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Danksagung
an die Bibliotheken Tessmann-Bozen und Neumarkt,
an die zitierten Fachautoren und an das Raumordnungsamt für dessen
vorzügliches Luftbildangebot.
1. Einführung in die
Problematik und Untersuchungsmethode
In der Geschichte und
Archäologie sind die Forscher sehr häufig mit der komplexen Situation von
verschollenen, historisch bedeutsamen Objekten und Örtlichkeiten
konfrontiert. Die Lösung dieser Problematik wird bekanntlich über Jahrzehnte
oder gar Jahrhunderte vor sich hergeschoben und gilt nicht selten
aufgrund unzureichender Hinweise als unlösbar. Ab und zu hilft der Zufall
weiter, aber im Großen und Ganzen bleiben in solchen Fällen interessante und
bedeutende Objekte und die in diesem Zusammenhang zu gewinnenden Erkenntnisse
verborgen. Dieser Problematik ließe sich zwar theoretisch mit einem
entsprechend höheren Suchaufwand begegnen, der jedoch mit exorbitanten,
finanziellen Ausgaben verbunden wäre und damit nicht realisierbar ist (siehe
auch Schlussteil).
Eine letzte, im Allgemeinen
unterschätzte Lösungsmöglichkeit bietet noch der grenzwissenschaftliche
Bereich. Leider ist der Zugang dieser (anomal-kognitiven) Disziplinen schwierig,
auch weil diese aus dem etablierten Bildungs- und Wissenschaftssystem
ausgeschlossen sind. Mangels entsprechender Sensibilisierung ist es auch
nicht verwunderlich, wenn hier jene PSI-Erfahrungen kaum über die bekannten
Zufallserscheinungen hinauswachsen können.
PSI-Definition aus
Meyers Lexikon: "Bezeichnung für eine
von allen natürlichen Funktionen unterschiedene parapsychologische Funktion,
die für die Erklärung psychischer oder psychophysischer Wechselwirkungen
zwischen Subjekt und Objekt angenommen wird, wenn keine sensorische bzw.
sensormotorische Vermittlung festzustellen ist."
Dabei geht es in diesem Falle vor allem um die
sogenannte ASW ("AußerSinnliche Wahrnehmung"). Meiner Erfahrung
nach wären durchaus noch sensorische Übermittlungen feststellbar, jedoch
nicht in dem Ausmaß wie es in Laborbedingungen immer erwünscht wäre.
Ausgangsthese ist, dass nicht
nur unter der Erde oder in den Genen verschüttete Informationen erreichbar
gemacht werden können, sondern auch über die Tiefen des Unterbewussten. Meine
frühen Erfahrungen in diesen Grenzbereichen führten zu eigenen
Forschungsarbeiten und Methodenentwicklungen (Psychoinformatik). Im
Wesentlichen kommt es dabei auf den speziellen Verbindungsaufbau zum
kollektiven Unterbewusstsein an und der daraus zu erzielenden Qualität an
Sub-Informationen. Das richtig eingestellte Wahrnehmungsmaß von Bewusstsein
und Unterbewusstsein ermöglicht eine Kommunikationsleistung zwischen den
beiden Ebenen, die normalerweise unbekannt und nicht verfügbar ist. Allerdings
geschieht die Informationsübertragung prinzipiell in Feinstsignalen und
erfordert höchste Aufmerksamkeit und Konzentration. Ein jahrelanges
Einarbeiten in diese Materie kann die entsprechenden Zugänge freisetzen - die
Vorraussetzung für eine erfolgreiche Anwendung.
Ausführlichere Einführung
in Mythen und Ortung.
2. Die Projektaufgabe und
Zielsetzung
In den vergangenen Jahren habe
ich hierzu vorerst interessehalber relativ große, bekannte aber schwer
zugängliche Geschichtsthemen (Atlantis,
Odyssee, u.a.) aufgearbeitet und die
Ergebnisse auszugsweise veröffentlicht. Da jedoch die meisten Historiker sich
damit nicht ernsthaft befassen würden, habe ich für die vorliegende
Vergleichsstudie ein historisch und geographisch relativ kleines und einfach
zugängliches Ortungsziel gewählt, in welchem ich noch etwas näher eingegangen
bin, als bisher zu den obigen Veröffentlichungen. Damit steht Interessierten
einmal eine leichter überschaubare Vergleichsebene zur Verfügung, die es auch
binnen kurzer Zeit und geringerem Aufwand erlaubt, sich einen ersten Einblick
in die Leistungsfähigkeit derartiger interdisziplinären Untersuchungen zu
verschaffen.
Für dieses
Ortungsunternehmen fiel die Wahl auf die römische Straßenstation Endidae im
Südtiroler Unterland, das im römischen Reichsitinerarium Antonini (3./4. n.
Chr. Jahrhundert) aufgelistet wurde und im Raum Neumarkt - Auer - Montan innerhalb
einer Fläche von etwa 6 bis 8 km² vermutet wird. Die Kenntnis über die
genauere Lage muß nach Schleifung der Anlage im Laufe des Frühmittelalters
verloren gegangen sein und blieb seither verschollen. Spätestens im 19.
Jahrhundert verstärkte sich das Interesse, die Positionen verschollener
römischer Straßenkastelle und dazugehöriger Römerstraßen wieder zu finden,
die jedoch bis heute in vielen Abschnitten sehr umstritten blieben.
Erschwerend für dieses Vorhaben wirken sich zudem die inzwischen in hohem
Ausmaß zugenommenen Eingriffe in Natur und Landschaft aus. Diese schwierige
Situation stellt sich ebenso für die Römerstation Endidae samt des
dazugehörigen Trassenverlaufs der Via Claudia Augusta ein. Da nun die zu
diesem Umfeld getätigten erhöhten, archäologischen Forschungstätigkeiten der
letzten Jahrzehnte bisher seltsamerweise auch keine zufriedenstellende
Klärung erbracht haben, ergab sich für dieses vorliegende Projekt ein
weiteres, interessantes Ortungsziel mit Blindtest-Bedingungen für den PSI-Bereich.
In den beiden folgenden
Abschnitten soll mittels dieses speziellen Beispiels die resultierende
Forschungssituation vergleichsweise einmal aus Historikersicht und ein
andermal aus der Perspektive einer PSI-Ortungsarbeit (Präprospektion) kurz dargestellt
werden. Das Ziel dieser Studie soll gleichzeitig die unterschiedlichen
Leistungsbilanzen veranschaulichen, wie sie bei den schwierigen
Ausforschungsverhältnissen im Falle verschollener Objekte und Örtlichkeiten
auftreten können. Dabei soll vor allem überprüft werden, wie gut sich
PSI-Ortungsergebnisse als Planvorgaben für die näheren, konventionellen
Feldforschungsmethoden bewähren können.
3. Endidae im Blickfeld der
Historiker
Nachfolgend ein zusammenfassender
Ein- und Rückblick über die Grundkenntnisse, Meinungen, Differenzen und neuen
Forschungsergebnisse um die Station Endidae und seiner Lokalisierungsversuche
aus Historikersicht. Damit hier auch eine gewisse Authentizität der sich
daran reibenden Forschungsbemühungen gewahrt bleibt, werden hierzu einige der
letzthin aktualisierten Fachbeiträge in
gebündelter Zitatform (weiß)
wiedergegeben:
Gunther Langes in
"Überetsch und das Bozner Unterland", 1991, fünfte überarbeitete
Auflage:
(S.164/165)
Die Geschichte des Ortes Neumarkt reicht sehr weit
zurück. Im römischen Reichsitinerarium Antonini lag die Straßenstation
Endidae wohl ungefähr an der Stelle des heutigen Neumarkt, wird aber von
anderen Forschern weiter nördlich und auch bei Auer gesucht. Die Lage des
alten Endidae ist jedoch nur von wissenschaftlichem Interesse...
(S. 169)
... Castelfeder birgt das größte Geheimnis
des Unterlandes. An ihm rätseln seit jeher die besten Köpfe der Gelehrten
herum, Burgen- und Namenkundler, Heimat- und Völkerforscher, Historiker und
Archäologen...
(S.170)
... So wurden auf einer Terrasse an der Südseite
des Rabenkofels Spuren von 160 vorgeschichtlichen Wohnbauten entdeckt (G.
Innerebner) mit Wallanlage, Tor und Vorwerk. Diese merkwürdige Anlage halten
einige für das vorrömische Endidae (dieser Name ist ebenfalls vorrömisch).
Der Forscher Reinecke meint hingegen, Endidae sei auf der Kuppe des
Rabenkofels zu suchen, bloß später wäre der Name auf die römische Poststation
unten im Tale übergegangen. Diesen römischen Stützpunkt lässt er einer
Übermurung durch den Auerer Bach zum Opfer fallen, was durchaus anzunehmen
wäre. Später dann sei der Name wieder der Hügelsiedlung beigelegt worden. In
der Nähe des Burghügels fand man auch römische Inschriftensteine, die
vermuten lassen eine römische Straße habe den Sattel hinter dem Rabenkofel
von Pinzon her überquert (V. Malfér 1970).
Mit der Deutung des ältesten Namens, bzw. dessen Feststellung, hat es
ebenfalls seine Schwierigkeiten. Von den dreizehn beim Frankeneinfall im
Jahre 590 zerstörten, langobardischen Kastellen oder befestigten Anlagen der
Langobarden im Etschtal, die uns ihr Geschichtsschreiber Paulus Diaconus
aufzählt, wurde bisher "Ennemase" als Burg auf dem Rabenkofel
gedeutet. Neuerdings will man für die noch nicht mit Sicherheit
identifizierte, ebenfalls gebrochene Feste Fagitana ("Aichholz" -
Anm.: eigentlich müsste hier "Buchholz"
gemeint sein), die man bis heute in Faedo
oder Buchholz (K.M. Mayr) vermutete, das heutige Castelfeder setzen und
„Ennemase“ als Siedlung am Fuße des Berges suchen...
In "Neumarkt an der
Etsch", 1997:
Lorenzo Dal Ri, Giovanna Fusi
Beitrag: Archäologie der Gemeinde Neumarkt und
Umgebung:
(S. 87)
Den ursprünglichen Standort der Straßenstation
Endidae setzt Reinecke in den Bereich der Talebene und erwägt eine Verlegung
derselben auf die Anhöhe Castelfeder um die Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr.
anlässlich der drohenden Einfälle germanischer Völkerschaften. ... Er nimmt
des weiteren an, dass die römische Niederlassung schon im Laufe des 5.
Jahrhunderts zerstört worden sei, während kein Beweis dafür bestehe, das
Castrum Ennemase (Endidae Mansio), von Paulus Diaconus für das Jahr 590
erwähnt, notwendigerweise auf die Hügelkuppe von Castelfeder zu postieren,
und nur die Auffindung von Gräbern aus merowingischer Zeit (die damals noch
nicht freigelegt waren) hätte die Lokalisierung des Castrums möglich gemacht.
(S. 97)
Im Laufe der Jahre 1979/80 wurden an der nördlichen
Peripherie von Neumarkt in Richtung Vill anlässlich großräumiger Baumaßnahmen
immer wieder Bodenschichten von archäologischem Interesse freigelegt. ...
Speziell im Bereich des Kanalisationsgrabens unterhalb der heutigen Bozner
Straße (ehemalige Brennerstraße) kamen diverse Reste von römischen Gebäuden
und das kurze Teilstück einer antiken Straße zum Vorschein. Der Straßenbelag
bestand aus angepresstem Schotter, worauf noch drei parallelverlaufende
Radrillen mit 90 cm Radabstand erkennbar waren. In diesem Bereich wurden
zudem große Mengen von Ziegelsplitt geborgen und Reste einer antiken
Kalkmauer als Straßenbegrenzung ermittelt. Es entstand der Eindruck, dass die
Trasse zumindest teilweise vom Verlauf der heutigen Straße abweicht, so dass
alles in allem diese Anlagen mit gutem Grund als römisch zu bezeichnen sind.
