Atlantis im neuen Licht
Rekonstruktionsanalyse
mit neuen Ortungsergebnissen
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Inhalt
1. Einleitung
1.1. Einführung in
Ursprung, Wesen und Entwicklung des Mythischen
1.2. Mythen und
Mythos - auf den Spuren zwischen
Bewältigungs- und Rechtfertigungsstrategien
1.3. Die fundamentale
Ortungs-Problematik und Untersuchungsmethode
1.4. Die
Ortungssituation in der SP-Darstellung (Signifikanz-Potential)
1.5. Einführung in die Projektaufgabe
2. Die Voranalysen zur
zentralen Überlieferung
2.1. Die Herkunft der Überlieferung
2.2. Die
entscheidenden Zeitangaben
2.3 Die
Verhältnisse im historisch-geographischen Hintergrund
2.4. Die Orts- und
Größenangaben
2.5. Die ersten
Zusammenhänge zweier Gründermythen
3. Die zusammenfassenden
Rekonstruktionsergebnisse
3.1. Eine Grundsatzfrage mit
Folgen
3.2. Von den
Ursprüngen
3.3. Zu den
Gründungen
3.3.1. Die Rekonstruktions-Graphik
3.3.2. Ergänzende Hinweise
3.4. Einblick
umfassender Zusammenhänge in Mythen um Atlantis
3.4.1. Atlantis - Land der Titanen
3.4.2. Die Bedeutung Siziliens in Atlantis
3.4.3. Atlantis in der Perseussage und in der Odyssee
3.4.4. Atlantis in der Herkulessage
3.4.5. Atlantis im Persephone-Kult
3.4.6. Atlantis in der Genesis
3.4.7. Atlantis und der Weltenbaum (Edda-Saga)
3.4.8. Atlantis im Gilgamesch-Epos
3.5. Das Ende
3.5.1. Die Atlantis-Katastrophe
3.5.2. Der Titanen Untergang
4. Literatur (Auswahl)
Übersicht
erstveröffentlichter X-Ortungsergebnisse
zu den bedeutendsten europäischen Mythen:
Atlantis
Odyssee
Jesus
Dietrichsage
Artussage
Widmung
Zum
Gedenken an Martine de Bertereau, urspr. aus Heilbronn (ca.1590-1642, weltweit
erfolgreiche Mineralogin durch fundierte Kenntnisse in Alchimie,
Astrologie, Radiästhesie) - eine von vielen vergessenen Opfern der
"Heiligen Inquisition": Ein Erkundungsauftrag nach Frankreichs
Bodenschätzen, den sie mit ihrem Mann mittels unkonventioneller Methoden
erfüllte und dabei über 150 Lagerstätten entdeckte, brachte ihnen und ihrem
Kind Trennung, Plünderung, Kerker und Tod - Kardinal Richelieu bezichtigte
sie dafür einfachhalber der Hexerei, um sich ihre Entlohnung zu ersparen.
1.
Einleitung
1.5.
Einführung in die Projektaufgabe
Atlantis
geht auf eine der weltweit ältesten und bekanntesten Gründersagen zurück,
die uns noch mit relativ verwertbaren Details überliefert ist, so dass sich
auch hier eine Nachforschung lohnen dürfte. Die Anfänge der
Atlantis-Forschung könnten bis zu den alten Ägyptern reichen. Trotz der
langen Forschungsgeschichte ist Atlantis bis heute immer noch eines der
größten, ungelösten Rätsel der Geschichte geblieben. Mittlerweile gibt es
kaum einen Erdteil oder Ozean, indem Atlantis nicht schon vermutet oder
gesucht wurde - jedoch ohne dabei die vorhandenen Widersprüche mit
stichhaltigen Argumenten oder relevanten Indizien endgültig auszuräumen. Atlantis
ist eine phantastische Hypothese geblieben, die die meisten Historiker
schon längst als ein Phantom abgeschrieben haben.
Meine ersten
Atlantis-PSI-Ortungsversuche Ende der 1980er Jahre sind gleichzeitig der
Anfang des vorliegenden Atlantis-Projekts, dem weitere Entwicklungen folgten. Das
damalige Ortungsergebnis - Atlantis: ein Insel-Reich nordöstlich von
Sizilien? - hielt ich noch für etwas dünn und ausbaufähig (Entspricht hier
den Ausführungen bis Punkt 3.2.). Deshalb erfolgte eine Verbesserung der
Methoden, die dann durch zahlreiche weitere Ortungsprojekte erprobt wurden.
Ein kleiner Teil davon ist nun in dieser Veröffentlichungsreihe mit
detaillierteren Ergebnissen auszugsweise enthalten. Einleitend wurde mit
der Odyssee begonnen, da sich diese vorwiegend auf einfachere
Reisestationen bezieht. Bei Atlantis handelt es sich hingegen nur auf den
ersten Blick um eine einfache Ortungsaufgabe. Tatsächlich jedoch wartet
dahinter ein komplexes, den heutigen Vorstellungen nach unübliches
"Staatsgebilde" mit weitreichenden Beziehungen zu anderen
Hauptmythen. Mit den vorliegenden Atlantis-Ergebnissen schließt sich der
Kreis dieser Publikationen wieder. Später werden diese eventuell noch mit
einem Einblick in die Indizien-Nachforschungen ergänzt. Schließlich haben
diese Ortungsarbeiten nur im Zusammenhang möglicher Funde einen höheren
Realitäts- und Stellenwert und gelten erst dann als abgeschlossen.
Zwecks
Übersichtlichkeit sind bestimmte Textbezüge wieder differenziert
dargestellt. Die markantesten:
- "Zitate aus
Überlieferungen sind weiß gekennzeichnet."
- Auf Ortungsergebnisse basierende Hinweise sind
vorwiegend unterstrichen dargestellt.
2. Die Voranalysen zur
zentralen Überlieferung
Nach
den Atlantis-Überlieferungen des griechischen Philosophen Platon (427-347
v. Chr.) sollte bereits vor über 12.000 Jahren eine Hochkultur existiert
haben, die dann in Folge einer großen Katastrophe unterging. Auch wenn
davon nur die wesentlichen Aussagen stimmig wären, würde dieses
"Atlantis" die bisher älteste Hochkultur-Entwicklung der Erde
darstellen. Relevant wäre das aber nur, wenn zumindest die Kernaussagen
nachgewiesen werden können. Dabei macht es der idealisierende Platon den
späteren Atlantis-Forschern nicht leicht, diese anhand seiner utopischen
Überlieferungen richtig einzuordnen und Atlantis zu lokalisieren. Bisher
scheiterte das wohl auch an den widersprüchlichen Aussagen, die sich
ergeben, wenn eine derartige Geschichte mehrere Jahrtausende unterwegs
durch verschiedene Sprach- und Wissenskulturen gehen muß.
2.1. Die Herkunft der
Überlieferung
Die
Atlantis-Überlieferung soll sich auf eine Steinstele in einem Tempel bei
Sais in Unterägypten beziehen, wo jene Atlantis-Geschichte aufgezeichnet
gewesen sein soll. Der attische Staatsmann und Gelehrte Solon hat sie bei
seiner Ägyptenreise um 560 v.Chr. abgeschrieben und diese Dokumentation
nach Griechenland gebracht, wo er sie literarisch verarbeiten wollte. Dazu
ist er leider nicht mehr gekommen. Einige Generationen später soll sie
Platon während eines Dichterfestes in Athen von einem Nachkommen Solons
übernommen haben. Der Philosoph hat die Geschichte dann in seinen beiden
Dialogen "Kritias" und "Timaios" verarbeitend
einflochten.
"...Es gibt in Ägypten, versetzte Kritias,
in dem Delta, um dessen Spitze herum der Nilstrom sich spaltet, einen Gau,
welcher der saitische heißt, und die größte Stadt dieses Gaus ist Sais, von
wo ja auch der König Amasis gebürtig war. Die Einwohner halten für die
Gründerin ihrer Stadt eine Gottheit, deren Name auf ägyptisch Neith, auf
griechisch aber, wie sie angeben, Athene ist; sie behaupten daher große
Freunde der Athener und gewissermaßen mit ihnen
stammesverwandt zu sein. Als daher Solon dorthin kam, so wurde er, wie er
erzählte, von ihnen mit Ehren überhäuft..." Dazu
gehörte auch die Einweihung in die sehr alten, ägyptischen Überlieferungen.
Ein
altägyptischer Priester zu Solon: "Unsere Bücher erzählen
nämlich, wie eine gewaltige Kriegsmacht einst euren Staat gebrochen hat,
als sie übermütig gegen ganz Europa und Asien zugleich vom Atlantischen
Meer heranzog..."
"....... die Atlanter besaßen wahrhafte
und durchgehends große Gesinnung...
Als aber ihr Anteil am Wesen des Gottes durch vielfache und häufige
Beimischung des Sterblichen in ihnen zu schwinden begann, und die
menschliche Art überwog, da erst waren sie dem vorhandenen Reichtum nicht
mehr gewachsen und entarteten und erschienen dem, welcher es zu erkennen
vermochte, niedrig, indem sie von allem, was in Ehren zu stehen verdient, gerade
das Schönste zu Grunde richteten; denen aber, die ein wahrhaft zur
Glückseligkeit führendes Leben nicht zu erkennen im Stande waren, schienen
sie damals erst recht in aller Herrlichkeit und Seligkeit dazustehen, als
sie ungerechten Gewinn und ungerecht erworbene Macht im Überflusse besaßen.
Der Gott der Götter aber, Zeus, welcher nach den Gesetzen herrscht und
solches wohl zu erkennen vermag, beschloss, als er ein treffliches
Geschlecht schmählich herunterkommen sah, ihnen Strafe dafür aufzuerlegen,
damit sie, durch dieselbe zur Besinnung gebracht, zu einer edleren
Lebensweise zurückkehrten. Er berief daher alle Götter in ihren
ehrwürdigsten Wohnsitzen zusammen, welcher in der Mitte des Weltalls liegt
und eine Überschau aller Dinge gewährt, welche je des Werdens teilhaftig
wurden, und nachdem er sie zusammengerufen hatte, sprach er...''
Hier unterbricht
der Dialog. Entweder ist das Ende verloren gegangen oder nicht durchgeführt
worden.
Wie erwähnt,
ergeben sich durch längere Überlieferungszeiten zwangsläufige
Veränderungen, die auch die wenigen, möglichen ursprünglichen Fakten
betreffen können. Demnach dürfte die darstellende Interpretation wie sie
Platon wiedergibt ähnlich unzuverlässig sein, wie jene in der Odyssee bei
Homer. Homer betätigte sich dabei als Staatsdichter, Platon bei den
Dialogen um Atlantis als Staatsphilosoph in eigener Sache. In beiden Fällen
kann jedoch von einem wahren Kern ausgegangen werden.
Bei der nunmehr
einzigen Überlieferung mit direkten Bezug auf Atlantis durch Platon ist
also mit einer typisch platonischen Färbung zu rechnen. Platons
Lieblingsthemen: Idealstaat, Staatsethik, ... fanden hier ausreichend
Nahrung, wobei er wesentliche Aussagen seinen Vorstellungen entsprechend leicht
anpassen konnte. Seine schlechten Erfahrungen durch seine zuvor
angestrebten und gescheiterten politischen Initiativen im
sizilianisch-lukullischen Syrakus, konnte er hier ebenso berücksichtigen,
indem er den Untergang Atlantis durch ein moralisches Selbstverschulden der
zuvor gottähnlichen Atlanter als Strafe Gottes werden lässt. Des weiteren
sind diverse Vermischungen, Verwechslungen und Verzerrungen durch zeitlich
angepasste Fehlinterpretationen wie sie auch bei Homer vorkommen mit
einzubeziehen. Zuverlässiger können hingegen wieder grundlegende Aussagen
und markante Details sein, auf die sich die folgenden
Rekonstruktionsortungen konzentrieren.
2.2. Die entscheidenden
Zeitangaben
"Vor allem nun wollen
wir uns zunächst ins Gedächtnis zurückrufen, dass es im Ganzen neuntausend
Jahre her sind, seitdem, wie angegeben worden, der Krieg zwischen denen,
welche außerhalb der Säulen des Herakles und allen denen, welche innerhalb
derselben wohnten, entstand, welchen ich jetzt vollständig zu erzählen
habe. Nun wurde schon angeführt, dass an der Spitze der Letzteren unsere
Stadt stand und den ganzen Krieg zu Ende führte, während über die Ersteren
die Könige der Insel Atlantis herrschten, welche, wie ich bemerkt habe,
einst größer war als Libyen und Asien, jetzt aber durch Erderschütterungen
untergegangen ist und dabei einen undurchdringlichen Schlamm zurückgelassen
hat, welcher sich denen, die in das jenseitige Meer hinausschiffen wollen,
als Hindernis ihres weitern Vordringens entgegenstellt..."
Atlantis soll also
9000 Jahre vor Solons Zeit existiert haben, also vor etwa 11600 Jahren oder
9600 v. Chr. und damals einen Krieg gegen die östlichen Gebiete
(Griechenland, Ägypten) begonnen haben. Daraufhin soll es zur Katastrophe
gekommen sein, in der Atlantis "in einem Tag und in einer Nacht
untergegangen" sein soll. Der Untergang
fiele dann in einem Zeitraum nach 9600 v. Chr.
Erste Ungenauigkeiten: Der Untergang eines größeren Reiches wie es im
Zusammenhang mit Atlantis geschildert wird, hat aber nach bisherigen Erfahrungen
immer länger gedauert, gleich welche Katastrophe am Anfang stand. Deshalb
dürfte hier in erster Linie die Auslöse-Katastrophe gemeint gewesen sein,
in der eine damals bedeutende Insel mit durchschnittlicher Größe (wie Ibiza
oder Elba) teilweise oder völlig untergegangen sein könnte, einschließlich
ihre kleineren Nebeninseln und umgebenden Küstengebiete. Dabei durfte
ebenso ein Anstieg des Meeresspiegels nachgeholfen haben. Der Untergang
oder die Auflösung des gesamten Reiches kann sich aber nicht in einem Tag
abgespielt haben. Auch bei der kleineren Santorin-Katastrophe war die
Vernichtung nicht so abrupt und total wie einst vermutet worden ist.
Wäre der Untergang von Atlantis abrupt und
total abgelaufen, hätte sie sich auch kaum dem übrigen, kulturell
niederstehenden Umfeld überliefern können. Dazu benötigte es eine größere
Anzahl an Atlantis-Überlebender, bei denen dieses Vermögen und Interesse
noch groß genug gewesen ist, einen Teil ihrer Kultur weiterzugeben. Bei
einer Katastrophe, die das ganze Reich der angegebenen Größe an einem Tag
zum Untergang gebracht hätte, hätten weite Teile Europas derart stark in
Mitleidenschaft gezogen werden müssen, dass derartige Katastrophenspuren
längst schon hätten entdeckt werden müssen. Anderseits wäre es auch kaum zu
einer entsprechenden Überlieferung in Ägypten gekommen. Deshalb muß von
einer "kleineren" Katastrophe ausgegangen werden, die jedoch die
der Thera-Vulkanexplosion auf Santorin an Stärke und Vernichtung
übertroffen haben muß. Eine solche wäre für die Zeit um 9000 v. Chr. auch
nachweisbar.
"Unsere Bücher erzählen nämlich, wie
eine gewaltige Kriegsmacht einst euren Staat gebrochen hat, als sie
übermütig gegen ganz Europa und Asien zugleich vom Atlantischen Meer
heranzog..."
Verzerrung
durch zeitlich angepasste Interpretationen: Wenn Atlantis hier das Synonym für die erste größere
Staatsbildung oder Hochkultur ist, kann sie keine gewaltige Kriegsmacht (so
wie der geschilderten) dargestellt haben. Solche entwickeln sich erst durch
mehrere konkurrierende Staatenbildungen, also einige Jahrtausende später.
Ebenso ist bisher weder ein griechischer, noch ein ägyptischen
"Staat" für die Zeit vor 12000 Jahren nachgewiesen worden. Jene
platonische Vorstellung und Interpretation eines großen Staates mit einer
gewaltigen Kriegsmacht passt aber etwa 2000 oder 1000 Jahre vor der Zeit
Solons und Platons oder auch auf spätere Entwicklungen.
Die meisten
Atlantis-Forscher halten die überlieferten Zeitangaben daher als
fehlerhaft, verlegen diese um mehrere tausend Jahre vor der überlieferten
(meistens zwischen 4000-1000 v. Chr.) und können somit auf die
geschilderten bereits bekannten, jüngeren Staatenbildungen eingehen.
Damit ergeben
sich zwei grundlegende Atlantis-Versionen:
- Ein "richtiges Atlantis":
Platons Zeitangabe für Atlantis (ca. 10.000 v. Chr.) ist richtig
übertragen worden. Die ersten Großbauten gehen damit auf die
ausgehende jüngere Altsteinzeit zurück. - Bei der utopischen
Staatsbeschreibung handelt es sich hingegen um Platons Wunschdenken
einer idealisierten, seiner Zeit angepassten Staatsform. Hier kommt
Platon ins Fabulieren.
- Ein zeitlich naheliegenderes "Ersatz-Atlantis":
Platons Zeitangabe ist falsch übertragen. Atlantis ist daher zwischen
der Jungsteinzeit und der Eisenzeit zu suchen. Dafür kommt man Platons
großer Staatsbeschreibung entgegen, die den damals herrschenden
Verhältnissen entspricht.
In der vorliegende Rekonstruktionsanalyse wird
die Theorie des "richtigen Atlantis" übernommen. Folgende
drei zeitbezogene Hauptargumente unterstützen diese Entscheidung:
- Es ist realistischer anzunehmen, dass die
altägyptische Überlieferung in Stein sich kurz auf die wichtigsten,
historischen Eckdaten von Atlantis (Alter, Position, Beschaffenheit,
Bedeutung-Größe) bezogen haben muß, die Platon zwar relativ getreu
übernommen haben könnte, uns aber noch zudem mit seinen geistigen
Ergüssen beglückt hat, über die wir nicht stolpern dürfen. Denn alle
von einem harten Kern abweichenden, nebensächlichen Details, wie etwa
Platons komplexe Staatsdarstellung (genaue Stadtbeschreibung,
zahlenmäßige Militäraufstellung, ...) dürften demnach seinem
Erfindungsreichtum entsprungen sein, die er mehr als
Anschauungsmaterial seiner sonst trocken wirkenden Staatslehre
angelegt haben durfte. Auf diese Weise ist es ihm gelungen, ihr eine
seiner Zeit entsprechenden, besondere Realität einzuhauchen, die dann
auch weit darüber hinaus die Phantasie vieler Menschen anregen
konnte, wie wir heute resümieren können.
- Die größte Vulkankatastrophe, die eine menschliche
Zivilisation je getroffen haben konnte, fand nachweislich am Ende der
Altsteinzeit oder zu Beginn der Mittelsteinzeit statt, also dem von
Platon angegebenen Zeitraum für eine derartige Katastrophe um
Atlantis.
- Die Möglichkeit einer ersten Megalithbaukultur
in der auslaufenden, jüngeren Altsteinzeit ist nicht unrealistisch.
Die wenigen in Stein gehauenen Fakten zu dieser ersten nach Atlantis
benannten Hochkultur hätten für Platons Zwecke aber zu wenig
spektakulär sein können. Es ist daher naheliegend, dass er ordentlich
nachgeholfen hat und gegen die historische Praxis gleichzeitig einen
Modellstaat seiner Zeit dazu entworfen hat.
2.3. Die Verhältnisse im
historisch-geographischen Hintergrund
Mit
dem Ende der letzten Eiszeitperiode in der ausgehenden jüngeren
Altsteinzeit enden die schwierigen, klimatischen Bedingungen und machen
damit den Weg frei für sprunghaftere Entwicklungsphasen der Mittelsteinzeit
um 10.000 v. Chr.
Was gibt es oder
entwickelt sich in dieser Zeit. Nachfolgend ein kurzer Überblick:
- Die Klimaverbesserung erhöht den
Bevölkerungsdruck und verschlechtert die Existenzbedingungen der
Jäger. Die Jagd wird zurückgedrängt und weitet sich nach Norden aus.
- Der Garten- und Ackerbau entwickeln sich im
Süden.
- Zunehmende Sesshaftigkeit, vor allem in den
südlichen und südöstlichen Randgebieten Europas: Zu dieser Zeit sind
bisher Siedlungen von ca. 100 Personen nachgewiesen.
