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Atlantis im neuen Licht

Rekonstruktionsanalyse mit neuen Ortungsergebnissen
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Inhalt

1. Einleitung 
    1.1. Einführung in Ursprung, Wesen und Entwicklung des Mythischen
    1.2. Mythen und Mythos - auf den Spuren zwischen Bewältigungs- und Rechtfertigungsstrategien
    1.3. Die fundamentale Ortungs-Problematik und Untersuchungsmethode
    1.4. Die Ortungssituation in der SP-Darstellung (Signifikanz-Potential)
    1.5. Einführung in die Projektaufgabe
2. Die Voranalysen zur zentralen Überlieferung
   2.1. Die Herkunft der Überlieferung
   2.2. Die entscheidenden Zeitangaben
   2.3  Die Verhältnisse im historisch-geographischen Hintergrund
   2.4. Die Orts- und Größenangaben
   2.5. Die ersten Zusammenhänge zweier Gründermythen
3. Die zusammenfassenden Rekonstruktionsergebnisse
   3.1.  Eine Grundsatzfrage mit Folgen
   3.2. Von den Ursprüngen
   3.3. Zu den Gründungen
        3.3.1. Die Rekonstruktions-Graphik
        3.3.2. Ergänzende Hinweise
   3.4. Einblick umfassender Zusammenhänge in Mythen um Atlantis
        3.4.1. Atlantis - Land der Titanen
        3.4.2. Die Bedeutung Siziliens in Atlantis
        3.4.3. Atlantis in der Perseussage und in der Odyssee
        3.4.4. Atlantis in der Herkulessage
        3.4.5. Atlantis im Persephone-Kult
        3.4.6. Atlantis in der Genesis
        3.4.7. Atlantis und der Weltenbaum (Edda-Saga)
        3.4.8. Atlantis im Gilgamesch-Epos
   3.5. Das Ende
        3.5.1. Die Atlantis-Katastrophe
        3.5.2. Der Titanen Untergang
4. Literatur (Auswahl)
 

Übersicht erstveröffentlichter X-Ortungsergebnisse zu den bedeutendsten europäischen Mythen:
Atlantis
Odyssee
Jesus
Dietrichsage
Artussage
 

Widmung

Zum Gedenken an Martine de Bertereau, urspr. aus Heilbronn (ca.1590-1642, weltweit erfolgreiche Mineralogin durch fundierte Kenntnisse in Alchimie, Astrologie, Radiästhesie) - eine von vielen vergessenen Opfern der "Heiligen Inquisition": Ein Erkundungsauftrag nach Frankreichs Bodenschätzen, den sie mit ihrem Mann mittels unkonventioneller Methoden erfüllte und dabei über 150 Lagerstätten entdeckte, brachte ihnen und ihrem Kind Trennung, Plünderung, Kerker und Tod - Kardinal Richelieu bezichtigte sie dafür einfachhalber der Hexerei, um sich ihre Entlohnung zu ersparen.
 

1. Einleitung 

1.1. Einführung in Ursprung, Wesen und Entwicklung des Mythischen

1.2. Mythen und Mythos  - auf den Spuren zwischen Bewältigungs- und Rechtfertigungsstrategien

1.3. Die fundamentale Ortungs-Problematik und Untersuchungsmethode

1.4. Die Ortungssituation in der SP-Darstellung (Signifikanz-Potential)

1.5. Einführung in die Projektaufgabe

Atlantis geht auf eine der weltweit ältesten und bekanntesten Gründersagen zurück, die uns noch mit relativ verwertbaren Details überliefert ist, so dass sich auch hier eine Nachforschung lohnen dürfte. Die Anfänge der Atlantis-Forschung könnten bis zu den alten Ägyptern reichen. Trotz der langen Forschungsgeschichte ist Atlantis bis heute immer noch eines der größten, ungelösten Rätsel der Geschichte geblieben. Mittlerweile gibt es kaum einen Erdteil oder Ozean, indem Atlantis nicht schon vermutet oder gesucht wurde - jedoch ohne dabei die vorhandenen Widersprüche mit stichhaltigen Argumenten oder relevanten Indizien endgültig auszuräumen. Atlantis ist eine phantastische Hypothese geblieben, die die meisten Historiker schon längst als ein Phantom abgeschrieben haben.

Meine ersten Atlantis-PSI-Ortungsversuche Ende der 1980er Jahre sind gleichzeitig der Anfang des vorliegenden Atlantis-Projekts, dem weitere Entwicklungen folgten. Das damalige Ortungsergebnis - Atlantis: ein Insel-Reich nordöstlich von Sizilien? - hielt ich noch für etwas dünn und ausbaufähig (Entspricht hier den Ausführungen bis Punkt 3.2.). Deshalb erfolgte eine Verbesserung der Methoden, die dann durch zahlreiche weitere Ortungsprojekte erprobt wurden. Ein kleiner Teil davon ist nun in dieser Veröffentlichungsreihe mit detaillierteren Ergebnissen auszugsweise enthalten. Einleitend wurde mit der Odyssee begonnen, da sich diese vorwiegend auf einfachere Reisestationen bezieht. Bei Atlantis handelt es sich hingegen nur auf den ersten Blick um eine einfache Ortungsaufgabe. Tatsächlich jedoch wartet dahinter ein komplexes, den heutigen Vorstellungen nach unübliches "Staatsgebilde" mit weitreichenden Beziehungen zu anderen Hauptmythen. Mit den vorliegenden Atlantis-Ergebnissen schließt sich der Kreis dieser Publikationen wieder. Später werden diese eventuell noch mit einem Einblick in die Indizien-Nachforschungen ergänzt. Schließlich haben diese Ortungsarbeiten nur im Zusammenhang möglicher Funde einen höheren Realitäts- und Stellenwert und gelten erst dann als abgeschlossen.

Zwecks Übersichtlichkeit sind bestimmte Textbezüge wieder differenziert dargestellt. Die markantesten:

    • "Zitate aus Überlieferungen sind weiß gekennzeichnet."
    • Auf Ortungsergebnisse basierende Hinweise sind vorwiegend unterstrichen dargestellt.

2. Die Voranalysen zur zentralen Überlieferung

Nach den Atlantis-Überlieferungen des griechischen Philosophen Platon (427-347 v. Chr.) sollte bereits vor über 12.000 Jahren eine Hochkultur existiert haben, die dann in Folge einer großen Katastrophe unterging. Auch wenn davon nur die wesentlichen Aussagen stimmig wären, würde dieses "Atlantis" die bisher älteste Hochkultur-Entwicklung der Erde darstellen. Relevant wäre das aber nur, wenn zumindest die Kernaussagen nachgewiesen werden können. Dabei macht es der idealisierende Platon den späteren Atlantis-Forschern nicht leicht, diese anhand seiner utopischen Überlieferungen richtig einzuordnen und Atlantis zu lokalisieren. Bisher scheiterte das wohl auch an den widersprüchlichen Aussagen, die sich ergeben, wenn eine derartige Geschichte mehrere Jahrtausende unterwegs durch verschiedene Sprach- und Wissenskulturen gehen muß.

2.1. Die Herkunft der Überlieferung

Die Atlantis-Überlieferung soll sich auf eine Steinstele in einem Tempel bei Sais in Unterägypten beziehen, wo jene Atlantis-Geschichte aufgezeichnet gewesen sein soll. Der attische Staatsmann und Gelehrte Solon hat sie bei seiner Ägyptenreise um 560 v.Chr. abgeschrieben und diese Dokumentation nach Griechenland gebracht, wo er sie literarisch verarbeiten wollte. Dazu ist er leider nicht mehr gekommen. Einige Generationen später soll sie Platon während eines Dichterfestes in Athen von einem Nachkommen Solons übernommen haben. Der Philosoph hat die Geschichte dann in seinen beiden Dialogen "Kritias" und "Timaios" verarbeitend einflochten.

"...Es gibt in Ägypten, versetzte Kritias, in dem Delta, um dessen Spitze herum der Nilstrom sich spaltet, einen Gau, welcher der saitische heißt, und die größte Stadt dieses Gaus ist Sais, von wo ja auch der König Amasis gebürtig war. Die Einwohner halten für die Gründerin ihrer Stadt eine Gottheit, deren Name auf ägyptisch Neith, auf griechisch aber, wie sie angeben, Athene ist; sie behaupten daher große Freunde der Athener und gewissermaßen mit ihnen
stammesverwandt zu sein. Als daher Solon dorthin kam, so wurde er, wie er erzählte, von ihnen mit Ehren überhäuft..." Dazu gehörte auch die Einweihung in die sehr alten, ägyptischen Überlieferungen.

Ein altägyptischer Priester zu Solon: "Unsere Bücher erzählen nämlich, wie eine gewaltige Kriegsmacht einst euren Staat gebrochen hat, als sie übermütig gegen ganz Europa und Asien zugleich vom Atlantischen Meer heranzog..."

"....... die Atlanter besaßen wahrhafte und durchgehends große Gesinnung... 
Als aber ihr Anteil am Wesen des Gottes durch vielfache und häufige Beimischung des Sterblichen in ihnen zu schwinden begann, und die menschliche Art überwog, da erst waren sie dem vorhandenen Reichtum nicht mehr gewachsen und entarteten und erschienen dem, welcher es zu erkennen vermochte, niedrig, indem sie von allem, was in Ehren zu stehen verdient, gerade das Schönste zu Grunde richteten; denen aber, die ein wahrhaft zur Glückseligkeit führendes Leben nicht zu erkennen im Stande waren, schienen sie damals erst recht in aller Herrlichkeit und Seligkeit dazustehen, als sie ungerechten Gewinn und ungerecht erworbene Macht im Überflusse besaßen.
Der Gott der Götter aber, Zeus, welcher nach den Gesetzen herrscht und solches wohl zu erkennen vermag, beschloss, als er ein treffliches Geschlecht schmählich herunterkommen sah, ihnen Strafe dafür aufzuerlegen, damit sie, durch dieselbe zur Besinnung gebracht, zu einer edleren Lebensweise zurückkehrten. Er berief daher alle Götter in ihren ehrwürdigsten Wohnsitzen zusammen, welcher in der Mitte des Weltalls liegt und eine Überschau aller Dinge gewährt, welche je des Werdens teilhaftig wurden, und nachdem er sie zusammengerufen hatte, sprach er...''

Hier unterbricht der Dialog. Entweder ist das Ende verloren gegangen oder nicht durchgeführt worden.

Wie erwähnt, ergeben sich durch längere Überlieferungszeiten zwangsläufige Veränderungen, die auch die wenigen, möglichen ursprünglichen Fakten betreffen können. Demnach dürfte die darstellende Interpretation wie sie Platon wiedergibt ähnlich unzuverlässig sein, wie jene in der Odyssee bei Homer. Homer betätigte sich dabei als Staatsdichter, Platon bei den Dialogen um Atlantis als Staatsphilosoph in eigener Sache. In beiden Fällen kann jedoch von einem wahren Kern ausgegangen werden.

Bei der nunmehr einzigen Überlieferung mit direkten Bezug auf Atlantis durch Platon ist also mit einer typisch platonischen Färbung zu rechnen. Platons Lieblingsthemen: Idealstaat, Staatsethik, ... fanden hier ausreichend Nahrung, wobei er wesentliche Aussagen seinen Vorstellungen entsprechend leicht anpassen konnte. Seine schlechten Erfahrungen durch seine zuvor angestrebten und gescheiterten politischen Initiativen im sizilianisch-lukullischen Syrakus, konnte er hier ebenso berücksichtigen, indem er den Untergang Atlantis durch ein moralisches Selbstverschulden der zuvor gottähnlichen Atlanter als Strafe Gottes werden lässt. Des weiteren sind diverse Vermischungen, Verwechslungen und Verzerrungen durch zeitlich angepasste Fehlinterpretationen wie sie auch bei Homer vorkommen mit einzubeziehen. Zuverlässiger können hingegen wieder grundlegende Aussagen und markante Details sein, auf die sich die folgenden Rekonstruktionsortungen konzentrieren.
 

2.2. Die entscheidenden Zeitangaben

"Vor allem nun wollen wir uns zunächst ins Gedächtnis zurückrufen, dass es im Ganzen neuntausend Jahre her sind, seitdem, wie angegeben worden, der Krieg zwischen denen, welche außerhalb der Säulen des Herakles und allen denen, welche innerhalb derselben wohnten, entstand, welchen ich jetzt vollständig zu erzählen habe. Nun wurde schon angeführt, dass an der Spitze der Letzteren unsere Stadt stand und den ganzen Krieg zu Ende führte, während über die Ersteren die Könige der Insel Atlantis herrschten, welche, wie ich bemerkt habe, einst größer war als Libyen und Asien, jetzt aber durch Erderschütterungen untergegangen ist und dabei einen undurchdringlichen Schlamm zurückgelassen hat, welcher sich denen, die in das jenseitige Meer hinausschiffen wollen, als Hindernis ihres weitern Vordringens entgegenstellt..."

Atlantis soll also 9000 Jahre vor Solons Zeit existiert haben, also vor etwa 11600 Jahren oder 9600 v. Chr. und damals einen Krieg gegen die östlichen Gebiete (Griechenland, Ägypten) begonnen haben. Daraufhin soll es zur Katastrophe gekommen sein, in der Atlantis "in einem Tag und in einer Nacht untergegangen" sein soll. Der Untergang fiele dann in einem Zeitraum nach 9600 v. Chr.
Erste Ungenauigkeiten: Der Untergang eines größeren Reiches wie es im Zusammenhang mit Atlantis geschildert wird, hat aber nach bisherigen Erfahrungen immer länger gedauert, gleich welche Katastrophe am Anfang stand. Deshalb dürfte hier in erster Linie die Auslöse-Katastrophe gemeint gewesen sein, in der eine damals bedeutende Insel mit durchschnittlicher Größe (wie Ibiza oder Elba) teilweise oder völlig untergegangen sein könnte, einschließlich ihre kleineren Nebeninseln und umgebenden Küstengebiete. Dabei durfte ebenso ein Anstieg des Meeresspiegels nachgeholfen haben. Der Untergang oder die Auflösung des gesamten Reiches kann sich aber nicht in einem Tag abgespielt haben. Auch bei der kleineren Santorin-Katastrophe war die Vernichtung nicht so abrupt und total wie einst vermutet worden ist.
Wäre der Untergang von Atlantis abrupt und total abgelaufen, hätte sie sich auch kaum dem übrigen, kulturell niederstehenden Umfeld überliefern können. Dazu benötigte es eine größere Anzahl an Atlantis-Überlebender, bei denen dieses Vermögen und Interesse noch groß genug gewesen ist, einen Teil ihrer Kultur weiterzugeben. Bei einer Katastrophe, die das ganze Reich der angegebenen Größe an einem Tag zum Untergang gebracht hätte, hätten weite Teile Europas derart stark in Mitleidenschaft gezogen werden müssen, dass derartige Katastrophenspuren längst schon hätten entdeckt werden müssen. Anderseits wäre es auch kaum zu einer entsprechenden Überlieferung in Ägypten gekommen. Deshalb muß von einer "kleineren" Katastrophe ausgegangen werden, die jedoch die der Thera-Vulkanexplosion auf Santorin an Stärke und Vernichtung übertroffen haben muß. Eine solche wäre für die Zeit um 9000 v. Chr. auch nachweisbar.

"Unsere Bücher erzählen nämlich, wie eine gewaltige Kriegsmacht einst euren Staat gebrochen hat, als sie übermütig gegen ganz Europa und Asien zugleich vom Atlantischen Meer heranzog..."

Verzerrung durch zeitlich angepasste Interpretationen: Wenn Atlantis hier das Synonym für die erste größere Staatsbildung oder Hochkultur ist, kann sie keine gewaltige Kriegsmacht (so wie der geschilderten) dargestellt haben. Solche entwickeln sich erst durch mehrere konkurrierende Staatenbildungen, also einige Jahrtausende später. Ebenso ist bisher weder ein griechischer, noch ein ägyptischen "Staat" für die Zeit vor 12000 Jahren nachgewiesen worden. Jene platonische Vorstellung und Interpretation eines großen Staates mit einer gewaltigen Kriegsmacht passt aber etwa 2000 oder 1000 Jahre vor der Zeit Solons und Platons oder auch auf spätere Entwicklungen.

Die meisten Atlantis-Forscher halten die überlieferten Zeitangaben daher als fehlerhaft, verlegen diese um mehrere tausend Jahre vor der überlieferten (meistens zwischen 4000-1000 v. Chr.) und können somit auf die geschilderten bereits bekannten, jüngeren Staatenbildungen eingehen.

Damit ergeben sich zwei grundlegende Atlantis-Versionen:

    1. Ein "richtiges Atlantis": Platons Zeitangabe für Atlantis (ca. 10.000 v. Chr.) ist richtig übertragen worden. Die ersten Großbauten gehen damit auf die ausgehende jüngere Altsteinzeit zurück. - Bei der utopischen Staatsbeschreibung handelt es sich hingegen um Platons Wunschdenken einer idealisierten, seiner Zeit angepassten Staatsform. Hier kommt Platon ins Fabulieren.
    2. Ein zeitlich naheliegenderes "Ersatz-Atlantis": Platons Zeitangabe ist falsch übertragen. Atlantis ist daher zwischen der Jungsteinzeit und der Eisenzeit zu suchen. Dafür kommt man Platons großer Staatsbeschreibung entgegen, die den damals herrschenden Verhältnissen entspricht. 


In der vorliegende Rekonstruktionsanalyse wird die Theorie des "richtigen Atlantis" übernommen. Folgende drei zeitbezogene Hauptargumente unterstützen diese Entscheidung:

    1. Es ist realistischer anzunehmen, dass die altägyptische Überlieferung in Stein sich kurz auf die wichtigsten, historischen Eckdaten von Atlantis (Alter, Position, Beschaffenheit, Bedeutung-Größe) bezogen haben muß, die Platon zwar relativ getreu übernommen haben könnte, uns aber noch zudem mit seinen geistigen Ergüssen beglückt hat, über die wir nicht stolpern dürfen. Denn alle von einem harten Kern abweichenden, nebensächlichen Details, wie etwa Platons komplexe Staatsdarstellung (genaue Stadtbeschreibung, zahlenmäßige Militäraufstellung, ...) dürften demnach seinem Erfindungsreichtum entsprungen sein, die er mehr als Anschauungsmaterial seiner sonst trocken wirkenden Staatslehre angelegt haben durfte. Auf diese Weise ist es ihm gelungen, ihr eine seiner Zeit entsprechenden, besondere Realität einzuhauchen, die dann auch weit darüber hinaus die Phantasie vieler Menschen anregen konnte, wie wir heute resümieren können.
    2. Die größte Vulkankatastrophe, die eine menschliche Zivilisation je getroffen haben konnte, fand nachweislich am Ende der Altsteinzeit oder zu Beginn der Mittelsteinzeit statt, also dem von Platon angegebenen Zeitraum für eine derartige Katastrophe um Atlantis.
    3. Die Möglichkeit einer ersten Megalithbaukultur in der auslaufenden, jüngeren Altsteinzeit ist nicht unrealistisch. Die wenigen in Stein gehauenen Fakten zu dieser ersten nach Atlantis benannten Hochkultur hätten für Platons Zwecke aber zu wenig spektakulär sein können. Es ist daher naheliegend, dass er ordentlich nachgeholfen hat und gegen die historische Praxis gleichzeitig einen Modellstaat seiner Zeit dazu entworfen hat.

2.3. Die Verhältnisse im historisch-geographischen Hintergrund 

Mit dem Ende der letzten Eiszeitperiode in der ausgehenden jüngeren Altsteinzeit enden die schwierigen, klimatischen Bedingungen und machen damit den Weg frei für sprunghaftere Entwicklungsphasen der Mittelsteinzeit um 10.000 v. Chr. 