Etwa hundert Meter nördlich von dieser Baustelle ist bei Straßenarbeiten im
Jahr darauf bei Kahn ein mächtiger gemörtelter Mauerkomplex zum Vorschein
gekommen, der wohl einem weiträumigen Gebäude zuordenbar ist. Die Lage
unmittelbar an der Straße und die Anordnung der Räume führten vielleicht
berechtigterweise dazu, diesen Komplex als Straßenstation (mansio) zu
interpretieren. Derartige Aufenthaltsstationen mit Verpflegungs- und
Übernachtungsmöglichkeit erbaute man an wichtigen Verbindungsstrecken für Händler
und Reisende. Auch Bäder, Schmiede, Post- und Pferdewechselstation waren
meist integriert. Systematische, im Jahre 1995 durchgeführte Grabungen haben
diese Hypothese weitgehend bestätigt. Es erscheint jedoch sehr plausibel, in
diesem Straßenstück einen Abschnitt der Via Claudia Augusta zu sehen, dieser
wichtigen Verbindungsstrecke zwischen Po und Donau, deren Verlauf entlang der
Etschtales gesichert ist. Es könnte demnach durchaus sein, dass diese
Mauerstrukturen an der alten Straße ursprünglich der mansio Endidae gehörten,
die im Itinerarium Antonini (Reisehandbuch aus dem Beginn des 3. Jahrhunderts
n. Chr.) erwähnt wird.) Es fehlt auch nicht an Funden (Ziegelstempel AVRESIS,
...), die eine zeitliche Einordnung dieser Gebäudeanlagen in eine sehr frühe
Phase römischer Präsenz in Südtirol (1. Jahrhundert n. Chr.) erlauben....
In "Neumarkt an der
Etsch", 1997:
Georg Tengler
Beitrag: Geschichte des Mittelalters und der
frühen Neuzeit
(S.119-122)
Endidae lag
also 24 Meilen nördlich von Trient, eine römische Meile war 1478 m lang, 24
Meilen sind also 35,47 km. Dieser Punkt entspricht der heutigen Vill bzw. dem
Südfuß des Hügels von Castelfeder. ... Wo lag Endidae? Der Name Vill
geht nach übereinstimmender Meinung der Historiker auf eine römische Villa zurück,
also ein Landgut oder eine ländliche Siedlung. Die zahlreichen Funde
römischer Münzen, die erst im Jahre 1988 vom Landesdenkmalamt unter der
Marienkirche in der Vill entdeckten Mauerreste und der vor kurzem gefundene
römerzeitliche Friedhof zwischen der Vill und Neumarkt bezeugen eine frühe
Besiedlung des Ortes. Dieser liegt klimatisch sehr günstig, weil er nach
Süden hin offen und gegen Norden durch eine Anhöhe geschützt wird.
Verkehrsmäßig lag diese Villa an der von Süden kommenden Via Claudia
Augusta Padana, von welcher bei Grabungen 1980 unter der heutigen
Staatsstraße beim Kaufhaus Unterland in Neumarkt Reste gefunden wurden. Der
Weg ins waldreiche Fleimstal zweigte hier nach Osten ab.
Von der Vill aus scheint die Römerstraße in gerader Fortsetzung den Sattel
von Castelfeder überschritten zu haben. Dies wird aufgrund der dort
gefundenen zwei Meilensteine angenommen. Der Trassenverlauf ist nicht
eindeutig zu rekonstruieren. Außerdem dürften die beiden Meilensteine aus
folgenden Gründen nicht als zwingender Beweis für den Verlauf der Straße über
den Sattel von Castelfeder gewertet werden: Zum einen war ein Stein
wahrscheinlich in der Barbarakapelle auf Castelfeder eingemauert, und vom
anderen sagt Reinecke: "Die Fundumstände sprechen nicht einwandfrei
dafür, dass der Stein an seinem ursprünglichen Standort umgefallen ist."
Vielleicht kamen die Meilensteine erst in einem späteren Zeitpunkt von der
Viller Gegend auf den Berghügel. Rein technisch ist nämlich der Verlauf der
Straße am Fuße des Hügels von Castelfeder entlang nicht auszuschließen, wenn
auch die Etsch bis hart an den Bergfuß herankam und zudem noch der
Schwarzenbach hier in die Etsch mündet... Für den Verlauf der Straße über den
Sattel von Castelfeder spricht hingegen der Umstand, dass unmittelbar unter
der ehemaligen Überquerung des Schwarzbaches bei Auer 1980 beim Bau der
dortigen Turnhalle Gräber (?) gefunden wurden, die leider nicht näher
untersucht worden sind. Von römerzeitlichen Gräbern in der angrenzenden
sogenannten Joggelewies berichtet auch Malfér. Eine sichere Festlegung
der römischen Trasse zwischen Auer und Algund ist bisher unmöglich, da
direkte Anhaltspunkte im Gelände fehlen....
Das römische Endidae lag also an der Straße im Bereich der Vill,
wahrscheinlich wurde gegen Ende des 3. Jahrhunderts die ungeschützte Lage im
Talboden durch die Alemanneneinfälle immer unsicherer, so dass die Siedlung
von der Vill auf die leichter zu verteidigende Kuppe von Castelfeder verlegt
werden musste.
Wahrscheinlich ist die Siedlung in der Vill nicht endgültig aufgegeben
worden. In den Annalen der Säbener Kirche wird erwähnt, wie Kaiser Gratianus
auf der Reise von Verona nach Rätien am 6. August 379 in Trient, am 12.
August in Vico Augusti, potius Augi sive Augie, vico olim noto
inter Tridentum et Bauzanum, und am 28. August in Bauxare (Bozen?)
Gesetze erließ. Wo liegt dieses Dorf des Augustus oder diese Au zwischen
Trient und Bozen? Atz/Schatz setzen diesen Ort mit Endidae gleich,
ohne dies näher zu begründen. Der Aufenthalt Kaiser Gratians in unserer
Gegend dürfte mit einem Feldzug gegen die Einfälle der Alemannen in die
rätischen Provinzen zusammenhängen. Einer der beiden römischen Meilensteine,
welche auf Castelfeder gefunden wurden, ist unter Gratian beschrieben worden.
Die Annalen der Säbener Kirche berufen sich auf den Codex Theodosianus,
wobei die Gleichsetzung Bauxare =Bozen stark zu bezweifeln ist...
Gegen die Franken gerichtet schlossen die Langobarden ein Bündnis mit den
Bajuwaren. Im Jahre 590 griffen die Franken, wohl über den Reschen
vorrückend, das Herzotum Trient an. Diaconus gibt dazu folgende Beschreibung:
"Cedimes aber mit dreizehn Herzögen marschierte von der linken Seite
nach Italien ein, eroberte fünf Burgen und ließ sich von den Einwohnern Treue
geloben. Bis vor Verona kam das Heer der Franken; die meisten castra
(= befestigte Siedlungen) ergaben sich ohne Widerstand, nachdem sie den
eidlichen Versprechungen Glauben geschenkt hatten, dass ihnen kein Leid
widerfahre. Die Namen der castra aber, die im Tridentinerlande
zerstört wurden, sind: Tesana (Tisens), Maletum (Mölten?), Sermiana
(Sirmian), Appianum (Eppan), Fagitana (Buchholz), Cimbra
(Cembra), Vitianum (Vezzano), Brentonicum (Brentonico), Volanes
(Volano), Ennemase (Enn), zwei in Alsuca (Borgo Valsugana) und
eine in Verona. Und nachdem all diese castra von den Franken zerstört
worden waren, wurden sämtliche Einwohner von ihnen gefangen
fortgeführt." Den Namen des Kastells Ennemase versuchen mehrere
Forscher mit Endidae gleichzusetzen und aus Enne Mansio zu
erklären. Diese Lokalisierung hat bis heute nicht überzeugt, vor allem fällt
der Umstand auf, dass bei Diaconus die eroberten Kastelle in der Reihenfolge
des fränkischen Vormarsches aufgezählt werden, also von Norden nach Süden.
Demnach müsste unser Ennemase, wie Heuberger schon 1934 richtig
vermerkte, etwa in der unteren Valsugana liegen.
Heute scheint sich, nach vielen Diskussionen um die Lokalisierung von Ennemase,
wieder die Identifizierung mit Enn oder Castelfeder durchzusetzen.
...
Um das Jahr 679 kam es zu internen Machtkämpfen innerhalb der langobardischen
Führungsschicht. Diaconus berichtet in diesem Zusammenhang von einem
bajuwarischen Grafen in Bozen (comes Baivariorum), welcher sich
in den Kampf auf der Seite des Langobardenkönigs gegen dessen Herzog in
Trient einmischte. Bei dieser militärischen Auseinandersetzung wurden mehrere
Wehrdörfer im Etschtal zerstört, vielleicht auch Castelfeder. Um 720 schoben
sich die Langobarden wieder bis Meran vor; unter dem Bajuwarenherzog Tassilo
III. mussten sie wieder bis unter Bozen zurückweichen. Nach der Unterwerfung
des Langobardenreiches durch Karl den Großen 774 kam bald nach 784 auch unser
Gebiet des Herzogtums Bayern zum fränkischen Reich. Fränkische Krieger
rückten diesmal von Trient aus durch das Etschtal gegen die Bajuwaren bis ins
Bozner Gebiet vor. Südlich von Bozen kam es zur Entscheidungsschlacht.
Archäologie der Römerzeit
in Südtirol
Forschungen zur Denkmalpflege in Südtirol -
Abteilung Denkmalpflege, Amt für Bodendenkmäler - 2002
Aus der Zusammenfassung des Beitrags von Stefano
di Stefano
(S. 258)
Die mansio von Neumarkt - Endidae | Das Amt für
Bodendenkmäler Bozen hat in Kahn (Ortsteil von Neumarkt) eine römische
Baulichkeit ausgegraben, die einen rechteckigen Grundriss von 29x25m besitzt;
das entspricht einer Fläche von 737 m²...
Über die Funktion dieses Gebäude gibt es verschiedene Theorien. Da das
Gebäude im Norden des Ortskerns von Neumarkt liegt, nehmen viele Fachleute
an, dass es sich hierbei um die mansio Endidae handelt, die im Itierarium
Antonini genannt wird und 23 Meilen (Richtung Norden) von Tridentium entfernt
war.
Die Entdeckung von Resten einer römischen Straße (unter der heutigen Bozner
Straße) aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. lässt eine Verbindung zwischen dem
Gebäude und der Via Claudia Augusta vermuten.
...
Ob das Gebäude aus Neumarkt eine mansio war, kann jedoch nicht eindeutig
festgestellt werden. Es könnte sich auch um ein Gebäude der kaiserlichen
Verwaltung oder um eines der vielen kleinen Sekundärgebäude handeln, zum
Beispiel um ein popiniae, hospitalia oder ganea, die den Raststationen die
Form einer kleinen Stadt gaben. Eine solche Raststation findet man in
Südtirol bei St. Lorenzen/Sebatum. Auch die mansio bei Endidae, um die sich
die einzelnen Gebäude gruppierten, könnte so ähnlich ausgesehen haben.
Das Gebäude in Neumarkt, das etwa um das 1. Jh. n. Chr. errichtet wurde,
wurde im 3. Jh. n. Chr. von einem Erdbeben zerstört.
...