- Mehr Fischfang (Netzfang) führt zu Ansiedlungen
an Uferbereichen und zum verbesserten Bootsbau.
- Zunahme von Erfindungen, neue Geräteformen, ...
- Anfänge produzierender Wirtschaftsformen, von
Handel und Verkehr.
- Bergbau im Tagebau (Feuerstein, Mineralien).
- Erste Keramik, Töpferei, erster Hausbau mit
Steinen später mit Ziegelsteinen
- Geometrisierung in der Kunst, in der
Schmuckherstellung und im Gerätebau.
- Erste Musikinstrumente, Tanzende auf
Felsbildern.
- Erste Symbol- oder Bildzeichen deuten auf
systematischere Verstandes- und Sprachentwicklungen hin.
- Beobachtung und Aufzeichnung von Zyklen: in erster
Linie die Menstruation betreffend möglicherweise im Zusammenhang mit
den Mondphasen, dann die Feststellung der Jahreszeiten-Perioden im
Zusammenhang mit dem wechselnden Sonnenstand.
Diese Entwicklungen verlaufen aber nicht
einheitlich. Bekannt sind derzeit vor allem die Siedlungskulturen in
Südanatolien, Mesopotamiens und des Nahen Ostens (Jericho), die uns bis
heute durch ihre geschützte Höhenlage erhalten geblieben sind.
Mögliche Ansiedlungen in niedergelegenen
Gebieten des zentraleren Mittelmeerraumes etwa in Südeuropa (Süditalien)
und in Nordafrika (Libyen) dürften vom steigenden Meeresspiegel, von
Vulkan- und Erdbebenkatastrophen, von Überschwemmungen und Wüstenbildungen
erfasst und verschluckt worden sein, sodass sie bis heute unzugänglich geblieben
sind.
Wie eingangs
erwähnt wird dem Bevölkerungsdruck bei den Jägern durch Wanderung und
Ausweitung der Reviere begegnet. Bei den Fischern, Bauern und insbesondere
bei Bergbaukulturen können hingegen aufgrund ihrer produktiver
ausgerichteten Tätigkeiten sich zusammenhängendere Ansiedlungen ergeben,
die höher entwickelte Organisationsformen voraussetzen. Diese kann durch
Schaffung von religiösen Kulturzentren weiter verstärkt und gebunden
werden. Von den Kleinsiedlungen bis zur ersten stadtartigen Siedlung ist es
dann nicht mehr weit, wenn die Umfeldbedingungen dazu drängen. Die
Entwicklung in diese Richtung könnte bereits erstmals vor dem Mesolithikum
zwischen 12.000-10.000 v. Chr. begonnen und sich dann ins Mesolithikum
hinein fortgesetzt haben. Der bisher fehlende Nachweis könnte auf eine
große Katastrophe in dieser Epoche zurückzuführen sein, welche die
wichtigsten Strukturen sofort ausgelöscht haben könnte und die restlichen
Spuren im Laufe der darauf folgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte. So eine Katastrophe
ist auch Teil der Atlantis-Überlieferung, wie auch eine geologische
Beschreibung von Atlantis, die die Bedingungen aufzeigt (vulkanische
Inselgruppe mit Bergbau), in denen sowohl jener notwendige
Entwicklungsschub bestens verstärkt worden sein konnte, einschließlich der
Möglichkeit des derart fatalen Endes:
- Übersichtliche Inseln bieten in jener Zeit den
besten natürlichen Schutz von außen, dadurch verbleibt mehr Zeit für
andere wichtige, weiterentwickelnde Tätigkeiten.
- Solche Inseln drängen verstärkter zu
kompakteren Siedlungsformen.
- Die Inselbewohner sind gezwungen mit den
Ressourcen bestmöglichst umzugehen und nach entsprechenden Lösungen
zu suchen.
- Das Wohnen und Handeln auf geologisch
interessanten Inselgruppen - insbesondere wenn diese im näheren
Umfeld des Festlandes gelegen sind - bieten das stärkste Motiv und
das beste Entwicklungsumfeld für den ersten Schiffsbau.
- Das Zusammenspiel von Jagd, Fischerei,
Schiffsbau, Haus- und Gerätebau, Land- und Bergbau fordern hier zu
immer höheren Leistungen heraus.
- Verfügt eine solche Inselgruppe über
außerordentlich interessante, geologisch-vulkanische ...
Verhältnisse, kann sie zudem für die ersten steinzeitlichen Entdecker
für wahre Wunder- oder Schatzinseln gehalten werden, die bei ihnen
einen besonders privilegierten Motivationsantrieb auslösen kann.
Dieser könnte auch die Grenzen eines bis dato einmaligen religiösen
und industriellen Schaffenstrieb sprengen und so als Leitkultur in
entferntere Gebiete ausstrahlen. Anderseits kann in dieser Ausnahmesituation
auch ein nicht zu unterschätzendes Konflikt- und Gefahrenpotential
verborgen sein, wie ebenso aufzuzeigen sein wird.
Schlussfolgerung: Diese letztlich entscheidenden Verhältnisse für
eine erste, höhere Kulturentwicklung hätte man zu jener Zeit am besten um
den äolischen Archipel vorfinden können.
2.4. Die Orts- und
Größenangaben
"... Damals nämlich war
das Meer dort fahrbar, denn vor der Mündung, welche ihr in eurer Sprache
die Säulen des Herakles nennt, hatte es eine Insel, ...."
Mit dieser "Mündung" oder diesen
"Säulen des Herakles" muß früher (Bronzezeit-Eisenzeit) die
Meeresenge von Messina gemeint gewesen. Sie stellten gleichzeitig eine
Markierung nahe des Weltendes der damals bekannten Welt in westlicher
Richtung dar.
Platons Verwechslung: Zu Platons Zeit waren die Säulen des Herakles
bereits weiter westlich nach Gibraltar gerückt. Das Atlantische Meer und
das Ende der bekannten Welt in westlicher Richtung begann dann hinter
Gibraltar. Die Wissens-Situationen ändern sich im Laufe der Zeit, was eben
zu berücksichtigen ist.
".. welche größer war als Asien und
Libyen zusammen, ..."
Widersprüchlichkeit und Doppeldeutigkeit
führt hier zu Missverständnissen und Verwechslungen möglicherweise durch
Auslassungen oder Ungenauigkeiten in der Übersetzung, ...: Physisch kann hier das gesamte Reich
einschließlich des Einflussbereiches jener (durchschnittlich großen) Insel
gemeint sein. Das Inselreich muß jedoch den entscheidenden Schlüssel zur
überlieferten Bedeutung=Größe ihres Einflussbereiches beinhaltet haben,
womit es zum führenden Kulturzentrum in der damals relativ unbekannten,
westlichen Welthälfte wurde, die damit die später bekanntere, östliche an
Einfluss überstrahlt haben muß.
Aus altägyptisch-geographischer Perspektive
umfasst also das atlantische Hauptgebiet: das damals bekannte westliche
Mittelmeer vor allem das tyrrhenische Meer mit den unteritalienischen
Gefilden. Später kommt auch Libyen hinzu, das damals bekannte Afrika. Der
gesamthistorische Einflussbereich reicht jedoch bis nach Asien (damals
Kleinasien). Die überlieferten Größenangaben entsprechen somit der
Realität, wenn beim Größen-Begriff die gesamthistorische Bedeutung
mitberücksichtigt wird, was letztlich auch maßgebender ist.
" ... und von ihr konnte man damals nach
den übrigen Inseln herübersetzen und von den Inseln auf das ganze
gegenüberliegende Festland, welches jenes recht so eigentlich zu nennende
Meer umschließt."
Mit jener Atlantis-Insel kann die
Zentral-Insel der äolischen Inselgruppe gemeint sein: Vulcano-Lipari. Vulcano und Lipari waren früher einmal verbunden
und bildeten somit eine Zwillingsinsel. Die obige Satzstelle beschreibt
auch sehr anschaulich den äolischen Inselbogen zwischen Sizilien und
italienischem Festland, jenseits der "genannten Mündung" (Säulen
von Herakles, Meerestrasse von Messina).
"Denn alles das, was sich innerhalb der
eben genannten Mündung befindet, erscheint wie eine Bucht mit einem engen
Eingange, jenes Meer aber kann in Wahrheit also und das es umgebene Land
mit vollen Fug und Recht Festland heißen. Auf dieser Insel Atlantis nun
bestand eine große und bewundernswerte Königsherrschaft welche nicht bloß
die ganze Insel, sondern auch viele andere Inseln und Teile des Festlandes
unter Ihrer Gewalt hatte. Außerdem beherrschte sie noch von den hier
liegenden Ländern Libyen bis nach Ägypten und Europa bis nach Tyrrhenien
hin."
Bestätigung: Diese Beschreibung unterstützt die bisherige
Argumentation.
- "Die
Atlanter lebten außerhalb der Säulen des Herkules, auf diversen Inseln
in offener See".
- "Was die
Distanz der Inseln von Gibraltar betrifft, lässt sich diese mit jener
Ägyptens von Tyrrhenien vergleichen ...".
Weitere
Bestätigung: Auch diese Beschreibung
unterstreicht obige Argumentation zur Lage von Atlantis. Die Säulen des
Herkules und Gibraltar können hier noch als zwei unterschiedliche
geographische Orte erkannt werden, was in späteren Auffassungen zu
Widersprüchlichkeiten und Fehlern in der Interpretation geführt hat.
Anderseits haben wir da aber noch ein wichtiges Korrektiv überliefert
bekommen, eine für damalige Verhältnisse relativ genaue doppelte
Distanzangabe, die uns schließlich zu den äolischen Inseln hinführt.
Die
vor-klassische Weltsicht im östlichen Mittelmeergebiet und damaligen
kulturellen Weltzentrum überliefert uns mit Solon und Platon ein
untergegangenes Atlantisreich an der abenteuerlichsten Seite abseits ihrer
bekannten Welt. Im Westen galt das Mittelmeer eher als unbekannt, offen und
man meinte es müsse dort in den Oceanos, das Grenzmeer münden, wo der
Himmel ins Meer eintaucht, die Sonne untergeht, der Tag und die Welt endet.
Kein Wunder also, dass es dort zu einem Untergang kommen musste. So ist es
verständlich, wenn Atlantis im Altägyptischen für Terra incognita,
Insel/Land ohne Namen, ohne Wiederkehr steht. Im ägyptischen Totenbuch
entspricht dieses Westreich dem Jenseits, wo den Menschen das höchste
Gericht erwartet. Derart Mysteriöses kann dabei sehr schnell den Nimbus
einer unbegreiflichen Größe und Macht erhalten, die sowohl fasziniert, als
auch abschrecken kann und soll.
Abschließende
Bemerkungen zum hier betreffenden Herrschaftsbegriff:
Die urgeschichtlichen Atlanter beherrschen die
hier vermutlich erstmals einsetzende Seefahrt. Damit sind sie für damalige
Begriffe automatisch die Beherrscher dieser westlichen Weltseite - auch
ohne Streitmacht und höchstwahrscheinlich ohne Unterwerfung anderer Völker.
Zu ihrem Bild passt nicht die von Platon beschriebene kriegslüsterne
Großmacht - die sich möglicherweise aus den Reminiszenzen seiner früheren
Sizilienreisen ableitete, wo er mehrmals üble Bekanntschaft mit der
Tyrannis von Syrakus machen musste.
Um der Atlantiskultur von ca. 10.000 v. Chr.
kann es jedoch noch keine massive Staatenbildung gegeben haben, die man zu
bekämpfen gehabt hätte. Diese Darstellung mag also von den
Zeitverhältnissen beeinflusst worden sein, in der sie niedergeschrieben
worden ist.
Atlantis Macht und Eroberung muß eine
kulturbedingte gewesen sein. Ähnlich wie für die europäischen
Erstankömmlinge in Amerika, gibt es Bewunderung für die Neuen und das was
sie mitbringen. Wie sich die weitere Entwicklung ergibt, sei dahingestellt.
Jedoch ist es eher wahrscheinlich, dass höhere Kulturvölker in den damals
dünner besiedelten Weltstrichen möglichst freundschaftliche Verbindungen
eingegangen sind. Das damalige (allgemeine) Kulturverständnis kennt noch
keine richtigen Staatenbildungen, keine Staatsgewalten, sondern Stämme und
Stammesverbände. Neben der Gruppenanzahl besteht die Größe vielmehr in
ihrer relativen Erscheinungsart, nämlich in ihrer direkt ersichtlichen Habe
und ihres damit verbundenen gewöhnlichen oder außergewöhnlichen Leistungs-
und Darstellungsvermögens. Die Art ihrer äußeren Erscheinung und die
Richtung von woher sie kommen, bestimmt ihren Status in der Fremde vor ca.
12.000 Jahren.
2.5. Die ersten
Zusammenhänge zweier Gründermythen
Der
Mythen-Vergleich um Atlas und Äolus wirft erste Zusammenhänge für einen
möglichen Übergang in der kulturell-herrschaftlichen Nachfolge von den
atlantischen zu den äolischen Inseln hin:
Herrschaftslegende
zu den atlantischen Inseln (von
Platon im Dialog "Kritias"):
"Ferner zeugte er (Poseidon mit
Kleito, Tochter der Leukippe)* fünf männliche Zwillingspaare,
ließ sie auferziehen und verlieh ihnen, indem er die ganze Insel Atlantis
in zehn Teilen teilte, dem zuerst Geborenen des ältesten Paares den
Wohnsitz seiner Mutter und den diesen rings umgebenden Anteil, ... Allen
gab er Namen. Nach dem Ältesten und König wurde die ganze Insel und das
Meer benannt, welches deshalb das Atlantische hieß, weil damals der erste
König den Namen Atlas führte... Diese insgesamt nun sowie ihre Nachkommen
beherrschten viele Menschenalter hindurch noch viele andere im Atlantischen
Meere gelegene Inseln und dehnten auch, wie schon früher berichtet wurde,
ihre Herrschaft über die innerhalb der Säulen des Herakles nach uns zu
Wohnenden bis nach Ägypten und Tyrrhenien hin aus."
*Nach der
griechischen Mythologie sind Iapetos und Klymene die Eltern von Atlas -
Prometheus damit einer der Halbbrüder. Zu berücksichtigen ist dabei, dass
Götter-, Helden- oder Ortsnamen in den Mythen auswechselbar sind, ihre
dahinterliegende Bedeutung bleibt hingegen aufrecht. Beispiele:
Zeus-Jupiter, Hera-Juno, Poseidon-Neptun, ...
Anm.: Atlantis hieße wörtlich auch Tochter des
Atlas. Atlas Töchter sind Nymphen, die in der damaligen Zeit auch für
Inseln gestanden haben dürften (s.u.).
Herrschaftslegende
zu den äolischen Inseln (von Homer
in der "Odyssee", X.):
"Nun gelangten wir zur äolischen Insel. Dort wohnte
Äolus, Hippotes (Anm.: Poseidons) Sohn, der Freund der unsterblichen
Götter,
Auf einem schwimmenden Eiland. Und ringsum ragt eine Mauer
Ehern und undurchdringlich; glatt springt der Fels in die Höhe.
Und zwölf Kinder zeugte der König in seinem Palaste,
Töchter waren es sechs und sechs jungblühende Söhne,
Und die Töchter gab er seinen Söhnen zu Frauen.
Bei ihrem lieben Vater und bei der würdigen Mutter
Nehmen sie immer das Mahl..."
Anm.: Poseidon
behindert Odysseus an der Heimkehr. Einmal hilft ihm Äolus
vergeblich.
Die Analogien
zusammenfassend:
- Die Begriffsverwandtschaft von Atlas und Äolus. In beiden Fällen die Beziehung zu einem Berg.
Höchstwahrscheinlich stehen beide für bedeutende Vulkanberge, die vor
allem in der (atlantischen) Steinzeit als Götterberge verehrt wurden.
- Die Verwandtschaft zu Poseidon.
- Einmal die Zeugung fünf männlicher
Zwillingspaare (bei Atlantis) und ein andermal (nachfolgend) die Zeugung
sechs männlich-weiblicher Kinderpaare (bei Äolus wie bei der
Titanendynastie), die später heiraten. Interessant ist in diesem
Zusammenhang, dass die äolischen Inseln bei veränderlichem
Meeresspiegelstand (ca. 10-50 m) fünf bis sechs Zwillingsinseln bzw.
Paar-Inseln aufweisen könnten, was auf die Situationen vor mehreren
Tausend Jahren hinkäme. Die Erweiterung von 10 auf 12 kommt auch in
der Herkulessage vor, hier in Verbindung mit Arbeiten zu bestimmten
Gebieten. Herkules oder Herakles ist mit Perseus verwandt. In beiden
Sagen lassen sich ebenso versteckte Hinweise zu Atlantis ausfindig
machen, wie im weiteren Verlauf ausgeführt wird.
Die Fortsetzung dieser vergleichenden,
mythischen Zusammenhänge folgt in der weiterführenden Ortungsanalyse weiter
unten.
3. Die zusammenfassenden
Rekonstruktionsergebnisse
Zu Atlantis sind bekanntlich die meisten
Lokalisierungsversuche unternommen worden. Im Verhältnis zur Odyssee
scheint der Atlantis-Stoff auch weniger komplex zu sein - zumindest auf den
ersten Blick. Denn ein so großes Inselreich, wie es Platon dargestellt hat,
dürfte nicht allzu schwer wieder zu finden sein, auch wenn es inzwischen
untergegangen sein soll. Aber trotz moderner Untersuchungsmethoden und
unzähliger Lokalisierungsversuche ist es noch nicht einwandfrei gelungen,
ein derartiges Atlantis definitiv aufzuspüren.
In diesem
Abschnitt sind ergänzend zu den bisher einleitenden Untersuchungen die
näheren Ergebnisse der erweiterten Ortungsarbeiten dargestellt, die von den
bisher bekannten Lokalisierungsversuchen entscheidend abweichen. Dabei wird
Atlantis vor allem mit dem ersten Aufkommen von Großbauten
(Megalithkulturen) gleichgesetzt - dem prägnantesten Merkmal einer ersten
Hochkultur und hier folglich von Atlantis. Bis vor kurzem ist man davon
ausgegangen, dass die Megalithkulturen sich anfangs der Jungsteinzeit (um
5000 v. Chr.) entwickelt haben. Mögliche Megalithkulturen aus der
auslaufenden jüngeren Altsteinzeit könnten jedoch bisher auch übersehen
worden sein, da der wesentliche Großteil einer gigantischen Katastrophe
("Atlantis-Katastrophe") zum Opfer gefallen sein könnte und die
wenigen auffälligen Überbleibsel allgemein unterschätzt würden bzw.
einfachhalber gemäß etablierter Meinung der Jungsteinzeit zugeordnet
werden. Zum besseren Verständnis der Tragweite dieses Zeitunterschiedes
werden wieder grundsätzliche Überlegungen zur älteren Zeitzuordnung den
näheren geographischen Ortungen vorausgeschickt:
3.1. Eine Grundsatzfrage
mit Folgen
Sind
Megalithkulturen in der auslaufenden jüngeren Altsteinzeit (um 12.000-10.000
v. Chr.) überhaupt denkbar?
Die etablierte
Historikermeinung würde hier ablehnen (Stand 1990). Bei genauerer
Betrachtung gäbe es jedoch gute Gründe, die diese Möglichkeit befürworten
würden:
- Die Basis:
Die Intelligenz des damaligen Menschen ist mit der, des heutigen
vergleichbar, die er konzentrierter auf seinen kleineren
Tätigkeitsbereich hätte anwenden können. Sein Intelligenzvermögen
hätte also in diesem Zeitraum für die Errichtung erster Megalithbauten
ausgereicht.
