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Huf, South-Tyrol, Italy
Ad Mauros
Neue Ortungs- u.
Rekonstruktionsergebnisse eines verschollenen Alenkastells am norischen
Donaulimes
Interessant an dem Suchobjekt ist die mögliche, exotische
Verbindung einer mauretanischen Reiterei, also allg. von Einheiten
berittener Söldner aus Nordafrika, die auch hier an der oberen Donau
stationiert gewesen sein sollten. Im römischen Heer war dies nichts
Ungewöhnliches, allerdings hier im Norden archäologisch bislang noch nicht
eindeutig greifbar, was diese Geschichte noch spannender macht: Denn dies
dürfte auf ihre relativ kurze Wirkungszeit zurückgeführt werden, welche mit
ihrer früh-christlichen Zugehörigkeit in Zusammenhang stehen könnte und
damit gegen den Kaiser (z.B. Diokletian)
gerichtet war, was ihre mehr oder weniger gewaltsame Auflösung zur Folge
haben musste. Dazu sei an den Fall um den hl. Mauritus erinnert, wie auch
an den hier naheliegenden Parallelfall des hl. Florian von Lorch (siehe dazu nachfolgende Links). Beide Ereignisse
sollten sich zwischen 302-304 n.Chr. ereignet haben, - eine Zeit die für
dieses Alenkastell und seiner Besatzung ebenso
entscheidend sowie existenzbedrohlich gewesen sein durfte, wenn diese
teilweise oder überwiegend christlichen Glaubens war.
Weiterführende Hinweise zur Präsenz nordafrikanischer
Söldnereinheiten im römischen Heer mit mitteleuropäischem Bezug:
http://de.wikipedia.org/wiki/Mauritius_(Heiliger) von griech. mauro(s) für dunkel, verdunkeln
dazu der örtliche „Parallelheilige“:
http://de.wikipedia.org/wiki/Florian_von_Lorch von lat. florus für
blühend, glänzend
http://de.wikipedia.org/wiki/Thebaische_Legion
http://de.wikipedia.org/wiki/Legio_II_Traiana_fortis
In diesem Zusammenhang erscheint besonders folgender
kulturelle Aspekt interessant zu sein, dass erst mit dem Einzug
nordafrikanischer Söldner in Mitteleuropa das Christentum hier erstmals
verstärkt aufgetreten sein muss. Der frühe, massive Kult um die
christlichen Mauretanier u. Thebaner könnte kaum anders erklärt werden, als
eben mit ihrer Vorreiterrolle, die das Militär auch bereits bei der
Verbreitung anderer fremder Religionen gespielt haben muss, wie etwa zuvor
beim röm. Götter- u. Kaiserkult oder beim altägypt. Isis- und altpers. Mithraskult. Im
Gegensatz zu diesen Religionen war aber das Christentum der
Kaiserverherrlichung abgeneigt und tendierte zum Pazifismus, was
zwangsläufig zu extremen Konfliktsituationen gegen den
römisch-gott-kaiserlichen Militarismus führen musste, dessen Kultstätten
zentraler Bestandteil eines jeden Militärlagers war (im Principia-Gebäude: basilica und aedes).
Die Überlieferungssituation zum Alenkastell
Ad Mauros:
- equites promoti
ad mauros
(Quelle: Notitia Dignitatum,
Occ. XXXIV 31) – leichte Reiterei zu Mauros (vermutlich von lat. Mauri: Mauretanier)
- Marinianio
(Quelle: Tabula Peutingeriana) – vermutlich
auch: Mariniano oder *Mauriniano
Dieses Alenkastell Ad Mauros müsste sich um das
nächste, größere Kastell nach Boiotros (Passau) flussabwärts gehandelt haben. Nach Ad Mauros folgte in einem dazu
relativ kurzem Abstand Lentia (Linz), ein weiteres Alenkastell
noch vor Lauriacum (Enns)
dem Legionslager. Diese auffällig hohe Lagerdichte zwischen Eferding und Enns weist für
diesen Limesabschnitt eine höhere, germanische Einfallsgefahr (Markomannen)
aus.