Was gibt es oder entwickelt sich in dieser Zeit. Nachfolgend ein kurzer Überblick:

    • Die Klimaverbesserung erhöht den Bevölkerungsdruck und verschlechtert die Existenzbedingungen der Jäger. Die Jagd wird zurückgedrängt und weitet sich nach Norden aus.
    • Der Garten- und Ackerbau entwickeln sich im Süden.
    • Zunehmende Sesshaftigkeit, vor allem in den südlichen und südöstlichen Randgebieten Europas: Zu dieser Zeit sind bisher Siedlungen von ca. 100 Personen nachgewiesen.
    • Mehr Fischfang (Netzfang) führt zu Ansiedlungen an Uferbereichen und zum verbesserten Bootsbau.
    • Zunahme von Erfindungen, neue Geräteformen, ...
    • Anfänge produzierender Wirtschaftsformen, von Handel und Verkehr.
    • Bergbau im Tagebau (Feuerstein, Mineralien).
    • Erste Keramik, Töpferei, erster Hausbau mit Steinen später mit Ziegelsteinen
    • Geometrisierung in der Kunst, in der Schmuckherstellung und im Gerätebau.
    • Erste Musikinstrumente, Tanzende auf Felsbildern.
    • Erste Symbol- oder Bildzeichen deuten auf systematischere Verstandes- und Sprachentwicklungen hin.
    • Beobachtung und Aufzeichnung von Zyklen: in erster Linie die Menstruation betreffend möglicherweise im Zusammenhang mit den Mondphasen, dann die Feststellung der Jahreszeiten-Perioden im Zusammenhang mit dem wechselnden Sonnenstand.


Diese Entwicklungen verlaufen aber nicht einheitlich. Bekannt sind derzeit vor allem die Siedlungskulturen in Südanatolien, Mesopotamiens und des Nahen Ostens (Jericho), die uns bis heute durch ihre geschützte Höhenlage erhalten geblieben sind.
Mögliche Ansiedlungen in niedergelegenen Gebieten des zentraleren Mittelmeerraumes etwa in Südeuropa (Süditalien) und in Nordafrika (Libyen) dürften vom steigenden Meeresspiegel, von Vulkan- und Erdbebenkatastrophen, von Überschwemmungen und Wüstenbildungen erfasst und verschluckt worden sein, sodass sie bis heute unzugänglich geblieben sind.

Wie eingangs erwähnt wird dem Bevölkerungsdruck bei den Jägern durch Wanderung und Ausweitung der Reviere begegnet. Bei den Fischern, Bauern und insbesondere bei Bergbaukulturen können hingegen aufgrund ihrer produktiver ausgerichteten Tätigkeiten sich zusammenhängendere Ansiedlungen ergeben, die höher entwickelte Organisationsformen voraussetzen. Diese kann durch Schaffung von religiösen Kulturzentren weiter verstärkt und gebunden werden. Von den Kleinsiedlungen bis zur ersten stadtartigen Siedlung ist es dann nicht mehr weit, wenn die Umfeldbedingungen dazu drängen. Die Entwicklung in diese Richtung könnte bereits erstmals vor dem Mesolithikum zwischen 12.000-10.000 v. Chr. begonnen und sich dann ins Mesolithikum hinein fortgesetzt haben. Der bisher fehlende Nachweis könnte auf eine große Katastrophe in dieser Epoche zurückzuführen sein, welche die wichtigsten Strukturen sofort ausgelöscht haben könnte und die restlichen Spuren im Laufe der darauf folgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte. So eine Katastrophe ist auch Teil der Atlantis-Überlieferung, wie auch eine geologische Beschreibung von Atlantis, die die Bedingungen aufzeigt (vulkanische Inselgruppe mit Bergbau), in denen sowohl jener notwendige Entwicklungsschub bestens verstärkt worden sein konnte, einschließlich der Möglichkeit des derart fatalen Endes:

    • Übersichtliche Inseln bieten in jener Zeit den besten natürlichen Schutz von außen, dadurch verbleibt mehr Zeit für andere wichtige, weiterentwickelnde Tätigkeiten. 
    • Solche Inseln drängen verstärkter zu kompakteren Siedlungsformen.
    • Die Inselbewohner sind gezwungen mit den Ressourcen bestmöglichst umzugehen und nach entsprechenden Lösungen zu suchen.
    • Das Wohnen und Handeln auf geologisch interessanten Inselgruppen - insbesondere wenn diese im näheren Umfeld des Festlandes gelegen sind - bieten das stärkste Motiv und das beste Entwicklungsumfeld für den ersten Schiffsbau.
    • Das Zusammenspiel von Jagd, Fischerei, Schiffsbau, Haus- und Gerätebau, Land- und Bergbau fordern hier zu immer höheren Leistungen heraus.
    • Verfügt eine solche Inselgruppe über außerordentlich interessante, geologisch-vulkanische ... Verhältnisse, kann sie zudem für die ersten steinzeitlichen Entdecker für wahre Wunder- oder Schatzinseln gehalten werden, die bei ihnen einen besonders privilegierten Motivationsantrieb auslösen kann. Dieser könnte auch die Grenzen eines bis dato einmaligen religiösen und industriellen Schaffenstrieb sprengen und so als Leitkultur in entferntere Gebiete ausstrahlen. Anderseits kann in dieser Ausnahmesituation auch ein nicht zu unterschätzendes Konflikt- und Gefahrenpotential verborgen sein, wie ebenso aufzuzeigen sein wird.

Schlussfolgerung: Diese letztlich entscheidenden Verhältnisse für eine erste, höhere Kulturentwicklung hätte man zu jener Zeit am besten um den äolischen Archipel vorfinden können. 

2.4. Die Orts- und Größenangaben

"... Damals nämlich war das Meer dort fahrbar, denn vor der Mündung, welche ihr in eurer Sprache die Säulen des Herakles nennt, hatte es eine Insel, ...."
Mit dieser "Mündung" oder diesen "Säulen des Herakles" muß früher (Bronzezeit-Eisenzeit) die Meeresenge von Messina gemeint gewesen. Sie stellten gleichzeitig eine Markierung nahe des Weltendes der damals bekannten Welt in westlicher Richtung dar.
Platons Verwechslung: Zu Platons Zeit waren die Säulen des Herakles bereits weiter westlich nach Gibraltar gerückt. Das Atlantische Meer und das Ende der bekannten Welt in westlicher Richtung begann dann hinter Gibraltar. Die Wissens-Situationen ändern sich im Laufe der Zeit, was eben zu berücksichtigen ist.

".. welche größer war als Asien und Libyen zusammen, ..."
Widersprüchlichkeit und Doppeldeutigkeit führt hier zu Missverständnissen und Verwechslungen möglicherweise durch Auslassungen oder Ungenauigkeiten in der Übersetzung, ...: Physisch kann hier das gesamte Reich einschließlich des Einflussbereiches jener (durchschnittlich großen) Insel gemeint sein. Das Inselreich muß jedoch den entscheidenden Schlüssel zur überlieferten Bedeutung=Größe ihres Einflussbereiches beinhaltet haben, womit es zum führenden Kulturzentrum in der damals relativ unbekannten, westlichen Welthälfte wurde, die damit die später bekanntere, östliche an Einfluss überstrahlt haben muß.
Aus altägyptisch-geographischer Perspektive umfasst also das atlantische Hauptgebiet: das damals bekannte westliche Mittelmeer vor allem das tyrrhenische Meer mit den unteritalienischen Gefilden. Später kommt auch Libyen hinzu, das damals bekannte Afrika. Der gesamthistorische Einflussbereich reicht jedoch bis nach Asien (damals Kleinasien). Die überlieferten Größenangaben entsprechen somit der Realität, wenn beim Größen-Begriff die gesamthistorische Bedeutung mitberücksichtigt wird, was letztlich auch maßgebender ist.

" ... und von ihr konnte man damals nach den übrigen Inseln herübersetzen und von den Inseln auf das ganze gegenüberliegende Festland, welches jenes recht so eigentlich zu nennende Meer umschließt."
Mit jener Atlantis-Insel kann die Zentral-Insel der äolischen Inselgruppe gemeint sein: Vulcano-Lipari. Vulcano und Lipari waren früher einmal verbunden und bildeten somit eine Zwillingsinsel. Die obige Satzstelle beschreibt auch sehr anschaulich den äolischen Inselbogen zwischen Sizilien und italienischem Festland, jenseits der "genannten Mündung" (Säulen von Herakles, Meerestrasse von Messina).

"Denn alles das, was sich innerhalb der eben genannten Mündung befindet, erscheint wie eine Bucht mit einem engen Eingange, jenes Meer aber kann in Wahrheit also und das es umgebene Land mit vollen Fug und Recht Festland heißen. Auf dieser Insel Atlantis nun bestand eine große und bewundernswerte Königsherrschaft welche nicht bloß die ganze Insel, sondern auch viele andere Inseln und Teile des Festlandes unter Ihrer Gewalt hatte. Außerdem beherrschte sie noch von den hier liegenden Ländern Libyen bis nach Ägypten und Europa bis nach Tyrrhenien hin."
Bestätigung: Diese Beschreibung unterstützt die bisherige Argumentation.
 

    • "Die Atlanter lebten außerhalb der Säulen des Herkules, auf diversen Inseln in offener See". 
    • "Was die Distanz der Inseln von Gibraltar betrifft, lässt sich diese mit jener Ägyptens von Tyrrhenien vergleichen ...".

Weitere Bestätigung: Auch diese Beschreibung unterstreicht obige Argumentation zur Lage von Atlantis. Die Säulen des Herkules und Gibraltar können hier noch als zwei unterschiedliche geographische Orte erkannt werden, was in späteren Auffassungen zu Widersprüchlichkeiten und Fehlern in der Interpretation geführt hat. Anderseits haben wir da aber noch ein wichtiges Korrektiv überliefert bekommen, eine für damalige Verhältnisse relativ genaue doppelte Distanzangabe, die uns schließlich zu den äolischen Inseln hinführt.

Die vor-klassische Weltsicht im östlichen Mittelmeergebiet und damaligen kulturellen Weltzentrum überliefert uns mit Solon und Platon ein untergegangenes Atlantisreich an der abenteuerlichsten Seite abseits ihrer bekannten Welt. Im Westen galt das Mittelmeer eher als unbekannt, offen und man meinte es müsse dort in den Oceanos, das Grenzmeer münden, wo der Himmel ins Meer eintaucht, die Sonne untergeht, der Tag und die Welt endet. Kein Wunder also, dass es dort zu einem Untergang kommen musste. So ist es verständlich, wenn Atlantis im Altägyptischen für Terra incognita, Insel/Land ohne Namen, ohne Wiederkehr steht. Im ägyptischen Totenbuch entspricht dieses Westreich dem Jenseits, wo den Menschen das höchste Gericht erwartet. Derart Mysteriöses kann dabei sehr schnell den Nimbus einer unbegreiflichen Größe und Macht erhalten, die sowohl fasziniert, als auch abschrecken kann und soll.

Abschließende Bemerkungen zum hier betreffenden Herrschaftsbegriff: 
Die urgeschichtlichen Atlanter beherrschen die hier vermutlich erstmals einsetzende Seefahrt. Damit sind sie für damalige Begriffe automatisch die Beherrscher dieser westlichen Weltseite - auch ohne Streitmacht und höchstwahrscheinlich ohne Unterwerfung anderer Völker. Zu ihrem Bild passt nicht die von Platon beschriebene kriegslüsterne Großmacht - die sich möglicherweise aus den Reminiszenzen seiner früheren Sizilienreisen ableitete, wo er mehrmals üble Bekanntschaft mit der Tyrannis von Syrakus machen musste. 
Um der Atlantiskultur von ca. 10.000 v. Chr. kann es jedoch noch keine massive Staatenbildung gegeben haben, die man zu bekämpfen gehabt hätte. Diese Darstellung mag also von den Zeitverhältnissen beeinflusst worden sein, in der sie niedergeschrieben worden ist. 
Atlantis Macht und Eroberung muß eine kulturbedingte gewesen sein. Ähnlich wie für die europäischen Erstankömmlinge in Amerika, gibt es Bewunderung für die Neuen und das was sie mitbringen. Wie sich die weitere Entwicklung ergibt, sei dahingestellt. Jedoch ist es eher wahrscheinlich, dass höhere Kulturvölker in den damals dünner besiedelten Weltstrichen möglichst freundschaftliche Verbindungen eingegangen sind. Das damalige (allgemeine) Kulturverständnis kennt noch keine richtigen Staatenbildungen, keine Staatsgewalten, sondern Stämme und Stammesverbände. Neben der Gruppenanzahl besteht die Größe vielmehr in ihrer relativen Erscheinungsart, nämlich in ihrer direkt ersichtlichen Habe und ihres damit verbundenen gewöhnlichen oder außergewöhnlichen Leistungs- und Darstellungsvermögens. Die Art ihrer äußeren Erscheinung und die Richtung von woher sie kommen, bestimmt ihren Status in der Fremde vor ca. 12.000 Jahren. 
 

2.5. Die ersten Zusammenhänge zweier Gründermythen

Der Mythen-Vergleich um Atlas und Äolus wirft erste Zusammenhänge für einen möglichen Übergang in der kulturell-herrschaftlichen Nachfolge von den atlantischen zu den äolischen Inseln hin:

Herrschaftslegende zu den atlantischen Inseln (von Platon im Dialog "Kritias"):
"Ferner zeugte er (Poseidon mit Kleito, Tochter der Leukippe)* fünf männliche Zwillingspaare, ließ sie auferziehen und verlieh ihnen, indem er die ganze Insel Atlantis in zehn Teilen teilte, dem zuerst Geborenen des ältesten Paares den Wohnsitz seiner Mutter und den diesen rings umgebenden Anteil, ... Allen gab er Namen. Nach dem Ältesten und König wurde die ganze Insel und das Meer benannt, welches deshalb das Atlantische hieß, weil damals der erste König den Namen Atlas führte... Diese insgesamt nun sowie ihre Nachkommen beherrschten viele Menschenalter hindurch noch viele andere im Atlantischen Meere gelegene Inseln und dehnten auch, wie schon früher berichtet wurde, ihre Herrschaft über die innerhalb der Säulen des Herakles nach uns zu Wohnenden bis nach Ägypten und Tyrrhenien hin aus."

*Nach der griechischen Mythologie sind Iapetos und Klymene die Eltern von Atlas - Prometheus damit einer der Halbbrüder. Zu berücksichtigen ist dabei, dass Götter-, Helden- oder Ortsnamen in den Mythen auswechselbar sind, ihre dahinterliegende Bedeutung bleibt hingegen aufrecht. Beispiele: Zeus-Jupiter, Hera-Juno, Poseidon-Neptun, ... 
Anm.: Atlantis hieße wörtlich auch Tochter des Atlas. Atlas Töchter sind Nymphen, die in der damaligen Zeit auch für Inseln gestanden haben dürften (s.u.).

Herrschaftslegende zu den äolischen Inseln (von Homer in der "Odyssee", X.):
"Nun gelangten wir zur äolischen Insel. Dort wohnte
Äolus, Hippotes (Anm.: Poseidons) Sohn, der Freund der unsterblichen Götter,
Auf einem schwimmenden Eiland. Und ringsum ragt eine Mauer 
Ehern und undurchdringlich; glatt springt der Fels in die Höhe. 
Und zwölf Kinder zeugte der König in seinem Palaste, 
Töchter waren es sechs und sechs jungblühende Söhne
Und die Töchter gab er seinen Söhnen zu Frauen
Bei ihrem lieben Vater und bei der würdigen Mutter
Nehmen sie immer das Mahl..."

Anm.: Poseidon behindert Odysseus an der  Heimkehr. Einmal hilft ihm Äolus vergeblich.

Die Analogien zusammenfassend:

    • Die Begriffsverwandtschaft von Atlas und Äolus. In beiden Fällen die Beziehung zu einem Berg. Höchstwahrscheinlich stehen beide für bedeutende Vulkanberge, die vor allem in der (atlantischen) Steinzeit als Götterberge verehrt wurden.
    • Die Verwandtschaft zu Poseidon.
    • Einmal die Zeugung fünf männlicher Zwillingspaare (bei Atlantis) und ein andermal (nachfolgend) die Zeugung sechs männlich-weiblicher Kinderpaare (bei Äolus wie bei der Titanendynastie), die später heiraten. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die äolischen Inseln bei veränderlichem Meeresspiegelstand (ca. 10-50 m) fünf bis sechs Zwillingsinseln bzw. Paar-Inseln aufweisen könnten, was auf die Situationen vor mehreren Tausend Jahren hinkäme. Die Erweiterung von 10 auf 12 kommt auch in der Herkulessage vor, hier in Verbindung mit Arbeiten zu bestimmten Gebieten. Herkules oder Herakles ist mit Perseus verwandt. In beiden Sagen lassen sich ebenso versteckte Hinweise zu Atlantis ausfindig machen, wie im weiteren Verlauf ausgeführt wird. 


Die Fortsetzung dieser vergleichenden, mythischen Zusammenhänge folgt in der weiterführenden Ortungsanalyse weiter unten.
 
 

3. Die zusammenfassenden Rekonstruktionsergebnisse 

 
Zu Atlantis sind bekanntlich die meisten Lokalisierungsversuche unternommen worden. Im Verhältnis zur Odyssee scheint der Atlantis-Stoff auch weniger komplex zu sein - zumindest auf den ersten Blick. Denn ein so großes Inselreich, wie es Platon dargestellt hat, dürfte nicht allzu schwer wieder zu finden sein, auch wenn es inzwischen untergegangen sein soll. Aber trotz moderner Untersuchungsmethoden und unzähliger Lokalisierungsversuche ist es noch nicht einwandfrei gelungen, ein derartiges Atlantis definitiv aufzuspüren. 

In diesem Abschnitt sind ergänzend zu den bisher einleitenden Untersuchungen die näheren Ergebnisse der erweiterten Ortungsarbeiten dargestellt, die von den bisher bekannten Lokalisierungsversuchen entscheidend abweichen. Dabei wird Atlantis vor allem mit dem ersten Aufkommen von Großbauten (Megalithkulturen) gleichgesetzt - dem prägnantesten Merkmal einer ersten Hochkultur und hier folglich von Atlantis. Bis vor kurzem ist man davon ausgegangen, dass die Megalithkulturen sich anfangs der Jungsteinzeit (um 5000 v. Chr.) entwickelt haben. Mögliche Megalithkulturen aus der auslaufenden jüngeren Altsteinzeit könnten jedoch bisher auch übersehen worden sein, da der wesentliche Großteil einer gigantischen Katastrophe ("Atlantis-Katastrophe") zum Opfer gefallen sein könnte und die wenigen auffälligen Überbleibsel allgemein unterschätzt würden bzw. einfachhalber gemäß etablierter Meinung der Jungsteinzeit zugeordnet werden. Zum besseren Verständnis der Tragweite dieses Zeitunterschiedes werden wieder grundsätzliche Überlegungen zur älteren Zeitzuordnung den näheren geographischen Ortungen vorausgeschickt: 
 

3.1. Eine Grundsatzfrage mit Folgen

Sind Megalithkulturen in der auslaufenden jüngeren Altsteinzeit (um 12.000-10.000 v. Chr.) überhaupt denkbar?