- Das Motiv:
Die über Generationen weitervererbte Höhlennutzung wurde mit
zunehmender Stammesgröße zu klein und immer mehr den Kulten
vorbehalten. Einen entsprechenden Höhlenersatz musste der Mensch sich
selbst kreieren. Die Megalithbauten entsprachen nicht nur diesen
Erfordernissen, sondern können auch als nächster Entwicklungssprung
betrachtet werden: sie waren so robust und langlebig wie die
Felshöhlen (je größer die Bausteine desto robuster der Bau), konnten
jedoch auch ein Vielfaches jener Menschenmenge aufnehmen. Der
Standort war frei wählbar und konnte dabei auf die besten zur
Verfügung stehenden Plätze fallen. Diese boten eine bessere Aussicht
und einen Schutz unter freiem Himmel - man musste sich also dafür
nicht immer gleich in die dunklen Höhlen zurückziehen oder sich in
der Höhlennähe aufhalten. Die Höhlen stellten weiterhin ihre
Hauptkultorte dar, falls solche vorhanden. Wenn keine für den Kult
vorhanden gewesen wären, hätten solche Megalithbauten auch einen
Ersatz zu den Kulthöhlen darstellen können. - Das sind Überlegungen,
die man durchaus schon einigen Menschen gegen Ende des
Jungpaläolithikums zutrauen könnte.
- Die kulturvergleichenden
Entwicklungsverhältnisse:
Zwischen dem Ende der archaischen (vorklassischen) Zeit und dem Beginn
des Computer- und Raumfahrtzeitalters liegen ca. 2500 Jahre, in denen
noch unzählige technisch-kulturelle Erfindungen und
Weiterentwicklungen stattfinden mussten. Zwischen dem Höhepunkt der
Höhlenkunst und dem Beginn der nächsten Kulturform - der Megalithbaukunst
- mussten keine derartigen Entwicklungshürden überwunden werden und
trotzdem hätte der Mensch noch über 10.000 Jahre Entwicklungszeit
gehabt, wenn man den Beginn der Megalithbaukunst auf den Ausgang der
jüngeren Altsteinzeit ansetzen würde. "Viel zu früh" glaubt
die Gelehrtenmeinung zu wissen, die die Anfänge der Megalithbaukunst
auf den Beginn der Jungsteinzeit setzt. Demnach hätte also der Mensch
für diesen Entwicklungssprung um 5.000 bis 7000 Jahre länger
benötigt. Für Außenstehende mag dieser Streit belanglos sein, da er
verständlicherweise sich der Dimension dieses "kleinen"
Unterschiedes nicht bewusst ist bzw. sich nie darüber Gedanken
gemacht hat. Für die Atlantis-Frage ist sie jedoch von entscheidender
Bedeutung:
- Die sehr unterschiedlich folgeschwere
Auswirkung zweier Zeitansätze:
Sollte der erstere Fall stimmen, also doch noch ein "richtiges
Atlantis" (Platons Zeitangaben sind richtig: die ersten
Großbauten gehen auf die ausgehende jüngere Altsteinzeit zurück.) vor
dem zumeist gesuchten "Ersatz-Atlantis" (Platons
Zeitangaben sind fehlerhaft übertragen. Atlantis ist daher zwischen
der Jungsteinzeit und Eisenzeit zu suchen.) sich entwickelt haben,
ergeben sich folgende historisch bedeutsame Konsequenzen:
- Bei der Atlantis-Kultur handelt es sich um den
damals weithin ersten und einzigen großen Entwicklungssprung
Richtung Hochkultur, bei der später in ihrem zentralen Bereich die
größte Naturkatastrophe stattgefunden haben muß, die der Mensch
(homo sapiens sapiens) je wahrgenommen hat, sodass diese Kultur
beinahe spurlos ausgelöscht wurde und die Forscher hier deshalb noch
immer im Dunkeln tappen müssen.
Während im Übergang von der jüngeren
Altseinzeit zur Mittelsteinzeit eine derartig große Naturkatastrophe
nachgewiesen werden kann, bestätigt sich eine solche in der Zeitspanne der
"Ersatz-Atlantis-Hypothese" nicht. Für den Forscher verbleiben
zwei entscheidende Fragepunkte: ob diese Katastrophe eine Hochkultur
getroffen haben könnte und nach dem näheren Ort dieser Katastrophe.
- Die Mittelsteinzeit gilt normalerweise als
relativ unscheinbarer Übergang von der jüngeren Altsteinzeit zur
Jungsteinzeit, wobei dann in der letzteren die auffälligen
Megalithkulturen erstmals auftauchen sollen. Hinter jener
Mittelsteinzeit könnte aber (im zentraleren Südeuropa-Nordafrika-Bereich)
auch eine Wunde klaffen, die von der katastrophalen Vernichtung
einer bereits zuvor ausgebildeten Megalithkultur gerissen wurde. Die
dadurch entstandene Lücke zur weiteren Entwicklung bedurfte der
mittelsteinzeitlichen Erholungsphase, um jenen traumatischen Verlust
verarbeiten zu können. So zumindest einigermaßen äußerlich verheilt
konnte dann in der Jungsteinzeit jene Entwicklung der
Megalithkulturen im Umfeld des Katastrophenbereichs wiederholt
ansetzen und sich diesmal unter anderem bis zur altägyptischen
Hochbauphase ungestört fertig ausbilden, um anschließend in die
klassische Phase überzugehen. Dieses Szenario ergäbe einen
Entwicklungseinbruch in der Mittelsteinzeit von einigen tausend
Jahren, der als unscheinbarer Übergang wahrgenommen wird. Hätte es
diese Atlantis-Katastrophe nicht gegeben, hätte sich die
Atlantiskultur also ungestört weiterentwickeln können, würde die
Menschheit heute je nach Interpretationsschluss um ca. 1000-3000
Jahre ihres derzeitigen Entwicklungsstandes voraus sein.
- Und nicht nur das: Die Spuren jenes
kollektiven Traumas mussten auch die nachfolgenden
Kulturentwicklungen massiv überschattet haben. Das zuvor
harmonischere Verhältnis von Natur-Geister-Mensch, das wir noch von
einigen Naturvölkern her kennen, erhielt damit eine gewaltige
Über-Belastung (Atlas-) aufgesetzt: Naturkatastrophe-Gott-Strafe.
Diesen Gott kennen wir auch als einen, der Atlas mit dem Himmel,
Prometheus an den Kaukasus kettet ... den Menschen verbietet vom
Baum der Erkenntnis zu essen, der sie aus dem Paradies jagt, sie
verfolgt, peinigt, tötet .... Dieses kollektiv-gestörte Verhältnis
von Gott und Mensch konzentriert sich wie nirgendwo sonst auf der
Welt in den Ur-Mythen des Mittelmeerbereichs (...
Prometheus-Epimetheus und Pandora, Luzifer-Adam und Eva, Deukalion
und Pyrrha, Sintflut, Persephone und Hades, ...). Dementsprechend
mussten diese Götter in den Hochreligionen durch komplexe, kultische
Handlungen gütig gestimmt und weltliche Handlungen sorgfältig
abgestimmt werden. Monotheistische Gottesvorstellungen und
christliche Korrekturen haben dieses gestörte Verhältnis kaum
abwenden können. Erst in der modernen Zeit erfolgte durch die
geistes- und naturwissenschaftliche Aufklärung eine allmähliche
Neuorientierung und verstärkte Individualisierung, die versucht sich
selbstbewusst von jenen alt-eingefahrenen und aufgezwungenen
Autoritätsgläubigkeits-Mustern zu lösen.
Schluss: Stand also vor dem Anfang dieser uns bekannten
Kulturentwicklung eine gigantische Naturkatastrophe mitten in einer ersten
paradiesischen Hochkultur (das "Goldene Zeitalter" in der
Mythologie) - dann die darauffolgende Überforderung bei ihrer mentalen
Verarbeitung, die eine Kettenreaktion an fatalen Fehlinterpretationen
auslöste, mit dem Ergebnis systematisch restriktiver Religions- und
Sozialtheorien, in denen es schließlich auch den späteren Oberschichten
einfacher gemacht wurde, die übrigen ihnen ausgelieferten Menschen
privilegiert und "gottgewollt" zu unterdrücken und auszunutzen -
analog zur ominösen Gottesstrafe, die am Anfang einer ebenso ominösen
Ursünde stehen musste? Dann würde der Mensch noch immer nicht völlig von
diesem Aberglauben geheilt und befreit sein. Dazu scheint passend die ewig
ungelöste Atlantis-Frage, die die Menschen seit jeher wie kein anderer Mythos
in ihrem Bann hält.
Bei einem eventuellen Ersatz-Atlantis hätte
sich die Vernichtung nicht derartig schwerwiegend auswirken können, da zu
jener Zeit bereits mehrere Hochkulturen vorauszusetzen sind, die die
bisherigen Kulturentwicklungen eines anderen, in den Untergang geführten
Staates besser hätten auffangen können.
3.2. Von den
Ursprüngen
Die
Darstellungsweise der folgenden Ortungssituationen hält sich an die
grundsätzlichen Vorgaben der SP-Darstellung:
Die Hinweise zu Ortungen sind unterstrichen und der Wert des
Signifikanz-Potentials in eckigen Klammern gesetzt [0-10]. Der erreichbare
durchschnittliche SP-Wert der ca. 7 angegebenen relevanten Bezugsbereiche
liegt bei ca. 7,9. Davon wurde die voratlantische Siedlungsgruppe mit einem
Wert berücksichtigt. Die bisherige Ortungs-Situation liegt aufgrund
intensiver Forschungsbemühungen weit aufgefächert - effektiv jedoch immer
noch bei einem SP zwischen 3-5, durchschnittlich bei etwa 4.
Im mittel-süd-italienischen
Bereich könnte die Entwicklung der ältesten Megalithbauten zurückzuführen
sein. Volksstämme aus den
bekannten, altsteinzeitlichen Kulturen im weiten Umfeld der Pyrenäen
dürften hier den Megalithbau bereits zwischen 12.000 und 11.000 v. Chr.
entwickelt haben ("Kyklopen", "Giganten"),
vermutlich auch als Ersatz zu den Berghöhlen, die nicht in der erwünschten
Menge vorhanden waren. Noch in der Odyssee gilt Süditalien als Land der
riesenhaften Kyklopen und Giganten.
Diese führen
zur ersten voratlantischen Kultur um den bekannten Monte Circeo [7-9]. Einige der noch sichtbaren Megalithbauten auf
dem Monte Circeo könnten vielleicht auf etwa 10.000 v. Chr. zurückreichen
und wären damit viel älter, als die bisher dafür gehaltenen, ältesten europäischen
Megalithbauten auf Malta (Jungsteinzeit 5000 v. Chr.). Die ältesten (ca.
12.000 v. Chr.) meisten dieser Bauten könnten hier vor der Küste unter
Wasser liegen, da der Meeresspiegel sich seither um über 120 Meter gehoben
haben dürfte.
Zwischen 11.000
und 10.500 v. Chr. ziehen Stämme dieser frühen Megalithkultur um Monte
Circeo weiter nach Süden und lassen
sich in erster Linie auf den Bergen von Kampanien und Kalabrien in
Sichtweite des Meeres nieder. Die davon acht wichtigsten Gründungen
[7-8] befinden sich am:
- Monte Cervati (Cilento)
- Monte Sirino
(Lucano)
- Serra Dolcedorme (Pollino)
- Cozzo del Pellegrino (Lucano)
- Botte Donato
(Sila Grande)
- Serralta San Vito (Le Serre)
- Monte Limina
(Le Serre)
- Montalto
(Aspromonte)
Diese voratlantische Niederlassungen könnten
für die Atlantis-Forschung deshalb von Interesse sein, da hier
Spurensammlungen zur Atlantis-Kultur einfacher realisierbar sind, als in
der zentraleren Atlantis-Region, die sich teils unter dem Wasser, teils
unter der Erde befinden.
Hinweis:
|
1937 veröffentlicht der
Hobbyarchäologe und Mediziner Evelino Leonardi aus Rom seine Vermutungen
über eine untergegangene Atlantis-Insel im zentraleren Bereich des
Tyrrhenischen Meeres (die sehr unwahrscheinlich ist) oder im Bereich der
Pontinischen Inseln - ausgehend von den Megalithbauten am Monte Circeo.
Aus der Sicht dieser Ortungsarbeiten dürfte er erstmals auf den richtigen
Ansatz zur Atlantis-Entwicklung gestoßen sein.
Weitere Informationen (ital.) über den Monte
Circeo:
|

|
3.3. Zu den Gründungen
Die
Anfänge der Gründungen finden ungefähr zwischen 10.500-10.000 v.Chr. statt.
Der
atlantische Stamm um den Monte Cervati errichtet am Kap Palinuro die erste,
größere atlantische Siedlung.
Der
entscheidende Entwicklungssprung gelingt dem Stamm um Monte Limina, der in
Sichtweite der äolischen Inseln lebend, es schließlich wagt zu jenen
vulkanischen Inseln hinüberzusetzen.
Damit erreichen sie ein hochinteressantes, geologisches Schatzinselparadies
- der Schlüssel zum legendären Atlantis. Dort wird im Bereich der Insel
Vulcano die zweite und bedeutendste atlantische Siedlung gegründet. Sie
bringt der Atlantis-Kultur durch Bergbau und entsprechend handwerkliche
Fertigungen den entscheidenden Entwicklungsschub. Dazu gehören vor allem
die ersten Metallerz-Schmelzversuche um ca. 10.250 v. Chr. Mit dem
Inselnamen Vulcano scheint sich sogar die ursprünglich funktionelle
Bedeutung erhalten haben: Volcano (griech. Hephäst) bezeichnet den Gott des
Feuers, der Magie, Erfindung und Schmiedekunst (Industrie) - kurz Prometheus
mythische Wiedergeburt. Prometheus gilt als der Feuerbringer (lat. Luzifer
- Lichtbringer) und erster Kulturgründer. Die speziellen, mythischen
Überlieferungen um diese Ereignisse sind im entsprechenden Abschnitt
3.4 näher erörtert.
Die fünf
atlantischen Stadtsiedlungen [7-9]
passend zu den fünf männlichen Zwillingspaaren chronologisch geordnet:
- Atlantis-Palinuro [8] (erste Gründung im Festlandbereich)
- Atlantis-Vulcano [7] (Das geokulturelle Zentrum im äolischen
Archipel - die "atlantische Schatzinsel".)
Sizilien - die größte und
höchste, atlantische Götterinsel ist heilig = tabu (siehe dazu weiter
unten)
- Atlantis-Malta [8] (Brücken-Stützpunkt nach Libyen)
Atlantis-Kolonien in Libyen:
- Atlantis-Syrte [9] (entwickelt sich zur größten und schönsten
Stadt - die "Kanalstadt")
- Atlantis-Fezzan [8] (Der "Garten Eden", die
"Ebene" mit bis zu 12.000 Jahre alten Felsbildern - heute
verwüstet.)
(Zur besseren Orientierung siehe: Atlantis-Karte)
Diese
Gründungsortungen verdächtigen verstärkt, dass hinter Platons auffällige
Nennung von Tyrrhenien und Libyen die eigentlichen Atlantisgebiete
verborgen liegen, die im altägyptischen Original tatsächlich noch im
zentralen Atlantis-Zusammenhang angeführt worden sein konnten und erst
durch Begriffsverwechslungen bzw. Übersetzungsfehler folglich in der
griechischen Übertragung auf eine der Nebenrollen verwiesen wurden. Aber
auch schon die Vorurteile unter den attischen Gelehrten zu diesen ihnen
damals best bekannten Regionen wären ausreichend gewesen, einen derart
aufkommenden Zusammenhang auszuräumen und zwar aufgrund sowohl äußerer
Widerstände (offensichtlich fehlender Indizien), als auch innerer
Widerstände (Nationalstolz, Eifersüchteleien zwischen dem alten
griechischen Mutterland und der Magna Greca im Westen). Diese Umstände
machen verständlich, dass es für Atlantis schon sehr früh das Beste war,
wenn es sich auch geographisch in eine möglichst unerreichbare Ferne
verzieht. Immerhin trägt dieser phantastische Aspekt bis heute zur
geheimnisvollen Anziehung Atlantis bei.
Ebenso wird hier ersichtlich angenommen, dass
Platon in der Schilderung seines zentralen Atlantis-Bereichs einfachhalber
und effektvoller mehrere in der Realität weiter auseinanderliegende örtliche
Merkmale zusammengefasst hat. Träume machen das übrigens auch.
3.3.1. Die
Rekonstruktions-Graphik
Mit
der vereinfachten Rekonstruktionsgraphik lässt sich die gewonnene
geographische Situation des georteten Atlantis-Gebiets auf einen ersten Blick
überschauen. Dabei konnten nur die wichtigsten Details berücksichtigt
werden. Zum besseren Verständnis der weiteren Ortungsergebnisse ist ein
Atlas erforderlich.

Die
atlantischen Siedlungen in zwei ergänzenden Ordnungsreihen
nach Bedeutung
geordnet:
- Atlantis-Vulcano (die atlantische Vulkaninsel
mit Bergbau als bedeutendster Kulturfaktor)
- Atlantis-Syrte (die atlantische Kanal-Stadt mit
größter Hafenanlage)
- Atlantis-Palinuro (erste Gründung)
- Atlantis-Malta
- Atlantis-Fezzan
nach Größe/Einwohner geordnet:
- Atlantis-Syrte
- Atlantis-Vulcano
- Atlantis-Palinuro
- Atlantis-Fezzan
- Atlantis-Malta
3.3.2. Ergänzende
Hinweise
Ehe
ein weiterer Einblick über die Zusammenhänge um das Atlantis-Gebiet in den
Hauptmythen geworfen wird, noch einige, punktuell ergänzende
Zwischenbemerkungen zu den bisherigen Ortungsergebnissen.
- Es ist anzunehmen, dass Platon in seinen
Atlantisschriften aus mindestens zwei der bedeutendsten
Atlantis-Siedlungen (Atlantis-Vulcano und Atlantis-Syrte) vereinfacht
seine große Atlantis-Stadt gezaubert hat. Ebenso kommt das hier dargestellte
Ortungsergebnis für den Atlantis-Staat zu einem relativ komplexen
Landschaftsgebiet, das aus steinzeitlicher oder auch noch aus
bronzezeitlicher Sicht nur schwer verständlich für spätere Epochen
hätte überliefert werden können. Bekanntlich wurde dann Atlantis aus
den daraus resultierenden Widersprüchlichkeiten gerne vereinfacht zu
einer Insel oder einem "Insel-Kontinent" im Westen gemacht.
Derartig verdichtende Überlieferungs-Verfahren sind auch bei den
mythischen Heldenfiguren gängig und im Falle "Dietrich von
Bern" näher erläutert worden.
- Auf den äolischen Atlantis-Inseln (Atlantis-Vulcano)
wird unter anderem das von Platon erwähnte "Oreichalkos"
(griech. Bergerz) abgebaut: Es bezieht sich hauptsächlich auf das
Eisenerzvorkommen in Form von Hämatit und Pyrit. Rötel (Hämatit-Eisenrot mit Ton oder Kreide
vermischt) wird bekanntlich in der Altsteinzeit haufenweise in
kultischen Handlungen verwendet. Diese steinzeitlichen Bodenschätze
stellen eine Schlüsselstelle in den verschiedenen, mythischen
Überlieferungen dar, auf die noch ausführlicher eingegangen wird.
- Von der einfachen Identifizierung Siziliens als
Atlantis-Insel wird in dieser Arbeit Abstand genommen, da sie wie bereits erwähnt, von den Atlantern
als höchste Götterinsel angesehen wurde und diese folglich aus dem
Rahmen der üblichen siedlungsgeschichtlichen Bedeutung fallen muß.
Dieser entscheidende Situations-Unterschied wird im Verlauf der
weiteren Analysen noch eingehender erläutert.
- Malta:
Der Name der Insel Malta könnte auf einen verwandten Rest- bzw.
Reliktlaut der atlantischen Bezeichnung hindeuten. Beispielsweise lautet
dieser umgekehrt geschrieben: Atlam. Doch auch, wenn früher einmal
die Insel Malta für Atlantis gehalten worden wäre, hat man es nach
der hier vorliegenden Arbeit, erst mit einem Bruchteil von Atlantis
zu tun, der auch noch als verschollen zu gelten hat. Denn die
entscheidenden atlantischen Spuren auf Malta dürften noch immer nicht
entdeckt worden sein. Die bekannten Megalithbauten Maltas stammen aus
späteren jungsteinzeitlichen Nachsiedlern.
- Fezzan: Hierzu
sind auch bis zu 12.000 Jahre alte Felsbilder bekannt. Die bemalten
Felsbilder sind in den Farben rotbraun, weiß und schwarz ausgeführt.
