Die Artussage im neuen Licht
Eine
Rekonstruktionsanalyse mit neuen Ortungsergebnissen (Kurzfassung)
(Erstellt mit Netscape 4.78)
Inhalt
1.
Einleitung
2. Zusammenfassung der epischen
Haupthandlung
3. Zusammenfassung des
geschichtlichen Hintergrunds
4. Die Ortungsergebnisse in
vergleichender Darstellung
5. Literaturauswahl
Übersicht erstveröffentlichter X-Ortungsergebnisse zu den
bedeutendsten europäischen Mythen:
Atlantis
Odyssee
Jesus
Dietrichsage
Artussage
Widmung
Zum Gedenken an Jeannne d'Arc (Johanna von Orléans 1410-1431), Bauernmädchen, bekannte
Freiheitskämpferin und eines der vielen Opfer der "Heiligen
Inquisition": Nach Gefangennahme in Rouen wegen Zauberei und Ketzerei
angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
1. Einleitung
Die Artussage ist das
bekannteste mittelalterliche Epos des Abendlandes. Der Bekanntheitsgrad
liegt wohl daran, da die professionellen Artus-Dichter (Chrétien
de Troyes, Wolfram v. Eschenbach, ...) ein
besonderes Augenmerk auf die Darstellung zweier hoher Werte legten: die
Bande der Ritterlichkeit ("Artus Tafelrunde" - entspricht einer
mittelalterlichen Neuauflage der "Argonauten".) und die
abenteuerliche Suche nach einem besonderen Schatzziel (Die
"Gralssuche" entspricht einer mittelalterlichen Neuauflage zum
"Goldenen Vlies".) - also Themen großer Gedanken an der Grenze
zwischen existentieller Höchstleistung und Utopie.
Und wieder ist bei diesem Mythos ein
historischer Hintergrund Modell gestanden, auf welchem nachfolgend - neben
der epischen Handlung - kurz eingegangen wird. Die eigentliche
Projektaufgabe liegt dann wieder in der Rekonstruktionsortung wichtigster
Ereignisse und Orte der Sagen-Geschichte, die sich diesmal noch stärker auf
die wesentlichsten Punkte und Zusammenhänge konzentrieren muß, um das künstliche Beiwerk der hier professionell
missionierenden Dichter möglichst großräumig zu umgehen. Dazu werden in der
tabellarischen Ortungsvergleichsliste die bisher favorisierten Zuordnungen
mit den eigenen Ortungsergebnissen parallel zusammengestellt.
Der zeit-geschichtliche Hintergrund
entspricht dem der Dietrichsagen -
nur handeln die Ereignisse der Artussage in Britannien, die der
Dietrichsagen in Mitteleuropa. Die Zentralfigur der Dichtung ist wieder
einmal nicht mit der weniger bekannten historischen Artus-Person identisch.
Wenn auch nicht von einer derart komplexen Konglomeratprägung ausgegangen
werden kann, wie das bei den (aventiurehaften)
Dietrichsagen aufgezeigt wurde - so werden dem Held doch wieder Handlungen
angedichtet, die ihm höchstwahrscheinlich nicht zugeschrieben werden können
- so z.B. der Frankreichfeldzug (um angeblich einen seiner abgefallenen
Ritter zu bekämpfen) oder die Gralssuche. In solchen Fällen kann es sich
dann, wieder um eine Verwechslung, Mischung und/oder um eine einfache
Zudichtung handeln.
Weitere, grundsätzliche Einführungsbeiträge
in Mythen und Ortung.
