerung von Alesia. Eine ähnliche Rolle/Funktion
übernahm 451 die westgotische Reiterei für Aetius gegen die Hunnen. Aetius
beendete jedoch den Feldzug nicht mehr mit einer erfolgreichen Belagerung
des Hunnenlagers.
http://de.wikipedia.org/wiki/366
http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_am_Armançon
Der Überlieferungsschwerpunkt auf die „Katalaunischen Felder“ könnte
zudem durch die dazu passende Assoziation mit den negativ besetzten Kata-Begriffen wie Katalyse
(Auflösung), Katastrophe (Umkehr, Wendung, Zusammenbruch), Katapult
(schwere Geschossmaschine d. Antike) verstärkt worden sein. Entscheidender
Feldeinsatz von Katapulten?
Bedeutungshinweise
zur Bezeichnung campos Mauriaci, Mauriacus:
griech. mauro(s)
für dunkel, verdunkeln, *schwarz
lat. mauri
Mauretanier. Das römische Heer verfügte auch über mauretanische
(nordafrikanische) Reitereinheiten
Der Märtyrer Mauritius
wird Jahre vor der Schlacht von Bischof Eucherius
aus dem nahen Lyon, als Heiliger
eingeführt. Mauritius war Legionär. Er und seine Einheit wurden um 303
Opfer der Christenverfolgung. Er gilt u.a. als Schutzheiliger des Heeres,
des Schlachtfeldes, der Messer- u. Waffenschmiede, Färber, Pferde, ... und
von Burgund. Vermutlich soll er im frühen Christentum den Mars-Gott ersetzen. Demnach könnte campos Mauriaci auf ein altes Marsfeld (Schlachtfeld) hinweisen.
Die burgundische Stadt Auxerre
ist einer der frühen Reliquienorte des Mauritius.
Mars, ältere Form: mavors, mavortius steht für den röm.
Kriegsgott, für Krieg, Kriegsglück, Schlacht, Mut
Südlich der unten für den Schlachtbereich
angezeigten Ebene erhebt sich das Morvan-Gebirge
(= Schwarzes Gebirge). Es wäre daher naheliegend, wenn deren nördliche
Ebene ebenso als Schwarze Ebene bezeichnet worden wäre.
http://de.wikipedia.org/wiki/Mauritius_(Heiliger)
http://de.wikipedia.org/wiki/Saint-Germain_d’Auxerre
http://de.wikipedia.org/wiki/Morvan
Detaillierte Feldbeschreibung in
Nord-Süd-Richtung
·
Das Schlachtfeld begrenzt im Norden – vermutlich
in Ost-West-Richtung – einen größeren Fluss.
Bislang wird er zumeist mit der Marne oder der Seine identifiziert, – hier unten mit dem Armançon (lat. arma für Heer, Kriegsmacht, Waffen; germ. Hermann, Herimann, Arimann, franz. Armand für Krieger, Kriegsherr, Kämpfer).
·
Südlich davon erhebt sich ein Hügel oder kleinerer
Berg wahrscheinlich ebenso entlang der Angriffslinie West-Ost-gerichtet.
Die Anhöhe müsste zwei Gipfelbereiche aufweisen, den östlichen wollte
Attila noch für sich einnehmen, was ihm aber misslang.
·
Am südlichen Fuß der Anhöhe fließt ein Bach (Hinweis
unten: Serein) mit teils
sumpfigen Arealen vorüber, bei dem sich infolge der Schlacht eine
beträchtliche Menge Blut sammelt und sich somit dunkelrot färbt.
·
Es folgt eine freie Ebene, die südlich von
vereinzelten Waldflächen begrenzt wird.
·
Attilas Feldlager muss im unmittelbar östlichen Bereich
des Schlachtfeldes aufgestellt gewesen sein, wobei ihm hier eine relativ
gute, natürliche Verteidigungsposition entgegengekommen sein dürfte, da
nach der Schlacht eine (kurze) Belagerung aber kein Angriffsversuch mehr
seitens Aetius unternommen wurde, was auf eine Eroberung unter hohen
eigenen Verlusten hinweisen würde, die er sich in dieser Situation nicht
mehr leisten konnte/wollte.
Das dazu
passendste Landschafts- und Ortsmuster befindet sich wie unten angezeigt
ca. 13 km nordöstlich von Auxerre bei Pontigny in Burgund nahe der Grenze
zur Champagne, und damit knapp außerhalb des bislang dazu vermuteten
Großraumes (Châlon - Troyes).