Diese Farbenpriorität wird auch von Platon in Zusammenhang mit den
atlantischen Gebäudefarben genannt. Aus der Rekonstruktionsanalyse -
Atlantis in der Genesis - (s.u.) resultiert die Identität von Ur-Eden
mit Atlantis-Fezzan. Daraus ergäbe sich also ein Überlieferungsweg,
der in diesem libyschen Atlantis-Gebiet seinen Ursprung hat und über
die Verbindung Ägypten-Babylon nach Palästina gelangen konnte,
ähnlich wie jene von Ägypten-Griechenland zu Platon.
- Der altgriechische Geschichtsschreiber Herodot berichtete vor Platon von einem Volk der
Atlanter, welches südöstlich des Atlas-Gebirges in Nordafrika gelebt
haben soll. Dieses Areal fiele nicht nur wie zumeist angenommen auf
Algerien-Tunesien, sondern könnte sich auch noch auf Teile Libyen,
wie das Gebiet um Fezzan bezogen haben.
- In den Überlieferungen von nordafrikanischen
Stämmen taucht ebenso ein
westliches Inselreich namens Atarantes oder Atlantioi auf.
- Nach der "Argonautica" lässt ein heftiger Seesturm die Argo in der
libyschen Wüste stranden - zwölf Schlepp-Tage von der tritonischen
Meeresbucht entfernt. Dieser Sagenteil passt so gar nicht ins
Ur-Argonautenepos, wurde also nachträglich eingebaut und stützt sich
eher auf ein merkwürdiges Vorkommnis, bei dem in einem libyschen
Wüstenbereich ein Schiff gefunden worden sein könnte. Es könnte sich
dabei um ein Atlanter-Schiff aus dem Atlantis-Syrte-Bereich gehandelt
haben, der mit der Zeit vom Wüstensand überdeckt wurde. Eines Tages
könnte ein Wüstensturm jenes Wüstenschiff zum Staunen der Ansässigen
teilweise freigelegt haben, das dann in die Seefahrtslegenden
eingegangen ist und schließlich in der "Argonautica" landete.
Die bislang noch nicht einwandfrei lokalisierte tritonische
Meeresbucht entspräche demnach der großen Syrte.
- Tunesien:
Robert Graves vermutet um 1930 Atlantis am "Triton-See" -
einer Salzlagune nahe der kleinen Syrte, die vor 5000 Jahren
austrocknete. Albert Hermann plädierte ebenso für ein Atlantis in
Tunesien.
3.4. Einblick umfassender
Zusammenhänge in Mythen um Atlantis
Nach
den ersten vorangegangenen Anknüpfungen zur möglichen Atlantis-Existenz
sollen diese nachfolgend noch anhand mehrerer bekannter Hauptmythen weiter
ausgeführt und vertieft werden, um hier bislang übersehene Zusammenhänge
offen zu legen. Ziel dieser Analyse ist es sich vorerst mit relativ wenig
Ressourcen an das Wesentlichste der Überlieferungen heranzumachen und somit
trotz Verzicht auf Vollständigkeit Atlantis auch gesamt-mythologisch näher
einzugrenzen und treffen zu können.
3.4.1. Atlantis - Land
der Titanen 1
Die
obgenannten fünf atlantischen Stadtgründungen könnten den fünf männlichen
Zwillingspaaren des kurz dargestellten Staatsgründungsmythos von Atlantis
entsprechen. In diesem Zusammenhang
ist der Gründungsmythos des Stadtstaats Rom erwähnenswert, der sich ebenso
auf ein männliches Zwillingspaar bezieht. Höchstwahrscheinlich galt früher
die Geburt männlicher Zwillingspaare als Hinweis für besonderes Glück und
Fruchtbarkeit - somit auch würdig damit eine Stadtgründung symbolisch zu
verbinden. Anderseits ist dieses Glück jedoch bekanntlich auch mit Neid
verbunden, womit solche Geschichten dann wiederum oft unglücklich enden müssen.
Diese These
muß nicht der anderen oben angesprochenen Gründungsthese zu den äolischen
Zwillings-Inseln widersprechen,
sondern kann aus dem Entsprechungsdenken (nach Analogien orientiertes
Denken und Handeln - wie in der Astrologie) der früheren Menschen
verstanden werden. Demnach könnten die fünf bis sechs Zwillingsinseln
(entsprechend niederer Meeresspiegelebenen) nach einem weiteren Denkmuster
auch ein zentral-kultisches Abbild des atlantischen Gesamtstaates
dargestellt haben - sowie ein Horoskop als Abbild für eine kosmische
Situation stehen kann. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang der
später gebildete äolische Staatsmythos aus sechs männlich-weiblichen
Zwillingspaaren, der dem bis heute gültigen astrologischen
Einteilungssystem entspricht (sechs männliche und sechs weibliche
Tierkreiszeichen). Damit wurde aus der zuvor dominanten Anzahl 10 die 12,
was sich auf ähnlicher Weise in der Herkulessage wiederholt (siehe dazu
weiter unten). Diese Beziehungen lassen sich noch weiter zu den Titanen und
Nymphen zurückverfolgen, also dem ältesten und nicht-griechischen
Göttergeschlecht. Dieses wird hier folglich einer ältesten Kultur im
Westen, hier dem Atlantis oder altgriechisch zu Hesperia zugeordnet:
Die Titanen entstammen nach der griechischen Mythologie aus der
Urmutter Gaia-Gäa (Erde) und ihrem erstgeborenen Sohn Uranos (hier erster
Gott-Himmel-Bezug), den sie durch Tartaros (Unterwelt) zur Welt gebracht
hat. Dazu ist meistens das äolische Familienkonzept überliefert: sechs
Paare mit sechs Söhnen und Töchtern, die sich heiraten. Aus einen
dieser Paare leitet sich dann auch Atlas ab. Auf die Titanen werden
allerlei Kulturtechniken zurückgeführt und die Erschaffung des ersten
Menschengeschlechts. Unter der Führung des Titan Kronos erhalten sie von
ihrer Urmutter Gaia eine diamantene Sichel, mit dem sie ihren Vater Uranos
entmannen und ihn somit aus der göttlichen Alleinherrschaft absetzen.
Kronos trifft dieses Los später ebenso durch seinen Sohn Zeus, der eine
neue, die olympische Götterdynastie in Griechenland gründet. Diese
sogenannten Titanenkämpfe sind ein wesentlicher Bestandteil im Übergang von
einer vorgriechischen zur altgriechischen Kultur. Leider sind dazu kaum
nähere Überlieferungen erhalten geblieben. Indirekt lassen sich jedoch aus
der griechischen Mythologie zahlreiche Beziehungen ableiten, die auf eine
entsprechende Urkultur in westlicher Richtung weisen.
Die Pleiaden zählen zu den Töchtern Atlas, daher auch Atlantiden
genannt. Es sind die sieben Nymphen, die Zeus schließlich als
bekanntes Siebengestirn ins Sternbild Stier verbannt haben soll. Es ist
neben dem Sternbild Orion das bekannteste und älteste Anzeige- und
Orientierungsinstrument am nächtlichen Firmament - etwa für die frühe
Schifffahrt oder den Landbau. Die Auffälligkeit des Gestirns machte es in
vielen Kulturen bekannt. Eine der ältesten Aufzeichnungen befinden sich
wahrscheinlich in den Höhlen von Lascaux und auf der Himmelsscheibe von
Nebra. Die Form des Siebengestirns erinnert an die Gestalt des äolischen
Inselarchipels, welches ebenso sieben größere Inseln besitzt (aufgrund des
angewachsenen Meeresspiegelstandes). In der griechischen Mythologie
werden die jungfräulichen Plejaden vom riesenhaften Jäger Orion gejagt, dem
das eindrucksvollste Sternbild am Himmel zugeordnet ist. Gürtel und
Schwertgehänge des Sternbildes erinnern wieder an den Hauptteil des
äolischen Inselbogens. Möglicherweise könnte dieses Sternbild
ursprünglichst den Vater der Plejaden Atlas und noch passender ihren
Urgroßvater Uranos repräsentiert haben. Der Name Orion geht übrigens auf
den Namen Urion zurück, der wieder auf Uranos zurückzuführen sein könnte.
Bekanntlich wird Uranos durch Entmannung abgesetzt, während Urion durch
Urinieren auf die Reste einer Rindermahlzeit von Zeus, Poseidon und Hermes
gezeugt wird - was auch auf eine Herabsetzung Uranos als Urzeitjäger Urion
durch die Olympier hindeuten könnte.
Die Hyaden: Je nach Überlieferung zählen diese Nymphen
zwischen fünf und sieben Schwestern, die auch Atlas oder Okeanos zum
Vater haben sollen. Auch sie leuchten als Hyaden-Sternhaufen im Sternbild
Stier. Die Zahlen zwischen fünf und sieben sind wieder je nach
Meeresspiegelstand für das äolische Inselarchipel von Bedeutung.
Die
Hesperiden: Diese Nymphengruppe
der Nacht werden je nach Überlieferung mit drei bis sieben beziffert,
die ebenso Atlas oder einen seiner Verwandten als Vater benennen. Sie sind
eindeutiger mit einem Inselland im Westen der Welt verbunden (zu griech.
Hesperos - Abend, Hesperia, Abendland = Italien, eine andere,
griechische Bezeichnung, die indirekt auf das Atlantis-Gebiet hinweist)
und scheinen diesbezüglich öfters in anderen Mythen auf. Auf diesem
bewachen sie in einem Garten die goldenen Äpfel. Die Hesperiden werden im
Verlauf der weiteren Analysen noch öfters vorkommen.
Offensichtlich
war also Atlantis ein Titanis, das Land der Titanen. Demnach müssten auch
noch weitere Spuren in griechischen und weit ferneren Mythen zu finden
sein, deren Schlüsselbedeutungen (Namen, Symbole, Zahlenangaben,
Ortsbeziehungen ...) jedoch aufgrund der sehr hohen Überlieferungsdauer
sich bis zur Unkenntlichkeit ausgewechselt und verändert haben konnten. Das
Aufdecken derartiger Spuren in mehreren Hauptmythen bezüglich ihrer
ursprünglichen Zusammenhänge und analogen Bedeutungen hin zu Atlantis und
von dort wieder weg (Abwendung durch die titanische Katastrophe) ist
entscheidend für den Wert dieser Untersuchungsrichtung.
3.4.2. Die Bedeutung
Siziliens zu Atlantis
Die
Insel Sizilien muß den Atlantern als heiligste Götterinsel gegolten haben
und wurde mit einem strengen Tabu belegt. Wie zu erfahren sein wird, kommt
dieses Tabu noch in den späteren Mythen zum Ausdruck: Perseus darf auf der
Insel nicht landen. Herkules erhält erst durch Prometheus die Einweisung zu
diesem mysteriösen Land. Odysseus befolgt das Tabu nicht und verliert
daraufhin auch alle seine übriggebliebenen Gefährten. Das mag nicht nur aus
heutiger Sicht unverständlich klingen. Bereits den antiken Griechen dürfte
der Hintergrund nicht mehr richtig geläufig gewesen sein, denn sie haben
sich ja auch selbst - natürlich unbewusst - nicht mehr daran
gehalten.
Das Betreten
Siziliens in einer bestimmten Epoche der Steinzeit dürfte also dem
Herumtrampeln nicht nur auf irgendeinem, sondern auf dem damals höchsten
Gott entsprochen haben. Aus dieser Sichtweise, hätte sich das jener
Hauptgott sicher nicht lange gefallen lassen. Aber warum gerade Sizilien?
Sizilien ist nicht nur die größte und bedeutendste Mittelmeerinsel.
Sizilien besitzt auch weit und breit den höchsten Berg und der ist sogar
ein Vulkan. Das Vulkanische dürfte in dieser atlantischen Kulturepoche das
Merkmal besonderer Göttlichkeit dargestellt haben. Hier konnte erfahren
werden, dass diese Erde wirklich lebt, sich bewegt und atmet, ähnlich wie
bei den Menschen - nur war die Erde, das Land viel größer und mächtiger als
die Menschlein. Und der sizilianische Erdteil schien ein besonders
gigantischer Gott zu sein, wohl der Größte seiner Art. Hätte man also auf
diesem höchsten Gott ungestraft da seinen menschlich-niederen Beweggründen
nachgehen können? Wohl kaum.
Die markante
Dreiecksform Siziliens dürfte bereits sehr früh erkannt worden sein. Diese
Form ist noch in ihrem älteren Namen Trinakria oder Thrinakia (bei Homer)
enthalten. Poseidon (ältere Namensbeziehung auch: Triton [~>Titan]), Beherrscher von Wasser und Erde trägt einen
Dreizack, was auch auf diese Insel, sein zentrales Herrschafts- und
Ursprungsgebiet hinweisen könnte. Dabei muß berücksichtigt werden, dass der
Poseidon bereits der neueren, griechischen Gottheit und menschengestaltigen
Gottesvorstellung entspricht. Nach Platon ist Atlas sein ältester Sohn mit
Kleito (nach der orthodoxen Genealogie sind es aber die titanischen Eltern
Iapedos und Klymene), der Namensgeber der atlantischen Kultur. Er steht
höchstwahrscheinlich auch mit dem vulkanischen Götterberg Ätna-Atlas in
Verbindung.
Sizilien dürfte
ursprünglich - neben den äolischen Inseln - auch zur "Insel der
Hesperiden" gezählt haben, die auch der "Insel der Seligen"
entspricht. Traditionell wird diese weiter westlich vermutet - wie auch
Atlantis - was jedoch auf spätere griechisch-klassische
Fehlinterpretationen zurückzuführen ist. Die Hesperiden waren Nachtnymphen,
die die goldenen Äpfel (= Pyrit: ein Schwefeleisenerz = zu
"Oreichalkos" des atlantischen Bergerzes)* bewachten - die
Götterspeise der Steinzeitkulturen, entsprechend ihrer Götter aus Stein
(Berg, Megalith). Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch die
"Insel der Äpfel" im Keltentum mit selbiger Bedeutung: Avalon.
Als "Hevila" ist sie mit Italien (altgriech. Hesperia - das
Abendland) im Buche Genesis eingebunden (siehe dazu weiter unten).
Eine der letzten
Aufgaben von Herkules war es, diese goldenen Äpfel vom ästereichen Baum
jenes heiligen Gartens zu erbeuten, der vom hundertköpfigen Drachen Ladon
überwacht wurde. Der Baum und der Drachen könnten gleichermaßen auf den
Vulkan Ätna-Atlas hinweisen (siehe dazu auch die mögliche
Bedeutungsrichtung Ätna-Atlas-Weltenbaum weiter unten). Es gelang ihm
schließlich durch die Überlistung von Atlas. Aber weder ihm, noch der
Überlieferung war jener Garten der Hesperiden näher bekannt, was darauf
hinweist, dass selbst die alten Griechen keine Gewissheit mehr darüber
hatten, wo genau sich dieses Land befand - und folglich diesen
Mythenkomplex noch weit hinter die altgriechische Kultur zurückversetzen
lässt.
Der heilige
Verzicht auf Sizilien durfte den Atlantern jedoch nicht schwer gefallen
sein. Da bald nach der Besiedlung des ohnehin bodenschatzreichen, äolischen
Archipels - Malta und Libyen entdeckt und kolonialisiert wurden. Libyen muß
durch seine damals reichhaltige Flora und Fauna dem Garten Eden der
Atlanter entsprochen haben, aus dem sie später durch das Unglück vertrieben
wurden, das später in allen bekannten Mythen als Gottesstrafe interpretiert
wurde. Die bekannteste dieser Interpretationen ist in der biblischen
Genesis verewigt. Demnach waren sogar Adam und Eva Atlantiden (siehe dazu
die nähere Ausführung weiter unten). Darauf weist sowohl der verbotene
Gartenbereich, wie auch der verbotene Baum hin, als auch die anschließende
Vertreibung nach dem Genuss jener Paradiesäpfel - ein häufig kopiertes
Mythenmuster also. Dass es sich hierbei ursprünglich um begehrte
Bodenschätze (wie auch der Götterspeise) gehandelt haben muß, darf weiter
nicht wundern: noch im Mittelalter ist diese symbolische Beziehung unter
den Bergbauvölkern gebräuchlich. Das bekannteste Beispiel hierfür lässt
sich aus dem Epos König Laurin ableiten, indem sein Bergbaufeld als
verbotener Rosengarten übertragen ist.
Fazit: Sizilien darf trotzdem nicht mit Atlantis
gleichgesetzt werden. Entsprechende Vermutungen rühren auch daher, da
Platons Atlantis-Beschreibungen relativ gut zu Sizilien passen würden, was
nicht weiter verwundert, da er die Insel von drei Reisen her kannte -
insbesondere den Landstrich Ätna-Syrakus - und daraus seine Erfahrungen in
bestimmten Dialog-Schriften einbringen konnte. Sizilien steht also zu
Atlantis in einer Sonderstellung und fällt aus dem Rahmen der atlantischen
Siedlungsgeschichte. Wie bereits erwähnt und noch weiter auszuführen ist,
beschäftigt jene mysteriöse Aura der heiligen Unberührbarkeit dieser
Götterinsel die diesbezüglichen Mythen noch nach Jahrtausenden.
*die goldenen
Äpfel - mineralische Götterspeise = Pyrit, ein Schwefeleisenerz (Zusätzlich sind in diesem Zusammenhang auch noch
Schwefelkristalle oder andere natürliche Schwefelverbindungen möglich.)
Diese symbolische Darstellung lässt sich auch
sprachlich herleiten. Die im Altgriechischen noch erhaltene gleiche oder
ähnliche Wortwurzel von Schwefel (theion) und Gottheit (tó theion) weist
auf die gleiche Ursprungs- bzw. Bedeutungsebene hin:
|
theion
tó theion
theios
|
Schwefel
Gottheit
göttlich
|
qeiow
1. schwefeln, durch Schwefel reinigen (->
theion)
2. göttlich machen, den Göttern weihen (-> theios)
Diese goldgelben,
schwefeligen Weihrauchfrüchte könnten also den Göttern geweiht worden sein,
während Rötel (Eisenrot + Ocker) den Menschen, dem sterblichen Leben
zugesprochen wurde. Aus diesem Kontext heraus verstehen sich auch die
tödlichen, schwefeldampfenden Haine und Berge (Drachen) umso mehr als
gottgeweihte Stätten. Widerhandlungen waren strafbar (Atlantis-Katastrophe,
Ursünde, ...). Im Prometheus-Mythos (lat. Luzifer) kommt dieser Konflikt
zwischen Gott-Mensch, Religion und materiell-technischen Fortschritt am
deutlichsten zum Ausdruck, indem ein ursprüngliches Goldenes Zeitalter von
einem Eisernen Zeitalter abgelöst wurde, wobei letzteres vom eigennützigen
Gebrauch der Erze bestimmt wurde, was die Menschen in Krieg und Not
gestürzt haben soll. (Anm.: In einer anderen mythischen Version wird da
noch eine Übergangsepoche eingefügt, was aber letztlich aufs selbe
rauskommt.)
Daneben kann im
Griechischen noch eine Verbindung zum "Goldenen Vlies" der
Argonauten hergestellt werden: Äpfel und Schafe sind im Altgriechischen
ebenso Synonyme - wortgleich. Daraus ergibt sich eine Bedeutungsbrücke
zwischen dem "Goldenen Vlies" (Widderfell) an der damaligen,
östlichen Weltgrenze und den ursprünglicheren "Goldenen Äpfeln"
an der westlichen Weltgrenze. Dementsprechend sind es später bei Odysseus
auch keine Äpfel mehr, sondern Helios heilige Herden aus Schafen, ergänzt
mit Rindern, die unter einem Tabu standen.
Die letzten zusammenhängenden
Synonym-Beziehungen in Übersicht:
|
malis
malo,
melo
mallos
mallon,
lat. melior
malamma,
chrysos
|
Apfelbaum
Apfel
Vlies
besser, lieber, ...
Gold
|
3.4.3. Atlantis in der
Perseussage und in der Odyssee
Die
Perseussage deutet auf eine Nachfolgekultur von Atlantis im fernen Äthiopien
hin. Sie ist gleichzeitig die Sage, auf der die meisten Sternbilder
zurückgehen und damit auch auf eine sehr alte Seefahrer-Kultur hinweist.
Diese frühzeitliche Art von mythologisch verquickter Natur- und
Geschichtsdarstellung ist ein typisches Merkmal. Dabei hat man die
geographische Landschaft im besonderen Maße eingebunden, was auf eine erste
Form systematischer Welt-Orientierung zwischen Himmel und Erde schließen
lässt.