2. Zusammenfassung der
epischen Haupthandlung
Der Zauberer Merlin verhilft
dem jungen Artus durch die Schwert-Loslösung von einem Marmorblock (Anm.:
erinnert an den Gordischen Knoten, den Alexander d. Gr. einst durchschlug),
Nachfolger des alten verstorbenen Königs von Britannien Uther
Pendragon zu werden. Die Adeligen fühlen sich
betrogen und versuchen den unwürdigen Thronanwärter zu beseitigen. Artus
kann sich jedoch behaupten und führt künftig Hof im Königsschloss zu
Camelot. Merlin verhilft ihm auch zum berühmten Zauberschwert Excalibur. Nimue, die Dame
vom See rät Artus auf die Schwertscheide zu achten, die ihn schützt. Bei
Artus Vermählung mit Ginever erhält er von ihr
einen großen, runden Eichentisch. An diesem Tisch versammelt sich künftig
Artus Tafelrunde, eine ritterliche Bruderschaft, in der u.a. die Probleme
des Reiches besprochen werden. Die Fee Morgan, Artus Halbschwester,
missgönnt Artus die Herrschaft und versenkt Excaliburs
Scheide in einen Fluß. Und Nimue,
die Dame vom See schließt Merlin für immer in eine Grotte ein. Dadurch
gehen König Artus wichtiger Schutz und entscheidende Hilfe verloren.
In einer Vision erscheint Artus der heilige
Gral. Er und seine Ritter sehen es nun als ihre Lebensaufgabe, diesen Gral
fern Britanniens aufzufinden. In der Zwischenzeit begeht seine Frau Ginever Ehebruch mit Sir Lancelot. Sir Mordred, König Artus Sohn verrät es ihm und schmiedet
gleichzeitig gegen seinen Vater einen Komplott. Der Abt von Glastonbury (in
einer anderen Version ist es der Papst) mischt sich ein und schlichtet den
Konflikt. Ginever geht ins Kloster, Sir Lancelot
flüchtet nach Frankreich. Artus Ritter verlangen die Sühnung der ermordeten
Ritter und damit die Verfolgung Lancelots. Während sie darum in Frankreich
jahrelang kämpfen, ernennt sich der verbliebene Königssohn Sir Mordred zum König. Britannien leidet unter seiner
Schreckensherrschaft. Artus hört von Sir Mordreds
Hinterhältigkeiten und kehrt mit seinem Heer nach Britannien zurück. In der
Schlacht unterliegt Sir Mordreds Heer. Nach den
Friedensverhandlungen kommt es zur letzten Schlacht, die von der Fee/Hexe
Morgan ausgelöst wird. Zuletzt stehen sich die Kriegsgegner König Artus und
sein Sohn gegenüber. Artus tötet Sir Mordred und
wird selbst von ihm tötlich verwundet. Sir Bedivere erfüllt Artus letzten Wunsch zum Großen Wald
gebracht zu werden und versenkt dort schließlich im See sein Schwert Excalibur. Frauengesänge weisen Artus ans Ufer zu
bringen, um ihn zu heilen. Daraufhin erscheint ein Boot mit
schwarzgekleideten Königinnen. Artus wird ins Boot getragen. Nimue, die Dame vom See, streift ihre Kapuze ab und
gibt sich so als einzige mit den tröstenden Worten zu erkennen: „Artus wird
niemals sterben! Nach Jahrhunderten wird er geheilt erwachen... Er ist der
einstige und künftige König!“ Dann verschwindet das Boot im Nebel und fährt
nach Avalon.
Schlussbemerkung: Die missionierenden Artus-Dichter haben auch hier
wieder einen wesentlichen Teil der hier zum Untergang verurteilten keltisch-heidnischen
Hauptgottheiten in vorwiegend unheimlichen Personifizierungen dargestellt
(siehe dazu in der Tabelle weiter unten).
3. Zusammenfassung des
geschichtlichen Hintergrunds
Die
Ereignisse der Artussagen fallen in die zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts.
Die römischen Truppen haben Britannien schon vor mehreren Jahrzehnten den
Rücken gekehrt. Rom hat genug eigene Probleme und kann sich nicht mehr um
die britannische Kolonie kümmern. Die britischen Kelten sind nun bei der
Verteidigung ihrer Heimat (Südwesten Englands) wieder auf sich alleine
gestellt, das aus mehreren Stammesgebieten zusammengesetzt ist. Bedroht
werden sie immer wieder von den irischen Übergriffen im Westen, im Norden
von den Pikten und im Osten lauert die größte
Gefahr von den Angeln, Sachsen und Jüten, die aus dem europäischen Festland
einströmen.