Die zum Alenkastell Ad Mauros verbreitetste
Lokalisierungsangabe:
Die offizielle Fachmeinung vertritt vor allem den Standort
in Eferding (OÖ), dessen Zuordnung jedoch
unsicher ist, wegen bisher fehlender, eindeutiger archäologischer Indizien
hinsichtlich eventueller Lagerstrukturen.
http://www.limes-oesterreich.at/php/site.php?ID=217
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kastelle_in_Noricum_und_Oberpannonien
http://de.wikipedia.org/wiki/Donaulimes
Weitere Vermutungen von ortskundigen Forschern:
Ritzlhof oder Berg bei Ansfelden u. Schloss Weißenberg bei Neuhofen,
OÖ (Josef Stern)
Urmachl oder Schloss
Weißenberg bei Neuhofen, OÖ (Franz Ertl)
Neue Ortungs- und Rekonstruktionshinweise zu Ad Mauros:
Schloss Hartheim bei Alkoven,
OÖ
Der Ortsnamen Alkoven
(1079 Allenchoven)
erhielte - neben der Sammelbedeutung „alle Höfe“ - auch
Unterstützung vom Arabischen al-qubba, al-kauf für Kuppel, womit sogar ein linguistisch
treffendes Indiz für eine frühe Anwesenheit nordafrikanischer
Söldnertruppen gefunden wäre. Allerdings müsste dann der Kuppel-Begriff und
dieses römische Auxillarlager für das weitere
Umfeld von besonders prägender Bedeutung gewesen sein, damit sich dieser
ins Mittelalter hinüberretten konnte – zumal hier Lautähnlichkeit und
Bedeutung zwischen deutscher und arabischer Sprache ausreichend gegeben
wären. Ebenso die hier vorherrschende Ortsnamensendung –ham hätte sowohl eine germanische, als auch arabische
Bedeutung/Anwendung. Die eventuelle Kuppel könnte entweder auf ein
architektonisches Merkmal hinweisen (etwa bei einer Thermenanlage, s.u.)
oder auf die nahe Bergkuppe (Großhart oder Aichberg
im Süden), die als wichtige Wachstation zur Nachrichtenfernübermittlung
hätte dienen können.
Die
topographisch-funktionelle Lage:
Diese Position läge ca. 15 km vom nächsten Alenkastell Lentia entfernt, welches wiederum 15 km vom Legionslager
Lauriacum
entfernt lag. Für diese Lage spricht die übersichtliche Ebene ca. 1,5 km
vor dem ursprünglichen Donau-Limes-Verlauf, der hier zwischen Eferding und Wilhering eine
weite Schleife bildete. Das entspräche der Norm eines Alenkastells
am Limes, dessen Funktion einer militärischen Feuerwehr(station)
glich, die eine bestimmte Streckenführung zu verteidigen hatte: Nach
Ankunft von Nachrichten Limes-naher Wachtürmen zu
feindlichen Einbrüchen musste die Gefahrenzone von der hier stationierten
Kavallerie schnellstmöglich erreicht werden. Merkmal für die Schnelligkeit
dieser Aktionen waren Lagertore in allen vier Himmelsrichtungen, ein
freies, hindernisloses Umfeld und direkte Erreichbarkeiten bestimmter
Limesbereiche.

Das schematische Lager-Rechteck (hier ebenso im Vergleich
zur Urmappensituation, Franziszeischer Kataster
um 1825) betreffe die vermutete Kastellrekonstruktion in einer größeren
Ausdehnungsversion einer ala miliaria (5-6 ha, für 1000 Mann Reiterbesatzung).
Die kleinere Kastellversion (3-4 ha, für 500 Mann Reiterbesatzung) könnte
großteils innerhalb dieses Lagerschemas gedacht werden. Die
Lagerausrichtung längs des Limes-Verlaufs könnte auf die problematischsten
Punkte bei Eferding einerseits und Ottensheim-Wilhering-Kürnberger Wald anderseits
hinweisen. Letzterer hätte besonders hervorragend als Brückenkopf größerer
feindlicher Landeeinheiten dienen können, da durch den Kürnberger
Wald gleich eine taktische Haltestellung zur Verfügung gestanden wäre, die
es der bereits gelandeten Vorhut ermöglichte, die Hauptlandephase größerer
Heeresmassen abzusichern. Dementsprechend dürfte die porta praetoria (Haupttor) an dieser dem Kürenberger Wald zugewandten Seite gestanden haben.
Diese zweigeteilte Hauptrichtungsfunktion wird durch die bis heute
erhaltene Straßenführung zur porta principalis sinistra
(Linkes Lagertor) an der Lagernordseite ersichtlich, welche ebenso
ungewohnt zweigeteilt ist:
einerseits in Richtung Alkoven-Eferding:
Dorftstraße-Kirchenstraße und
anderseits in Richtung Wilhering-Kürnberger-Wald:
Die Schlossstraße mit zusätzlicher Abzweigung Richtung Parzweg.