Folgender Auszug
aus der Perseussage führt den Helden in eine Reise durch das Atlantisgebiet
in Nord-Süd-Richtung. Der Schwerpunkt dieser Reisebeschreibung bildet die
nördliche Atlantis-Zone, aus denen die wenigsten Atlanter überlebten. Im
Gegensatz zum Herkules-Pendant (siehe unten) fällt diese Beschreibung auch
entsprechend grauenhaft aus. Der Held setzt sich jedoch ähnlich erfolgreich
durch. Er könnte auf einen nach-atlantischen Gründerhelden zurückzuführen
sein, der später samt seiner Sage in den altgriechischen Kulturkreis
eingegliedert wurde. Ursprünglich - nach den Erzählungen der
Atlantis-Überlebenden - dürfte diese Darstellung in einem anderen Kontext
gestanden haben. Mythen werden bekanntlich mit zunehmender
Überlieferungsdauer von anderen Völkern gemäß ihrer Verhältnisse angepasst
übernommen. So wird der Atlantis-Mythos beispielsweise heute gerne
science-fiction-mäßig ausgelegt. Von der folgenden griechisch-klassischen
Anpassung führen in Klammern unterstrichene Erklärungen zu den
ursprünglicheren Atlantis-Ortungen hin:
"Perseus machte sich auf den Weg und kam
unter der Götter Leitung in die ferne Gegend (Tyrrhenien)
des Phorkus (Meergreis, ein Ur-Poseidon),
der Vater vieler entsetzlicher Ungeheuer. Hier traf er zuerst auf drei
seiner Töchter, die Gräen oder Grauen (Pontische
Inseln, vor dem Monte Circeo). Diese waren grauhaarig von Geburt
an (aus Lavagestein). Alle drei mit
einander hatten nur ein Auge und einen Zahn, die sie einander gegenseitig
abwechslungsweise zum Gebrauche liehen. Perseus nahm ihnen beides weg und
als sie ihn flehentlich baten, das Unentbehrlichste ihnen doch wieder zu
geben, zeigte er sich zur Zurückerstattung nur unter der Bedingung bereit,
dass sie ihm den Weg zu den Nymphen zeigen sollten. Dieses waren andere
Wundergeschöpfe, die Flügelschuhe, einen Schubsack als Tasche und einen
Helm von Hundefell besaßen. Wer sich damit bekleidete, konnte fliegen,
wohin er wollte, sah, wen er wollte und wurde von niemanden gesehen. Die
Töchter des Phorkus zeigten dem Perseus den Weg zu den Nymphen und
erhielten Zahn und Auge von ihm zurück. Bei den Nymphen (Insel Ischia) fand und nahm er, was er
wollte, warf den Schubsack um schnallte die Flügelschuhe an seine Knöchel
und setzte den Helm aufs Haupt. Dazu erhielt er von Hermes-Merkurius eine
eherne Sichel und so ausgerüstet flog er zu dem Ozean, wo die anderen drei
Töchter des Phorkus, die Gorgonen hausten (Vulkanöffnungen
des äolischen Archipels und ihre Ausscheidungen). Die dritte,
die Medusa hieß (Vulkankrater des täglich
erwachenden Strombolis), war allein sterblich. Darum war auch
Perseus ausgesandt worden, ihr Haupt zu holen. Er fand die Ungeheuer
schlafend. (Es folgt eine archaische
Vulkan-Beschreibung:) Ihre Häupter waren mit Drachenschuppen
übersät, mit Schlangen statt Haaren bedeckt (Lava,
Lava-Gestein, vegetationslos). Große Hauzähne hatten sie wie
Schweine eherne Hände und goldene Flügel mit welchen sie flogen (Vulkan-Auswürfe). Jeden, der sie ansah,
verwandelte dieser Anblick in Stein (Wirkung
des blendend-heißen Magmas im Kraterloch). Das wusste Perseus. Mit
abgewandtem Gesicht stellte er sich deswegen vor die Schlafenden (schlafende Vulkankrater) und fing nur in
seinem ehernen, glänzenden Schilde ihr dreifaches Bild auf. So erkannte er
die Gorgo Medusa heraus, Minerva (Göttin der
Weisheit) führte ihm die Hand und er schnitt dem schlafenden Ungeheuer
ohne Gefahr das Haupt ab (Zur Erinnerung:
Ähnliches Abtrennungsmuster geschieht mit den Göttern Uranos und Kronos
durch Entmannung - die 'Titanenkämpfe': Vulkankatastrophen.). Kaum
war dies vollbracht, so entsprang dem Rumpfe ein geflügeltes Ross, der
Pegasus (die Vulkanwolke, Pe-gasus - Gas)
und ein Riese Chrysaor (griech. Goldschwert,
passend auch zum Vulkanberg des Stromboli und seinem goldfeurigen
Auswurf). Beides waren Geschöpfe des Poseidon. Perseus schob nun das
Haupt der Medusa (könnte dem heißen Kraterloch
entsprechen oder dem Magma. Zu Medusa: Medium-Mitte, Medulla-Mark, das
Innere, also auch Magma, ferner entsprechende mineralische Bodenschätze)
in den Schubsack und entfernte sich rücklings, wie er gekommen war.
Indessen hatten sich die Schwestern Medusas vom Lager erhoben. Sie
erblickten den Rumpf der getöteten Schwester und erhoben sich auf ihren
Fittichen, den Räuber zu verfolgen. Diesen aber verbarg der Nymphenhelm vor
ihren Augen und sie konnten ihn nirgends inne werden."
|

Aktiver Vulkankrater als Schlangenhaupt
der Gorgone Medusa
(Zeichnung aus der Antike - hier eingefärbt)
|

Re: ägypt. Sonnengott-Symbolik mit
Sonnenhaupt-Schlange ~ Vulkanöffnung
|
Ergänzende
Erklärungen: Dieser
Perseus-Medusa-Akt weist am anschaulichsten auf die zweifache Gefahr hin,
die hier von den Vulkanen ausgeht: die natürliche Gefahr und die
Nutzungsgefahr, in der sich der Mensch aussetzt, wenn er für sich daraus
einen Gewinn herausnimmt. Letzteres bezieht sich auf die Entdeckung des
Metallerzschmelzens, die von diesen Vulkanen abgeschaut oder gestohlen
werden konnte (Wie bereits oben erwähnt, könnte sich die Entwicklung erster
Metallerzschmelzung auf der Insel Vulcano ergeben haben.). Perseus kann
hier sogar ziemlich arrogant der Götter-Strafe entgehen, Prometheus nicht.
Früher galt eben Lernen als Diebstahl an bestimmten Göttern. Der Strafe
konnte man aber hier später entgehen, wenn man diesen Akt unter der Obhut
einflussreicherer Götter vornimmt: hier durch Hermes und Minerva.
Hermes-Merkur (von ihm bekommt er die Sichel) steht auch für beides: für
Diebstahl und Lernen. Minerva (hilft bei der Durchführung) steht für
Wissen, Weisheit. Hier auch erwähnenswert die lateinische Wortverbindung:
Minera für Erzgang.
Wie bereits
hingewiesen ist Luzifer-Adam-Eva auch nur ein Pendant des Perseus,
Prometheus oder Herkules, die alle aus diesem vulkanischen Baum-Berg der
Erkenntnis, mineralische Götterspeise "gestohlen", angeeignet und
so ihre Nutzung kennen gelernt haben: Damit könnte ebenso der erste bedeutende
Schritt vom Feuerstein zur Metallurgie gekennzeichnet werden. Die
nachfolgenden Interpretationsunterschiede bis zu den schriftlichen
Vergleichsmöglichkeiten ergeben sich aus der atlantischen Diaspora und
durch mündliche Überlieferungen unterschiedlicher Zeitspannen von mehreren
tausend Jahren.
So kann
beispielsweise aus der obigen ägyptischen Sonnengottdarstellung des
Re-Harachte-Aspekts zwar nicht mehr so eindeutig auf den Vulkanbezug
geschlossen werden. Wird jedoch der weitere Sonnenverlauf unter der Erde
hindurch in der Darstellung des Re-Atum-Aspekts verfolgt, fällt auf, dass
dieser von mehreren Gottheiten bewacht werden mußte, da die alten Ägypter
in dieser Phase anscheinend die höllische Gefahr der unterirdischen
Sonnenaktivität auch in Form von möglichen Vulkanausbrüchen aus der
Unterwelt verbunden haben durften.
Hinweis: Den folgenden Atlas-Teil habe ich hier logistisch
vor den Libyen-Teil versetzt. Aus klassischer Sicht wird nämlich Atlas
irrtümlicherweise mit dem marokkanischen Atlas-Gebirge gleichgesetzt und
folgt daher in der klassischen Erzählung nach dem Libyen-Teil. Die Nennung
des nordwestafrikanischen Gebirges nach dem Gottkönig Atlas erfolgte
relativ spät. Ursprünglichere Namen wären: Dyris (nach Strabon), Daran
(nach Plinius).
"Perseus flog nun weiter und senkte sich
endlich im Reiche des Königs Atlas (Ätna-Sizilien)
nieder, um ein wenig zu rasten. Dieser hütete einen Hain voll goldener
Früchte (Pyrit, 'Oreichalkos', Bergerze)
mit einem gewaltigen Drachen (Vulkan).
Umsonst bat der Bezwinger der Gorgone ihn um ein Obdach. Für sein goldenes
Besitztum bange, stieß ihn Atlas unbarmherzig von seinem Palast fort (zur Erinnerung: Bei Odysseus begegnet uns dieser
Tabu-Ort als Helios heiliger Hain. Odysseus verletzt jenes Tabu mit seinen
Gefährten, worauf er diese alle verliert.). Da ergrimmte Perseus und
sprach: ‚Du willst mir nichts gönnen, empfange du wenigstens ein Geschenk
von mir.’ Er holte die Gorgo aus seinem Schubsack hervor, wandte sich ab
und streckte sie dem König Atlas entgegen. Groß wie der König war, wurde er
augenblicklich zu Stein und in einen Berg verwandelt (Hier erkennt man also: der Gottkönig ist im Grunde
ein Berg. Der Ätna, ein zum Himmel rauchender Bergriese, kommt jenem
'Himmelsträger-Image' jedoch besser zu gute, als dem dafür traditionell
zugeordneten Atlas-Gebirge). Perseus nahm seine Fittiche wieder und
schnallte sie sich an die Sohlen, hängte sich den Schubsack um, setzte sich
den Helm auf und schwang sich in die Lüfte. In der Luft fassten inzwischen den
Perseus die Winde und schleuderten ihn, wie Regengewolken bald da, bald
dorthin. Als er über den Sandwüsten Libyens schwebte, rieselten blutige
Tropfen vom Medusenhaupte auf die Erde nieder (Der
vulkanische Auswurf der Atlantis-Katastrophe flog bis nach Libyen),
welche sie auffing und zu bunten Schlangen belebte (Die
Auswirkung der Atlantiskatastrophe: Verwüstung und einsetzende
Wüstenbildung Libyens. Die Kaltblütler, wie die Schlangen können größere
Temperaturunterschiede dieser Folgewirkung überleben, als es den
Säugetieren möglich ist.). Seitdem ist jenes Erdreich an
feindseligen Nattern so ergiebig. Auf einem Fluge kam er an die Küste
Äthiopiens, wo der König Kepheus regierte. (Ein
Teil der Atlanter zieht nach Äthiopien ab.)"
Weiterer
Sagenverlauf zusammenfassend: Andromeda war die Tochter des Königs Kepheus
von Äthiopien und der Königin Kassiopeia. Andromedas Unglück begann am Tag,
als ihre Mutter sich rühmte, schöner zu sein als die Nereiden, eine
besonders verführerische Schar von Meeresnymphen (eigenartiger
Italien-Äthiopien-Bezug). Die beleidigten Nereiden baten daraufhin den
Meeresgott Poseidon, sie zu bestrafen. Dieser schickte dann ein Ungeheuer,
das die Küste des Landes verwüstete (Hier klingt also wieder eine
Erinnerung an die Atlantis-Katastrophe bzw. Strafe nach). Der König
befragte in seiner Not das Orakel von Ammon und erhielt die Antwort, er
müsse seine jungfräuliche Tochter opfern, um das Ungeheuer zu besänftigen.
Andromeda wurde deshalb an einen Felsen gekettet, und dem Walfisch zum Fraß
überlassen. (Prometheus-Analogie: Bei ihm frisst täglich ein Adler von der
Leber.) Als Andromeda so an dem Felsen stand, kam der Held Perseus vorbei
und sah die weinende Andromeda. Er tötete daraufhin das Ungeheuer, kettete
Andromeda vom Felsen los (Prometheus wird von Herkules gerettet, weil er
ihm den Ort der goldenen Äpfel zeigen kann.) und nahm sie zu seiner Braut,
die ihm später sechs Kinder gebar. Die Konkurrenten versteinerte er wieder
mit Hilfe des Medusenhauptes.
Erwähnenswert in
diesem Zusammenhang ist ebenso Poseidons Erscheinen von Äthiopien kommend
zum Zeitpunkt, als Odysseus es beinahe geschafft hat, sich aus
Italien zu entziehen, um Poseidons auferlegter Strafe zu entkommen, ihn
dann aber nochmals durch einen heftigen Seesturm nach Italien zurückwirft -
also damals noch ins Land ohne Heim- oder Wiederkehr, an der westlichen
Weltgrenze. Anscheinend vermitteln hier Dichter nicht mehr bewusste, jedoch
tiefverwurzelte, mythische Zusammenhänge - die sonst nur Eingeweihten
zugänglich wären. So ist hier Poseidons plötzliches und ebenso eigenartiges
Erscheinen aus Äthiopiens Richtung kommend dadurch erklärbar, dass
Äthiopien und Ägypten die Zufluchtsorte von Atlantis-Überlebenden
darstellen können und jenes Katastrophen-Traumata noch Jahrtausende nachwirkt,
hin zu jenen Informationsspuren bei Prometheus, Perseus, Herakles, Adam,
Odysseus, Homer, Herodot und darüber hinaus. Daher müsste die abschwächende
These "Platon sei der einzige und zweifelhafte
Atlantis-Überlieferer" längst überholt sein, da seine Hinweise zu
Atlantis nicht so alleine dastehen, wie es sich auf dem ersten Blick
darstellt. Es existierten lange vor Platon viele, verschiedene, wenn auch
verborgene oder nicht direkt zugängliche Spuren, die in Richtung Atlantis
weisen. Wie die Perseusreise so führt auch die bekanntere Odysee überwiegend durch atlantisch-titanisches Gebiet.
Odysseus kämpft gegen die Kyklopen und Giganten (Verwandte
der Titanen auf dem Festland), kommt zweimal zu den äolischen
Inseln, wo Gottkönig Äolos herrscht (Sohn Poseidons, verwandt
mit der Dynastie um Atlas), besucht Circe (Tochter Helios,
ein Titanide), bricht mit seinen Gefährten das Tabu über Helios
heiligen Herden auf Thrinakia (Sizilien), wodurch sie ebenso das Schicksal
Atlantis erleiden und fast alle untergehen müssen. Nur Odysseus
kann sich zur maltesischen Insel (Gozo) der Calypso retten (Tochter
des Atlas). Wieder jede Menge Hinweise über das
atlantisch-titanische Land im südlichen Italien.
Noch ausführlichere
Atlantis-Überlieferungsspuren enthält die bekannte Herkulessage. Seine
Arbeiten stellen m.E. auch eine zusammenfassende Mythensammlung
verschiedener Länder dar.
3.4.4. Atlantis in der
Herkulessage
Wie
bei der Perseussage deutet auch die Herkulessage auf Überlieferungen einer
atlantischen Nachfolgekultur hin. Herkules selbst gilt als
Perseus-Nachkomme. Im folgenden Auszug soll der Held eine Weltreise
durchführen, die aber ursprünglich eine Reise durch das Atlantis-Gebiet von
Süden nach Norden beschreibt - also der Perseus-Reise entgegengesetzter
Richtung. Der Schwerpunkt dieser detaillierteren Reisebeschreibung bildet
dabei die südliche Atlantis-Zone, aus denen mehr überlebende Atlanter in
andere Länder abziehen konnten. Auf jene Atlantis-Überlebenden könnte auch
diese Passage zurückzuführen sein, die ursprünglich in einem anderen
historischen Kontext gestanden haben muß. Aus der folgenden
griechisch-klassischen Anpassung führen in Klammern wieder unterstrichene
Erklärungen zu den ursprünglicheren Atlantis-Ortungen hin:
"Herkules sammelte seine Heere auf der
Insel Kreta, die er von wilden Tieren befreit hatte und landete in Libyen.
Hier rang er mit dem Riesen Antäus (im
Gebirge: Djebel el-Akhdar, Sohn Poseidons und der Gäa, Gaia),
der neue Kräfte erhielt, so oft er die Erde (Gäa)
berührte. Aber Herkules hielt ihn in die freie Luft empor und drückte ihn
zu Tode. Auch reinigte er Libyen von den Raubtieren. Nach einer langen
Wanderung durch wasserlose Gegenden (Süd-Cyrenaika)
kam er endlich in ein fruchtbares, von Füssen durchströmtes Gebiet. Hier
gründete er eine Stadt von ungeheuerer Größe und nannte sie Hekatompylos (Für diese große 'Stadt der hundert Tore' setzte man
die des Partherreiches ein, die einmal das östliche Weltende markierte. Ursprünglicher
dürfte jedoch Atlantis-Syrte gemeint sein - die große Kanalstadt nahe der
großen Syrte.). Zuletzt gelangte er an den atlantischen Ozean,
gegenüber von Gadeira (Das sollte das spanische
Cadiz darstellen und markierte einmal das westliche Weltende. Ursprünglicher
dürfte jedoch Atlantis-Fezzan gemeint sein. Auch in Libyen existieren
heute Städtenamen, die an Gadeira anknüpfen: In nordwestlicher Richtung die
Stadt Ghadames, in süwestlicher Richtung die Stadt Ghat. Gadeira-Cadiz bzw.
das bislang verschollene Tartessos wird interessanterweise auch sehr früh
bereits mit Atlantis gleichgesetzt.). Hier pflanzte er die beiden
berühmten Herkulessäulen auf (Gebirge:
Harudj el-Asuad). Die Sonne brannte entsetzlich (Ein Hinweis, dass er sich hier ursprünglich immer
noch auf Wüstengebiet befunden haben muß und nicht in der spanischen
Küstenstadt Cadiz). Herkules ertrug es nicht länger. Er richtete
seine Augen nach dem Himmel und drohte mit aufgehobenen Bogen den
Sonnengott niederzuschießen. Dieser bewunderte seinen Mut und lieh ihm, um
weiter zu kommen, die goldene Schale, in welcher der Sonnengott selbst
seinen nächtlichen Weg vom Niedergange bis zum Aufgange zurücklegt. Auf
dieser fuhr Herkules mit seiner nebenher segelnden Flotte nach Iberien (Widerspruch: Cadiz wäre bereits im spanischen
Iberien - ein Dahinsegeln wäre nicht ganz logisch. Ursprünglich dürfte
er sich also immer noch im atlantischen Libyen befunden haben und segelt
von dort nach Atlantis-Malta hinüber.). Hier fand er die drei
Söhne des Chrysaor mit drei großen Heeren, einen nicht weit vom anderen
gelagert (Damit sind die drei maltesischen
Inseln gemeint: Malta, Gozo, Comino). Er aber tötete die
Anführer alle im Zweikampfe und eroberte das Land. Dann kam er nach der
Insel Erythia (eigentlich Sizilien),
im Meerbusen von Gadeira (Widersprüche:
Hat er Gadeira-Cadiz nicht schon längst verlassen? Und im Meerbusen von
Cadiz gibt es keine bemerkenswerte Insel.), wo Geryones (Ein weiterer Sohn Chrysaors und
Poseidon-Triton-Bezug. Der Widerspruch: Chrysaor ist bei Herkules als
iberischer König überliefert, in der Perseus-Sage hingegen als riesenhaftes
Geschöpf Poseidons - was dort dem Vulkanberg Stromboli entspricht und der
ursprünglichen Überlieferung näher kommt.) mit seinen schönen
Rinderherden hauste (Später auch ein
Odysseus-Bezug: Helios heilige Herden auf Sizilien). Geryones selbst
war ungeheuer groß, hatte drei Leiber und drei Köpfe (= Triton-Bezug. Sizilien ist dreispitzig, deshalb
auch Trinakria genannt). Kein Erdensohn hatte sich je an ihn gewagt (Sizilien bestätigt sich hier ein weiteres Mal als
alte, heilige Götterinsel, die einst mit einem Tabu belegt war.).