Die Quellen
nennen einen "Vortigern" (entspricht dem Titel eines walisischen
Oberbefehlshabers) als ersten keltisch-britischen Heerführer nach dem
römischen Abzug. Es folgen Riothamus und
Ambrosius bis um 480. Dann übernimmt eine offiziell unbenannte, rebellische
Person die Heeresführung. In den zahlreichen Sagen und Legenden ist diese
Person als Artus überliefert, bei dem es sich aber höchstwahrscheinlich um
seinen keltischen Über- bzw. Kriegernamen handelt (Arth,
Artos, > kelt.: Bär). Die Chronik von Nennius
aus den Jahren 828/29 ist die erste, die seinen Namen im Zusammenhang mit
seinen außergewöhnlichen, kriegerischen Leistungen nachträglich historisch
festhält*. Von den vielen Schlachten gilt die große Schlacht am Berg Badon als Höhepunkt dieser frühen britischen Kriege,
die Artus siegreich anführt. Einige Jahre nach seinem Tod beginnt sich
schließlich die keltisch-britische Vormachtstellung auf der Insel endgültig
abzubauen. Die germanischen Angelsachsen übernehmen daraufhin die britische
Herrschaft, gefolgt von den Normannen, deren Herrscher bereits wieder
Verwandtschaftsbeziehungen mit Artus sehen wollen, um bei den angestammten
Briten besser anzukommen. Die daraufhin einsetzende mittelalterliche
Artus-Sagendichtung löst - unterstützt vom verbreiteten Kreuzzugsfieber -
den europaweiten Durchbruch des Artus-Mythos aus.
* Kleiner Auszug
aus der Chronik von Nennius: "... Die achte
Schlacht ereignete sich in der Burg von Guinnion.
In dieser Schlacht trug Artus das Bild der Heiligen Jungfrau auf seinen
Schultern. Durch die Kraft Unseres Herrn Jesus Christus und der Heiligen
Jungfrau Maria, seiner Mutter, wurden die Heiden an diesem Tag in die
Flucht geschlagen und viele von ihnen im Kampf getötet... Die zwölfte
Schlacht war die Schlacht am Berg Badon, in der
bei einem einzigen Angriff an einem einzigen Tag Artus neunhundertsechzig
Mann fällte ..." Nennius war
christlicher Mönch. Christliche Mönche waren damals meistens die einzigen,
die des Lesens und Schreibens fähig an derartigen Überlieferungen
arbeiteten. Verfälschungen im Sinne der christlichen Ideologie zählten
dabei wie die Zerstörung von alten Kultstätten zu ihren heroischen
Geisteshandlungen zum Leidwesen moderner Historiker, Archäologen,
kulturgeschichtlich interessierter Forscher, ...
4. Die Ortungsergebnisse in
vergleichender Darstellung
Erklärung
der dazugehörigen tabellarischen Ortungsvergleichsliste:
Die
Hauptbezüge sind fett markiert.
In der linken
Spalte sind die gängigsten
Vermutungen zur Artussage platziert, wobei die bisher relevantesten
Lokalisierungen dazu kursiv hervorgehoben sind. Sie erbrachten noch
keine archäologischen Nachweise zu einem Artus-entsprechenden Helden der
Keltenzeit.
In der rechten
Spalte befinden sich parallel dazu
die vorläufigen Ergebnisse der Rekonstruktionsortung (nach W. Huf). Davon sind die ermittelten, Ortsbeziehungen
unterstrichen angeführt.
Beispielhafte Parallelhinweise von der
Artussage zu den aventiurehaften Dietrichepen
finden sich in der entsprechenden Analysearbeit - insbesondere in Punkt 5.2
beim Eckenlied.
