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© 2004 Winfried Huf
Konzept
zur kulturhistorischen Orts- und Gebietsaufwertung
Inhalt
Einleitende Grundlagen
Weiterentwicklungen
Erweitertes
Gebiets-Zeitfenster
Erweiternde
Aufwertungsortung - ein Lösungsbeispiel
Erweiternde
Aufwertungsortung - ein Problembeispiel
Das Konzept bezieht sich auf die bislang
vernachlässigte Erschließung von verborgenen/verschollenen
Kulturgutressourcen zur Orts- und Gebietsaufwertung, die mehreren Seiten
zugute kommen würden (allg. Bewusstsein, Bildung, Wissenschaft, Kultur,
Tourismus/Wirtschaft...). Zusätzlichen Nutzen könnte außerdem hier noch
jenem Gebiet in der Position der Vorreiterrolle zuteil werden, welches die
Bedeutung dieses innovativen Angebots erkennt und vorbildhaft umsetzt.
Einleitende Grundlagen
1.
Aufwertungsforschung:
Gezielte Ausforschung verschollener oder in Vergessenheit geratener,
interessanter Kulturgüter.
2.
Zeitfenster: Diese dann
entsprechend anschaulich vor Ort, im öffentlichen Raum zu dokumentieren.
3.
Diese können in speziellen
Themenwegen integriert und kartographiert werden.
Einfaches
Beispiel:
Bei
der Christkönig-Kirche (Bauzeit: Faschismus) in Bozen stand vorher die
mittelalterliche St. Quirein Kirche. Viele Einwohner und Besucher wissen
das heute nicht mehr. Eine bildhafte Rekonstruktion der Kirche und
zwei-drei Sätze zur Aufklärung auf einer kleinen Schautafel, die vor Ort zu
installieren wäre, dürfte dieses Manko beheben und bestimmt die Mehrheit
der Fußgänger/Besucher interessant finden, wenngleich sie die Mühe darüber
zu recherchieren verständlicherweise scheuen würden.
Unzählige
solcher Beispiele könnten noch folgen. Entsprechende Hinweise auf
vorstellbar gemachte unsichtbare Denkmäler könnten sich mit der Zeit auch positiv
auf die Wahrnehmung und das Bewusstsein innerer Werte auswirken, das dem
oberflächlichen Denken der heutigen Zeit entgegenwirken könnte und Ursache
vieler Probleme ist.
Weiterentwickelte Grundlagen
Erweitertes
Gebiets-Zeitfenster
Definition:
Ein erweitertes Gebiets-Zeitfenster markiert
eine interessante, zentral gelegene Stelle eines Gebietes von historisch
überregional hoher Bedeutungs- und Ereignisdichte. Dabei könnten auch
mehrere wichtige Zeitpunkte (beispielsweise: Steinzeit, Antike, Mittelalter,
Neuzeit) zusammenhängend vor dem Betrachter veranschaulicht werden und so
die Vergänglichkeit und Quintessenz des Ortes samt Umgebung bewusst gemacht
werden.
Gestaltungsmerkmale:
Gestaltungsgrundlage sind
Karten-Luftbildaufnahmen, ergänzt mit interessanten Rekonstruktionen,
Bildern und kurzen Textstellen kunstvoll in kostengünstiger
Plakat-Tafelform, die sich so auch relativ einfach aktualisieren lässt.
Vorteile:
§
Innovative
Markierung eines Gebietes sowie eines Ortes von besonderer historischer Bedeutung
- vereint Funktionen wie: Meilenstein, Wegkreuzungsschilder,
Kartenorientierung, Schau- und Gedenktafel bzw. Denkmal.
§
Effektive
Bewusstmachung der natur-kultur-geschichtlichen Vielschichtigkeit eines bedeutenden
Gebiets auf einem Blick zusammenhängend dargestellt.
§
Ermöglicht hohe
Wirkungsbreite bei relativ geringem Kostenaufwand (beispielsweise ersetzt
es teils: Fremdenführer/Tourismusbüros, die nicht ständig präsent sein
können, - entsprechende Lektüre, die Gäste selten bei sich tragen, -
aufwendigere Ausstellungs- oder Informationseinrichtungen, - aufwendigere
Werbeausgaben, ...)