Sobald der zweiköpfige Hund (Analogie zum
dreiköpfigen Cerberus, dem Höllenhund) seine Ankunft inne wurde,
fuhr er auf ihn los. Herkules empfing ihn mit dem Knittel, erschlug ihn und
darauf auch den riesigen Rinderhirten (Ätna-Bezug),
der dem Hunde zu Hilfe gekommen war. Dann entführte er die Rinder. Geryones
holt ihn aber ein und es kam zu einem schweren Kampfe. Hera-Juno (Zeus-Jupiters eifersüchtige Gattin) selbst
erschien, dem Riesen beizustehen (In der
Odyssee existiert ein ähnliches Verhältnis Hera-Poseidon gegen Odysseus).
Doch Herkules schoß ihr einen Pfeil in die Brust, dass die Göttin verwundet
entfliehen musste. Auch der dreifache Leib des Riesen, der in der Gegend
des Magens zusammenlief, fing hier den tödlichen Pfeil auf und musste
erliegen. Unter glorreichen Taten vollbrachte Herkules seinen Rückweg,
indem er die Rinder durch Iberien und Italien trieb. Bei Rhegium in
Unteritalien entlief ihm einer seiner Ochsen, setzte über die Meerenge und
kam so nach Sizilien (Interessant wie er das
ursprüngliche Ziel doch noch über einen Umweg erreicht. Die Ochsen wissen
halt wo's lang geht.:-). Sogleich trieb er auch die anderen Ochsen
ins Wasser und schwamm, indem er einen Stier am Horn fasste, nach Sizilien
hinüber. Unter mancherlei Taten kam der Held nun glücklich über Italien,
Illyrien und Thrakien nach Griechenland zurück und in dem Isthmus an."
Der Weg
Iberien-Italien-Illyrien-Thrakien-Griechenland führt eigentlich nicht durch
Sizilien, was hier indirekt auf die ursprüngliche Sonderstellung Siziliens
hinweist und das spanische Iberien als späteren Zusatz verdächtigt,
anstelle des ursprünglichen, direkten Wegs von Libyen über Malta nach
Sizilien... Italien-Illyrien-Griechenland. Dabei handelt es sich
höchstwahrscheinlich um die mythische Beschreibung der westlichen
Weltgrenze aus frühester Sicht - der Bronzezeit - unter Berücksichtigung
des Rück- bzw. Abzugwegs aus dieser Gefahrenzone. In der bekannten,
klassischen Mythenfassung ist jedoch die später nach Gibraltar verlegte
westliche Weltgrenze integriert. Bemerkenswert ist noch eine dort
naheliegende Ruinenstadt namens Italica, eine Gebietsbezeichnung, der
früheren westlichen Weltgrenze in Italien.
"Jetzt hatte Herkules zehn Arbeiten
vollbracht, weil aber Eurystheus zwei nicht gelten ließ, so musste er sich
bequemen, noch zwei weitere zu verrichten."
(Und wieder: aus 10 wird 12. Siehe Gründermythen):
den Hesperiden die goldenen Äpfel entreißen und
den dreiköpfigen Höllenhund Cerberus aus der Unterwelt heraufzuholen -
ursprünglich wieder ur-sizilianische Eigenheiten, die mit der vulkanischen
Aktivität in Verbindung stehen.
3.4.5. Atlantis im
Persephone-Kult
Eine
Zusammenfassung (mit den ursprünglicheren Bedeutungsbezügen wieder in
Klammern):
Persephone, die
Tochter der Erdgöttin Demeter und des Zeus (ursprünglich des Poseidon, noch
ursprünglicher jedoch bestimmt wieder titanischer Herkunft) pflückte im
heiligen Hain am Fuße des Ätnas (Atlas-Bezug) Blumen (ursprünglich eher
Granatäpfel*: die Granatkerne des essbaren Granatapfelinhalts ähneln
interessanterweise den kleineren Pyriterzkörnern - hier wieder ein Hinweis
zum Apfel-Mineral-Bezug. Oder alternativ: Die Blumen symbolisierten
mineralische Blumen - Schwefelblumen, S-Kristalle etwa...). Daraufhin
verfinsterte sich der Tag, die Erde bebte, die Luft stürmte heiß und Feuer
fiel vom Himmel. Hades-Pluto der Herr der Finsternis entführte Persephone
in die Unterwelt und die Natur wurde verwüstet (Atlantis-Katastrophe). Ihre
Gefährtinnen verfolgten sie in der Verwandlung als Sirenen (vogelartige
Frauen), um sie zu befreien. Doch zwecklos, es gelang ihnen nicht in die
Unterwelt vorzudringen und mussten so für immer als Sirenen in der Oberwelt
bleiben (Die Sireneninsel ist in der Odyssee-Arbeit bereits der Insel
Ventotene zugeordnet worden. Sie liegt zwischen den Pontischen Inseln
und der Insel Ischia, die in der Perseussage von Bedeutung sind. Auch
zwischen diesen beiden Sagen sind analoge Bedeutungsmuster nicht von der
Hand zu weisen. Andromeda wird jedoch von Perseus befreit, während
Persephone zumindest teilweise als Herrin gefangen bleiben muß.).
Persephone verweigert sich in der Unterwelt. Hades gelingt es aber trotzdem
Persephone zum Granatapfelverzehr zu verführen. Damit wurde der Akt der
Vermählung beschlossen und sie wurde endgültig Herrin über die Finsternis
und der Unterwelt. Durch die Gnade des obersten Gottes Zeus durfte sie
später alle Jahre zum Frühlingsbeginn die Oberwelt besuchen.
*Granatäpfel:
Persephones Genuss des Grantapfels könnte in späteren Versionen in die
Unterwelt verlegt worden sein. Ursprünglich dürfte jedoch ein Tabubruch im
heiligen Hain der Grund der Entführung gewesen sein, wie beispielsweise bei
Evas Paradiesapfel oder den Äpfeln der Hesperiden in der Herkulessage.
Wegen der späteren Verehrung Persephones musste dieser Tabubruch
verschleiert werden. Demnach verführt sie Hades erst in der Unterwelt zum
entscheidenden Granatapfel-Genus, wodurch Persephone hier eindeutiger zum
Opfer (der Katastrophe) gemacht wurde und ab diesem Zeitpunkt für immer an
die Unterwelt gebunden wird. Die Opferrolle hätte man ihr aber auch als
junge, unerfahrene Tabubrecherin abnehmen können - zumindest aus heutiger
Sicht. Letztlich entschied hier anscheinend die Notwendigkeit eines
makelloseren Fruchtbarkeitskults im Zusammenhang zwischen Winterende und
Frühlingsanfang. Damit durfte indirekt auch der Atlantis-Katastrophe
gedacht worden sein, die winterähnliche Klimabedingungen mit sich zog,
welche sich langsam wieder auflösten. Die Verbesserung dieser Lage konnte
den Kult zum Positiven hingewendet haben und den ausschließlichen
Katastrophen- bzw. Klimawandelbezug zum festlichen
Jahreszeitenwechsel-Bezug gewandelt haben. Demnach könnte Persephone
ursprünglicher auch eine problematischere, atlantisch-titanische Figur
repräsentiert haben, mit der man sich dann versöhnt hat. Etwas weniger
versöhnlich haben die Bibelschreiber diese Ereignisse in ihre Genesis
interpretiert. Siehe dazu die nachfolgende Analyse zu Adam und Eva im
Paradies.
3.4.6. Atlantis in der
Genesis
Die
Ortungen sind wieder unterstrichen angeführt.
|
Aus "Heilige Schrift" - Genesis:
|
Rekonstruktionsanalyse
|
|
Der Mensch im Paradies
[...]
8. Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Morgen, und
setzte den Menschen drein, den er gemacht hatte.
9. Und Gott der Herr hieß aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, lustig anzusehen
und gut zu essen und mitten im Garten den Baum des Lebens und den Baum
der Erkenntnis des Guten und Bösen.
10. Und es ging aus von Eden ein Strom zu wässern den Garten und teilte
sich von dannen in vier Hauptwasser.
11. Das erste heißt Pison, das fließt um das ganze Land Hevila und
daselbst findet man Gold.
12. Und das Gold des Landes ist köstlich und da findet man Bedellion und
den Edelstein Onyx.
13. Das andre Wasser heißt Gihon, das fließt um das ganze Mohrenland.
14. Das dritte Wasser heißt Hiddekel, das fließt vor Assyrien. Das vierte
Wasser ist der Euphrat.
15. Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten
Eden, dass er ihn baute und bewahrte.
Gottes Gebot
16. Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen
von allerlei Bäumen im Garten.
17. Aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du
nicht essen, denn welches Tages du davon isst, wirst du des Todes
sterben.
18. Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein
sei. Ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.
19. und 20. Über die Benennung der Tiere.
Schöpfung des Weibes
21. - 25.
Sündenfall
1. Und die Schlange war listiger denn alle Tiere auf dem Felde, die
Gott der Herr gemacht hatte und sprach zu dem Weibe: Ja, sollte Gott
gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allerlei Bäumen im Garten?
2. Da sprach das Weib zur Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume
im Garten.
3. Aber von den Früchten des Baums mitten im Garten hat Gott gesagt:
Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet.
4. Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mit nichten des Todes
sterben.
5. Sondern Gott weiß, dass welches Tags ihr davon esset, so werden eure
Augen aufgetan und werdet sein wie Gott und wissen, was Gut und Böse ist.
6. Und das Weib schaute an, dass von dem Baum gut zu essen wäre und
lieblich anzusehen, dass es ein lustiger Baum wäre, weil er klug mache
und nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon und er aß.
7. Da wurden ihrer beider Augen aufgetan und wurden gewahr, dass sie
nacket waren und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich
Schürze.
8. Und sie hörten die Stimme Gottes des Herrn, der im Garten ging, da der
Tag kühl worden war. Und Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem
Angesicht Gottes des Herrn unter die Bäume im Garten.
9. Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist Du?
10. Und er sprach: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich
denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich.
11. Und er sprach: Wer hat dir es gesagt, dass du nackt bist? Hast Du
nicht gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot, du solltest nicht davon
essen?
12. Da sprach Adam: Das Weib, das du mir zugesellet hast, gab mir von dem
Baum und ich aß.
13. Da sprach Gott der Herr zum Weibe: Warum hast Du das getan? Das Weib
sprach: Die Schlange betrog mich also, dass ich aß.
Fluch und erste Verheißung
(gekürzt)
14. - 15 Gott verflucht die Schlange und
sät Feindschaft zwischen ihr und den Menschen.
16. Gott läßt das Weib leiden unter der
Schwangerschaft, dem Gebären und setzt sie eine Stufe unter dem Mann der
ihr künftig Herr ist.
17.-19. Adam muß künftig bis zu seinem Tode
auf den Feldern schuften.
Austreibung aus dem Paradies
20. Und Adam hieß sein Weib Heva, darum dass sie eine Mutter ist aller
Lebendigen.
21. Und Gott der Herr machte Adam und seinem Weibe Röcke von Fellen und
kleidete sie.
22. Und Gott der Herr sprach: Siehe, Adam ist worden als unsereiner und
weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nicht ausstrecke seine Hand
und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich!
23. Da ließ ihn Gott der Herr aus dem Garten Eden, dass er das Feld
baute, davon er genommen ist.
24. Und trieb Adam aus, und lagerte vor den Garten Eden die Cherubim mit
dem bloßen hauenden Schwert, zu bewahren den Weg zu dem Baum des Lebens.
Adams Söhne
1. Und Adam erkannte sein Weib Heva und sie ward schwanger und gebar
den Kain und sprach: Ich habe einen Mann gewonnen mit dem Herrn.
...
|
Der Mensch im Paradies
Hier folgt eine aus der Steinzeit stammende
erste Weltbeschreibung, die fortlaufend weiterentwickelt wurde. Dabei
fällt die Ausführlichkeit der ersten fünf Punkte auf, die dann
kontinuierlich abnimmt. Ein erster Bruch kann also zwischen Punkt 12 und
13 erkannt werden. Markant ist aber der Bruch im Schlusspunkt bei 14, wo
der Euphrat nur mehr kurz angehängt wird. In jener
sumerisch-babylonischen Zeit durfte diese Weltbeschreibung bereits nicht
mehr ganz verstanden worden sein. Der Schreiber fügt den Euphrat hinzu,
im Glauben die anderen Hauptwasser müssten ebenso Flüsse gewesen sein.
Wenn er diese Beschreibung durchschaut hätte, hätte er hier das
Persisch-Babylonische Meer mitberücksichtigen müssen:
8. Ur-Eden entspricht dem
Atlantis-Fezzan* in Libyen. In späteren Interpretationen wird dieser
Garten Eden gegen Morgen (Osten) hin versetzt gedacht, also in die
Richtung wohin die meisten Atlantis-Überlebenden abgezogen sind.
9. Der Weltenbaum-Götterberg Ätna-Atlas
wächst bei den Atlantern im Zentrum der Welt.
10. Der Strom im libyschen Atlantis, der
ins Mittelmeer mündet. Die Hauptwasser sind Meere.
11. Das erste Hauptwasser ist das
Mittelmeer, genannt Pison. Es umfließt Italien, das Land Hevila (~
griech. Hesperia, Land der Hesperiden), das Land von Heva-Eva (Große
Mutter, Magna Mater). Hier erster Hinweis auf die Goldenen Äpfel dieses
Landes:
12. Die neuentdeckten, mineralischen
Bodenschätze auf Hevila interpretieren die Steinzeitmenschen als
köstliche Götterspeisen - entsprechend ihrer Götter aus Stein oder Berg.
Diese am oder nahe des höchsten Gott-Berges zu entnehmen, durfte ein
Frevel an Gott gleichgekommen sein. Damit ist das ursprüngliche Gottes
Gebot bereits definiert.
13. Das nächste Hauptwasser Gihon
entspricht dem Roten Meer. Es wird vom Mohrenland umgeben: Ägypten,
Nubien, Äthiopien, arabische Rotmeer-Küste.
14. Das dritte Hauptwasser Hiddekel ist
das Schwarze Meer, nördlich vor Ur-Assyrien. Nach der bisherigen Vorgangsweise
müsste statt dem Euphrat das Babylonisch-Persische Meer bezeichnet sein,
in das der Euphrat mündet. Demnach muß zwischen der Überlieferung des
dritten Wassers und des Euphrats ein markanter Kultur- bzw. Zeitsprung
liegen. Möglicherweise hat der Bibelschreiber die älteren Punkte einer
altägyptischen oder babylonischen Überlieferung entnommen - wie das auch
bei Solon mit der Atlantis-Überlieferung geschehen sein soll.
15. Im Garten Eden (Atlantis-Fezzan oder
Gadeira Edeien) baut der Mensch (Megalithbauten).
Gottes Gebot
Dieses ist bereits in Punkt 12 ursprünglicher
definiert - hier folgt die aitiologische Verbindung zur späteren
Moraltheologie.
Schöpfung des Weibes
Zusatz des Bibelschreibers, da der
nachfolgende Sündenfall die Unterscheidung von Mann und Weib erfordert
(aber nicht die Schöpfung! Das Weib existiert bereits.), welche
ursprünglich weniger trennend empfunden wurde.
Sündenfall
1.-5. Die Schlange ist in allen
entsprechenden Überlieferungen zu finden, zumeist am Fuße jener Götter- oder
Weltenbäume, mit denen die für die steinzeitlichen Entdecker sehr
anziehenden Lavaströme der vulkanischen Götterberge gemeint gewesen sein
durften. Der hier oftmals verwendete namentliche Zusammenhang zu Luzifer
(lat. Lichtbringer, analog zu Prometheus stehend) kann als weiterer
Hinweis dazu verstanden werden.
6.-7. Sollte es sich hier um einen original
übertragenen Zusammenhang handeln, könnte der Tabubruch um die
mineralische Götterspeise - der symbolisch für die Atlantis-Katastrophe
stünde - mit der stärkeren Trennung von Mann und Frau zusammengefallen
sein.
8.-13. Die weitere Entwicklung der
Katastrophe würde die obige These unterstützen: Die
Fruchtbarkeits-Perioden wurden ursprünglich im Zusammenhang zwischen der
Frau und dem Mond (Mondperioden) gesehen und beobachtet. Man hatte hier
also noch nicht erkannt, dass nicht der Mond für die Fortpflanzung
verantwortlich war, sondern der Mann und der Geschlechtsverkehr. Nun
brachte die Atlantis-Katastrophe auch eine längere dichte Wolkendecke und
Kälteperiode mit sich, in der der Mond nicht mehr beobachtet werden
konnte und trotzdem kam es zu Geburten. Der Ausruf in Punkt 9: Wo bist Du
Adam?, könnte hier genauso in Richtung Mond gedacht werden: Wo bist du
Apollo? Schließlich musste man erkennen: Nicht der Mond, sondern Adam und
der nackte Geschlechtsakt sind an der Lebenszeugung schuld.
Exkurs: Zum Vergleich die griechisch-mythologische
Version dieses Ereignisses:
Artemis verliebte sich in Orion, und vergaß
dabei den Mond über den Himmel zu tragen. Apollo, ihr Zwillingsbruder
entdeckte das und schickte daraufhin den Orion zum Fischen ins Meer, bis
nur mehr ein Punkt über dem Wasser zu sehen war (Assoziation: ferne
Insel). Dann veranlasste er Artemis auf dieses ferne Ziel zu schießen.
Der Pfeil traf Orion tödlich.
Hier stellt der Tod Orions den Schlüssel für
die kulturelle Umorientierung dar. Wie bereits hingewiesen, lässt sich
das damit begründen, dass hinter Orion ein uralter Gott etwa Uranos
stehen könnte, der hier von den griechischen Göttern abgelöst wurde.
Die Bibelschreiber haben es dann so
zurecht gerichtet, dass Adam erst durch das Weib nackt wurde (Punkt 12).
Die alten Ansichten dazu mussten nun völlig umgestellt und umgewertet
werden. Die biblische Kultur zeigt sich dabei von ihrer naiv-prüden Seite.
Das kulturelle Hauptmotiv (Auffindung und Entnahme der mineralischen
"Götterspeise" - dadurch neue Kulturgründung aber auch
möglicher Tabubruch - Katastrophe) wurde zusätzlich mit dem der
Bewusstwerdung der Sexualität und ihrer Moral überzeichnet, an der die
Gesellschaft bis heute noch arbeitet. Aus diesem Grunde existiert in der
Bibel nicht nur der Hauptbaum der Erkenntnis, sondern auch der Lebensbaum
(für Bewusstwerdung der Sexualität in Polarität zum ewigen Leben).
Fluch und erste Verheißung (gekürzt)
Hier folgen aitiologisch die Strafen
zugehörig zur vorherigen Sündenfall-Darstellung.
Austreibung aus dem Paradies
20. Hier kommt wieder eine ursprünglichere
Überlieferung zum Einsatz. Siehe dazu: Der Mensch im Paradies, Punkt 11.
22. Der Baum des Lebens ist ein
aitiologisch-theologischer Zusatz. Die Erkenntnis des Todes ist auch
älter als die der sexuellen Zusammenhänge und würden beide dem Baum der
Erkenntnis angehören. Ein ewiges Leben in biologischer Hinsicht hat es
nie gegeben.
23.-24. Hier erscheint noch eine weitere
Deutungsmöglichkeit zum Lebensbaum: der Auszug aus dem Paradies, da
aufgrund der Katastrophe dort kein Leben mehr möglich ist. Auch eine
Rückkehr in jenes Gebiet ist für längere Zeit nicht mehr möglich. Damit
endet auch jenes Goldene Zeitalter.