In "Montan" Band
1, 2003:
Im Beitrag "Die Vergangenheit von
Castelfeder" der Autoren Elisabetta Baggio, Lorenzo Dal Ri (Übers.: Lia
Niederjaufner-Nussbaumer, Daniel Lorenz) wird bereits zuvor Zitiertes (siehe
"Neumarkt an der Etsch") noch ausführlicher und besser dargestellt,
jedoch leider ohne neue Erkenntnisse zur weiterhin ungelösten
Lokalisierungsproblematik um Endidae und Ennemase. Daher können diese
Ausführungen ausgeblendet werden. In den Anmerkungen werden hierzu noch
die beiden Forschungsfronten mit den wichtigsten Forschern kurz repliziert:
(S. 73)
... Diese Annahme (Ortsname Ennemase aus Endidae
mansio) ist in den letzten beiden Jahrhunderten von verschiednen Forschern
wiederholt aufgegriffen und verteidigt bzw. abgelehnt worden. Für eine
Herkunft von Ennemase aus Endidae mansio hatten sich bereits vor Reinecke
Tartarotti (1754) Ladurner (1867) Malfatti (1883) und als letzter, wenn auch
mit einigen Vorbehalten, Bierbauer (1985) ausgesprochen. Eindeutig dagegen
äußerten sich, wenngleich aus unterschiedlichen Überlegungegn und
argumentationen heraus, Maffei (1732) Prati (1923) Heuberger (1931) und in
jüngerer Zeit Rasmo (1982). Lunz seinerseits verzichtet auf eine Festlegung
(1980). Als vorläufig letzter schließt sich der Reihe derer, die eine
Gleichsetzung ablehnen, Walter Landi mit bemerkenswertem Reichtum an
Argumenten an (siehe in diesem Buch, Band 1).
In "Montan" Band
1, 2003:
Walter Landi
Beitrag: Enn - Montan im Frühmittelalter,
Lokalisierung von Ennemase
(S. 135-6)
Was den besonderen Fall von Ennemase
betrifft, verdient die Forschungsgeschichte eine eigene Darstellung. Das
Interesse begründet sich in der Vielfalt der Lösungsvorschläge, die vorhanden
sind, ihrerseits bedingt von der anscheinend absoluten Unmöglichkeit, den
Namen dieses castrum, eben Ennemase, mit heutigen Ortsnamen
gleichzusetzen, weshalb sich die bisherige Forschung seit jeher berechtigt
gefühlt hat, auf akrobatische Namenserklärungen zurückzugreifen, die immer
den editierten Namen als bloße Verballhornung betrachtet haben. Aufgrund
solcher Versuche wurden insgesamt vier Lösungen vorgeschlagen, aber nur eine
hat eine einstimmige Resonanz bekommen, nämlich Ennae mansio.
Sie wurde schon von Girolamo Tartarotti (1750) und, mit kritischeren
Argumenten gerüstet, auch von Malfatti formuliert, der dieses castrum schon
damals an den Ortsnamen Egna bzw. Enn anknüpfen wollte und damit an der
abgelegenen Straßenstation (mansio) Endidae. Paul Reinecke (1929), von
derselben Überzeugung ausgehend, glaubte dazu den entscheidenden Beweis
liefern zu können, indem er sich, am Ende der 20er Jahre, mit der
archäologisch belegten spätantik-frühmittelalterlichen Befestigungsanlage von
Castelfeder beschäftigte. Die Kastellreste, kombiniert mit den Ortsnamen,
hätten nämlich nur auf dieses mysteriöse castrum hinweisen können. Die
archäologischen und siedlungsgenetischen Gegebenheiten scheinen eigentlich
dieser Lösung recht zu geben. Der schon oft angedeutete Felskopf von
Castelfeder (castellum vetere) liegt nämlich auf halbem Weg
zwischen Trient und Bozen, ungefähr dort, wo die Distanzangaben des Itinerarium
Antonini (XXIII m. p. a Tridento bzw. 35,5 km) die Straßenstation
Endia ansetzten. Die umliegende Gegend weist auch auf eine ortsnamenkundlich
und archäologisch beweisbare Besiedlung Endia in römischer Zeit hin,
...
Trotz Vorbehalten etymologischer Natur hat eine solche Interpretation,
besonders innerhalb der deutschen Forschung, weite Verbreitung gefunden. All
das hat dazu beigetragen, aus der Gleichsetzung von Castelfeder mit dem castrum
Ennemase eine opinio communis der Geschichtsschreibung
zu machen. Der einzige, der die Wahrscheinlichkeit dieser
pseudo-philologischen Lösung klar ablehnte, war Richard Heuberger (1932), der
aufgrund der willkürlichen Annahme, die Liste von Paulus Diaconus führe alle castra
von Norden nach Süden in genauer geographischer Reihenfolge an, eine
Lokalisierung des rätselhaften Ennemase irgendwo an den südlichen
Grenzen des Herzogtums Trient vorschlug, allerdings ohne nähere Angaben
darüber machen zu können.
(S. 145)
Die Anlage vom castrum Ennemase
stimmt nicht mit den Resten eines archäologisch bewiesenen castrum bei
Montan überein, das seit jeher als Castelfeder oder ehemals als Alt-Enn
bekannt ist, sondern sie befand sich im Gebiet von Lomaso, auf dem alten
Verbindungsweg zwischen Trient und Brescia bzw. Riva del Garda und stimmt
wohl mit dem auch sonst archäologisch untersuchten castrum auf dem
dortigen St. Martinshügel überein. Das Frankenheer von 590 erstürmte es wohl
gerade wegen seiner Lage an der oben angegebenen Straße, indem es einen
kürzeren Weg von Trient in die Poebene nach Brescia und Pavia suchte,
vielleicht wegen der Unmöglichkeit, die Talsperre von Trient und dessen stark
befestigtes castrum Ferruge umgehen zu können. Lokalisierung
von Ennemase auf den Judikarien begründet besser als vorher auch die
Erstürmung des auf derselben Straße gelegenen Vezzano.
(Obwohl nicht direkt mit Endidae im
Zusammenhang stehend, soll hier wenigstens das hier angegebene Ergebnis eines
näheren Lokalisierungsversuchs über sämtliche von den Franken eroberten
langobardischen Kastelle vermerkt werden, was Paulus Diaconus in seiner
Historia Langobardorum beinahe 200 Jahre nach den Ereignissen wiedergibt.
S.138-146):
Tesana = Tisens - St. Hippolyt
Maletum = Mölten - St. Ulrich in Gschleier
Sermiana = Sirmian - St. Apollonia
Appianum = Eppan - Altenburg (?)
Fagitàna = Fadàna bei Cembra - Paluàc
Cimbra = Cembra - Dos Caslir
Vitiànum = Vezzàno - Dos Castin
Bremtònicum = Brentònico - Dosso Maggiore
Volaenes = Volano - Dosso di Destòr
Ennemase = Lomaso - San Martino
(Die beiden Castra von Alsuga und das von
Verona werden dabei ausgelassen.)
Ferrug(a) seu Verruca = Trient - Dos Trent
Lorenzo Dal Ri und Catrin
Marzoli in der Zeitschrift "Das Land Südtirol", Juni 2003:
(S. 19)
Der Hügel von Castelfeder ist die erste bekannte
Fundstelle in Südtirol. Im Jahr 1600 schrieb Max Sittich von Wolkenstein von
uralten Funden...
Die archäologische Bedeutung von Castelfeder war auch der Grund, weshalb im
Jahr 1973 dieses Areal nicht in die Zuständigkeit dem Land Südtirol zufiel,
sondern noch weiterhin, bis 1999 dem Staat, bzw. dem Denkmalamt Padua
unterstellt blieb...
1983 wurde in den Ruinen der Barbarakapelle gegraben, zwischen 1987 und 1989
in mehreren Abschnitten im Bereich der Ringmauer...
Ein archäologisch einschneidendes Ereignis für Castelfeder stellt die zu
Beginn des 6. Jahrhunderts erfolgte Errichtung eines Castrums dar: eine
Festung mit Ringmauer (über 600 m Länge, einer kleinen Kirche und einem Turm.
...
(S. 20)
Im März 2001 wurde bei einer Begehung des Hügels
von Castelfeder auf einer neben dem Frauensee gelegenen Kuppe eine bis dahin
unbekannte Fundstelle entdeckt... Die bei der systematischen Grabung gewonnen
Befunde und die geborgenen Funde belegen, dass die Kuppe über Jahrhunderte
von der Spätbronzezeit bis in die jüngere Eisenzeit zu kultischen
Zwecken aufgesucht wurde...
Hinweis:
Diese letztgenannte Ausgrabungsstelle ist zum
gegenwärtigen Zeitpunkt (März/April 2004) noch nicht abgeschlossen. Einen
Steinwurf davon entfernt befindet sich die im Herbst 2003 speziell geortete
Hauptlager des Castrum Endidae (siehe Luftbild
"Rekonstruktionsortung Castrum Endidae" im nächsten
Abschnitt).
4. Endidae im Blickfeld einer
PSI-Ortungsarbeit (X-Ortung)
4.1. Allgemeine Hinweise
Vor den nachfolgenden Ortungs-
und Rekonstruktionsergebnissen einige allgemeine Hinweise zur Situation und
den Aufwendungen:
Der zu ortende
Objektbereich befindet sich in der Nähe meines Heimatortes Auer, was den
Ablauf der Arbeiten verkürzte. Ich habe aber vor 2003 weder einen
Ortungsversuch zu Endidae unternommen, noch das hierzu geortete Gelände je
zuvor betreten (Letzteres wäre bei einem Besuch von Montan oder Neumarkt aus
möglich gewesen.). Von früheren Begehungen kenne ich allerdings das bekannteste
Gebiet, den Rabenkofel von Castelfeder und das dazu nächste Umfeld, in dem
Umfang wie es auch in der neuen Veröffentlichung "Naturerlebnisweg
Castelfeder" berücksichtigt ist. Die neuen geschichtlichen Erkenntnisse,
die sich in den letzten 15 Jahre ergeben haben, habe ich erst im Verlauf
dieses Projektes und zum Teil aufgrund sehr fachspezifischer
Veröffentlichungen gegen Ende der Projektarbeit entdeckt und näher kennen
gelernt. Zuvor war mir das allgemein verbreitete Wissen darüber geläufig, wie
es in Gunther Langes Kultur-Band "Überetsch und das Bozner
Unterland" nachzulesen ist (s.o.).
Benötigter Zeitaufwand: über 10 Wochen. Davon entfielen über 6 Wochen für
Quellenstudium, Planungsarbeiten und Dokumentation, 4 Tage für oberflächliche
Geländeerkundungen von ca. 20 ha (ohne Bodenradarmessungen,
Sondierungsgrabungen ...), 4 Wochen für die speziellen Ortungs- und
Rekonstruktionsarbeiten.
In Falle einer Kooperation mit bereits auf diesem
Gebiet bewanderten Historikern oder Archäologen, hätten 2-3 der ersten 6
Wochen eingespart werden können, aufgrund bereits vorhandener Erfahrungs- und
Arbeitsvorgaben in den Bereichen Quellensichtung und Dokumentation. Da bei
anderen Projekten (hier zu Pons Drusi) derartige Kooperationsvorschläge bisher
ignoriert wurden, ist hierzu kein weiterer Versuch mehr in diese Richtung
unternommen worden. Dafür konnte jedoch durch einen gewissen Heimvorteil
(Nähe des zu ortenden Objektbereichs) der sonst noch größere Zeit- und
Spesenaufwand eingespart werden.
Zusätzlicher Zeitaufwand 2005: Da auf Email-Hinweise und Internetveröffentlichung
seitens der zuständigen Landesarchäologen nicht reagiert wurde, wurde nach
einem Jahr die Arbeit Castrum Endidae fortgesetzt und in weiteren 4 Wochen
auf Castrum Endidae-Vetera und germanische Festungsanlage erweitert.
