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2001/10 Copyright by Winfried Huf
Astrologie-Kritik und Kritikanalyse – ein Beispiel
Professor R. Weinbergers Astrologie-Kritik als Reportage in der Wochenzeitung „Zett“ (Südtirol) vom 28.01.2001
Kritikanalyse von W. Huf
Nichts steht in den Sternen
Die Sterne lügen nicht. Sie
schweigen. Was die Astrologen mit Sternzeichen, Planeten und Horoskopen aus dem
Dunkel der Nacht herausdeuten, ist letztlich „ein großer Bluff“, meint
Universitätsprofessor Ronald Weinberger (Innsbruck).
Mit Bedauern stelle ich immer wieder fest, dass man auch von Universitätsseite her kaum einer konstruktiven Kritik zur Astrologie befähigt ist.* Man teilt lieber nichtssagende Schlagworte aus, anstatt es versuchen selber besser zu machen. Dabei fällt hier gleich ein erster, logischer Fehler auf, indem Herr Professor W. die Astrologie und die Astrologen in einen Topf wirft. Richtig wäre hier einführend eine entsprechende Unterscheidung zu treffen. Denn Menschen können sich irren. Ein Fachgebiet beschreibt hingegen (möglichst sachlich) einen bestimmten Bereich unserer wahrnehmbaren Wirklichkeit. Die Beschreibungen der Astronomie u. Astrophysik beschränken sich dabei auf das äußere physikalische Erscheinungsbild des Kosmoses. Die Astrologie beabsichtigt hingegen eventuell tiefer liegende Verbindungen zwischen Mikro- (Psychologie, Biologie) und Makrokosmos (Weltall, hier hauptsächlich auf unser Planetensystem bezogen) zu untersuchen und darzustellen, was eventuell noch in die Quantenphysik führen könnte. Um hier zu einigermaßen gültigen Aussagen kommen zu können, sind schon etwas komplexere Untersuchungen erforderlich, welche uns bislang auch von Universitätsseite schuldig geblieben sind. Im Gegenteil: Der kritische Vergleich des Astrophysik-Professors Planet=Kieselstein weiter unten veranschaulicht immer wieder, wie dieser Aspekt populärwissenschaftlich banalisierend übergangen wird. Ein Zeichen des oberflächlichen Zeitgeistes, von dem auch die moderne Wissenschaft befallen ist.
Hätte man in die Astrologie hingegen nur einen Bruchteil an Mühen investiert, wie sie bisher der Astronomie oder der Raumfahrt zugute gekommen sind, könnte sie heute bestimmt anders dastehen.
Oder: Wieviel
Jahre hat Herr Professor W. Astrologie studiert/erforscht, um auf dieses
vernichtende Urteil zu kommen? Möglicherweise hat er dazu nur einige Tage
investiert. Aber hat er dann hier die wissenschaftliche Sorgfaltspflicht nicht
„etwas“ vernachlässigt? Einige Tage Astrophysik-Studium machen ja
auch noch keinen zuverlässlichen Astrophysiker aus. Könnten die Herren
Wissenschaftler die alte Astrologie etwa a priori unterschätzt haben? Ist das
eines echten Wissenschaftlers würdig? ....
*18 Nobelpreisträger und weitere 168 führende Wissenschaftler
unterzeichneten bereits 1975 das generelle “Manifest gegen die
Astrologie” (Fachzeitschrift The Humanist, September-Ausgabe).
Eine detailliertere Begründung konnten sie auf BBC-Nachfragen aber nicht
abgeben, da sich diese nie wirklich mit Astrologie befasst haben.
Zwischenzeitlich hätten sich Wissenschaftler wie Prof. R. Weinberger
etwas fundierter befassen können, wenn sie sich schon weitere Urteile über eine
für sie eher fremde Materie erlauben.
Einfach zum Nachdenken: In rund 160 Kilometern Entfernung liegt
ein Stein, kaum größer als ein Tennisball. Wer jetzt glaubt, dass genau dieser
Stein durch irgendwelche magischen Kräfte Einfluss auf Gesundheit, Liebesleben,
beruflichen Erfolg und Charakter hat – ja, der darf weiterhin ruhig an
die Sterndeuter und ihre Horoskope glauben.