§
(EU-)Förderungswürdige
und nachhaltige/beständige Aufwertungsmöglichkeit insbesondere von bisher
in dieser Hinsicht relativ vernachlässigten Gebieten.
§
Flexible
kulturtouristische Einrichtung, als Einzelausführung oder mehrfach im
Zusammenhang eines Großeinsatzes anwendbar und so auch im Internet als
vergleichendes Informationsangebot jederzeit abrufbar.
Erweiternde
Aufwertungsortung - ein Lösungsbeispiel
Ziel
der erweiterten Aufwertungsortung ist es noch unentdeckte
Kulturgut-Ressourcen von überregionaler Bedeutung gezielt aufzudecken, um
hier wichtige Wissenslücken zu schließen, die ein Gebiet sowohl im Detail,
als auch insgesamt bereichern und für einen breiteren Kreis interessanter
machen kann. Dazu ein Beispiel aus Südtirol, wie ein eher im Abseits
stehendes Gebiet (Reggelberg) über eine kulturhistorisch interessante
Brücke näher ans Zentrum (Etschtal) angeschlossen werden kann:
Dazu nur eine
Auswahl an potentiellen Entdeckungsmöglichkeiten, mit dem dieses Gebiet
massiv aufgewertet werden könnte:
§
In Jochgrimm
könnte eines der ältesten Hochdorfsiedlungen der Alpenregion aus dem
Mesolithikum zu finden sein, über 3-4000 Jahre älter als "Ötzi".
§
Von dort dürfte
ein ebenso alter Urweg nach Auer führen - vermutlich zu einem bedeutenden
Fluss-Kultplatz an der Etsch (die "Katzenleiter" ist nur ein Teil
dieses Jochgrimm-Urwegs, der um die Hälfte kürzer ist, als der Fahrweg).
§
Das Jochgrimm-Umfeld**
betreffen auch Ereignisse aus den bekannten Dietrichsagen ("Eckenlied", "König
Laurin" - Römerzeit/Völkerwanderung) und die Erwähnung einer legendären alpinen Stadt, die an
einer bedeutenden, heute aber unbekannten Nord-Südroute zum Adria-Gebiet
lag.
§
Am nahen Latemar
(Obereggen) befindet sich ein uraltes Bergbaugebiet, höchstwahrscheinlich
eine Variante von "Laurins geheimnisvollen, verbotenen
Rosengarten" - seine Hauptburgen auf der anderen Seite im Trentino.
§
Im
Castelfeder-Gebiet befand sich Endidae,
aus dem sich vermutlich eines der wichtigsten, spätrömischen und
germanischen Militärlager der zentralen Alpenregion entwickelt hat -
Bestandteil einer bedeutenden Limeseinrichtung (Zentraler Alpenlimes).
§
Die Via Claudia
Augusta teilt sich in Auer in zwei Trassen (Mitterberg- und Taltrasse) und
vereint sich wieder bei der nächsten röm. Militärstation Pons Drusi (am
Kaiserberg bei Sigmundskron - gilt ebenso noch als verschollen, wird aber
von Archäologen letzthin im Altstadtbereich von Bozen vermutet).
§
Das
untergegangene, legendäre Ur-Auer (Auresis, "Die goldene Stadt")
kann wahrscheinlich tief unter der Erholungszone Schwarzenbach gefunden
werden.
§
Die antike
Ziegelfabrik der hier einst weit verbreiteten römischen Auresis-Ziegeln
dürfte weiter westlich in Etschnähe zu orten sein - in der Nachbarschaft
des erwähnten Fluß-Kultortes
§
...
Noch
umstrittene oder ungelöste Punkte können für kreative Spannung sorgen.
Leider nimmt jedoch die Beamtenschaft hier allzu oft eine blockierende
Haltung ein. Siehe dazu abschließendes Problembeispiel.
** Wenn über
dieses "Jochgrimmlied" (Eckenlied) heutzutage die meisten
Ansässigen nichts mehr wissen, weil in der Schule auch nichts mehr zu
erfahren ist, - etwa dass der geschichtliche Hintergrund dieses
urtirolerischen Liedes im "Egetmann" verstümmelt weiterlebt, das
noch vor Jahrhunderten neben dem Nibelungenlied zu den Bestsellern gehörte,
dann könnte wenigstens an geeigneten Orten darüber kurz informiert werden.