Die etablierte Historikermeinung würde hier ablehnen (Stand 1990). Bei genauerer Betrachtung gäbe es jedoch gute Gründe, die diese Möglichkeit befürworten würden:

    • Die Basis: Die Intelligenz des damaligen Menschen ist mit der, des heutigen vergleichbar, die er konzentrierter auf seinen kleineren Tätigkeitsbereich hätte anwenden können. Sein Intelligenzvermögen hätte also in diesem Zeitraum für die Errichtung erster Megalithbauten ausgereicht.
    • Das Motiv: Die über Generationen weitervererbte Höhlennutzung wurde mit zunehmender Stammesgröße zu klein und immer mehr den Kulten vorbehalten. Einen entsprechenden Höhlenersatz musste der Mensch sich selbst kreieren. Die Megalithbauten entsprachen nicht nur diesen Erfordernissen, sondern können auch als nächster Entwicklungssprung betrachtet werden: sie waren so robust und langlebig wie die Felshöhlen (je größer die Bausteine desto robuster der Bau), konnten jedoch auch ein Vielfaches jener Menschenmenge aufnehmen. Der Standort war frei wählbar und konnte dabei auf die besten zur Verfügung stehenden Plätze fallen. Diese boten eine bessere Aussicht und einen Schutz unter freiem Himmel - man musste sich also dafür nicht immer gleich in die dunklen Höhlen zurückziehen oder sich in der Höhlennähe aufhalten. Die Höhlen stellten weiterhin ihre Hauptkultorte dar, falls solche vorhanden. Wenn keine für den Kult vorhanden gewesen wären, hätten solche Megalithbauten auch einen Ersatz zu den Kulthöhlen darstellen können. - Das sind Überlegungen, die man durchaus schon einigen Menschen gegen Ende des Jungpaläolithikums zutrauen könnte. 
    • Die kulturvergleichenden Entwicklungsverhältnisse: Zwischen dem Ende der archaischen (vorklassischen) Zeit und dem Beginn des Computer- und Raumfahrtzeitalters liegen ca. 2500 Jahre, in denen noch unzählige technisch-kulturelle Erfindungen und Weiterentwicklungen stattfinden mussten. Zwischen dem Höhepunkt der Höhlenkunst und dem Beginn der nächsten Kulturform - der Megalithbaukunst - mussten keine derartigen Entwicklungshürden überwunden werden und trotzdem hätte der Mensch noch über 10.000 Jahre Entwicklungszeit gehabt, wenn man den Beginn der Megalithbaukunst auf den Ausgang der jüngeren Altsteinzeit ansetzen würde. "Viel zu früh" glaubt die Gelehrtenmeinung zu wissen, die die Anfänge der Megalithbaukunst auf den Beginn der Jungsteinzeit setzt. Demnach hätte also der Mensch für diesen Entwicklungssprung um 5.000 bis 7000 Jahre länger benötigt. Für Außenstehende mag dieser Streit belanglos sein, da er verständlicherweise sich der Dimension dieses "kleinen" Unterschiedes nicht bewusst ist bzw. sich nie darüber Gedanken gemacht hat. Für die Atlantis-Frage ist sie jedoch von entscheidender Bedeutung:
    • Die sehr unterschiedlich folgeschwere Auswirkung zweier Zeitansätze: Sollte der erstere Fall stimmen, also doch noch ein "richtiges Atlantis" (Platons Zeitangaben sind richtig: die ersten Großbauten gehen auf die ausgehende jüngere Altsteinzeit zurück.) vor dem zumeist gesuchten "Ersatz-Atlantis" (Platons Zeitangaben sind fehlerhaft übertragen. Atlantis ist daher zwischen der Jungsteinzeit und Eisenzeit zu suchen.) sich entwickelt haben, ergeben sich folgende historisch bedeutsame Konsequenzen: 
      • Bei der Atlantis-Kultur handelt es sich um den damals weithin ersten und einzigen großen Entwicklungssprung Richtung Hochkultur, bei der später in ihrem zentralen Bereich die größte Naturkatastrophe stattgefunden haben muß, die der Mensch (homo sapiens sapiens) je wahrgenommen hat, sodass diese Kultur beinahe spurlos ausgelöscht wurde und die Forscher hier deshalb noch immer im Dunkeln tappen müssen.


Während im Übergang von der jüngeren Altseinzeit zur Mittelsteinzeit eine derartig große Naturkatastrophe nachgewiesen werden kann, bestätigt sich eine solche in der Zeitspanne der "Ersatz-Atlantis-Hypothese" nicht. Für den Forscher verbleiben zwei entscheidende Fragepunkte: ob diese Katastrophe eine Hochkultur getroffen haben könnte und nach dem näheren Ort dieser Katastrophe.

      • Die Mittelsteinzeit gilt normalerweise als relativ unscheinbarer Übergang von der jüngeren Altsteinzeit zur Jungsteinzeit, wobei dann in der letzteren die auffälligen Megalithkulturen erstmals auftauchen sollen. Hinter jener Mittelsteinzeit könnte aber (im zentraleren Südeuropa-Nordafrika-Bereich) auch eine Wunde klaffen, die von der katastrophalen Vernichtung einer bereits zuvor ausgebildeten Megalithkultur gerissen wurde. Die dadurch entstandene Lücke zur weiteren Entwicklung bedurfte der mittelsteinzeitlichen Erholungsphase, um jenen traumatischen Verlust verarbeiten zu können. So zumindest einigermaßen äußerlich verheilt konnte dann in der Jungsteinzeit jene Entwicklung der Megalithkulturen im Umfeld des Katastrophenbereichs wiederholt ansetzen und sich diesmal unter anderem bis zur altägyptischen Hochbauphase ungestört fertig ausbilden, um anschließend in die klassische Phase überzugehen. Dieses Szenario ergäbe einen Entwicklungseinbruch in der Mittelsteinzeit von einigen tausend Jahren, der als unscheinbarer Übergang wahrgenommen wird. Hätte es diese Atlantis-Katastrophe nicht gegeben, hätte sich die Atlantiskultur also ungestört weiterentwickeln können, würde die Menschheit heute je nach Interpretationsschluss um ca. 1000-3000 Jahre ihres derzeitigen Entwicklungsstandes voraus sein.
      • Und nicht nur das: Die Spuren jenes kollektiven Traumas mussten auch die nachfolgenden Kulturentwicklungen massiv überschattet haben. Das zuvor harmonischere Verhältnis von Natur-Geister-Mensch, das wir noch von einigen Naturvölkern her kennen, erhielt damit eine gewaltige Über-Belastung (Atlas-) aufgesetzt: Naturkatastrophe-Gott-Strafe. Diesen Gott kennen wir auch als einen, der Atlas mit dem Himmel, Prometheus an den Kaukasus kettet ... den Menschen verbietet vom Baum der Erkenntnis zu essen, der sie aus dem Paradies jagt, sie verfolgt, peinigt, tötet .... Dieses kollektiv-gestörte Verhältnis von Gott und Mensch konzentriert sich wie nirgendwo sonst auf der Welt in den Ur-Mythen des Mittelmeerbereichs (... Prometheus-Epimetheus und Pandora, Luzifer-Adam und Eva, Deukalion und Pyrrha, Sintflut, Persephone und Hades, ...). Dementsprechend mussten diese Götter in den Hochreligionen durch komplexe, kultische Handlungen gütig gestimmt und weltliche Handlungen sorgfältig abgestimmt werden. Monotheistische Gottesvorstellungen und christliche Korrekturen haben dieses gestörte Verhältnis kaum abwenden können. Erst in der modernen Zeit erfolgte durch die geistes- und naturwissenschaftliche Aufklärung eine allmähliche Neuorientierung und verstärkte Individualisierung, die versucht sich selbstbewusst von jenen alt-eingefahrenen und aufgezwungenen Autoritätsgläubigkeits-Mustern zu lösen.

Schluss: Stand also vor dem Anfang dieser uns bekannten Kulturentwicklung eine gigantische Naturkatastrophe mitten in einer ersten paradiesischen Hochkultur (das "Goldene Zeitalter" in der Mythologie) - dann die darauffolgende Überforderung bei ihrer mentalen Verarbeitung, die eine Kettenreaktion an fatalen Fehlinterpretationen auslöste, mit dem Ergebnis systematisch restriktiver Religions- und Sozialtheorien, in denen es schließlich auch den späteren Oberschichten einfacher gemacht wurde, die übrigen ihnen ausgelieferten Menschen privilegiert und "gottgewollt" zu unterdrücken und auszunutzen - analog zur ominösen Gottesstrafe, die am Anfang einer ebenso ominösen Ursünde stehen musste? Dann würde der Mensch noch immer nicht völlig von diesem Aberglauben geheilt und befreit sein. Dazu scheint passend die ewig ungelöste Atlantis-Frage, die die Menschen seit jeher wie kein anderer Mythos in ihrem Bann hält. 


Bei einem eventuellen Ersatz-Atlantis hätte sich die Vernichtung nicht derartig schwerwiegend auswirken können, da zu jener Zeit bereits mehrere Hochkulturen vorauszusetzen sind, die die bisherigen Kulturentwicklungen eines anderen, in den Untergang geführten Staates besser hätten auffangen können.
 

3.2. Von den Ursprüngen 

Die Darstellungsweise der folgenden Ortungssituationen hält sich an die grundsätzlichen Vorgaben der SP-Darstellung: Die Hinweise zu Ortungen sind unterstrichen und der Wert des Signifikanz-Potentials in eckigen Klammern gesetzt [0-10]. Der erreichbare durchschnittliche SP-Wert der ca. 7 angegebenen relevanten Bezugsbereiche liegt bei ca. 7,9. Davon wurde die voratlantische Siedlungsgruppe mit einem Wert berücksichtigt. Die bisherige Ortungs-Situation liegt aufgrund intensiver Forschungsbemühungen weit aufgefächert - effektiv jedoch immer noch bei einem SP zwischen 3-5, durchschnittlich bei etwa 4.

Im mittel-süd-italienischen Bereich könnte die Entwicklung der ältesten Megalithbauten zurückzuführen sein. Volksstämme aus den bekannten, altsteinzeitlichen Kulturen im weiten Umfeld der Pyrenäen dürften hier den Megalithbau bereits zwischen 12.000 und 11.000 v. Chr. entwickelt haben ("Kyklopen", "Giganten"), vermutlich auch als Ersatz zu den Berghöhlen, die nicht in der erwünschten Menge vorhanden waren. Noch in der Odyssee gilt Süditalien als Land der riesenhaften Kyklopen und Giganten. 

Diese führen zur ersten voratlantischen Kultur um den bekannten Monte Circeo [7-9]. Einige der noch sichtbaren Megalithbauten auf dem Monte Circeo könnten vielleicht auf etwa 10.000 v. Chr. zurückreichen und wären damit viel älter, als die bisher dafür gehaltenen, ältesten europäischen Megalithbauten auf Malta (Jungsteinzeit 5000 v. Chr.). Die ältesten (ca. 12.000 v. Chr.) meisten dieser Bauten könnten hier vor der Küste unter Wasser liegen, da der Meeresspiegel sich seither um über 120 Meter gehoben haben dürfte. 

Zwischen 11.000 und 10.500 v. Chr. ziehen Stämme dieser frühen Megalithkultur um Monte Circeo weiter nach Süden und lassen sich in erster Linie auf den Bergen von Kampanien und Kalabrien in Sichtweite des Meeres nieder. Die davon acht wichtigsten Gründungen [7-8] befinden sich am:
 

    1. Monte Cervati (Cilento)
    2. Monte Sirino (Lucano)
    3. Serra Dolcedorme (Pollino)
    4. Cozzo del Pellegrino (Lucano)
    5. Botte Donato (Sila Grande) 
    6. Serralta San Vito (Le Serre) 
    7. Monte Limina (Le Serre) 
    8. Montalto (Aspromonte)


Diese voratlantische Niederlassungen könnten für die Atlantis-Forschung deshalb von Interesse sein, da hier Spurensammlungen zur Atlantis-Kultur einfacher realisierbar sind, als in der zentraleren Atlantis-Region, die sich teils unter dem Wasser, teils unter der Erde befinden.

Hinweis:

1937 veröffentlicht der Hobbyarchäologe und Mediziner Evelino Leonardi aus Rom seine Vermutungen über eine untergegangene Atlantis-Insel im zentraleren Bereich des Tyrrhenischen Meeres (die sehr unwahrscheinlich ist) oder im Bereich der Pontinischen Inseln - ausgehend von den Megalithbauten am Monte Circeo. Aus der Sicht dieser Ortungsarbeiten dürfte er erstmals auf den richtigen Ansatz zur Atlantis-Entwicklung gestoßen sein.
Weitere Informationen (ital.) über den Monte Circeo:

3.3. Zu den Gründungen

Die Anfänge der Gründungen finden ungefähr zwischen 10.500-10.000 v.Chr. statt.

Der atlantische Stamm um den Monte Cervati errichtet am Kap Palinuro die erste, größere atlantische Siedlung

Der entscheidende Entwicklungssprung gelingt dem Stamm um Monte Limina, der in Sichtweite der äolischen Inseln lebend, es schließlich wagt zu jenen vulkanischen Inseln hinüberzusetzen. Damit erreichen sie ein hochinteressantes, geologisches Schatzinselparadies - der Schlüssel zum legendären Atlantis. Dort wird im Bereich der Insel Vulcano die zweite und bedeutendste atlantische Siedlung gegründet. Sie bringt der Atlantis-Kultur durch Bergbau und entsprechend handwerkliche Fertigungen den entscheidenden Entwicklungsschub. Dazu gehören vor allem die ersten Metallerz-Schmelzversuche um ca. 10.250 v. Chr. Mit dem Inselnamen Vulcano scheint sich sogar die ursprünglich funktionelle Bedeutung erhalten haben: Volcano (griech. Hephäst) bezeichnet den Gott des Feuers, der Magie, Erfindung und Schmiedekunst (Industrie) - kurz Prometheus mythische Wiedergeburt. Prometheus gilt als der Feuerbringer (lat. Luzifer - Lichtbringer) und erster Kulturgründer. Die speziellen, mythischen Überlieferungen um diese Ereignisse sind im entsprechenden Abschnitt 3.4 näher erörtert.

Die fünf atlantischen Stadtsiedlungen [7-9] passend zu den fünf männlichen Zwillingspaaren chronologisch geordnet:

    1. Atlantis-Palinuro [8] (erste Gründung im Festlandbereich) 
    2. Atlantis-Vulcano [7] (Das geokulturelle Zentrum im äolischen Archipel - die "atlantische Schatzinsel".) 


    Sizilien - die größte und höchste, atlantische Götterinsel ist heilig = tabu (siehe dazu weiter unten)

    1. Atlantis-Malta [8] (Brücken-Stützpunkt nach Libyen)


    Atlantis-Kolonien in Libyen:

    1. Atlantis-Syrte [9] (entwickelt sich zur größten und schönsten Stadt - die "Kanalstadt")
    2. Atlantis-Fezzan [8] (Der "Garten Eden", die "Ebene" mit bis zu 12.000 Jahre alten Felsbildern - heute verwüstet.)


(Zur besseren Orientierung siehe: Atlantis-Karte)

Diese Gründungsortungen verdächtigen verstärkt, dass hinter Platons auffällige Nennung von Tyrrhenien und Libyen die eigentlichen Atlantisgebiete verborgen liegen, die im altägyptischen Original tatsächlich noch im zentralen Atlantis-Zusammenhang angeführt worden sein konnten und erst durch Begriffsverwechslungen bzw. Übersetzungsfehler folglich in der griechischen Übertragung auf eine der Nebenrollen verwiesen wurden. Aber auch schon die Vorurteile unter den attischen Gelehrten zu diesen ihnen damals best bekannten Regionen wären ausreichend gewesen, einen derart aufkommenden Zusammenhang auszuräumen und zwar aufgrund sowohl äußerer Widerstände (offensichtlich fehlender Indizien), als auch innerer Widerstände (Nationalstolz, Eifersüchteleien zwischen dem alten griechischen Mutterland und der Magna Greca im Westen). Diese Umstände machen verständlich, dass es für Atlantis schon sehr früh das Beste war, wenn es sich auch geographisch in eine möglichst unerreichbare Ferne verzieht. Immerhin trägt dieser phantastische Aspekt bis heute zur geheimnisvollen Anziehung Atlantis bei.
Ebenso wird hier ersichtlich angenommen, dass Platon in der Schilderung seines zentralen Atlantis-Bereichs einfachhalber und effektvoller mehrere in der Realität weiter auseinanderliegende örtliche Merkmale zusammengefasst hat. Träume machen das übrigens auch.
 

3.3.1. Die Rekonstruktions-Graphik

Mit der vereinfachten Rekonstruktionsgraphik lässt sich die gewonnene geographische Situation des georteten Atlantis-Gebiets auf einen ersten Blick überschauen. Dabei konnten nur die wichtigsten Details berücksichtigt werden. Zum besseren Verständnis der weiteren Ortungsergebnisse ist ein Atlas erforderlich. 

Die atlantischen Siedlungen in zwei ergänzenden Ordnungsreihen

nach Bedeutung geordnet:

    1. Atlantis-Vulcano (die atlantische Vulkaninsel mit Bergbau als bedeutendster Kulturfaktor)
    2. Atlantis-Syrte (die atlantische Kanal-Stadt mit größter Hafenanlage)
    3. Atlantis-Palinuro (erste Gründung)
    4. Atlantis-Malta 
    5. Atlantis-Fezzan


nach Größe/Einwohner geordnet:

    1. Atlantis-Syrte
    2. Atlantis-Vulcano
    3. Atlantis-Palinuro
    4. Atlantis-Fezzan
    5. Atlantis-Malta

3.3.2. Ergänzende Hinweise

Ehe ein weiterer Einblick über die Zusammenhänge um das Atlantis-Gebiet in den Hauptmythen geworfen wird, noch einige, punktuell ergänzende Zwischenbemerkungen zu den bisherigen Ortungsergebnissen.
 