Ließe man nämlich den Planeten
Pluto samt seiner Entfernung von der Erde schrumpfen, bliebe der besagte
Tennisball in weiter Ferne. „Da hat vermutlich jeder Kieselstein im Eisack den größeren Einfluß auf
unser Leben“, scherzt Ronald Weinberger vom
Institut für Astrophysik an der Universität Innsbruck. Bei einem Vortrag an der
Urania Bozen räumte der Stern-Wissenschaftler mit dem
„mittelalterlichen“ Hokuspokus rund um die Sterndeutung auf...
Wieder so ein wissenschaftlich oberflächlicher Vergleich, der
nur scheinbar logisch klingen soll: Also wenn man Planeten bloß mit
Kieselsteinen vergleichen kann, dann könnte man bestimmt auch einige aus dem
Planeten-System entfernen, ohne dass gravierende (auch astrophys.)
Konsequenzen für die Zukunft des Planeten-Systems zu erwarten sind (der Pluto
allein ist aber hier kein Thema). Vermutlich lässt sich dieses
Kieselstein-Vergleichsverfahren auch auf die Gen-Bausteinchen des DNS-Systems
übertragen – zu klein für irgendwelche Auswirkungen? Oder Atome –
zu klein für irgendwelche Auswirkungen? Restrisiko bei Kernkraftwerken –
zu klein, für irgendwelche Auswirkungen? ... Oder handelt es sich hier einfach
nur um die bekannte wissenschaftliche Naivität mit dennoch nicht zu vernachlässigenden
Auswirkungen?
... Und zwar mit wissenschaftlichen Fakten. Etwa damit, dass 6000 sichtbare Sterne am Himmel für die Zunft der Zukunftsdeuter überhaupt keine Rolle spielen, aber von einigen wenigen Sternen plötzlich geheimnisvolle Kräfte ausgehen sollen. Diese Lichtpunkte am Nachthimmel setzen sich in der Phantasie der Menschen zu Löwen, Jungfrau oder Fisch zusammen; dagegen sieht der Forscher, dass diese Sterne rein gar nichts gemeinsam haben...
Erstens: In der Astrologie spielen auch wichtige Fixsterne eine
Rolle. Man konzentriert sich aber auf die wesentlichsten Bezugspunkte zur Erde.
Dazu gehört in erster Linie das nächste, kosmische Umfeld des Menschen: unser
Planetensystem. In der Wissenschaft ist dieses Sparsamkeitsprinzip auch längst
Standard („Ockhams Rasiermesser“...). Darüber
hinaus müssten die Kräfte der entfernteren Sterne ohnehin durch den Bereich des
näheren Planetensystems vorbei, um hier auch etwas mitmischen zu können.
Einerseits könnten sie dadurch die Planetenwirkung nur verstärken, anderseits
würden dadurch ihre Kräfte auch von den veränderlichen Planeten beeinträchtigt
werden. Zur besseren Vorstellung hier eine bildliche Erklärung: Das
Planetensystem ähnelt einer Mühle. Die potentiellen Kräfte der vielen
Fixsterne, die in dieses Mühlensystem von außen eindringen, entsprechen den
vielen Körnern, die in die Mühle eingeleert werden. Ihre
Eigenbewegung/Veränderlichkeit bezogen auf dieses Mühlensystem ist nahezu Null
(daher auch der Name Fixsterne). Würde sich also die Mühle (hier das
Planetensystem) nicht bewegen, würde nichts passieren und es könnten in den
kürzeren menschlichen Beobachtungszeiträumen wohl kaum dynamische Einflüsse
festgestellt werden. Erst über die Mühlenbewegung kommt auch Bewegung in das
viele Korn und erst dadurch kann es zu verschiedenen Mehlsorten
weiterverarbeitet und so nutzbar gemacht werden. Ähnlich bei der
Sonneneinstrahlung: Auch diese erweist sich für uns Menschen, Tieren... erst
über die uns nähere Erdatmosphäre von Nutzen, andernfalls wäre ihr zu starker
Einfluss sogar tödlich.