Dabei wurde es in dieser
Arbeit nicht nur bei der singulären Ortung von Endidae belassen, sondern
diese durch Umfeld-Ortungen ergänzt und mit noch aufwendigeren
Rekonstruktionsversuchen abgerundet, um mit diesen neuen Vorgaben die
anschließenden Untersuchungen im konventionellen Bereich weiter zu
vereinfachen. Die wichtigsten Ortungshinweise sind wieder wie bei den
vorherigen Studien unterstrichen markiert.
Aus der über zwei
Jahrhundert währenden Geschichtsforschung zu Endidae, liegen noch keine
ähnlich detaillierten Ortungsergebnisse vor, die mit den folgenden
Ergebnissen verglichen werden könnten. Anderseits ergeben sich aus den
bislang etablierten Forschungserkenntnissen keine gravierenden Widersprüche
zu den vorliegenden Versuchsergebnissen.
4.2. Die
toponomisch-etymologischen Bezüge zu Endidae
Man nimmt für Endidae
einen vorrömischen also rätischen Ursprung an. Dieser Ortsname Endidae/Endide
kann sogar noch aus dem Südtirolerischen "Endn" oder
"Entn" abgeleitet werden, was drüben bedeutet.
Die sprachliche Wurzel dieses "Entn"
dürfte aus dem Griechischen Enta oder Entade stammen. Diese
Begriffe sind nicht nur bedeutungsgleich, sondern kommen den
Ortsbezeichnungen Endidae/Endide noch näher heran. Das Griechische kam
noch vor dem Lateinischen durch die vorrömischen Handelsverbindungen der
hiesigen Räter mit den Griechen zumeist über die Veneter ins Land.
Endidae war also ein Ort drüben (seitlich
gelegen) und so auch sicher vor der Überschwemmung des Trudnerbachs und der
Etsch, die hier am nächsten herangekommen ist (siehe nächste Abbildung), und
ebenso ein Ort des sicheren drüber Gehens auf die jeweils andere Ortsseite
zwischen Auer und Neumarkt. Endidae also ein Ort des Übergangs. Dasselbe
könnte übrigens auch für Entiklar auf der anderen Talseite hinsichtlich
dortiger Sturzbäche und der Etsch gelten, und dürfte ein bedeutendes
Gegenstück von Endidae gewesen sein. Das lässt sich etymologisch mit einer
sehr alten, ursprünglich mündlichen Überlieferung untermauern, die als solche
bis heute nicht entschlüsselt worden ist, was hier nachgeholt werden soll.
Vorerst kurz zur Geschichte (überliefert u.a. von Albert v. Gelmini, Hans
Fink): Noah strandete mit seiner Arche von Bozen Richtung Salurn segelnd und
rief an einer Stelle "Endlich klar". Die Ansässigen verstanden kein
"morgenländisch" und meinten er habe jenen Ort Entiklar
benannt, dessen Namen sie auch folgsam übernahmen… Die Arche hob sich wieder
und strandete diesmal auf der anderen Talseite. Noah befahl seinem Sohn
"Bind's an!" Die dortigen Ansässigen verstanden ihn wieder nicht,
aber folgten seinem Befehl und nannten den Ort künftig Pinzon.
Nun die Interpretation der einst weit
verbreiteten Geschichte: Diese Erzählung dürfte höchstwahrscheinlich auf eine
mündliche Grenzmarkierungs-Überlieferung zurückgehen, in der die Grenzlinie
an markanten vor Wassermuren sicheren und unverrückbaren natürlichen Stellen
"angebunden" wurde. In jener Zeit galt das mündliche Wort mehr,
also auch ein mündliches Grenz-Gesetz, da kaum jemand lesen und schreiben
konnte, aber die wichtigen Überlieferungen Allgemeingut waren und daher sich
über sehr lange Zeit durch mündliche Weitergabe erhalten konnten. Diese
Grenze könnte hier ursprünglich sogar vor den Römern zwischen rätischen
Stämmen gegolten haben, wo damals zwischen den beiden markanten Grenzorten
die Etsch als natürliche und schiffbare Grenzlinie dahin floss. Darauf Bezug
nehmend dürfte die Geschichte damals etwas anders gelautet haben. Vermutlich
gab es einen anderen Recht sprechenden Schiffsmeister und die benannten
Grenzorte dürften ursprünglich folgende Boots-Anlegestellen gewesen sein: Entiklar
(Stelle an der hellen (clareo) Talseite, wo das Morgenlicht zuerst
hinkommt) und Endidae (Stelle wo das Licht später gegen Mittag ankommt
– von endios) anstelle von Pinzon. Dabei steckt auch in Endidae
die synonyme Bezeichnung für Anknüpfen (griech. Endeo) das später auf
das benachbarte Pinzon ("Bind's on") übergegangen ist. Pinzon
dürfte hingegen eine andere Bedeutung haben: Dabei könnte der Fichtenwald,
die Fichte (lat. pinus) eine Rolle gespielt haben, etwa für die Herstellung
von Palisadenzäunen (lat. zona, Gürtel, daraus: Zon, Zaun aus Fichten:
Pin-zon), oder das Zerstoßen (lat. pinso) von Weintrauben oder Kalksteinen.
Das österreichische Pinzgau soll aus dem Namen Pinzco abgeleitet worden sein,
was hier auch möglich gewesen sein könnte.
Doch zurück zur späteren Noah-Einbeziehung in die
noch bekannte Grenzmarkierungs-Überlieferung: Diese könnte auf eine
Grenzsetzung in frühchristlicher Zeit (etwa um 650 n.Chr.) zwischen den
Bajuwaren im Norden und den Langobarden im Süden zurückgehen. Die Bibel hätte
damals als einziges bekanntes Gesetzesbuch die gemeinsame Autorität
dargestellt, die für die beiden christianisierten, germanischen Stämmen für
einen Grenzvertrag "bindend" genug war. Es ist historisch belegt,
dass die Grenze zwischen den beiden Stämmen sich im 6. Jahrhundert im Raum
Bozen befand und dann nach Süden verlegt wurde. Vermutlich lässt man deshalb
Noah anfangs der Geschichte von Bozen kommend nach Süden segeln. Diese
Grenzsetzungsart wird durch eine wiederholte weiter im Süden variiert
bestätigt. Dazu existiert bei Mezzolombardo wieder ein solches Entiklar
(dort Entichiar genannt), welches der eine Grenzpunkt derselben
Talseite darstellen müßte und auf der anderen Seite erhebt sich wieder ein
Grenzberg namens: Monte Reale (Königsberg).
Jahrhunderte später reichten in solchen
Grenzabmachungen bereits schriftliche Verträge (häufig frei von
toponomastischen Begriffsneubildungen), die zumeist bis heute überliefert
werden konnten und daher eindeutiger nachvollziehbar sind.
Weitere toponomastische
Bezüge die auf Endidae zutreffen:
Endi- (keltisch) Ende, Spitze; enti-
(germ.-ahd.) Ende, Spitze, Ort (zum Flurnamen
Ortental)
Endiao (griech.-buk.) "unter freiem Himmel wohnen bzw.
weiden lassen" trifft auf das Gebiet noch heute zu, aber ganz besonders
für die antike Epoche.
Endido-
(griech.) hinein-, heraus-, übergeben, nachgeben, überliefern... Möglicher
Hinweis auf Übergang, Eingang in die Dolomiten, indirekt: Grenze,
Grenzaustausch - Zollstation
Der vorrömische Ortsname
von Endidae - vielleicht aus der griech. Richtung Endido-Endiao-Entade-
dürfte von den Römern lateinisiert übernommen worden sein, -
höchstwahrscheinlich weil er sich gut in ihrem Sprachgebrauch oder
Sprachgefühl integrieren ließ. Da ich im Laufe meiner bisherigen
Quellensichtung auch hierzu noch keine Deutung zu möglichen lateinischen
Einflüssen und Deutungsmöglichkeiten fand, soll das hier kurz nachgeholt
werden.
Aus den Wortteilen:
e-
Vorsilbe vergleichbar mit: aus-, ent-, de-
e-no
heraus-schwimmen (Beispielsynthese: e- für heraus, no für
schwimmen )
endo-
versetzt, unterbrochen
di-do
ver-teilen, auseinander-...
undae
Welle, Wasser, Strömung, Flut
Die Synthese für die
topographische Deutung:
endo-dido
Versetzte Teilung, Grenzteilung
di-dae
Ausbreitung des Wassers (aus: di-do und undae)
En-didae
Außerhalb einer (besonderen) Überschwemmungszone versetzt und so durch
Versetzung geteilter Ort.
Die besondere Überschwemmungszone ergibt sich
hier einerseits durch den nahen Etschfluss und anderseits aus dem seitlich
abgehenden großen Trudnerbach-Schwemmkegel, der beinahe 180 Winkelgrade
umfasst.
Daraus resultieren
folgende topographische Hinweise:
Mit Endidae könnte demnach ein Grenzort
(keltisch: Ende), ein Ort des Grenzaustausches (später mit Zollstation) und
somit auch ein alter Marktort gewesen sein, - ein Ort der Abzweigungen über
einen wichtigen Fluss-Übergang (Etsch-Fluss), aus den jährlichen
Überschwemmungszonen weg und zu einem wichtigen Über-/Eingang in die Berge
(Dolomiten). Dies alles lässt sich am besten auf den Bereich Vill-Castelfeder-Auer beziehen. Eine
wichtige Wegteilung durfte sich gleich nach der Station Endidae in Auer gezeigt
haben, wo für die nächste Ziel-Station Pons Drusi zwei Varianten zur
Verfügung standen: der östliche Talweg (bei Überschwemmung streckenweise im
Wasser gelegen, Malaria-Mückenplage, höhere Gefahr durch rätische
Freischärler) und der westliche Mitterbergweg "über die Etschfurt"
("Endidae" ?) erreichbar. Dass jene Wegvariante über die Etsch
keine unbedeutende sein konnte, zeigt einerseits der noch gebräuchliche
Gebietsname Überetsch und die eigenartige, gemeinsame Bezeichnung "Kaiserberg"
für zwei 15 km voneinander entfernte Grenzhügel, die zu diesem Ehrennamen nur
kommen konnten, weil sie etwas gemeinsames Kaiserliches verbunden haben
mußte: Das konnte hier nur eine "Kaiserstraße" sein - die Via
Claudia Augusta, die trockene und militärstrategisch bessere Variante einer
Heeresstraße.
4.3. Die wichtigsten
PSI-Ortungs- und Rekonstruktionsergebnisse
Mit den folgenden
Ortungsergebnissen soll vor allem überprüft werden, wie gut sich solche als
Planvorgaben für konventionelle Prospektionsmethoden an schwierigen
Suchprojekten bewähren. Die Suche nach entsprechenden
Strukturen in einer Suchfläche von ca. 6-8 km² kann bisher mit über zwei
Jahrhunderten geschätzt werden. Dabei bezog sich die Endidae-Forschung
hauptsächlich auf die bekannte "Castelfeder"-Anlage, seit über zehn
Jahren hingegen auf einen römischen Gebäudefund in Neumarkt (Kahn). Diese
Forschungsergebnisse können jedoch bis heute nicht als abgeschlossen
betrachtet werden. Die folgende Variante wurde bisher noch nicht in Erwägung
gezogen. Das ursprüngliche Projektziel
Endidae musste von mir schließlich auch noch weiter ausgedehnt werden (Castra
Vetera, ...), um endlich ein umfassenderes Verständnis in die Entwicklung
dieses bislang unterschätzten Geschichtsraumes zu bieten. Die umfangreicheren
Untersuchungsergebnisse konnten hier daher aus Zeitgründen noch nicht
vollständig berücksichtigt werden.
Das nachfolgende Übersichtsbild besteht
aus drei Luftbildaufnahmen, die zur besseren Platznutzung an deren
Nahtstellen etwas erweitert und aneinandergeschoben wurden (gelbe
Strichlinie). Darin ist auch das zentrale Gebiet zwischen
Auer-Montan-Neumarkt abgebildet.