Zur besseren Vorstellung und etwaigen Vergleichsversuchen
mit anderen Landschaftsbildern ist das in diesem Zusammenhang gebrachte
Schlachtverlaufsmuster darin schematisch rekonstruiert. Dabei wurde hier
die in der überlieferten Truppenaufstellung angedeutete Taktik eines
möglichen Zangenangriffs stärker ausgearbeitet, entgegen der vereinfachten
Darstellung eines großen Frontalangriffs. Das zentrale Schlachtfeld würde
hier einen kreisförmigen Bereich von ca. 5 km Durchmesser ausmachen,
– die gesamte Operationszone ein Feld von etwa 13x13km.

Die wichtigsten
Stellungen und Truppenteile:
1 - Römer unter Aetius
(Infanterie, Artillerie*) erreichen u. verteidigen die Anhöhe mit den zwei
Gipfelbereichen
2 - Westgoten unter
Thorismund (Kavallerie) umgeht die Anhöhe für einen nördlichen
Zangenangriff
3 - Gepiden unter
Ardarich (Kavallerie) und
4 - Hunnen unter Attila
(Kavallerie) wollen noch den rechten Gipfel der Anhöhe (Mont César) für sich erobern.
5 - Westfranken,
Westburgunder, Kelten, Sachsen, ... (Infanterie, nördliche Flanke)
6 - Ostfranken,
Ostburgunder, Heruler, Langobarden, ... (Infanterie, teilweise beritten
nördliche Flanke)
7 - Alanen unter
Sangiban (Kavallerie, schwaches Zentrum)
8 - Hunnen unter Attila
(Kavallerie, starkes Zentrum)
9 - Westgoten unter
Theoderich I. (Kavallerie, starke südliche Flanke mit Zangenbildung)
10 - Ostgoten unter
Walamir (Infanterie u. Kavallerie, südliche Flanke)
11 - Attilas Feldlager
*Attilas verlustreiche Erstürmungsversuche gegen diese
Anhöhen könnte militärisch mit römischen Artilleriestellungen
(Wurfmaschinen) erklärt werden, da es ansonsten klüger gewesen wäre, sich
ihrer taktischen Vorteile einfach zu entziehen. In diesem Sinne hätte die
weströmische Allianz ihre Truppen auch näher zur Anhöhe in Stellung bringen
können, - davon hier wegen besserer Sichtbarkeit des Flusslaufes Abstand
genommen wurde. Unter diesen Umständen hätten Attilas Truppen sich besser
auf die südliche Westgoten-Flanke konzentrieren müssen, um die gegnerischen
Linien dann gegen den Fluss Serein zu drängen. Diese hätten dann noch die
Möglichkeit gehabt, sich unter römischer Rückendeckung über den Fluss zu
den taktisch günstigeren Anhöhen zurückzuziehen. Die Folge wären dann
geringere Verluste und eine Pattsituation gewesen.
Gegen Ende des Tages musste sich jedoch die hunnische Seite
verlustreich geschlagen ins Feldlager zurückziehen, wo sie daraufhin
belagert wurden. Die Belagerung wurde von Aetius bereits am zweiten Tag
aufgegeben, sodass Attila an eine Falle hätte glauben können, und so erst
nach mehreren Tagen abzog. Damit hatte Attila trotz massiver Fehler in der
Schlachtführung Riesenglück nicht nur überlebt zu haben, sondern auch noch
samt seiner großen Beute davongekommen zu sein. Diese Umstände lassen aber
eher an ein politisch-strategisch abgekartetes Spiel des römischen
Feldherren mit Attila vermuten, der um die zunehmende, germanische
Kriegsmacht fürchten musste, welche hier wiederholt die maßgebendste
Kampfkraft abgab.
Weitere
Besonderheiten zu diesem Bereich und dessen Umfeld nach Bedeutungsgrad
geordnet:
·
Im zentralen Bereich des hier vermuteten
Schlachtfeldes steht am Fluss Serein
das einst bedeutsame Zisterzienser-Kloster Pontigny. Die Gründung der Abtei könnte auf einem älteren
Kultort basieren. Dessen Bereich war früher stärker versumpft, - ebenso
münden unweit kleine Bäche in den Serein.
·
2,5 km nördlich davon erhebt sich die Anhöhe Mont César - dazwischen befinden
sich die Fluren namens la Lame de
Champagne (die Klinge der Champagne) und les Lames (die Klingen). 4 km östlich des Mont César liegt das Ancien
Camp de Varennes (Antike/Alte (Militär)Lager von Varennes) –
Varennes könnte sich von alten
Verteidigungsstrukturen ableiten: germ. warja
für Wehr, Krieger und warjan für
wehren. Flurnamen um dem Lager: les
Bons Hommes (die Güter der Männer), les
Champs Dolents (die Felder der Leiden/Schmerzen), les Courts
Champs (die Gerichts-Felder), Champs
des Messes (Felder der Massen), Chape guerre (Kriegs-Bedeckung(?). 2 km
nordöstlich des Lagers verläuft die Römerstraße Via Agrippa. Einige Km südöstlich davon durchschneidet die
Römerstraße den Hügel la Croix de St.