Die Cherubim als Wächter des verbotenen
Gartens oder Baumes ist nicht neu und sind auf die vulkanischen Ausbrüche
jener Gegend zurückzuführen.
|
*
Ur-Eden entspricht dem Atlantis-Fezzan in Libyen: Das Gebiet wird von
zwei Flächen dominiert, in deren topographischen Bezeichnungen das Wort
Edeien (Edeien Ubari und Edeien Murzuq) erhalten geblieben ist. Eine
Namensverbindung zwischen Edeien und Eden ist hier naheliegend. Bisher gilt
eine Ableitung aus dem Akkadischen: Edinu für Steppe und Wüste, und
entspricht auch landschaftlich dem obigen Ortungsergebnis. Durch das
gleichlautende akkadische Wort Edinu wurde im Hebräischen "Wonne"
assoziiert und interpretiert. Da schon in der ersten Überlieferungszeit die
hier in frage kommende Landschaft versteppt oder verwüstet gewesen sein
muß, sind auch die entsprechenden topographischen Bezeichnungen Edeien
(Libyen) oder Edinu (Assyrien-Babylonien) hierfür als die ursprünglicheren
anzunehmen.
Aber auch zur griechisch-platonischen
Interpretation hinsichtlich Atlantis-Beschreibung lassen sich zu Eden
noch folgende interessante Querverbindungen herstellen: Entspricht Platons
großer atlantischer Ebene griech. Pedon, und
der paradiesischen Überlistung griech. Peidon
Das geortete Atlantis-Fezzan entspricht in der
Herkulessage dem Ort Gadeira in Edeien. Genesis: "Und Gott der
Herr pflanzte einen Garten in Eden..."
Mit "Paradies" ist ein umfriedeter
Ort gemeint, was einem Megalithbau (heiliger, steinzeitlicher Tempelbezirk)
entsprechen würde. Garten von griech. Ghortos: Gehege, Hof):
"15. Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten
Eden, dass er ihn baute und bewahrte."
3.4.7. Atlantis und der
Weltenbaum (Edda-Saga)
Der
Baum hat für den Menschen seit je her eine zentrale Bedeutung. Seine
urzeitlichen Vorfahren haben auf den Bäumen gelebt. In einigen Mythen
"entstammt" der Mensch ursprünglich vom Baum oder vom Baumstamm.
Schließlich hat auch jeder einen Stammbaum. Manche Kulturen sehen in Bäumen
menschenähnliche Wesen.
Beim Weltenbaum
handelt es sich jedoch um eine Ausnahmeerscheinung dieser Vorstellung. Der
Weltenbaum befindet sich im Zentrum der Welt und repräsentiert die
Verbindung von Himmel, Erde und Unterwelt. Die Krone des Weltenbaums reicht
in den Himmel, die Wurzeln in die Unterwelt und der Stamm stemmt den
Zwischenraum zwischen Himmel und Erde auseinander. In der griechischen
Mythologie wird diese Aufgabe dem Gottkönig Atlas übertragen - als Strafe,
da er sich an den Titanenkämpfen beteiligt hat. Wie sich aus meinen
bisherigen Ortungen ergeben hat, steht Atlas für den höchsten europäischen
Vulkanberg Ätna. In der Steinzeit dürfte der Ätna höchstwahrscheinlich ein
Götterberg gewesen sein, ähnlich wie später der Olymp in Griechenland, der
Kailash in Tibet oder die Vulkane Kilimandscharo in Afrika und Fudschijama
in Japan.
Wie sich in
dieser Arbeit bereits mehrmals aus den verschiedenen Mittelmeer-Mythen
ergeben hat, steht er auch mit einer speziellen Baumdarstellung in
Verbindung an dem besondere Früchte wachsen. Diese Früchte wurden hier mit
den begehrten Bodenschätzen gleichgesetzt und diese wieder mit einer Form
der mineralischen Götterspeise, wie sie nach der steinzeitlichen Auffassung
ihren Göttern aus Stein oder Gebirge würdig waren. Diese mythische Baumverbindung
zum Ätna-Atlas und die der Weltenbaumfunktion des Atlas legt nahe, dass der
Archetyp des Weltenbaums im Ätna zu sehen ist. Diese Assoziation mag noch
auf den ersten Blick für etwas eigenartig sich anmaßen, doch nicht bei
näherer Betrachtung:
Die Weltenbaum-Vulkan-Ätna-Einheit
|
Der Weltenbaum
|
als Vulkan: Ätna
- Atlas*
|
|
Wurzelebene, Schlangen
|
Fuß des Vulkans,
Lavaströme
|
|
Stammbereich
|
Rumpf des Vulkans
|
|
Baumkrone, Vogel, Pegasus
|
atmosphärischer Vulkanausstoß
(Rauchwolke, Rauchpilz), wegfliegende Wolke
|
|
Früchte
|
mineralische Bodenschätze
etwa in rundlichen Agglomeraten
|
* Ätna -
Atlas
Dazu naheliegendste Ableitungen:
traditionelle Ableitung: griech. Aitnh -
brennend
weitere Ableitung: griech.-lat. Aither, aetera
- Äther, oberste Ebene, wo die Götter leben, ph-aethon - leuchtend
Zwischen dem älteren Namen Atlas und jüngeren
Ätna dürften jedoch Jahrtausende liegen. Hinter dem Atlas steht
ursprünglich auch kein griechischer Gott. Bekannt sind zwei verschiedene
Herleitungen, von denen es früher noch weitere gegeben haben dürfte. Und
wie bereits hingewiesen, könnte der Uranos-Mythos eine noch ursprünglichere
Hin- und Ableitung dazu darstellen.

Der Vulkanausbruch als Weltenbaum
Dazu ergänzend
zwei Kurzauszüge der berühmten Augenzeugenberichte Plinius des Jüngeren an
den Geschichtsschreiber Tacitus über den Vesuvausbruch im Jahre 79 n. Chr.:
"Es erhob
sich eine Wolke, für den Beobachter aus der Ferne unkenntlich, auf welchem
Berge (später erfuhr man, dass es der Vesuv war), deren Form am ehesten
einer Pinie ähnelte. Denn sie stieg wie ein Riesenstamm in die Höhe und
verzweigte sich dann in eine Reihe von Ästen, wohl weil ein kräftiger
Luftzug sie empor wirbelte und dann nachließ, so dass sie den Auftrieb
verlor oder auch vermöge ihres Eigengewichtes sich in die Breite
verflüchtigte, manchmal weiß, dann wieder schmutzig und fleckig, je nachdem
ob sie Erde oder Asche mit sich empor gerissen hatte."
"Außerdem
sahen wir, wie das Meer sich in sich selbst zurückzog und durch die
Erdstösse gleichsam zurückgedrängt wurde. Jedenfalls war der Strand
vorgerückt und hielt zahllose Seetiere auf dem trockenen Sande fest. Auf
der anderen Seite eine schaurige, schwarze Wolke, kreuz und quer von
feurigen Schlangenlinien durchzuckt, die sich in lange Flammengarben
spalteten, Blitzen ähnlich, nur größer."

Frühe Vesuvdarstellung einer Wandmalerei aus
Pompeji.
Und wieder die Symbolik: Schlange, Vogel,
Hüterin/Nymphe.
Plinius der
Jüngere dürfte dabei nicht von der hier dargestellten
Vulkanausbruch-Weltenbaum-Verbindung gewußt oder an sie gedacht haben.
Seine Augenzeugenberichte sind also unabhängig davon, typische
Wahrnehmungsdarstellungen eines größeren Vulkanausbruchs. Es ist leicht
vorstellbar, dass solche Erlebnisse auf frühere Menschen einen ähnlichen
und in der Intensität eine noch nachhaltig stärkere Wirkung hinterlassen
haben durften. Der Weltenbaum-Begriff konnte demnach durch verhältnismäßig
frühe Wahrnehmungen eines gewaltigeren Vulkanausbruchs noch einfacher
gebildet worden sein. In dieses Muster würde der Ätna zusammen mit seinem
gewaltigsten Ausbruch - der Atlantis-Katastrophe - am besten passen. Dieses
Schlüsselerlebnis dürfte prägend für die Weltenbaum-Herleitung gewesen
sein, in der eine für damalige Begriffe weltumspannende Baumform erlebt
worden sein könnte. Sie ging dann später stellvertretend und symbolisch auf
die verschiedenen Weltenbaum-Vorstellungen und auf die mächtigen Kultbäume
der religiösen Zentren über. Ähnliches ist mit dem Todeskreuz dem späteren
christlichen Universalsymbol passiert. Unglücksereignisse üben anscheinend
eine besonders große, lang-nachwirkende Anziehungs- und Symbolkraft aus.
Beispiele
derartiger Weltenbaum-Übertragungen:
Yggdrasil (Zusatzbemerkungen sind wieder eingeklammert): Das
bekannteste Beispiel repräsentiert die Weltesche Yggdrasil in der
nordgermanischen Mythologie (Edda-Saga). Dieser Weltenbaum erhebt sich aus
der Weltmitte und wird von einem Ungeheuer bewacht. Im goldenen Zeitalter
war die Welt zwar noch in Ordnung (Atlantis), Kälte und Hitze wollten sich
jedoch nicht vermischen. Eine schützende Befestigungsmauer (Megalithbauten,
Paradies) konnte die Katastrophe nicht verhindern, da beim Bau Betrug im
Spiel gewesen sein soll (Diebstahl mineralischer Äpfel). In dieser Schlacht
zwischen den guten und bösen Kräften (Titanenkämpfe) bebte der Baum
(Atlantis-Katastrophe). Idun, die Hüterin der heiligen Äpfel stürzte von
der Baumkrone. Der Baum soll einerseits die Schlacht überlebt haben,
anderseits könnte er aber auch in einem alles verzehrenden Feuer
untergegangen sein (Es existieren hier etwas unterschiedliche Versionen).
Aus der Asche an den Baumwurzeln soll der Mensch in ein neues Zeitalter
hervorgekrochen sein. Die drei Nornen (analog zu den Nymphen stehend)
mussten nun dafür sorgen, dass der Baum durch Eintrocknung nicht völlig
eingeht (Katastrophen-Auswirkungen). Am Fuße des Baumes soll eine
Drachenschlange (Kennzeichnung der Lava-Fließeigenschaften) geherrscht
haben, auf der Krone ein riesiger Adler (Flugeigenschaft der
Vulkanwolke).

Der Weltenbaum Yggdrasil aus der Sicht eines
Künstlers
Auszüge aus
Älteren Edda - Völuspá - Die Weissagung der Seherin:
13
Eine Esche weiß ich,
sie heißt Yggdrasil,
die hohe, benetzt
mit hellem Nass:
von dort kommt der Tau,
der in Täler fällt;
immergrün steht sie
am Urdbrunnen.
21
Ich weiß Heimdalls
Horn verborgen
unterm heilgen
Himmelsbaume;
Flut seh ich fallen
im feuchten Sturz
aus Walvaters Pfand-
wisst ihr noch mehr?
39
Yggdrasils Stamm
steht erzitternd,
es rauscht der Baumgreis;
der Riese kommt los.
Alles erbebt
in der Unterwelt,
bis der Bruder Surts
den Baum verschlingt.
42
Hrym fährt von Osten,
er hebt den Schild;
im Riesenzorn
rast die Schlange.
Sie schlägt die Wellen;
es schreit der Aar,
Leichen reißt er;
los kommt Nagelfar.
44
Surt zieht von Süden
mit sengender Glut;
von der Götter Schwert
gleißt die Sonne.
Riesinnen fallen,
Felsen brechen;
zur Hel ziehn Männer,
der Himmel birst.
47
Der hehre Spross
der Hlodyn naht.
Der Lande Gürtel
gähnt zum Himmel:
Gluten sprüht er,
und Gift speit er;
entgegen geht
der Gott dem Wurm.
48
Der Erde Schirmer
schlägt ihn voll Zorn-
die Menschen müssen
Midgard räumen-;
weg geht wankend
vom Wurm neun Schritt,
der Gefecht nicht floh,
der Fjörgyn Sohn.
49
Die Sonne verlischt,
das Land sinkt ins Meer;
vom Himmel stürzen
die heitern Sterne.
Lohe umtost
den Lebensnährer;
hohe Hitze
steigt himmelan.
56
Einen Saal seh ich
sonnenglänzend,
mit Gold gedeckt,
zu Gimle stehn:
wohnen werden
dort wackre Scharen,
der Freuden walten
in fernste Zeit.
57
Der düstre Drache
tief drunten fliegt,
die schillernde Schlange,
aus Schluchtendunkel.
Er fliegt übers Feld;
im Fittich trägt
Nidhögg die Toten:
nun versinkt er.
Auch am sumerischen
Huluppa-Baum herrschte eine Schlange im Wurzelbereich und der
Anzu-Vogel in der Baumkrone.
In der
ägyptischen Mythologie entsteht der
bekannte Vogel Phönix aus der (Vulkanwolken-)Asche.
Sogar nach der
Überlieferung der Jakuten (ein
sibirischer Stamm) steht der Weltenbaum am goldenen Nabel (Vulkankrater mit
Magma) der Weltmitte, der sich im Urparadies befindet.
Große Bäume stehen auch ersatzweise für den Weltenbaum im
Zentrum bedeutender Kultstätten. Am bekanntesten davon ist die Eiche von
Dodona (Griechenland), in der auch Odysseus gepilgert sein soll.
Auf ähnliche
Spuren von Weltenbaummustern ist bereits in den vorherigen mythischen Deutungen
eingegangen. Abschließend folgt der entsprechende und ebenso verborgene
Hinweis aus der ältesten, bekannten Überlieferung.
3.4.8. Atlantis im
Gilgamesch-Epos
Wenn die Sumerer um 2700 v.
Chr. sich in ihren Überlieferungen auf besondere Bäume beziehen, wie den
Huluppa-Baum oder die heilige Zeder und den Baumwächter Chumbaba
(Cherubim), dürfte ihnen die dahinterliegende Beziehung
Weltenbaum-Vulkankatastrophe bereits nicht mehr geläufig gewesen sein.
Interessant ist dabei, dass sich zwischen den bruchstückhaft erhaltenen
Überlieferungsversen doch noch Spuren erhalten haben, die jene
ursprüngliche Beziehung Weltenbaum-Vulkankatastrophe durchscheinen lassen.
Grundlage könnte hier wieder eine uralte Überlieferung der
Atlantis-Katastrophe gewesen sein, bei dem die akkadischen Dichter aufgrund
mangelnder Kenntnis und Vorstellung einer Vulkankatastrophe, jene
Ur-Darstellung einfach als göttliches aber bereits menschengestaltiges
Ungeheuer interpretiert haben.
Gilgamesch, ist auf einen eher tyrannischen
König um 2700 v. Chr. in Uruk zurückzuführen, Erbauer vieler Paläste und
Tempel. Er wollte sich vermutlich auch in einer großartigen
Science-Fiction-Geschichte verewigen, in der er gegen jenes sagenhafte
Ungeheuer Chumbaba auszieht, um es zu bekämpfen und zu vernichten. Dieses
Epos dürfte dann im Verlauf weiterer Jahrhunderte noch ausgebaut worden
sein und mehrere Versionen erhalten haben, wie das im Laufe der Zeit mit
den meisten Mythen geschieht.
Das zentrale Motiv dieses bekannten
Gilgamesch-Epos ist bereits umrissen: Die Bezwingung des mysteriösen
Ungeheuers Chumbaba und infolge dieser Tat eine weitere Reise in die
jenseitige Welt. Der riesenhafte Chumbaba soll seit Urzeiten von Gott Enlil*
im fernen Westen als Wächter der heiligen Zeder eingesetzt worden sein.
Dieses Ungetüm soll den Menschen seit je her Angst und Schrecken bereitet
haben - für Gilgamesch also Anlass endlich zum Einschreiten. Gilgamesch
zieht mit seinem Freund und Mitstreiter Enkidu aus, um Chumbaba im Westen
aufzustöbern und zu töten. Der ferne Westen war für die Menschen in Uruk um
3000 v. Chr. bereits der Libanon. Das soll hier jedoch nicht daran hindern Chumbaba
noch weiter westlich anzusiedeln: als den heutigen Vulkan Ätna.
*Enlil: Sumerischer Länderherr,
Sturmgott, Beherrscher der Luft, des Raumes zwischen Himmel und Erde und
der Erde selbst. Er erschuf aus dem erschlagenen Chaosungeheuer die Welt.
Es folgen nun jene Textstellen,
hauptsächlich aus der 5. Tafel der 12 bruchstückhaft erhaltenen Tafeln
(alt- bis spätbabylonische Fassung aus 2100 - 600 v.Chr., in der
Übersetztung von Prof. Dr. Albert Schott 1901-45), die Chumbaba und den
Kampf gegen ihn beschreiben. Damit kann sich jeder selbst ein erstes Bild
verschaffen, ob Chumbaba (Cherubim) doch nicht einem Vulkan weiter im
Westen entsprechen könnte, der den Sumerern unbekannt gewesen sein müsste:
Die Freunde Gilgamesch und Enkidu sind in
den Wald eingedrungen und stehen zum ersten Mal Chumbaba gegenüber:
"Der reckenhafte Chumbaba... sieht gar unheimlich aus ... sein Brüllen
ist Sintflut, ja, Feuer sein Rachen, sein Hauch der Tod! Man besteht nicht
im Kampf um Chumbabas Wohnsitz...."
"Mein Freund, Chumbabas Gesicht änderte jetzt sein Aussehen, Er
reckte hoch seine Gestalt; wie sollen wir da zu ihm gelangen?"
"...Wurde ganz schlaff dein Mund und verstecktest du dich?
Jetzt aber, mein Freund, ist eines ... :
In der Gußrinne des Schmiedes Kupfer ...
Die Aschenglut über eine Meile hin anfachen, das Angefachte über eine Meile
hin!
Den Flutsturm zu schicken, die Peitsche fest anfassen!
Zieh nicht weg deine Füße, wende dich nicht rückwärts!
... mach stark deinen Schlag!"
"... sie seien vertrieben!
... den fernen.
Er schlug den Kopf, ... trat ihm gegenüber hin.
Mit ihren Fußsohlen stampfen sie auf der Erde,
Durch ihr Herumspringen bersten Sirara und Libanon.
Da wurde schwarz das weiß‘ Gewölk,
Der Tod regnet wie Nebel auf sie herab.
Schamasch (Sonnengott) erweckte gegen Chumbaba große Sturmwinde,
Den Süd(ost)wind, den Nord(west)wind, den (Nord-) Ostwind, den (Süd-)
Westwind, den Böenwind,
Den Sturm, den Wildsturm, den bösen Wind, den Simurru-Wind,
Den Asakku-Dämon, den Schüttelfrost, den Sturmwind, den Sandsturm:
Dreizehn Winde erhoben sich gegen ihn und verfinsterten Chumbabas Gesicht.
Er kann nicht nach vorn stoßen, er kann nicht nach hinten laufen.
Auch konnten die Waffen des Gilgamesch den Chumbaba erreichen."
"Mein Freund, gefällt haben wir nun die hochragende Zeder,
Deren Wipfel den Himmel durchstieß!"
"Erschlagen hatte er den Schurken des Waldes;
Vor dessen Gebrüll gebebt hatten Saria und Libanon.
In Furcht gerieten ... die Berge,
...erzitterten alle Gebirge.
Er erschlug den Schurken des Zedernwaldes;
Die zerschlagenen ... sie und erschlugen sieben.
Das Kampfnetz ..., das Schwert von acht Talenten,
Die Last von zehn Talenten nahm er ... den Wald.
Die verborgene Wohnung der Anunnaku* öffnete er.
Gilgamesch fällt die Bäume, Enkidu durchgräbt das Wurzelwerk.
Enkidu sprach zu ihm, zu Gilgamesch:
.... Gilgamesch, erschlage die Zeder!"
*Anunnaku sind die sumerischen Götter
der Unterwelt, Richter und Hüter des Lebenswassers. Sie würden den Titanen
im Westen entsprechen. Als Gilgamesch den Chumbaba tötete und die von ihm
bewachte heilige Zeder fällte, öffnete er damit die verborgene Wohnung der
Annunaku.
