|
©
2008 Copyright by Winfried Huf, South-Tyrol, Italy
Das Alexander-Grab
Das verschollene Alexander-Grab
mit Geheim-Schriften-Depot
Analyse und Ortungsversuch
Erstveröffentlichung: Dezember 2008
Letzte Aktualisierung:
Zur Vorgeschichte
Alexanders Leichnam (gest.
10.06.323 v. Chr.) sollte von seinem Sterbeort Babylon in seine Heimat nach
Makedonien-Griechenland überführt werden. Die Vorbereitungen dauerten zwei
Jahre und nach dem der große Leichenzug bereits Monate unterwegs war,
entführte Ptolemaios (I.) ihn gegen den Willen von Alexanders makedonischer
Familie nach Ägypten. Er wollte dabei Alexanders Wunsch - einer
pharaonischen Grablegung - nachkommen. Anderseits war mit Alexanders
letzter Ruhestätte auch seine Reichsnachfolge verbunden, auf die es u.a.
Ptolemaios (I.) abgesehen hatte. Der Leichnam soll also für einige Zeit zu
den pharaonischen Grabstätten in Memphis überstellt worden sein. Die
dortigen Priester befahlen ihn aber einige Zeit später zu entfernen.
Aufgrund einer Prophezeiung würde nämlich Alexanders Leiche Unruhen an sich
ziehen. Daraufhin kam der Leichnam nach Alexandria, wo er definitiv bestattet
worden sein soll. Allerdings trafen die Prophezeiungen nun zunehmend auf
Alexandria zu und die erste Ruhestätte dürfte damit auch nicht die Letzte
gewesen sein.
Zur weiteren Geschichte bis heute
Widersprüchliche Angaben
über den Ort von Alexanders Grabmal in Alexandria deuten darauf hin, dass
das Grab in den darauffolgenden Jahrzehnten einige Male umgesiedelt worden
sein könnte, bis es endlich einen fixen und wohl sichereren Platz
zugewiesen bekam. Ein definitiv sicherer Bestattungsort in Alexandria-Stadt
oder gar im Stadtzentrum hätte in den folgenden Überlieferungen dazu nicht
eine derartige Ungewissheit mit anschließender Verwirrung stiften können.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit muß also im weiteren Verlauf vorerst einmal
zwischen eigentlicher Grabstätte und einer oder mehreren Gedenkstätten
unterschieden werden. Die verschiedenen Angaben über Alexandergräber im
Stadtbereich Alexandrias dürften sich demnach eher um bekannte und
allgemein zugängliche Gedenkstätten Alexanders bezogen haben, während das
eigentliche Grabmal zuletzt nur mehr ausgewählten Besuchern zugänglich
gewesen sein durfte. Man bedenke schließlich auch, dass pharaonische
Grabstätten überwiegend geheim gehalten wurden, nicht aber deren Denkmäler
(Pyramiden, Tempel). Zwischen bekannten Gedenkstätten und unbekannteren
Grabarealen konnten so oft mehrere Kilometer Distanz gelegen haben.
Nach Lukan (um 50 n. Chr.)
befand sich die Grabstätte in einer in den Boden gehauene Grotte. Dies
würde die von Alexander erwünschte Grablegung nach Pharaonenart ebenso
bestätigen. Eine genaue Positionsangabe wurde jedoch nicht überliefert,
wurde geheim gehalten oder ging eigenartiger Weise verloren, obwohl das
Grabmal in dieser Zeit eine wichtige Pilgerstätte römischer Kaiser war.
Die bekanntesten Besucher
waren neben Cäsar sein Adoptivsohn und Nachfolger Augustus. Bei Augustus
Ehrerbietung brach angeblich Alexanders Nase. Auf die Frage, ob Augustus
auch die in der Nähe liegenden Ptolemäischen Königsgräber besuchen wolle,
soll er geantwortet haben: Ich kam einen König besuchen, keine Toten. Damit
versucht man die gemeinsame Bestattung in Alexandria zu erklären. Hätte es
damals jedoch wirklich eine gemeinsame oder nachbarschaftliche Bestattung
gegeben, hätte sich Augustus diese zwiespältig-ignorante Aussage ersparen
können. Das Zustandekommen dieser Aussage kann also eher im Kontext einer
etwas entfernteren Lage der Ptolemäischen Königsgräber verstanden werden,
für dessen Umweg Augustus sich keine Zeit nehmen wollte.