    • Es ist anzunehmen, dass Platon in seinen Atlantisschriften aus mindestens zwei der bedeutendsten Atlantis-Siedlungen (Atlantis-Vulcano und Atlantis-Syrte) vereinfacht seine große Atlantis-Stadt gezaubert hat. Ebenso kommt das hier dargestellte Ortungsergebnis für den Atlantis-Staat zu einem relativ komplexen Landschaftsgebiet, das aus steinzeitlicher oder auch noch aus bronzezeitlicher Sicht nur schwer verständlich für spätere Epochen hätte überliefert werden können. Bekanntlich wurde dann Atlantis aus den daraus resultierenden Widersprüchlichkeiten gerne vereinfacht zu einer Insel oder einem "Insel-Kontinent" im Westen gemacht. Derartig verdichtende Überlieferungs-Verfahren sind auch bei den mythischen Heldenfiguren gängig und im Falle "Dietrich von Bern" näher erläutert worden.
    • Auf den äolischen Atlantis-Inseln (Atlantis-Vulcano) wird unter anderem das von Platon erwähnte "Oreichalkos" (griech. Bergerz) abgebaut: Es bezieht sich hauptsächlich auf das Eisenerzvorkommen in Form von Hämatit und Pyrit. Rötel (Hämatit-Eisenrot mit Ton oder Kreide vermischt) wird bekanntlich in der Altsteinzeit haufenweise in kultischen Handlungen verwendet. Diese steinzeitlichen Bodenschätze stellen eine Schlüsselstelle in den verschiedenen, mythischen Überlieferungen dar, auf die noch ausführlicher eingegangen wird.
    • Von der einfachen Identifizierung Siziliens als Atlantis-Insel wird in dieser Arbeit Abstand genommen, da sie wie bereits erwähnt, von den Atlantern als höchste Götterinsel angesehen wurde und diese folglich aus dem Rahmen der üblichen siedlungsgeschichtlichen Bedeutung fallen muß. Dieser entscheidende Situations-Unterschied wird im Verlauf der weiteren Analysen noch eingehender erläutert.
    • Malta: Der Name der Insel Malta könnte auf einen verwandten Rest- bzw. Reliktlaut der atlantischen Bezeichnung hindeuten. Beispielsweise lautet dieser umgekehrt geschrieben: Atlam. Doch auch, wenn früher einmal die Insel Malta für Atlantis gehalten worden wäre, hat man es nach der hier vorliegenden Arbeit, erst mit einem Bruchteil von Atlantis zu tun, der auch noch als verschollen zu gelten hat. Denn die entscheidenden atlantischen Spuren auf Malta dürften noch immer nicht entdeckt worden sein. Die bekannten Megalithbauten Maltas stammen aus späteren jungsteinzeitlichen Nachsiedlern.
    • Fezzan: Hierzu sind auch bis zu 12.000 Jahre alte Felsbilder bekannt. Die bemalten Felsbilder sind in den Farben rotbraun, weiß und schwarz ausgeführt. Diese Farbenpriorität wird auch von Platon in Zusammenhang mit den atlantischen Gebäudefarben genannt. Aus der Rekonstruktionsanalyse - Atlantis in der Genesis - (s.u.) resultiert die Identität von Ur-Eden mit Atlantis-Fezzan. Daraus ergäbe sich also ein Überlieferungsweg, der in diesem libyschen Atlantis-Gebiet seinen Ursprung hat und über die Verbindung Ägypten-Babylon nach Palästina gelangen konnte, ähnlich wie jene von Ägypten-Griechenland zu Platon.
    • Der altgriechische Geschichtsschreiber Herodot berichtete vor Platon von einem Volk der Atlanter, welches südöstlich des Atlas-Gebirges in Nordafrika gelebt haben soll. Dieses Areal fiele nicht nur wie zumeist angenommen auf Algerien-Tunesien, sondern könnte sich auch noch auf Teile Libyen, wie das Gebiet um Fezzan bezogen haben.
    • In den Überlieferungen von nordafrikanischen Stämmen taucht ebenso ein westliches Inselreich namens Atarantes oder Atlantioi auf.
    • Nach der "Argonautica" lässt ein heftiger Seesturm die Argo in der libyschen Wüste stranden - zwölf Schlepp-Tage von der tritonischen Meeresbucht entfernt. Dieser Sagenteil passt so gar nicht ins Ur-Argonautenepos, wurde also nachträglich eingebaut und stützt sich eher auf ein merkwürdiges Vorkommnis, bei dem in einem libyschen Wüstenbereich ein Schiff gefunden worden sein könnte. Es könnte sich dabei um ein Atlanter-Schiff aus dem Atlantis-Syrte-Bereich gehandelt haben, der mit der Zeit vom Wüstensand überdeckt wurde. Eines Tages könnte ein Wüstensturm jenes Wüstenschiff zum Staunen der Ansässigen teilweise freigelegt haben, das dann in die Seefahrtslegenden eingegangen ist und schließlich in der "Argonautica" landete. Die bislang noch nicht einwandfrei lokalisierte tritonische Meeresbucht entspräche demnach der großen Syrte.
    • Tunesien: Robert Graves vermutet um 1930 Atlantis am "Triton-See" - einer Salzlagune nahe der kleinen Syrte, die vor 5000 Jahren austrocknete. Albert Hermann plädierte ebenso für ein Atlantis in Tunesien.

3.4. Einblick umfassender Zusammenhänge in Mythen um Atlantis

Nach den ersten vorangegangenen Anknüpfungen zur möglichen Atlantis-Existenz sollen diese nachfolgend noch anhand mehrerer bekannter Hauptmythen weiter ausgeführt und vertieft werden, um hier bislang übersehene Zusammenhänge offen zu legen. Ziel dieser Analyse ist es sich vorerst mit relativ wenig Ressourcen an das Wesentlichste der Überlieferungen heranzumachen und somit trotz Verzicht auf Vollständigkeit Atlantis auch gesamt-mythologisch näher einzugrenzen und treffen zu können.

3.4.1. Atlantis - Land der Titanen 1

Die obgenannten fünf atlantischen Stadtgründungen könnten den fünf männlichen Zwillingspaaren des kurz dargestellten Staatsgründungsmythos von Atlantis entsprechen. In diesem Zusammenhang ist der Gründungsmythos des Stadtstaats Rom erwähnenswert, der sich ebenso auf ein männliches Zwillingspaar bezieht. Höchstwahrscheinlich galt früher die Geburt männlicher Zwillingspaare als Hinweis für besonderes Glück und Fruchtbarkeit - somit auch würdig damit eine Stadtgründung symbolisch zu verbinden. Anderseits ist dieses Glück jedoch bekanntlich auch mit Neid verbunden, womit solche Geschichten dann wiederum oft unglücklich enden müssen. 

Diese These muß nicht der anderen oben angesprochenen Gründungsthese zu den äolischen Zwillings-Inseln widersprechen, sondern kann aus dem Entsprechungsdenken (nach Analogien orientiertes Denken und Handeln - wie in der Astrologie) der früheren Menschen verstanden werden. Demnach könnten die fünf bis sechs Zwillingsinseln (entsprechend niederer Meeresspiegelebenen) nach einem weiteren Denkmuster auch ein zentral-kultisches Abbild des atlantischen Gesamtstaates dargestellt haben - sowie ein Horoskop als Abbild für eine kosmische Situation stehen kann. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang der später gebildete äolische Staatsmythos aus sechs männlich-weiblichen Zwillingspaaren, der dem bis heute gültigen astrologischen Einteilungssystem entspricht (sechs männliche und sechs weibliche Tierkreiszeichen). Damit wurde aus der zuvor dominanten Anzahl 10 die 12, was sich auf ähnlicher Weise in der Herkulessage wiederholt (siehe dazu weiter unten). Diese Beziehungen lassen sich noch weiter zu den Titanen und Nymphen zurückverfolgen, also dem ältesten und nicht-griechischen Göttergeschlecht. Dieses wird hier folglich einer ältesten Kultur im Westen, hier dem Atlantis oder altgriechisch zu Hesperia zugeordnet:

Die Titanen entstammen nach der griechischen Mythologie aus der Urmutter Gaia-Gäa (Erde) und ihrem erstgeborenen Sohn Uranos (hier erster Gott-Himmel-Bezug), den sie durch Tartaros (Unterwelt) zur Welt gebracht hat. Dazu ist meistens das äolische Familienkonzept überliefert: sechs Paare mit sechs Söhnen und Töchtern, die sich heiraten. Aus einen dieser Paare leitet sich dann auch Atlas ab. Auf die Titanen werden allerlei Kulturtechniken zurückgeführt und die Erschaffung des ersten Menschengeschlechts. Unter der Führung des Titan Kronos erhalten sie von ihrer Urmutter Gaia eine diamantene Sichel, mit dem sie ihren Vater Uranos entmannen und ihn somit aus der göttlichen Alleinherrschaft absetzen. Kronos trifft dieses Los später ebenso durch seinen Sohn Zeus, der eine neue, die olympische Götterdynastie in Griechenland gründet. Diese sogenannten Titanenkämpfe sind ein wesentlicher Bestandteil im Übergang von einer vorgriechischen zur altgriechischen Kultur. Leider sind dazu kaum nähere Überlieferungen erhalten geblieben. Indirekt lassen sich jedoch aus der griechischen Mythologie zahlreiche Beziehungen ableiten, die auf eine entsprechende Urkultur in westlicher Richtung weisen.

Die Pleiaden zählen zu den Töchtern Atlas, daher auch Atlantiden genannt. Es sind die sieben Nymphen, die Zeus schließlich als bekanntes Siebengestirn ins Sternbild Stier verbannt haben soll. Es ist neben dem Sternbild Orion das bekannteste und älteste Anzeige- und Orientierungsinstrument am nächtlichen Firmament - etwa für die frühe Schifffahrt oder den Landbau. Die Auffälligkeit des Gestirns machte es in vielen Kulturen bekannt. Eine der ältesten Aufzeichnungen befinden sich wahrscheinlich in den Höhlen von Lascaux und auf der Himmelsscheibe von Nebra. Die Form des Siebengestirns erinnert an die Gestalt des äolischen Inselarchipels, welches ebenso sieben größere Inseln besitzt (aufgrund des angewachsenen Meeresspiegelstandes). In der griechischen Mythologie werden die jungfräulichen Plejaden vom riesenhaften Jäger Orion gejagt, dem das eindrucksvollste Sternbild am Himmel zugeordnet ist. Gürtel und Schwertgehänge des Sternbildes erinnern wieder an den Hauptteil des äolischen Inselbogens. Möglicherweise könnte dieses Sternbild ursprünglichst den Vater der Plejaden Atlas und noch passender ihren Urgroßvater Uranos repräsentiert haben. Der Name Orion geht übrigens auf den Namen Urion zurück, der wieder auf Uranos zurückzuführen sein könnte. Bekanntlich wird Uranos durch Entmannung abgesetzt, während Urion durch Urinieren auf die Reste einer Rindermahlzeit von Zeus, Poseidon und Hermes gezeugt wird - was auch auf eine Herabsetzung Uranos als Urzeitjäger Urion durch die Olympier hindeuten könnte.

Die Hyaden: Je nach Überlieferung zählen diese Nymphen zwischen fünf und sieben Schwestern, die auch Atlas oder Okeanos zum Vater haben sollen. Auch sie leuchten als Hyaden-Sternhaufen im Sternbild Stier. Die Zahlen zwischen fünf und sieben sind wieder je nach Meeresspiegelstand für das äolische Inselarchipel von Bedeutung.

Die Hesperiden: Diese Nymphengruppe der Nacht werden je nach Überlieferung mit drei bis sieben beziffert, die ebenso Atlas oder einen seiner Verwandten als Vater benennen. Sie sind eindeutiger mit einem Inselland im Westen der Welt verbunden (zu griech. Hesperos - Abend, Hesperia, Abendland = Italien, eine andere, griechische Bezeichnung, die indirekt auf das Atlantis-Gebiet hinweist) und scheinen diesbezüglich öfters in anderen Mythen auf. Auf diesem bewachen sie in einem Garten die goldenen Äpfel. Die Hesperiden werden im Verlauf der weiteren Analysen noch öfters vorkommen.

Offensichtlich war also Atlantis ein Titanis, das Land der Titanen. Demnach müssten auch noch weitere Spuren in griechischen und weit ferneren Mythen zu finden sein, deren Schlüsselbedeutungen (Namen, Symbole, Zahlenangaben, Ortsbeziehungen ...) jedoch aufgrund der sehr hohen Überlieferungsdauer sich bis zur Unkenntlichkeit ausgewechselt und verändert haben konnten. Das Aufdecken derartiger Spuren in mehreren Hauptmythen bezüglich ihrer ursprünglichen Zusammenhänge und analogen Bedeutungen hin zu Atlantis und von dort wieder weg (Abwendung durch die titanische Katastrophe) ist entscheidend für den Wert dieser Untersuchungsrichtung.
 

3.4.2. Die Bedeutung Siziliens zu Atlantis 

Die Insel Sizilien muß den Atlantern als heiligste Götterinsel gegolten haben und wurde mit einem strengen Tabu belegt. Wie zu erfahren sein wird, kommt dieses Tabu noch in den späteren Mythen zum Ausdruck: Perseus darf auf der Insel nicht landen. Herkules erhält erst durch Prometheus die Einweisung zu diesem mysteriösen Land. Odysseus befolgt das Tabu nicht und verliert daraufhin auch alle seine übriggebliebenen Gefährten. Das mag nicht nur aus heutiger Sicht unverständlich klingen. Bereits den antiken Griechen dürfte der Hintergrund nicht mehr richtig geläufig gewesen sein, denn sie haben sich ja auch selbst - natürlich unbewusst - nicht mehr daran gehalten. 

Das Betreten Siziliens in einer bestimmten Epoche der Steinzeit dürfte also dem Herumtrampeln nicht nur auf irgendeinem, sondern auf dem damals höchsten Gott entsprochen haben. Aus dieser Sichtweise, hätte sich das jener Hauptgott sicher nicht lange gefallen lassen. Aber warum gerade Sizilien? Sizilien ist nicht nur die größte und bedeutendste Mittelmeerinsel. Sizilien besitzt auch weit und breit den höchsten Berg und der ist sogar ein Vulkan. Das Vulkanische dürfte in dieser atlantischen Kulturepoche das Merkmal besonderer Göttlichkeit dargestellt haben. Hier konnte erfahren werden, dass diese Erde wirklich lebt, sich bewegt und atmet, ähnlich wie bei den Menschen - nur war die Erde, das Land viel größer und mächtiger als die Menschlein. Und der sizilianische Erdteil schien ein besonders gigantischer Gott zu sein, wohl der Größte seiner Art. Hätte man also auf diesem höchsten Gott ungestraft da seinen menschlich-niederen Beweggründen nachgehen können? Wohl kaum.

Die markante Dreiecksform Siziliens dürfte bereits sehr früh erkannt worden sein. Diese Form ist noch in ihrem älteren Namen Trinakria oder Thrinakia (bei Homer) enthalten. Poseidon (ältere Namensbeziehung auch: Triton [~>Titan]), Beherrscher von Wasser und Erde trägt einen Dreizack, was auch auf diese Insel, sein zentrales Herrschafts- und Ursprungsgebiet hinweisen könnte. Dabei muß berücksichtigt werden, dass der Poseidon bereits der neueren, griechischen Gottheit und menschengestaltigen Gottesvorstellung entspricht. Nach Platon ist Atlas sein ältester Sohn mit Kleito (nach der orthodoxen Genealogie sind es aber die titanischen Eltern Iapedos und Klymene), der Namensgeber der atlantischen Kultur. Er steht höchstwahrscheinlich auch mit dem vulkanischen Götterberg Ätna-Atlas in Verbindung.

Sizilien dürfte ursprünglich - neben den äolischen Inseln - auch zur "Insel der Hesperiden" gezählt haben, die auch der "Insel der Seligen" entspricht. Traditionell wird diese weiter westlich vermutet - wie auch Atlantis - was jedoch auf spätere griechisch-klassische Fehlinterpretationen zurückzuführen ist. Die Hesperiden waren Nachtnymphen, die die goldenen Äpfel (= Pyrit: ein Schwefeleisenerz = zu "Oreichalkos" des atlantischen Bergerzes)* bewachten - die Götterspeise der Steinzeitkulturen, entsprechend ihrer Götter aus Stein (Berg, Megalith). Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch die "Insel der Äpfel" im Keltentum mit selbiger Bedeutung: Avalon. Als "Hevila" ist sie mit Italien (altgriech. Hesperia - das Abendland) im Buche Genesis eingebunden (siehe dazu weiter unten). 

Eine der letzten Aufgaben von Herkules war es, diese goldenen Äpfel vom ästereichen Baum jenes heiligen Gartens zu erbeuten, der vom hundertköpfigen Drachen Ladon überwacht wurde. Der Baum und der Drachen könnten gleichermaßen auf den Vulkan Ätna-Atlas hinweisen (siehe dazu auch die mögliche Bedeutungsrichtung Ätna-Atlas-Weltenbaum weiter unten). Es gelang ihm schließlich durch die Überlistung von Atlas. Aber weder ihm, noch der Überlieferung war jener Garten der Hesperiden näher bekannt, was darauf hinweist, dass selbst die alten Griechen keine Gewissheit mehr darüber hatten, wo genau sich dieses Land befand - und folglich diesen Mythenkomplex noch weit hinter die altgriechische Kultur zurückversetzen lässt.

Der heilige Verzicht auf Sizilien durfte den Atlantern jedoch nicht schwer gefallen sein. Da bald nach der Besiedlung des ohnehin bodenschatzreichen, äolischen Archipels - Malta und Libyen entdeckt und kolonialisiert wurden. Libyen muß durch seine damals reichhaltige Flora und Fauna dem Garten Eden der Atlanter entsprochen haben, aus dem sie später durch das Unglück vertrieben wurden, das später in allen bekannten Mythen als Gottesstrafe interpretiert wurde. Die bekannteste dieser Interpretationen ist in der biblischen Genesis verewigt. Demnach waren sogar Adam und Eva Atlantiden (siehe dazu die nähere Ausführung weiter unten). Darauf weist sowohl der verbotene Gartenbereich, wie auch der verbotene Baum hin, als auch die anschließende Vertreibung nach dem Genuss jener Paradiesäpfel - ein häufig kopiertes Mythenmuster also. Dass es sich hierbei ursprünglich um begehrte Bodenschätze (wie auch der Götterspeise) gehandelt haben muß, darf weiter nicht wundern: noch im Mittelalter ist diese symbolische Beziehung unter den Bergbauvölkern gebräuchlich. Das bekannteste Beispiel hierfür lässt sich aus dem Epos König Laurin ableiten, indem sein Bergbaufeld als verbotener Rosengarten übertragen ist.

Fazit: Sizilien darf trotzdem nicht mit Atlantis gleichgesetzt werden. Entsprechende Vermutungen rühren auch daher, da Platons Atlantis-Beschreibungen relativ gut zu Sizilien passen würden, was nicht weiter verwundert, da er die Insel von drei Reisen her kannte - insbesondere den Landstrich Ätna-Syrakus - und daraus seine Erfahrungen in bestimmten Dialog-Schriften einbringen konnte. Sizilien steht also zu Atlantis in einer Sonderstellung und fällt aus dem Rahmen der atlantischen Siedlungsgeschichte. Wie bereits erwähnt und noch weiter auszuführen ist, beschäftigt jene mysteriöse Aura der heiligen Unberührbarkeit dieser Götterinsel die diesbezüglichen Mythen noch nach Jahrtausenden.

*die goldenen Äpfel - mineralische Götterspeise = Pyrit, ein Schwefeleisenerz (Zusätzlich sind in diesem Zusammenhang auch noch Schwefelkristalle oder andere natürliche Schwefelverbindungen möglich.)
Diese symbolische Darstellung lässt sich auch sprachlich herleiten. Die im Altgriechischen noch erhaltene gleiche oder ähnliche Wortwurzel von Schwefel (theion) und Gottheit (tó theion) weist auf die gleiche Ursprungs- bzw. Bedeutungsebene hin:

theion 
tó theion 
theios

Schwefel
Gottheit
göttlich

qeiow
1. schwefeln, durch Schwefel reinigen (-> theion)
2. göttlich machen, den Göttern weihen (-> theios) 

Diese goldgelben, schwefeligen Weihrauchfrüchte könnten also den Göttern geweiht worden sein, während Rötel (Eisenrot + Ocker) den Menschen, dem sterblichen Leben zugesprochen wurde. Aus diesem Kontext heraus verstehen sich auch die tödlichen, schwefeldampfenden Haine und Berge (Drachen) umso mehr als gottgeweihte Stätten. Widerhandlungen waren strafbar (Atlantis-Katastrophe, Ursünde, ...). Im Prometheus-Mythos (lat. Luzifer) kommt dieser Konflikt zwischen Gott-Mensch, Religion und materiell-technischen Fortschritt am deutlichsten zum Ausdruck, indem ein ursprüngliches Goldenes Zeitalter von einem Eisernen Zeitalter abgelöst wurde, wobei letzteres vom eigennützigen Gebrauch der Erze bestimmt wurde, was die Menschen in Krieg und Not gestürzt haben soll. (Anm.: In einer anderen mythischen Version wird da noch eine Übergangsepoche eingefügt, was aber letztlich aufs selbe rauskommt.)

Daneben kann im Griechischen noch eine Verbindung zum "Goldenen Vlies" der Argonauten hergestellt werden: Äpfel und Schafe sind im Altgriechischen ebenso Synonyme - wortgleich. Daraus ergibt sich eine Bedeutungsbrücke zwischen dem "Goldenen Vlies" (Widderfell) an der damaligen, östlichen Weltgrenze und den ursprünglicheren "Goldenen Äpfeln" an der westlichen Weltgrenze. Dementsprechend sind es später bei Odysseus auch keine Äpfel mehr, sondern Helios heilige Herden aus Schafen, ergänzt mit Rindern, die unter einem Tabu standen.
Die letzten zusammenhängenden Synonym-Beziehungen in Übersicht:

malis
malo, melo 
mallos
mallon, lat. melior
malamma, chrysos

Apfelbaum
Apfel
Vlies
besser, lieber, ...
Gold

3.4.3. Atlantis in der Perseussage und in der Odyssee

Die Perseussage deutet auf eine Nachfolgekultur von Atlantis im fernen Äthiopien hin. Sie ist gleichzeitig die Sage, auf der die meisten Sternbilder zurückgehen und damit auch auf eine sehr alte Seefahrer-Kultur hinweist. Diese frühzeitliche Art von mythologisch verquickter Natur- und Geschichtsdarstellung ist ein typisches Merkmal. Dabei hat man die geographische Landschaft im besonderen Maße eingebunden, was auf eine erste Form systematischer Welt-Orientierung zwischen Himmel und Erde schließen lässt.