Zweitens: Was Löwe, Jungfrau, ... etc. angeht, das sind nur
Begriffe oder Schlüsselworte für bestimmte Bereiche. Die Steinzeitmenschen, die
sich das so ausdachten, hatten bereits eine ähnlich clevere Lösung, wie sie
beispielsweise noch heute im Computerzeitalter üblich ist, wenn für bestimmte
Programmbereiche (Ordner, Abschnitte) bestimmte Bezeichnungen oder Codes
benutzt werden. Damals aber, wo das Leben ungleich einfacher strukturiert war,
reichten dafür einige Bezugsbereiche und Bezugspunkte aus. Für die heutigen
höheren und zuweilen wissenschaftlichen Ansprüche hätte die Astrologie schon
längst dementsprechend angepasst weiterentwickelt werden müssen. So wie
einfache Bilder bereits mit wenigen Pixeln erkennbar sind, bedarf es für
komplexe Bilder und Wahrnehmungsansprüche eine ungleich höhere Pixelanzahl.
Auch, dass aus astrologischer Sichtweise immer noch die Sonne um die Erde kreist, beweist hier mittelalterliche Rückständigkeit (kleine Ergänzung von W. Huf, die von Prof. W. vergessen wurde, aber Teil der Astrologie-Kritik ist).
Die astrologisch orientierte Darstellung ist mit der des Radarbildschirms vergleichbar: Der Beobachtungspunkt steht hier in der Regel im Mittelpunkt. Was bitte ist daran so mittelalterlich? Und schließlich ist weder die geozentrische noch die heliozentrische Perspektive astrologisch: beide sind im Grunde astronomischer oder astrometrischer Natur und beide können und werden auch in der Astrologie berücksichtigt.
... Obwohl der Wissenschaftler darüber nur den Kopf schütteln kann, schaffen es die Astrologen, bestellte Wahrheiten vom Sternen-Himmel und den Leuten die Geldscheine aus der Tasche zu holen. Möglich ist das mit einem Griff in die Trickkiste, deren Geheimnisse Weinberger ein wenig lüftete...
... Und die Bauschalurteile gehen weiter. Im Übrigen ist der Anteil dominanter Wissenschaften an den Zerstörungs- (z.B. Waffensysteme, Ölkatastrophen, Kernkraftwerkskatastrophen...) und Profitbilanzen (Ausbeutung im Dienste des korrupten „Großkapitals“, Wirtschaftskrisen...) ungleich größer, als jener der Astrologen.
...Dazu gehören die so genannten „Barnum“-Texte, eine der wichtigsten Zutaten für die beliebten Horoskope. In diesen Texten sind allgemeine Aussagen so geschickt formuliert, dass jeder meint, das Geschriebene treffe (nur) auf ihn persönlich zu. Beispiel: „Sie haben einige Schwächen, können damit aber einigermaßen gut umgehen.“ Für wen gilt das nicht? Diesen immer wieder mit Erfolg aufgewärmten Brei würzen Wahrsager mit einigen Fremdwörtern (Aszendent, Quadratur), die wissenschaftlichen Eindruck schinden...
Ich habe mir vor sieben Jahren auch so einen (Computer-)Text zu
meinem Horoskop gekauft. Dabei kam ich zu einem anderen Schluss: „Wie
kann man es besser machen?“ Die allermeisten Kritiker denken gar nicht einmal,
hier selber konstruktiv tätig zu werden. Aber mit Kritik sind sie schnell zur
Stelle, testen mal vielleicht zur Abwechslung oder alibihalber
einige Astrologen und meinen damit auch gleich ein (definitives) Urteil über
die Astrologie insgesamt fällen zu können – zumindest den Anschein nach.
Wo bleibt da bitte die vielzitierte, vielbemühte wissenschaftliche
Sorgfaltspflicht?
Wie kann man es besser machen?
Indem man beispielsweise selber über Jahre hinweg (weniger reicht auch hier
leider nicht aus) das System Astrologie studiert, analysiert, Konzepte und
Methoden für eine effizientere Erforschung entwirft, umfangreiche astrologische
Datenanalysen vornimmt, ... Meine jahrelangen Erfahrungen damit zeigen die
Astrologie in einem ganz anderen Licht. Hätte ich hier den Herren Professoren
vertraut, hätten wohl die mich hinters Licht geführt bzw. an der Nase herum
(Doktor Faust lässt grüßen! J),
anstelle wenigstens etwas hinter der astrologischen Wirklichkeit.