Das Signifikanz-Potential der
ermittelten Ortsbezüge wird wieder in eckigen Klammern gesetzt. Dabei
handelt es sich hier um eine vereinfachte Situationsbewertung [von 0-10]
der erreichbaren Nachweismöglichkeiten eventueller historischer
Hintergründe und Zusammenhänge zu den jeweiligen Mythen. Die
Ausgangssituation in der Artus-Forschung ist mit der Situation in der
Dietrich-Forschung vergleichbar, steht jedoch aufgrund bisher intensiverer
Forschungsbemühungen um etwa einen Niveaupunkt darüber 1-5, oder durchschnittlich
bei etwa 3.
Liegen den hier
analysierten Artussagen noch lokalisierbare und faktisch nachweisbare Orte
zugrunde, dann müsste zumindest die SP-Ebene 6 und darüber erreicht werden
- je nach Qualität der erzielten Ergebnisse. Der erreichbare durchschnittliche
SP-Wert der ermittelten 9 relevanten Bezugsorte liegt bei ca. 7,8.
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Bisher relevanteste
Lokalisierungsvorschläge
Vorgeschichte:
Der Zauberer Merlin verhilft dem künftigen
König von Britannien Uther Pendragon
zu einer Liebesnacht mit Ygerna, der Frau des
Herzogs Gorlois von Cornwall. Dafür muß der König ihm später den daraus geborenen Sohn
Artus übergeben. In der Liebesnacht kommt Herzog Gorlois
im Kampf um. Der König Uther Pendragon heiratet seine Frau Ygerna.
Artus kommt als Kind zum Zauberer Merlin.
Artus Geburtsschloss:
Die Burgruine Tintagel
an der Nordostküste Cornwalls
Sie entstammt jedoch hauptsächlich aus dem
Mittelalter des 12. Jahrhunderts - der Entstehungszeit der Artusdichtung.
Merlins Grotte wird in der dort nahegelegenen Grotte
angenommen. Dort soll Merlin gelebt und Artus aufgezogen haben.
Artus Königsburg Camelot:
Cadbury Castle (Somerset) ist
ein Palisaden-Fort aus der Römerzeit.
Caerleon (Gwent) in Südostwales war ein römisches Legionslager.
Der Gral und die Gralsburg Carbonek:
Der frühchristlichen Meinung nach handelt
es sich beim heiligen Gral um den Christus-Kelch des letzten Abendmahls.
Joseph von Arimathäa soll damit später auch das
Blut von Christus am Kreuz aufgefangen haben. Nach seiner 40jährigen
Gefangenschaft wegen Leichenraubs soll er um 63 n.Chr. über Marseilles
und Frankreich mit dem Gral in Glastonbury (südenglische Grafschaft Somerset) angekommen sein und dort die erste
Kirche Britanniens erbaut haben, wo jetzt die bekannte Abtei steht. In
einer anderen Version zieht er sich in einen abgeschiedeneren Ort am Berg
Mont Salvat in den Pyrenäen zurück.
Im Mittelalter wurde der Gral Ziel
christlich-mystischer Schatzsuche. König Artus und seine Ritter werden
als Initiatoren dieser Suche dargestellt, die ihnen jedoch nicht gelang.
Einzig und allein der Außenseiter Parzival soll würdig genug gewesen sein
und die Nachfolgerschaft des Gralskönig Anfortas
übernommen haben. Letztere Artussagen-Ergänzungen sind jedoch noch
stärker an die christliche Kreuzzugsidee angepasst worden.
Am Fuße des Glastonbury Tor (Tor > Berg) steht ein alter Brunnen namens Chalice Well. Dort soll der sagenhafte heilige Gral
versteckt worden sein.
Andere halten den Kelch der Klosterkirche
von San Juan de la Peña (Pyrenäen) für den
heiligen Gral.
Dinas Bran Caste in Nordwales
wird ebenso gerne von modernen Artus-Anhängern als Gralsburg angenommen.
Sie stammt jedoch aus dem Mittelalter und konnte bisher ebenso keine
archäologischen Beziehungen zu einer Artus-Persönlichkeit der Keltenzeit
bringen.