Voreingestellte
Einzeichnungen:
Zusätzliche Einzeichnungen (Ortungen u. Rekonstruktionen):
aktuelle Gewässerlinie: dunkelblau ursprüngliche Gewässer: hellblau
Hauptstraßen: dunkelrot
vor- oder frühgeschichtliche Siedlung:
violett
römerzeitliche Bauzone (Ausdehnung):
orange
germanische Bauzone (Ausdehnung): rot
.
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Übersichtsbild der
Rekonstruktionsortung
aus drei Luftbildauschnitten versetzt angebracht.
Dabei werden hier die wichtigsten
Strukturen
vom 1.-8. Jahrhundert berücksichtigt.
Luftbilder von Terraitaly (Parma) über das
Amt für Raumordnung Prov. Bozen.
Weitere Erklärungen zu den
zusätzlichen schematischen Einzeichnungen in der rechten Spalte.

Rekonstruktionsortung
Castrum Endidae
Hauptlager C1-C2, vom 2.-3. Jahrhundert
Zur schematischen Darstellung eines
römischen
Militärlagers siehe darunter.
A Archäologische Ausgrabungsstelle 2001/2/4/..
mit spätbronzezeitlichen Funden

Schema eines römischen Militärlagers
Erklärungen zu den Abkürzungen rechts

Castelfederbild
Ausschnitt eines Fotos aus "Montan"
Band I -
Schematische Einzeichnung des Lagerumfangs C2
Weitere Erklärungen siehe unten.

|
Relevante römische Bauten:
Via Claudia
Augusta VCA: In der ersten Hälfte des
1. Jahrhunderts n. Chr. werden hier von den römischen Besatzungsheeren unter
Kaiser Augustus bis Kaiser Claudius zumeist rätische Wegverbindungen zu
ersten römischen Heeresstraßen ausgebaut, die dann von den vor Ort
stationierten Heeresmannschaften laufend in Stand gehalten und weiter
ausgebaut werden. Die Hauptstrecke, die das Pogebiet mit dem Donaugebiet
verbindet, erhält die Bezeichnung Via Claudia Augusta.
Diese verläuft
hier durch das obere Ortsgebiet von Neumarkt. Ein Ausgrabungsbericht (s.o.) weist auf Spuren einer
Römerstraße unter der Bozner Straße hin. Von
Vill aus erreicht sie die Anhöhe Endidae.
Hier zweigen sich mehrere Trassen ab. Die Haupttrasse dürfte sich durch
das römische Lagerareal und das kleine Bergtal östlich von Castelfeder nach "Avresis" (Auer) gebahnt haben. Sie kommt dort zuerst an den älteren Siedlungsbereich vorüber, der
wie oben erwähnt bereits zur Römerzeit bei einer Überschwemmungskatastrophe
untergegangen sein müsste. An der
Wasserfallstraße und der erneuerten
Aurer Siedlungsbildung zweigt sich die
Via Claudia Augusta in zwei Bahnen auf:
Eine zieht geradewegs weiter am Fuße der östlichen Porphyrberge entlang.
Die ursprünglichere Militär-Trasse dreht im 90° Winkel und nimmt zunächst die
Richtung der heutigen Gerade Truidn-Bahnhofstraße-Palain,überquert südlich
der heutigen Brücken den Etschfluss und erreicht dann über die
Mitterberg-Strecke das nächste Militärlager Pons Drusi nahe des heutigen
Schlosses Sigmundskron, wo sie auch wieder mit der anderen Strecke
zusammentrifft, die dazu von St. Jakob
herkommend das Haupttal überquert haben muß (siehe dazu auch diese Übersichtskarte).
Mansio und Castrum Endidae: Eine bedeutendere Mansio-Einrichtung
bei Endidae dürfte hier vorerst zur
ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts in
der heutigen Ortschaft Vill in der
Größenordnung von ca. 6000 m² auszumachen sein. Ein archäol.
Ausgrabungsbericht (s.o.) verdächtigt dazu ein Gebäude von 737 m² in
Neumarkt-Kahn. Die Anlage in Vill wird später ebenso wie die bei Kahn von
einem Erdbeben gegen Mitte des 3. Jahrhunderts zerstört. Etwas oberhalb in strategisch günstiger Lage entwickelt
sich auf der Bergterrasse von Endidae aus dem anfänglichen Marschlagerplatz
an der Via Claudia Augusta eine erste Militärstation in der Größenordnung von
5-6 ha für etwa zwei Kohorten (C1).
Es handelt sich dabei nicht um ein Auxilarkastell (Kastell für nicht-römische
Hilfstruppen), sondern um ein sicheres Versorgungslager an der stark von
Truppen frequentierten Durchgangsroute. Um auch einen umfassenden Einblick in
die nördliche und westliche Talseite gewinnen zu können, wird dazu nordseits des Rabenkofels ("Castelfeder") in
Sichtweite zum Castellum Endidae auch eine Wachstation C eingerichtet,
die zuerst aus einem Turm (turris) und später erweitert wurde (burgos). Weitere Wachstationen folgen auf "Lagerstall" L und
"Königegg" K. In
dieser Zeit lässt Kaiser Hadrian die bekannten Befestigungsanlagen - die
sogenannten Limes - bauen, u.a. in England und im Rhein-Donau-Gebiet.
Die Markomannenkriege und die Bedrohung durch die
Alemannen machen für reibungslosere Truppenbewegungen eine Vergrößerung des Castellums (C1) in ein Castrum
(C2) mit größerem, äußerem
Wehring notwendig. Der Ausbau zu C2 dürfte
unter Kaiser Severus Alexander fertig gestellt worden sein, also in der
ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts. C2 erreicht ca. 12 ha und kann damit mehrere Kohorten
oder eine Legion aufnehmen. Für dieses Legionslager muss im Süden ein neuer
Zugang geschaffen werden (VCA2).
In den Annalen der
Säbener Kirche wird Bauxare im Zusammenhang eines Kaiserbesuchs erwähnt (s.o.). Kaiser
Gratian I. soll sich demnach in diesem Gebiet am 28. August 379
einbefunden haben, um auch Gesetze zu erlassen. In der Nähe des hier
vermuteten Castrums Endidae wurde ein römischer Meilenstein mit dem Namenszug
von Kaiser Gratian entdeckt. Möglicher Hintergrund des kaiserlichen Besuchs
kann der weitere Ausbau zwecks besserer Absicherung des strategisch günstig
gelegenen Lagers gewesen sein. Auffällig ist der unrömische Ortsname Bauxare
vermutlich keltoromanischen Ursprungs, der auf Bauern, Baumänner, Pächter
hinweisen dürfte. Er könnte auf Ausonius, den keltoromanischen Lehrmeister
Gratians zurückzuführen sein. Bauxare könnte also die lebenserhaltende,
bäuerliche Zivilsiedlung (Vicus) jenes Legionslagers gewesen sein. Dazu
bieten sich "Bauxare 1" im Nordwesten (mit
vorgeschichtlichen Wohngruben) an und
ergänzend "Bauxare 2".
Dieses schematisch hier als Castrum C3 eingezeichnete Lager könnte in jener letzten,
römischen Bauphase (Ende des 4. Jahrhunderts, ca. 60 ha) auch Castra Vetera bezeichnet worden sein, vermutlich in Anlehnung an das gleichnamige Castrum im nördlichen
Xanten, das zuvor aufgelassen wurde. Die
Hauptgrundmaße der hier vorgeorteten, großen Lageranlage würde jenen in
Xanten entsprechen. In dieses Konzept passe ebenso die weitere
Namensübertragung auf die übriggebliebene Anlage von Castelfeder (im
Mittelalter: Castel vetere). In der Zeit großer Germaneneinfälle und
römischer Rückzüge könnten Veteranen-Einheiten (v.a. um Castrum Novaesium und
Vetera) hierher in den Süden verlegt worden sein, um die römischen Städte im
Süden vor noch tiefer eindringenden Volksstämmen bereits hier im Vorfeld
schützen zu können.
Die große Festungsanlage könnte deshalb unbekannt
geblieben sein, weil seine Ausbauzeit in die späte Römerzeit gefallen ist, wo
es nur mehr darum ging, das römische Imperium auch weiter hinter den Fronten
vor dem drohenden Zerfall zu retten. Der Bau und die Funktion der bekannten
Vorgänger an den wichtigen Grenzwällen von Rhein und Donau standen jedoch
noch im Schein des römischen Expansionsdrangs. Außerdem dürfte es schon von
der Situation her großteils einem Feldlager, denn als einem Stadtlager
entsprochen haben.
Bereits vor dem Fall des
römischen Kaiserreichs übernehmen germanische
Feldherren (Rikimer, Odoaker) die Anlage
und bauen sie nach germanischen Mustern aus. Sie wird mit anderen höher
gelegenen Berglagern Teil eines zentralalpinen Limes, um mögliche Einfälle
aus dem Norden abzuwehren. Unter den Ostgoten
und Langobarden dürfte das Castrum zu
einer Festungsanlage C4 von ca. 120 ha mit weiteren Vorlagern
("Castelfeder" C, "Lagerstall" L,
"Königegg-Kiechelberg" K)
anstelle der bisherigen römischen Wachposten ausgebaut worden sein (hier
nicht mehr vollständig berücksichtigt). In dieser
Phase könnte die große Anlage in Form eines stilisierten Adlers angedacht
worden sein. Der Adler war das
Feldzeichen der römischen Legionen, das Adelszeichen der Ostgermanen, - der
Doppeladler, Wappentier des byzantinischen Reiches, das unter Narses seine
Grenzen für einige Jahre ebenso bis hierher verlegen konnte. Die germanischen
Lagergrößen kommen dadurch zustande, da in diesen Wehrlagern sich nicht nur
das militärische Leben abgespielt hat. Ein derartiges Großlager konnte auch
längeren Belagerungen standhalten, während "Castelfeder" allein
schon aus Wassermangel nur kurz zu halten war. Weitere Ausbauten erfolgten
unter den Langobarden-Bajuwaren Richtung Dorfzentrum Montan und Pinzon
(hier nicht mehr berücksichtigt, siehe dafür abschließende Abbildungen).
Dabei führte dieser Ausbau in die Form
eines Quadrat-Kreises C5 (von ca. 700 m Seitenlänge) hinein und zu weiteren
peripherer Elementen C6. Die Quadratstruktur könnte bereits älter vorgegeben
gewesen sein und erinnert an eine atypische Keltenschanze: Sie könnte sich mit der bislang größten entdeckten
Keltenschanze bei Oberhaching-Deisenhofen (dort durchschnittliche
Seitenlänge: 600m) messen, welche ungefähr die gleiche Ausrichtung besitzt.
Dafür spricht hier die genaue Ausrichtung der Ost-Westachse nach dem
Sonnenaufgang zu den Tagundnachtgleichen und der Seitenausrichtung nach den
Sonnwend-Aufgängen. Bei den Tagundnachtgleichen geht die Sonne markant über
die hier höchste Erhebung auf (Bergkuppe Cucul
von cucullos keltisch für Kaputze,
Kappe-Kuppe), wo sich wieder uralte Strukturen einer Siedlung oder eines
Kultortes befinden, welche von offizieller Seite bislang ebenso noch nicht
wahrgenommen wurden. An den beiden Sonnwendpunkten hingegen geht sie an den
niedrigsten Geländepunkten dieses Berges auf. Für eine derartige
keltenzeitliche Einrichtung spricht darüber hinaus noch das 5 km entfernte
überregional bedeutende Gräberfeld Stadlhof, dessen
Hauptbestattungsphase in die Keltenzeit fällt.