Schließlich ist Dietrich von Bern einigermaßen ein Begriff oder sollte es
zumindest sein, wenn man aus der Geschichte bzw. aus den Mythen lernen
möchte. Anmerkung: Aus den Mythen lernt man, wie früher
"Geschichte" gemacht wurde - nämlich propagandistisch. Was früher
dem Kreis der Mythendichter oblag, kommt heute hauptsächlich bestimmten
Massenmedien zu. Hochaktuell genug, um allein schon deshalb über solche
Parallelen besser informiert zu sein. Leider schätzen die meisten
Historiker aber diese brisante Mythen-Thematik nicht hoch genug dazu ein,
um ihnen näher auf den Grund gehen zu können. Wahrscheinlich fehlt ihnen
dafür auch die nötige (tiefen)psychologische Ausbildung.
Erweiternde
Aufwertungsortung - ein Problembeispiel
Hier wirft sich
die Frage auf, ob bei der zunehmenden Landschaftsverbauung und der
zunehmenden Natur-Kultur-Bedeutung, man es sich leisten kann, das Aufdecken
bereichernder Kulturressourcen von überregionalem Rang weiterhin zu
ignorieren?
Leider scheinen
Archäologen aber derzeit weder ausgebildet zu sein, Verschollenes gezielt
auszuforschen, noch für eine entsprechende Unterstützung seitens von
Spezialisten interessiert zu sein. So wurden beispielsweise zwischen
2002-2004 die informellen Schreiben zu spez. Ortungen insbesondere des
frühgeschichtlichen Ensembles Pons Drusi, Endidae mit dazugehöriger
Via-Claudia-Augusta-Trasse bisher vom zuständigen Bodendenkmalamt
ignoriert. Da meine Ergebnisse aus gezielten Voruntersuchungen mit neuen,
ergänzenden Hinweisen hierzu teils im Widerspruch offizieller Vorgaben aus
Zufallsfunden stehen, hätten diese aus wissenschaftlicher Sorgfaltspflicht
nicht einfach ignoriert werden dürften. Nachfolgend eine kurze
Gegenüberstellung der verschiedenen Standpunkte:
§
Offiz. Endidae-These:
stützt sich hauptsächlich auf einen röm. Gebäudefund in Neumarkt (Bereich
Kahn)
§
Antithese:
mögliches röm. Castrum auf einer von der Fachwelt lange Zeit ignorierten
Bergterrasse südlich von Castelfeder (Montan-Vill) - erster Einblick in die Voruntersuchungen
zu Endidae...
§
Offiz. Pons-Drusi-These:
stützt sich auf röm. Zufallsfunde im Altstadtbereich von Bozen (Nahe
Kapuzinerkloster)
§
Antithese:
mögliches röm. Castrum auf dem von der Fachwelt hierzu lange Zeit
ignorierten "Kaiserkogel" bei Schloss Sigmundskron.
§
Offiz. Via
Claudia Augusta zwischen Endidae-Pons Drusi: Einfachhalber wird hier
mangels weiterer Zufallsfunde nur die Taltrasse (Unterland) berücksichtigt.
Diese dürfte jedoch erst später jene Bedeutung erlangt haben, als eine
Römerstrasse weiter durch die Eisackschlucht über den Brenner gebaut wurde,
welche jedoch nicht mit der ursprünglichen VCA-Trasse (über den Reschen)
identisch ist.
§
Antithese: Die
erste, militärische Via Claudia Augusta nach Pons Drusi dürfte einer
strategisch wesentlich sicheren Trasse im Mitterberg-Bereich (Überetsch)
entsprechen. Hier ist die alte "Kaiserstraße" zwischen einem
südlichen "Gmunder Kaiserberg" und einem nördlichen
"Kaiserkogel" direkter auf das Castrum PD angelegt. Aufgrund
spez. Ortungsschwierigkeiten wich die allg.-archäologische Fachwelt dieser
Problematik aus, obwohl die Bergtrasse und ihr Umfeld überwiegend
ungestörter als die Taltrasse vorliegen würde - eine interessante Variante,
die auch dem Interreg-Projekt "Via Claudia Augusta" zugute kommen
könnte.
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