Maurice (das Kreuz des hl. Mauritius), daneben das Feld les Champs Bataille (die
Schlachtfelder). Bei so vielen Feldern, welche an Kriegsereignisse
erinnern, wird folgender Hinweis fällig, wonach sich das franz. champ zwar von lat. campus für Feld ableitet, für
germanische Überlieferer (wie Jordanes) dürfte in solchen Zusammenhängen
jedoch vorrangig das germ. kampa
für Kampf assoziiert worden sein.
·
Im Bereich des eingezeichneten
„Attila-Feldlagers“ liegt die Flur mit der eigenartigen
Bezeichnung Bois des Champs Mercier (Wald
der Felder Mercier). Wald der Felder ... oder nun doch eher Wald der Kämpfe
...? Jedenfalls scheint mit Wald der Felder eine überflüssige
Doppelbezeichnung vorzuliegen, was hier tatsächlich auf die potentielle
germ. Beziehung von kampis zu champs für Kämpfe hinweisen könnte.
Zudem erinnert der Name Mercier
an den überlieferten Namenszusatz Maurici
zu den Katalaunischen Feldern. Mercier
leitet sich höchstwahrscheinlich ab von: Merkur, Mercurius, Mercorius. Mars-Merkur standen
bei den Galliern/Kelten für ihren Stammes- und Kriegsgott Teutates
(http://de.wikipedia.org/wiki/Teutates). Der hl. Mauritius dürfte bereits zur Zeit der Schlacht die dazu
christliche Ersatzfigur dargestellt haben (s.w.o.).
·
Nördlich über den Fluss Armançon lag die Römerstation Eburobriga (heute: Avrolles,
Mont Avrollot, Camp de Barcena)
an der die Via Agrippa von Lyon kommend zum Ärmelkanal führte
und hier eine Straßenkreuzung bildete. Der Bereich ist seit dem Neolithikum
besiedelt. Daran östlich anschließend liegt die Kleinstadt Saint-Florentin (hist.: Templum florae, Castrum florentinum),
die auch in späteren Zeiten immer wieder Schauplatz von Schlachten war
– etwa jener der beiden merowingischen Heere von Königin Brunichildis und Fredegunde (587), die als Vorbild
für den Brunhild-Kriemhild-Konflikt
in der Nibelungensage dienten. Königin Brunchildis hatte hier ihre
Sommerresidenz.
·
Umfeld mit weiteren Beziehungen zum Nibelungenlied und der Gralslegende: 50 km südlich des
vermuteten Schlachtfeldes liegt im Morvan-Gebirge
westlich von Avallon der bekannte
Magdalena-Wallfahrtsort Vézelay,
wo im Jahre 1190 Richard Löwenherz
mit König Philipp II. zum III.
Kreuzzug über Marseille (Wasserweg) aufbrach, – Kaiser Barbarossa startete bereits
das Jahr zuvor von Regensburg aus über Wien (Landweg). Dieser Kreuzzug
spielte im Nibelungenlied eine besondere Rolle. Anschließend wurde Richard
Löwenherz bei seiner Heimkehr über Wien aufgrund mehrfacher Beleidigungen
gefangengesetzt, und kam erst über eine hohe Lösegeldsumme wieder frei.
Bischof Wolfger v. Passau, Mäzen
des Nibelungenlieds, vermittelte in diesem heiklen Fall.