In der
frühmittelalterlichen Epoche hat die Wehranlage hauptsächlich als
Grenzfestung gedient. Als bajuwarische
Wehrsiedlung konnte sie auch den fränkischen Angriffen im Jahre 784 noch
standgehalten haben. Allerdings wird
Tassilo III. vom Frankenkönig Karl d. Großen über eine Verschwörung 788
politisch entmachtet, was der Anfang vom Ende dieser Festung gewesen sein
durfte. Um 789 dürfte diese schließlich
großteils demontiert worden sein. Das
abgelegenere und strategisch weniger bedeutende, kleinere Castelfeder-Lager
belässt man dabei weiterhin einer gewissen militärischen Nutzung. Eine
gewisse Aktivierung der Befestigungsanlage unter Berengar I. und II. und den Ottonen bis zu
den Kreuzzügen (Mitte 11. Jh.) ist
naheliegend, da im Deutschen Reich diese Grenzlinie zwischen Herzogtum Bayern
und Markgrafschaft Verona an Bedeutung wieder zugenommen haben durfte.
Das langobardische Castrum
Ennemase kann hingegen in keinem Nahverhältnis zum Castrum Endidae und Castelfeder gesehen
werden.
Was die langobardischen Kastelle betrifft, die
Paulus Diaconus im Zusammenhang mit dem Frankeneinfall um 590 aufzählt (u.a.
Ennemase), sind darunter weder ein Castrum Endidae-Vetera noch ein Castel
Vetere (Castelfeder) gemeint. Diese dürften im Zuge jenes frühen
Frankeneinfalles ebenso wenig wie die Stadtfestung von Trient nicht erobert
worden sein. So von der Versorgung abgeschnitten, endete dieser große Angriff
für die Merowinger in ein militärisches Fiasko.
Kurzübersicht zur
vermutlichen Entwicklung von Castrum Endidae-Vetera
Marschlagerplatz im 1. Jahrhundert
Standlagerentwicklung (C1-C2 vorwiegend
versorgendes Feldlager):
C1
Castellum, Anfang des 2.
Jahrhundert - 5-6 ha
C2
Castrum (Legionsfeldlager), Anf.
3. Jahrhundert - über 12 ha
C3
Castrum ("Doppellegionslager"), Ende 4. Jh. - ca. 60 ha
C4
ostgot.-langobard. Festung (in stil. Adlerform), Anf. 6. Jahrhundert
Lagergebäude um 789
abgebaut - unter Karl d. Gr. nach der Entmachtung Tassilo III. (788).
Montanis: Vermutlich lässt sich der latinisierte,
frühmittelalterliche Namen Tirols "terra in montanis"
(übersetzt als "Land im Gebirge") auch aus dieser seiner größten
und beherrschenden Befestigungsanlage zurückführen, wie der spätere,
hochmittelalterliche Namen Tyrol sich ebenso aus dem Namen der Burg Tyrolis
ableiten lässt. Aus den germanischen Heldensagen (Dietrichepik) wird in
diesem Umfeld eine Burg Muter genannt. Weitere Schreibweisen dazu: Mauter,
Moutarn. Montan nach alter Montaner Mundart: Matan. Dabei geht es
hauptsächlich um kriegerische Auseinandersetzungen im (Land im) Gebirge,
vorwiegend Richtung Dolomiten. Weitere wichtige Burgennamen in diesem
Zusammenhang sind A(u)rone (später: Aure/Ore, heute: Auer), Trutmunt (heute:
Truden-Montan), Schloß Altenfels (Castel Vetere - Castelfeder) welche alle
auf dieses Festungsumfeld fallen würden, wo sich immer schon das Tor in die
Dolomiten über Truden befunden hat, das hier früher aber besonders streng
befestigt und bewacht wurde.
Ergänzende/vergleichende
Hinweise zum Aufbau eines Castellum/Castrum:
Mindestgröße eines Legionslagers: 5-6 ha.
Größe wichtiger Legionslager zumeist: 20-40 ha.
Alle römischen Lager hatten einen ähnlich
strukturierten Grundriss (siehe Abbildung links). Gelingt es jene
charakteristischsten Bauformen zu orten und zu identifizieren, kann ein
solches Lager relativ einfach nachgewiesen werden.
Beim Castrum Endidae sind der rechteckige
Grundriss und seine Strukturen, an die natürliche Bergterrassenform angepasst
worden. Der Ringgrabenbau konnte damit weitgehend eingespart werden. Der
Grundriß der Version C3 entspricht bereits dem Castra Vetera (Xanten). Diese
und folgende Bauentwicklungen lassen sich heute jedoch von Laien nur mehr
schwer nachvollziehen, da nach Abbau und weitgehender
intensiv-landwirtschaftlicher Nutzung die Spuren oberflächlich fast völlig
ausgelöscht wurden. Die wichtigsten Strukturen eines römischen Lagers:
P
Das Praetorium (oder principia)
entspricht dem Lagerzentrum. In diesem Bereich stand das Quartier des
Kommandeurs (Stabsgebäude oder Feldherrnzelt) mit Altar, Fahnenheiligtum,
Tribunal, Feldzeichen und Kaiserbildnis. Das
Tribunal (oder suggestus), ein
erhöhter Bereich (beim Findlingsblock) für den Befehlsempfang und für
Ansprachen ist noch deutlich erkennbar.
F
Forum, ein zum Tribunal dazugehöriger
freier Versammlungsplatz im Süden
PP
Ausfalltor (porta praetoria) -
zumeist im Norden positioniert
PD
rückwärtiges Tor (porta decumana),
dem Ausfalltor gegenüberliegend
Q
Quaestorium - Verwaltungsbereich
des Quästors (Spieß)
PPD
rechtes Lagertor (porta principalis dextra)
PPS
linkes Lagertor (porta principalis sinistra)
VP-C
Lagerhauptstraße (via praetoria oder cardo) von Nord nach Süd
VP-D
Hauptstraße (via principalis oder decumanus) zwischen den Seitentoren
VQ Nebenstraße (via
quintana)
T
Befestigungsturm (turris) - im
Castrum Endidae ca. 12 Stück
Die Bergschanzenabhänge ersetzen hier den sonst
üblichen, künstlichen Grabenring.
X
Der Friedhof der Besatzung könnte
vielleicht südwestlich der Anlage angelegt worden sein.
Römische
Truppeneinheiten:
1 Kohorte= 3 Manipel= 6 Zenturien = 360- 600 Mann
1 Legion= 10 Kohorten = 3600-6000 Mann
|
|
|
Fotoausschnitt aus dem
Band I "Montan" vom Landesdenkmalamt Bozen, 2003
Bei diesem interessanten Castelfederbild gelingt
dem Fotografen unbewusst ein Volltreffer auf die markante Bergterrasse des
hier vermuteten ehemaligen Lagerzentrums von "Castrum
Endidae-Vetera", während sich
Castelfeder klein im Hintergrund hält. Zur besseren Vorstellung der einstigen
Anlage habe ich den Befestigungsumfang des
Hauptlagers eingezeichnet, ferner die Wachstation auf
Castelfeder von der aus man einen umfassenden Einblick in die nördliche
Talseite gewinnen konnte. Neben dem heute großteils landwirtschaftlich und
urbanistisch bebauten Gelände wäre noch eine Teilrekonstruktion des Castrums
(zumindest in Form eines Turmes und/oder eines Zuganges) möglich und
sinnvoll.
4.4. Erste Oberflächenfunde
·
Spuren von alten
Wegtrassen, Felsdurchbrüche an/zu vermuteten Torstellen und Gräben
·
verschiedene Planierungen,
davon noch eindeutig erkennbar ein Hausgrundriss im südlichen Teil
·
größere
Steinhaufen-Reihen
·
Mauerreste treten
vor allem an abschüssigen Stellen der Südhälfte zum Vorschein
·
Besonders an der
Südhälfte zeigt sich eine auffällig hohe Streuung und Häufung von Steinen mit
Mörtelspuren aus opus caementitium.
·
Eine in den Fels
gemeißelte (Wasser?)Rinne am trockengelegten Teich - in der Nähe ein
teilweise im Boden steckender, großer Quaderstein.
Hoch- und Spätmittelalterliche
Bauspuren wären besser erhalten geblieben. Es scheint, dass die Menschen im
damaligen Südtirol die Römerspuren systematisch beseitigt haben. Daher müssen
auch die nächsten römischen Stationen Pons Drusi (bei Bozen-Sigmundskron) und
Maiense (bei Meran-Mais) bis heute als verschollen gelten. Die germanischen
Bauten wurden nur an den wichtigsten Stellen mit Mörtelmauerwerk versehen.
Diese passten sich stärker an natürliche Oberflächenformen an, die bei Bedarf
mit Erdwällen und Palisaden ergänzt wurden. Diese Bauten ließen sich schließlich
von den Karolingern noch einfacher entfernen.
Der erreichte SP-Wert
des hier georteten Endidae liegt wahrscheinlich bei 9. Die bisher archäologische
Ortungs-Situation liegt weit gestreut zwischen 4-6 und bezieht sich
hauptsächlich auf die zufällig entdeckte Fundstelle eines römischen Gebäudes
in Neumarkt (bei Kahn), die seither einfachhalber als "offizielles"
Endidae favorisiert und nun (September 2004) als solches ausgestellt ist,
obwohl die bisherigen Fakten eine andere Sprache sprechen.* Hier ein Fall von
künstlicher Mythosbildung im unbedeutenderen Objekt-Bereich. Anscheinend
hatte diese Ortsbezeichnung lange genug herumgegeistert und wollte endlich
einen Ort zugewiesen bekommen. Die genannten Gebäudefunde im Hauptort
Neumarkt boten sich für diesen "Geist" Endidae als nächstbeste
Ruhestätte an - eine vereinfachte Ersatzlösung, bestimmt nichts
Letztgültiges.
* Beispiel: Wäre eine
kleine ungesicherte Raststation (Neumarkt, Kahn) die einer Zenturie in der
Zeit kriegerischer Völkerwanderungen kaum Platz und Schutz bieten konnte,
wichtig genug gewesen, um auf einem Straßenverzeichnis im fernen Rom
ausgestellt zu werden? Die röm. Station Endidae erschien im röm.
Straßenverzeichnis "Itinerarium Antonini" zu einem Zeitpunkt, wo
dieses Gebäude bereits mit hoher Wahrscheinlichkeit zerstört war und nachher
auch nicht mehr wieder aufgebaut wurde. Entspräche jedoch jenes röm. Gebäude
in Neumarkt wirklich jener Station oder wäre diese zumindest im nächsten
Umfeld zu suchen, hätte der nachfolgende Auf- oder Ausbau der Station auch
die Nutzung dieses Areals wieder bewirken müssen, was hier jedoch nicht
festzustellen war...
4.5. Nachtrag zu weiteren
schriftlichen Hinweisen
Vinzenz von Pallhausen in "Beschreibung der römischen Heerstraßen von
Verona nach Augsburg", München 1816, S.78:
"Nun kommen wir gleich außer Neumarkt* auf die Römerstation
Endide, jetzt ein Dorf Ennye, auch Enn genannt**. Die Benennung ist höchst verwandt mit dem griechischen
Endion = Diversorium und Endiodi = intus domi. In der Gegend von Endide wurde
ein hübsches Opferbild des Bacchus ausgegraben und nach Innsbruck gebracht.
Ober Endide ist noch ein Ort, Villa*** genannt, wo Kaiser Augustus sich öfter belustigt haben
soll. Gleich neben Endide liegt die uralte Felsenburg castellum foederis**** in Ruinen, wo ich
oben erzählt habe."
* Wenn Neumarkt hier bis
zum Trudener Bach verliefe, wäre das eingezeichnete Castrum Endidae ca. 800m
davon entfernt. Zählt er auch Vill zu Neumarkt, wären es nur mehr 400m.