Folgender Auszug aus der Perseussage führt den Helden in eine Reise durch das Atlantisgebiet in Nord-Süd-Richtung. Der Schwerpunkt dieser Reisebeschreibung bildet die nördliche Atlantis-Zone, aus denen die wenigsten Atlanter überlebten. Im Gegensatz zum Herkules-Pendant (siehe unten) fällt diese Beschreibung auch entsprechend grauenhaft aus. Der Held setzt sich jedoch ähnlich erfolgreich durch. Er könnte auf einen nach-atlantischen Gründerhelden zurückzuführen sein, der später samt seiner Sage in den altgriechischen Kulturkreis eingegliedert wurde. Ursprünglich - nach den Erzählungen der Atlantis-Überlebenden - dürfte diese Darstellung in einem anderen Kontext gestanden haben. Mythen werden bekanntlich mit zunehmender Überlieferungsdauer von anderen Völkern gemäß ihrer Verhältnisse angepasst übernommen. So wird der Atlantis-Mythos beispielsweise heute gerne science-fiction-mäßig ausgelegt. Von der folgenden griechisch-klassischen Anpassung führen in Klammern unterstrichene Erklärungen zu den ursprünglicheren Atlantis-Ortungen hin:

"Perseus machte sich auf den Weg und kam unter der Götter Leitung in die ferne Gegend (Tyrrhenien) des Phorkus (Meergreis, ein Ur-Poseidon), der Vater vieler entsetzlicher Ungeheuer. Hier traf er zuerst auf drei seiner Töchter, die Gräen oder Grauen (Pontische Inseln, vor dem Monte Circeo). Diese waren grauhaarig von Geburt an (aus Lavagestein). Alle drei mit einander hatten nur ein Auge und einen Zahn, die sie einander gegenseitig abwechslungsweise zum Gebrauche liehen. Perseus nahm ihnen beides weg und als sie ihn flehentlich baten, das Unentbehrlichste ihnen doch wieder zu geben, zeigte er sich zur Zurückerstattung nur unter der Bedingung bereit, dass sie ihm den Weg zu den Nymphen zeigen sollten. Dieses waren andere Wundergeschöpfe, die Flügelschuhe, einen Schubsack als Tasche und einen Helm von Hundefell besaßen. Wer sich damit bekleidete, konnte fliegen, wohin er wollte, sah, wen er wollte und wurde von niemanden gesehen. Die Töchter des Phorkus zeigten dem Perseus den Weg zu den Nymphen und erhielten Zahn und Auge von ihm zurück. Bei den Nymphen (Insel Ischia) fand und nahm er, was er wollte, warf den Schubsack um schnallte die Flügelschuhe an seine Knöchel und setzte den Helm aufs Haupt. Dazu erhielt er von Hermes-Merkurius eine eherne Sichel und so ausgerüstet flog er zu dem Ozean, wo die anderen drei Töchter des Phorkus, die Gorgonen hausten (Vulkanöffnungen des äolischen Archipels und ihre Ausscheidungen). Die dritte, die Medusa hieß (Vulkankrater des täglich erwachenden Strombolis), war allein sterblich. Darum war auch Perseus ausgesandt worden, ihr Haupt zu holen. Er fand die Ungeheuer schlafend. (Es folgt eine archaische Vulkan-Beschreibung:) Ihre Häupter waren mit Drachenschuppen übersät, mit Schlangen statt Haaren bedeckt (Lava, Lava-Gestein, vegetationslos). Große Hauzähne hatten sie wie Schweine eherne Hände und goldene Flügel mit welchen sie flogen (Vulkan-Auswürfe). Jeden, der sie ansah, verwandelte dieser Anblick in Stein (Wirkung des blendend-heißen Magmas im Kraterloch). Das wusste Perseus. Mit abgewandtem Gesicht stellte er sich deswegen vor die Schlafenden (schlafende Vulkankrater) und fing nur in seinem ehernen, glänzenden Schilde ihr dreifaches Bild auf. So erkannte er die Gorgo Medusa heraus, Minerva (Göttin der Weisheit) führte ihm die Hand und er schnitt dem schlafenden Ungeheuer ohne Gefahr das Haupt ab (Zur Erinnerung: Ähnliches Abtrennungsmuster geschieht mit den Göttern Uranos und Kronos durch Entmannung - die 'Titanenkämpfe': Vulkankatastrophen.). Kaum war dies vollbracht, so entsprang dem Rumpfe ein geflügeltes Ross, der Pegasus (die Vulkanwolke, Pe-gasus - Gas) und ein Riese Chrysaor (griech. Goldschwert, passend auch zum Vulkanberg des Stromboli und seinem goldfeurigen Auswurf). Beides waren Geschöpfe des Poseidon. Perseus schob nun das Haupt der Medusa (könnte dem heißen Kraterloch entsprechen oder dem Magma. Zu Medusa: Medium-Mitte, Medulla-Mark, das Innere, also auch Magma, ferner entsprechende mineralische Bodenschätze) in den Schubsack und entfernte sich rücklings, wie er gekommen war. Indessen hatten sich die Schwestern Medusas vom Lager erhoben. Sie erblickten den Rumpf der getöteten Schwester und erhoben sich auf ihren Fittichen, den Räuber zu verfolgen. Diesen aber verbarg der Nymphenhelm vor ihren Augen und sie konnten ihn nirgends inne werden."
 


Aktiver Vulkankrater als Schlangenhaupt der  Gorgone Medusa
(Zeichnung aus der Antike - hier eingefärbt)


Re: ägypt. Sonnengott-Symbolik mit Sonnenhaupt-Schlange ~ Vulkanöffnung

Ergänzende Erklärungen: Dieser Perseus-Medusa-Akt weist am anschaulichsten auf die zweifache Gefahr hin, die hier von den Vulkanen ausgeht: die natürliche Gefahr und die Nutzungsgefahr, in der sich der Mensch aussetzt, wenn er für sich daraus einen Gewinn herausnimmt. Letzteres bezieht sich auf die Entdeckung des Metallerzschmelzens, die von diesen Vulkanen abgeschaut oder gestohlen werden konnte (Wie bereits oben erwähnt, könnte sich die Entwicklung erster Metallerzschmelzung auf der Insel Vulcano ergeben haben.). Perseus kann hier sogar ziemlich arrogant der Götter-Strafe entgehen, Prometheus nicht. Früher galt eben Lernen als Diebstahl an bestimmten Göttern. Der Strafe konnte man aber hier später entgehen, wenn man diesen Akt unter der Obhut einflussreicherer Götter vornimmt: hier durch Hermes und Minerva. Hermes-Merkur (von ihm bekommt er die Sichel) steht auch für beides: für Diebstahl und Lernen. Minerva (hilft bei der Durchführung) steht für Wissen, Weisheit. Hier auch erwähnenswert die lateinische Wortverbindung: Minera für Erzgang.

Wie bereits hingewiesen ist Luzifer-Adam-Eva auch nur ein Pendant des Perseus, Prometheus oder Herkules, die alle aus diesem vulkanischen Baum-Berg der Erkenntnis, mineralische Götterspeise "gestohlen", angeeignet und so ihre Nutzung kennen gelernt haben: Damit könnte ebenso der erste bedeutende Schritt vom Feuerstein zur Metallurgie gekennzeichnet werden. Die nachfolgenden Interpretationsunterschiede bis zu den schriftlichen Vergleichsmöglichkeiten ergeben sich aus der atlantischen Diaspora und durch mündliche Überlieferungen unterschiedlicher Zeitspannen von mehreren tausend Jahren.

So kann beispielsweise aus der obigen ägyptischen Sonnengottdarstellung des Re-Harachte-Aspekts zwar nicht mehr so eindeutig auf den Vulkanbezug geschlossen werden. Wird jedoch der weitere Sonnenverlauf unter der Erde hindurch in der Darstellung des Re-Atum-Aspekts verfolgt, fällt auf, dass dieser von mehreren Gottheiten bewacht werden mußte, da die alten Ägypter in dieser Phase anscheinend die höllische Gefahr der unterirdischen Sonnenaktivität auch in Form von möglichen Vulkanausbrüchen aus der Unterwelt verbunden haben durften.

Hinweis: Den folgenden Atlas-Teil habe ich hier logistisch vor den Libyen-Teil versetzt. Aus klassischer Sicht wird nämlich Atlas irrtümlicherweise mit dem marokkanischen Atlas-Gebirge gleichgesetzt und folgt daher in der klassischen Erzählung nach dem Libyen-Teil. Die Nennung des nordwestafrikanischen Gebirges nach dem Gottkönig Atlas erfolgte relativ spät. Ursprünglichere Namen wären: Dyris (nach Strabon), Daran (nach Plinius).

"Perseus flog nun weiter und senkte sich endlich im Reiche des Königs Atlas (Ätna-Sizilien) nieder, um ein wenig zu rasten. Dieser hütete einen Hain voll goldener Früchte (Pyrit, 'Oreichalkos', Bergerze) mit einem gewaltigen Drachen (Vulkan). Umsonst bat der Bezwinger der Gorgone ihn um ein Obdach. Für sein goldenes Besitztum bange, stieß ihn Atlas unbarmherzig von seinem Palast fort (zur Erinnerung: Bei Odysseus begegnet uns dieser Tabu-Ort als Helios heiliger Hain. Odysseus verletzt jenes Tabu mit seinen Gefährten, worauf er diese alle verliert.). Da ergrimmte Perseus und sprach: ‚Du willst mir nichts gönnen, empfange du wenigstens ein Geschenk von mir.’ Er holte die Gorgo aus seinem Schubsack hervor, wandte sich ab und streckte sie dem König Atlas entgegen. Groß wie der König war, wurde er augenblicklich zu Stein und in einen Berg verwandelt (Hier erkennt man also: der Gottkönig ist im Grunde ein Berg. Der Ätna, ein zum Himmel rauchender Bergriese, kommt jenem 'Himmelsträger-Image' jedoch besser zu gute, als dem dafür traditionell zugeordneten Atlas-Gebirge). Perseus nahm seine Fittiche wieder und schnallte sie sich an die Sohlen, hängte sich den Schubsack um, setzte sich den Helm auf und schwang sich in die Lüfte. In der Luft fassten inzwischen den Perseus die Winde und schleuderten ihn, wie Regengewolken bald da, bald dorthin. Als er über den Sandwüsten Libyens schwebte, rieselten blutige Tropfen vom Medusenhaupte auf die Erde nieder (Der vulkanische Auswurf der Atlantis-Katastrophe flog bis nach Libyen), welche sie auffing und zu bunten Schlangen belebte (Die Auswirkung der Atlantiskatastrophe: Verwüstung und einsetzende Wüstenbildung Libyens. Die Kaltblütler, wie die Schlangen können größere Temperaturunterschiede dieser Folgewirkung überleben, als es den Säugetieren möglich ist.). Seitdem ist jenes Erdreich an feindseligen Nattern so ergiebig. Auf einem Fluge kam er an die Küste Äthiopiens, wo der König Kepheus regierte. (Ein Teil der Atlanter zieht nach Äthiopien ab.)"

Weiterer Sagenverlauf zusammenfassend: Andromeda war die Tochter des Königs Kepheus von Äthiopien und der Königin Kassiopeia. Andromedas Unglück begann am Tag, als ihre Mutter sich rühmte, schöner zu sein als die Nereiden, eine besonders verführerische Schar von Meeresnymphen (eigenartiger Italien-Äthiopien-Bezug). Die beleidigten Nereiden baten daraufhin den Meeresgott Poseidon, sie zu bestrafen. Dieser schickte dann ein Ungeheuer, das die Küste des Landes verwüstete (Hier klingt also wieder eine Erinnerung an die Atlantis-Katastrophe bzw. Strafe nach). Der König befragte in seiner Not das Orakel von Ammon und erhielt die Antwort, er müsse seine jungfräuliche Tochter opfern, um das Ungeheuer zu besänftigen. Andromeda wurde deshalb an einen Felsen gekettet, und dem Walfisch zum Fraß überlassen. (Prometheus-Analogie: Bei ihm frisst täglich ein Adler von der Leber.) Als Andromeda so an dem Felsen stand, kam der Held Perseus vorbei und sah die weinende Andromeda. Er tötete daraufhin das Ungeheuer, kettete Andromeda vom Felsen los (Prometheus wird von Herkules gerettet, weil er ihm den Ort der goldenen Äpfel zeigen kann.) und nahm sie zu seiner Braut, die ihm später sechs Kinder gebar. Die Konkurrenten versteinerte er wieder mit Hilfe des Medusenhauptes.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist ebenso Poseidons Erscheinen von Äthiopien kommend zum Zeitpunkt, als Odysseus es beinahe geschafft hat, sich aus Italien zu entziehen, um Poseidons auferlegter Strafe zu entkommen, ihn dann aber nochmals durch einen heftigen Seesturm nach Italien zurückwirft - also damals noch ins Land ohne Heim- oder Wiederkehr, an der westlichen Weltgrenze. Anscheinend vermitteln hier Dichter nicht mehr bewusste, jedoch tiefverwurzelte, mythische Zusammenhänge - die sonst nur Eingeweihten zugänglich wären. So ist hier Poseidons plötzliches und ebenso eigenartiges Erscheinen aus Äthiopiens Richtung kommend dadurch erklärbar, dass Äthiopien und Ägypten die Zufluchtsorte von Atlantis-Überlebenden darstellen können und jenes Katastrophen-Traumata noch Jahrtausende nachwirkt, hin zu jenen Informationsspuren bei Prometheus, Perseus, Herakles, Adam, Odysseus, Homer, Herodot und darüber hinaus. Daher müsste die abschwächende These "Platon sei der einzige und zweifelhafte Atlantis-Überlieferer" längst überholt sein, da seine Hinweise zu Atlantis nicht so alleine dastehen, wie es sich auf dem ersten Blick darstellt. Es existierten lange vor Platon viele, verschiedene, wenn auch verborgene oder nicht direkt zugängliche Spuren, die in Richtung Atlantis weisen. Wie die Perseusreise so führt auch die bekanntere Odysee überwiegend durch atlantisch-titanisches Gebiet. Odysseus kämpft gegen die Kyklopen und Giganten (Verwandte der Titanen auf dem Festland), kommt zweimal zu den äolischen Inseln, wo Gottkönig Äolos herrscht (Sohn Poseidons, verwandt mit der Dynastie um Atlas), besucht Circe (Tochter Helios, ein Titanide), bricht mit seinen Gefährten das Tabu über Helios heiligen Herden auf Thrinakia (Sizilien), wodurch sie ebenso das Schicksal Atlantis erleiden und fast alle untergehen müssen. Nur Odysseus kann sich zur maltesischen Insel (Gozo) der Calypso retten (Tochter des Atlas). Wieder jede Menge Hinweise über das atlantisch-titanische Land im südlichen Italien.
Noch ausführlichere Atlantis-Überlieferungsspuren enthält die bekannte Herkulessage. Seine Arbeiten stellen m.E. auch eine zusammenfassende Mythensammlung verschiedener Länder dar.
 

3.4.4. Atlantis in der Herkulessage

Wie bei der Perseussage deutet auch die Herkulessage auf Überlieferungen einer atlantischen Nachfolgekultur hin. Herkules selbst gilt als Perseus-Nachkomme. Im folgenden Auszug soll der Held eine Weltreise durchführen, die aber ursprünglich eine Reise durch das Atlantis-Gebiet von Süden nach Norden beschreibt - also der Perseus-Reise entgegengesetzter Richtung. Der Schwerpunkt dieser detaillierteren Reisebeschreibung bildet dabei die südliche Atlantis-Zone, aus denen mehr überlebende Atlanter in andere Länder abziehen konnten. Auf jene Atlantis-Überlebenden könnte auch diese Passage zurückzuführen sein, die ursprünglich in einem anderen historischen Kontext gestanden haben muß. Aus der folgenden griechisch-klassischen Anpassung führen in Klammern wieder unterstrichene Erklärungen zu den ursprünglicheren Atlantis-Ortungen hin:

"Herkules sammelte seine Heere auf der Insel Kreta, die er von wilden Tieren befreit hatte und landete in Libyen. Hier rang er mit dem Riesen Antäus (im Gebirge: Djebel el-Akhdar, Sohn Poseidons und der Gäa, Gaia), der neue Kräfte erhielt, so oft er die Erde (Gäa) berührte. Aber Herkules hielt ihn in die freie Luft empor und drückte ihn zu Tode. Auch reinigte er Libyen von den Raubtieren. Nach einer langen Wanderung durch wasserlose Gegenden (Süd-Cyrenaika) kam er endlich in ein fruchtbares, von Füssen durchströmtes Gebiet. Hier gründete er eine Stadt von ungeheuerer Größe und nannte sie Hekatompylos (Für diese große 'Stadt der hundert Tore' setzte man die des Partherreiches ein, die einmal das östliche Weltende markierte. Ursprünglicher dürfte jedoch Atlantis-Syrte gemeint sein - die große Kanalstadt nahe der großen Syrte.). Zuletzt gelangte er an den atlantischen Ozean, gegenüber von Gadeira (Das sollte das spanische Cadiz darstellen und markierte einmal das westliche Weltende. Ursprünglicher dürfte jedoch Atlantis-Fezzan gemeint sein. Auch in Libyen existieren heute Städtenamen, die an Gadeira anknüpfen: In nordwestlicher Richtung die Stadt Ghadames, in süwestlicher Richtung die Stadt Ghat. Gadeira-Cadiz bzw. das bislang verschollene Tartessos wird interessanterweise auch sehr früh bereits mit Atlantis gleichgesetzt.). Hier pflanzte er die beiden berühmten Herkulessäulen auf (Gebirge: Harudj el-Asuad). Die Sonne brannte entsetzlich (Ein Hinweis, dass er sich hier ursprünglich immer noch auf Wüstengebiet befunden haben muß und nicht in der spanischen Küstenstadt Cadiz). Herkules ertrug es nicht länger. Er richtete seine Augen nach dem Himmel und drohte mit aufgehobenen Bogen den Sonnengott niederzuschießen. Dieser bewunderte seinen Mut und lieh ihm, um weiter zu kommen, die goldene Schale, in welcher der Sonnengott selbst seinen nächtlichen Weg vom Niedergange bis zum Aufgange zurücklegt. Auf dieser fuhr Herkules mit seiner nebenher segelnden Flotte nach Iberien (Widerspruch: Cadiz wäre bereits im spanischen Iberien - ein Dahinsegeln wäre nicht ganz logisch. Ursprünglich dürfte er sich also immer noch im atlantischen Libyen befunden haben und segelt von dort nach Atlantis-Malta hinüber.). Hier fand er die drei Söhne des Chrysaor mit drei großen Heeren, einen nicht weit vom anderen gelagert (Damit sind die drei maltesischen Inseln gemeint: Malta, Gozo, Comino). Er aber tötete die Anführer alle im Zweikampfe und eroberte das Land. Dann kam er nach der Insel Erythia (eigentlich Sizilien), im Meerbusen von Gadeira (Widersprüche: Hat er Gadeira-Cadiz nicht schon längst verlassen? Und im Meerbusen von Cadiz gibt es keine bemerkenswerte Insel.), wo Geryones (Ein weiterer Sohn Chrysaors und Poseidon-Triton-Bezug. Der Widerspruch: Chrysaor ist bei Herkules als iberischer König überliefert, in der Perseus-Sage hingegen als riesenhaftes Geschöpf Poseidons - was dort dem Vulkanberg Stromboli entspricht und der ursprünglichen Überlieferung näher kommt.) mit seinen schönen Rinderherden hauste (Später auch ein Odysseus-Bezug: Helios heilige Herden auf Sizilien). Geryones selbst war ungeheuer groß, hatte drei Leiber und drei Köpfe (= Triton-Bezug. Sizilien ist dreispitzig, deshalb auch Trinakria genannt). Kein Erdensohn hatte sich je an ihn gewagt (Sizilien bestätigt sich hier ein weiteres Mal als alte, heilige Götterinsel, die einst mit einem Tabu belegt war.). Sobald der zweiköpfige Hund (Analogie zum dreiköpfigen Cerberus, dem Höllenhund) seine Ankunft inne wurde, fuhr er auf ihn los. Herkules empfing ihn mit dem Knittel, erschlug ihn und darauf auch den riesigen Rinderhirten (Ätna-Bezug), der dem Hunde zu Hilfe gekommen war. Dann entführte er die Rinder. Geryones holt ihn aber ein und es kam zu einem schweren Kampfe. Hera-Juno (Zeus-Jupiters eifersüchtige Gattin) selbst erschien, dem Riesen beizustehen (In der Odyssee existiert ein ähnliches Verhältnis Hera-Poseidon gegen Odysseus). Doch Herkules schoß ihr einen Pfeil in die Brust, dass die Göttin verwundet entfliehen musste. Auch der dreifache Leib des Riesen, der in der Gegend des Magens zusammenlief, fing hier den tödlichen Pfeil auf und musste erliegen. Unter glorreichen Taten vollbrachte Herkules seinen Rückweg, indem er die Rinder durch Iberien und Italien trieb. Bei Rhegium in Unteritalien entlief ihm einer seiner Ochsen, setzte über die Meerenge und kam so nach Sizilien (Interessant wie er das ursprüngliche Ziel doch noch über einen Umweg erreicht. Die Ochsen wissen halt wo's lang geht.:-). Sogleich trieb er auch die anderen Ochsen ins Wasser und schwamm, indem er einen Stier am Horn fasste, nach Sizilien hinüber. Unter mancherlei Taten kam der Held nun glücklich über Italien, Illyrien und Thrakien nach Griechenland zurück und in dem Isthmus an."