Die letzten bekannten
Besuche waren einmal die des Kaisers Septimus Severus 199 n. Chr., der in
der Gruft ein Archiv geheimer Tempelschriften der antiken Welt deponiert
haben soll und das Grab anschließend versiegelte. Ein weiterer Hinweis,
dass das Grabmal noch in dieser Zeit der Gefahr von Souvenirjägern
ausgesetzt war und nun mit geistigen Tempelschätzen nochmals aufgewertet
und wiederum abgeschossen werden musste.
Im Jahre 215 öffnete sein
Sohn Kaiser Caracalla - ein eifriger Verehrer Alexanders - die Grabstätte,
der den Zugang vermutlich ebenso wieder vermauert haben dürfte. Damit enden
die letzten zuverlässlichsten Überlieferungen um die Existenz des
Alexander-Grabes. Die späteren, mittelalterlichen Erwähnungen geben zwar
eine Verehrung eines Alexandergrabes in Gebäuden der Stadt Alexandria
wieder, doch kann es sich hier nur mehr um Gedenkstätten des Alexanderkults
gehandelt haben.
Anfang des 5. Jahrhunderts
n. Chr. fragte der Bischof von Konstantinopel Johannes Chrysostomos zum
verschollenen Alexander-Grab lakonisch: "Sagt mir, wer kennte heute
das Grab Alexanders des Großen?" Er wollte damit die Vergänglichkeit
menschlichen Strebens zum Ausdruck bringen. Die Frage gilt heute aber auch
als erster Hinweis, dass Alexanders Grab um 400 n. Chr. bereits verschollen
oder zumindest nur wenigen Eingeweihten bekannt gewesen sein dürfte. In
dieser Zeit stellte die aufstrebende Christenheit eine besondere Gefahr für
solche antiken Kulturgüter dar. Denn unchristliche Tempel, Denkmäler,
Gräber, Gebäude, wie die alexandrinische Bibliothek (seit Ptolemaios I. auf
mehrere hunderttausend Schriftrollen angewachsen) wurden Opfer einer
christlichen Kulturrevolution, an dessen Spitze in Alexandrien die heiligen
Theophilos und Kyrill standen, die ihre Christenpolizei auf alles
Nicht-Christliche hetzten. Selbst die Wissenschaft und ihre gelehrten
Vertreter waren ihres Lebens nicht mehr sicher, galten sie doch als
heidnisch. Bekanntestes Opfer war Hypatia (Philosophin, Astronomin) –
Theons Tochter, des letzten Leiters der großen
Bibliothek – welche man auf der Straße auflauerte, in eine Kirche
verschleppte und sie dort zerfleischte. In dieser zerstörerischen Zeit des
Umbruchs verschwanden so die meisten antiken Kulturdenkmäler häufig ohne
eindeutige Spuren zu hinterlassen. Dies gilt auch für die Grabstätte
Alexanders. Viele Forschungsbemühungen das Grab Alexanders zu entdecken,
verfehlten daher bislang ihr Ziel. Es bleibt nur zu hoffen, dass nur der
äußere Grabaufbau geschliffen wurde, und wenigstens der Eingang zur Gruft
entweder nicht mehr gefunden werden konnte oder einfach ignoriert wurde.

Das bislang interessanteste Forschungsprojekt
Auf die zahlreichen und oft
langwierigen Suchunternehmungen kann an dieser Stelle nicht eingegangen
werden. Stellvertretend soll aber eines der bemerkenswertesten erwähnt
werden: Mit dem Alexandria Project
startete der US-Parapsychologe Stephan Schwartz Ende der 1970er Jahre die
diesbezüglich außergewöhnlichste Grabsuche. Dabei gelang ihm mit Hilfe
einiger PSI-Medien die Entdeckung jener Stadtbereiche Alexandrias, die sich
im Hafenbecken unter Wasser befinden. Zwanzig Jahre später suchte und fand
dort der französische Unterwasserarchäologe Franck Goddio den Palast der
Kleopatra. Das Grab Alexanders blieb jedoch nach wie vor verschollen.