Der Ausgang des Gilgamesch-Epos
Gilgamesch legt Chumbabas Kopf vor den Füßen
seines Gottes Enlil, der erzürnte: Feuer soll Gilgamesch verfolgen solange
er lebt. Feuer soll sitzen, wo er sitzt, essen was er isst, trinken was er
trinkt und niemals erlöst sein von dieser Tat. - Der Gott schickt ihm
strafend den Himmelsstier (geflügelten Stier) und damit weitere
Wetterkatastrophen, die mit der Atlantis-Katastrophe in Verbindung gebracht
werden könnten. In der Perseus-Sage wurde der Pegasus (geflügeltes Pferd)
bereits als vulkanischer Ausstoß gedeutet. Dementsprechend könnte es auch
beim Himmelsstier um eine Folge von außerordentlicher Vulkanaktivität
handeln. Im Gilgamesch-Epos wird jedoch die Himmelsstier-Strafe aufgrund
Gilgameschs Zurückweisung von Ischtars (Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit
- vergleichbar mit Eva) Liebesverlangen begründet. Gilgamesch bezwingt
anschließend auch den Himmelsstier. Dafür muß Gilgameschs Freund Enkidu
sterben. Gilgamesch fällt in eine Depression. Aus Todesangst will er sich
auf den Weg machen, um ewiges Leben zu erlangen. Er beginnt wieder eine
Reise ins westliche Jenseits:
Dazu muß er zur fernen Insel des
Utnapischtim, einem vorsintflutlichen König (entspricht dem Noah der Bibel,
dem Deukalion in der griechischen Mythologie. Seine Urheimat befand sich
in Atlantis, an der Küste Süd-Kalabriens, gegenüber Atlantis-Vulcano).
Nur er wisse von der Möglichkeit Unsterblichkeit zu erlangen. In des
Grenzmeeres Abgeschiedenheit weist Schiduri (eine Schankwirtin - entspricht
der Kalypso in Gozo-Malta, nahe Atlantis-Malta) Gilgamesch den Weg zum
Fährmann Urschanabi, der ihn über das Wasser des Todes (Atlantis-Meer,
Mittelmeer zu Italien hin) ins Land des weisen Utnapischtim fährt. Auf
den Weg zu Utnapischtim muß Gilgamesch den Berg Maschu (Ätna-Atlas)
durchqueren. Der Eingang (zu Bergstollen, Bergschacht) wird von
Skorpionmenschen (Bergbauleute) bewacht.
Auszug aus der 9. Tafel:
"Des Berges Benennung ist Maschu.
Sowie er zum Berge Maschu gelangt war: —
Die täglich Auszug und Einzug bewachen,
Über die nur die Himmelshalde hinwegragt,
Denen unten die Brust an den Höllengrund stößt —
Skorpionmenschen halten am Bergtor Wacht,
Deren Furchtbarkeit ungeheuer ist, deren Anblick Tod ist,
Deren großer Schreckensglanz Berge überhüllt,
Die beim Auszug und Einzug der Sonne die Sonne bewachen —
Da Gilgamesch diese sah, überdeckte er mit Furchtbarkeit und
Schreckensglanz sein Angesicht.
Er faßte sich und neigte sich vor ihnen."
Die Skorpionmenschen hören sich die Klagen
Gilgameschs an und lassen ihn durch.
"Als er elf Doppelstundenweit gedrungen, kommt er heraus vor
Sonnenaufgang.
Als er zwölf Doppelstunden weit gedrungen, herrscht die Helle.
Er strebt, die Edelsteinbäume zu sehen:
Der Karneol, er trägt seine Frucht,
Eine Traube hängt dran, zum Anschauen geputzt.
Der Lasurstein trägt Laubwerk,
Auch trägt er Frucht, lustig anzusehn."
Durch den Berg gelangt er also ans
Tageslicht und findet sich in einem wunderbaren Garten mit
Edelsteinbäumen wieder - die Früchte des Berges.
Schließlich kommt er zu Utnapischtim, der
ihm von der Sintflut (Atlantis-Flut) erzählt, von der er sich erretten
konnte:
Auszug aus der 11. Tafel:
"Ich trat hinein ins Schiff und verschloß mein Tor.
Dem Schiffer Pusur-Amurri, dem Verpicher des Schiffes,
Übergab den Palast ich samt seiner Habe.
Kaum daß ein Schimmer des Morgens graute,
Stieg schon auf von der Himmelsgründung schwarzes Gewölk.
In ihm drin donnert Adad,
Vor ihm her ziehen Schullat und Chanisch.
Über Berg und Land als Herolde ziehen sie.
Eragal reißt den Schiffspfahl heraus,
Ninurta geht, läßt das Wasserbecken ausströmen,
Die Anunnaki hoben Fackeln empor,
Mit ihrem grausen Glanz das Land zu entfiammen.
Die Himmel überfiel wegen Adad Beklommenheit,
Jegliches Helle in Düster verwandelnd;
Das Land, das weite, zerbrach wie ein Topf.
Einen Tag lang wehte der Südsturm...,
Eilte dreinzublasen, die Berge ins Wasser zu tauchen,
Wie ein Kampf zu überkommen die Menschen.
Nicht sieht einer den andern,
Nicht erkennbar sind die Menschen im Regen.
Vor dieser Sintflut erschraken die Götter,
Sie entwichen hinauf zum Himmel des Anu —
Die Götter kauern wie Hunde, sie lagern draußen!
Es schreit Ischtar wie eine Gebärende,
Es jammert die Herrin der Götter, die schönstimmige:
Wäre doch jener Tag zu Lehm geworden,
Da ich in der Schar der Götter Schlimmes geboten!
Wie konnte in der Schar der Götter ich Schlimmes gebieten,
Den Kampf zur Vernichtung meiner Menschen gebieten!
Erst gebäre ich meine lieben Menschen,
Dann erfüllen sie wie Fischbrut das Meer!
Die Anunnaki-Götter klagen mit ihr,
Die Götter ... sitzen da und weinen;
Die verdorrten Lippen nehmen ... -Speisen.
Sechs Tage und sieben Nächte
Geht weiter der Wind, die Sintflut,
Ebnet der Orkan das Land ein.
Wie nun der siebente Tag herbeikam,
Schlug plötzlich nieder der Orkan die Sintflut, den Kampf,
Nachdem wie eine Gebärende sie um sich geschlagen.
Ruhig und still ward das Meer, Der böse Sturm war aus und die Sintflut.
Ausschau hielt ich einen Tag lang, da war Schweigen ringsum,
Und das Menschengeschlecht war ganz zu Erde geworden!
Gleichmäßig war wie ein Dach die Aue.
Da tat ich eine Luke auf, Sonnenglut fiel aufs Antlitz mir;
Da kniete ich nieder, am Boden weinend,
Über mein Antlitz flossen die Tränen. —
Nach Ufern hielt ich Ausschau in des Meeres Bereich:
Auf zwölfmal zwölf Ellen stieg auf eine Insel,
Zum Berg Nißir trieb heran das Schiff."
Utnapischtim landet im Gebirge und bringt
Opfer dar.
"Da hat Enlil das Schiff bestiegen,
Meine Hand gefaßt, mich einsteigen lassen,
Lassen einsteigen, knien mein Weib neben mir,
Hat berührt unsre Stirn, zwischen uns stehend, uns segnend:
'Ein Menschenkind war zuvor Utnapischtim;
Uns Göttern gleiche fortan Utnapischtim und sein Weib!
Wohnen soll Utnapischtim fern an der Ströme Mündung!'
Da nahmen sie mich und ließen mich fern an der Ströme Mündung wohnen."
Utnapischtim konnte sich also von der
Atlantis-Flut mit seinem Schiff nach Südostanatolien (Berg Nißir)
retten, nahe des Euphrats und in der Nachbarschaft der späteren
assyrisch-sumerischen Kultur - Gilgameschs Heimat. Er enthüllt
Gilgamesch schließlich das Geheimnis des Krautes zur ewigen Jugend und wo
er es finden könne. Gilgamesch gräbt daraufhin einen Schacht und dringt so
in den Urozean Apsu ein (wieder durch einen Bergbauschacht am Ätna -
wie oben durch Maschu, nun in einer anderen Version), wo er das stechende
Kraut (Bergerz) pflückt. Aber durch Unachtsamkeit während einer Rast am
Rückweg wird ihm das Kraut von einer Schlange weggefressen. Somit verliert
er die letzte Chance auf ewiges Leben.
Fazit:
Wie der kurze Einblick in dieses Epos zeigt,
sind auch hier gewisse Parallelen zu allen vorherigen Mythenteilen
erkennbar - insbesondere zur Genesis. Ursprünglich dürfte im Zentrum all
dieser Mythen ein steinzeitlicher Hauptgott gestanden haben (gemäß dieser
Studie als Atlas benannt. Mögliche Synonymbezüge: Atum, Adad, Adam), der
hier mit dem Vulkanberg Ätna identifiziert worden ist. Seine Karriere
beginnt als Urgott (Beispiel: Uranos), Gottkönig (hier: von Atlantis),
Herrscher zwischen Himmel und Erde, Träger des Himmels, dann auch
Weltenbaum, Baum der Erkenntnis, Wächter des heiligen Baumes und seiner
(mineralischen, göttlichen) Früchte (der Erkenntnis und Unsterblichkeit),
als solcher auch Drache, Schlangenwesen, Ungeheuer, ... das zu bezwingen
ist. In diesem Zusammenhang spielen die neu entdeckten Bergerze (das Gold
jener Steinzeit: "Oreichalkos") eine wesentliche Rolle. Durch
eine große Katastrophe (hier: Atlantis-Katastrophe) fällt dieser Urgott und
seine Abkömmlinge (Titanen) bei den Menschen zumeist in Ungnade. Häufig
wird aber auch eine Eigenschuld lanciert (Tabubruch durch Erz-Diebstahl,
Prometheus-Lucifer, Ursünde), in der eine auffallend gemeinsame Linie zu
erkennen ist, wenngleich diese kulturbedingt etwas unterschiedlich
dargestellt und interpretiert wird. Durch die jahrtausendelange, mündliche
Überlieferungsdauer gehen die meisten konkreten Beziehungen und
Zusammenhänge verloren, die bis heute zu phantastischen Niederschriften und
Missverständnissen geführt haben. Leider sind diese bisher noch nicht
erkannt und näher untersucht worden, die u.a. auch in der Klärung des
Atlantis-Mythos entscheidend weiter hätten bringen können.
3.5. Das Ende
3.5.1. Die
Atlantis-Katastrophe
Die Atlantiskatastrophe
dürfte sich zwischen 9000 und 8000 v.Chr. ereignet haben. Zwischen den
ersten Gründungen und der Katastrophe liegen also nahezu zwei Jahrtausende.
Der Untergang der Atlantis-Kultur wird dann höchstwahrscheinlich durch
starke Eruptionen zweier Vulkane verursacht: die des Monte Palinuro, ein
Unterwasser-Vulkan und des Ätna (siehe Atlantis-Karte).
Die starken Erdbeben und Überflutungen machen ein Entrinnen aus den Städten
Atlantis-Palinuro und Atlantis-Vulcano unmöglich. Nach dem
Gilgamesch-Genesis-Epos gelingt es dem legendären Utnapischtim-Noah aus
Südkalabrien zu entkommen und mit seinem Schiff in Südostanatolien zu
landen.
Die Atlantis-Malteser verlassen die Insel
und gründeten am westlichen Nildelta eine neue Stadt. Später entsteht etwas
nördlich davon die Stadt Sais, bei der Solon von der Atlantis-Überlieferung
erfahren haben soll. Ein anderer Zweig siedelt sich in Südostanatolien (am
Seyhan-Fluss) an, von dem die Urfa-Region beinflusst wird. (http://www.wissenschaft.de/wissen/hintergrund/172927).
Die heute noch sichtbaren Megalithbauten Maltas
gehen nicht auf die Atlanter zurück, sondern stammen von späteren
Einwanderern aus den Megalith-Kulturen Apuliens (Murge Salentine).
Nach der Atlantis-Katastrophe setzt auch die
Verwüstung der libyschen Gebiete um die Städte Atlantis-Syrte und
Atlantis-Fezzan ein, sodass die meisten Bewohner in die fruchtbareren
Regionen Oberägyptens und Äthiopiens aussiedeln, die später die dortigen
Kulturen beeinflussen.
Der Hauptabzugsstrom der
Atlantis-Überlebenden ist also nach Osten gerichtet, wo diese entscheidende
Impulse zu den nachfolgenden Hochkulturen setzen. Das Atlantis-Gebiet, das Land
der Titanen verliert hingegen über mehrere Jahrtausende hinweg an direkter
Bedeutung. Solange bleibt es östlich davon als berüchtigtes Jenseits-Land
des Untergangs nahe der Unterwelt gebrandmarkt.
3.5.2. Der Titanen
Untergang
Das archetypische Vorbild
aller großen Katastrophen-Mythen dürfte im verheerenden Atlantis-Untergang
geprägt worden sein. Dazu gehört neben der altägyptischen
Atlantis-Überlieferung der Prometheus-Mythos zu den wohl markantesten und
ursprünglichsten dieser Art. Dort wird das Unglück oder die "Strafe
der Götter" über die schöne Pandora (griech. Allbeschenkte) in Form
eines großen Gefäßes den Menschen überbracht - ein Produkt des
Hephäst-Vulcanus und somit als Vulkan zu deuten. Der arglose Epimetheus
nimmt das göttliche Geschenk des Zeus gegen seines Bruders Prometheus
Warnungen an und bringt damit die Welt und die Menschen in eine große
Katastrophe. Daraufhin wird auf Geheiß des neu eingesetzten Hauptgottes
Zeus, Prometheus durch Hephäst-Vulcanus an den Kaukasus geschmiedet, der einst
östlichen Weltgrenze, während auf der westlichen Weltgrenze sein Bruder
Atlas den Himmel tragen muß. Es dürften uns damit indirekt die ältesten,
bekannten Weltgrenzen zur Katastrophenzeit überliefert worden sein, in der
es innerhalb dieser Grenzen bereits eine kulturelle Verbindung gegeben
haben muß. Überlebende der Atlantis-Katastrophe konnten dann so gezielter
von der damals westlichen Weltgrenze auch über Kleinasien zum Kaukasus der
östlichen Weltgrenze gelangt sein - dem Land des Goldenen Vlieses, das Ziel
der späteren Argonauten.
Phaeton ist ein weiterer Untergangskandidat,
der interessanterweise wie Atlas und Prometheus die Okeanide Klymene zur
Mutter und den Titanen Helios zum Vater hat. Bei seiner Wunscherfüllung,
einmal den Sonnenwagen seines Vaters fahren zu dürfen, soll er beim
Sonnenuntergang im Westen zu nahe an die Erde gekommen sein und verbrannte
so große Teile davon. Der Name Phaeton (der Leuchtende) steht dem Namen und
der Bedeutung des Vulkans Ätna auch schon ein Stück näher, was auf eine
jüngere Deutung der Atlantis-Katastrophe schließen könnte. Helios wird noch
in der Odyssee (Bronzezeit) auf Sizilien (Thrinakia) lokalisiert.
Im Grunde geht es hierbei schon um die
berüchtigten Titanenkämpfe, die im Zusammenhang mit großen Naturkatastrophen
verstanden werden müssen. Atlas, Prometheus(-Luzifer), Phaeton, ... sind
titanischer Herkunft, die auf eine steinzeitliche Götterdynastie
zurückzuführen sind. Vieles spricht hier dafür, dass sie abendländischen
Ursprungs sind, also hier aus dem Atlantis-Gebiet stammen - dem Hesperia,
wie es die alten Griechen bezeichnet haben aber nicht mehr richtig und
eindeutig zuordnen konnten. Nach der griechischen Mythologie hat die
Urmutter Gaia mit ihrem erstgeborenen Sohn Uranos die Titanen zur Welt
gebracht, der ebenso wie Atlas dem Götterberg Ätna entsprechen dürfte.
Uranos selbst entsteht ja durch Tartaros (Unterwelt) und Gaia (Erde), also
durch Magma das aus der Erde hervorquillt. Ein besseres Ur-Bild für einen
Vulkan kann man sich auch nicht vorstellen. In dieser Form würde dann die
Erde eine Vulva darstellen, die gleichzeitig als Brust (altgriech. Titos)
gedeutet werden könnte. In diesem Zusammenhang ebenso bemerkenswert: Zeus
Aufzucht geschieht durch den Ammendienst (altgriech. Titeia,) einer Titanin
(Amme altgriech. Tite), was den Titan als Vulkan und Urform des
männlich-weiblichen Götterbergs noch zusätzlich betont.
Der Titanenkampf endet mit der Bezwingung
Kronos, der also wieder ein Ätna-Kandidat sein müsste. Die Herrschaft der
Titanen ist mit ihrem Untergang zurück in die Unterwelt besiegelt. Gaia
setzt anschließend noch die titanenähnlichen Giganten gegen die neuen,
olympischen Götter ein. Doch mit Herkules gewinnen sie auch diese Kämpfe.
Als letztes schickt Gaia noch den Typhon gegen Zeus aus. Typhon, als
riesiges, schlangenfüßiges Ungeheuer mit 100 feuerspeienden Schlangenköpfen
kann natürlich wiederum nichts anderes als ein Vulkan sein. Und wie endet
dieser erderschütternde Kampf?: Zeus schleudert ihm den Ätna entgegen und
erdrückt ihn damit. Fazit: Typhon ist wieder weiter nichts als eine weitere
Version der vielen Bezeichnungen oder Zuordnungen für den berüchtigten
Ätna. Man erinnere sich an dieser Stelle nur an den ebenso hundertköpfigen
Drachen Ladon am Baum der goldenen Äpfeln der Hesperiden, der weiter oben
bereits als eine jener Ätna-Einheiten identifiziert worden ist.
Die Titanen- und Gigantenkämpfe oder ihr
Ende stehen auch für einen geo-kulturellen Bruch, indem das Atlantisgebiet an
Bedeutung massiv einbüßt und die dort entstandene kulturelle Entwicklung
sich in östliche Richtung fortsetzt. Mit der Herrschaftsübernahme der
olympischen Göttern verblasst schließlich auch die Erinnerung an jenes
Goldene Zeitalter von Atlantis und der genauen Lage jenes Westreiches
Hesperia.
Die fatalen Untergangserfahrungen haben sich
allmählich wieder aufgelichtet. Diese Auflichtung hat sich beispielsweise
noch im Persephone-Kult erhalten, wo man dem Untergegangenen alljährlich zu
Frühlingsbeginn durch eine Art Auferstehungsfeier gedacht hat, die
bekanntlich bis heute in anderen Kultformen weiterlebt. Bei der
Perseus-Andromeda-Version erfährt die Katastrophe eine noch glücklichere
Verarbeitung: Die Bezwingung jener vulkanischen Ungeheuer und die Befreiung
durch Emigration. Mit Herkules und Gilgamesch haben wir weitere derartige
Drachentöter oder -Überwinder kennen gelernt und mit Zeus den jüngsten
unter ihnen, den bereits menschgestaltigen Gott der bereits gegen mensch-
oder halbmenschgestaltige Titanen kämpft, anstelle ihrer ursprünglichen
Drachenformen oder den vergessenen Vulkanen.
Aber schon in der Epoche erster
schriftlicher Aufzeichnungen um 3000 v. Chr. scheint niemand mehr in der
Lage gewesen zu sein, diese zu Ungeheuer gewordenen titanischen Götter der
einst westlichen Weltgrenze mit jenen Vulkanen (insbesondere dem Ätna), den
Götterbergen von Atlantis in Verbindung zu bringen, was bis heute so
geblieben ist. So beschreibt noch Homer in seiner Odyssee bei den
riesenhaften Laistrygonen eine vulkanische Aktivität, aber ohne dass ihm
das bewusst geworden ist. Nach der hier vorgenommenen Mythenforschung
müssen all diese Schriftgelehrten Zugang zu sehr alten Überlieferungen
gehabt haben, die sie selbst nicht mehr richtig zu deuten wussten.
Eine letzte, verborgene Spur zu Atlantis
scheint der römische Dichter Vergil noch kurz vor unserer Zeitenwende an
diesem ehemaligen Welt-Westrand aufgelesen zu haben: In seiner
"Äneis" lässt er den Schiffssteuermann Palinuro über Nacht
einschlafen, ins Wasser fallen und untergehen. Von daher soll das bekannte
Kap am Cilento seinen Namen tragen. Nach der hier vorgenommenen Ortung
könnte jedoch Vergil ebenso eine viel ältere, örtliche Sage eingebaut haben,
die einmal ursprünglich auf eine untergegangene Hafenstadt hingewiesen
haben könnte: Atlantis-Palinuro.
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Neue Beweise für Atlantis : in Kuba und in
Mittelamerika verweisen spektakuläre Funde auf eine globale prähistorische
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Winfried Huf,
Bahnhofstraße 14, I-39040 Auer
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