Der Weg Iberien-Italien-Illyrien-Thrakien-Griechenland führt eigentlich nicht durch Sizilien, was hier indirekt auf die ursprüngliche Sonderstellung Siziliens hinweist und das spanische Iberien als späteren Zusatz verdächtigt, anstelle des ursprünglichen, direkten Wegs von Libyen über Malta nach Sizilien... Italien-Illyrien-Griechenland. Dabei handelt es sich höchstwahrscheinlich um die mythische Beschreibung der westlichen Weltgrenze aus frühester Sicht - der Bronzezeit - unter Berücksichtigung des Rück- bzw. Abzugwegs aus dieser Gefahrenzone. In der bekannten, klassischen Mythenfassung ist jedoch die später nach Gibraltar verlegte westliche Weltgrenze integriert. Bemerkenswert ist noch eine dort naheliegende Ruinenstadt namens Italica, eine Gebietsbezeichnung, der früheren westlichen Weltgrenze in Italien.

"Jetzt hatte Herkules zehn Arbeiten vollbracht, weil aber Eurystheus zwei nicht gelten ließ, so musste er sich bequemen, noch zwei weitere zu verrichten." (Und wieder: aus 10 wird 12. Siehe Gründermythen):
den Hesperiden die goldenen Äpfel entreißen und den dreiköpfigen Höllenhund Cerberus aus der Unterwelt heraufzuholen - ursprünglich wieder ur-sizilianische Eigenheiten, die mit der vulkanischen Aktivität in Verbindung stehen.
 

3.4.5. Atlantis im Persephone-Kult

Eine Zusammenfassung (mit den ursprünglicheren Bedeutungsbezügen wieder in Klammern):

Persephone, die Tochter der Erdgöttin Demeter und des Zeus (ursprünglich des Poseidon, noch ursprünglicher jedoch bestimmt wieder titanischer Herkunft) pflückte im heiligen Hain am Fuße des Ätnas (Atlas-Bezug) Blumen (ursprünglich eher Granatäpfel*: die Granatkerne des essbaren Granatapfelinhalts ähneln interessanterweise den kleineren Pyriterzkörnern - hier wieder ein Hinweis zum Apfel-Mineral-Bezug. Oder alternativ: Die Blumen symbolisierten mineralische Blumen - Schwefelblumen, S-Kristalle etwa...). Daraufhin verfinsterte sich der Tag, die Erde bebte, die Luft stürmte heiß und Feuer fiel vom Himmel. Hades-Pluto der Herr der Finsternis entführte Persephone in die Unterwelt und die Natur wurde verwüstet (Atlantis-Katastrophe). Ihre Gefährtinnen verfolgten sie in der Verwandlung als Sirenen (vogelartige Frauen), um sie zu befreien. Doch zwecklos, es gelang ihnen nicht in die Unterwelt vorzudringen und mussten so für immer als Sirenen in der Oberwelt bleiben (Die Sireneninsel ist in der Odyssee-Arbeit bereits der Insel Ventotene zugeordnet worden. Sie liegt zwischen den Pontischen Inseln und der Insel Ischia, die in der Perseussage von Bedeutung sind. Auch zwischen diesen beiden Sagen sind analoge Bedeutungsmuster nicht von der Hand zu weisen. Andromeda wird jedoch von Perseus befreit, während Persephone zumindest teilweise als Herrin gefangen bleiben muß.). Persephone verweigert sich in der Unterwelt. Hades gelingt es aber trotzdem Persephone zum Granatapfelverzehr zu verführen. Damit wurde der Akt der Vermählung beschlossen und sie wurde endgültig Herrin über die Finsternis und der Unterwelt. Durch die Gnade des obersten Gottes Zeus durfte sie später alle Jahre zum Frühlingsbeginn die Oberwelt besuchen.

*Granatäpfel: Persephones Genuss des Grantapfels könnte in späteren Versionen in die Unterwelt verlegt worden sein. Ursprünglich dürfte jedoch ein Tabubruch im heiligen Hain der Grund der Entführung gewesen sein, wie beispielsweise bei Evas Paradiesapfel oder den Äpfeln der Hesperiden in der Herkulessage. Wegen der späteren Verehrung Persephones musste dieser Tabubruch verschleiert werden. Demnach verführt sie Hades erst in der Unterwelt zum entscheidenden Granatapfel-Genus, wodurch Persephone hier eindeutiger zum Opfer (der Katastrophe) gemacht wurde und ab diesem Zeitpunkt für immer an die Unterwelt gebunden wird. Die Opferrolle hätte man ihr aber auch als junge, unerfahrene Tabubrecherin abnehmen können - zumindest aus heutiger Sicht. Letztlich entschied hier anscheinend die Notwendigkeit eines makelloseren Fruchtbarkeitskults im Zusammenhang zwischen Winterende und Frühlingsanfang. Damit durfte indirekt auch der Atlantis-Katastrophe gedacht worden sein, die winterähnliche Klimabedingungen mit sich zog, welche sich langsam wieder auflösten. Die Verbesserung dieser Lage konnte den Kult zum Positiven hingewendet haben und den ausschließlichen Katastrophen- bzw. Klimawandelbezug zum festlichen Jahreszeitenwechsel-Bezug gewandelt haben. Demnach könnte Persephone ursprünglicher auch eine problematischere, atlantisch-titanische Figur repräsentiert haben, mit der man sich dann versöhnt hat. Etwas weniger versöhnlich haben die Bibelschreiber diese Ereignisse in ihre Genesis interpretiert. Siehe dazu die nachfolgende Analyse zu Adam und Eva im Paradies.
 

3.4.6. Atlantis in der Genesis

Die Ortungen sind wieder unterstrichen angeführt.
  

Aus "Heilige Schrift" - Genesis: 

Rekonstruktionsanalyse

Der Mensch im Paradies

[...]

8. Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Morgen, und setzte den Menschen drein, den er gemacht hatte.
9. Und Gott der Herr hieß aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, lustig anzusehen und gut zu essen und mitten im Garten den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.
10. Und es ging aus von Eden ein Strom zu wässern den Garten und teilte sich von dannen in vier Hauptwasser.
11. Das erste heißt Pison, das fließt um das ganze Land Hevila und daselbst findet man Gold.
12. Und das Gold des Landes ist köstlich und da findet man Bedellion und den Edelstein Onyx.
13. Das andre Wasser heißt Gihon, das fließt um das ganze Mohrenland.
14. Das dritte Wasser heißt Hiddekel, das fließt vor Assyrien. Das vierte Wasser ist der Euphrat.
15. Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn baute und bewahrte.
 
 

Gottes Gebot

16. Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten.
17. Aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen, denn welches Tages du davon isst, wirst du des Todes sterben.
18. Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.
19. und 20. Über die Benennung der Tiere.
 

Schöpfung des Weibes

21. - 25.

Sündenfall

1. Und die Schlange war listiger denn alle Tiere auf dem Felde, die Gott der Herr gemacht hatte und sprach zu dem Weibe: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allerlei Bäumen im Garten?
2. Da sprach das Weib zur Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten.
3. Aber von den Früchten des Baums mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet.
4. Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mit nichten des Todes sterben.
5. Sondern Gott weiß, dass welches Tags ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan und werdet sein wie Gott und wissen, was Gut und Böse ist.
6. Und das Weib schaute an, dass von dem Baum gut zu essen wäre und lieblich anzusehen, dass es ein lustiger Baum wäre, weil er klug mache und nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon und er aß.
7. Da wurden ihrer beider Augen aufgetan und wurden gewahr, dass sie nacket waren und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schürze.
8. Und sie hörten die Stimme Gottes des Herrn, der im Garten ging, da der Tag kühl worden war. Und Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes des Herrn unter die Bäume im Garten.
9. Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist Du?
10. Und er sprach: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich.
11. Und er sprach: Wer hat dir es gesagt, dass du nackt bist? Hast Du nicht gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot, du solltest nicht davon essen?
12. Da sprach Adam: Das Weib, das du mir zugesellet hast, gab mir von dem Baum und ich aß.
13. Da sprach Gott der Herr zum Weibe: Warum hast Du das getan? Das Weib sprach: Die Schlange betrog mich also, dass ich aß.

Fluch und erste Verheißung
(gekürzt)

14. - 15 Gott verflucht die Schlange und sät Feindschaft zwischen ihr und den Menschen.
16. Gott läßt das Weib leiden unter der Schwangerschaft, dem Gebären und setzt sie eine Stufe unter dem Mann der ihr künftig Herr ist.
17.-19. Adam muß künftig bis zu seinem Tode auf den Feldern schuften.

Austreibung aus dem Paradies

20. Und Adam hieß sein Weib Heva, darum dass sie eine Mutter ist aller Lebendigen.
21. Und Gott der Herr machte Adam und seinem Weibe Röcke von Fellen und kleidete sie.
22. Und Gott der Herr sprach: Siehe, Adam ist worden als unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich!
23. Da ließ ihn Gott der Herr aus dem Garten Eden, dass er das Feld baute, davon er genommen ist.
24. Und trieb Adam aus, und lagerte vor den Garten Eden die Cherubim mit dem bloßen hauenden Schwert, zu bewahren den Weg zu dem Baum des Lebens.

Adams Söhne

1. Und Adam erkannte sein Weib Heva und sie ward schwanger und gebar den Kain und sprach: Ich habe einen Mann gewonnen mit dem Herrn.
...
 


Der Mensch im Paradies
Hier folgt eine aus der Steinzeit stammende erste Weltbeschreibung, die fortlaufend weiterentwickelt wurde. Dabei fällt die Ausführlichkeit der ersten fünf Punkte auf, die dann kontinuierlich abnimmt. Ein erster Bruch kann also zwischen Punkt 12 und 13 erkannt werden. Markant ist aber der Bruch im Schlusspunkt bei 14, wo der Euphrat nur mehr kurz angehängt wird. In jener sumerisch-babylonischen Zeit durfte diese Weltbeschreibung bereits nicht mehr ganz verstanden worden sein. Der Schreiber fügt den Euphrat hinzu, im Glauben die anderen Hauptwasser müssten ebenso Flüsse gewesen sein. Wenn er diese Beschreibung durchschaut hätte, hätte er hier das Persisch-Babylonische Meer mitberücksichtigen müssen:

8. Ur-Eden entspricht dem Atlantis-Fezzan* in Libyen. In späteren Interpretationen wird dieser Garten Eden gegen Morgen (Osten) hin versetzt gedacht, also in die Richtung wohin die meisten Atlantis-Überlebenden abgezogen sind. 
9. Der Weltenbaum-Götterberg Ätna-Atlas wächst bei den Atlantern im Zentrum der Welt.
10. Der Strom im libyschen Atlantis, der ins Mittelmeer mündet. Die Hauptwasser sind Meere.
11. Das erste Hauptwasser ist das Mittelmeer, genannt Pison. Es umfließt Italien, das Land Hevila (~ griech. Hesperia, Land der Hesperiden), das Land von Heva-Eva (Große Mutter, Magna Mater). Hier erster Hinweis auf die Goldenen Äpfel dieses Landes:
12. Die neuentdeckten, mineralischen Bodenschätze auf Hevila interpretieren die Steinzeitmenschen als köstliche Götterspeisen - entsprechend ihrer Götter aus Stein oder Berg. Diese am oder nahe des höchsten Gott-Berges zu entnehmen, durfte ein Frevel an Gott gleichgekommen sein. Damit ist das ursprüngliche Gottes Gebot bereits definiert.
13. Das nächste Hauptwasser Gihon entspricht dem Roten Meer. Es wird vom Mohrenland umgeben: Ägypten, Nubien, Äthiopien, arabische Rotmeer-Küste.
14. Das dritte Hauptwasser Hiddekel ist das Schwarze Meer, nördlich vor Ur-Assyrien. Nach der bisherigen Vorgangsweise müsste statt dem Euphrat das Babylonisch-Persische Meer bezeichnet sein, in das der Euphrat mündet. Demnach muß zwischen der Überlieferung des dritten Wassers und des Euphrats ein markanter Kultur- bzw. Zeitsprung liegen. Möglicherweise hat der Bibelschreiber die älteren Punkte einer altägyptischen oder babylonischen Überlieferung entnommen - wie das auch bei Solon mit der Atlantis-Überlieferung geschehen sein soll. 
15. Im Garten Eden (Atlantis-Fezzan oder Gadeira Edeien) baut der Mensch (Megalithbauten).

Gottes Gebot
Dieses ist bereits in Punkt 12 ursprünglicher definiert - hier folgt die aitiologische Verbindung zur späteren Moraltheologie.

Schöpfung des Weibes
Zusatz des Bibelschreibers, da der nachfolgende Sündenfall die Unterscheidung von Mann und Weib erfordert (aber nicht die Schöpfung! Das Weib existiert bereits.), welche ursprünglich weniger trennend empfunden wurde. 

Sündenfall
1.-5. Die Schlange ist in allen entsprechenden Überlieferungen zu finden, zumeist am Fuße jener Götter- oder Weltenbäume, mit denen die für die steinzeitlichen Entdecker sehr anziehenden Lavaströme der vulkanischen Götterberge gemeint gewesen sein durften. Der hier oftmals verwendete namentliche Zusammenhang zu Luzifer (lat. Lichtbringer, analog zu Prometheus stehend) kann als weiterer Hinweis dazu verstanden werden.
6.-7. Sollte es sich hier um einen original übertragenen Zusammenhang handeln, könnte der Tabubruch um die mineralische Götterspeise - der symbolisch für die Atlantis-Katastrophe stünde - mit der stärkeren Trennung von Mann und Frau zusammengefallen sein.
8.-13. Die weitere Entwicklung der Katastrophe würde die obige These unterstützen: Die Fruchtbarkeits-Perioden wurden ursprünglich im Zusammenhang zwischen der Frau und dem Mond (Mondperioden) gesehen und beobachtet. Man hatte hier also noch nicht erkannt, dass nicht der Mond für die Fortpflanzung verantwortlich war, sondern der Mann und der Geschlechtsverkehr. Nun brachte die Atlantis-Katastrophe auch eine längere dichte Wolkendecke und Kälteperiode mit sich, in der der Mond nicht mehr beobachtet werden konnte und trotzdem kam es zu Geburten. Der Ausruf in Punkt 9: Wo bist Du Adam?, könnte hier genauso in Richtung Mond gedacht werden: Wo bist du Apollo? Schließlich musste man erkennen: Nicht der Mond, sondern Adam und der nackte Geschlechtsakt sind an der Lebenszeugung schuld. 

Exkurs: Zum Vergleich die griechisch-mythologische Version dieses Ereignisses:
Artemis verliebte sich in Orion, und vergaß dabei den Mond über den Himmel zu tragen. Apollo, ihr Zwillingsbruder entdeckte das und schickte daraufhin den Orion zum Fischen ins Meer, bis nur mehr ein Punkt über dem Wasser zu sehen war (Assoziation: ferne Insel). Dann veranlasste er Artemis auf dieses ferne Ziel zu schießen. Der Pfeil traf Orion tödlich. 
Hier stellt der Tod Orions den Schlüssel für die kulturelle Umorientierung dar. Wie bereits hingewiesen, lässt sich das damit begründen, dass hinter Orion ein uralter Gott etwa Uranos stehen könnte, der hier von den griechischen Göttern abgelöst wurde.

Die Bibelschreiber haben es dann so zurecht gerichtet, dass Adam erst durch das Weib nackt wurde (Punkt 12). Die alten Ansichten dazu mussten nun völlig umgestellt und umgewertet werden. Die biblische Kultur zeigt sich dabei von ihrer naiv-prüden Seite. Das kulturelle Hauptmotiv (Auffindung und Entnahme der mineralischen "Götterspeise" - dadurch neue Kulturgründung aber auch möglicher Tabubruch - Katastrophe) wurde zusätzlich mit dem der Bewusstwerdung der Sexualität und ihrer Moral überzeichnet, an der die Gesellschaft bis heute noch arbeitet. Aus diesem Grunde existiert in der Bibel nicht nur der Hauptbaum der Erkenntnis, sondern auch der Lebensbaum (für Bewusstwerdung der Sexualität in Polarität zum ewigen Leben). 

Fluch und erste Verheißung (gekürzt)
Hier folgen aitiologisch die Strafen zugehörig zur vorherigen Sündenfall-Darstellung.

Austreibung aus dem Paradies
20. Hier kommt wieder eine ursprünglichere Überlieferung zum Einsatz. Siehe dazu: Der Mensch im Paradies, Punkt 11.
22. Der Baum des Lebens ist ein aitiologisch-theologischer Zusatz. Die Erkenntnis des Todes ist auch älter als die der sexuellen Zusammenhänge und würden beide dem Baum der Erkenntnis angehören. Ein ewiges Leben in biologischer Hinsicht hat es nie gegeben. 
23.-24. Hier erscheint noch eine weitere Deutungsmöglichkeit zum Lebensbaum: der Auszug aus dem Paradies, da aufgrund der Katastrophe dort kein Leben mehr möglich ist. Auch eine Rückkehr in jenes Gebiet ist für längere Zeit nicht mehr möglich. Damit endet auch jenes Goldene Zeitalter. 
Die Cherubim als Wächter des verbotenen Gartens oder Baumes ist nicht neu und sind auf die vulkanischen Ausbrüche jener Gegend zurückzuführen.
 