·
Das Gebiet gehört zum bekannten Weinbaugebiet Chablis.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Pontigny
http://de.wikipedia.org/wiki/Brunichildis
http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Löwenherz
Die vermutete Schlachtfeldposition
innerhalb einer direkten, hunnischen Fluchtwegsituation aus Sicht der
Tabula Peutingeriana (nach einer Straßenkartographie aus der 2. Hälfte des
4.Jh. – etwa ein Jahrhundert vor der Schlacht):
1 - Cenabum
– Orléans
2
- Autessiodorum – Auxerre
3 >< Eburobriga – Avrolles-Saint-Florentin
4
- Augustobona Tricassium – Troyes
5
- Catalauni – Châlons-en-Champagne

Der Ausgang und die Folgen der Schlacht:
Die westgotische Armee war trotz (oder gerade wegen) des
Verlustes ihres Königs Theoderich I. derart schlachtentscheidend, weshalb
Aetius die weströmische Vorherrschaft gegenüber dieses stärkeren
Bündnispartners bedroht sah, und ihn bald nach Hause schickte, anstatt ihn
gebührend zu belohnen und seine Freundschaft zu festigen. So musste
Thorismund, der hier alles gegeben hatte, ungeziemt und damit
innenpolitisch geschwächt abziehen. Attila und seine unterlegene hunnische
Meute durfte hingegen nach kurzer Belagerung ihres Lagers ohne
Schlachtentscheidung und samt reicher Beute belohnt abziehen. Der
taktierende Aetius hätte wenigstens um Beuteabgabe gegen freien Abzug
verhandeln können. Doch Aetius Furcht um das gegenseitige Gleichgewicht
unter den Kontrahenten potentieller und künftiger Rom-Eroberer ließ ihn
anscheinend jegliche Verhandlungsstärke vergessen. Dies erwies sich als
entscheidender Fehler, denn bereits im nächsten Jahr erfrechte sich Attila
neu gestärkt eines weiteren Großangriffs diesmal gegen das hilflose
Imperium selbst, wo seine Armee mehrere oberitalienische Städte verheerte
und wieder mit reicher Beute abziehen durfte. Damit nicht genug: Durch
Attilas plötzlichen Tod während eines seiner Hochzeitsfeierlichkeiten im
Jahre 453 ernteten schließlich auch die römischen Taktierer im
Hunnenkonflikt ihre gegenseitige Selbstzerfleischung, und der Weg zur
endgültigen Rom-Eroberung durch die hunnisch-verbündeten Germanenstämme
(Vandalen, Ostgoten, Langobarden-Gepiden) war geebnet. Theoderich d. Große
versuchte später vergebens die beiden Lager zu versöhnen, - zu tief schienen
da jedoch noch die Ressentiments gelegen zu sein. Und Karl d. Große
erkämpfte fürs „westliche Lager“ schon wieder mit brutaler
Gewalt die Oberhand, was die Lagerkonflikte weiter schürte. Im
Nibelungenlied wird die komplexe Konfliktsituation der beiden Lager nebulös
verschlüsselt in und für die Kreuzfahrerzeit wiedergegeben. Zur besseren
psychotherapeutischen Verarbeitung dieser internen Lagerkonflikte
projizierte die geistige Elite dieser Zeit eine entsprechend ideologischere
Front weiter in den Osten, wo beide Lager (inzwischen auch Staufer und
Welfen genannt) nun gemeinsam in Kreuzzügen sich anscheinend hehreren
Zielen ereifern konnten, um von den Fronten zu Hause abzulenken. Nicht
immer gelang dies, wie beispielsweise der oben erwähnte Fall Richard Löwenherz
zeigte...
Die definitiven Nachweismöglichkeiten des Schlachtfeldes:
Neben den hier angestellten Musteruntersuchungen zum
gesuchten Schlachtfeld bieten sich noch folgende eindeutigere Indizien:
·
Entdeckung des Grabes von Westgotenkönig Theoderich
I., falls es hier noch existiert.
·
Entdeckung von Massengräbern mit Kriegern jener
Epoche, insbesondere hunnischer Herkunft.
·
Streufunde hunnischer Herkunft im eher abgelegenen
Bereich des hierzu eingezeichneten Hunnenlagers.
·
Generell überdurchschnittlich hohe Dichte von
Streufunden, insbesondere hunnischen Ursprungs, die noch auf jene Schlacht
hinweisen könnten. Dies dürfte jedoch kaum mehr möglich sein, da
Schlachtfelder bei Siedlungsgebieten nach vielen Jahrhunderten weitgehend
bereinigt werden. Der Flussnamen Armançon könnte zwar hierzu auf eine einst
hohe Funddichte an Waffenresten hinweisen, was jedoch keine nähere Aussage
über die Schlachten selbst ermöglicht. Die eindeutige Unterscheidung ist in
diesem Falle jedoch notwendig, da wie oben bereits erwähnt, in diesem
Umfeld mehrere Schlachten geschlagen wurden.
Die Primärquellen:
Jordanes
Iordanis Getica, recensuit Theodorus Mommsen. MGH Auctores
antiquissimi V/1 (Berlin 1882)
Priskos von Panion
Byzantinische Diplomaten und östliche Barbaren: aus den
Excerpta de legationibus des Konstantinos Porphyrogennetos ausgewählte
Abschnitte des Priskos und Menander Protektor
übers., eingel. und erklärt von Ernst Doblhofer. - 1. Aufl.
Graz [u.a.]: Styria-Verlag, 1955.

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