Gralsburg-Annahmen außerhalb Britanniens
betreffen hauptsächlich das Gebiet der Pyrenäen (Spanien/Frankreich):
· Am Berg Mont Salvat,
Klosterkirche von San Juan de la Peña
· Bastion Montségur (von
den päpstlichen Truppen erstürmte Katharer-Festung)
· Berg Pech Cardou
in Deutschland:
Kloster Ettal
Hinweis: Bei den in dieser Spalte genannten Darstellungen und
Lokalisierungen zum Gral und zur Gralsburg handelt es sich um
christianisierte Anschauungen der Kreuzzugsepoche.
Größte Schlacht am Berg Badon mit
beidseitig hohen Verlusten:
Bei Swindon (Wiltshire) oder
bei Bath (Avon).
Artus letzte Schlacht bei Camlann, wo er
angeblich durch seinen Sohn Sir Mordred tödlich
verwundet worden sein soll:
Irgendwo in Wales oder Cornwall.
Die Orts-Favoriten:
In der Nähe des Cadbury
Hill ("Camelot") beim Flüsschen Cam (Sommerset)
oder
beim Flüsschen Camel (Cornwall).
Der See, indem Excalibur
versenkt wurde und Artus mit einem Boot durch Nimue
(der Dame vom See) nach Avalon überführt wurde
- darum streiten sich zwei Orte:
Dozmary Pool im Bodmin Moor
(Cornwall).
Loe Pool bei Porthleven
(Cornwall). Dieser See ist durch
einen Sandstreifen vom Meer getrennt.
Avalon:
Jenseitiges, keltisches Paradies Ynis Avallach (Insel der
heiligen Äpfel), wo alles von alleine wächst.
Favorisierte Inseln:
· Inseln vor Cornwall
· Isle of Man zwischen England und Irland und
· Isle d’Aval vor Bretagne.
Die französische Stadt Avallon mit
einer Insel in einem See.
Die Stadt Glastonbury (Somerset) ilt für
die meisten modernen Artus-Anhänger als Avalon.
Artus Grabstätte:
In Glastonbury mit den Ruinen der
alten Benediktinerabtei sollen Mönche im Jahre 1191 König Artus und
Ginevers Grabstätte gefunden haben. Höchstwahrscheinlich wurde das aber
von der Kirche vorgetäuscht, um von den Wallfahrern u.a. dringend nötiges
Geld für einen Wiederaufbau einzutreiben. In dieser Zeit waren die
Artus-Geschichten hoch in Mode.
|
Ergebnisse der
Rekonstruktionsortung
Vorgeschichte und Vorbemerkungen:
Artus Eltern entstammen aus der keltischen
Mittelschicht (Niederadel) unterschiedlicher Stammesverbände. Die Mutter aus
dem südwestlichen Wales wird von einem Adelsmann aus Cornwall-Devon
vergewaltigt, der bald darauf stirbt. Um der Schande zu entgehen, zieht
die Mutter nach Osten ins heutige West Glamorgan
und bringt dort Artus um 467 zur Welt.
Aus Glamorgan
stammen auch die meisten zeitgenössischen Heiligenlegenden, in denen sich
die Heiligen mit dieser beliebten Kriegerpersönlichkeit aufwerten. Artus
Erziehung ist von der vorherrschenden spätkeltischen,
christlich-römischen Kultur bestimmt. Artus Zauberer Merlin ist somit
eine dichterische Erfindung. Er entspricht der heidnischen Hauptgottheit Jupiter-Taranis - sein Komplize Uther
Pendragon ("Drachenhaupt") entspricht
dem Mars-Teutates, Nimue
(die Dame vom See) der Nantosvelta und die Fee
Morgan der Kriegsgöttin Morigan. Siehe dazu
auch die Parallelhinweise in der Tabelle
4.4 zur Eckenlied-Analyse (Dietrichepen). Der Einsatz der heidnischen
Hauptgottheiten in der christlich missionierenden Dichtung dient dazu
diese im Verlauf der Geschichten zu vernichten oder abzusetzen, wie das
auch bei der Artussage geschieht.
Artus Geburtsheimat:
West Glamorgan
(Südwales) etwa 15 km nördlich von Swansea
[5-7].