* Ur-Eden entspricht dem Atlantis-Fezzan in Libyen: Das Gebiet wird von zwei Flächen dominiert, in deren topographischen Bezeichnungen das Wort Edeien (Edeien Ubari und Edeien Murzuq) erhalten geblieben ist. Eine Namensverbindung zwischen Edeien und Eden ist hier naheliegend. Bisher gilt eine Ableitung aus dem Akkadischen: Edinu für Steppe und Wüste, und entspricht auch landschaftlich dem obigen Ortungsergebnis. Durch das gleichlautende akkadische Wort Edinu wurde im Hebräischen "Wonne" assoziiert und interpretiert. Da schon in der ersten Überlieferungszeit die hier in frage kommende Landschaft versteppt oder verwüstet gewesen sein muß, sind auch die entsprechenden topographischen Bezeichnungen Edeien (Libyen) oder Edinu (Assyrien-Babylonien) hierfür als die ursprünglicheren anzunehmen.
Aber auch zur griechisch-platonischen Interpretation hinsichtlich Atlantis-Beschreibung lassen sich zu Eden noch folgende interessante Querverbindungen herstellen: Entspricht Platons großer atlantischer Ebene griech. Pedon, und der paradiesischen Überlistung griech. Peidon
Das geortete Atlantis-Fezzan entspricht in der Herkulessage dem Ort Gadeira in Edeien. Genesis: "Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden..."
Mit "Paradies" ist ein umfriedeter Ort gemeint, was einem Megalithbau (heiliger, steinzeitlicher Tempelbezirk) entsprechen würde. Garten von griech. Ghortos: Gehege, Hof): 
"15. Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn baute und bewahrte."

3.4.7. Atlantis und der Weltenbaum (Edda-Saga)

Der Baum hat für den Menschen seit je her eine zentrale Bedeutung. Seine urzeitlichen Vorfahren haben auf den Bäumen gelebt. In einigen Mythen "entstammt" der Mensch ursprünglich vom Baum oder vom Baumstamm. Schließlich hat auch jeder einen Stammbaum. Manche Kulturen sehen in Bäumen menschenähnliche Wesen.

Beim Weltenbaum handelt es sich jedoch um eine Ausnahmeerscheinung dieser Vorstellung. Der Weltenbaum befindet sich im Zentrum der Welt und repräsentiert die Verbindung von Himmel, Erde und Unterwelt. Die Krone des Weltenbaums reicht in den Himmel, die Wurzeln in die Unterwelt und der Stamm stemmt den Zwischenraum zwischen Himmel und Erde auseinander. In der griechischen Mythologie wird diese Aufgabe dem Gottkönig Atlas übertragen - als Strafe, da er sich an den Titanenkämpfen beteiligt hat. Wie sich aus meinen bisherigen Ortungen ergeben hat, steht Atlas für den höchsten europäischen Vulkanberg Ätna. In der Steinzeit dürfte der Ätna höchstwahrscheinlich ein Götterberg gewesen sein, ähnlich wie später der Olymp in Griechenland, der Kailash in Tibet oder die Vulkane Kilimandscharo in Afrika und Fudschijama in Japan.

Wie sich in dieser Arbeit bereits mehrmals aus den verschiedenen Mittelmeer-Mythen ergeben hat, steht er auch mit einer speziellen Baumdarstellung in Verbindung an dem besondere Früchte wachsen. Diese Früchte wurden hier mit den begehrten Bodenschätzen gleichgesetzt und diese wieder mit einer Form der mineralischen Götterspeise, wie sie nach der steinzeitlichen Auffassung ihren Göttern aus Stein oder Gebirge würdig waren. Diese mythische Baumverbindung zum Ätna-Atlas und die der Weltenbaumfunktion des Atlas legt nahe, dass der Archetyp des Weltenbaums im Ätna zu sehen ist. Diese Assoziation mag noch auf den ersten Blick für etwas eigenartig sich anmaßen, doch nicht bei näherer Betrachtung: 

Die Weltenbaum-Vulkan-Ätna-Einheit

Der Weltenbaum

als Vulkan:  Ätna - Atlas*

Wurzelebene, Schlangen

Fuß des Vulkans, Lavaströme

Stammbereich

Rumpf des Vulkans

Baumkrone, Vogel, Pegasus

atmosphärischer Vulkanausstoß (Rauchwolke, Rauchpilz), wegfliegende Wolke

Früchte

mineralische Bodenschätze etwa in rundlichen Agglomeraten

* Ätna - Atlas 
Dazu naheliegendste Ableitungen: 
traditionelle Ableitung:  griech. Aitnh - brennend
weitere Ableitung: griech.-lat. Aither, aetera - Äther, oberste Ebene, wo die Götter leben, ph-aethon - leuchtend
Zwischen dem älteren Namen Atlas und jüngeren Ätna dürften jedoch Jahrtausende liegen. Hinter dem Atlas steht ursprünglich auch kein griechischer Gott. Bekannt sind zwei verschiedene Herleitungen, von denen es früher noch weitere gegeben haben dürfte. Und wie bereits hingewiesen, könnte der Uranos-Mythos eine noch ursprünglichere Hin- und Ableitung dazu darstellen.


Der Vulkanausbruch als Weltenbaum

Dazu ergänzend zwei Kurzauszüge der berühmten Augenzeugenberichte Plinius des Jüngeren an den Geschichtsschreiber Tacitus über den Vesuvausbruch im Jahre 79 n. Chr.:

"Es erhob sich eine Wolke, für den Beobachter aus der Ferne unkenntlich, auf welchem Berge (später erfuhr man, dass es der Vesuv war), deren Form am ehesten einer Pinie ähnelte. Denn sie stieg wie ein Riesenstamm in die Höhe und verzweigte sich dann in eine Reihe von Ästen, wohl weil ein kräftiger Luftzug sie empor wirbelte und dann nachließ, so dass sie den Auftrieb verlor oder auch vermöge ihres Eigengewichtes sich in die Breite verflüchtigte, manchmal weiß, dann wieder schmutzig und fleckig, je nachdem ob sie Erde oder Asche mit sich empor gerissen hatte."

"Außerdem sahen wir, wie das Meer sich in sich selbst zurückzog und durch die Erdstösse gleichsam zurückgedrängt wurde. Jedenfalls war der Strand vorgerückt und hielt zahllose Seetiere auf dem trockenen Sande fest. Auf der anderen Seite eine schaurige, schwarze Wolke, kreuz und quer von feurigen Schlangenlinien durchzuckt, die sich in lange Flammengarben spalteten, Blitzen ähnlich, nur größer."


Frühe Vesuvdarstellung einer Wandmalerei aus Pompeji.
Und wieder die Symbolik: Schlange, Vogel, Hüterin/Nymphe.

Plinius der Jüngere dürfte dabei nicht von der hier dargestellten Vulkanausbruch-Weltenbaum-Verbindung gewußt oder an sie gedacht haben. Seine Augenzeugenberichte sind also unabhängig davon, typische Wahrnehmungsdarstellungen eines größeren Vulkanausbruchs. Es ist leicht vorstellbar, dass solche Erlebnisse auf frühere Menschen einen ähnlichen und in der Intensität eine noch nachhaltig stärkere Wirkung hinterlassen haben durften. Der Weltenbaum-Begriff konnte demnach durch verhältnismäßig frühe Wahrnehmungen eines gewaltigeren Vulkanausbruchs noch einfacher gebildet worden sein. In dieses Muster würde der Ätna zusammen mit seinem gewaltigsten Ausbruch - der Atlantis-Katastrophe - am besten passen. Dieses Schlüsselerlebnis dürfte prägend für die Weltenbaum-Herleitung gewesen sein, in der eine für damalige Begriffe weltumspannende Baumform erlebt worden sein könnte. Sie ging dann später stellvertretend und symbolisch auf die verschiedenen Weltenbaum-Vorstellungen und auf die mächtigen Kultbäume der religiösen Zentren über. Ähnliches ist mit dem Todeskreuz dem späteren christlichen Universalsymbol passiert. Unglücksereignisse üben anscheinend eine besonders große, lang-nachwirkende Anziehungs- und Symbolkraft aus.
 

Beispiele derartiger Weltenbaum-Übertragungen:

Yggdrasil (Zusatzbemerkungen sind wieder eingeklammert): Das bekannteste Beispiel repräsentiert die Weltesche Yggdrasil in der nordgermanischen Mythologie (Edda-Saga). Dieser Weltenbaum erhebt sich aus der Weltmitte und wird von einem Ungeheuer bewacht. Im goldenen Zeitalter war die Welt zwar noch in Ordnung (Atlantis), Kälte und Hitze wollten sich jedoch nicht vermischen. Eine schützende Befestigungsmauer (Megalithbauten, Paradies) konnte die Katastrophe nicht verhindern, da beim Bau Betrug im Spiel gewesen sein soll (Diebstahl mineralischer Äpfel). In dieser Schlacht zwischen den guten und bösen Kräften (Titanenkämpfe) bebte der Baum (Atlantis-Katastrophe). Idun, die Hüterin der heiligen Äpfel stürzte von der Baumkrone. Der Baum soll einerseits die Schlacht überlebt haben, anderseits könnte er aber auch in einem alles verzehrenden Feuer untergegangen sein (Es existieren hier etwas unterschiedliche Versionen). Aus der Asche an den Baumwurzeln soll der Mensch in ein neues Zeitalter hervorgekrochen sein. Die drei Nornen (analog zu den Nymphen stehend) mussten nun dafür sorgen, dass der Baum durch Eintrocknung nicht völlig eingeht (Katastrophen-Auswirkungen). Am Fuße des Baumes soll eine Drachenschlange (Kennzeichnung der Lava-Fließeigenschaften) geherrscht haben, auf der Krone ein riesiger Adler (Flugeigenschaft der Vulkanwolke). 

Der Weltenbaum Yggdrasil aus der Sicht eines Künstlers

Auszüge aus Älteren Edda - Völuspá - Die Weissagung der Seherin:
13 
Eine Esche weiß ich, 
sie heißt Yggdrasil, 
die hohe, benetzt 
mit hellem Nass: 
von dort kommt der Tau, 
der in Täler fällt; 
immergrün steht sie 
am Urdbrunnen. 
21 
Ich weiß Heimdalls 
Horn verborgen 
unterm heilgen 
Himmelsbaume; 
Flut seh ich fallen 
im feuchten Sturz 
aus Walvaters Pfand- 
wisst ihr noch mehr? 
39
Yggdrasils Stamm 
steht erzitternd, 
es rauscht der Baumgreis; 
der Riese kommt los. 
Alles erbebt 
in der Unterwelt, 
bis der Bruder Surts 
den Baum verschlingt. 
42 
Hrym fährt von Osten, 
er hebt den Schild; 
im Riesenzorn 
rast die Schlange. 
Sie schlägt die Wellen; 
es schreit der Aar, 
Leichen reißt er; 
los kommt Nagelfar. 
44 
Surt zieht von Süden 
mit sengender Glut; 
von der Götter Schwert 
gleißt die Sonne. 
Riesinnen fallen, 
Felsen brechen; 
zur Hel ziehn Männer, 
der Himmel birst. 
47 
Der hehre Spross 
der Hlodyn naht. 
Der Lande Gürtel 
gähnt zum Himmel: 
Gluten sprüht er, 
und Gift speit er; 
entgegen geht 
der Gott dem Wurm. 
48 
Der Erde Schirmer 
schlägt ihn voll Zorn- 
die Menschen müssen 
Midgard räumen-; 
weg geht wankend 
vom Wurm neun Schritt, 
der Gefecht nicht floh, 
der Fjörgyn Sohn. 
49 
Die Sonne verlischt, 
das Land sinkt ins Meer; 
vom Himmel stürzen 
die heitern Sterne. 
Lohe umtost 
den Lebensnährer; 
hohe Hitze 
steigt himmelan. 
56 
Einen Saal seh ich 
sonnenglänzend, 
mit Gold gedeckt, 
zu Gimle stehn: 
wohnen werden 
dort wackre Scharen, 
der Freuden walten 
in fernste Zeit. 
57 
Der düstre Drache 
tief drunten fliegt, 
die schillernde Schlange, 
aus Schluchtendunkel. 
Er fliegt übers Feld; 
im Fittich trägt 
Nidhögg die Toten: 
nun versinkt er. 
 

Auch am sumerischen Huluppa-Baum herrschte eine Schlange im Wurzelbereich und der Anzu-Vogel in der Baumkrone. 

In der ägyptischen Mythologie entsteht der bekannte Vogel Phönix aus der (Vulkanwolken-)Asche.

Sogar nach der Überlieferung der Jakuten (ein sibirischer Stamm) steht der Weltenbaum am goldenen Nabel (Vulkankrater mit Magma) der Weltmitte, der sich im Urparadies befindet.

Große Bäume stehen auch ersatzweise für den Weltenbaum im Zentrum bedeutender Kultstätten. Am bekanntesten davon ist die Eiche von Dodona (Griechenland), in der auch Odysseus gepilgert sein soll.

Auf ähnliche Spuren von Weltenbaummustern ist bereits in den vorherigen mythischen Deutungen eingegangen. Abschließend folgt der entsprechende und ebenso verborgene Hinweis aus der ältesten, bekannten Überlieferung.
 

3.4.8. Atlantis im Gilgamesch-Epos

Wenn die Sumerer um 2700 v. Chr. sich in ihren Überlieferungen auf besondere Bäume beziehen, wie den Huluppa-Baum oder die heilige Zeder und den Baumwächter Chumbaba (Cherubim), dürfte ihnen die dahinterliegende Beziehung Weltenbaum-Vulkankatastrophe bereits nicht mehr geläufig gewesen sein. Interessant ist dabei, dass sich zwischen den bruchstückhaft erhaltenen Überlieferungsversen doch noch Spuren erhalten haben, die jene ursprüngliche Beziehung Weltenbaum-Vulkankatastrophe durchscheinen lassen. Grundlage könnte hier wieder eine uralte Überlieferung der Atlantis-Katastrophe gewesen sein, bei dem die akkadischen Dichter aufgrund mangelnder Kenntnis und Vorstellung einer Vulkankatastrophe, jene Ur-Darstellung einfach als göttliches aber bereits menschengestaltiges Ungeheuer interpretiert haben. 

Gilgamesch, ist auf einen eher tyrannischen König um 2700 v. Chr. in Uruk zurückzuführen, Erbauer vieler Paläste und Tempel. Er wollte sich vermutlich auch in einer großartigen Science-Fiction-Geschichte verewigen, in der er gegen jenes sagenhafte Ungeheuer Chumbaba auszieht, um es zu bekämpfen und zu vernichten. Dieses Epos dürfte dann im Verlauf weiterer Jahrhunderte noch ausgebaut worden sein und mehrere Versionen erhalten haben, wie das im Laufe der Zeit mit den meisten Mythen geschieht.

Das zentrale Motiv dieses bekannten Gilgamesch-Epos ist bereits umrissen: Die Bezwingung des mysteriösen Ungeheuers Chumbaba und infolge dieser Tat eine weitere Reise in die jenseitige Welt. Der riesenhafte Chumbaba soll seit Urzeiten von Gott Enlil* im fernen Westen als Wächter der heiligen Zeder eingesetzt worden sein. Dieses Ungetüm soll den Menschen seit je her Angst und Schrecken bereitet haben - für Gilgamesch also Anlass endlich zum Einschreiten. Gilgamesch zieht mit seinem Freund und Mitstreiter Enkidu aus, um Chumbaba im Westen aufzustöbern und zu töten. Der ferne Westen war für die Menschen in Uruk um 3000 v. Chr. bereits der Libanon. Das soll hier jedoch nicht daran hindern Chumbaba noch weiter westlich anzusiedeln: als den heutigen Vulkan Ätna.

*Enlil: Sumerischer Länderherr, Sturmgott, Beherrscher der Luft, des Raumes zwischen Himmel und Erde und der Erde selbst. Er erschuf aus dem erschlagenen Chaosungeheuer die Welt.

Es folgen nun jene Textstellen, hauptsächlich aus der 5. Tafel der 12 bruchstückhaft erhaltenen Tafeln (alt- bis spätbabylonische Fassung aus 2100 - 600 v.Chr., in der Übersetztung von Prof. Dr. Albert Schott 1901-45), die Chumbaba und den Kampf gegen ihn beschreiben. Damit kann sich jeder selbst ein erstes Bild verschaffen, ob Chumbaba (Cherubim) doch nicht einem Vulkan weiter im Westen entsprechen könnte, der den Sumerern unbekannt gewesen sein müsste:

Die Freunde Gilgamesch und Enkidu sind in den Wald eingedrungen und stehen zum ersten Mal Chumbaba gegenüber:

"Der reckenhafte Chumbaba... sieht gar unheimlich aus ... sein Brüllen ist Sintflut, ja, Feuer sein Rachen, sein Hauch der Tod! Man besteht nicht im Kampf um Chumbabas Wohnsitz...."

"Mein Freund, Chumbabas Gesicht änderte jetzt sein Aussehen, Er reckte hoch seine Gestalt; wie sollen wir da zu ihm gelangen?"

"...Wurde ganz schlaff dein Mund und verstecktest du dich?
Jetzt aber, mein Freund, ist eines ... :
In der Gußrinne des Schmiedes Kupfer ... 
Die Aschenglut über eine Meile hin anfachen, das Angefachte über eine Meile hin!
Den Flutsturm zu schicken, die Peitsche fest anfassen!
Zieh nicht weg deine Füße, wende dich nicht rückwärts!
... mach stark deinen Schlag!"

"... sie seien vertrieben!
... den fernen.
Er schlug den Kopf, ... trat ihm gegenüber hin.
Mit ihren Fußsohlen stampfen sie auf der Erde,
Durch ihr Herumspringen bersten Sirara und Libanon.
Da wurde schwarz das weiß‘ Gewölk,
Der Tod regnet wie Nebel auf sie herab.
Schamasch (Sonnengott) erweckte gegen Chumbaba große Sturmwinde,
Den Süd(ost)wind, den Nord(west)wind, den (Nord-) Ostwind, den (Süd-) Westwind, den Böenwind,
Den Sturm, den Wildsturm, den bösen Wind, den Simurru-Wind,
Den Asakku-Dämon, den Schüttelfrost, den Sturmwind, den Sandsturm:
Dreizehn Winde erhoben sich gegen ihn und verfinsterten Chumbabas Gesicht.
Er kann nicht nach vorn stoßen, er kann nicht nach hinten laufen.
Auch konnten die Waffen des Gilgamesch den Chumbaba erreichen."

"Mein Freund, gefällt haben wir nun die hochragende Zeder,
Deren Wipfel den Himmel durchstieß!"

"Erschlagen hatte er den Schurken des Waldes;
Vor dessen Gebrüll gebebt hatten Saria und Libanon.
In Furcht gerieten ... die Berge,
...erzitterten alle Gebirge.
Er erschlug den Schurken des Zedernwaldes;
Die zerschlagenen ... sie und erschlugen sieben.
Das Kampfnetz ..., das Schwert von acht Talenten,
Die Last von zehn Talenten nahm er ... den Wald.
Die verborgene Wohnung der Anunnaku* öffnete er.
Gilgamesch fällt die Bäume, Enkidu durchgräbt das Wurzelwerk.
Enkidu sprach zu ihm, zu Gilgamesch:
.... Gilgamesch, erschlage die Zeder!"

*Anunnaku sind die sumerischen Götter der Unterwelt, Richter und Hüter des Lebenswassers. Sie würden den Titanen im Westen entsprechen. Als Gilgamesch den Chumbaba tötete und die von ihm bewachte heilige Zeder fällte, öffnete er damit die verborgene Wohnung der Annunaku.
 