** Mit dem Dorf Ennye/Enn könnte Montan gemeint
sein, das sich gleich östlich des eingezeichneten Castrum Endidae anschließt
und zu dem auch das Schloss Enn weiter bergaufwärts gehört.
*** Mit Villa könnte das eingezeichnete Bauxare
oberhalb des eingezeichneten Castrum Endidae (dessen Zivilsiedlung) gemeint
sein, das in einem ähnlichen Zusammenhang erwähnt wird (s.o.). Villa wird nur
erwähnt ("genannt"), was darauf hinweist, dass er diesen Ort nicht
richtig zu Gesicht bekommen hat, wie etwa das Dorf Vill im Talboden.
Vielleicht verwechselte er Villa mit Pinzon.
**** Gleich 400m nördlich des eingezeichneten
Castrums erhebt sich der Burghügel von Castelfeder. Interessant, dass hier
bereits von Pallhausen als Durchreisender zwischen Endide und der Burganlage
Castelfeder unterscheidet kann und auch Neumarkt von Endide trennt.
Vinzenz von Pallhausen
könnte also mit der Römerstation Endide den untersten (westlichsten)
Dorfbereich von Montan gemeint haben und käme damit der hier vorgestellten
Endidae-Ortung am nächsten.
In einer
Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1189
des Bischofs Konrad von Trient wird Neumarkt als "neuer Markt Enn"
erwähnt. Daraus lässt sich ein ehemals alter Markt Enn höchstwahrscheinlich
um den Bereich Alt-Enn (Castelfeder) erschließen. Dabei könnte noch im
Frühmittelalter das alte Forum-Areal des oben vermuteten Castrum Endidae als
Marktplatz gedient haben. Später als die frühmittelalterlichen Kriegszüge der
ausgehenden Völkerwanderung im Etschtal abnahmen, ist der Handel und Verkehr
verstärkt zu den Tälern übergegangen. Infolge dieser Entwicklung dürfte der
(alte Vieh-)Markt im Castelfederbereich nach Neumarkt herunterverlegt worden
sein.
5. Schlussbemerkung
Gehören also zu Endidae und
Pons Drusi doch derartige Castra zugeordnet, wie das auch für Maiense
(Meran-Mais) gilt? Denn römische (Wach- und) Raststationen säumten die
Römerstraßen viel zahlreicher, ohne dass all diese in den Straßenverzeichnissen
aufgenommen hätten werden können - und höchstwahrscheinlich wurden uns nicht
einmal alle Castra-Orte überliefert. Zumeist wurden an solchen wichtigen
Strecken aber nur städtische Siedlungen (Tridentum), Siedlungen an
bedeutenden Straßenknotenpunkten und Zollstationen (Sublavio, Maiense)
berücksichtigt. Außerdem wäre eine generelle Publikation strategisch
wichtiger Lageranlagen im Hinterland ohnehin kontraproduktiv gewesen. Da
Endidae jedoch weder eine städtische Siedlung war, noch eine römische
Grenzstation, erhöht sich hier die Wahrscheinlichkeit über die Existenz der
hier vorgeorteten strategischen Versorgungs- und Straßenkontrollstation an
jener wichtigen Nord-Süd-Route mit Zugang ins Dolomitengebiet.
Es bleibt nun den
zuständigen Archäologen überlassen, den hier vorgestellten Ortungsergebnissen
näher auf den Grund zu gehen. Auch wenn diese in relativ kurzer Zeit
induzierten Ergebnisse sich nicht alle bestätigen sollten, dürfte hiermit
dennoch eine effiziente, weiter entwicklungsfähige Ortungs- und
Rekonstruktionsmethode gegeben sein. Der Einsatz als Planvorgabe etwa wie
hier in der Geschichts- und Kulturgutforschung könnte die begrenzten
Arbeitsressourcen besser nutzen und auf bedeutsame, schwer auffindbare
Forschungsziele ausgedehnt werden, ohne dafür Jahrzehnte oder gar
Jahrhunderte an wertvoller Zeit in Anspruch nehmen zu müssen. Längst müssen
sich Archäologen ohnehin fast ausschließlich aufs Notwendigste beschränken:
Sichern und Schadensbegrenzen an Kulturgütern aus Zufallsfunden. Besondere
Forschungsunternehmen sind hier seitens der Politik meistens zu aufwendig und
abenteuerlich, ein möglicher Ertrag daraus dennoch stets willkommen, wegen
der unverzichtbaren positiven Impulse für Wissenschaft, Kultur und Tourismus.
Baut man jedoch weiterhin nur auf die Norm, Pflichterfüllungen, restriktive
Verwaltung, konventionelle Methoden ... überlässt man dieses weite Feld wie
bisher den seltenen Zufällen - mit dem Nachteil größerer
Zeitverluste, geringerer Einblicksmöglichkeiten, ungenutzter Ressourcen,
höherer Aufwendungen und häufigeren Fehlurteilen.
April 2004
6.
Zusammenfassende Ergebnisse 2003-6: Endidae, Castra Vetera, Trutmunt, Arona
Die folgenden schematischen Übersichten eröffnen einen
Einblick in die Ortungsergebnisse von 2003-2006, die anfangs nur die
Lokalisierung von Castrum Endidae vorsahen. Aufgrund der dabei
bislang unentdeckten Befunde weitergehender Lagerentwicklungen, wurde dieses
Projekt fortgesetzt, um jene ausgedehnteren Strukturen noch einigermaßen zu
erfassen, die der verbreiteten Fachmeinung widersprechen (V. Bierbrauer, ...), das Land hätte
keine besonderen, spätantik-frühmittelalterlichen Verteidigungsstrukturen
aufzuweisen gehabt.* Da diesbezüglich bereits wesentliche Erörterungen
vorausgingen, soll hier eine punktuell ergänzende Kurzeinführung zu den
Einzeichnungen in den Luftbildern (unten) ausreichen. Etwa zwei Drittel der
Einzeichnungen lehnen sich an markanten Hinweisen/Spuren im Gelände – die
restlichen sind gedachte Ergänzungslinien:
- Die
längere Hauptentwicklungsphase vom 2.-8. Jh. n. Chr. kann hier
übersichtshalber natürlich nur in den Hauptzügen angedeutet werden:
Neben den zahlreichen überlagernden Ausbauschritten, sorgten der
anschließende Abbau und die darauffolgenden Veränderungen über 1900
Jahre hinweg für eine massive aber nicht vollkommene Spurenbeseitigung.
Ein weiterer, entscheidender Grund der verhältnismäßig geringen
Befunddichte liegt daran, dass die letzte Hauptausbauphase in
germanischen Händen lag, die ihre Bauten im Gegensatz zu den Römern unauffällig
der Natur anpassten, sodass es heute oft schwer sein kann, die
Strukturierung einer alten Kulturgrundgewinnung oder einer alten,
wehrbaulichen Maßnahme zugrunde zu legen, da das eine das andere
überlagert bzw. ergänzt. Erst übergreifende Untersuchungsarbeiten können
hier Lösungsansätze anbieten. So zeigt beispielsweise das letzte
Luftbild „Zentrierte Keltenschanze in Montan (?)“ eine Positionierung
regelmäßiger Strukturen, die allein aus zufällig bäuerlicher
Ansiedlungspraxis nicht erklärbar ist: Eine Kreis-Quadrat-Anlage
zentriert in einer überwiegend natürlichen Halb-Zwölfeck-Geländeform und
so ausgerichtet nach astronomisch-geomantischen Gesichtspunkten, was auf
eine Art Keltenschanze schließen ließe, könnte damit noch älteren
Ursprüngen sein. (festgestellt auch in Kärnten zum keltischen „Noreia...“ )
- Die
nummerierten Mittellinien bzw. Symmetrieachsen 1-6 versuchen den
späteren chronologischen (2.-8. Jh) Entwicklungsverlauf Richtung Osten
(rechte Bildseite) hin nachzuvollziehen. Außergewöhnlich sind neben den
interessanten Formgebungen, die Versuche diese symmetrisch bzw.
symmetrienahe auszurichten. Eine derartige Wegesymmetrie zu den
Ausrichtungslinien 5 hat sich beispielsweise bis heute auch in der
Namensanalogie Kalditschweg
(rom.-lad.) und Kalteggstraße
(mhd.) erhalten, mit der alten Bedeutungsgrundlage Steineschlagen-Steinbruch, die bis in die Antike
zurückreichen könnte. Das Gebiet weist eine Vielzahl alter Steinbrüche
auf, was ebenso auf die einst rege Bautätigkeit vor Ort zeugt. Der
Winkelabstand zu 5a-b von einem Grad könnte durch Variantenänderungen
verursacht worden sein. Es handelt sich hier um die längste Mittellinie
von über 2,5 km. Zu den erforderlichen Vermessungspunkten wurden bereits
einige potentielle Messsteine entdeckt.
- Das alte
Wegenetz kennzeichnet vorwiegend weiße Linien mit Pfeilen, während
potentielle Lagerstrukturen je nach Bedeutungsgrad durch
unterschiedliche gelbe Linien mehr oder weniger hervorgehoben sind.
Zwecks Verdeutlichung der symmetrischen Ausrichtungen sind
orientierungshalber zuweilen Anlagebereiche symmetriekonform auf die
andere, rechte Seite abgeschwächt hinprojiziert, auch wenn diese dort in
ähnlicher Form nicht mehr vorhanden sein können.
- Die
typisch römischen Rechteck-Anlagen sind hier bereits geländeangepasst.
Es folgten noch stärker dem Gelände angepasste Erweiterungen, die zu
komplizierteren Formen stilisiert wurden (Adler, Greif, Doppeladler). Wo
sich diese nicht aus dem Gelände ergaben, wurde durch künstliche
Geländeeingriffe etwas nachgeholfen.
- Die
römischen Anlagen hatten zumeist genormte Maße. So entspricht das große
Rechteck den Maßen des Doppellegionslagers von Xanten Castra Vetera (Castel vetere -> heutige
Nennung hier: Castelfeder). Wird
dieses Rechteck nach Osten gespiegelt (um die Symmetrielinie 4), deckt
sich dessen Mittellinie 2 mit der Mittellinie 6, auf die die
Kreis-Quadrat-Struktur positioniert ist. Der Flächeninhalt dieser beiden
geometrischen Lagerformen ist interessanterweise identisch, was kaum
Zufall sein kann. Ebenso gezielt erscheint die Kreis-Quadrat-Anlage auf
die große Terrassenform positioniert worden zu sein, die als Teil eines
naturgegebenen Halb-Zwölfecks ausgemacht worden sein konnte, in dem das
Kreis-Quadrat zentriert wurde. Siehe dazu letztes Lagebild unten:
„Zentrierte Keltenschanze in Montan (?)“
- Die
maßgebenden Hintergründe der Adlersymbolik weisen hier zudem auf eine
besondere militärische Stellung hin, was den ungewöhnlichen
Entwicklungsverlauf erklärt: der Adler als römisches Heereszeichen und
ostgermanisches Adelszeichen; der Doppeladler im byzantinischen
Reichswappen.
- Aus
diesen speziellen Anlageformen lässt sich außerdem eine nicht-römische
Verteidigungstaktik erkennen, mit der Absicht den angreifenden Feind in
speziellen Kampfzonen innerhalb der eigenen Festungsanlagen
einschließend niederzumachen. Sie scheint ab und zu in den
Überlieferungsresten der aventiurehaften
Dietrichsagen als (geflügelter) Drache (Greif) auf, der
Ritter/Krieger verschlingt.
- Bleibt
dann noch die Überlieferungsfrage: Warum scheint eine derart bedeutende
Wehranlage nicht wenigstens in den Überlieferungen auf?