Merlins Grotte entspricht demnach am ehesten einem keltischen Kultort etwa an der Westküste der Halbinsel Gowers beim markanten Worms Head
[7-8].
Artus Burg "Camelot":
Eine Burganlage an der Südküste der
Halbinsel Gowers - West Glamorgan
[8-9].
Es handelt sich dabei nicht um eine
Königsburg, da sich Artus Herkunft nicht so schnell für einen Königstitel
geeignet haben kann. Artus nimmt aber bereits mit 13 Jahren als Krieger
an den Schlachten teil und steigt bald zum bekanntesten, keltischen
Oberbefehlshaber auf. Immerhin regiert er dann die Kampfverbände der
keltisch-britischen Stammesfürsten.
Artus bleibt entgegen der Artus-Dichtung
unverheiratet und führt so auch keinen Frankreichfeldzug gegen
"Lancelot" durch. Ebenso spielt für den historischen Artus der
Gral oder die Gralsuche keine Rolle. Er muß mit
ganz anderen existenzbedrohlichen Überlebenskämpfen fertig werden. Der
Gral der Artussage spiegelt da eher einen gewissen
christlich-ritterlichen Luxus-Gedanken des Hochmittelalters wider.
Der Gral
Im Mittelalter entspricht der Graal einer großen, rundlichen Speiseplatte von hohem
materiellem Wert, die in Burgen bei besonderen weltlichen und religiösen
Anlässen mit den köstlichsten Speisen des Burgherrn aufgetragen wird. Die
Herleitung bzw. Weiterentwicklung von Artus "Tafelrunde" zur
rundlichen Speiseplatte ist naheliegend. Und von hier zum "heiligen
Gral" des letzten Abendmahls ist es auch nur mehr ein kleiner
christlicher Gedankensprung.
Ursprünglichst dürfte der Gral jedoch auf
ein heidnisch-keltisches Kultgefäß zurückzuführen sein, mit besonderer
Bedeutung für die jährlich stattfindenden Fruchtbarkeitsfestlichkeiten.
Im Zuge der Christianisierung wird diese Überlieferung ausgelöscht.
Die Gralsburg:
Demnach waren solche Gral-Gefäße auch an
entsprechenden Kultorten gebunden. Höchstwahrscheinlich gab es im
keltischen Kulturkreis auch einen Kultort von
zentraler Bedeutung, indem ursprünglich alljährlich hohe Abordnungen der
meisten Keltenverbände zusammentrafen. Durch die Völkerwanderung und
Naturkatastrophen könnten viele Keltenstämme von diesem Zentrum entfernt
und abgeschnitten worden sein, bis von dieser Tradition nur mehr die
keltischen Sagen etwas wussten, in denen man möglicherweise auch
vergeblich versuchte, den Ort wiederzufinden. Die frühen Artus-Dichter
dürften sich u.a. von diesem Sagenmaterial inspiriert haben und daraus
entsprechend der Kreuzzugsmentalität die christliche Gralssuche
entwickelt haben.
Der Ort der Gralsburg ist meistens
folgendermaßen gekennzeichnet:
· nicht in Britannien und
· in einer größeren, öden Flusslandschaft gelegen.
Übrige, rein christliche Manipulationen
müssen aus historischer Sicht ausscheiden.
Daraus folgt vermutlich ein Ort:
· zentral im keltischen Ursprungsgebiet der La-Téne-Kultur,
· in einer weiten labyrinthartigen Auenlandschaft mit
Flussinseln und alljährlichen
Überschwemmungen - so von fremden Eindringlingen natürlich geschützt,
kaum auffindbar und schwer zugänglich.
Eine große Überschwemmung könnte den Kultort schließlich gänzlich verschluckt haben:
Zentraler, keltischer Kultort
in der Umgebung von Ulm [8-10].
Größte Schlacht am "Berg Badon":
Bei Lambourn (Berkshire), in der Nähe liegt Baydon
- im Jahre 499 [7].
In Artus letzter Schlacht von "Camlann"
wird er nicht entscheidend verwundet.