Die Ausfallstraße der porta pretoria (Haupttor) entspricht heute
der Annabergstraße, dessen weiterführende Nordost-Direktive nicht mehr
durchgängig erhalten ist.
Die Straße aus der porta decumana (Hintertor) an der Lagerwestseite
entspricht der direkten Straßenführung Richtung Weidach,
dessen erstes Zwischenstück heute ebenso nicht mehr sichtbar erhalten ist.
Die Straße nach Süden (Bergleithenweg)
aus der porta principalis dextra (rechtes Lagertor) führt zunächst nach
Winkeln und dann weiter hoch zur Anhöhe bei Großhart (370 m), wo einst eine
Wachstation gestanden sein könnte. Die neue Straße stimmt jedoch nicht mit
der alten überein, welche die Anhöhe etwas östlich davon direkter erreichte.
Von Großhart konnte der noch höhere Aichberg (435
m) im Südwesten erreicht werden.
Bereits diese hier kurz aufgezeichnete Lage müsste den
Bereich um Hartheim in eine für die Römer strategische Schlüsselstellung
gerückt haben.
Hierzu noch einige
signifikante Unterbodenstrukturen in der Luftbildperspektive (Pfeile):
An der östlichen (rechten) Mauerlinie lassen sich an den
noch freien, ungestörteren Ackerstellen Unterbodenstrukturen erkennen, die
Tor- u. Turmfundamente darstellen könnten (Mitte porta pretoria und Südost-Ecke).
Etwa 320 m westlich des Lagers ist in der Ackerfläche eine
größere Unterbodenstruktur mit TH markiert, die
eine Thermenanlage oder ein Amphitheater anzeigen könnte. 250 m nördlich
davon könnte sich der Vicus V (zivile Lagersiedlung) befunden haben. Im weiteren Umfeld
sind noch andere Unterbodenmuster auszumachen (z.B. Richtung Parzweg, 150 m östlich des Bauhofes), auf die aber hier
nicht mehr näher eingegangen wird.
Künftige Ergebnisse aus der Feldforschung:
Das Suchprojekt geht auf Anfrage Dipl.-Ing. Mario Habichler (OÖ) zurück, der in einem der vermuteten
Bereiche tätig ist und sich so über die Situation vorab mehr Gewissheit
verschaffen wollte. Ich danke ihm für seine speziellen, örtlichen
Informationen (ortkundige Forscher, Grabungshinweise im Schloss Hartheim)
und über die Informationen, welche die nachfolgenden Feldforschungsarbeiten
vor Ort erbringen.
....
Ergänzende Links mit Hinweisen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Alkoven_(Oberösterreich)
http://archaeologie-ooe.info/orte/alkoven
http://de.wikipedia.org/wiki/Alkoven_(Bettnische) Dieses architektonische Merkmal und
dessen Bezeichnung könnte (ursprünglich) ebenso auf antike Thermenanlagen
angewandt worden sein, wo Badenischen apsisartig ausgebaut wurden und ihre
Decken häufig mit entsprechend kuppelförmigen Gewölben ausgeführt hätten
sein können – so ähnlich wie das noch von Kuppelöfen her bekannt ist:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kuppelofen
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Hartheim
Die Burg bestand im Mittelalter aus einem Turm mit Wohnhaus
umgeben von einer Mauer mit Wall und Graben. Dieser Umstand, insbesondere
in der für eine ritterzeitlichen Burg untypischen Lage, könnte eventuell
nur aufgrund einer bereits entsprechend vorgelegenen, römerzeitlichen
Lagerstruktur entstanden sein.
Im 16. Jh. wurde die Burganlage zu einem bedeutenden
Renaissanceschloss ausgebaut.
Heute ist es eine bedeutende Gedenkstätte der NS-Euthanasie:
http://de.wikipedia.org/wiki/NS-Tötungsanstalt_Hartheim
Bei den Grabungen nach den NS-Opfern im Ostgarten des
Schlosses wurden keine römerzeitlichen Spuren ausgemacht.
Beispiele zweier Alenkastelle am rätischen Limes:
http://www.antikefan.de/staetten/deutschland/limes/aalen/kastell.html
http://www.antikefan.de/staetten/deutschland/limes/biricianca/biriciana.html

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