·
Wie bereits oben hingewiesen, hatte Karl der Große die Neigung, alles was
sich seiner historischen Größe im Wege stellte, auszulöschen. Das reichte bis
hin zur Geschichtsfälschung. Dieser für die Franken seit je her schwer
durchzubrechende Talbereich musste also von seinem Standpunkt aus nicht nur
äußerlich verschwinden, sondern auch aus etwaigen historischen Schriften.
·
Geschichtsschreibungen oder Urkunden aus dieser Zeit
und diesem Bereich sind äußerst selten. Die wenigen, wagen Hinweise des
langobardischen Geschichtsschreibers Paulus
Diaconus kamen leider ebenso unter Führung Karl d. Gr. zustande, den er
erpresste: Denn mit seiner frankophilen, langobardischen Geschichtsschreibung
konnte Paulus Diaconus das Leben seiner Verwandten retten.*
·
Die einzigen Hinweise könnten aus den ältesten noch
verbliebenen Überlieferungen dieses Raumes abgeleitet werden - den aventiurehaften Dietrichepen (13.
Jh.). Ihre hist. Quellen dürften auf inzwischen verlorengegangenen Chroniken
zurückgehen (wie beispielsweise die des Abts Secundus von Trient, 6. Jh., aus der auch Paulus Diaconus schöpfte). Dabei sind „Goldemar“
und „Virginal“ jene Dietrichepen,
die sich ganz zentral auf dieses Gebiet bezogen haben dürften:
o
Goldemar: Aus dem leider
nur bruchstückhaft erhaltenen Goldemar erschließt sich der Zwergenkönig
Goldemar als kaiserlicher Zwerg, hinter dem auch der kleinwüchsige Narses (um 490-574) stecken könnte:
Dieser war Eunuch und wohl bekanntester Feldherr des oström.-byzantinischen
Kaisers Justinian I. Beim
Italienfeldzug gegen die Ostgoten (Dietrich-Theoderich war Ostgote) hatte es
Narses nördlich bis in diese Gegend um Trient verschlagen. Seine Goldgier war
legendär. Nach seinem Tode fand man seinen Keller bis oben hin mit Gold
gefüllt. Goldemar zerstörte hier den Wald und Berg Trutmunt für seinen Festungsbau. Eine derartig großflächige
Rodung und Geländebearbeitung würde den hier dargestellten Festungsbau allein
schon aus vermessungstechnischen Gründen voraussetzen. Dass dieser hier auch
tatsächlich durchgeführt wurde, lässt sich bis heute an der Landschaft und
dessen Gelände ablesen, die daher auch den Übernamen „Arkadien Tirols“ trägt
und gleichfalls an griechisch-byzantinische Gefilde und ihren Raubbau
erinnert. Trutmunt könnte noch
heute in den Namen Truden-Montan
enthalten sein. Im 20 km entfernten Bozen wurde 769 die älteste noch
erhaltene Urkunde des Landes von Tassilo
III. unterzeichnet (Schenkungsurkunde zur Klostergründung Innichen), als
er gerade aus Rom zurückkehrte. Mitunterzeichner war ein (Graf von) Drudmunt, der hiermit auch seine
Herkunft gezeichnet haben dürfte. Drudmunt könnte also seinen Herzog durch
sein Territorium im Süden nach Bozen begleitet haben, wie es damals der
Brauch war.
o
Virginal: Virginal stellt
eine bedrängte Dolomitenkönigin dar, welche Dietrich und sein Gefolge befreien wollen. Ehe sie dazu vom
Etschtal aus ins Gebirge steigen, halten sie sich länger in der
ausgezeichneten Burg Arona/Arone
auf. Noch heute träfe ihre Beschreibung auf Castelfeder und dessen Umfeld zu.
Und noch heute fährt man über Auer in die Dolomiten. Im Namen Auer (1215 Ore, 1234 Aura, Aure)
klingt noch etwas vom Namen A(u)rona
nach. Arona leitet sich jedoch auch
von germ.-ahd. ara, aro, aran, aron
für Adler ab: ein Hinweis auf eine Adlerburg
also? Früher ging der Weg in die Dolomiten von hier aus über Montan-Truden (=Trudmunt). Mouter oder Muter (hier Montan) und Orteneck (zum Flurnamen Ortental von
kelt.-germ. Spitze, Ende, spitzes Ende - Endidae)
kommen darin als weitere Burgen vor, die jedoch innerhalb einer Chronik die wechselnden
Bezeichnungen eines häufiger vorkommenden Festungsbaus gekennzeichnet haben
könnten, von der schließlich nur mehr die Epos-Versionen überlebten. An
anderer historischer Stelle werden die „clusurae Trodena“ erwähnt, die diesen
wichtigen Übergang kontrollierten, welche man im Fleimstal vermutet. Einen Rest dieser von fachlicher Seite
bislang noch unentdeckten mysteriösen Sperranlagen kann aber in den Pinzoner Egger einfach identifiziert
und offen besichtigt werden (unterste Einzeichnungen der folgenden
Darstellung).
*Als Beleg dafür gelten die kaum
vorhandenen archäologischen Spuren von frühmittelalterlicher Wehranlagen (Wie
es aussieht hat man jedoch bislang nicht gezielt danach „gefahndet“, denn
Karl d. Große verstand es solche Spuren ebenso gezielt zu beseitigen.), und
P. Diaconus Beschreibung des fränkischen Feldzugs gegen die Langobarden 590
(dessen hintergründige Botschaft anscheinend bislang ebensowenig durchschaut
wurde):
Diesem großangelegten Kriegsunternehmen
gingen jahrelange Vorbereitungen voraus, dessen Ziel es war das
Langobardenreich in einem dreifachen Zangenangriff einzunehmen. Sieben
fränkische Heere erreichten dazu die nordwestitalienischen Städte (Turin,
Pavia, Mailand, ....) und warteten hier wie abgesprochen in belagernder Weise
auf die verbündeten byzantinischen Heere, die von Ravenna her den
nordöstlichen Teil Italiens eroberten. Diese hatten sich jedoch noch mit den
13 fränkischen Heeren zu vereinen, die von Norden her das tridentinische Land
einzunehmen hatten, damit ihnen Herzog Evin von Trient anschließend nicht in
den Rücken fallen kann. Und gerade daran scheiterte dieses Unternehmen.
Einerseits hatte dieses Kontingent mit Evin von Trient inzwischen einen
Waffenstillstand vereinbart, anderseits dürfte nur mehr ein Bruchteil dieser
Heere im Süden angekommen sein, sodass die byzantinischen Einheiten sich
gezwungen sahen, sich wieder zurückzuziehen. Dass dieses Fiasko der
fränkisch-byzantinischen Übermacht von P. Diaconus in seiner
Langobardengeschichte zur Freude Karl d. Großen verschleiert wurde, kam den
Historikern bislang jedoch nicht in dem Sinn. P. Diaconus ließ allerdings
jenen einen Durchblick offen, die der Sache auf den Grund gehen wollten:
·
Das Aufgebot von 13 Heeren für die tridentische Flanke
im Verhältnis zu den 7 Heeren der Hauptvorstoßrichtung im nordwestlichen
Bereich ist enorm. Allein dies belegt, dass die Franken hier schwierigste
militärische Verhältnisse erwarteten.
·
Die Hervorhebung von 13 zerstörten tridentinischen
Burganlagen, als ob es sich um wichtige Örtlichkeiten gehandelt hätte, in
Wirklichkeit aber von zumeist relativ untergeordneter Bedeutung waren.
·
Die meisten Langobarden sollen sich ergeben haben -
warum mussten ihnen dann die Franken Kleider und Waffen verkaufen, damit sie
nicht verhungerten? Warum zogen sich die Byzantiner wieder zurück?
Genug der Widersprüche! Das Wichtigste
kommt hier nicht zur Sprache, dass die fränkischen Heere hier in den engen
Talpassagen relativ einfach einzukesseln und von den hohen Flanken her
niederzumachen waren – ähnlich wie das Arminius mit den Legionen des Varus in
Germanien veranstaltete. Noch dazu waren in diesem Falle die Langobarden
hervorragende Bogenschützen, die Franken hingegen ausschließlich Nahkämpfer.
Schließlich erhielt Herzog Evin von Trient den ehrenvollen Auftrag die
Friedensverhandlungen mit den Franken zu führen, was seine militärischen
Leistungen in diesem Bereich unterstreicht, die das Langobardenreich noch
einmal aus der Schlinge der übermächtigen Franken befreit hatten.
Erst nach fast zweihundert Jahren konnte
das Langobardenreich dann von Karl d. Großen wirklich erobert werden. Nach
einer bekannten Sage gelang es ihm die gefürchteten langobardischen Tal- und
Passsperren nur durch Verrat zu Durchdringen.


7.
Literaturauswahl
Archäologie der Römerzeit in Südtirol
Forschungen zur Denkmalpflege in Südtirol -
Abteilung Denkmalpflege, Amt für Bodendenkmäler
Herausgeber: Lorenzo Dal Ri, Stefano di Stefano
Folio-Verlag, Wien 2002. - S. 1150
Bierbrauer, Volker:
Langobarden, Bajuwaren und Romanen im mittleren
Alpengebiet im 6. und 7. Jahrhundert :
Siedlungsarchäologische Studien zu zwei
Überschichtungsprozessen in einer Grenzregion und zu den Folgen für die
'Alpenromania'
Grenzen und Grenzregionen; 1994, S. 147-178
Dal Ri, Lorenzo; Baggio Bernardoni, Elisabetta:
Una campagna
di scavo a Castelfeder: notizia preliminare
Aus: Aquileia
Nostra, Vol. 57, 1986. - S. 849-864
Dal Ri, Lorenzo und
Marzoli, Catrin: Castrum Vetus birgt noch Geheimnisse
Monatszeitschrift "Das Land Südtirol"
der Südtiroler Landesregierung, Juni 2003
Langes, Gunther: Überetsch
und Bozner Unterland, 5. überarbeitete Auflage
Verlagsanstalt Athesia - Bozen, 1991. S.
220
Lona, Heinrich: Auer im
Südtiroler Unterland
Herausgeber: Verkehrsverein Auer, 1977. - S.
307
Malfér, Viktor: Castelfeder
- das Arkadien Tirols, 2. Auflage
Heimatschutzverein - Bozen, 1980. - S. 81 mit
Karte
Montan - Band 1
Mit Beiträgen verschiedener Autoren
Herausgeber: Schützenkompanie Montan, 2003
Naturerlebnisweg
Castelfeder
Text: Martin Schweiggl - Amt für
Landschaftsökologie, u.a.
Autonome Provinz Bozen-Südtirol, 2003. - 12
Blätter
Neumarkt an der Etsch
Mit Beiträgen verschiedener Autoren
Herausgeber: Verein für die Ortspflege, Neumarkt,
1997
Pallhausen, Vinzenz
von:
Beschreibung der Römischen Heerstraße von Verona
über Trient, Botzen, Brixen, Innsbruck
und Partenkirchen etc. nach Augsburg : mit
archäologischen, historischen, topographischen,
etymologischen und mythologischen Notizen und
Abhandlungen
München : Lentner, 1816. - XII, S. 376
(Bojariae Topographia Romano-Celtica)
Reinecke, Paul: Endidae
Zeitschrift "Germania" - München, 1926,
Heft 2. - S. 150-155,
Tafner, Enrico:
Radiestesia
archeologica : studi e ricerche 1979 - 89
Selbstverlag
- Trento, 1989. - ca. 70 Blätter
Vigevani, Alessandro; Zanetti, Paolo:
Paolo Diacono
cronista
Udine : Ed. Longobarde, 1989. - S. 91
Wolkenstein, Max Sittich
von: Landesbeschreibung von Südtirol
Schlern-Schriften Nr. 34, 1936
Winfried
Huf, Bahnhofstraße 14, I-39040 Auer
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