In Sachen „Zukunft“ tappen die Astrologen im Dunkel des Sternenhimmels. Statistiken und Tests, so Weinberger, zeigen, dass „96% der Prophezeiungen falsch sind.“ Der traurige Rest seien „reine Zufallstreffer“, unterstreicht der Innsbrucker Universitätsprofessor, der auf internationale Studien hinweist.
Zu solchen
(Prophezeiungs-)Tests/Studien habe ich mich bereits weiter oben geäußert: Sie
sind für die Astrologie an sich irrelevant... (Update 2008) hier nur ein
aktuelleres Anschauungsbeispiel aus der Börsenastrologie:
Sie zeigt den DAX-Kurs (Deutscher
Aktienindex) in einer auffälligen Korrelation zu einer Bewegungsanalyse allein
der fünf entferntesten (!) Planeten, welche hier zusammen auf ein
entsprechendes Börsen-Kursbild projiziert sind (also von wegen Planeten=Kieselsteine!):

Aber vielleicht schafft es
Herr Prof. Weinberger einmal anhand von
Kieselstein-Bewegungen im Flusse Eisack oder Inn eine
ähnliche Prognoseleistung zu erzielen... Ich wünsche gutes Gelingen!
Fazit: Prof. Weinbergers wissenschaftliche Prognose zur Astrologie verhält sich selbst wie die Prognose eines Astrologen zu seinem Klienten (teils stimmig, teils falsch), mit dem Unterschied dass der überhebliche Wissenschaftler von der Treffsicherheit seiner „wissenschaftlichen Prognose“ absolut überzeugt ist, während der Astrologe sich auch hier sehr wohl seiner menschlichen Fehlbarkeit bewusst ist.
Angenommen es muss einmal auch seitens der offiziellen
Wissenschaftler die Existenz/Wirksamkeit eines gewissen astrologischen Prinzips
zugegeben werden, was sicher von erkenntnistheoretischer Bedeutung sein dürfte.
Welche Entschuldigung gäbe es dann für sie, die diesen bedeutsamen
kosmologischen und bewusstseinsfördernden Erkenntnisbereich jahrhundertlang
nicht nur maßgebend ignoriert, sondern auch noch unterdrückt und bekämpft
haben? Vielleicht auch nur irren ist menschlich? Als ob wir das nicht schon
früher gewusst hätten. So einfach könnten sie sich wieder aus der Verantwortung
ihrer naiv-wissenschaftlichen Sorgfaltspflicht ziehen – zum Nachteil
vieler in einer oberflächlichen Gesellschaft, die maßgeblich von einer
ebensolcher wissenschaftlichen Haltung geprägt ist.
Es gibt aber zum Glück
auch einsichtigere Wissenschaftler wie Max Plank, der da meinte: „Eine neue wissenschaftliche Wahrheit (oder Einsicht)
pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden
und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, dass die Gegner
allmählich aussterben und die heranwachsende Generation von vornherein mit der
Wahrheit vertraut gemacht ist.“ Damit setzt auch Max Plank bei Wissenschaftlern
und ihrem Urteilsvermögen zu besonders anspruchsvollen Gebieten eine
ideologische Verblendung voraus. Dementsprechende Verurteilungen der Astrologie
wie hier jene des Astrophysikers, können daher höchstens einen marginalen,
vergänglichen Wert beinhalten. Denn historisch und streng über-wissenschaftlich
betrachtet ist auf sie leider kein Verlass, weil sie zu derart problematischen
Disziplinen auch nur einfach ihre erlernten Sätze wie Papageien oder brave
Schulkinder nachsagen, denn so winken bald gute Belohnung, bessere Noten, mehr
Applaus oder schnellerer Karrieresprung. Dem ungemütlichen Hinterfragen und
Ergründen besonderer Problematiken mit dem dazu erforderlichen kritischen
Maximum seines Intellekts weicht man besser aus, springt lieber auf den
fahrenden Zug und lässt sich so von einem zum nächstbekannten Ziel kutschieren
usw. usf.
Updates 2010 zum betreff. Thema:
Astro-Prognosen -
Prognoseuntersuchungen zum Börsen- u. Währungshandel
Astrologische
Grundlagenforschung - eine Einführung
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