Zu meinem vorläufigen Ortungsergebnis
Das Alexander-Grabmal dürfte
sich nicht wie zumeist vermutet und gesucht innerhalb der Stadtgrenzen
Alexandrias befinden, sondern mit höherer Wahrscheinlichkeit etwa einen
Tagesmarsch außerhalb der Stadt in südwestlicher Richtung, der
untergehenden Sonne entgegen, gemäß der pharaonischen
Grabstätten-Tradition:
Im heutigen Burg
el-Arab oder Burg al Arab (arab. Turm der Araber) befindet sich
auch der dazu historisch zutreffendste Bereich. Die ursprünglichere,
(alt-)ägyptische Bezeichnung für den Ort lautet Abu Sir (oder Abusir)
und bedeutet Haus/Tempel des Osiris. Osiris
ist der altägyptische Totengott, der Gott der Unterwelt, der die Toten ins
westliche Jenseits führt. Dementsprechend befindet sich hier ein
quadratischer Osiris-Tempel von 90 m Seitenlänge, der unter den Ptolemäern
erbaut wurde. Unter dieser Zeit erfährt dieser Ort auch seine höchste
Bedeutung vorrangig als Totenkultstätte, insbesonders für den
griechisch-römischen Kulturkreis mit ägyptischer Ausrichtung. Zu jener Zeit
hieß die Stadt Taposiris Magna
(also griech. für Abusir die Große). Bekannter und
bedeutender war sowohl zuvor, als auch heute das Abusir von Memphis, die entsprechende pharaonische
Totenkultstätte von Memphis, wo einst auch Alexander der Große
vorübergehend bestattet gewesen sein soll, ehe er nach Alexandria
überstellt werden musste (s.o.). In Anlehnung an Abusir von Memphis könnte Taposiris
Magna als das entsprechende Abu-Sir
von Alexandria zu verstehen sein. Damit den eigentlichen Bestattungsort
von Alexander d. Großen zu verbinden, dürfte keine so große Schwierigkeit
bereiten, wäre sogar noch aus weiteren Gründen sehr naheliegend. So ist
etwa das Turm-Bauwerk (Turm der Araber) ebenso ein ptolemäisches Bauwerk
(erbaut unter Ptolemaios II.), vermutlich einst ein maßstabgetreuer Nachbau
des großen Leuchtturms von Alexandria (dem Pharos). Was kann aber ein weiterer
Leuchtturm in relativ geringer Entfernung zum großen Leuchtturm von
Alexandria für eine Funktion gehabt haben? Heute nimmt man an, dass er eine
funerale Funktion erfüllt haben muß. Ich möchte noch weiter ausholen und
präzisieren: Jene römisch-griechischen Pilger die nicht Alexandria, sondern
diese Totenkultstätte direkt ansteuern wollten, für die muß der einst 17 m
hohe Leuchtturm als wichtiger Orientierungspunkt für Taposiris Magna gedient haben. Augustus und andere römische
Pilger hätten damit direkt das Grabmal Alexanders ansteuern können, ohne
den Umweg über Alexandria nehmen zu müssen. Ein eindeutiger Vorteil für
jene Römer, die hauptsächlich oder nur wegen des Alexander-Grabmals nach
Ägypten pilgerten, und für die übrige (damals feindliche) ägyptische Kultur
kein Interesse hegten. Man denke nur an die damalige römische u. insbes. Augusteischen Ächtung Kleopatras und ihres römischen
Liebhabers Antonius, die zur römischen Eroberung Ägyptens führte. Aus
diesem Kontext heraus wäre auch jene Aussage des Augustus besser zu
verstehen, als er zum Alexander-Grabmal pilgerte („Ich kam einen
König besuchen, keine Toten“ ... s.o.). Interessant in diesem
Zusammenhang ist der bis heute teilweise erhaltene „Große Turm“
(franz. Tour Magne) in Nimes, ein
„Souvenir“ römischer Legionäre aus Ägypten oder besser gesagt
aus eben diesem AbuSir-Alexandria.
Was kann römische Legionäre bewogen haben diesen „Großen
(Leucht)Turm“ als kultisches Souvenir nach Europa mitzunehmen? Die
Erinnerung an das hier eventuell naheliegende Grabmal Alexander des Großen,
den sie als großen Feldherrn, Vorbild und gar personifizierte Lichtgestalt
(Mithras) verehrten? Es fällt
nämlich auf, dass die Mithras-Darstellungen häufig auch den
Alexander-Darstellungen ähneln. Dieser römisch-ägyptische Eindruck, den die
römischen Legionäre vor etwa 2000 Jahren nach Gallien verpflanzten wirkte
prägend auf das Stadtbild von Nimes bis auf den heutigen Tag. Die
sogenannte „Krokodilstadt“ Nimes trägt noch heute in ihrem
Wappenbild das an eine Palme angebundene Krokodil, das an die Eroberung
Ägyptens jener Legionäre erinnern sollte, die später hierher stationiert
wurden.