Diese Schlacht findet 503 statt ca. 10 km
südöstlich von Royston (Hertfordshire), 10 km
westlich des Flusses Cam (Cambridge) und 2 km
westlich der Flussquelle des Lea [7].- Artus östlichste Schlacht und
Reichsgrenze bis zur Cam-Lea-Linie (Camlann-Linie).
Artus Tod wird später verursacht, nicht durch einen Kampf
oder einen Mord, sondern durch eine Grippe-Infektion in Cardiff (South
Glamorgan). Er stirbt jünger als bisher
angenommen im Alter von etwa 37 Jahren um ca. 503.
Der See, indem Artus Schwert "Excalibur"
versenkt wird: Fairwater Lake in
Cardiff [7].
Dann nach einem eintägigen Trauermarsch gen
Süden wird Artus ans Meeresufer in Barry gebracht, von wo er in
einer Nacht- und Nebelaktion zu einer geheim gehaltenen Grabstätte nach
Avon überführt wird.
"Avalon":
Jeder keltische Stammesverband besitzt einen
dem Avalon entsprechenden eigenen Kultort der Anderswelt der über das Wasserelement
erreicht wird. Dementsprechend handelt es sich um Kultorte
wie heilige Inseln oder heilige Seen (siehe auch entsprechende Stelle in
der Eckenlied-Rekonstruktion:
Heiliger See). Abgesehen davon haben die bretonisch-britischen Kelten
auch ihren zentralen Avalon-Hauptkultort auf
ihrem Seeweg Bretagne-Britannien: die Insel Jersey, Hauptinsel der
Kanalinseln [8-10]. Diese Insel ist den Nordländern noch heute wegen
ihres milden Klimas und ihrer landwirtschaftlichen Produkte bekannt
("Insel der Äpfel" - Ynis Avallach). Aber Artus wurde zu einem anderen geheimen
Avalon - Grab überführt...
Artus Grabstätte:
Bei Bristol (Avon) [9-10]. So gesehen
wird Artus zwar nicht nach "Avalon"
überführt, aber nach Avon.
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5. Literaturauswahl
(chronologisch
geordnet)
Fran & Geoff Doel ; Terry Lloyd
König Artus und seine Welt : ein Streifzug
durch Geschichte, Mythologie und Literatur
Erfurt : Sutton, 2000
- 1. Aufl.
(Edition Tempus)
Mertens,
Volker:
Der deutsche Artusroman
Stuttgart : Reclam, 1998
(Reclams Universal-Bibliothek ; Nr.
17609)
Williams, Gwyn A.
Excalibur : europäische Legenden um Artus
München : Knesebeck,
1996
Mandach, André de
Auf den Spuren des heiligen Gral : die
gemeinsame Vorlage im pyrenäischen Geheimcode von
Chrétien de Troyes und
Wolfram von Eschenbach ; neue Version
Göppingen : Kümmerle,
1995
(Göppinger Arbeiten zur Germanistik ; Nr.
596)
Meyer,
Matthias:
Die Verfügbarkeit der Fiktion :
Interpretationen und poetologische Untersuchungen
zum Artusroman und zur aventiurehaften
Dietrichepik des 13. Jahrhunderts
Heidelberg : Winter, 1994
(Germanisch-romanische Monatsschrift : Beiheft
; 12)
Pratelidis, Konstantin
Tafelrunde und Gral : die Artuswelt und ihr
Verhältnis zur Gralswelt im "Parzival" Wolframs von
Eschenbach
Würzburg : Königshausen und Neumann, 1994
(Würzburger Beiträge zur deutschen Philologie ;
12)
Westphal,
Wilfried
"Einst wird kommen ein König ..." : Artus - Wahrheit und Legende
Braunschweig : Westermann, 1989 - 1. Aufl.
König Artus und seine
Tafelrunde : europäische Dichtung des
Mittelalters
in Zusammenarbeit mit Wolf-Dieter Lange neuhochdt. hrsg. von Karl Langosch
Stuttgart : Reclam, 1988
(Reclams Universal-Bibliothek ; Nr. 9945)
Winfried
Huf, Bahnhofstraße 14, I-39040 Auer
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