Der Ausgang des Gilgamesch-Epos

Gilgamesch legt Chumbabas Kopf vor den Füßen seines Gottes Enlil, der erzürnte: Feuer soll Gilgamesch verfolgen solange er lebt. Feuer soll sitzen, wo er sitzt, essen was er isst, trinken was er trinkt und niemals erlöst sein von dieser Tat. - Der Gott schickt ihm strafend den Himmelsstier (geflügelten Stier) und damit weitere Wetterkatastrophen, die mit der Atlantis-Katastrophe in Verbindung gebracht werden könnten. In der Perseus-Sage wurde der Pegasus (geflügeltes Pferd) bereits als vulkanischer Ausstoß gedeutet. Dementsprechend könnte es auch beim Himmelsstier um eine Folge von außerordentlicher Vulkanaktivität handeln. Im Gilgamesch-Epos wird jedoch die Himmelsstier-Strafe aufgrund Gilgameschs Zurückweisung von Ischtars (Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit - vergleichbar mit Eva) Liebesverlangen begründet. Gilgamesch bezwingt anschließend auch den Himmelsstier. Dafür muß Gilgameschs Freund Enkidu sterben. Gilgamesch fällt in eine Depression. Aus Todesangst will er sich auf den Weg machen, um ewiges Leben zu erlangen. Er beginnt wieder eine Reise ins westliche Jenseits:

Dazu muß er zur fernen Insel des Utnapischtim, einem vorsintflutlichen König (entspricht dem Noah der Bibel, dem Deukalion in der griechischen Mythologie. Seine Urheimat befand sich in Atlantis, an der Küste Süd-Kalabriens, gegenüber Atlantis-Vulcano). Nur er wisse von der Möglichkeit Unsterblichkeit zu erlangen. In des Grenzmeeres Abgeschiedenheit weist Schiduri (eine Schankwirtin - entspricht der Kalypso in Gozo-Malta, nahe Atlantis-Malta) Gilgamesch den Weg zum Fährmann Urschanabi, der ihn über das Wasser des Todes (Atlantis-Meer, Mittelmeer zu Italien hin) ins Land des weisen Utnapischtim fährt. Auf den Weg zu Utnapischtim muß Gilgamesch den Berg Maschu (Ätna-Atlas) durchqueren. Der Eingang (zu Bergstollen, Bergschacht) wird von Skorpionmenschen (Bergbauleute) bewacht. 

Auszug aus der 9. Tafel:

"Des Berges Benennung ist Maschu.
Sowie er zum Berge Maschu gelangt war: —
Die täglich Auszug und Einzug bewachen,
Über die nur die Himmelshalde hinwegragt,
Denen unten die Brust an den Höllengrund stößt —
Skorpionmenschen halten am Bergtor Wacht,
Deren Furchtbarkeit ungeheuer ist, deren Anblick Tod ist,
Deren großer Schreckensglanz Berge überhüllt,
Die beim Auszug und Einzug der Sonne die Sonne bewachen —
Da Gilgamesch diese sah, überdeckte er mit Furchtbarkeit und Schreckensglanz sein Angesicht.
Er faßte sich und neigte sich vor ihnen."

Die Skorpionmenschen hören sich die Klagen Gilgameschs an und lassen ihn durch.

"Als er elf Doppelstundenweit gedrungen, kommt er heraus vor Sonnenaufgang.
Als er zwölf Doppelstunden weit gedrungen, herrscht die Helle.
Er strebt, die Edelsteinbäume zu sehen:
Der Karneol, er trägt seine Frucht,
Eine Traube hängt dran, zum Anschauen geputzt.
Der Lasurstein trägt Laubwerk,
Auch trägt er Frucht, lustig anzusehn."

Durch den Berg gelangt er also ans Tageslicht und findet sich in einem wunderbaren Garten mit Edelsteinbäumen wieder - die Früchte des Berges.

Schließlich kommt er zu Utnapischtim, der ihm von der Sintflut (Atlantis-Flut) erzählt, von der er sich erretten konnte:

Auszug aus der 11. Tafel:

"Ich trat hinein ins Schiff und verschloß mein Tor.
Dem Schiffer Pusur-Amurri, dem Verpicher des Schiffes,
Übergab den Palast ich samt seiner Habe.

Kaum daß ein Schimmer des Morgens graute,
Stieg schon auf von der Himmelsgründung schwarzes Gewölk.
In ihm drin donnert Adad,
Vor ihm her ziehen Schullat und Chanisch.
Über Berg und Land als Herolde ziehen sie.
Eragal reißt den Schiffspfahl heraus,
Ninurta geht, läßt das Wasserbecken ausströmen,
Die Anunnaki hoben Fackeln empor,
Mit ihrem grausen Glanz das Land zu entfiammen.
Die Himmel überfiel wegen Adad Beklommenheit,
Jegliches Helle in Düster verwandelnd;
Das Land, das weite, zerbrach wie ein Topf.

Einen Tag lang wehte der Südsturm...,
Eilte dreinzublasen, die Berge ins Wasser zu tauchen,
Wie ein Kampf zu überkommen die Menschen.
Nicht sieht einer den andern,
Nicht erkennbar sind die Menschen im Regen.

Vor dieser Sintflut erschraken die Götter,
Sie entwichen hinauf zum Himmel des Anu —
Die Götter kauern wie Hunde, sie lagern draußen!
Es schreit Ischtar wie eine Gebärende,
Es jammert die Herrin der Götter, die schönstimmige:

Wäre doch jener Tag zu Lehm geworden,
Da ich in der Schar der Götter Schlimmes geboten!
Wie konnte in der Schar der Götter ich Schlimmes gebieten,
Den Kampf zur Vernichtung meiner Menschen gebieten!
Erst gebäre ich meine lieben Menschen,
Dann erfüllen sie wie Fischbrut das Meer!

Die Anunnaki-Götter klagen mit ihr,
Die Götter ... sitzen da und weinen;
Die verdorrten Lippen nehmen ... -Speisen.

Sechs Tage und sieben Nächte
Geht weiter der Wind, die Sintflut,
Ebnet der Orkan das Land ein.

Wie nun der siebente Tag herbeikam,
Schlug plötzlich nieder der Orkan die Sintflut, den Kampf,
Nachdem wie eine Gebärende sie um sich geschlagen.
Ruhig und still ward das Meer, Der böse Sturm war aus und die Sintflut.

Ausschau hielt ich einen Tag lang, da war Schweigen ringsum,
Und das Menschengeschlecht war ganz zu Erde geworden!
Gleichmäßig war wie ein Dach die Aue.
Da tat ich eine Luke auf, Sonnenglut fiel aufs Antlitz mir;
Da kniete ich nieder, am Boden weinend,
Über mein Antlitz flossen die Tränen. —

Nach Ufern hielt ich Ausschau in des Meeres Bereich:
Auf zwölfmal zwölf Ellen stieg auf eine Insel,
Zum Berg Nißir trieb heran das Schiff."

Utnapischtim landet im Gebirge und bringt Opfer dar.

"Da hat Enlil das Schiff bestiegen,
Meine Hand gefaßt, mich einsteigen lassen,
Lassen einsteigen, knien mein Weib neben mir,
Hat berührt unsre Stirn, zwischen uns stehend, uns segnend:

'Ein Menschenkind war zuvor Utnapischtim;
Uns Göttern gleiche fortan Utnapischtim und sein Weib!
Wohnen soll Utnapischtim fern an der Ströme Mündung!'
Da nahmen sie mich und ließen mich fern an der Ströme Mündung wohnen."

Utnapischtim konnte sich also von der Atlantis-Flut mit seinem Schiff nach Südostanatolien (Berg Nißir) retten, nahe des Euphrats und in der Nachbarschaft der späteren assyrisch-sumerischen Kultur - Gilgameschs Heimat. Er enthüllt Gilgamesch schließlich das Geheimnis des Krautes zur ewigen Jugend und wo er es finden könne. Gilgamesch gräbt daraufhin einen Schacht und dringt so in den Urozean Apsu ein (wieder durch einen Bergbauschacht am Ätna - wie oben durch Maschu, nun in einer anderen Version), wo er das stechende Kraut (Bergerz) pflückt. Aber durch Unachtsamkeit während einer Rast am Rückweg wird ihm das Kraut von einer Schlange weggefressen. Somit verliert er die letzte Chance auf ewiges Leben.
 

Fazit:
Wie der kurze Einblick in dieses Epos zeigt, sind auch hier gewisse Parallelen zu allen vorherigen Mythenteilen erkennbar - insbesondere zur Genesis. Ursprünglich dürfte im Zentrum all dieser Mythen ein steinzeitlicher Hauptgott gestanden haben (gemäß dieser Studie als Atlas benannt. Mögliche Synonymbezüge: Atum, Adad, Adam), der hier mit dem Vulkanberg Ätna identifiziert worden ist. Seine Karriere beginnt als Urgott (Beispiel: Uranos), Gottkönig (hier: von Atlantis), Herrscher zwischen Himmel und Erde, Träger des Himmels, dann auch Weltenbaum, Baum der Erkenntnis, Wächter des heiligen Baumes und seiner (mineralischen, göttlichen) Früchte (der Erkenntnis und Unsterblichkeit), als solcher auch Drache, Schlangenwesen, Ungeheuer, ... das zu bezwingen ist. In diesem Zusammenhang spielen die neu entdeckten Bergerze (das Gold jener Steinzeit: "Oreichalkos") eine wesentliche Rolle. Durch eine große Katastrophe (hier: Atlantis-Katastrophe) fällt dieser Urgott und seine Abkömmlinge (Titanen) bei den Menschen zumeist in Ungnade. Häufig wird aber auch eine Eigenschuld lanciert (Tabubruch durch Erz-Diebstahl, Prometheus-Lucifer, Ursünde), in der eine auffallend gemeinsame Linie zu erkennen ist, wenngleich diese kulturbedingt etwas unterschiedlich dargestellt und interpretiert wird. Durch die jahrtausendelange, mündliche Überlieferungsdauer gehen die meisten konkreten Beziehungen und Zusammenhänge verloren, die bis heute zu phantastischen Niederschriften und Missverständnissen geführt haben. Leider sind diese bisher noch nicht erkannt und näher untersucht worden, die u.a. auch in der Klärung des Atlantis-Mythos entscheidend weiter hätten bringen können.
 
 

3.5. Das Ende

3.5.1. Die Atlantis-Katastrophe

Die Atlantiskatastrophe dürfte sich zwischen 9000 und 8000 v.Chr. ereignet haben. Zwischen den ersten Gründungen und der Katastrophe liegen also nahezu zwei Jahrtausende. Der Untergang der Atlantis-Kultur wird dann höchstwahrscheinlich durch starke Eruptionen zweier Vulkane verursacht: die des Monte Palinuro, ein Unterwasser-Vulkan und des Ätna (siehe Atlantis-Karte). Die starken Erdbeben und Überflutungen machen ein Entrinnen aus den Städten Atlantis-Palinuro und Atlantis-Vulcano unmöglich. Nach dem Gilgamesch-Genesis-Epos gelingt es dem legendären Utnapischtim-Noah aus Südkalabrien zu entkommen und mit seinem Schiff in Südostanatolien zu landen.

Die Atlantis-Malteser verlassen die Insel und gründeten am westlichen Nildelta eine neue Stadt. Später entsteht etwas nördlich davon die Stadt Sais, bei der Solon von der Atlantis-Überlieferung erfahren haben soll. Ein anderer Zweig siedelt sich in Südostanatolien (am Seyhan-Fluss) an, von dem die Urfa-Region beinflusst wird. (http://www.wissenschaft.de/wissen/hintergrund/172927). 
Die heute noch sichtbaren Megalithbauten Maltas gehen nicht auf die Atlanter zurück, sondern stammen von späteren Einwanderern aus den Megalith-Kulturen Apuliens (Murge Salentine).

Nach der Atlantis-Katastrophe setzt auch die Verwüstung der libyschen Gebiete um die Städte Atlantis-Syrte und Atlantis-Fezzan ein, sodass die meisten Bewohner in die fruchtbareren Regionen Oberägyptens und Äthiopiens aussiedeln, die später die dortigen Kulturen beeinflussen.

Der Hauptabzugsstrom der Atlantis-Überlebenden ist also nach Osten gerichtet, wo diese entscheidende Impulse zu den nachfolgenden Hochkulturen setzen. Das Atlantis-Gebiet, das Land der Titanen verliert hingegen über mehrere Jahrtausende hinweg an direkter Bedeutung. Solange bleibt es östlich davon als berüchtigtes Jenseits-Land des Untergangs nahe der Unterwelt gebrandmarkt.
 

3.5.2. Der Titanen Untergang

Das archetypische Vorbild aller großen Katastrophen-Mythen dürfte im verheerenden Atlantis-Untergang geprägt worden sein. Dazu gehört neben der altägyptischen Atlantis-Überlieferung der Prometheus-Mythos zu den wohl markantesten und ursprünglichsten dieser Art. Dort wird das Unglück oder die "Strafe der Götter" über die schöne Pandora (griech. Allbeschenkte) in Form eines großen Gefäßes den Menschen überbracht - ein Produkt des Hephäst-Vulcanus und somit als Vulkan zu deuten. Der arglose Epimetheus nimmt das göttliche Geschenk des Zeus gegen seines Bruders Prometheus Warnungen an und bringt damit die Welt und die Menschen in eine große Katastrophe. Daraufhin wird auf Geheiß des neu eingesetzten Hauptgottes Zeus, Prometheus durch Hephäst-Vulcanus an den Kaukasus geschmiedet, der einst östlichen Weltgrenze, während auf der westlichen Weltgrenze sein Bruder Atlas den Himmel tragen muß. Es dürften uns damit indirekt die ältesten, bekannten Weltgrenzen zur Katastrophenzeit überliefert worden sein, in der es innerhalb dieser Grenzen bereits eine kulturelle Verbindung gegeben haben muß. Überlebende der Atlantis-Katastrophe konnten dann so gezielter von der damals westlichen Weltgrenze auch über Kleinasien zum Kaukasus der östlichen Weltgrenze gelangt sein - dem Land des Goldenen Vlieses, das Ziel der späteren Argonauten. 

Phaeton ist ein weiterer Untergangskandidat, der interessanterweise wie Atlas und Prometheus die Okeanide Klymene zur Mutter und den Titanen Helios zum Vater hat. Bei seiner Wunscherfüllung, einmal den Sonnenwagen seines Vaters fahren zu dürfen, soll er beim Sonnenuntergang im Westen zu nahe an die Erde gekommen sein und verbrannte so große Teile davon. Der Name Phaeton (der Leuchtende) steht dem Namen und der Bedeutung des Vulkans Ätna auch schon ein Stück näher, was auf eine jüngere Deutung der Atlantis-Katastrophe schließen könnte. Helios wird noch in der Odyssee (Bronzezeit) auf Sizilien (Thrinakia) lokalisiert.

Im Grunde geht es hierbei schon um die berüchtigten Titanenkämpfe, die im Zusammenhang mit großen Naturkatastrophen verstanden werden müssen. Atlas, Prometheus(-Luzifer), Phaeton, ... sind titanischer Herkunft, die auf eine steinzeitliche Götterdynastie zurückzuführen sind. Vieles spricht hier dafür, dass sie abendländischen Ursprungs sind, also hier aus dem Atlantis-Gebiet stammen - dem Hesperia, wie es die alten Griechen bezeichnet haben aber nicht mehr richtig und eindeutig zuordnen konnten. Nach der griechischen Mythologie hat die Urmutter Gaia mit ihrem erstgeborenen Sohn Uranos die Titanen zur Welt gebracht, der ebenso wie Atlas dem Götterberg Ätna entsprechen dürfte. Uranos selbst entsteht ja durch Tartaros (Unterwelt) und Gaia (Erde), also durch Magma das aus der Erde hervorquillt. Ein besseres Ur-Bild für einen Vulkan kann man sich auch nicht vorstellen. In dieser Form würde dann die Erde eine Vulva darstellen, die gleichzeitig als Brust (altgriech. Titos) gedeutet werden könnte. In diesem Zusammenhang ebenso bemerkenswert: Zeus Aufzucht geschieht durch den Ammendienst (altgriech. Titeia,) einer Titanin (Amme altgriech. Tite), was den Titan als Vulkan und Urform des männlich-weiblichen Götterbergs noch zusätzlich betont.

Der Titanenkampf endet mit der Bezwingung Kronos, der also wieder ein Ätna-Kandidat sein müsste. Die Herrschaft der Titanen ist mit ihrem Untergang zurück in die Unterwelt besiegelt. Gaia setzt anschließend noch die titanenähnlichen Giganten gegen die neuen, olympischen Götter ein. Doch mit Herkules gewinnen sie auch diese Kämpfe. Als letztes schickt Gaia noch den Typhon gegen Zeus aus. Typhon, als riesiges, schlangenfüßiges Ungeheuer mit 100 feuerspeienden Schlangenköpfen kann natürlich wiederum nichts anderes als ein Vulkan sein. Und wie endet dieser erderschütternde Kampf?: Zeus schleudert ihm den Ätna entgegen und erdrückt ihn damit. Fazit: Typhon ist wieder weiter nichts als eine weitere Version der vielen Bezeichnungen oder Zuordnungen für den berüchtigten Ätna. Man erinnere sich an dieser Stelle nur an den ebenso hundertköpfigen Drachen Ladon am Baum der goldenen Äpfeln der Hesperiden, der weiter oben bereits als eine jener Ätna-Einheiten identifiziert worden ist.

Die Titanen- und Gigantenkämpfe oder ihr Ende stehen auch für einen geo-kulturellen Bruch, indem das Atlantisgebiet an Bedeutung massiv einbüßt und die dort entstandene kulturelle Entwicklung sich in östliche Richtung fortsetzt. Mit der Herrschaftsübernahme der olympischen Göttern verblasst schließlich auch die Erinnerung an jenes Goldene Zeitalter von Atlantis und der genauen Lage jenes Westreiches Hesperia. 

Die fatalen Untergangserfahrungen haben sich allmählich wieder aufgelichtet. Diese Auflichtung hat sich beispielsweise noch im Persephone-Kult erhalten, wo man dem Untergegangenen alljährlich zu Frühlingsbeginn durch eine Art Auferstehungsfeier gedacht hat, die bekanntlich bis heute in anderen Kultformen weiterlebt. Bei der Perseus-Andromeda-Version erfährt die Katastrophe eine noch glücklichere Verarbeitung: Die Bezwingung jener vulkanischen Ungeheuer und die Befreiung durch Emigration. Mit Herkules und Gilgamesch haben wir weitere derartige Drachentöter oder -Überwinder kennen gelernt und mit Zeus den jüngsten unter ihnen, den bereits menschgestaltigen Gott der bereits gegen mensch- oder halbmenschgestaltige Titanen kämpft, anstelle ihrer ursprünglichen Drachenformen oder den vergessenen Vulkanen.

Aber schon in der Epoche erster schriftlicher Aufzeichnungen um 3000 v. Chr. scheint niemand mehr in der Lage gewesen zu sein, diese zu Ungeheuer gewordenen titanischen Götter der einst westlichen Weltgrenze mit jenen Vulkanen (insbesondere dem Ätna), den Götterbergen von Atlantis in Verbindung zu bringen, was bis heute so geblieben ist. So beschreibt noch Homer in seiner Odyssee bei den riesenhaften Laistrygonen eine vulkanische Aktivität, aber ohne dass ihm das bewusst geworden ist. Nach der hier vorgenommenen Mythenforschung müssen all diese Schriftgelehrten Zugang zu sehr alten Überlieferungen gehabt haben, die sie selbst nicht mehr richtig zu deuten wussten.

Eine letzte, verborgene Spur zu Atlantis scheint der römische Dichter Vergil noch kurz vor unserer Zeitenwende an diesem ehemaligen Welt-Westrand aufgelesen zu haben: In seiner "Äneis" lässt er den Schiffssteuermann Palinuro über Nacht einschlafen, ins Wasser fallen und untergehen. Von daher soll das bekannte Kap am Cilento seinen Namen tragen. Nach der hier vorgenommenen Ortung könnte jedoch Vergil ebenso eine viel ältere, örtliche Sage eingebaut haben, die einmal ursprünglich auf eine untergegangene Hafenstadt hingewiesen haben könnte: Atlantis-Palinuro.
 
 

4. Literatur (Auswahl)

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Der 8. [achte] Kontinent : Wiege aller Kulturen 
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Griechische Mythologie in Rowohlts Enzyklopädie
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