Erwähnenswert ist, dass zur
gleichen Zeit, als die Pilgerstätte des Alexanders-Grabs aus der Geschichte
verschwand, hier im einstigen Taposiris
Magna (heute Burg el-Arab)
die bedeutendste Pilgerstätte der koptischen Christen in Ägypten entstand -
das Deir Abu Mina, eine große Klosteranlage mit Basilika. Sie
ist bis heute dem Heiligen Mena gewidmet. Der fromme Athanasius soll mit
seinen Getreuen die sterblichen Überreste des Märtyrers in der Fremde
aufgesammelt und hier nahe seiner Heimat bestattet haben. Dass damit auch
gezielt vorherige Kult- und Pilgerstätten überprägt werden sollten, liegt
auf der Hand. Denn die Überreste des altägyptischen Märtyrers Osiris
sollten ebenso von Isis - seiner Schwester - in der Fremde aufgesammelt, in
die Heimat zurückgebracht und dort bestattet worden sein. Im dortigen
Osiris-Tempel wurde bereits vorher schon eine frühchristliche Kirche und
Kultstätte errichtet. Ob aber der damalige dort eher nicht mehr so aktuelle
Osiris-Kult allein ausschlaggebend dafür war, dort die größte
christlich-koptische Pilgerstätte zu errichten, mag bezweifelt werden.
Vielleicht war noch ein andere wichtige damit verbundene
römisch-griechische Pilgerstätte auszulöschen, - vielleicht die des
Alexander-Grabmals? Auch er starb in
der Fremde und wurde in seine neue geistige Heimat gebracht. Dieses und
andere heidnische Grab- und Kultbauten im Umfeld hätten gleichzeitig das
dafür nötige Baumaterial der neuen noch größeren, christlichen Pilgerstätte
Deir Abu Mina liefern können...
Wenn ich mir die
zahlreichen, großen Anstrengungen zur Alexandergrabforschung vor Augen
führe, erscheint es mir rätselhaft, dass bislang noch keine fundiert
ausgebildeten Ägyptologen, Archäologen, Althistoriker oder
Alexander(grab)-Forscher hier auf die Idee derart vorliegender
Zusammenhänge zu Taposiris Magna
-> AbuSir-Alexandria -> Alexandros Magnus gekommen sind, und
diesen Ortsbereich hierfür etwas näher begutachteten. Seit einigen Monaten
aber versuchen Archäologen hier wenigstens die Gräber von Kleopatra und
Antonius aufzuspüren – bekanntlich alles große Alexander-Verehrer ...
Linkauswahl
Zu Alexander d. Große:
http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_der_Gro%C3%9Fe
Zum Thema AbuSir-Alexandria:
http://wikitravel.org/de/Burg_al-%CA%BFArab_(%C3%84gypten)
http://www.wikivoyage.org/de/Taposiris_magna
http://www.egyptsites.co.uk/lower/delta/western/abusir.html
http://wikitravel.org/de/Deir_Ab%C5%AB_M%C4%ABn%C4%81
http://de.wikipedia.org/wiki/Abusir
http://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%AEmes
http://www.antikefan.de/staetten/frankreich/nimes/nimes.html
Aktuelleres zu AbuSir-Alexandria
http://weekly.ahram.org.eg/2008/900/he2.htm
http://www.g-geschichte.de/News-Altertum/Kleopatras-Liebestempel-in-der-Wuste.html
http://www.greece.org/alexandria/alexander/Pages/aftermath.html#Anchor-49575
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,337487,00.html
Literaturauswahl
Zum Alexander-Grab:
S. A. Schwartz: The
Alexandria Project, 1983/2001
J.Y. Empereur (Hg.): The tombs of Alexander the Great, 1997
A. Adriani: La Tomba di Alessandro, 2000
A.M. Chugg: The lost tomb of Alexander the Great, 2004/5
A. Bernand, F. Goddio:
Versunkenes Alexandria, 2005
D. Husemann: Mythos Alexandergrab, 2006
Zu Alexandrias Bibliothek :
Luciano Canfora: Die verschwundene Bibliothek, 1990
Home:

|